Skip to main content

Full text of "Neues Archiv"

See other formats


•^ .• . 



*;% 



^^^^ * 



■(;■)■> Ui 

;j':i!i**- 



i •*:» 



"■^"fW^S^ 



■ : \ 



"*'-*s. 



^.«t. 






Neues Archiv 



der 



Gesellschaft für ältere deutsche Oeschichtskunde 



Beförderung einer Gesammtausgabe 
der Quellenschriften deutscher Geschichten des Mittelalters. 



Z^veiundzwanzis-ster Band. 



~^i<r 



'^-^ 



HaiiuoYer und Leipzig. 

H a h n ' s c h e Buchhandlung. 
1897. 



DJ) 
Q33. 



Hannover. Druck von Friedrich Culemann. 



Inhalt. 

Seite 

I. Bericht über die zweiundzwanzigste Plenarversamm- 
lung der Centraldirection der Monumeuta Germaniae, 

Berlin 1896 1—9 

II. Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli 

und seiner Zeit. Von HermannBloch . . . 11—136 

III. Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. Zweiter 
Abschnitt. Von Harry Bresslau 137—221 

IV. Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 

Von Karl Hampe 223—286 

V. Miscellen: 

Eine Aufzeichnung aus Lorsch. Mitgetheilt von 

Ernst Dumm 1er • • 289-290 

Zur Geschichte des Klosters St. Airy zu Verdun. 

Von Ludwig Schmidt 291—292 

Ein päpstliches Schreiben gegen Kaiser Otto IV. 

Von Berthold Bretholz 293-298 

Formularbücher der Grazer Universitäts- Biblio- 
thek. IL Von J. Loserth 299-307 

Ein Codex sancti Maximini saec. XV. Von 

E. Schaus 308-309 

Nachrichten 310—333 

VI. Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. IL 

Von Karl Hampe. ^ 335-415 

VII. Ein untergeschobener Schiedsspruch von 1231. Von 

Georg Caro 417-441 

VIII. Die Annalen-Compilation des Dechants Christan Gold 

von Mattsee. Von Wi Ihelm Erb en ..... 443—499 
IX. Aus Handschriften des Erfurter St. Petersklosters. 

Von Oswald Holder-Egger 501-541 



VI Inhalt. 

Seite 

X. Miscellen: 

Das Nonnenalter. Von Theodor M o mm s e n 545 — 547 
Zur 'Weltchronik vom J. 741. Von Theodor 

Mommsen 548 — 553 

Zur Beurtheilung- der Hss. des Waltharius. Von 

PaulvonWinterfeld 554-570 

Ein unediertes Carmen de translatione s. Bartho- 

lomaei. Mitgetheilt von Bernhard Sepp 571 — 575 
Ein Brief des Gegenpapstes Anaclet (II.). Mit- 
getheilt von Paul Maria Baumgarten . 576—578 

Nachrichten 579—605 

XI. Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. III. 

Von Karl Hampe 607—699 

XII. Der sogenannte Serlo von Bayeux und die ihm zu- 
geschriebenen Gedichte. Von H. Böhmer . . . 701 — 738 

Xni. Miscellen: 

Zu .Tordanis. Von B. v. Simson 741—747 

Zur Erklärung eines Briefes Papst Hadrians I. 
an den Abt von S. Denis (J. 2491). Von 

Karl Hampe 748—754 

Zu karoliugischen Dichtern. Von Paul von 

Winterfeld 755—762 

Handschriftliches. Von M. Manitius . . . 763—768 
Zu den Annales Moguntini. Von Oswald 

Holder-Egger 769—770 

Wer ist Werner von Lüttich ? Von Ludwig 

Schmitz 771—775 

Nachrichten 776—793 

Register 794—806 



I. 

Bericht 

über die 

zweiiindzwanzigste Plenarversammlung 

der Centraldirection 

der 

Monumenta Germaniae 

Berlin 1896. 



Neues Archiv etc. XXII. 



Uie 22. Plenarversammlung der Centraldirection der 
Monumenta Germaniae historica wurde in diesem Jahre 
vom 9. bis 11. April in Berlin abgehalten. Durch eine 
Reise wurde Herr Prof. Mommsen an der Theilnahme 
verhindert, Herr Hofrath Maassen aus Innsbruck fehlte. 
Anwesend waren die Herren Prof. Br esslau aus Strass- 
burg-, Greh. Justizrath Brunn er, Prof. Dove aus München, 
Geheimerath D ü m m 1 e r als Vorsitzender, Geheimerath 
von Hegel aus Erlangen, Prof. Holder-Egger, Prof. 
Mühlbacher aus Wien , Prof. Scheffer-Boichorst 
und Geheimerath Wattenbach. Seine Excellenz Herr 
Geheimerath von Sybel war uns am 1. August durch den 
Tod entrissen worden. 

Im Laufe des Jahres 1895/96 erschienen 

in der Abtheilung Auetores antiquissimi : 

1) Chronica minora saec. IV. V. VI. VII ed. Th. 
Mommsen III, 2 (= A. a. XIII, 2); 

in der Abtheilung Scriptores : 

2) Deutsche Chroniken I, 2 (der Trierer Silvester, 
das Annolied) ; 

3) Annales regni Francorum inde ab a. 741 usque 
ad annum 829, qui dicuntur Annales Laurissenses 
maiores et Einhardi, recogn. Frid. Kurze; 

4) von dem Neuen Archiv der Gesellschaft Bd. XXI, 
herausgegeben von H. Bresslau. 

Unter der Presse befinden sich ein Folioband, 8 Quart- 
bände. 

In der Sammlung der Auetores antiquissimi steht nur 
noch die demnächst zu erwartende Schlusslieferung des 
3. Chronikenbandes aus. Ein ausführliches Register über 
alle 3 Bände ist Herrn Dr. Lucas in Charlottenburg über- 
tragen worden. Im Anschluss an diese Chroniken hat 
Herr Prof. Mommsen seit dem Sommer 1895 die Ausgabe 
des ältesten Theiles des Liber pontificalis bis auf Constan- 

1* 



4 Bericht über die zwei imdz wanzigste Plenarversammlung 1896. 

tiniis I. (t 715) übernommen und zum Zwecke einiger 
Nachvergieichungen im Januar eine Reise nach Italien 
angetreten. Vorstudien für diese seit Jahrzelinten vor- 
bereitete und längst mit Sehnsucht erwartete Ausgabe 
bringt das Neue Archiv. Der Beginn des Druckes ist für 
den nächsten Sommer in Aussicht genommen. 

In der E-eihe der Scriptores ist der Druck der mero- 
wingischen Heiligenleben im 3. Bande der SS. rerum 
Merovingicarum durch Herrn Dr. Kr u seh ununterbrochen 
fortgeschritten und hat nach vielen vorangehenden Ge- 
bilden frommer Dichtung mit Cäsarius von Arles festen 
historischen Boden erreicht. Die Vollendung des Bandes 
darf noch in diesem Jahre erhofft werden. 

Der 3. Band der Schriften zum Investiturstreite ist 
seit vorigem Sommer in Fluss gekommen; an Stelle des 
früher dafür thätigen Dr. D i e t e r i c h ist Herr Dr. Hein- 
rich Böhmer als neuer Mitarbeiter seit dem 1. Mai ein- 
getreten. Den bedeutendsten Antheil hat jedoch an diesem, 
wie an dem vorhergehenden Bande, Herr Dr. Sackur 
in Strassburg, zumal durch die Bearbeitung von Auszügen 
aus Gerhoh von Reichersberg. Nach einigen Schriften aus 
der Zeit Heinrichs V., darunter zwei von dem bekannten 
Honorius von Autun, tritt nunmehr der Streit Friedrichs I. 
mit Alexander III. in den Vordergrund. Erst nach den 
darauf bezüglichen Stücken soll dann eine Anzahl von 
Nachträgen auch für das 11. Jh. sich anschliessen, deren 
Umfang sich um so weniger übersehen lässt, als auch Herr 
Dr. Hampe in England noch einige bisher unbekannte 
Abhandlungen über die Priesterehe aufgefunden hat. 

Der Druck des 30. Foliobandes der alten Reihe der 
Scriptores ist nach längerer Unterbrechung seit December 
wieder aufgenommen worden, und zwar mit der Chronik 
des Erfurter St. Petersklosters. Die ausführlichen vor- 
bereitenden Untersuchungen zur Entwirrung der thüringi- 
schen Geschichtsquellen des späteren Mittelalters, welche 
Herr Prof. Holder-Egger im Neuen Archiv niedergelegt 
hat, haben die Ausgabe zwar wesentlich verzögert, aber 
auch entlastet. Neben den Ergebnissen, welche dieselben 
für den vorliegenden Band gehabt haben, sollen sie auch 
einem schon früher beschlossenen Bande von Monumenta 
Erphesfurtensia saec. XII. XIII. XIV in der Reihe der 
Handausgaben zu Gute kommen, dessen Druck im Sommer 
beginnen wird. Eine Reise nach Thüringen im Sept. 1895 
diente ebenfalls diesen Studien. Für die zweite Hälfte 
des 30. Bandes sind Nachträge zur Ottonischen und 



Bericht über die zweiundzwanzigste Plenarversammlung 1896. 5 

Salischen Zeit bestimmt, u. a. des Rang-erius Vita Anselmi 
und des Abtes Desiderius Miracula S. Benedicti. Herr 
Dr. B o e li m e r nimmt auch für diese Partie als Helfer 
die Stelle des Herrn Dr. Dieterich ein, während ein 
neuer Mitarbeiter, Herr Dr. Eberhard aus Giessen, 
nach seinem für den Sommer bevorstehenden Eintritt an 
den italienischen Chroniken des folgenden Bandes mit- 
arbeiten soll. 

In der Reihe der deutschen Chroniken ist Schröder 's 
Ausgabe der Kaiserchronik in erwünschter Weise durch 
den damit zusammenhängenden Trierer Silvester und das 
schon lauge sehnlich erwartete Annolied ergänzt worden. 
In dem 3. Bande gelangte der Text von Enikel's Fürsten- 
buche durch Herrn Prof. Strauch in Halle ziTm Abschluss, 
und es wurde als Anhang das von Herrn Jos. Lampel 
in Wien herausgegebene Oesterreichische Landbuch ge- 
druckt. Somit erübrigen nur noch Register und Ein- 
leitung, die im Laufe des Jahres nachfolgen werden. 
An dem 6. Bande hat Herr Prof. Seemüller in Inns- 
bruck seine Thätigkeit mit Eifer fortgesetzt und auf einer 
Reise nach England im Frühjahr 1895, sowie nach 
Oberösterreich weitere Hss. des Hagen ausgebeutet, auch 
die Zwettler Denkmäler an Ort und Stelle bearbeitet, 
doch werden noch fernere Studien in Wien und München 
nöthig sein, um den Umkreis dieser Chroniken genauer 
festzustellen. Die von Herrn Dr. Heinr. Meyer in 
Göttingen unter Leitung des Herrn Prof. Röthe heraus- 
zugebenden politischen Sprüche und Lieder in deutscher 
Sprache sind in regelmässigem Fortschritt begriffen und 
zeigen einen wachsenden Reichthum an Material. Herr 
Prof. Holland in München hat uns seine in früherer Zeit 
dafür angelegten Sammlungen freundlichst zur Verfügung- 
gestellt. 

Die Abtheilung Leges hat am 9. März durch den 
Tod ihres rüstigen und verdienstvollen Mitarbeiters Herrn 
Dr. Victor Krause einen schmerzlichen Verlust erlitten, 
um so schmerzlicher, als dadurch zunächst wieder der 
2. Band der Capitularia regum Francorum betroffen wird, 
der durch die Erkrankung des Herrn Prof. Boretius 
schon einmal eine lange Hemmung erfahren hatte. Dennoch 
hoffen wir das nur zum Theil abgeschlossene Sachregister, 
sowie die fehlende Einleitung mit Aufzählung der Hss. 
durch Herrn Prof. Zeumer noch in diesem Jahre vollendet 
zu sehen. Die Ausgabe des Benedictus Levita, für welche 
Krause im Winter vor einem Jahre eine Reise nach Rom 



6 Bericht über die zweiundzwanzigste Plenarversammlung 1896. 

unternommen hatte, ist dem Privatdocenten Herrn Dr. 
Emil Seckel in Berlin übertragen worden. 

Für die grosse Ausgabe der Leges Wisigothornm hat 
Herr Prof. Zeumer im Frühling 1895 in Paris den Codex 
Euricianns und andere Hss. verglichen, gefördert durch 
die stets von Neuem zu rühmende Gefälligkeit der Herren 
Delisle und Henri Omont, welch letzterer besonders 
auch Herrn Dr. Kruse h durch vielfache Auskünfte ver- 
pflichtete. Der Druck kann vielleicht schon in diesem 
Geschäftsjahre beginnen, während die Geschichte der west- 
gothischen Gesetzgebung einer besonderen Ausführung vor- 
behalten bleibt. Mit der neuen Ausgabe der Lex Baiuva- 
riorum ist der Prof. Frhr. von Schwind in Innsbruck be- 
traut, der in den Osterferien 1897 deshalb die italienischen 
Bibliotheken zu besuchen gedenkt. 

Von den durch Herrn Dr. Schwalm in Göttingen 
weitergeführten Constitutiones imperatorum steht der 
Druck des 2. Bandes im Eegister. Herr Dr. Seh aus hat 
sich an den Correcturen desselben in erspriesslicher Weise 
betheiligt. Für den 3. Band sind noch manche Nachträge 
erforderlich, bevor er druckreif werden kann, für den 4., 
zumal die Zeit Ludwig' s des Baiern, eine Archivreise nach 
München und an den Ehein, welche im nächsten Sommer 
stattfinden soll. Ein neuer Mitarbeiter bleibt für diese 
Abtheilung ein hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit zu 
befriedigendes Bedürfniss. Auch für die Leges ebenso wie 
für die Scriptores hat die Reise des Herrn Dr. Hampe 
nach England vielfältigen Ertrag geliefert, werthvolle 
Beiträge aus England und Frankreich verdanken wir für 
die Constitutiones imperatorum auch dem Herrn Dr. 
Herm. Herre in München. 

In der Abtheilung Diplomata hat Herr Prof. Br esslau, 
unterstützt von den Mitarbeitern Bloch und Meyer, den 
Druck der Urkunden Heinrichs II. langsam, doch stetig 
fortgesetzt. Während er selbst dafür in Paris und Besan9on 
einige Nachträge sammelte, besuchte Bloch die Archive 
von Vercelli, Novara, Pavia, Mailand. Durch seine Ent- 
deckungen ist der hervorragende Antheil, welchen Bischof 
Leo von Vercelli unter Otto III. und Heinrich an der 
Abfassung von Königsurkvinden gehabt hat, klar hervor- 
getreten und wird in einer Abhandlung des Neuen Archivs 
näher beleuchtet werden. 

Für die von Herrn Prof. Mühlbacher zu be- 
arbeitenden Karolingerlirkunden hat sein Mitarbeiter Dr. 
Dopsch von Ende März bis Mitte October 1895 einen 



Bericht über die zweiundzwanzigste Plenarversammlung 1896. 7 

grossen Theil Italiens bis hinab nach Neapel bereist und 
neben einigen unbekannten Stücken für viele bekannte 
bessere Formen der Ueberlieferung gefunden. Eben jetzt 
wird zu dem gleichen Zwecke Venedig und Friaul, das 
noch fehlte, von ihm nachgeholt. Unter den Vorständen, 
welche seine Zwecke in gefälliger Weise förderten, sind 
besonders P. Ehrle von der Vaticana und Arciprete 
Tononi in Piacenza rühmend hervorzuheben. Eine em- 
pfindliche Einbusse erlitten die Arbeiten des Herrn Mühl- 
b a c h e r durch die Berufung seines zweiten Mitarbeiters 
M. Tan gl als Professor nach Marburg, doch wird derselbe 
von dort aus benachbarte Gebiete wie Fulda und Hersfeld, 
Trier und Prüm noch ferner bearbeiten, und in Wien ist 
in der Person des Dr. Max Schedy ein anderer Hülfs- 
arbeiter an seine Stelle getreten. Eine Peise des Herrn 
Dr. Dopsch nach Belgien und dem nördlichen Frankreich 
wird für das nächste Jahr erforderlich. 

Von den Herrn Prof. Scheffer-Boichorst für 
die Vervollständigung der staufischen Königsurkunden be- 
willigten Mitteln hat er selbst mit günstigem Erfolge in 
Unteritalien und Sicilien eine Anzahl Archive besucht, 
und sein Mitarbeiter Seh aus hat zu demselben Zweck im 
November bis Januar das obere Italien bereist. Einige 
weitere Stücke lieferte auch Herr Dr. Bloch. 

In der Abtheilung Epistolae hat, nachdem der Text 
des Registrum Gregorii zu Ende gedruckt war, Herr Dr. 
Hart mann in Wien mit Hülfe des Doctorandus W eng er 
seine Arbeiten an dem Register fortgesetzt, welches ein 
sorgfältig ausgeführtes Bild aller sprachlichen Eigenthüm- 
lichkeiten Gregor' s darbieten soll. Die Vollendung des 
Druckes darf im Laiife des Jahres erwartet werden. 

Für den 5. Band der Epistolae hat zwar Herr Dr. 
Hampe die Briefe Einhard's, Frothar's, sowie einen Theil 
der päpstlichen druckfertig gemacht, während anderes von 
mir vorbereitet wurde, allein die Unzulänglichkeit unserer 
Sammlungen nöthigte doch vor allem, neues Material her- 
beizuschaffen. So begab sich denn Herr Dr. Hampe nach 
einem kleineren Ausfluge nach München und Karlsruhe 
im Mai von Mitte Juli 1895 bis in den Februar 1896 nach 
England, um in umfassenderer Weise, als es seit langer 
Zeit geschehen war, die dortigen Bibliotheken für die ver- 
schiedenen Abtheilungen zu durchsuchen. Eine hervor- 
ragende Stelle nahm darunter wegen der stets drohenden 
Gefahr einer Zersplitterung ihrer Bestände die jetzt dem 
Mr. Fenwick gehörende Bibliothek in Cheltenham ein, 



8 Bericht über die zweiundzwanzigste Plenarversamnilung 1896. 

der allein 34 Tage gewidmet wurden. Ein ausführlicher 
Bericht über diese besonders auch für das 13. Jahrhundert 
fruchtbare Reise ist in Vorbereitung-. Von der wichtigen 
und durch ihre Tironischen Noten schwierigen Hand- 
schrift des Servatus Lupus in Paris verdanken wir dem 
Prof. de Vries in Leiden eine ungemein sorgfältige Ver- 
gleichung. Eine kürzere Reise nach Brüssel und Paris 
würde für diesen und den folgenden Band noch wünschens- 
werth sein. 

In der Abtheilung Antiquitates hat Herr Prof. Herz- 
berg-Fränkel in Czernowitz durch einen Urlaub für 
den Sommer endlich die nöthige Müsse gewonnen, um das 
schon lange vorbereitete Register der Salzburger Todten- 
bücher zu Ende zu führen, doch bedarf es wegen der darin 
zu gebenden Erläuterungen einer Reise auf einige öster- 
reichische Bibliotheken. Von dem durch Herrn Dr. Traube 
in München herausgegebenen 3. Bande der Poetae latini 
Carolini fehlt nur noch das Register, welches Herrn Dr. 
Neff als Hülfsarbeiter übertragen ist. Für den 4. Band 
der Poetae ist Herr Dr. von Winterfeld hierselbst als 
Mitarbeiter seit einem. Jahre eingetreten, hierzu durch ein- 
gehendes Studium der altrömischen wie der mittelalter- 
lichen Dichter besonders berufen. Er hat sich seiner Auf- 
gabe auch mit so nachhaltigem Eifer unterzogen, dass der 
Druck der ersten, den Schluss der karolingischen Zeit ent- 
haltenden, Hälfte vielleicht noch in diesem Geschäftsjahre 
beginnen kann. Eine nochmalige Vergleichung der Hand- 
schrift der Gesta Berengarii in Venedig besorgte Herr Dr. 
Seh ans auf seiner Reise, Gedichte aus dem Ende des 
10. Jahrhunderts in Vercelli verglich Herr Dr. Bloch. 

Das Neue Archiv hat unter der Leitung des Herrn 
Prof. Br esslau in dem erweiterten Umfange von 50 Bogen 
seinen geregelten Fortgang gehabt und gebietet nach wie 
vor über eine reiche Fülle werthvoller Zusendungen. In 
den Redactionsausschuss ist an Stelle des Herrn von Sybel 
Herr Prof. Scheffer -Boichorst eingetreten. 

Vergloichungen verdanken wir ausser den schon Ge- 
nannten besonders noch den Herren Lebegue in Paris, 
Mons. Arne 111 in Monte Cassino, Dr. Jul. Koch in Rom, 
Prof. Pi renne in Gent, Canonicus Truchet in St. Jeau 
de Maurienne. Herr Prof. Holder -Egger wurde bei 
seinen Arbeiten auf der Bibliothek in Jena von Herrn 
Oberbibliothekar Dr. Müller in zuvorkommender Weise 
unterstützt und bei seinen Erfurter Studien von Herrn 
Oberlehrer Dr. Beyer daselbst. Aus Magdeburg besorgten 



Bericht über die zweiunclzwanzigste Pleuarversammlung 1896. 9 

ihm die Archivare Herren Dr. T h e u ii e r und Dr. Liebe 
Abschriften. Die Bibliotheksverwaltnng- des Grafen von 
Leicester zu Holkham erwies uns den hoch anzuerkennenden 
Dienst, die Hs. der sog. Gaudenzi'schen Fragmente der 
westgothischen Gesetze zur bequemeren Benutzung nach 
London zu übersenden. 

Allen diesen Herreu, ganz vorzüglich aber auch dem 
Auswärtigen Amte des Deutschen Reiches für seine stets 
gefällige Vermittelung und vielen Archiv- und Bibliothek- 
vorständen des In- und Auslandes, unter denen namentlich 
Paris, Brüssel, Gent zu erwähnen sind, sei unser wärmster 
Dank gewidmet. 



n. 



Beiträge 



Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli 
und seiner Zeit. 



Von 



Hermann Bloch. 



Wer in den letzten Jahrzehnten die Ereignisse zu 
berühren hatte, deren Schauplatz Italien nach dem Tode 
König- Arduins gewesen ist, der sprach die Hoffnung aus, 
dass über diese im Dunkel liegenden Vorgänge durch die 
Entzifferung der letzten Seite im Cod. CII der Dom- 
bibliothek zu Vercelli Klarheit werde gewonnen werden. 
Ein kleines Bruchstück hatte daraus E. Dümmler ^ ver- 
öffentlicht und sich dahin geäussert, dass 'bei wiederholter 
Betrachtung und Vergleichung' der zum Theil ganz er- 
loschenen, zum Theil durch Correcturen und, wie ich hinzu- 
fügen möchte, sehr starke Ligaturen nnd Abkürzungen 
schwer lesbaren engen Schrift es möglich werden würde, 
den grössten Theil des Inhalts zu ermitteln. Die Auf- 
forderung des Herrn Geheimrath Dümmler, welcher leb- 
haftes Interesse an diesem Blatte bewahrt hatte, ward für 
mich zur Veranlassung, dass ich mich bei einem Aufenthalt 
zu Vercelli im December 1892 an die Entziff'erung wagte 
und, weil damals äussere Umstände, namentlich anhaltender 
Nebel, die Arbeit sehr erschwerten, nochmals im Sommer 
1895 einige Tage der liebgewordenen Arbeit widmete. 
Blieb auch dann noch, wie ich schmerzlich empfinde, 
meine Lesung unvollkommen, so vermochte ich doch nur 
Unbedeutendes zu ergänzen, als ich im März 1896, durch 
eine andere Aufgabe in Anspruch genommen, wiederum 
den vertrauten Platz im Dom zu Vercelli einnahm. So 
bleiben auch jetzt noch immer grosse Lücken, die, wenn 
überhaupt, nur durch jemanden ausgefüllt werden könnten, 
dem bei täglicher, durch längere Zeit wiederholter Be- 
schäftigung die matten Spuren der fast erloschenen oder 
abgeriebenen Schriftzüge wieder erkennbar würden. Aber 
selbst in der fragmentarischen Gestalt, in der ich die Auf- 
zeichnungen nur geben kann, gewinnen sie eine, wie ich 
meine, unerwartete, ihre Veröffentlichung rechtfertigende 
Bedeutung. 

Nur der kleinste Theil der 34 cm hohen und 24 cm 
breiten Seite ist für die Beendigung der im Cod. CII 
enthaltenen Etymologieen des Isidor benutzt worden; vier 



1) Forschungen z. Deutsch. Gresch. XIII, 600 f. 



14 Hermann Bloch. 

Zeilen der linken Colnmne genügten dazu. Darunter steht 
in zwei Reihen : 'Explicit liber vigesimus. Deo Gratias. 
Amen. Amen. Amen.' Der übrige Raum ist mit völligster 
Ausnutzung in kleinster Schrift von derselben Hand aus- 
gefüllt worden, die auf dem ersten Blatte des Cod. CXLVII 
den nach Abschrift Studemunds und Krügers von Dümmler ^ 
veröffentlichten Brief und auf dem letzten leeren Blatte 
des Cod. XXXVIII die Excommunication des Grafen Ubert- 
eingetragen hat. Reifferscheid ^ bemerkte in seiner Be- 
schreibung des Cod. CII, dass auf der letzten Seite 'ver- 
schiedene Aktenstücke, die sich auf die Ardoinischen 
Händel beziehen', erhalten seien, Dümmler vermuthete 
eher eine zusammenhängende Klageschrift über die Gewalt- 
thaten der Arduinischen Partei. Der ersteren Annahme 
entspricht es etwa, dass unter dem Texte des Isidor, die 
Seite bis zum unteren Rande fast ausfüllend, drei Briefe 
über die Kämpfe in Oberitalien nach dem Tode des Königs 
Arduin (14. December 1015) eingetragen sind. Aber wir 
bemerken auch rechts und links von dem Isidortexte, sowie 
an dem von dem obersten Briefe freigelassenen schmalen 
rechten Rande zusammenhängende Schrift, welche indessen 
auf dem Kopfe zu stehen scheint; in der That, erst wenn 
wir den Codex umdrehen, erkennen wir darin eine Auf- 
zeichnung, die erstaunliche Aehnlichkeit mit der Urkunde 
Kaiser Heinrichs II. für die Kirche von Vercelli aufweist. 
Erst nach dieser Drehung, die wir mit dem Codex vor- 
genommen haben, verstehen wir aber auch, weshalb der 
letzte Abschnitt des untersten Briefes die rechte untere 
Ecke sichtlich meidet: es wird jetzt nämlich möglich, aus 
den spärlichen Resten, die wir vorher bei der Betrachtung 
der Briefe kaum beachteten, die Ueberbleibsel einer zwölf- 
zeiligen Elegie auf den im Kampf gegen Arduin gefallenen 
Bischof Petrus von Vercelli* zusammenzustellen. 

Von diesen mannigfaltigen Aufzeichnungen werden 
uns zunächst die Briefe beschäftigen, deren zeitliche Ein- 
reibung Vorbedingung für ihre historische Verwerthung 
ist; dann wird das Verhältnis des Urkundenentwurfs zvi 
der uns erhaltenen Kaiserurkunde Heinrichs II. für Vercelli 
St. 1634 ins Auge zu fassen sein. Werden hierbei mehr 
gelegentliche Aufklärungen von allgemeiner Bedeutung, 
namentlich über einzelne Vorgänge aus den Jahren 1015 — 
1017, gewonnen, so erschliessen die durch unser Blatt 

1) Forsch, z. Deutsch. Gesch. VUl, 387 flF. und unten S. 16 ff. 
2) Ebenda XIII, 600 ff. und unten Beilage I. 3) SB. der Wiener 

Akad. LXVni, 574. 4) Unten Beilage III. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 15 

angeregten Untersuchungen merkwürdige Zeugnisse für die 
Thätigkeit des Bischofs Leo von Vercelli und für seine Per- 
sönlichkeit; aus dem Schatten, in welchen durch die 
Eigenart unserer darstellenden Quellen die Räthe und 
Mitarbeiter der Herrscher gedrängt werden \ tritt seine 
Gestalt wenigstens in schwachen Umrissen hervor, und 
mit ihm erscheinen wichtige Ereignisse der Regierung 
Otto 's III. und Heinrichs II. in neuem Licht. 

Für die beiden ersten Abschnitte der Arbeit war es 
unbedingt nothwendig, den schon früher veröffentlichten 
Brief aus Cod. CXLYII und das D. St. 1634 abzudrucken; 
aber es erschien auch wünschenswerth, in den Beilagen 
noch einige andere jetzt verstreute, zu Leo in Beziehung 
stehende Stücke, bei denen meistens der Text durch erneute 
Collation in etwas gebessert werden konnte, zu wiederholen. 
An sie schliesst sich an letzter Stelle das noch unge- 
druckte und , wie es scheint , bisher überhaupt nicht 
bemerkte poetische Schreiben an, welches sich auf dem 
letzten Blatte des Cod. LXXXII zu Vercelli findet und 
das gleichfalls, wie wir nachzuweisen hoffen, grade in 
diesem Rahmen seinen Platz verdient, wenn auch sein 
litterarisches Interesse unzweifelhafter ist als sein histo- 
risches. Bei dem wenig erfreulichen Zustand, in dem uns 
nicht nur das letzte Blatt von Cod. CII, sondern auch ein 
grosser Theil der übrigen, mindestens an einzelnen Stellen 
kaum lesbaren Stücke erhalten ist, war es angemessen, 
durch den Druck möglichst genau den Stand der Ueber- 
lieferung darzustellen. Ich habe daher nur die Ergänzungen, 
die mir durch Schriftreste vollständig gesichert schienen, 
in eckige Klammern [ ] gesetzt, alle übrigen aber durch 
cursiven Druck hervorgehoben, so dass durch diesen, mag 
er bei einzelnen Buchstaben oder bei ganzen Worten und 
Satztheilen angewandt sein, durchweg die Unsicherheit des 
Textes und die Möglichkeit abweichender Lesung ange- 
deutet wird. Die Ausdehnung der Lücken suche ich 
überall möglichst genau dadurch anzugeben, dass die Zahl 
der Punkte derjenigen der ungefähr fehlenden Buchstaben 
entspricht. 

Indem ich hiermit die Ergebnisse meiner Arbeiten 
im Capitelarchiv zu Vercelli vorlege, ist es mir Herzens- 
sache, den Dank für die überaus liebenswürdige Aufnahme 



1) "Wie unzureichend unsere aus ihnen gewonnene Kenntnis nur 
sein kann, erweist grade Löwenfeld's verdienstvolle Arbeit über Leo von 
Vercelli, die sich ohne das jetzt erschlossene Material behelfen musste. 



16 Hermann Bloch. 

auszusprechen, die ich jederzeit dort gefunden habe; es 
gab keinen Wunsch, den die immer hilfsbereiten Archivare, 
die Herren Canonico Conti und jetzt Can. prof. Monti 
mir nicht zu erfüllen suchten. Wird ihrer hier mit ßecht 
besonders gedacht, so bewahre ich daneben doch auch 
dankbar die Erinnerung- an manche Freundlichkeit, die 
mir noch von andern Seiten dort erwiesen ist und die mir 
oft die Arbeit erleichtert hat. 

1. Zur Geschichte des Jahres 1016. 

Unter dem Texte des Isidor stehen die drei folgenden 
Briefe des Cod. CII derart, dass der letzte (IV) in den 
frei gebliebenen Raum zwischen den beiden andern (II und 
III) eingeschoben ist. Als der Platz dort jedoch nicht 
reichte, wurde an dem schmalen Rande weitergeschrieben, 
der rechts von dem unteren Briefe (III) noch leer war. Ihr 
enger Zusammenhang mit dem Schreiben des Cod. CXLVII 
erheischt dessen Wiederholung (I). 

Für das Verständnis des folgenden Druckes habe ich 
zu bemerken, dass ich die häufigen Nachtragungen über 
der Zeile in den Text eingesetzt habe, wo ihre Beziehung 
sicher war; in den andern Fällen habe ich sie über der 
Zeile stehen lassen. Typographische Rücksichten erforderten, 
dass sie dort petit gesetzt wurden. Ferner habe ich, was 
durch Streichen getilgt ist, mit einer Ausnahme ^ in die 
Anmerkung vervnesen, wenn die Textherstellung klar war; 
wo ich das Getilgte im Text belassen musste, ist es in 
spitze Klammern < > eingeschlossen. Hinzugefügt sei 
auch, dass bei den Briefen durchaus nichts in den Text 
aufgenommen ist, wofür nicht irgend welcher Anhalt in 
den Schriftresten gefunden wurde. Die Ausdehnung der 
Lücken endlich war oft bei dem, was über der Zeile steht, 
kaum festzustellen, da die Reste kaum sichtbar sind; be- 
sonders gegen Ende des zweiten Briefes ist nicht einmal 
zu erkennen, ob überhaupt Nachtragungen über der Zeile 
stattgefunden haben oder nicht. 

I. 

Vivas, C^sar H., si medio m . . . ^ Papiam exercitum 
miseris. Abas'^ Otolinus erit mendax, et imperator diffa- 

1) S. S. 17 N. 18. 2) Ergänzung nicht möglich; doch sicher 

eher 'maio' als 'martio'. 3) Hinter 'abas' steht die Interpunction ! ; es 
ist danach ganz unsicher, ob es zu 'Otolinus' (so cod.) gezogen werden darf. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 17 

mabitur. Peius enim modo ^ quam ante -, neque quicquam ^ 
ita indecens tibi* ab Ardoino vivente quam modo eo se- 
pulto. Nam eins milites omni[a], que dono eins tenuerunt, 
adbuc ^ tenent preter meam urbem et aliqua castella, qu§ 
in vita ipsius Ardoini '' militanter extorsit V. '' ; et in tantum 
insaniunt et vos vilipendunt, quod alium regem facere 
minantur. Vbertus comes mea castella ad[iu]torio Main- 
t'redi adhuc tenet et sacramentis et obsidibus contra nie 
firmavit, quod utique Ardoino vivo non f ecit ; sed li§c ideo 
presumit, quia fidutia Coloniensis archiepiscopi et fratris 
eius Heinrici'' episcopi omnia sperat sibi donanda et in- 
dulgenda". Loquimini ergo cum ipsis fidelibus vestris 
domno archiepiscopo Coloniensi et domno episcopo Heinrico 
Vuerziburgensi ^°, ne ei maledicto faveant neque neptim 
suam in execrandas nuptias contradant, quia tali*^ copula 
vestra et nostra erit [dijspersio et ipsorum qui faciunt 
citissima^- poenitudo. Dicunt etiam vestri et nostri inimici, 
quod Radulfus ^'^ rex, marcha Iporiensi ^* accepta, debeat 
ad nos venire, que teneo pervasurus ^'^ et vestros et meos 
periuros ^"^ in defensionem contra me recepturus, Ego ipse 
ad vos venirem, si crederem vos ad Baslam venturos. 
Verum, si vultis, in p[a]sch[a] cum Cumano et Tadone ad 
vos veniemus, si litteris vestris^' iusseritis. Mainfredus 
cum filiis Ardoini pervasit Iporeiam et communiter cives 
sibi iurare fecit. 

<Omnes Mediolanenses firmiter fidem vobis servant, 
quia pro Heriberto presbytero toti sunt conversi ad vestram 
fidelitatem.>^'' Archiepiscopus Mediolanensis fidei me§ et 
Cumani et Parmensi ^■' episcoporum ^^ et Tadonis se com- 
misit. Promittimus vobis certissime, quia in totum vobis- 
cum erit neque nnqtisim. nu[t]a[bit]. Sed neque fuit in- 



1) Daliinter 'et iudecentius' durch Unterstreichen 

2) Ueber getilgtem 'Ardoino vivo et'. 3) Ueber der Zeile nachge- 

tragen, -i) Dahinter 'eo vivente videbatur quam cum' getilgt. 5) Ueber 
getilgtem 'et modo'. 6) 'in vita ei' ist zwar durch Unterstreichen ge- 

tilgt und nur 'ipsius Ani' dafür über der Zeile eingesetzt ; ich schliesse 
mich indess hier Dümmlers Textherstellung an. 7) Wer hier gemeint 

ist , entzieht sich unserer Kenntnis ; doch vgl. darüber und über die 
Einnahme Vercelli's für Leo unten S. 28 X. 3. 8) 'H'. 9) 'et indul- 
genda' über der Zeile nachgetragen. 10) 'H. vuerzib.' 11) So statt 
'talis'. 12) 'ss' undeutlich; am 'm' fehlt ein Strich. 13) 'Rad.'. 

14) 'ipori'. 15) CoiT. aus 'pervadere'. 16) So ganz sicher. 17) So 
scheint aus 'litteras vestras' corr. zu sein. 18) Dieser ganze Satz ist 

von Leo getilgt; da indessen seine historische Bedeutung dadurch nicht 
beeinflusst wird, belasse ich ihn im Text, nur durch die Klammer ihn 
heraushebend. 19) 'pariusi'. 20) 'ep'. 

Neues Archiv etc. XXII. O 



18 Hermann Bloch. 

fidelis; sed non potuit sequi [t]e, ut voluit. Ideo vero pro- 
mittimus et super [n]os recipimus, quia ita est ^ archiepi- 
scopus vobis, sicut fuit Timotheus Paulo. Pro deo itaque 
honorate eum, &mti[f]icate -, nulli eius inimfico] credite. 
Vivat cum g-audio , moriatur in pace ; est liomo simplex 
senex et utique ab omni malo recedens neque utique de 

ecclesia nisi pro tua fidelitate tia non peto, 

equo plaustro pro tuo sen .... dticit'^. Appareat itaque 
vestra pietas, qu§ est regum et imperatorum mater; 
demulceat eius fidelem senectutem et ad^ spem iuvenile^ 
animum eius attollat. [U]num e[p] .... suo nepoti, quem 
magis pro vestra bonitate quam pro suo servitio confidit 
donandum. Pro deo itaque et vestra liberalitate et nostra 
petitione permittite sibi et per vestras litteras ei mandate. 
Erit enim l^tior et in vestro servitio nobiscum ferventior. 
In veritate enim , si non ^, nil in reg'no vobis "' valemus 
servire ^. 

II. 

De colloquio, quod precepistis in Eonkalia habendum, 
quod sie remansit infectum^, et super 



10 [tracjtando 11 | apparuerunt fecisse 

consilio illorum qui (iiHobus 

. . . nisi fallor, facta pace inter Uuilielmum 

1- rege creando con- 

stantii I nami^ ex leg-atione vobis co per^e. 

De üuilielmo i* edo i* et Uuiberto et Main- 



1) Dahinter 'vobis' ausgestrichen. 2) Oder vielleicht '/wstificate' ? 
3) Hinter 'sen' wäre Raum für etwa 12 Buchstaben ; indessen scheinen 
nur etwa 4 gestanden zu haben, das übrige freigeblieben zu sein. Ob 
ducü oder ducitur, bleibt unsicher. 4) Ueber der Zeile nachgetragen. 

5) So statt 'iuvenilem' über getilgtem *eius' nachgetragen. 6) 'si no' 

ohne Abkürzungszeichen. 7) lieber der Zeile nachgetragen. 8) Ob 
der Brief in der That hiermit endete, muss durchaus dahingestellt bleiben. 
9) '(juod — infectum' über der Zeile nachgetragen ; vielleicht erst nach 
Abschluss des Briefes. 10) Hier scheinen einige Worte der Urkunde 

über den Brief hinweggeschrieben zu sein; vgl. S. 52. 11) Oder 

'[tracjtand/'. — Es ist möglich, dass die beiden ersten Zeilen ursprünglich 
noch weiter zum rechten Rande hinübergingen, so dass die dort stehende 
Urkunde über den Schluss derselben hinweggeschrieben wäre. — Ich be- 
merke ferner, dass es \delleicht möglich sein wird, am Anfang der zweiten 
und dritten Zeile noch einiges zu entziffern. 1'2) Im Anfang der Lücke 
könnte et Alb, also et Albertum, etwas weiter vielleicht conspiratio oder 

conspirabant zu lesen sein. 13) Dahinter 'm mat' getilgt. 

14) Von hier bis 'edo' scheint durch Unterstreichen getilgt zu sein. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VercelU. 19 

[de Alberto] . . du <ne8- 

fredo ^ mihi noii respondistis | . . d nee scribere audeo <nec 
cio> neque audeo 

volo> scribere audeo <et enim>- Hoc uiiuni 

tantum ^ scio, quia et victoria vestra 

bene incepit pro re^. Sed lii qui vestri üdeles \ 

ex inusü^ redire. Erit sicut antea .... illa 

l)Ot . . . 

alia , quod m.erito'' confundentur, et 

magis a fidelibus quam ab infidelibus | 

cu 
fidelibus vestris, qui ample a vobis tractantur ^ et ^ maxime 



qui ex '• spexistis ^^ et p sa pro 

deo et bonitate vestra ens ei et bew eccta ü ^-, qu§ j 

pe habuit, ei reddite. Deum mhonorabitis et 

. . . a vobis deficiat. Verum est enim qui noXlot^^ reva.^^\ 
. . . . fidelium fuerunt vobis iiecessariora quam ista. 

De episcopatu meo singida dicenda: 

\2icet in orco. Won. ^^ et Mainfredus ^^ cum aliis ^'^ 

diripiunt que possunt, | audet nimis 

.... et .... ac publice quia, 

^'* sibi placuerit, vestram gratiam potest habere. 

Eogaverunt enim et rogant | gant et 

, que fecit. Super se recipiunt ... A ... . 

filii ^^ domnum Coloniensem et Uuerziburgensem, in quibus 



1) 'Mai' ; dahinter 'ignoro id enim' getilgt. 2) Diese Correcturen 
sind nicht recht verständlich ; der Sinn scheint zu sein : 'Da Ihr mir nicht 
geantwortet habt, wage ich nicht, Euch zu schreiben'. 3) Ueber der 

Zeile nachgetragen. 4) 'pre' deutlich. 5) Diese Buchstaben scheinen 
ganz sicher, ohne dass doch 'in usum' einen Sinn ergeben könnte. Viel- 
leicht ist 'u' Abkürzung für 'Uercellis' ; vgl. N. 12; davor wäre dann 
etwa 'minus' zu lesen. 6) Oder etwa 'mewte'. 7) 'qui — tractantur' 
über der Zeile nachgetragen. 8) Dahinter 'dicunt' getilgt. 9) Viel- 

leicht getilgt ; dahinter vielleicht 'audacia'. 10) Es ist nicht zu erkennen, 
ob hier nicht noch erheblich mehr über der Zeile geschrieben ist. 11) Ob 
'a-\ 'con-' oder 'despexistis' ganz unsicher. 12) Die Stelle bleibt unver- 
ständlich; statt 'be«' wäre 'beW möglich, statt 'ec' auch 'e<', aber was 
sollte 'ctaü'? Ist hier etwa ecclesiam Uercellensem verborgen? vgl. oben 
N. 5. 13) So cod.; jedenfalls verschrieben für 'noUet'. l-t) Dahinter 
'quam ista' getilgt. 15) Oder 'Wen'; ich weiss nicht, wer damit ge- 

meint sein könnte. 16) 'Mai'. 17) Dies Wort scheint mit mer oder mw 
zu beginnen; die Entzifferung würde w'ohl möglich sein. 18) 'quando', 
das man vermuthen könnte, scheint hier nicht zu stehen; vielleicht 'quo 
tempore'. Es ist wohl von Ubert die Rede. 19) Man darf wohl an- 

nehmen, dass es sich hier um die Söhne Arduins handelt. 

2* 



» 



20 Hermann Bloch. 

maiorem fiduciam speravi me posse habere . | ^ 

eri 

entia. Sed quia siim vobis fidelis nt illi - et . . 

super deum offendunt, sineii adiuvant 

ceter . . publice .... inter saracewos, id est inter canes 

sarce habit . . ^. Salvet deiis Coloniensem et Unerzi- 

biirgensem, si Ubertuni ] . . . . maledictiim biis 

vestris . . piunt ^. 

III. 

Semper *^ expectavi, ut iussio vestra pacem mihi f aceret 
et ab inimicis defenderet; sed aliter quam sperabam evenit.j 
Nam quotiens nvincii '' Uberti a corte vestra revertebantur, 
peius mihi totiens erat"*, et Vbertus elatior insurg*ebat.| 
Dulces enim sermones, qui ei a vestra parte maudabantur, 
et fiducia meorum bonorum, qu§ sibi promittebantur, | fece- 
runt eum cum fiducia peccare et in consilium mortis me^ 
audacter intrare. In tantam enim confidentiam spe gratie 

vestre sibi promisse erupit | ■' monasterio 

iunctus ipse Ubertus ^^ filio Ardoini et Uberto, cognato Main- 
fredi, et duobus nieis militibus et Guiberto et militibus Iporien- 

sibus I et cum venit super me vexillis erectis, 

ut me obsideret, caperet et occideret. Sed quia plures milites 

terram 

mecum erant quam speraret, dei gratia omnes | 

intraveranc^' 

aliquibus captis et multis vulneratis, scutis 

tultis et arniis. In altera die venit a vobis eins missus 



gratiam et d ^"- vestrain sibi promittens. 



1) Eine Stelle mit etwa neun Buchstaben dahinter getilgt. 2) *ut 
illi' über der Zeile nachgetragen. 3) Sinn und Beziehung ist unklar; 

die Lesung scheint al)er sicher. 4) Die Bedeutung des vorlietrenden 

Wortspiels erkenne ich nicht; hinter 'haljit' (man könnte an 'habitos' 
denken) steht ein 'e', dahinter noch ein Strich ; irgend eine Con'ectur 
ist jedenfalls vorgenommen. 5) 'e manihws vestris rr/piuut' V (5) Für 
diesen Brief, der noch am besten von den im Cod. CII stehenden erhalten 
ist, konnte ich Aufzeichnungen von E. Dümmler benutzen, die namentlich 
die Santhiä betreffende Stelle wiedergaben. 7) Ueber nicht getilgtem 

'missi' nachgetragen. 8) Ueber getilgtem 'fuit' nacligetragen. 9) Diese 
und die meisten folgenden Lücken am linken Rande der Seite. 10) 'ipse 
Ubertus' über der Zeile nachgetragen. 11) Vielleicht kami davor 

'uercellensem' ergänzt werden, worauf einige Spuren hindeuten. 12) Ueber 
dem vierten Buchstaben liinter d scheint ein Abkürzungsstrich zu stehen. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 21 

übertus statim elatus Sanctam Agatliam contra me durius ^ 
firmavit et liducia Mainfredi et Uuilielmi cum illis, quibus 

me occidere voluit, | in camp spe suorum 

consedit. Ego autem cum Papiensi et domno Nouariensi 
et cum Oberto et Anselmo et ß.- marchionibus obsessui 
super sanctam Agatham; die qua veni, castellum obsedi,[ 
. . . . pug'uavi et vi, dei gratia, expugnavi, multis occisis, 
plurimis vulneratis. Ea die effugata'^ est vulpes rufa cum 
Omnibus vulpeculis suis et ita facto vobis hoc honore l^tus] 
donium redivi^ et omnem meam terram de manu vestrorum^ 
et meorum inimicorum violenter detraxi *'. Hoc est inceptio 
victorie vestr§, que omnes terruit et ad vos coegit ' redire. 
Nunc autem, si übertus ad vos mittat siium filium obsi- 
dem. non illi, sed mihi gratias agite, qui eum ut fillonem 
sub armis | ^evici et effugavi. Rogo itaque vestram mi- 
sericordiam ^, ut '^ more imperiali . . . tractetis ^^ et me ha- 
beatis. Recipiat amiais^^ episcopus Uuerciburgensis eius 
filium obsidem, | sed vestram gratiam nullam habeat, donec 
ecclesi^ mee et morti me§ satisfecerit. Et ^^ mandate ipsi 

überto per suum missum, ^^ 

negatum 

redderet pro vestra iussione, quam fere rederet pro meo 
timore ^■-. Nunc videbo, cuius pretii apud vos | erit Leo. 
Omnes inimici mei risum et derisum | de me fecerunt, 
quia preceptum de quibusdam liberis, ! qui in Sancta 
Agatha contra me erant, | firmare noluistis, cum enim non| 
vultis, quod lex vult et iubetj. Imperatorum et regum 



1) Ueber der Zeile nachgetragen. 2) '0. et A.', über die sichere 
Auflösung vgl. S. 31 N. 3 ; 'et R.' über der Zeile nachgetragen. Mit 
Rücksicht auf die Worte S. 22 Z. 12 läge es nahe, hier 'et B.' zu lesen ; 
doch geben die Schriftreste dazu durchaus keinen Anhalt. Dass gi'ade 
der untere Bogen des B. so stark verblasst wäre, während im übrigen 
die Schrift hier recht gut erhalten ist, ist doch gar zu unwahrscheinlich. 
Ueber die Auflösung s. unten S. 31 N. 4. 3) con\ aus 'eöugatus'. 

4) 'et — detraxi' ist links unterhalb der Zeüe nachgetragen und durch 
Kreuze an diese Stelle verwiesen. 5) 'et meorum' über der Zeile 

nachgetragen. 6) Ueber nicht getilgtem 'eripui' nachgetragen. 7) Ueber 
durchgestrichenem 'cogit' nachgetragen. Wegen des Abschnittes, den ich 
hier annehme, vgl. unten S. 24 ff. 8) Ueber der Zeile ist nachgetragen, 
aber durch Streichen wieder getilgt : 'et per vos . . Coloniensem et fratrem 
eius Uuerziburgensem'. 9) Dahinter durch Unterstreichen getilgt: 'iam 
non ita eum recipiatis, ut ante, ut filium eius'. 10) '. . . tractetis' über 
gestrichenem 'filium recipiatis' nachgetragen; der erste Buchstabe könnte 
r oder s sein, der letzte vielleicht o. 11) Dies müsste wohl ironisch 

als 'Ubert's Freund' aufzufassen sein; ich weiss mit den Resten nichts 
anderes anzufangen. 12) 'Et — timore' ist rechts unterhalb der Zeile 

nachgetragen und durch Kreuze an diese Stelle verwesen. 13) Hier 

könnte etwas stehen wie 'si vestram gratiam vellet' . 



22 Hermann Bloch. 

parcere subiectis, | et dei. Sed facio ego : 'uuaregat seif 
iu uua[re] got^'. Et sin plumbo, saltem auro sigillatum, 
per hunc meum militem committite. 

IV. 

Ut iussistis, Urbam castellum vestrum cum illis [XV] 
dies - obsedimus. Sed quia hoc non cepimus nee potuimus ^ 
hec est causa: erant ibi milites nobiles Uuilielmi, 



quorum [V] ^ milief? f oris erant ; a . üb ^ [cum] 

maximo uu ., quia | pugnare quidem nolebant et 

pro vindemiis reditum semper minabantur *^. Albertus fide- 
\\ter cum Parmense et [No]u[ariense] ^ et Obertus et An- 
selmus et Bonif acius ^ . . . . u. Interim dum hec obsidio 

fit, Uuilielmus meum episcopatum vastavit, incendit 

[Mai]nfredus facto coUoquio cum Uberto et | Uberto et 
[Uui]berto et filiis Ardoini vastavit totum Iporiensem epis- 
copatum et illos milites, qui episcopo servire foluerunt". 

Hoc facto, cum militibus et cum episcopo 

Astensi versus nos iter Mainfredus cum Uuilielmo incepit 
et, ([uia uin\cere non potuit, colloquium mecum, cum Al- 
berto, cum Bonifacio et cum episcopis expetivit. Consilium 
tale Mainfredus dedit occulte : 'Scio, quia vestri milites 
castellum capere nolunt et cito, vobis nolentibus, recedent. 
Si vultis, I quamvis Imperator me odio habeat, tamen faciam, 
quod Uuilielmus castellum incendet, si milites suos ^°, qui 
mortuum Ardoinum adhuc ut vivum^^ regnare faciunt, sibi 
habere potuerit. Et honoratius ^- est imperio et vobis, ut 

castellum incendatur quam vobis nolentibus remaneat | 

Quia aliter nequivimus, hoc fecimus, V miliariis secessimus, 
veniensque Uuilielmus cum Mainfredo milites suos exstraxit, 
castellum incendit, incenso negocio infecto 



. .|^^,S§vierunt vestri hostes et si 



1) lieber diese Worte vgl. den Excurs, den Herr Prof. Henning 
beizusteuern die trüte hatte und für den ich ihm zum aufrichtigsten 
Danke verpflichtet bin. 2) 'XV dies' über der Zeile nachgetragen ; die 
Lesung ist nicht unbedingt sicher, aber höchst wahrscheinlich. 3) 'nee 
potuimus' über der Zeile nachgetragen. 4) Die Zahl ist wahrscheinlich. 
5) Etwa '■ab \Jherto\ 6) 'et pro — minabantur' über der Zeile nach- 

geti'agen. 7) 'et . . ii' sicher; 'no' dazwischen wahrscheinlich. 8) 'Bon', 
doch ist Z. 20 der Name ausgeschrieben ; dahinter etwa 5 Buchstaben, 
deren letzter ein 'u' ist (etwa 'pugnau[erunt] ' zu ergänzen?). 9) Ob 

'tjoluerunt' oder '«oluerunf, ist nicht zu entscheiden, wenn auch das erstere 
wahrscheinlicher ist. 10) Ueber getilgtem 'eins'. ll) 'ut vivum' über 
der Zeile nachgetragen. 12) Ueber getilgtem 'melius'. 13) Die 

folgenden zum grösseren Theile ganz abgeriel)enen Zeilen stehen auf dem 
schmalen Rande rechts von dem dritten Briefe. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 23 
I Scio itaque, quia nisi 



Qu ^ . . si haberetis, de regno non esset 1 ... 

si vultis habere, per epistolam mandate .... | ad vos 
venire. | 

Mainfredus - cum fratre episcopo gratiam qu^rit | 

deo vult de vita | Segusa 



Schon Dümmler^ hat als den Verfasser des ersten 
dieser Briefe den Bischof Leo von Vercelli (998/9—1026)'^ 
bezeichnet, der uns durch andere Nachrichten als der 
Führer der kaisertreuen Partei in Italien bekannt ist, und 
der geradezu als der Bezwinger Arduins gerühmt wird ^. 
Diese Zuweisung ist niemals angezweifelt worden und ist 
auf die Schreiben des Cod. C II als selbstverständlich aus- 
zudehnen. Die zahlreichen Correcturen, die oft kaum den 
Sinn der Sätze erkennen lassen, erheben über jeden Zweifel, 
dass wir es in allen vier Schriftstücken mit Entwürfen zu 
thun haben, und ein Blick auf die Art der Abänderungen, 
die alle von der gleichen Hand wie die ursprüngliche 
Niederschrift herrühren, überzeugt, dass der Schreiber der 
Briefe zugleich ihr Verfasser gewesen sein muss. Nennt 
Leo nun gar am Schlüsse des dritten Briefes '' seinen 
Namen, so steht völlig sicher, dass er selbst mit eigener 
Hand die Concepte auf leeren Blättern der ihm gehörenden 
Codices entworfen hat. 

Es erhellt ohne weiteres, dass die vier uns auf diese 
Weise erhaltenen Schriftstücke eng zusammengehören, dass 
sie alle an den Kaiser Heinrich 11.^ gerichtet sind und 
über eine Folge zusammenhängender Ereignisse berichten. 
Auch bedarf es nur weniger Worte, um unsere Anordnung 
derselben zu begründen. Denn der erste Brief enthält 
sichtlich eine allgemeine Darlegung über die Vorgänge in 
Oberitalien nach Arduins Tod und erweckt durchaus den 
Eindruck, dass Leo darüber noch nicht an den Kaiser ge- 
schrieben hatte. Auch unterscheidet er sich von den 
andern dadurch, dass nirgend auf frühere Mittheilungen 
des Bischofs oder auf Nachrichten, die vom Kaiser ge- 



1) Davor durch Streichen getilgt ' gratiam querit'. 

2) 'M'. 3) Forschungen VIII, 390. 4) Er erscheint zum ersten Male 
in DO. III. 323; doch vgl. den vierten Abschnitt. 5) Vgl. u. a. Benzonis 
Über ad Heinricum IV. (Mon. Germ. SS. XI, 635 ff.). 6) S. oben 

S. 21 Z. 21. 7) Der Anfangsbuchstabe seines Namens findet sich im 

Beginne des ersten Briefes. 



24 Hermann Bloch. 

kommen sind, Bezug genommen wird. Da andererseits 
der letzte Brief schon änsserlich als solcher durch seine 
Nachtragung' zwischen den beiden andern desselben Blattes 
zu erkennen ist, so können nur darüber Zweifel bestehen, 
ob wir diese letzteren in der angemessenen Ordnung 
gedruckt haben. Ihre Stellung lässt keine sichere Ent- 
scheidung darüber zu, weil sie nirgends einander un- 
mittelbar berühren ; immerhin halte ich für wahrschein- 
licher, dass der ziemlich dicht an den Isidortext an- 
schliessende, oben stehende Brief II der früher geschriebene 
ist. Etwaige Bedenken dagegen werden auch durch seinen 
nur zum kleinen Theile entzifferten Inhalt nicht voll- 
ständig gehoben. Denn während es scheint, dass die Worte : 
Victoria vestra bene incepit' ^ in ihm gegen meine Annahme 
anzuführen wären, weil sie dem Satze : 'hoc est inceptio 
victori§ vestr§' im dritten Briefe - erst folgen könnten, 
spricht im übrigen der Wortlaut für die Priorität des an 
die zweite Stelle gesetzten Schreibens. Die Bemerkungen 
über die Wahl eines neuen Königs nach dem Tode Arduins 
ebenso wie die über die Verbindung des Erzbischofs von 
Köln und des Bischofs von Würzburg mit dem Grafen 
Ubert schliessen sich durchaus an den ersten Brief an; 
in keinem der beiden andern ist davon die Rede. Ausschlag- 
gebend ist aber wohl, dass im zweiten Schreiben noch 
nichts von kriegerischen Unternehmungen weder Leo 's 
noch seiner Gegner verlautet und dass nach dem im dritten 
Briefe berichteten, nicht unbedeutenden Siege über Ubert 
und nach der Einnahme Santhiä's Leo sich kaum nochmals 
in so ungünstiger Lage befunden haben kann, wie das 
zweite Schreiben sie voraussetzt. Sicherlich ist darum die 
Entwickelung der Ereignisse in der obigen Reihenfolge 
der Briefe verständlicher. 

Das Eine jedoch wird noch zu erwägen sein, ob der 
dritte Brief in der vorliegenden Gestalt ein einheitliches 
Ganzes bildet, oder ob darin zwei zu verschiedenen Zeiten 
geschriebene Theile zu scheiden sind. In seinem letzten 
Abschnitt wird nämlich auf Dinge Bezug genommen, die 
nicht unbedeutend später liegen müssen als die vorher 
berichteten Kämpfe. Leo kann nicht wohl vor der hier 
erzählten Einnahme von Santhiä die gegen Schluss des 
Briefes erwähnte Urkunde über Ereie, die in diesem Orte 
gegen ihn thätig gewesen waren, vom Kaiser erbeten 
haben ; beklagt er sich nun gar, dass Heinrich ihm sein 



1) S. oben S. 19 Z. 3. 2) S. oben S. 21 Z. 11. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 25 

Gesuch abg-eschlag-en habe, so mnss seit der Eroberung 
des Ortes bei der Niederschrift dieser Zeileu schon geraume 
Zeit vergangen sein. Dass nun aber nicht etwa der ganze 
Brief, sondern nur dieser letzte Abschnitt so viel später 
entstanden ist, wird durch einige Verbesserungen wahr- 
scheinlich. Leo hatte ursprünglich nur gesagt, dass er 
nach dem Siege von Santhia fröhlich heimgekehrt sei; 
erst in einem Nachtrag fügte er hinzu, dass er sein ganzes 
Gebiet vom Feinde befreit habe ^. Zwischen Text und Zu- 
satz muss also gewisse Zeit verflossen sein. Und nicht 
anders ist es, wenn in dem anschliessenden Satze: 'hoc est 
inceptio victori§ vestre, que omnes terruit et ad vos cogit 
redire' das Praesens durch das Perfectum 'coegit' ersetzt 
worden ist. Beginnt mit den unmittelbar folgenden Worten 
über die Sendung des Sohnes Uberts der in sich ohne 
Zweifel einheitliche Schlusstheil des Briefes, so würde 
gerade hinter 'redire' mit gutem Grunde der Einschnitt 
gemacht werden können. Auch sachliche Momente lassen 
sich dafür beibringen; denn es ist gewiss auffallend, dass 
in diesen letzten Sätzen von Uberts Frieden mit dem Kaiser 
die Rede ist, während wir ihn im vierten Briefe wieder 
im Kampfe gegen Leo sehen, und dass andererseits am 
Ende des vierten Schreibens unter denen, die den Frieden 
wünschen, Ubert nicht genannt ist. Dies würde am besten 
durch die Annahme erklärt, dass der dritte Brief ursprüng- 
lich mit der Nachricht von dem Siege Leo's bei Santhia 
und seiner glücklichen Rückkehr schloss, dass darauf die 
im vierten Schreiben berichteten Vorgänge folgten, die zu 
dem allgemeinen Wunsche nach Frieden führten, und dass 
erst an das Ende dieses vierten Briefes der Bericht über 
die Verhandlungen mit Ubert von den Worten: 'Nunc 
autem si Ubertus' an zu stellen wäre. Was den äussern 
Befund der Stelle anbetrifft, so ist es sehr wohl möglich, 
dass Leo zunächst den unteren Theil der Seite nicht be- 
nutzte, der rechts durch die oben ^ erwähnte Elegie, in der 
Mitte durch einen grossen Fleck wenig Raum bot; erst 
als ihm für die Beendigung seines vierten Schreibens kein 
anderer Platz mehr blieb, hätte Leo im Anschluss an den 
früher beendeten dritten Brief hier unten zu schreiben fort- 
gefahren. Mit diesem Theile würde dann der letzte Brief 
Leo's im Cod. CII geendet haben ; seine letzten Worte deuten 
auf eine Urkunde, deren Ausstellung der Bischof von 
Heinrich II. erbittet. Es liegt nahe, diese in dem Entwurf 



1) S. oben S. 21 Z. 6 £f. 



26 Hermann Bloch. 

zu sehen, welcher, höchst wahrscheinlich nach allen Briefen 
geschrieben, den oberen Theil derselben Seite einnimmt. 
Halte ich in Anbetracht alles dessen dafür, dass der letzte 
Theil des dritten Briefes von 'Nunc autem' ab von diesem 
zu trennen und an den Schluss des vierten zu setzen wäre, 
so ist dies immerhin ein untergeordneter Punkt, über den 
die Entscheidung jedem freistehen mag. 

Es bleibt uns nur die eine, aber wichtigste Frage zu 
erörtern, in welche Zeit die Briefe gehören ^. Dafür müssen 
wir uns jedoch die Ereignisse in Oberitalien seit Heinrichs 
zweitem Eömerzuge im Jahre 1014 vergegenwärtigen, so 
weit die nur dürftigen Quellen das gestatten-. König 
Arduin, über dessen wechselnde Machtstellung seit 1004 
wir nur Vermuthungen hegen können, soll 1014 bei Hein- 
richs Ankunft in Oberitalien ihm gegen die üebertragung 
einer Grafschaft seine Unterwerfung angeboten haben ^. 
Dass der König, ohne darauf einzugehen, ja ohne, wie es 
scheint, sich irgend um Arduin zu kümmern, seinen Zug 
über Pavia und Ravenna nach Rom fortsetzte, beweist mehr 
noch als das Gesuch selbst, wie wenig jener damals zu 
fürchten war. Was ihm nun eigentlich wieder die Macht 
gegeben hat, dass er kaum ein halbes Jahr später, sogleich 
nach Heinrichs Fortgang aus Italien, hervorbrechen, sich 
des Bisthums Vercelli vollständig bemächtigen , Novara, 
Como, Pavia aufs schwerste bedrohen konnte \ ist für uns 
nicht recht deutlich. Auf Grund von Thietmars Bericht 



1) Den ersten Brief setzten Dümmler a. a. O. VIII, 392 etwa ins 
.Tahr 1017, Bresslau (Jahrbücher Heinrichs II. III, 120) und Schnürer, 
Piligrim Erzbischof von Köha 100 zum Ende 1016, Giesebrecht, Greschichte 
der Deutschen Kaiserzeit 11"", 614 in den Anfang und II'', 615 in den Lauf 
des Jahres 1016, Löwenfeld, Leo von Vercelli 39 — dem sich Pfister 
Etudes sur le regne de Robert le Pieux 367 angeschlossen hat — Ende 1016 
oder Anfang 1017. Löwenfeld (S. 43) wies das allein bekannte Bruchstück 
der Briefe II — IV in den Anfang i019, während Schnürer S. 100 ff. es 
mit Recht eng an den ersten Brief anschloss und es unmittelbar vor oder 
nach dem Eintreffen Pilgrims in Oberitalien .lanuar 1017 geschrieben sein 
Hess. — Das erheblich reichere, jetzt aus den Briefen zu gewinnende 
Material überhebt micli der Nothwendigkeit, diese verschiedenen Ansichten 
zu besprechen und zu widerlegen. — Bertolini, Saggi critici di storia italiana 
hat in der 'Esposicione critica delle spedizioni di Arrigo IL in Italia' 
(p. 153 ff.) auch den ersten Brief nicht benutzt. 2) Vgl. für das 

Folgende namentlich Hirsch, .Tahrb. Heinrichs IL II, 414 ff. und III, 119 ff. 
sowie die Schrift von Löwenfeld. 3) Thietmar VII, 33 (VI, 57). 

4) Arnulfi Hist. Mediolan. I. 16 (Mon. Germ. SS. VIII, 10) und die 
Urkunden St. 1632—1634. Mit Recht ist aber daraufhingewiesen worden, 
dass die Schilderung der Flucht Peters von Novara in St. 1632 sich auf 
frühere Ereignisse beziehen müsse, da diejenigen des J. 1014 durch 'nunc 
praescntialiter' in Gegensatz dazu gebracht werden. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 27 

hat mau an eine planmässige Verbindung zwischen der 
Bewegung in der Lombardei und dem Aufstand in Eom 
gegen den Kaiser gedacht^; gegen eine solche Annahme 
aber spricht entschieden, dass die Empörung in Rom 
während Heinrichs Anwesenheit aus der besondern, nicht 
vorherzusehenden Veranlassung seines energischen Auf- 
tretens zu Gunsten von Farfa gegen die Crescentier aus- 
gebrochen, unmöglich von langer Hand vorbereitet gewesen 
ist. Sicher ist nur das eine, dass die Politik des Kaisers 
in Italien Arduin neue Verbündete verschaflEt haben muss; 
eine einzelne Spur weist darauf, die Gerichtsurkvmde der 
Königsboten Bernhard und Mazzolin vom März 1014 aus 
Arezzo, in der zu Gunsten des Klosters S. Lucilla und 
Flora gegen Ansprüche der Otbertiner Markgrafen ent- 
schieden wurde'-. Eben diese haben im Sommer 1014 in 
den lombardischen Wirren eine hervorragende Rolle ge- 
spielt. Wohl hören wir auch noch von anderen Partei- 
gängern Arduins, wie von dem Grafen Albert von Parma 
und seinen Söhnen, von dem Grafen Ubert, Hildebrands 
Sohne, und Wibert, dem Sohne des Grafen Dado'^; allein 
die Gefangennahme von vier Otbertiner Markgrafen^ scheint 
genügt zu haben, um der Empörung Halt zu gebieten und 
ihr den besonders bedrohlichen Charakter zu nehmen, wenn 



1) So u. a. Giesebrecht II", 125 f. und im Anschluss an ihn Sackur, 
Die Cluniacenser 11, 12, wo N. 3 nicht beachtet ist, dass Thietmar VIII, 1 
(VII, 1) erst von einei' späteren Gefangennahme der Markgrafen berichtet. 
Thietmar's ungenaue Darstelhing kann jetzt noch weniger Wunder nehmen, 
da wir so recht seinen unzureichenden Bericht über die italienischen 
Ereignisse nach Arduins Tod Ijeurtheilen können. — Vgl. über alles, was 
den römischen Aufstand betrifft, Pabst in Jahrb. Heinrichs II. II, 427 ff. 
und 462 ff. 2) Muratori, Antichitä Estensi I, 190. — Zu beachten ist 

in diesem Zusammenhange auch die Mittheilung der Diminutio Farfens. 
Mon. Germ. SS. XI, 542 über die Aufzeichnung des verlorenen Kirchen- 
gutes. 8) Vgl. die Urkunden St. 1632—1634. 1655- 1657. — Gleichzeitig 
mit den ersteren scheint, wie wir später im dritten Abschnitt erweisen 
werden, auch das in St. 1908 bestätigte DH. II. ausgestellt zu sein ; doch 
muss Hieronymus von Vicenza Arduin schon in früheren Kämpfen unterstützt 
haben, vgl. Bresslau, Jahrb. Konrads II. I, 121 N. 3. 4) Thietmar 

VIII, 1 (VII, 1) nennt drei, die allgemein als die Söhne Otberts II. von 
Este : Hugo, Albert Azzo I. und Adalbert IV. angesehen werden. Einen 
vierten, wohl auch schon in Italien entkommenen, nennt Arnulf I. 18 (SS. 
VIII, 11) Obizo, den man im Anschluss an Bresslau in Jahrb. Heinrichs II. 
III, 219 und Kom-ads II. I, 418 für den Aledramiden Otbert I. gehalten 
hat. Die jetzt durch unsere Briefe belegte deutschfreundliche Haltung 
des letzteren schliesst dies aber gänzlich aus. — Wenn Otbert IV. Obizo 
von Este in der That, wie Bresslau in Jahrb. Konrads II. I, 418 f. 
vermuthet, der Sohn des schon im J. 996 toten Otberts III. ist, sehe ich 
keinen Grund, weshalb er nicht der 1014 gefangene Obizo sein sollte. 



28 Hermann Bloch. 

allerdings auch danach die Euhe noch nicht wiederher- 
gestellt wurde. Von den Gefangenen sind wohl zwei, Hugo 
und Obizo, noch in Italien selbst entkommen, die beiden 
andern aber wurden, vielleicht durch Leo selbst^, nach 
Deutschland gebracht. In Westfalen wurden sie Ende 
August oder Anfang September 1014 mit den übrigen 
Empörern des Majestäts Verbrechens für schuldig und ihres 
Besitzes für verlustig erklärt -. So schien nach kaum drei 
Monaten die Kraft des Aufstandes gebrochen zu sein, und 
reiche Geschenke entschädigten die treuen Bischöfe Alberich 
von Como, Peter von Novara, Leo von Vercelli und die 
Kirche von Pavia. 

Noch einige Zeit hielt sich Arduin im Gebiete von 
Vercelli; als ihm aber die Stadt entrissen wurde, gab er, 
wohl auch durch Krankheit entmuthigt, seine Sache ver- 
loren^ und zog sich in das mit seiner und der Seinen 
Unterstützung begründete Kloster Eruttuaria zurück, wo 
er die königlichen Insignien niederlegte und Mönch ward. 
Im Kloster ist er am 15. Dezember 1015 gestorben^. 

Es ist hier nicht der Ort zu prüfen, welcher Art die 
Gegensätze gewesen sind, die Oberitalien seit fast zwei 
Jahrzehnten zum Schauplatze fast unaufhörlicher Kämpfe 
gemacht haben. Wohl hat Arduin von Anfang an einen 
besonders lebhaften Antheil an ihnen genommen, aber 
nicht er hat sie allein hervorgerufen, und nicht mit seinem 
Tode haben sie aufgehört. Die Bedeutung von Arduins 
Königthum beruht sehr viel weniger auf seiner Persön- 



1) Vgl. darüber den vierten Abschnitt. 2) Vgl. St. 1633. 1631. 

3) Gegen Löwenfeld 39 N. 2, der sich nur auf die auch sonst vielfach 
nicht verständlichen Correctui'en dieser Stelle im I. Briefe beruft, halte 
ich mit Bresslau in Jahrb. Heinrichs II. III, 120 dafür, dass die dort 
erzählte Einnahme von Vercelli mit der von Thietmar VUI, 21 (VII, 17) 
berichteten identisch ist. — Wer der V. ist, welcher Vercelli wieder für 
Bischof Leo erobert hat, steht dahin. Ich möchte nur darauf verweisen, 
dass ein Graf Ubert, ein Sohn des nach DO. III. 50 in der Grafschaft 
Vercelli begüterten Manfred ('filius Aimonis'), 1006 — 1031 nachweisbar 
ist. Auch dessen Verwandtschaft mit den Gi-afen von Lomello liesse sich 
für seine Stellung auf kaiserlicher Seite anführen, wenn die Vermuthungen 
des gelehrten D. Oarutti, II conte Umberto I. e il re Ardoino 359 f. 
zutrefien. 1) 'XVIII. kal. .Tanuarii' Necrol. S. Benigni bei Montfaucon, 
Bibl. Mss. II, 1165 (die abweichende Angabe bei Sackur, Die Cluniacenser 
n, 11 N. 1 beruht auf einem Versehen) ; das Jahr ergiebt sich aus der 
Einreihung bei Thietmar VIII, 21 (VII, 17), wo jedoch der 30. October 
als Todestag angegeben wird. Sollte bei der Uebertragung der Notiz an 
den unteren Rand des Ms. von Thietmar (s. ed. Kurze p. 207) ein Irrthum 
vorgekommen und zu lesen sein: 'monachus est effectus tercia Kalendas 
Novembris'? der unmittelbar darauf folgende Tag des Todes wäre bei 
der Uebertragung vergessen worden. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 29 

lichkeit als darauf, dass sich unter ihm und mit ihm die 
verschiedenen Elemente zusammenfanden, die aus irgend 
Vielehen Ursachen mit den herrschenden Zuständen unzu- 
frieden waren. Und dass diese nicht gesonnen waren, 
nach dem Rücktritt Arduins und nach seinem Tode ohne 
Weiteres zum Gehorsam gegen den Kaiser zurückzu- 
kehren, dafür liefern unsere Briefe den Beleg und be- 
leuchten dadurch auch ein wenig die weiter zurückliegen- 
den Ereignisse. Ihr Hauptwerth aber beruht natürlich 
auf den Mittheilungen über die Vorgänge nach dem Tode 
Arduins, über die wir uns zunächst einen Ueberblick ver- 
schaffen müssen, ehe wir ihre chronologische Ansetzung 
versuchen. 

Von besonderer Wichtigkeit ist die Nachricht, dass 
unter den oberitalienischen Grossen an die Wahl eines 
neuen Königs gedacht, der Widerstand gegen die deutsche 
HeiTSchaft also fortgesetzt wurde. Graf Ubert der Rothe 
und Olderich Manfred \ der Markgraf aus dem Turiner 
Hause, scheinen an ihrer Spitze zu stehen. Ubert hielt 
noch die meisten Burgen des Bisthums Vercelli besetzt, 
während Manfred mit den Söhnen Arduins in Ivrea einfiel 
und sich dort Treue schwören Hess. Sogar über Italien 
hinaus reichten ihre Beziehungen ; man sprach davon, dass 
König Rudolf von Bargund zur Unterstützung über die 
Alpen kommen und als Lohn die Mark Ivrea empfangen 
sollte. Vor allem bedenklich aber war ihre Verbindung 
mit dem Erzbischof Heribert von Köln und dessen Bruder 
Heinrich von Würzburg, die einer Vermählung ihrer Nichte 
wohl mit Uberts Sohne "^ zuzustimmen geneigt schienen. 

Diesem Treiben gegenüber sahen die Anhänger des 
Kaisers, von denen Leo die Bischöfe Alberich von Como, 
Heinrich von Parma, den bisherigen italienischen Kanzler, 
und den Grafen Tado von Verona nennt, mit Sorgen in 
die Zukunft; ihre Reihen waren zwar dadurch verstärkt 
worden, dass die Mailänder durch den Presbyter Aribert, 
den späteren Erzbischof, für die Sache der Deutschen ge- 

1) Die lang erörterte Frage nach der Parteistellung dieses mächtigsten 
der oberitalienischeu Grossen wird durch die Briefe endgiltig in der 
Richtung entschieden, für die zuerst Griesebrecht II *, 614 (11^, 615) ein- 
getreten ist. Das sichere Ergebnis wird dadurch gewonnen, dass Bischof 
Adelrich von Asti als Bruder des vielgenannten Manfred bezeichnet wird. 
— Bresslau's Auffassung von dem 'Scheinvertrage' des J. 1(321 (Jahrb. 
Konrads II. I, 374 f.) wird dadurch gleichfalls gesichert. — Vielleicht gehört 
in diese Zeit, was das Cliron. Xovaliciens. App. c. 9. (SS. VII, 125) über 
die Feindschaft zwischen Olderich Manfred und seinem Vetter Arduin V. 
berichtet. 2) Es liegt gewiss am nächsten, an diesen zu denken. 



30 Hermann Bloch. 

Wonnen waren, und auch der Erzbischof Arnulf jetzt zu 
ihnen hielt. Sie erachteten aber die Hülfe des Kaisers 
und daher die Sendung- eines Heeres aus Deutschland für 
nothwendig. Leo wollte selbst zu persönlicher Rücksprache 
nach Basel kommen, wenn er des Kaisers Anwesenheit 
dort erhoffen dürfte ^ ; andernfalls wollte er auf Heinrichs 
Wunsch ihn zu Ostern mit dem Bischof von Como und 
dem Grafen Tado aufsuchen. 

Heinrich II. mag, durch diese Meldungen veranlasst, 
eine Zusammenkunft seiner Getreuen zu Roncaglia gewünscht 
haben, da er noch immer einen friedlichen Ausgleich er- 
hoffte ; doch sie kam nicht zu Stande -, wohl weil die 
Gegner sich immer energischer rührten. Auch der Ale- 
dramide Wilhelm III. trat, der einzige aus seinem Ge- 
schlechte, zu ihnen über^, und ernstlich wurde nun die 
neue Königswahl vorbereitet. Vergeblich hoffte Leo, dass 
des Kaisers Gebot Frieden schaffen werde ; er erhielt selbst 
überhaupt keine directe Antwort vom Kaiser, so dass er 
die schwersten Befürchtungen hegte, Heinrich II. werde 
durch Vermittelung Heriberts und Heinrichs sich mit 
seinen Feinden, namentlich mit übert, versöhnen; Uberts 
Prahlerei, er könne, wann er wolle, des Kaisers Gnade 
erlangen, schien nicht ganz unbegründet. 

In der That kamen mehrmals Uberts Gesandte mit 
hoffnungsvoller Botschaft vom kaiserlichen Hofe zurück; 
sogar auf Besitzungen Leo 's sollen ihm Versprechungen 



1) Aus diesem Vorschlage kann ebenso wenig mit Schnürer 99 f. 
wie aus dem Plan einer Versammlung zu Roncaglia mit Löwenfeld 43 
N. 2 auf die Abfassungszeit der Briefe geschlossen werden; es handelt 
sich in beiden Fällen um unausgeführte Vorschläge, die keine bestimmte 
chronologische Festsetzung gestatten. Vgl. N. 2. — Es scheint übrigens, dass 
hier zum ersten Male von einem Kaiser eine Versammlung zu Roncaglia 
angeordnet wird. Vgl. AVaitz VGr. VI, 336 N. 8. 2) Das ergiebt sich 

erst jetzt aus den früher nicht gekannten, übergeschriebenen Worten. 
Vgl. S. 18 N. 9. 8) Ein weiterer Gewinn aus den Briefen. Die Iden- 
tität Wilhelms III. mit dem darin genannten Wilhelm geht wohl daraus 
hervor, dass dieser sich der zum Reichsgut gehörigen Burg Orba ('Urbam 
castellum vestrum'; über den heutigen Namen vgl. Darmstädter, Das 
Reichsgut in der Lombardei und Piemont 241) nach dem letzten Briefe 
bemächtigt hat, und gleichfalls in Orba der Aledramide Wilhelm III. von 
Konrad IL 1026 belagert werden muss (Bresslau, Jahrb. Konrads II. 
I, 125). — Ist es möglich, dass im Beginn des zweiten Briefes von dem 
Frieden Wilhelms mit einem Albert die Rede ist (s. oben S. 18 N. 12), 
Bo mag dieser vielleicht ein Otbertiuer sein, etwa Albert Azzo IL ; eben 
dieser könnte aucli der in St. 1633 genannte 'Albertus nepos Otberti' 
sein, den Bresslau a. a. O. I, 416 mit Adalbert IV. identificiert. Es 
verdient Beachtung, dass auch 1026 Wilhelm III. mit einem Otbertiner 
verbunden ist (Bresslau a. a. 0. I, 125). 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 31 

gemacht worden sein ! Im Vertrauen darauf unternahm 
Ubert gemeinschaftlich mit einem Sohne Arduins, mit 
einem gleichfalls Ubert genannten Verwandten Manfreds ^, 
mit Wibert, dem Sohne Dado's -, und anderen einen Angriff 
gegen Leo, der von Plänen gegen sein Leben gehört haben 
will. Er war indess nicht unvorbereitet, sondern schlug 
die Feinde zurück und zog mit den Bischöfen von Pavia 
und Novara, mit den Markgrafen Otbert I. und Anselm IL 
aus dem Havise der Aledramiden^ und einem Markgrafen 
E., in dem ich ihren Vetter Riprand erkennen möchte*, 
gegen Santhiä, wohin Ubert sich zurückgezogen hatte und 
wo er mit der Unterstützung Manfreds und Wilhelms sich 
halten zu können hoffte. Doch nach kurzer Belagerung 
ward die Stadt eingenommen ; der ' rote Fuchs ' aber mit 
seinen ' Füchslein ' entkam ■'. Nun erst gelang es Leo, 
sein ganzes Gebiet von den Feinden zu säubern. 

Die Schreiben haben wohl ihren Eindruck auf den 
Kaiser nicht verfehlt; auch machte das Vorgehen der 
Empörer nothwendig, dass er jetzt endlich selbst eingriff. 
Denn die Mannen Wilhelms III. hatten sich inzwischen 
der dem Reiche gehörenden Burg Orba bemächtigt. Sie 
ihnen zu entreissen, trug Heinrich IL den Seinen auf^. 
Obwohl aber Leo, Bischof Heinrich von Parma und andere 



1) Etwa der in DO. I. 371 vorkommende Ubert, Sohn des Ingo, 
dessen Familie wohl in den Aufstand verwickelt ist? S. unten S. 44 
N. 1. 2) Grewiss ist der 'Guib.' des Briefes mit dem Wibert, dem Sohne 
Dado's, in St. 1634 identisch. 3) Die Markgrafen 0. und A. werden 

im letzten Briefe mit vollem Namen genannt. Alle, an ihren Uebertritt 
zu den Gegnern des Kaisers geknüpften Vermuthungen sind danach hin- 
fällig. Um so begründeter ist aber die Annahme, dass der Aledramide 
Otbert I. der 0. marchio ist, welcher die SjTiode von Pavia unterschreibt. 
Bresslau's Ausführungen in Jahrbücher Heinrichs 11. III, 219 f. sind also 
danach umzugestalten. 4) Die Deutung des marchio R., der gleichfalls 
wieder in den Unterschriften der Synode von Pavia begegnet, auf den 
Markgrafen und Herzog Rainer von Tuscien, ist mir namentlich deshalb 
zweifelhaft, weil zu Pavia R. nur als 'marchio' unterschreibt ; ich möchte 
wenigstens vorschlagen, dass wir in ihm Riprand, den Bruder AVilhelms III. 
und den Vetter Oberts I. und Anselms 11., zu sehen haben. Die Bedeutung 
von Wilhelms Uebergang zu den Gegnern Heinrichs II., die aus dem 
Anfang des II. Briefes hervorzugehen scheint, wird dadurch noch erhöht, 
wenn alle übrigen Aledramiden auf der kaiserlichen Seite standen. 
5) 'Vulpes rufa cum omnibus vulpecuhs suis'. Diese Bezeichnung dürfte 
Ubert von seiner, durch St. 1633 der Kirche von Pavia gegebenen Be- 
sitzung Vulparia erhalten haben. Auch dadurch wird die Identität mit 
dem 'Ubertus filius Ildiprandi' in St. 1633 und der Excommunication ge- 
sichert. 6) Da das Concept des IV. Briefes in Cod. CII mit den Worten 
beginnt: 'cum Ulis obsedimus', kann es nicht den Anfang des Briefes dar- 
stellen, den Leo an anderer Stelle schon aufgezeichnet haben musste. 



32 Hermann Bloch. 

Bischöfe, die Markgrafen Otbert I. und Anselm II., zu 
denen sich auch Bonifaz von Canossa gesellte, endlich 
Albert^ — der, zweimal an erster Stelle genannt, gewiss 
keine ganz unbedeutende Persönlichkeit gewesen ist — sich 
an der Belagerung der Burg betheiligten, gelang es nicht, 
sie einzunehmen. Die Gründe dafür scheinen in einer 
nicht entzifferten Stelle dargelegt zu werden; nur von der 
einen Schwierigkeit können wir Kenntnis nehmen, dass 
die Mannen wegen der Weinlese den Krieg nicht wollten 
und fortgesetzt mit der Rückkehr in ihre Heimath drohten. 
Inzwischen verwüstete Wilhelm wieder das Gebiet von 
Vercelli, während Manfred und sein Bruder, der Bischof 
Adelrich von Asti -, mit den beiden Uberts und den Söhnen 
Arduins Ivrea durchzogen, bis sie ihre Schaaren vereinigten, 
um gemeinsam zum Entsätze Orba's anzurücken. Allein sie 
mochten nicht recht auf das Waffenglück vertrauen, jeden- 
falls dem Kampfe den friedlichen Ausgleich mit dem 
Kaiser vorziehen. Nur dadurch ist es zu erklären, dass 
Olderich Manfred heimlich eine Zusammenkunft mit Leo, 
Albert, Bonifaz und den Bischöfen erbat und darin ver- 
sprach, dass Wilhelm Orba niederbrennen werde, wenn 
den Seinen freier Abzug aus der Burg gewährt würde. 
Da keine Aussicht auf die Einnahme des Kastells vor- 
handen war, gingen Leo und die Uebrigen auf den Vor- 
schlag ein und zogen ab, so dass Wilhelm sich mit seinen 
Mannen vereinigen konnte. Dem Versprechen gemäss ward 
Orba in Brand gesteckt. 

Obwohl es danach noch einmal, wenn nicht zum 
Kampfe, so doch zu Plünderungen gekommen zu sein 
scheint^, liess doch Manfreds Verhalten keinen Zweifel 
darüber, dass auch auf seiner Seite der Frieden gewünscht 
wurde. In der That suchte er selbst mit seinem Bruder 
Adelrich die Gnade des Kaisers nach; bei den Verhand- 
lungen mit ihnen scheint Leo die Berücksichtigung eines 
von ihm ausgesprochenen Wunsches in Betreff des Susa- 
thales zu erbitten. Wir werden annehmen dürfen , dass 
auch Wilhelm und Ubert nicht allein den Krieg fortführen 
wollten*. Erst jetzt wird Ubert nach dieser Niederlage 



1) Dass Albert kein Bischof ist, erweist die Stelle 8. 22 Z. 20, 
Sollte man auch hier an einen Otbertiner, etwa an Adalbert VI. denken ? 
Grade die Briefe zeigen ja, wie die Familien keineswegs geschlossen axii 
dieser oder jener Seite standen. 2) Auf ihn sei besonders aufmerksam 
gemacht, da er bisher den Anhängern Heinrichs II. zugezählt wurde. 
.8) 'S^vierunt vestri hostes' (oben S. 22 Z. 31). 4) Vielleicht auf 

Wilhelm werden sich die Worte S. 23 Z. 3 £f. beziehen, der die Vermittlung 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 33 

zum Frieden geneigt sein und deshalb seinen Sohn als 
Geisel nach Deutschland schicken wollen. Der Kaiser, 
so schreibt Leo diesem, möge ihn würdig aufnehmen und 
dem Bischof von Würzburg übergeben; Gnade aber solle 
er nicht eher walten lassen, als bis für die Verwüstung 
des Bisthums Vercelli und für die Anschläge gegen das 
Leben des Bischofs Genugthuung geleistet sei. 'Jetzt 
werde ich sehen, wie hoch im Werthe Leo bei Euch 
steht. Alle meine Feinde haben mich verlacht und ver- 
spottet, weil Ihr mir die Urkunde über einige Freie, die 
in Santhiä gegen mich waren, nicht ausgefertigt habt. 
Ihr wollt nicht, was das Gesetz will und befiehlt. Kaiser 
und Könige mögen der Unterworfenen schonen, auch Gott ! 
ich aber handle nach dem Worte : wahret selbst eure 
Güter M' 

Wie daher die Briefe mit der Mittheilung der Ge- 
fahren beginnen, die nach Ardiiins Tode die Anhänger des 
Kaisers in Oberitalien bedrohten, und uns dann einen Theil 
der dortigen Kämpfe schildern, so brechen sie in dem 
Augenblicke ab, wo wir die Wiederkehr friedlicher und 
geordneter Zustände vermuthen dürfen. Sicherlich ist es 
characteristisch für die Dürftigkeit unserer Ueberlieferung, 
dass in keiner einzigen Quelle von allen diesen, zum Theil 
nicht unbedeutenden Ereignissen uns auch nur ein Wört- 
chen berichtet wird. Thietmar, der unmittelbar gleich- 
zeitige Chronist, erzählt nichts davon ; und wenn gar nicht 
zu zweifeln ist, dass er mindestens zum Theil Kenntnis 
von ihnen gehabt hat, so erweist sein Schweigen am besten, 
wie vollkommen gleichgiltig ihm das ist, was jenseits der 
Berge geschieht. So bieten die Briefe einen traurigen 
Beleg dafür, wie wenig wir von den Ereignissen und Men- 
schen jener Zeit wissen können; und wo uns wie hier ein- 



Leo's und seiner Verwandten beim Kaiser nachgesucht haben mag. Ubert 
hatte, wie wir wissen, andere Beziehungen und Fürsprecher bei Heinrich II. 
1) üeber diese letzten Worte, deren Erklärung ich der Grüte des Herrn 
Prof. Henning verdanke , vgl. die unten folgende Beilage VI. — Es 
schhesst sich daran der nicht recht verständliche Satz: '"Wenn nicht mit 
Blei, so wenigstens mit Gold besiegelt, sendet mir die Urkimde (?) durch 
meinen Mann'. Falls nicht etwa einfach umzustellen ist: wenn nicht mit 
Gold, so wenigstens mit Blei ('sin auro, saltem plumbo sigillatum'}, — so 
könnte man die Stelle vielleicht deuten: 'wenn Ihr mir auch jetzt die 
Urkunde nicht dui-ch Euer Siegel ('plumbo') vollziehen wollt, so gebt mir 
durch andere Geschenke ('auro') reichlichen Ersatz'. Doch liegt vielleicht 
hier ein Scherzwort Leo's vor. Die Urkunde, von der Leo hier spricht, 
ist jedenfalls St. 1634, zu welcher der Entwurf auf derselben Seite wie 
diese Briefe von Leo niedergeschrieben ist, vgl. unten S. 59. 

Neues Archiv etc. XXIT. 3 



34 Hermann Bloch. 

mal der Zufall eingehende Nachrichten übermittelt hat, be- 
reitet ihre Verwerthung noch dadurch Schwierigkeiten, dass 
wir sie, wenn überhaupt, nur mit Mühe einem Zeiträume 
mit voller Sicherheit zuweisen können. 

Als Grenzen, innerhalb deren der erste Brief ge- 
schrieben sein muss, hat Dümmler ^ den Todestag Arduins, 
den 15. December 1015, und denjenigen Arnulfs von Mai- 
land, den 25. Februar 1018, bezeichnet. Sie könnten für 
den zweiten und dritten Brief bis zum 14. November 1018, 
an dem Heinrich von Würzburg starb -, ausgedehnt werden ; 
der letzte endlich enthält keine, ein bestimmtes Datum 
bedingende Angabe. Mit Rücksicht darauf aber, dass der 
erste Brief geraume Zeit vor Ostern abgesandt ist ^, wäh- 
rend der letzte von Vorgängen zur Zeit der Weinlese be- 
richtet, wird man kein Bedenken tragen, die in enger Be- 
ziehung zu einander stehenden Briefe einer und derselben 
Zeit zuzuschreiben, so dass es sich nur darum handelt, 
ob unsere anderweiten Nachrichten eine nähere Festsetzung 
innerhalb der Jahre 1016, 1017 oder 1018 ermöglichen. 

Bei Thietmar* stossen wir auf die kurze Aufzeichnung, 
dass der im J. 1014 gefangene Markgraf Ecelin (Adalbert) 
am 25. Januar 1018 freigelassen wurde; seine Befreiung wird 
sicherlich eher zu einer Zeit erfolgt sein, wo in Oberitalien 
völlige Ruhe herrschte und von einer aufständischen Be- 
wegung nichts zu fürchten war^ als in dem Augenblicke, 
wo Heinrich II. die ersten Mittheilungen über drohende 
Stürme aus Italien erhalten haben musste, wenn die 
Briefe aus dem J. 1018 herrühren würden. Dies darf in- 
dessen für ausgeschlossen gelten, nachdem Bresslau's '' Vor- 
schlag, die Excommunication des vielgenannten Grafen 
Ubert auf das Frühjahr 1019 anzusetzen, allgemeine Zu- 
stimmung gefunden hat. Denn da es in diesem — gleichfalls 
auf dem letzten Blatte eines Vercelleser Codex (N. XXXVIII) 
von Leo's Hand entworfenen — Schriftstück ^ heisst : 'Me- 
minimus .... Ubertum Rufum .... Eusebianam ecclesiam 



1) Forschungen z. Deutsch. Gesch. VUI, 390 ff. 2) Vgl. Hirsch, 

Jahrb. Heinrichs II. 11, 187 N. 3. 3) Leo schlägt zunächst eine Zu- 
sammenkunft zu Basel vor, und wenn diese nicht zu Stande komme, eine 
Begegnung am Osterfeste. Es muss also vor Ostern mindestens für drei 
Reisen an den Kaiserhof Zeit sein : eine dojjpelte für Leo's Boten zum 
Kaiser und zurück nach Vercelli, endlich für die Reise Leo's selbst. 
4) Villi, 1 (Vin, 1). 5) Ebenso argumentiert Schnürer a. a. O. S. 17. 
6) .lahrb. Heinrichs 11. III, 371. 7) Veröffentlicht von Dümmler in 
Forschungen z. Deutsch. Gresch. XIH, 601 f. S. unten Beilage I. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VerceUi. 35 

ante aiinos plures devastasse' ^, so müssen die Feindselig- 
keiten Uberts gegen Vercelli, die wir besonders aus dem 
ersten und dritten Briefe kennen lernen, mindestens um 
zwei Jahre zurückliegen, sogar eher in das Jahr 1016 wie 1017 
fallen, zwischen denen allein uns die Wahl bleibt. 

Wirklich fehlt es auch nicht an anderen, gegen das 
J. 1017 ins Gewicht fallenden Momenten. Wenn der 
Bischof Heinrich von Parma am 11. Juli 1017 zu Leitzkau 
(Prov. Sachsen) am kaiserlichen Hoflager weilte '-, so könnte 
er zwar darum doch schon wieder im Anfang September an 
der Belagerung von Orba theilgenommen haben, aber wenig 
wahrscheinlich ist, dass er in so bewegter Zeit, wie die Briefe 
sie schildern, Italien für mindestens drei Monate verlassen 
hätte. Ferner wäre in einer Urkunde über einen Tausch zu 
Gunsten des Bischofs von Asti, die zu Asti am 11. März 1017 
ausgestellt ist ^, die Rechnung nach Jahren Kaiser Heinrichs 
recht auffallend, da Bischof Adelrich mit seinem Bruder sich 
den Gegnern des Kaisers angeschlossen hatte, die seit Anfang 
des Jahres über die Wahl eines Gegenkönigs an Arduins 
Stelle verhandelt hätten. Während daher die Briefe nicht 
aus dem Jahre 1018 stammen können und gegen ihre Ein- 
reihung zu 1017 Bedenken vorliegen, sprechen manche all- 
gemeinere Erwägungen dafür, dass sie uns über das Jahr 

1016 unterrichten. Denn von vornherein sind der Ver- 
gleich zwischen den Zuständen vor und nach Arduins Tode, 
der das erste Schreiben durchzieht, und die Erinnerung 
an den König im letzten um so begreiflicher, je näher 
sie dessen Ende stehen. Auch Hessen die Gegner Heinrichs 
schwerlich ein volles Jahr vergehen, ehe sie die Wahl eines 
neuen Königs ins Auge fassten; vielmehr ist ein solcher 
Plan, wenn er überhaupt, wie es geschehen ist, auftauchen 
konnte, sicherlich früher, gleich nach Arduins Tode, wenn 
nicht schon nach seinem Eintritt ins Kloster, erwogen 
worden. Und sollte Leo dann erst Ende 1016 oder Anfang 

1017 zum ersten Male dem Kaiser darüber berichtet, ja 
sichtlich in einer Form geschrieben haben, als ob dieser 
auch von anderer Seite noch nichts über die etwa ein Jahr 
zurückliegenden Ereignisse habe erfahren können? 

Unter diesen Umständen ist der Versuch gerecht- 
fertigt, die Briefe und die durch sie gemeldeten That- 

1) Diese "Worte scheint Schnürer a. a. 0. 18 misverstanden zu 
haben, da er schreibt : 'trotzdem die Verwüstungen Uberts, wie er (Leo) 
selbst sagt , schon mehrere Jahre dauerten'. 2) Er ist unter den 

Intervenienten für das Bisthum Paderborn in St. 1688. 3) Mon. hist. 

patriae. Chartae I, 411 n. 242. 

3* 



36 Hermann Bloch. 

Sachen dem Zusanimenhange des Geschehens im Jahre 
1016 einzuordnen. Allerdings beschränkt sich unsere 
bisherige Kenntnis von den Ereignissen dieses Jahres im 
wesentlichen auf das Ende Mai getroffene Strassburger Ab- 
kommen mit König Rudolf von Burgund und den sich daran 
anschliessenden Zug gegen Otto Wilhelm, den Sohn des 
Königs Adalbert von Italien, den reichbegüterten, mächtigen 
Grafen von Burgund ^ ; auf beide aber fällt neues Licht 
durch unsere Schreiben, welche die Berichte Thietmars 
und Alperts mannigfach ergänzen. Alpert^ nämlich er- 
zählt, dass Rudolf die Unterstützung des Kaisers gegen 
die eigenen Vasallen, die ihn zu vertreiben drohten, in 
Anspruch nehmen und seine Hülfe nachsuchen musste ; 
nach Thietmar-^ dagegen ist es Heinrich II., welcher den 
burgundischen König auf Ostern 1016 nach Bamberg zu 
sich berief und damit ein Vorgehen einschlug, für welches 
uns bisher durchaus eine zureichende Begründung fehlte. 
Hier greift der erste unserer Briefe ein, durch den der 
Kaiser Ende Januar oder Anfang Februar '^ 1016 von den 
Gerüchten der Verbindung König Rudolfs mit den ober- 
italienischen Grossen erfahren haben wird. Denn sollte 
diese Nachricht nicht in einem ursächlichen Zusammenhange 
mit der an Rudolf ergangenen Ladung nach Bamberg 
stehen'? Der schwache, unfähige König selbst wird zu 
dem ihm angetragenen Zuge nach Italien wenig geneigt 
gewesen sein, die burgundischen Grossen aber mochten 
unter Führung des durch Geburt und Besitz den Lombarden 
nahestehenden Otto Wilhelm sich schon deswegen ihm an- 
schliessen, um der Herrschaft der Deutschen zu entgehen. 
Der Kaiser seinerseits konnte nicht wirkungsvoller die 
italienischen Wünsche nach einem Bunde mit Burgund 
durchkreuzen als durch die offenkundige Erneuerung des 
Vertrages, welcher ihm in diesem Reiche die Erbfolge 
sicherte. Hat ihn daher politische Nothwendigkeit veran- 
lasst, König Rudolf zu sich zu berufen, wie Thietmar be- 



1) Vgl. für diese Ereignisse auch Blümcke, Burgund unter 
Rudolf ni. ; Wagner, Das Geschlecht der Grafen von Burgund ; sowie die 
entsprechenden Abschnitte bei Bresslau, Jahrb. Konrads II. und Pfister, 
Etiides sur le regne de Robert le Pieux. 2) De diversitate temporuni 
11,14 (Mon. Germ. SS. IV, 710). 3) VIII, 27 (VII, 20): 'Et quia 

Rothulfus, Burgundiorum rex, avunculus eins, sicut vocatus erat, huc 
venire non potuit . . .' 4) Vgl. oben S. 34 N. 3, wodurch die späteste 
Grenze gewonnen wird. Als 'terminus post quem' ist nicht Arduins 
Todestag anzusehen, vielmehr muss noch einige Zeit dazwischen liegen. 
5) Zu l)eachten ist aber auch, dass hier wohl die Vorgänge im Herzogthum 
Burgund mit hineinspielen. Vgl. Pfister 3()5 ff. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 37 

richtet, so wird der Gegensatz zwischen Rudolf und seinen 
Vasallen, den Alpert betont, den König gezwungen haben, 
der Aufforderung Heinrichs II. Folge zu leisten. Für 
beides lagen die Ursachen in der Gestaltung, welche die Dinge 
in Oberitalien angenommen hatten, — wenn der erste von 
Leos Briefen im Anfang des Jahres 1016 geschrieben ist. 
Ganz so unthätig, wie es nach dem zweiten Schreiben 
erscheinen könnte, hätte der Kaiser dann nicht dem Treiben 
seiner Feinde zugesehen, sondern ihnen wenigstens in 
einer Richtung durch entsprechende Massregeln entgegen- 
gearbeitet. Wie Leo schon vorausgesehen, kam Heinrich II. 
nicht nach Basel ; doch auch der Bischof wurde wohl 
durch das Fortschreiten der Empörung verhindert, seiner 
Absicht gemäss sich zu Ostern nach Deutschland zu be- 
geben, und musste sich begnügen, neue dringende Botschaft 
an den Kaiser zu senden. Wohl im April mag sein zweiter 
Brief nach Bamberg gebracht worden sein, wenigstens 
sind damals Boten aus Italien dorthin gekommen, unter 
ihnen der italienische Kanzler Heinrich, Bischof von Parma^. 
Dieser hatte, vielleicht gleichzeitig mit dem Bischof von 
Como, nach dem Anfang October 1015 den Hof und 
Deutschland verlassen, wohl weil damals schon seine An- 
wesenheit in Italien zur Stärkung der Treugesinnten er- 
wünscht war; jetzt kehrte er zurück, um die Kanzler- 
würde niederzulegen. Zum letzten Male begegnet er uns 
im April 1016 zu Bamberg als Recognoscent in der Urkunde 
für die Gräfin Richilde, die Gattin des Markgrafen Bonifaz 
von Canossa, zu deren Gunsten er auch selbst interveniert 2. 
Die drohenden Kämpfe in Italien geben dieser Belohnung 
des canusinischen Hauses besondere Bedeutung, treffen 
wir doch grade Bonifaz im Herbst unter den Belagerern von 
Orba ; sie liefern aber auch eine bisher unbekannte, be- 
achtenswerthe Begründung für den Wechsel im italienischen 
Kanzleramte : Heinrich von Parma musste mit den übrigen 
Anhängern des Kaisers für die gefährdete deutsche Sache 
in Oberitalien thätig sein-^ 



1) Da Heinrich von Leo im ersten Briefe unter denen genannt 
wird, denen Erzbischof Arnulf von Mailand seine Treue zum Kaiser ver- 
sicherte, muss er zwischen dem 4. October 1015 (St. 1655 — 57) und An- 
fang Januar 1016 nach Oberitalien gekommen sein, wenn unsere Datierung 
richtig' ist. Andererseits zeigt St. 1669 ihn im April zu Bamberg 
wiederum am Hofe ; dasselbe D. erweist auch, dass man sich dort mit 
italienischen Angelegenheiten beschäftigte. 2) St. 1669. Die Bedenken 
gegen seine Einreihung, die auf Stumpf 1665 und dessen Recognition 
beruhen, werden unten S. 41 gehoben. 3) Heinrich's Erhebung zum 
Bischof bildet für sich noch keinen Grund für den Kanzlerwechsel, der 



38 Hermann Bloch. 

Kaum verständlicli ist es, dass Heinrich II., trotzdem 
die Berichte von dort immer trüber klangen, dennoch auch 
in dieser Zeit noch nicht in entschiedener Weise eingriff; 
vielmehr hat er noch im Frühjahr mit Leos verhasstem 
Gegner Ubert in Verhandlungen gestanden, die mindestens 
seit dem Herbst 1015 angeknüpft und durch Heribert von 
Köln und Heinrich von Würzburg vermittelt wurden. Dem 
Einflüsse dieser beiden Kirchenfürsten schrieb Leo die 
verheissungsvollen, Besitz und kaiserliche Gnade ver- 
sprechenden Botschaften an Ubert zu, welche den Grafen 
zum kriegerischen Vorgehen bestimmten. Nicht mit Recht 
ist deswegen von ihnen als den 'verrätherischen Prälaten' 
gesprochen worden^; hier ist so wenig ein 'Verrath' im 
Spiele, dass sich uns vielmehr eine nach ihren Ursachen 
und Zielen allerdings noch nicht erkennbare Politik ent- 
hüllt, deren Vertreter die bischöflichen Brüder Heribert 
und Heinrich waren und für die während einer gewissen 
Zeit der Kaiser selbst gewonnen gewesen ist. Es wird hier 
nicht nur die eigenartige Verbindung deutscher Bischöfe 
mit aufrührerischen italienischen Grossen gegen die Ver- 
theidiger des Kaisers — so erscheint es wenigstens — auf- 
gedeckt, sondern es tritt auch ein merkwürdiger Wechsel 
in den deutschen politischen Verhältnissen hervor, indem 
diejenigen beiden Männer in einem bestimmten Zeitraum 
einen hervorragenden Einfluss ausgeübt haben müssen, die 
wir sonst in einem gewissen Gegensatz zu Heinrich IL zu 
sehen gewohnt sind -. Auch in diesem Falle wieder er- 
blicken wir in den Urkunden das Spiegelbild der poli- 
tischen Verhältnisse : in den ersten Jahren Heinrichs IL 
finden wir den Erzbischof von Köln niemals als Inter- 
venienten, von October 1007 bis October 1015 wird er nur vier- 
mal^ und von März 1017 bis zu seinem Tode am 16. März 
1021 gar nur einmal^ als solcher genannt; in der Zeit 
aber von November 1015 bis zum Februar 1017 interveniert 
er in sechs Urkunden^, von denen vier auf die Zeit bis 



dann schon vor October 1015 (St. 1655 — 1657) hätte erfolgen müssen. 
Vgl. auch Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre I, 331. — Die Unter- 
schrift unter Jaffe - Löwenfeld Reg. 4007 ist für den Zeitpunkt , wann 
Heinrich Bischof wurde, nicht ohne weiteres zu verwerthen. Sackur, Die 
Cluniacenser II, li löst nur die Schwierigkeit in Bezug auf Lambert von 
Langres, ohne die übrig bleibenden zu berücksichtigen. 1) Löwenfeld 41. 
2) Vgl. u. a. ftiesebrecht U'', 91. 3) St. 1455. 1508. 1522. 1582 *. 

St. 1590 bedarf besonderer Untersuchung. — Ausserdem unterschreibt er 
die Synode von Frankfurt 1. November 1007. 4) St. 1732. 5) St. 1658. 
1661. 1662. 1667. 1679. 1611. Ueber die in den Februar 1017 gehörende 
Datierung des letzten D. vgl. meine Bemerkung im N. A. XX, 675 n. 269. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 39 

zum April 1016 entfalleu. Dazu kommt angemessen der 
Aufenthalt des Kaisers zu Würzburg- am Palmsonntag 
1016^, und im April 1016 zu Bamberg die Intervention 
des Bischofs Heinrich für das Kloster Amorbach -', um den 
Eindruck hervorzurufen, dass in den ersten Monaten des 
Jahres 1016 beide Brüder sich am Hofe besonderer Gunst 
erfreuten; eben damals würden sie nach unserer Datierung 
der Briefe bei Heinrich II. für Ubert erfolgreich gewirkt 
haben. Ausdrücklich ist in diesem Zusammenhang-e zu 
betonen, dass aus keinem andern Jahre uns Belege für 
eine ähnlich einflussreiche Stellung beider Bischöfe zu 
Gebote stehen ; wenn wir es also nicht als einen seltsamen 
Zufall hinnehmen wollen, dass Leos Briefe denjenigen 
Persönlichkeiten massgebende Bedeutung beimessen, welche 
den Urkunden zufolge sie im Jahre 1016 und nur in diesem 
besessen haben, so zwingt uns dieses Zusammentreffen zu 
dem Schlüsse, dass die Schreiben nur in dem Jahre 1016 
entstanden sein können 'l 

Wir dürfen danach annehmen, dass im April 1016 zu 
Bamberg Heriberts und Heinrichs Thätigkeit ihren Höhe- 
punkt erreichte ; von dort werden Uberts Boten zu ihrem 
Herrn zurückgekehrt sein. Ihre Nachrichten verlockten 
ihn wohl ungefähr Anfang Juni zu dem Kampfe, welcher 
den kaiserlichen Waffen zu einem ersten, nicht unbeträcht- 
lichen Erfolge verhalf. Heinrich II, selbst begab sich von 
Bamberg aus an den Oberrhein ^, da König Rudolf sein 
Ausbleiben in Bamberg entschuldigt und um eine Zu- 
sammenkunft zu Strassburg gebeten hatte, wo etwa Ende 
Mai die alten Verträge bestätigt wurden ^. Die erneute 



Zu beachten ist auch die Nachgiebigkeit des Kaisers gegenüber Heriliert 
im Herbst 1016 (Thietmar VIII, 49 [VII, 34]). 1) Thietmar VIII, 27 

(Vn, 20). 2) St. 1066. Die seltenen Interventionen des Bischofs 

Heinrich und die Urkunden für ihn gestatten im übrigen keine derartigen 
Schlüsse wie für Heribert. 3) An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, 
dass erst am 30. November 1018 Leo's erste Ladung gegen Ubert in dem 
Bannverfahren ergeht. Am 14. November 1018 war Bischof Heinrich 
von Würzburg gestorben. Sollte dieser andauernd für Ubert eingetreten 
sein? 4) Am 17. und 18. Mai urkundet der Kaiser zu Mörfelden 

St. 1670. 1671. 5) AVagner's, wie mir scheint, nicht genügend beachtete 
Interpretation (S. 32 N. 3) von Thietmar VIII, 27. 29 (VII, 20) halte ich 
für durchaus annehmbar. Danach enthält der Satz: 'Omnem namque — 
firmam' etc. den Inhalt des alten Abkommens von 1006, das nach c. 29 
('firmata iterum antiqua tradicione') in Strassburg nur erneuert wird. Die 
Auslegung von Waitz (Forschungen z. Deutsch. Gesch. XIII, 492 ft'.) bleibt 
dabei durchaus zu Recht bestehen. — Thietmar schiebt nach seiner Art 
hinter 'post mortem suam sancierat' ein, was er über Burgund weiss. 
Man lasse nur nicht mit Kurze (p. 210) vor 'Episcopatum in hac regione' 



40 Hermann Bloch. 

Zusicherung, dass ohne des Kaisers Rath nichts in wich- 
tigen Angelegenheiten des burgundischen Königreiches ge- 
schehen solle, erhält einen sehr realen Gehalt, wenn etwa 
die Verhandlungen, die zwischen Burgund und den ober- 
italienischen Rebellen gespielt hatten, den Anstoss dazu 
gegeben haben. 

Ueber die nächsten Monate sind wir besonders schlecht 
unterrichtet. Mit einem kleinen Heere brach der Kaiser 
von Strassburg in der Richtung nach Basel auf, zog aber, 
da Otto Wilhelm ihm in befestigten Plätzen Widerstand 
leistete und seinen Eintritt in das burgundische Reich 
verhinderte, Verstärkungen an sich und verwüstete das 
offene Land, ohne seinen Gegnern irgend besonderen 
Schaden zufügen zu können. Was Heinrich II. auf diesem 
Zuge beabsichtigte, erfahren wir nicht; die einzige Er- 
gänzung zu Thietmars ^ Bericht liefern einige Urkunden, 
denen zvifolge der Kaiser am 21. Juni zu Kembs, am 
29. August zu DaniQrkirch, endlich am 29. September 
wieder zu Erstein gewesen ist-, so dass er sich nahezu 
vier Monate in den südwestlichen Gegenden des Reiches 
aufgehalten hat. Während der ganzen Zeit also, welche 
durch die Kämpfe in Oberitalien ausgefüllt wird, ist er 
ihrem Schauplatze so nahe wie möglich geblieben. Und 
wenn der Widerstand Otto Wilhelms gegen Heinrich II. 
ziemlich genau mit dem Beginn der Kämpfe in der Lom- 
bardei zusammenfällt, so können wir um so eher irgend 
welche Verbindung zwischen den beiden, gegen die deutsche 
Herrschaft gerichteten Bestrebungen in Oberitalien und in 
Burgund muthmassen, als wir ja von dem Versuche, die- 
selbe herzustellen, aus Leos erstem Briefe Kenntnis er- 
halten. 

Noch ein anderes lässt sich vielleicht dafür anführen, 
dass für Heinrichs langes Verweilen an den Grenzen Bur- 
gunds die italienischen Angelegenheiten nicht ohne Belang 
gewesen sind. In der am 21. Juni zu Kembs dem bur- 
gundischen Kloster Lure (Lüders) ertheilten Urkunde -^ 
begegnet uns nämlich als Recognoscent der Nachfolger 



ein neues Capitel beginnen; dann hat es gar keine Schwierigkeiten mehr, 
mit Wagner 48 ff. Thietmar's Erzählung von der Vertreibung des Bischofs 
auf Bertald v. Besangen zu beziehen. Auch die Bedenken Bresslau's, 
•Tahrb. Konrads II. II, 42 N. 4 wären dann ohne weiteres behoben. 
1) Vin, 29 (VII, 20). Alpert ist hier nicht zu verwerthen. 2) St. 1(573— 
1676. Ueber die Einreihung von Stumpf Reg. 1676 — 167Ü zu diesem 
Jahre vgl. Jahrb. Heinrichs II. III, 39 N. 2. Gegen Griesebrecht 11^, 617 
ist daran festzuhalten. 8) St. 1673. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 41 

Heiiiriclis von Parma, der italienische Kanzler Pilgrim. 
Allerdings wird dieser schon in der vom 15. April 1016 da- 
tierten Urkunde für das Kloster Schnttern in der Ortenau als 
Eecognoscent genannt^; dieselbe ist aber nur die Erneuerung- 
und Erweiterung eines noch ungedruckten, zu Bamberg im 
April 1016 dem Kloster gegebenen, von dem deutschen 
Kanzler Günther recognoscierten Diploms Heinrichs II. Da 
nun in St. 1665 nicht nur die Recognition mit dem D, für 
Lure übereinstimmt, sondern dies auch für Theile des 
Contextes benutzt ist, so kann jenes D., wie immer das 
darin gegebene, in der ungedruckten Urkunde fehlende 
Tagesdatum zu erklären sein mag, jedenfalls erst zu gleicher 
Zeit mit dem D. für Lure vollendet worden sein. Beide 
sind von Pilgrim in Vertretung Eberhards, des italienischen 
Erzkanzlers und Bischofs von Bamberg, recognosciert. 
Man hat dies in dem Diplom für das burgundische Kloster 
damit erklärt, dass die Urkunden für burgundische Em- 
pfänger, solange keine eigene Kanzleiabtheilung für sie 
bestand, willkürlich bald in der deutschen, bald in der 
italienischen Kanzlei ausgestellt worden seien - ; dann würde 
die Eecognition der italienischen Kanzlei in die Urkunde 
für Schuttern nur durch ein Versehen des Schreibers über- 
nommen worden sein. Allein wäre schon dies auffallend, 
weil auch die durch St. 1665 erneuerte ungedruckte Ur- 
kunde für Schuttern, welche für einen Theil des Textes 
herangezogen ist, mit der Pecognition des deutschen 
Kanzlers damals zur Hand war, so ist doch andererseits 
auch keineswegs die Voraussetzung erwiesen, dass im 
11. Jahrhundert Diplome für Burgund von der italieni- 
schen Kanzlei in Deutschland hergestellt worden sind, da 
die beiden einzigen in Frage kommenden, vom italienischen 
Kanzler recognoscierten Urkunden Konrads 11.^ für Peter- 
lingen und den Erzbischof von Vienne in Italien gegeben 
worden und deshalb nicht beweiskräftig sind. Die Frage 
muss daher aufgeworfen werden, ob nicht etwa in den 
beiden gleichzeitig vollendeten Urkunden für Lure und 
Schuttern besondere Umstände die Eecognition durch den 
italienischen Kanzler veranlasst haben. Die Abwesenheit 
des deutschen Kanzlers würde einen hinreichenden Grund 
dafür bieten, denn wenn es auch nicht an Beispielen aus 



1) St. 1665, jedoch nur in dem Drucke bei Würdtwein, Nova 
subsidia VI, 173 n. 82. Ueber die Entsteliungsvei-hältnisse dieses D. wird im 
Zusammenhang mit den andern Urkunden für Schuttern zu handehi sein. 
2) Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre I, 322. 340. 3) St. 1941. 2107. 



42 Hermann Bloch. 

dem 10. Jahrhundert fehlt, dass trotz der Abwesenheit des 
Kanzlers in seinem Namen recognosciert worden ist \ so sind 
sie doch selten, und für die Zeit Heinrichs II. scheint kein 
einziger sicherer Fall belegbar zu sein. Die Annahme der Ver- 
tretung des einen Kanzlers durch den andern möchte wohl 
geeignet sein, eine Reihe auffälliger Recognitionen jener 
Zeiten zu erklären-. Im Jahre 1016 nun ging der Kaiser 
von Bamberg aus, wie wir sahen, nach Strassburg und von 
dort brach er zu dem Kriegszuge nach Burgund auf; seine 
Gemahlin aber war inzwischen im Osten des Reiches be- 
schäftigt-^. Sollte nicht etwa der deutsche Kanzler Günther 
sie bei der ausschliesslich Deutschland angehenden Rüstung 
gegen Boleslav von Polen unterstützt haben und bei ihr 
zurückgeblieben sein, während den Kaiser der italienische 
Kanzler begleitete, weil die italienischen Ereignisse damals 
besondere Aufmerksamkeit erheischten und weil die Nach- 
richten, die aus der Lombardei erwartet wurden, schleu- 
nige Erledigung- erforderten? Als dann die Aebte von 
Lure und Schuttern an den in der Nähe weilenden Hof 
eilten, um Gunstbezeugungen Heinrichs für ihre Klöster 
zu erbitten, da ward mit der Recognition der erwirkten 
Urkunden, damit ihre Aushändigung keine Verzögerung 
erleide, der allein anwesende italienische Kanzler betraut^. 
Diese Erklärung würde sich sehr wohl in den Rahmen 
einfügen, den die Verwerthung von Leo 's Briefen für die 
Vorgänge des Jahres 1016 geliefert hat. 

Erst am 29. August scheint der deutsche Kanzler zu 
Damerkirch wieder am Hofe Heinrichs gewesen zu sein '', 
mit dem er dann noch etwa einen Monat in jenen Gegen- 
den verweilte. Gewiss ist es nicht Zufall, dass sich der 
Kaiser erst gerade in dem Augenblicke anderen, von der 
Lombardei entfernteren Theilen des Reiches zuwandte, als 
nach der Belagerung von Orba zur Zeit der Weinlese ein 
Ende der Kämpfe in Oberitalien zu erhoffen war und als die 
Aussicht auf Wiederherstellung des Friedens dort aufstieg. 
Höchst wahrscheinlich ist Kanzler Pilgrim damals nicht 
mit dem Kaiser an den Niederrhein gezogen, sondern er 
wird noch im Herbste 1016 abgesandt worden sein, um 



1) Vgl. Mon. Germ. DD. I, 84 und unten im vierten Abschnitt. 

2) Vgl. Stumpf, Die Wirzburger Immunität - Urkunden I, -11 N. 74. 

3) Thietmar VIII, 29 (VII, 21). 4) Man mag an dieser Recognition 
für Schuttern um so weniger Anstoss genommen haben, als das Kloster 
dem Bisthum Bamberg gehörte, dessen Bischof Elierhard zugleich 
italienischer Erzkanzler war. 5) St. 1674. 1075. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 43 

die begonnenen Verhandlungen in Italien zu leiten iind 
zu beendigen ^. 

Im Januar 1017, so berichtet Thietmar, kamen nach 
der Kaiserpfalz zu Allstedt Gesandte aus Italien, 'um 
Glückwünsche darzubringen' "-. Wie unverständlich ist das, 
wenn diese Boten — so hat man vermuthet '^ — mit dem 
ersten Briefe Leo 's von Vercelli eintrafen und von den 
drohenden Gefahren die erste Meldung brachten! Wie be- 
deutungsvoll aber werden die wenigen, bisher unbeachtet 
gebliebenen Worte, wenn wir sie mit dem Schlüsse von 
Leo s letztem Schreiben verknüpfen, wenn wir aussprechen 
dürfen, dass die im Herbste durch Pilgrim aufgenommenen 
Unterhandlungen jetzt zum glücklichen Abschlüsse ge- 
bracht worden sind, und der Sieg des Kaisers besiegelt, 
seine allgemeine Anerkennung in Obertalien, die er seit 
seiner Thronbesteigung noch nicht zu erringen vermocht 
hatte, jetzt endlich gesichert ist! 

Nach seiner erfolgreichen Thätigkeit in der Lom- 
bardei warteten andere Aufgaben Pilgrims : schon am 
15. Februar 1017 ist er in Ravenna beschäftigt; später 
treffen wir ihn in der Gegend von Rom ^. 



Für denjenigen, der dieser Darlegung gefolgt ist, 
wird es nicht noch des Nachweises bedürfen, dass die Briefe 
Leo's nicht zu dem andern, einzig in Betracht kommenden 
Jahre 1017 eingereiht werden können. Der positive Be- 
weis, dass sie im Jahre 1016 geschrieben sind, ist ja nicht 



1) Ich weiche hier von allen frühereu Darstellungen ab, da bisher 
stets die Sendung Pilgrims erst als eine Folge der Jan. 1017 zu Allstedt 
erschienenen italienischen Cxesandtscliaft angesehen worden ist. Man 
musste beide in dieser Weise verbinden, da man keine anderen Xachrichten 
hatte. Die hier vorgetragene Auffassung rechtfertigt sich aber, meine ich, 
von selbst. Erst bei dieser Anordnung gewinnt Pilgrim's Aufenthalt in 
Oberitalien seine Bedeutung. Wie könnte Pilgrim auch, wenn er der 
lombardischen Wirren wegen dorthin Mitte Januar geschickt wurde, sich 
schon Mitte Februar mit andern Angelegenheiten beschäftigen? — Die 
Darstellung Schnürer's (S. 14) ist danach natürlich zu modificieren. 

2) Thietmar VIII, 50 (VII, 35) : 'Nuntii de Italia huc venientes gratulabundi 
ad sua redeunt'. — Weshalb schon damals mit ihnen Heinrich von Parma 
nach Deutschland gekommen sein soll (Schnürer 11 X. 3), der erst im Juli zu 
Leitzkau nachweisbar ist (St. 1688) , weiss ich nicht. Die Schnürer 
vielleicht beeinflussende Anm. von Bresslau in Jahrb. Heinrichs II. 
III, 136 N. I, wo der Allstedter Tag in den Herbst gesetzt wird, hat, 
wie Schnürer selbst bemerkt, Bresslau a. a. 0. 371 schon berichtigt. 

3) Dies war die bisherige ziemlich allgemeine Annahme, vgl. zuletzt 
Schnürer 100. 4) Vgl. Schnürer 1-1 £f. 



44 Hermann Bloch. 

zu erbringen; aber die Fülle der — jede für sich vielleicht 
unbedeutenden, erst in ihrem Zusammenhange werthvollen 
— Beziehungen zu den spärlichen anderen Nachrichten 
stellt das Ergebnis sicher. Gar manche von diesen er- 
kennen wir nach ihrer Bedeutung erst in dem Lichte, das 
von den Schreiben auf sie fällt. Andererseits aber er- 
halten auch die Briefe erst ihren rechten, über das Lokal- 
geschichtliche hinausgehenden Werth, wenn wir sie als 
Quellen für die Geschichte des Jahres 1016 betrachten 
dürfen. Denn nur dann zeigen sie uns den Zusammenhang 
zwischen den Vorgängen in Burgund und Italien, und nur 
in diesem Jahre bestätigen die Urkunden den Einfluss 
Heriberts und Heinrichs von Würzburg auf die Politik 
Kaiser Heinrichs IL 

So ist die Gabe, die wir dem Bischof von Vercelli 
verdanken, selbst in dem trümmerhaften Zustande, in dem 
sie übermittelt werden musste, nicht ohne Bedeutung. 
Allein indem wir uns noch der Nachrichten freuen, die 
sie uns bringt, beschäftigen uns schon die Eäthsel, die sie 
uns aufgiebt. Wissen wir doch nicht einmal, wer jener 
Graf Ubert ist, der in den Briefen eine so grosse Eolle 
spielt ^ ! Wohl hören wir ferner von einer neuen Wahl nach 
Arduins Tod, verborgen aber bleibt uns, wer die Königs- 
krone Italiens tragen sollte, und nichts erfahren wir davon, 
was diesen Plan schliesslich nicht zur Ausführung kommen 
Hess. Auch erhalten wir Einblick in die Gegensätze, welche 
eine Spaltung selbst in die Familien der grossen Ge- 
schlechter hineintrugen, so dass man nicht schlechthin 



1) Diese Persönlichkeit festzustellen wird Aufo-al)e der italienischen 
Gelehrten sein, denen die Durchsicht der oberitalienischen Archive für 
die Genealogie der lombardischen Geschlechter möglich sein wird. Die 
dankenswerthen Arbeiten von Carutti (s. oben S. 28, N. 3) und Gerbaix Sonnaz, 
Studi storici sul Contado di Savoia lassen selbst über Arduins Geschlecht 
noch erhebliche Zweifel. Die Arbeit von A. Rusconi, I conti di Pombia 
e di Biandrate, ist in ihren Ergebnissen sehr unsicher, macht aber auf 
interessante Zusammenhänge aufmerksam. Die Werke von De Simoni 
und Dionisotti waren mir leider nicht zugänglich. — In Bezug auf den 
Grafen Ubert möchte ich unsere italienischen Freunde aber auf eine 
Beziehung hinweisen, der nachzugehen sich verlohnen dürfte. Nach 
Stum^if 1633 und dem Excommunicationsdecret ist Ubert ein Sohn 
Hildebrand's ; aber auch der in Stumpf Reg. 1634 genannte, sehr reiche 
Richard, der Mann der Waldrada, (vgl. auch DO. III. 414) ist nach 
Bianchetti, Ossola infei'iore II, 33 der Sohn eines Hildebrand. Sollten Ubert 
und Richard Brüder sein? Ganz besondere Beachtung verdient das D. 
Konrads II. St. 197Ü, wo nel)en Richard und Ubert, die gemeinsamen 
Besitz gehabt zu halben scheinen, auch der in St. 1634 genannte Ribaldus 
de Suno vorkommt, höchst wahrscheinlich der Sohn des Ingo (DO. I. 371). 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VerceDi, 45 

von einer nationalen italienischen Partei gegen die Deut- 
schen reden kann ; allein die treibenden Momente erkennen 
wir nicht. Wohl lesen wir dann von Heriberts und Hein- 
richs Eintreten für Ubert und von des Kaisers Zurück- 
haltung gegenüber Bischof Leo, indessen wir sehen nicht, 
welche Fäden die scheinbar so ungleichen Parteien in 
Italien und Deutschland verknüpften. Nur auf dem Grunde 
einer umfassenden Betrachtung ist vielleicht auf die eine 
oder andere dieser Fragen eine Antwort zu erhoffen ; dann 
mag auch wohl für die Verbindung zwischen Burgund und 
Italien im J. 1016 - — ebenso wie für die über die Alpen 
hinweg führenden Pläne der Italiener in den Jahren 1002 
und 1025 — das rechte Verständnis gewonnen werden^. 

Allein nicht in Gedanken an das, was uns die Briefe 
nicht sagen, wollen wir von ihnen scheiden. Mit der 
flüchtigen Eile, in der sie hingeworfen sind, mit den sorg- 
losen Correcturen, die ihr Verständnis so erschweren, tragen 
sie doch das Zeugnis der Unmittelbarkeit an sich; und 
aus den verblassten, fast entschwundenen Zügen steigt 
vor uns die Gestalt des Mannes empor, der sie in Sorge 
und Noth, in Kampf und Sieg, immer aber in treuem 
Dienste für seinen Kaiser niedergeschrieben hat. 

2. Ein Entwurf des Bischofs Leo von Vercelli 

für die seiner Kirche ertheilte Urkunde Kaiser 

Heinrichs IL (St. 1634). 

Nachdem wir die drei Briefe auf der letzten Seite 
des Cod. C II untersucht haben, erregen unser lebhaftes 
Interesse die Schriftspuren, die wir zu beiden Seiten des 
Isidortextes, sovne rechts von dem obersten Briefe (II) be- 
merken. Allein um sie zu lesen, müssen wir den Codex 
umkehren; denn weil Bischof Leo auf diese Weise be- 
quemer auf der oberen Hälfte der Seite neben dem zweiten 
Briefe und dann neben dem Isidor schreiben konnte, hat 
er sein Buch umgedreht. Da wir sogleich die Handschrift 
des Bischofs wiedererkennen, vermuthen wir zunächst, auch 
hier noch einen Brief zu finden. Doch sehr bald werden 
wir den Irrthum gewahr : was uns hier, wie die Briefe nur 
schwer lesbar, vorliegt, ist der Entwurf zu einer Urkunde, 



1) Für die Vorgänge des .T. 1025 sei deshalb hier noch besonders 
auf den feinsinnigen Aufsatz von Pabst in den Forschungen z. Deutsch. 
Gesch. V, 337 &. hingewiesen, weil dort Leo's Briefwechsel mit Wilhelm V. 
von Aquitanien eingehend erläutert wird. 



46 Hermann Bloch. 

der sehr nahe Verwandtschaft mit dem Diplom Kaiser 
Heinrichs II. für die bischöfliche Kirche von Vercelli, 
Sollingen 1014 (St. 1634), verräth. Scheint auch vorerst 
sich kein allgemeines historisches Interesse an diese Zeilen 
zu knüpfen, so verpflichtet doch die Möglichkeit, dass 
hier ein unerwarteter Gewinn für die Ausgabe der Diplome 
dieses Kaisers gemacht werden könne, zu sorgsamer Ab- 
schrift. Diese Hoffnung wird durch die nähere Unter- 
suchung erfreulich bestätigt. 

Ehe wir uns jedoch dieser zuwenden, drucken wir 
sowohl den Entwurf wie die Urkunde (St. 1634) ab \ 
da nur durch die Nebeneinanderstellung beider die folgen- 
den Ausführungen verständlich gemacht werden können. 
Jener setzt sich aus verschiedenen Abschnitten zusammen, 
die gar nicht mit einander verbunden sind. Mit einiger 
Sicherheit kann man nach äusseren Merkmalen schliessen, 
dass die beiden von uns vorangestellten Theile zuerst 
niedergeschrieben sind; welcher von beiden der frühere 
ist, darüber lässt sich ebenso wenig eine bestimmte Ent- 
scheidung treffen wie über die Reihenfolge der übrigen, 
au den verschiedenen freien Stellen eingetragenen Ab- 
schnitte. Nur die beiden letzten Zusätze sind durch ihre 
Stellung als solche kenntlich ; auch ist wenigstens recht 
wahrscheinlich, dass der jetzt rechts vom Isidortext be- 
findliche Absatz: 'Notum sit' u. s. w. später ist als alle 
andern, die links von diesem stehen. Endlich ist der vierte 
Absatz (man beachte die kurzen Reihen!) so mühsam am 
Rande zur Seite des zweiten Briefes eingezwängt, dass 
gewiss der auf dem freien Raum links vom Isidor ge- 
schriebene, nur Namen enthaltende dritte Theil schon 
dort stand, ehe jener hinzu gefügt Avurde. 

Zu leichterer Uebersicht kennzeichnen wir in dem 
Entwurf die Namen, die er mehr hat als die Urkunde, 
durch gesperrten und in der Urkunde alles, was mit dem 
Entwürfe übereinstimmt, durch Petitdruck. 



Entwurf (C). 

quia omnia predia' 

habuerunt 1 



a) Ob mit diesen Zeilen das Concept der Urkunde anfängt, ist 
nicht zu entscheiden. Sicher ist wohl nur, dass der darüber stehende 

1) Dem Druck der Urkunde liegt eine Abschrift des 12. Jh. im 
Capitel - Archiv zu Vercelli zu Grunde, die wir B nennen. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VerceUi. 47 



. . . cum ipse vegnum nostrum in . . ^\ 

[Ejogerii de sancto Saluatore et filiastr[orum] ems| 

et Alberti de na, Mainfredi de Brosilo, Te- 

baldi et | Uuidonis de Plaz[o, et] lug'onis de [Ciriaco], Al- 
donis et Benuonis'' de Liurano, Roderadi et Aimonis de 
Uliaco, j Attonis et Arnaiidi et Tealdi, Olriei et fratrum 
eins'", . . üuiJ'k&Vii.mi, lohannis de Gondezone et Milonis de 

Iporeia'^, He '^, I et Uerimperti, 

Ingizonis et Ram?ddi^ et Gezonis de Ea[de], Graseuerti de 
Cereseda et fratrum eins Aldonis Astnlfi Aribaldi et 
Uberti, | et Aldonis de Anrello, [Aldonis] de Ceredono^, et 
Mainfredi de Conce, et Sig-imanni de Monte Aldonis, | filio- 

rum Hermanni'^ iudicis de sancto Euasio, et , 

et filiorum Uuidonis de Balzola, et Girardi de Uuilingo,| 
Ug onis de Scaramanno*, et Kriperti de Stir^i'a.na. ^^ 
J/donis de Salizola, Uuilielmi de Salizola et generi 
eius\ et Berardi de Monte, et Ugonis de Cabriniano '"^j 
Sigefredi et Ingelberti de Tridino, Rigizonis et filiorum 
eins de Arbori. | 

", sed mag'is reddimus sancto Eus[ebio] 

fuera[t] °. [Da]mus insuper Bornade, Musterola [et] 

«ti&ötiamP de Coliade cum castello Grig-nasco et totam 



Absatz ('Uberti iudicis — Landrici', s. unten S. 48 Z. 22 ff.) erst später an dem 
schmalen dui'ch die letzten Zeilen von Brief II freigelassenen Rande 
eingeschoben ist. Ausser dem wenigen, was wir oben von den ersten 
4 Zeilen gegeben haben, sind nur noch einzelne Reste vorhanden, die ich 
aber einem Forscher, der in A^ercelli zu thun hätte, zu besonderer Be- 
achtung emiDfehlen möchte. Ich vermuthe, dass in diesen Zeilen die 
Gründe der Confiscationen angegeben sind, etwa ähnlich wie im letzten 
Theil von St. 1634 ; mit Bestimmtheit kann ich aber nur sagen, dass sie 
nicht eine einfache Aufzählung von Namen enthalten. a) Vielleicht 

dahinter noch ein Raum von etwa 7 Buchstaben beschrieben. b) Leo 

sckrieb zuerst 'filii Aldonis', tilgte dann 'filii' durch Unterstreichen und trug 
'et Bennonis' über der Zeile nach, vgl. S. 48 N. o. und S. 51 Z. 18. c) 'Olriei 
— eius' über der Zeile nachgetragen. d) 'de Iporeia' über der Zeile 

nachgetragen, wahrscheinlich davor noch ein überflüssiges 'de'. e) Nach 
den Resten ist nicht ausgeschlossen, dass hier etwa 'Heinrici de Torcello' 
stand, vgl. S. 51 Z. 19. f) 'et Rainaldi' über der Zeile nachgetragen. 

g) 'A. d. C über der Zeile nachgetragen. h) Ueber der Zeile nach- 

getragen, i) Die Ergänzung 'Ugonis' wahrscheinlich, doch auch 'Rozonis' 
nicht ausgeschlossen ; in letzterem Falle würde man annehmen, dass Leo 
hier zunächst den Vater der S. 48 Z. 5 genannten Söhne erwähnt habe. 
k) [de Stirjpiana über der Zeile nachgetragen. 1) 'Uuilielmi — eius' 

über der Zeile nachgetragen ; der Schwiegersohn Wilhelms steht in der 
Urkunde vielleicht mit seinem Namen, m) 'ri' durch Correctur entstanden, 
n) Wohl 'damus' hier zu ergänzen ; vgl. S. 49 Z. 18. ' o) Wohl 
zu ergänzen 'quod ei fuerat' oder 'quod ei antea fuerat'. p) 'et totam 
abbatiam' ? vgl. S. 49 Z. 16. 



48 Hermann Bloch. 

terram vallis Sisidin^ | [et] omnia predia in Italia qu§ 
'Richardits^ et nxor eins Unaldrad« liabuerunt et teniierunt 

et predia Odonis de Grignasco et nej)otnm eins, | , 

Attonis et Uuilimanni, Rodersidi et Ünalmnndi, et oninia 
predia filiorum Grasenerti et filiornm'^ ßozonis de Scara- 
manno, | et*' filiorum Astulfi de Unaldingo [et Odjonis de 
Unalding'o et Aimonis de Unaldingo, et Mainardi de Qui- 
rigna", | et Aimini de [Linnr]no et fratrnm eins . . . . 
onis et Unilielmi et [Od]onis'\ et Aimonis et fratrnm 
snorum de Liunrno, et Garifredi de Liunrno, et filiornm 
presbyteri Linzonis, et J;?gizonis fratris Isaac de Linnrno.| 

Fratris Benzoins de Sala [go]^, 

filiorum Tedisi de Lauegna^, et Rogeri de Plazolie, Sali- 
conis de Conflenca, Radulfi de Canale, | Alb ... de 

Sal s, ^\ et filiorum 

Girardi de Morano, | \ 

Ariperti et Sindiconis de Anaringo, | [Ajldonis et fratrnm 
eins de Sualingo, Alberici et filii eins de Monterone, | 
[An]segisi filii episcopi Linzonis, Flodeuerti de Ali^e^, Gir- 
baldi clerici et Alberti fratris eins, et filiornm | J^oberti 
de Uulpiano, et Ebonis de Bnzano, Askeri ' et Sigefredi 
de Salerana™. | 

[U]berti indicis de Iporcia^^ , \ Uttihexti iWii Dadonis 
in CepviowQ Cananese Pertnse | . . per totam Langbardiam,| 
[Be]nnonis filii Aldonis*', | if^f^jrandi indicis et Brn-| 
[üinjgi generi sni et filiorum eins, | Unilielmi nigri, et 



a) Darübei' scheinen 10 — 12 Buchstaben zu stehen, von denen nur 
die letzten 'nis' zu erkennen sind. b) Ueber der Zeile nachgetragen. 

c) Diese ganze Zeile nachgetragen, nachdem die folgende schon geschrieben 
war. d) 'Uuilielmi et [Odjonis' stehen unter dieser Zeile unter einander 
in zwei sonst frei gebliebenen Reihen ganz am linken Rande ; ein Haken 
scheint anzudeuten, dass sie an dieser Stelle einzuschieben sind, was sehr 
gut zum Text in St. 1634 passt, vgl. S. 51 Z. 8. Dahingestellt muss 
bleiben, ob hinter 'fratrum eius' zu ergänzen ist: 'Odonis' oder 'Aimonis', 
so dass derselbe Name versehentlich zweimal vorkäme, oder ob ein in 
St. 1634: nicht vorkommender Xame genannt ist. 

e) Raum für einen Namen, etwa Adam de Uualdingo? vgl. S. 50 Z. 83. 
f) 'fil. — Lau.' über der Zeile nachgetragen. g) Wohl 'Alberti' oder 

'Alberici de Salizola' zu ergänzen, vgl. St. 1634, unten S. 51 Z. 1. 
h) Etwa 10 Buchstaben auf, der Rest über der Zeile, hier können also 
zwei Namen stehen. i) Raum für 1 — 2 Namen. k) Oder 'Alise' ; der 
Buchstabe ist corrigiert, so dass er nicht deutlich zu erkennen ist. 
1) Dahinter 'de Saleraua' durch Unterstreichen getilgt. m) Dahinter 

vielleicht noch ein Name. n) Eine Zeile von etwa 10 Buchstaben Raum 
ist zwischen diesen beiden Zeilen frei ; wenn dort, was nicht erkennbar 
und nicht wahrscheinlicli ist, überhaupt etwas stand, ist es wohl eher 'dedimus 
predia' (vgl. St. 1634, unten S. 51 Z. 5) als ein fernerer Name gewesen, 
o) AVahrscheinlich 'de Liurano', vgl. S. 47 N. l). und S. 51 Z. 18. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 49 

Hermanni | diaconi et üliorum eins, Azonis de Pezana,| 

i^olcaldi de Casale, | . . . donis de '"^ et fra- 

[tris]'' eins, et filiorum | Giselberti Arlebaldi Eemedii| 
Landrici. 

Notum •" sit Omnibus, qnia ^ oinnia predia, que fuerunt ** 
Richardi et Uualderad^, quam et omnium illorum hominum * 
qui subtus | scribuntur sancto Eusebio^' legaliter donamus, 
quia iuncti Ardoino invasore'' regni nostri ipsam Euse-| 
bianam ecclesiam rapinis et incendiis confuderunt. Donata 
sunt predia Richardi Karon, Fontanetum, Caualli; | de 
Ä^alendustria medietatem reddimus sancto Eusebio, quia 
suum I f uit ' dono Amizonis comitis ^ ; alteram medietatem 
donamus , que Richardi et | Uualderad§ f uerat , sed ad 
nostrum devenit, dum nostro inimijco adhesit. Sulziam 
totam reddimus ecclesi§, qu§ eins ab inicio | fuit . Sed . 

Ita Bornade et Mosterol[u]ni | et totam ab- 

batiam de Coliade cum castello Grignasco | et terram uallis ' 
Sisidine. Damus, sed niagis reddimus sancto | Eusebio 
et episcopo Leoni suisque successoribus et omnia | predia, 
que ipsi Richardus et Uualderada in Italia habuerunt 



Sig-imanni"' de Monte Aldonis | et Asmundonis" et Beri- 
zonis filiorum Berardi etfilüAlb . . . de M ^ 



a) 'et Aldonis' oder 'Uuidonis' am entsprechendsten , da d noch 
sicher zu erkennen ist; möglich wäre dann die Identität mit einem der 

sonst vorkommenden Namen ; 'de ' über der Zeile nachgetragen. 

Ob etwa 'Uuidonis de Cabriniano', vgl. St. 1634 unten S, 50 Z. 18? 
b) 'frat' ; ob 'fratris' oder 'fratrum' aufzulösen, ist unsicher. 

c) Dieser Abschnitt ist rechts von dem Isidortext geschrieben, 
nachdem der von uns an zweite Stelle gesetzte Theil des Conceptes schon 
stand, vgl. N. i. — Links von 'Notum' ein dem S ähnliches Zeichen, 
welches drei Zeilen herunterreicht. Etwa das Ohrismon bedeutend? 
d) 'sancto Eusebio damus' dahinter durch Unterstreichen getilgt; über 
diesen Worten etwa 9 Buchstaben, die nicht getilgt zu sein scheinen, die 
ich aber nicht entziffern kann. e) 'quf fuerunt' über der Zeile nach- 

getragen, f) Ueber der Zeile nachgetragen. g) 'iure donamus' 

dahinter ausgestrichen. h) So C statt 'invasori'. i) Nach rechts 

eingerückt, um den Worten 'fratris Isaac de Liuurno' (S. 48 Z. 11) 
auszuweichen. k) Dahinter 'Sulziam totam reddimus que | antea eidem 

fuit' getilgt. 1) Ob 'ualt' oder 'ualt', nicht sicher zu erkennen. 

m) Dieser Absatz ist zwischen dem obersten Brief und dem Isidor- 
texte eingeschoben ; er mag Correcturen enthalten ; Leo wollte wahr- 
scheinlich die Söhne des Berardus hinter Sigimaun einschalten, der folgende 
Absatz bringt dann eine weitere Correctur, die erst dem Text von St. 1634 
entspricht. n) Dahinter 'filiastri eins' ausgestrichen. o) Könnte 

hier etwa 'filii Alberici de Monterone' gelesen werden, so würde da- 
durch der Text (oben S. 48 Z. 18) in der Weise corrigiert worden sein, 
wie er nachher in der Urkunde (s. S. 51 Z. 14) begegnet. 

Neues Archiv etc. XXII. 4 



50 Hermann Bloch. 

Leuurni^ filii presbyteri^ Liuzonis'^. Asmiindi et 
Berizonis'^ filiorum Berardi. | Aimonis et Girardi et Goslini 
fratrum eins. 



Urkunde St. 1634 (B). 

(C.) In nomine sancte et individne trinitatis. Henricns 
divina favente dementia Eomanorum imperator angustus. 
Notum sit Omnibus, quod nos donavimus, immo reddidimus sancto 
Eusebio Vercellensi monasterium de Coliades, Bornadem et Mo- 
steriolum cum castello Grignasco cnm terra et districtn vallis Sicide, 
sicTlt Ricardus et uxor eius Uualdrade •>• tenuerunt. Dedimus 
Karon, Fontanetum, reddimns Cavalli, Cerro, Sulziam; confirmavi- 
mus Reuentino , dedimus et Oliuolum. De Kalendustra 
medietatem confirmavimus, quia eius erat dono Amizonis, ~ aliani 
medietatem donavimus, quia leg'e italica ad nostrum ius devenit. 
DamUfe * etiam omnia *, que Papie aut in tota Italia habue- 
runt. Dam US omnia predia Odonis de Grriguasco et nepotum eius, 
Ingizonis Rainaldi et Grezonis de Rade, Ri[g]ozonis et filiorum eius de 
Arboria, Vgonis et Vuidonis de Cabrignanoe, Ang'ilberti de Meleto 
et nepotis eius, filii Armanni^ Vgonis de Brinade, Aldonis 
de Aurello, Aldonis de Ceredano, [Gezjonis^ [Astulfi]^ et Eeulfi 
de Mortara, Askeri et Vualonis de Mortara, Amilongi et 
fratrum eius de Castellonouo, filiorum Aribaldi de Cocio, 
Mainfredi de Ponzana, Ariberti de Stirpiana, Roberti de Carisi, 
Liuprandi iudicis et generi eiUS Bruniagi et filiorum eius , Armanni 
diaconi et filiorum eius, Arlebaldi Remedii Landrici filiorum Gisalberti 
iudicis, Vuüielmi nigri, Azonis de Pezana, Azonis de Sala», filiorum 
Vuidonis de Balzola, filiorum Girardi de Morano, Flodeuerti de Alise, 
Ansigisi filii Liuzonis episcopi, Vbei'ti iudicis de Iporeia, Tealdi Atonis 
et Arnaldi, Olrici et fratrum eius, Vuilkerami, Sigifridi et Alkerik de 
Salaram l , lohannis de Gondezone , Milonis de Ij^oreia , Bonfilii de 
Solario, Verimperti, Milonis de Saluzula, Vnfredi de Troncano, 
Roderadi et Vualmundi, Olrici de Baina, Atonis et Ingilraanniia, 
filiorum Astulfi et Odonis et Adam de Vualdingo, Aimonis de 



a) Dieser Absatz steht in dem freien Raum zwischen Brief II 
nnd IV. b) p durch Correctur entstanden ; ob 'filii et' oder 

'filiorum' stand, ist nicht zu erkennen. c) 'et fratrum eius' wurde über 
der Zeile nachgetragen, aber durch Ausstreichen wieder getilgt. d) 'et 
Berizonis' über der Zeile nachgetragen, nachdem auf der Zeile 'et frati'is 
eius' getilgt war. e) Vgl. oben in C S. 47 Z. 18 und S. 49 N. a. f) Ob 
der 'filius Armanni' mit dem 'nepos Angilberti' identisch ist, bleibt unsicher, 
g) Diese Ergänzung ist nach den Resten am wahrscheinlichsten; Rieger 
las 'Arigonis'. h) Nicht sicher zu erkennen. i) Wohl identisch mit 

dem 'fratris Benzonis de Sala' in C S. 48 Z. 1'2. k) 'Askeri' C. 

1) 'Salerana' C. m) 'Uuilimanni' C. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 51 

Vualdiugo, Berardi de Monte, Mainai'di de Quirigna, Alberici clerici 
filii Heinerici de Salizola, Vuilielmi de Salizola, Roderadi filii 
Ilani, et Operti filii Azonis de Casale, Vg-oiiis de Palestre, 
Adam vicecomitis , Ribaldi de Suno, Valdoli de Casale. 
Dediiims predia Uuiberti, filii Dadonis, in Ceprione Caneuese 
Pertuso Agamio Plumbia et ubicumqne habuit in Italia; 
dediiiins predia Girardi et fratrum eius^, filiorum Roberti de 
Uulpiano , Aimini Vuilielmi et Ozonis de Liuurno , Aimonis Gosllini 
Girardi '', Clonfredi de Liuurno, Leuurni filii preslnteri Liuzonis, Asmundi 
et Berizonis filiorum Berardi, Ingizonis fratris Isaac, Girbaldi clerici et 
Alberti filiorum presbiteri Dalberti, filiorum Roconisc et Grase- 
uerti de Scaramanno, Ebonis de Butano, Roderadi et Aimonis de LTliaco, 
Ariperti et Siudiconis de Auarigo, Aldonis et fratrum eins de Sualigo, 
Sigimanni de Monte Aldonis, filiorum Tedisi <\ filii Alberici de Mouterone, 
Ebonis et filiorum eius de Firminiana, Ogerii de Plaiolese, 
Rodulfi de Canale, Saliconis de Conflentia, Sigefridi et Ligelberti de 
Tredino, Tebaldi et A^uidonis fratrum de Plazo, Ingonis de Ciriaco, 
Aldonis et filii eius Bennonis de Leurano, Aimonis de Campale, 
Alberti de f, Eimerici de Torcello ^, filiorum Armanni iudicis 

de sancto Euasio, Folca[l]di de Casale, Rogerii de sancto Salvatore et 
filiastrorum eius, Mainfredi de Brosilo, Graseuerti de Cerisido et fratrum 
eius Aldonis Astulfi Aribaldi et Vberti, Mainfredi de Conce, Girardi de 
Uuulingo , E-ozonis et ügonis de Monticlo , Constancii de 
Palazolo et filiorum eius , Aribaldi de Caualiaca. Omnia 
predia * Richardi^ et Vualderade et Vuiberti filii Dadonis et omnium 
istorum bominum, quorum nomina hie scripta continentur, 
lege Longbardorum nostra sunt propria, quia isti, postquam 
nobis fidelitatem iuraverunt, Corona regni Longbardici et 
diademate imperii nobis iam attributa, Ardoino regni nostri 
invasori iuncti omnia vastaverunt et maxime Eusebianam ecclesiam 
miserabiliter aflixerunt. Ideo ergo, quia legibus perdide- 
rnnt, legibus nostra sunt; et quia legibus nostra sunt, 
legibus sancto Eusebio omnia imperpetuum damus. Qui- 
cunque autem sanctam Vercellensem ecclesiam de his 
Omnibus disvestiverit vel inquietaverit, componat M libras 
auri, medietatem kaniere nostre' et sancto Eusebio alteram. 
Quod ut credatur et conservetur, hoc preceptum manu nostra 
firmavimus [et] ^ sigillo nostro iussimus insigniri. 



a) Sackur, Die Cluniacenser II, 13 N. 3 nimmt an, dass Girard 
und seine Brüder die Söhne Roberts von Vulpiano seien ; nach der Art 
der Aufzählung in B ist dies aber äusserst unwahrscheinlich. Da die 
Worte 'predia Gir. et fr. eius' in C fehlen, ist völlige Sicherheit darüber 
nicht zu gewinnen. b) Hier ist vielleicht aus C 'de Liuurno' zu ergänzen ; 
vgl. S. 48 Z. 10. c) 'Rozonis' C. d) 'de Lauegna' aus C wohl zu 
ergänzen. e) 'Rogeri de Plazolie' C. f) Lücke von 4 cm bis zum Zeilen- 
ende ; vielleicht identisch mit dem 'Alberti de na' (S. 47 Z. 4) in C? 

g) Vgl. oben in C S. 47 N. e. h) 'Rushardi' B. i) 'comp. kam. nostre 
M lib. auri' B. k) "Wegen Abreibung des Pergaments nicht zu erkennen. 

4* 



52 Hermann Bloch. 

Signum domui Herici'"^ invictissimi et'' gloriosissimi 
(M.) et Serenissimi imperatoris augusti. 

[Heijnricus *" cancellarius vice Heberardi episcopi et 
archicancellarii recognovit. 

[Dajtnm'^ anno incarnationis dominice MXIIII, in- 
dietione XII, anno vero regni domni Henrici imperatoris 
angiisti XIII, imperantis vero I ; actum Solega ; f eliciter 
amen. 



Durch, die oben erklärte Einrichtung des Druckes 
sieht man auf den ersten Blick, dass der Ueberschuss des 
Entwurfes (C) ein sehr geringfügiger ist, .v^ährend das 
DH. II. (B) nicht unbedeutend mehr bietet als das Concept. 
Denn es enthält nicht nur in der Aufzählung der zu Arduin 
haltenden Valvassoren, deren Güter an Vercelli fallen 
sollen, ungefähr 24 Namen mehr, von denen höchstens 
etwa 8 an den von mir nicht entzifferten Stellen des Con- 
ceptes eingesetzt werden können, sondern auch unter den 
besonders aufgeführten, an Vercelli zurückerstatteten Be- 
sitzungen Richards sind drei Orte mehr genannt , von 
welchen höchstens ein einziger in C gestanden haben 
mag ^. Endlich tragen auch noch Zusätze zu den Namen 
und weitere Angaben bei den Besitzungen Wiberts, des 
Sohnes Dado's, dazu bei, um B den Charakter einer Er- 
weiterung von C zu verleihen. Wer daher B und C mit 
einander vergleicht, wird den Eindruck gewinnen, dass C 
als ein erster Entwurf, als eine später noch umgearbeitete 
und erweiterte Skizze für die Urkunde anzusehen ist, die 
Bischof Leo sich von Heinrich II. ertheilen lassen wollte 
und die er durch St. 1634 in der That erhalten hat. 

Gegen eine anscheinend so einfache Erklärung des 
Verhältnisses von B und C erhebt sich indessen ein ernstes 
Bedenken. Der Schriftbefund stellt nämlich ausser Frage, 
dass Leo das Concept erst geschrieben hat, nachdem von 
den oben veröffentlichten Briefen mindestens der zweite 
schon auf unserm Blatte stand : es weicht diesem Schreiben 
an einzelnen Stellen unverkennbar aus, hie und da scheint 
Leo sogar über den Text desselben hinweg geschrieben zu 
haben. Mit Sicherheit lässt sich wohl auch behaupten, 

a) So B statt Heinrici. b) 'et et' B. c) Das 'n' noch völlig 

sicher. d) Oli 'datum' oder 'actum', wegen Abreibung des Pergaments 
niclit sicher zu erkennen. 

1) In der Lücke nach Mosteroluni 8. 49 Z. IfJ. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelh. 53 

dass C erst nach Brief III entworfen worden ist, da sich 
das mühsame Einklemmen seiner Worte in die von Brief II 
und dem Schliiss des Isidor freigebliebenen Stelleu kaum 
erklären Hesse, wenn die ganze untere Hälfte der Seite 
noch leer gewesen wäre ; und dass auch der letzte Brief 
schon den Raum zwischen den beiden anderen ausgefüllt 
hatte, kann aus demselben Grunde wenigstens für ausser- 
ordentlich wahrscheinlich gelten. So dürfen wir annehmen, 
dass das Concept nicht vor dem Ende 1016 nieder- 
geschrieben worden ist. Die Urkunde Stumpf Reg. 16.34 
aber trägt das Datum Sollingen 1014 und wird nach 
dieser ein wandsfreien Angabe, die zu den Daten der DD. 
für Novara und Pavia (St. 1632. 1633) völlig stimmt, in 
die Zeit August -September dieses Jahres gesetzt. Unter 
diesen Umständen sind — da an der Entstehung des Con- 
ceptes erst nach den im Jahre 1016 geschriebenen Briefen 
nicht gerüttelt werden kann — zwei Fälle möglich. Ent- 
weder: die Urkunde ist in der That zu Sollingen im 
Herbst 1014 in der vorliegenden Gestalt an Leo von Yer- 
celli gegeben worden, — dann müssen wir suchen, ob 
irgend eine befriedigende Annahme die Beziehungen zwi- 
schen ihr und dem Concept verständlich machen kann. 
Oder: es lässt sich nachweisen, dass unser Schriftstück 
nichts anderes sein kann als ein Entwurf für St. 1634, — 
dann stammt dieses D. in der uns erhaltenen Form nicht 
aus dem Jahre 1014, sondern muss eine frühestens Ende 
1016 ausgestellte Neuausfertigung einer verlorenen, zu 
Sollingen 1014 durch Leo erwirkten Urkunde sein, deren 
Daten und übriges Protokoll in das neue Diplom unver- 
ändert übergegangen sind. 

Halten wir zunächst im Vertrauen auf die unbedenk- 
lichen Daten des DH. IL daran fest, dass es wirklich in 
den Herbst 1014 gehört, so erwächst uns damit die Auf- 
gabe, zu zeigen, wie aus der Urkunde (B) der vorliegende 
Entwurf (C) zu Stande gekommen sein kann, da es nach den 
Listen der Valvassoren nicht bezweifelt werden kann, dass 
eines der beiden Schriftstücke von dem anderen abhängig sein 
muss ^. Allerdings folgen sich in beiden die Namen keines- 
wegs in gleicher Weise ; die in B unmittelbar nacheinander 
stehenden sind in C häufig weit verstreut, ohne dass wir 



1) Die übrigen stilistischen Uebereinstimmungen in B und C wären 
auch wohl bei Herstellung durch denselben Dictator zu erklären. Ich 
bespreche im folgenden nur die Fälle, die geeignet scheinen, wirklich 
eine Entscheidung- über das Verhältnis von B zu C herbeizuführen. 



54 Hermann Bloch. 

weder für das eine noch für das andere Gründe angeben 
könnten. Docla unverkennbar ist, dass die Ordnung ge- 
wisser Namen in C die gleiche ist wie in B ^ und dass eine 
gewisse Zusammengehörigkeit bestimmter Gruppen vor- 
liegt, wenn auch innerhalb derselben ganz willkürlich vor- 
gegangen zu sein scheint -. Charakteristisch aber ist, dass 
in beiden Fällen die im Ganzen mit B verwandte An- 
ordnung in C im Einzelnen durch Einträge unterbrochen 
wird, welche einem ganz anderen Theile von B angehören. 
Bei dieser Art der Zusammensetzung des Concej^tes 
sind die Lücken, welche C gegenüber B aufweist, zum 
Theil sehr eigenthümlich. Wir haben schon oben bemerkt, 
dass für etwa 8 von den 24 überschüssigen Namen der 
Urkunde an den nicht lesbaren Stellen von C Eaum ist, 
so dass etwa 16 in C fehlen würden. Und nun finden wir 
unter dem Mehr von B 8 Namen ^, die einzeln in der Ur- 
kunde erscheinen, gegenüber 14 anderen, die in drei ge- 
schlossenen Reihen von 5, 6 und 3 vorkommen. Da der 
Zufall wohl nicht in der Weise gespielt haben kann, dass 
ich in C gerade solche Namen nicht gelesen habe , die 
in B unmittelbar auf einander folgen, ausserdem die Zahl 
der 8 — 10 einzelnen Namen mit dem in C verfügbaren 
Raum sich annähernd deckt, dürfen wir schliessen, dass 
in der That aus ihnen die Lücken in C zu ergänzen sind. 
Es bleiben daher die drei Gruppen von 5, 6 und 3 Val- 
vassoren, durch deren Nennung die Urkunde reichhaltiger 
ist als das Concept. Man mag hiergegen einwenden, dass 
auf dem Blatte in Cod. CII kein Platz mehr war, Leo 
daher auf einem anderen Stück Pergament seinen Entwurf 
fortgesetzt und dort die fehlenden 16 Namen verzeichnet 
haben könne: immer aber bleibt bestehen, dass er, ab- 
weichend von der sonst hier geübten Arbeitsweise, ganze 
Gruppen von Namen, die er in B vorfand, sei es nur zu- 
nächst, sei es überhaupt, in C ausgelassen hätte. Noch 
auffallender macht dies Verfahren die aus unserem Druck 
sich sogleich ergebende Bemerkung, dass zwei von jenen 
drei Gruppen am Ende der beiden Yalvassorenlisten stehen, 
in welche das Verzeichnis in dem DH. IL durch die Auf- 
zählung der Güter Wiberts getheilt wird ! Mag Leo auch 



1) Vgl. z. B. S. 47 Z. 4 ff., 7 ff. und S. 51 Z. 17 f. ; S. 50 Z. 28 ff. 2) Z. B. 
stehen S. 51 Z. 12—16 fast alle Namen im dritten, Z. 16 — 24 im ersten Ab- 
schnitt von C. 3) Die Stelle 'Uuidonis de Cabrignano — ügonis de Bri- 
nade' kann, wenn es sich nur um zwei in C nicht vorhandene Namen handelt 
(vgl. 8. 49 N. a und S. 50 N. f), hierher, wenn aber um 4, zu der anderen 
Seite gezählt werden. Ich beziehe sie daher nicht in die Erörterung ein. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 55 

ans irgend welchem Grunde gerade den Schluss von beiden 
Verzeichnissen nicht in C aufgenommen haben — wir 
können uns diese Lücken ebenso wenig erklären wie alle 
die anderen, durch welche der Entwurf sich von der in 
jeder Beziehung reicheren Urkunde unterscheidet, wenn 
er in der That später als die Urkunde und dann noth- 
wendigerweise mit ihrer Benutzung angefertigt worden ist. 

Indessen lässt sich der Nachweis führen, dass Leo's 
Coucept nicht in dieser Weise entstanden sein kann. Allen 
Abänderungen nämlich, die an der ersten Niederschrift 
vorgenommen worden sind, ist es gemeinsam, dass erst 
der durch die Correctur gelieferte Wortlaut den Text 
wiedergiebt, der an den entsprechenden Stellen der Ur- 
kunde begegnet ^. Die nachgetragenen Namen neuer Val- 
vassoren sind fast durchweg ' da eingesetzt, wo sie in der 
Urkunde stehen. In allem weist das Concept nach der 
Correctur erheblich grössere Uebereinstimmung mit der 
Urkunde auf als in seiner ersten Fassung. Das wäre an 
sich zwar auch möglich, wenn etwa B und C unabhängig 
von einander nach einer gemeinsamen Vorlage geschrieben 
worden wären, C aber dann mit B collationiert und danach 
verbessert wurde. Allein die umfassendste Verbesserung, 
die Leo in C vorgenommen hat, würde auch damit nicht 
erklärt. Auf diese müssen wir daher näher eingehen. 

Die letzte Zeile des zweiten Abschnittes (S. 48 Z. 8 ff.) 
lautete ursprünglich nur: 'et Aimini de [Liuur]no et fra- 
trum [eins] , . . . onis ' '*. Hier brach Leo ab ; es scheint, 
dass er nicht den Raum neben dem Isidortexte beschreiben 
wollte, denn als er dann die Namen der Brüder des Aimin 
hinzufügte, setzte er hinter '...onis' nur 'et', machte 
darunter ein Verweisungszeichen und schrieb ganz am 
linken Rande untereinander: 'Uuilielmi et [Od]onis'. 

Erst danach fuhr Leo auf der abgebrochenen Zeile 
hinter '. . . onis et' fort : 'et Aimonis et fratrum suorum 
de Liuurno et Garifredi de Liuurno et filiorum presbyteri 
Liuzonis et Ingizonis fratris Isaac de Liuurno.' 

Wohl bei der Correctur des vollendeten Conceptes 
wünschte Leo in die Liste der an seine Kirche fallenden 



1) Vgl. in C S. 47 N. b, c, d, f, g, h, k; S. 48 N. b, c, d, f, 1. 2) Eine 

Ausnahme macht allein 'Uuilelmi de Salizola', der hinter Milo eingeschaltet 
ist, während er im DH. II. neben Alberich steht. In beiden Fällen handelt 
es sich aber um Männer desselben Geschlechts. 3) Vielleicht stand 

hier 'et Aimonis', so dass Leo hier zunächst nur die Xamen Aimin und 
Aimo geschrieben hätte und dann bei beiden die Xamen der Brüder 
(siehe im Folgenden) hinzufügte. 



56 Hermann Bloch. 

Güter auch die der Söhne Berards aufzunehmen. Er notierte 
in dem freien Räume zwischen den Briefen II und IV : 
'Asmundi et fratris eius filiorum Berardi' und ersetzte 
dann 'et fratris eius' durch 'et Berizonis' ^. Mag" es jedoch 
sein, dass er sich in dem ersten Namen getäuscht hatte, 
oder dass er einer verwandtschaftlichen Beziehung- wegen 
beide Brüder an einer anderen Stelle einreihen wollte, 
jedenfalls füllte Leo eine Lücke zwischen dem Isidortexte 
und dem IL Briefe mit den Worten: 'Sigimanni de Monte 
Aldonis - et Asmundonis filiastri eius et Berizonis filiorum 
Berardi', in denen er indess 'filiastri eius' wieder tilgte. 

Nach alledem war auf dem ganzen Blatte kein freier 
Platz mehr ausser in dem ßaum zwischen dem IL und IV. 
Brief, wo allein noch Leo weitere Abänderungen vermerken 
konnte. Statt 'filiorum presbyteri Liuzonis ' wünschte er 
mit namejitlicher Anführung des einen Sohnes zu schreiben 
'Leuurni filii j)resbyteri Liuzonis et fratrum eius', und trug 
dies links neben 'Asmundi et Berizonis' so nahe ein, dass 
für die Worte 'et fratrum eius' kein Raum blieb und 
diese über der Zeile hinzugefügt werden mussten '^ wo 
aber auch sie schliesslich wieder durch Ausstreichen getilgt 
worden sind. 

Darunter endlich verzeichnete er die Namen des Aimo 
von Liuurno und seiner Brüder, so dass jetzt zwischen 
dem IL und IV. Briefe folgendes stand: 
'Leuurni fil. presb. Liuzonis. Asmundi et B. fil. Berardi.' 
'Aimonis et Grir. et Gosl. fratrum eins.' 

Im Ganzen wollte also Leo an der letzten Zeile des 
zweiten Abschnittes folgende Correcturen vornehmen : 
1) neben Aimin von Liuurno sollten seine Brüder Otto 
und Wilhelm, 2) neben Aimo auch Girard und Goslin ge- 
nannt werden; 3) von den Söhnen des Presbyters Liuzo 
sollte allein Leuurnus in der Liste Aufnahme finden. 



1) Aus dieser Correctur darf man, meine ich, schliessen, dass hier 
der erste Eintrag der Söhne Berai'ds erfolgt und dass der zweite hinter 
Sigimann, in welchem sogleich der Name Berizo genannt wii'd, der 
spätere ist. Der hier genannte Asmundo, der Stiefsohn Sigimanns, ist 
vielleicht eine ganz andere Pei'sönlichkeit, die Leo jedoch wieder durch 
den Zusatz 'et Berizonis' und das Tilgen von 'filiastri eius' beseitigte. 
2) Er war schon im Concept S. 47 Z. 13 genannt. 3) Dass Leo 

sogleich diese Worte schreiben wollte, sie nicht etwa erst später nach- 
getragen hat, geht wohl daraus hervor, dass er schon gesehrieben hatte 
'Leuurni filii et' oder 'filiorum' und erst durch Correctur daraus 'filii 
presbyteri' herstellte. Ich glaube daher mit Recht schliessen zu dürfen, 
dass die Worte 'Asmundi' u. s. w. schon standen, so dass Leo um ihret- 
willen 'et fratrum eius' über der Zeile schreiben musste. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 57 

Trag-eii wir alle diese Verbesserung-eii in den Text des 
Conceptes ein, so erhalten wir genau den Wortlaut der Ur- 
kunde mit einer Abweichung. Denn in ihr heisst es : 
'Aimini Uuilielmi et Ozonis de Liuurno, Aimonis Gosllini 
Girardi [de Liuurno], G;arijfredi de Liuurno, Leuurni filii 
presbiteri Liuzonis, Asmundi et Berizonis filiorum Berardi, 
Ingizonis fratris Isaac'. 

Nach Leuurnus sind also hier die beiden Söhne Berards 
genannt. Ihr zufälliges, durch die Nachträge herbeigeführtes 
Nebeneinanderstehen auf unserem Blatte wäre also durch 
ein Versehen beim Abschreiben die Ursache dafür geworden, 
dass Asmund und Berizo in dem Diplom mitten unter dem 
Geschlecht von Liuurno aufgeführt werden. Und dieser, 
auf einer Aeusserlichkeit des Conceptes beruhende Umstand 
scheint schon für sich allein zu dem Beweise auszureichen, 
dass dasselbe durchaus nichts anderes sein kann, als ein 
Entwurf für das D H. IL St. 1634. Indessen möchte ich 
nicht hierauf das Hauptgewicht legen, weil eine andere 
Erklärung doch nicht durchaus ausgeschlossen werden kann. 
Leo könnte nämlich zuerst die Söhne Berards mit Sigi- 
mann zusammengestellt, sie aber darauf aus irgend welchem 
Grunde hinter Leuurnus eingefügt haben. Ihre Stellung 
in der Urkunde würde dann nicht auf einem Versehen be- 
ruhen , sondern der durch diese Aenderung bewiesenen 
Absicht Leos entsprechen. Ich betone deswegen das 
andere, auch diesen Fall mit umfassende Moment, dass 
an der von uns besprochenen Stelle erst durch eine Auf- 
einanderfolge verschiedener Correcturen aus dem Concept 
der Wortlaut der Urkunde zu Stande gekommen ist. Wir 
können, wie an den übrigen vorgenommenen Aenderungen, 
so hier mit zwingender Deutlichkeit verfolgen, wie erst 
nach und nach unter Leo 's Hand die früheste Aufzeichnung 
auf dem Blatte im Cod. C II die durch St. 1634 uns über- 
lieferte Gestalt angenommen hat. Dafür giebt es nur die 
einzige Erklärung: das Concept ist der erste Entwurf für 
dieses Diplom ^. 

Die nothwendige, schon oben angedeutete Folge dieser 
Feststellung ist, dass St. 1634 eine Neuausfertigung sein 
muss, in welche das ganze Protokoll seiner Vorlage, einer 
1014 zu Sollingen an Leo von Vercelli gegebenen Urkunde 
Heinrichs IL, unverändert übergegangen ist. Welche be- 



1) Die wenigen Stellen, in denen das Concept reicher ist als die 
Urkunde, werden bei näherer Prüfung vielleicht noch vermindert. Vgl. 
im Entwurf die Noten S. 47 N. i, 1 ; 48 N. n ; 49 N. a, n. 



58 Hermann Bloch. 

sonderen Gründe dieses Verfahren , wofür es ans dem 
10. und 11. Jh. nachgerade zahlreiche Beispiele giebt, in 
diesem Falle gehabt hat, entzieht sich zwar unserer 
Kenntnis, aber an Anlass dazu mag es gerade in Folge 
der jetzt bekannt gewordenen Vorgänge im J. 1016 nicht 
gefehlt haben. Im Herbst 1014, als Leo die erste Urkunde 
erhielt, war zwar der Aufruhr in Oberitalien fast unterdrückt; 
aber noch hielt sich Arduin mit den Seinen und besonders 
im Gebiet von Vercelli war er noch mächtig ^. Erst nach 
seinem Tode und nach der endgiltigen Niederwerfung der 
Empörer im J. 1016 war die Möglichkeit und Gelegenheit 
umfassender Eecuperationen für Bischof Leo gegeben. So 
ist es nicht überraschend, wenn er jetzt die frühere Ur- 
kunde durch eine erweiterte zu ersetzen wünschte. 

Namentlich scheint es dem Bischof darauf ange- 
kommen zu sein, dass eine neue Liste der einzuziehenden 
Besitzungen der Valvassoren aufgestellt wurde. Wir werden 
kaum fehl gehen in der Annahme, dass der Grundstock 
der Niederschrift der beiden ersten Abschnitte des Concepts 
auf die frühere Urkunde zurückgehen wird -, während die 
beiden später hinzugefügten, nichts als Namen enthaltenden 
eher für neue Zusätze gelten können. Sicheres ist darüber 
nicht zu sagen und auch nicht aus dem Vergleich mit der 
unter Otto III. dem Bischof ertheilten, einige Beziehungen 
aufweisenden Urkunde von 999 Mai 7 zu gewinnen''. Erst 
nachdem er die Liste der Valvassoren niedergeschrieben 
hatte, formulierte Leo den Eingang der Urkunde 'Notum 
sit' u. s. w. und die Richard und Waldrade betreffende 
Stelle, die man wohl ähnlich schon in dem verlorenen D. 
von 1014 zu vermuthen hat^. 

Mit Hülfe dieses ersten, man möchte sagen, skizzen- 
haften Entwurfes wurde erst das eigentliche Urkunden- 
concept hergestellt, das wohl im wesentlichen schon mit 
unserem St. 1634 übereingestimmt haben wird. Vielleicht 
sind einzelne Zusätze zu dem ersten Entwurf schon bei 



1) Vgl. oben S. 28. 2) Wenn in der That, wie icli vermuthe, 

der erste Abschnitt etwas über die rechtlichen Clrundlagen der Confiscation 
enthielt, was dem Schluss von St. 1634 und dann auch der Urkunde für 
Pavia St. 1033 entsprechen würde, so könnten wir uns hier erheblicli 
bestimmter ausdrücken. 3) Ob DO. III. 323 für das Concept heran- 

gezogen oder erst in einem späteren Stadium für St. 1634 benutzt wurde, 
ob etwa nur das 1014 gegebene DH. II. die Beziehungen vermittelte, 
ist nicht sicher zu bestimmen, und ich gehe deshalb auf eine Einzel- 
erörterung niclit ein. 4) I\Ian beachte namentlich die schon am Anfang 
des zweiten Abschnittes vorkommenden Worte. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 59 

dieser Umarbeitung" in die Urkunde hineingekommen; jeden- 
falls unterzog sie Leo einer nochmaligen Durchsicht und 
machte bei dieser Gelegenheit noch grössere Zusätze mit 
genauer Bezeichnung, wo dieselben einzutragen wären. 
Es leuchtet ohne weiteres ein, wie leicht erklärlich es bei 
dieser Entstehungsweise ist, dass zwei dieser Nachträge 
sich geschlossen am Ende der beiden Theile der Güterliste 
in der Urkunde finden ^ 

Dass man schliesslich der auf diese Weise, wie es 
scheint, nicht unwesentlich erweiterten Urkunde die Daten 
und damit zugleich das ganze Protokoll der Vorlage be- 
lassen hat, steht vielleicht wiederum mit den besonderen 
Vorgängen in der Lombardei in Zusammenhang. Vielleicht 
waren die Besitzveränderungen in den letzten unruhigen 
Jahren so bedeutend gewesen, dass es wünschenswerth 
schien, die neuen Ansprüche und Rechte des Bischofs 
wenigstens auf das Jahr 1014 zurückzuführen. Welches 
besondere Interesse Leo an den alten Daten nehmen konnte, 
werden wir später ersehen K 

Da also die Datierung von St. 1634 keinen Anhalts- 
punkt für seine Einreihung bietet, ist diese mit voller 
Gewissheit nicht vorzunehmen. Wegen des besprochenen 
Verhältnisses zu den Briefen ist die Urkunde sicher nicht 
vor Herbst 1016 anzusetzen; gern möchte man in ihr das 
'[preceptum] sin plumbo, saltem aui'o sigillatum' erkennen, 
dessen Vollziehung Leo von Heinrich IL fordert^. Und 
wenn in der That, wie wir oben^ vermuthet haben, der 
diese Worte enthaltende Abschnitt das letzte ist, was Leo 
von den vier Briefen geschrieben hat, so steht dieser Be- 
ziehung gar nichts entgegen ; man könnte vielmehr die 
beste Unterstützung für die Annahme darin sehen. 
Getreu dem Spruche, den Leo am Schlüsse des Briefes 
anführt: 'Wahre selbst Deine Güter', verzeichnete er selbst 
sorgsam , welche Güter seiner Kirche als Lohn für die 
erwiesene Treue vom Kaiser zurückgegeben werden sollten. 
So stellt die Urkunde den Siegespreis dar, den er für sich 
begehrte. 

3. Die von Bischof Leo von Vercelli verfassten 
Urkunden und Aktenstücke. 
An der Persönlichkeit Leo 's von Vercelli haben, wie kaum 
an einer anderen aus der Zeit Otto's III. und Heinrichs IL, 

1) Es sei darauf hingewiesen, dass auch bei den Besitzungen Wiberts 
(S. 51 Z. 6) die Zusätze sich am Ende finden. 2) S. unten S. 101 N. 5. 
3) S. oben S. 22. 4) S. oben S. 24 ff. 



60 Hermann Bloch. 

Liebe und Hass in gleicher Weise gearbeitet, nns ihr 
wahres Bild zu rerhüllen. Und mag der Freunde Lob 
oder der Zorn der Gegner mehr Berechtigung haben, immer 
bleibt sicher, dass Leo s Thätigkeit ihn aus den Reihen 
seiner Zeitgenossen weithin sichtbar herausgehoben haben 
muss. So wird der Wunsch rege, unabhängig von dem 
Urtheile, das Mit- und Nachwelt über ihn gefällt haben, 
zu erkennen, was dieser Mann gewesen ist, was er gewirkt 
hat ; aber wir wissen wohl, dass wir uns bescheiden müssen 
und zufrieden sein können, wenn uns die Quellen wenigstens 
einzelne Spuren davon bewahrt haben. In diesem Zusammen- 
hange soll denn auch zunächst nur geprüft Averden, welche 
Hülfsmittel uns für eine solche Aufgabe zu Gebote stehen. 

Die Thatsache, dass die Entwürfe der Briefe über 
die Ereignisse des Jahres 1016, sowie der Entwurf zu dem 
Diplom St. 1634 und die Excommunication des Grafen 
XJbert von der gleichen Hand geschrieben sind, und die 
Art der daran vorgenommenen Verbesserungen hatten er- 
wiesen, dass sie uns in der originalen Niederschrift vor- 
liegen, dass Leo von Vercelli ihr Verfasser und ihr Schreiber 
gewesen ist. Zu ihnen gesellt sich eine nur in Abschrift 
des 11. Jh. erhaltene Aufzeichnung des Bischofs über die 
Zurückgabe widerrechtlich befreiter Höriger an die Kirche 
von Vercelli \ durch welche die Paveser Beschlüsse Bene- 
dicts VIII. und Heinrichs IL von 1022 in seinem Sprengel 
zur Ausführung gebracht werden ; ihre unverkennbare 
stilistische Verwandtschaft mit den Akten jener Synode - 
hat um so eher dazu veranlasst, Leo einen Antheil an der 
Abfassung der letzteren zuzuschreiben, als seine besondere 
Thätigkeit dabei durch die Unterschrift des päpstlichen 
Decrets ^ bezeugt wird ; ein eigentlicher Beweis dafür ist 
bisher allerdings noch nicht geliefert. Diese Synode würde 
danach der einzige Rest sein, der uns von einer die Grenzen 
seines Bisthums überschreitenden Thätigkeit Leo's geblieben 
wäre; denn die Bekämpfung der kaiserfeindlichen Be- 
strebungen in Oberitalien war durch die eigenen Interessen 
geboten, wenn sie auch zugleich dem Reiche zu gute kam. 

Den Weg, dieses Material zu vermehren, weist der 
soeben besprochene Entwurf von St. 1634; denn dass dieser, 
wie wir gesehen haben, von Leo selbst verfasst und ge- 
schrieben ist, erweckt nicht nur die Vermuthung. dass die 
endgiltige, in D. 1634 vorliegende Fassung ganz sein Werk 

1) S. unten Beilage II. 2) Mansi XIX, 34:? ff. ; in den MG. 

Const. I, 70 n. .34 leider nur auszugsweise. 3) 'per nianus fratris 

Leonis Vercellensis episcopi'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 61 

sei, sondern fordert auch dazu auf zu erwägen, ob er noch 
an der Herstellung anderer, seinem Bisthuni gegebener 
Kaiserurkunden betheiligt gewesen sei. Unter diesen Um- 
ständen ist es nicht ohne Bedeutung, dass kein einziges 
der während Leo's Amtszeit für Vercelli ausgestellten DD. 
einem Kanzleischreiber zugewiesen werden kann. St. 163-1 
ist auch in dem noch nicht im Entwurf enthaltenen 
Schlusstheile nicht von einem der damals thätigen Notare 
verfasst, und das Dictat der früheren Urkunde Heinrichs II., 
St. l-l-lö, stammt gleichfalls nicht aus der Kanzlei. Beide 
aber zeigen von vorn herein eine gewisse Uebereinstimmung 
mit den fünf in Frage kommenden Urkunden Ottos III. 
— DO. III. 323. 324. 383. 384. 388 — , von denen schon 
Sickel angenommen hat, dass sie wahrscheinlich von dem- 
selben Vercelleser Parteischreiber herrühren. Sickel hat 
weiter schon bemerkt, dass die bekannte, früher mehrfach 
als unecht verworfene Urkunde Otto's III. für die römische 
Kirche (DO. III. 389)^ 'in manchen Wendungen (insbesondere 
in der Corroborationsformel) den von Otto III. dem Bischof 
Leo ertheilten Praecepten' nahe steht. Endlich sind noch 
Beziehungen zwischen St. 1634 und dem DH. II. vom 
gleichen Datum für die Kirche von Pavia (St. 1633) ganz 
deutlich, so dass auch diese Urkunde in den Rahmen der 
Arbeit einbezogen werden muss. 

Die hier angedeuteten Zusammenhänge regen indessen 
noch eine andere Gedankenreihe an. Verschiedene Aeusse- 
rungen nämlich über die Entfremdung von Kirchengut, 
die Kinder Unfreier, widerrechtliche Freilassungen und 
Priesterehen, die in Vercelleser DD. Otto's III. zerstreut 
sind und die in erweiterter Gestalt in den Akten der 
Synode von Pavia wiederkehren, sind dem Ideenkreise 
auf's nächste verwandt, aus dem die beiden Capitularien 
Otto's III. 'De servis libertatem anhelantibus' und 'De 
praediis ecclesiarum non alienandis' entsprungen sind. 
Doch nicht nur in diesen beiden, schon durch ihren Inhalt 
unsere Aufmerksamkeit erregenden Capitularien, sondern 
auch in dem dritten, ausser ihnen noch allein erhaltenen 
Capitel Otto's III. 'De iustitio' begegnen uns einige so 
auffallende Ausdrücke aus den Schriftstücken , die wir 
mit Leo in Verbindung bringen wollen, dass wir unsere 
Untersuchung auf sie ausdehnen müssen, da es möglich 



1) Vgl. u. a. Wilmaus, Jahrb. Otto's III., 233 ff. und Martens, Die 
falsche Generalkonzession Konstantins 38 ff. ; auch Ranke, Weltgeschichte 
VII, 69 f. entscheidet sich für die Unechtheit. 



62 Hermann Bloch. 

erscheint, dass Leo von Vercelli auch die Capitularien 
Otto's III. verfasst hat. 

Schon diese Betrachtung-en lassen erkennen, dass die 
Frage, ob Leo als Verfasser der ihm hier zug'eschriebenen 
Stücke angesehen werden kann, keineswegs nur einseitig 
diplomatisches Interesse besitzt. Von untergeordneter Be- 
deutung würde ja die Erörterung sein, ob der Partei- 
schreiber, welcher das Dictat der Vercelleser Kaiser- 
urkunden lieferte, ein beliebiger Cleriker oder der Bischof 
von Vercelli selbst gewesen sei ; weitere, unerwartete Aus- 
blicke aber eröffnet es , wenn eben dieser dazu berufen 
gewesen wäre, einer der wichtigsten Urkunden Otto's III., 
seiner Schenkung an die römische Kirche , ihre eigen- 
thümliche Form zu verleihen, wenn wiederum Leo den 
Gesetzen Otto's III. ihre Gestalt gegeben hätte, wenn 
endlich auf der Synode von Pavia 1022 Pajjst und Kaiser 
seine Gedanken aussprechen, die Beschlüsse der Kirche und 
des Reichs mit seinen Worten dort der Christenheit ver- 
kündet würden. Und nicht nur die Persönlichkeit Leo's 
würde dadurch in neues Licht gerückt, auch diese Schrift- 
stücke hätten zum Theil andere Beurtheilung zu erfahren. 

Diese Aussichten rechtfertigen den breiten Eaum, 
welcher der Dictatvergleichung eingeräumt werden wird. 
Natürlich würde es viel zu weit führen, für jedes einzelne 
Stück Leo's Autorschaft zu prüfen; wir werden vielmehr 
zuerst nur auf den Nachweis Bedacht haben , dass von 
einem und demselben Manne dictiert sein müssen: die 
Urkunden (DO. III.) 323. 324. 383. 384. 388. 389 ; (DH. IL 
St.) 1445. 1633. 1634; die Capitularien (Const. L) 21. 22. 
23; endlich die Akten der Synode von Pavia (St.) 1790, 
deren einzelne Bestandtheile: die Rede Benedicts (B) und 
sein Decret (BD), Heinrichs Antwort (H) und sein Edict 
(HE), wir unterscheiden werden. Indem wir auch die 
Aufzeichnung der Urkunde Leo's über die Rückgabe der 
Hörigen (L), die vier Briefe von 1016 (Ep. I — IV), das 
Concept von St. 1634 (1634 Co) und die Excommunication 
Uberts (Ex) heranziehen^, wird sich ohne Weiteres ergeben, 
dass ihr Schreiber, dass also Bischof Leo von Vercelli 
auch der Verfasser aller jeuer Stücke gewesen sein muss. 

Stilistische Gewohnheiten wie den Gebrauch der 
Reimprosa, Neigung zu gewissen Redefiguren, namentlich 
der Repetitio, beziehungsweise der Conversip, und der 



1) Der kurze Brief Leo's an Wilhelm Y. von Aquitauien aus dem 
Jahre 1025 (Bouquet X, 501) bietet kein Vergleichsmaterial. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 63 

Tradiictio ^, im einzelnen zu belegen, mrd nicht nothwendig 
sein ; nur einiges sei zum Beweise herausgehoben : 

'Hec sunt enim commenta — hec sunt etiam commenta' 
389 ; 'cotidie contra leges agitur, cotidie maii malum facere 
non verentur' — 'qui cotidie legi offendunt, cotidie legis sen- 
tentia feriantur' 22 ; 'communis honor, communis dolor' 
1790 B; 'cum nulla . . habeat tectum, cum nulla habeat 
lectum' 1790 HE; 'nullus thelonia capiat, nullus mercata 
habeat' 383 ; 'obfuscata . . . ecclesia, merito obfuscamur, me- 
rito diniergimur, merito . . vincimur' 1790 B; 'maledicti . . ., 
maledicti . . ., maledicti . . .' Ex. 

'obeunte auctore obeat' 23 ; 'llorente ecclesia fioruimus' 
1790 B; 'ut constantiam . . constanter remuneraremus' 
324; 'deo vincente facile convincentur' 1790 B; 'quod deo 
placebit, nulli bonorum displicendum erit' 1633; 'interfecit 
et interfectum' 323; 'incrassantur et incrassati' 1790 B. 

'quod non habuit , dedit , sie dedit , sicut nimirum 
dare potuit' 389 ; 'quia legibus perdiderunt, legibus nostra 
sunt; et quia legibus nostra sunt, legibus .... damus' 1634; 
'sileant ergo ii, qui sine lege sunt nati, sciant se legem 
non habere, sed contra legem eniti' 1790 B. 

'honeste vivere, .... honestius avolare . . . honestis- 
sime mereamur regnare' 324 ; 'bene credidimus et melius 
fecimus' 1445 ; 'magnus dolor, nimius luctvis , inaudita 
desolatio' 1633; 'male voluerunt, peius dixerunt, pessime 
verterunt' 1790 B. 

'nam cum regibus et imperatoribus . . . dare non 
liceat . ., quomodo abbatibus et episcopis . . . liceat' 23; 

'et si laicis est abstinendum a Ileitis, quomodo . . . 

. . clericis est abstinendum ab inlicitis' 1790 B. 

'a bonis numquam, a malis . semper' 22 ; 'bene parata 
male sunt conservata' 1790 B; 'habeat magister, quod . . . 
a parte sui discipuli off erat' 789; 'a magistrorum via 
recessimus, discipuli facti erroris, . erravimus' 1790 B. 

Ausdrücklich sei endlich auf den gehäuften, der 
Traductio ähnlichen Gebrauch von 'omnis' in 324 hinge- 
wiesen: 'legem omnem fatiendi, omnem publicum honorem, 
omnem publicam potestatem, omnem publicam actionem 
et omnem publicam redditionem', dem völlig derjenige 
von 'nullus' und 'ullus' 324. 384. 388. 1790 BD entspricht: 
'nullus dux nullus marchio .... nullus comes nullus vice- 
comes etc.' 324; 'ullum placitum . . . ullum districtum 



1) Ich gebrauche hier die Ausdrücke Onulfs von Speyer; vgl. 
Sitzungsberichte der Berl. Akademie 1894 S. 369 f. 



64 Hermann Bloch. 

. . . ullam publicam exactionem ullo ingenio . . .' 324; 
'nullus dux marchio comes vicecomes nullus archiepiscopus 
episcopus nullaque parva aut magna persona' 384 ; 'ut 
nullus dux marchio, nullus comes, nullus vicecomes nulla- 
que persona ullam contrarietatem . . , facere umquam 

audeat aut umquam per aliqua placita aliquo ingenio 
fatigare' 388 ; 'nullus presbyter, nullus diaconus , nullus 
subdiaconus, nullus in clero . . ., cum nulli . laicorum liceat' 
1790 BDI. 

Im Folgenden werde ich, indem ich mich nun den 
einzelnen Urkunden zuwende , eine Reihe seltener Aus- 
drücke und charakteristischer Wendungen, sowie die mehr 
formelhaften Bestandtheile berücksichtigen. Entsprechend 
der besonderen Bedeutung der Ottonischen Schenkung an 
die römische Kirche, werde ich von ihr ausgehen und 
diejenigen Stellen aus ihr verzeichnen, für die Analogieen 
aus den anderen Stücken angeführt werden können. 

'incuria et inscientia pontificum' : — 'incuria ponti- 
ficum' L; 'incuria et malignitate praesidentium' 1790 B. 

'sue claritatis titulos obfuscasse' : — 'obfuscata .... 
ecclesia' 1790 B. 

'quibusdam colluviis' •^: — 'nullis cartarum colluviis - 
infectos' L; 'titulis et scriptis colludio- fabricatis' 1790 B. 

'a lare sancti Petri alienaverunt' : — 'ab ecclesia 
alienavit' 383 ; 'a nomine et a iure ecclesiae alienant' 
1790 B. 

'quod absque dolore non dicimus' : — 'quod flentes 
dicimus', 'cum dolore videntes' L ; 'quod sine luctii non 
est dicendum' 1633. 

'in commune dederunt' : — 'in commune consulens' 
1790 B; 'in commune oramus' 1790 BD. 

'pro reparatione' : — 'pro ecclesiae . reparatione' 
1790 H; vgl. 'pro ecclesiarum dei restauratione' 23. 

'confusionem induxerunt', 'confusis . . legibus''^: — 
'me[ri]t[o]' oder 'me[n]te confundentur' Ep. II; 'ecclesiam 
. . . confuderunt' 1634 Co; 'merito .... confundimur', 
'victus et confusus' 1790 B. 

'in tantum . . irruerunt' : — 'in tantum insaniunt' 
Ep. I; 'pauperes attrivisse in tantum' Ex. 



1) Die Urkunden anderer Dictatoren bieten keine so vielfache "Wieder- 
holung von 'nullus'. 2) Bresslau in .Jahrb. Heinrichs II. III, 344 hat 
in L 'colludiis' emendiert ; vielleicht niuss nun aber vielmehr in St. 1790 
'colluvio' gesetzt werden. 3) 'confusis . . legibus et iam abiecta ecclesia' 
vgl. 'confusus ab omnipotente deo et abiectus proculque fugatus' in der 
Bestätigung von DO. III. 324 durch Sylvester II. Jatte— L. 3903. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 65 

'quae et quanta' : — 'quos et quot' L. 

'utpote' : — sehr häufig- in 1790 B. 

'sua propria .... dilapidata' : — 'audita dilapida- 
tione' 383. 

'commenta ab illis ipsis inventa' : — 'falso commen- 
tantur' 1790 B. 

'quod non habuit, dedit' : — 'quis enim dabit, quod 
non habet', 1790 B; vgl. 'quia . tulit, qnod non dedit' 
1790 BD. 

'commenticiis preceptis et imaginariis scriptis' : — 
'imaginaria praecepta' 1790 B. 

'ex nostra liberalitate' : — 'pro vestra liberalitate' 
Ep. I ; 'liberalitas nostri imperii' 324 ; 'aliqua liberalitate 
conlatas' 1790 BD. 

'sancto Petro offerimus et donamns'. — Diese Personi- 
fication des Heiligen, die noch mehrfach in 389 vorkommt, 
ist eine besondere Gewohnheit unseres Autors: 'damus, 
sed magis reddimus sancto Eusebio' 1634 Co; 'donavimus, 
immo reddidimus sancto Eusebio' 1634 ; 'confirmamus sancto 
Eusebio' 323; 'confirmamus et redimus sancto Eusebio' 383; 
'damus et reddimus sancto Eusebio' 1445 ; 'concedimus 
. sancto Syro' 1633. Vgl. 384. 388. Hierher gehört auch: 
'interventore beato Eusebio cum omnibus sanctis' Ex. 

'principi nostro Petro' : — 'principibus nostris Petro 
et Paulo' 1790 B. 

'habeat teneat et . . . ordinet' : — 'habeat teneat et 
imperpetuum . diiudicet' 383 ; 'teueant ordinent et ut volu- 
erint iudicent', 'teneat et quod velit faciat' 384 ; 'habeant 
teneant ordinent et quodcumque velint faciant' 388. 

'aliquo ingenio fatigare' : — 'per aliquod ingenium 
ire', 'ullo ingenio . exigere' 324; 'per placita fatigare', 'aliquo 
ingenio disvestire' 384 ; 'j)er aliqua placita aliquo ingenio 
fatigare' 388; 'ullo ingenio' 1790 HE; 'quolibet ingenio' 21. 

Auch die Signumzeile verdient Beachtung, da der 
Titel 'Romanorum imperatoris augusti' und die Zählung 
als 'tertius' darin ungewöhnlich sind\ so dass auch diese 
Formel hier als Stütze für die Identität der Schreiber 
dienen kann; sie lautet in 389 'signum domni Ottonis 
invictissimi Eomanorum imperatoris augusti' ^ : — 'sign, 
dom. Ott. gloriosissimi Eom. imp. aug.' 323. 324 ; 'sign, 
dom. Ott. invictissimi aug.' 383; 'sign. dom. Ott. tercii 



1) Vgl. Kehr, Die Urkunden Otto III. 142 f. 2) Vgl. die 

Intitulatio in 324: 'Romanorum invictissimus Imperator augustus'. 



Neues Archiv etc. XXII. 



66 Hermann Bloch. 

g-loriosissimi Rom. imp. aug-.' 384 ; 'sign. dorn, tercii Ott. 
Serenissimi imp. aug.' 388. 

So enthält jeder einzelne Satz von 389 charakteristische 
Worte oder Theile, die aus den andern Urkunden belegt 
werden können. 

Wir lassen einstweilen die Corroborationsformel ausser 
Acht und schliessen hier diejenigen für unsern Zweck zu 
verwerthenden Wendungen der anderen Stücke an, welche 
nicht in DO. III. 389 enthalten sind. 

323. 'quia nos ipsi imperatoris Karuli precepta legimus 
et litere in ecclesia sancti Eusebii a tempore Karuli super 
altare sancti lohannis baptiste Scripte testimonium donant 
et ad veritatem recognoscendam fidem legentibus faciunt'^: 
— 'quia ipsum preceptum raanibus propriis tenuimus, oculis 
vidimus , dei gratia legimus ; et preceptum etiam legi- 
mus' 1445. 

'inflatus divitiis ecclesie' : — 'servi ecclesiarum ali- 
quibus divitiis inflati' L. 

'iudicio ecclesie et seculi' : — 'iudicio ecclesiae et 
nostro' 1790 HE; 'nulli saeculi iudices' 1790 B. 

'Si quis autem ... de hiis disvestiverit . . ., com- 
ponat mille libras auri optimi, medietatem camere nostre 
et sancto Eusebio alteram'. 

Während der erste Theil der Poenformel trotz mannig- 
facher Aehnlichkeiten - doch in den Urkunden verschieden 
gestaltet ist, erscheint der zweite in ihnen fast völlig 
gleich und bietet auch in 324. 383. 384. 388. 1445. 1634 
die nicht gewöhnliche Form 'medietatem . . et . . alteram' 
(statt der Wiederholung von 'medietatem'). 

324. 'invicti contra heresiarchas militis' : — 'Ubertum 
rufum heresiarcham' Ex; 'haeresiarchae colluentes effantur' ^ 
1790 B. 

'intus et foris' = Ex. 1633. 1790 B. 

'libere et secure permanente dei ecclesia' : — 'sancta 
ecclesia ex omni parte libera . . ., sed secura' 384; vgl. 
'vivente ecclesia' 1790 H. 

1) DO. III. 323 beruft sich hier auf ein als Inschrift über dem 
Johannesaltar überliefertes D. Karls III. Ist in dem DO. III. ohne jeden 
Zweifel die von Mühlbacher (SB. der Wiener Akad. XCII, 400 f.) und 
Cipolla (Atti della r. Accad. di Torino XXVI, 670 ff.) aus dem Cod. XV 
der Capitelsbibliothek zu Vercelli gedruckte Notiz benutzt, wie schon 
Cipolla nachweist, so muss diese um so eher als eben diese Inschrift 
angesehen werden, als nicht nur ihr Wortlaut, sondern auch ihre Schrift 
in Maiuskeln durchaus epigraphen Charakter tragen. Vgl. S. 76. 2) 'si quis 
autem' 324. 384. 388 ; 'quicumque vero' 389 ; 'quicumque autem' 1634. 
'De hüs Omnibus' 383. 384. 1634; 'diabolico ductus spiritu' 384; 'diabolico 
fastu ductus' 388. Vgl. auch S. 69 Z. 5 ff. 3) Vgl. 'colluunt' L. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo rou VercelU. 67 

383. 'notum sit universis nostris fidelibus' : — 'notum 
sit Omnibus nostris fidelibus 384. 388 ; 'notum sit omnibus' 
1445. 1634 Co. 

384. 'salvo dei respectu' : — 'salva tantum dei re- 
verencia' 388. 

'sine iassione' : — 'iussio vestra' Ep. III. 

388. 'tenet et tenuit' vgl. 'rogaverunt . et rogant' 
Ep. II; 'erraverunt et errant' und anderes 1790 B; 'licet . et 
licuit' 1790 HE. 

1633. 'cum dei nostroque inimico': — 'inimicum dei' Ex. 

'lex . que ita iubet' : — 'lex vult et iubet' Ep. III. 

'quia ergo legibus eorum nostra sunt bona ipsorum, . . . 
dare volumus' : — 'ideo ergo, quia legibus perdiderunt, 
legibus nostra sunt, . . . legibus . . . damus' 1634; 'legibus 
perdiderunt' 1790 B mehrfach. Der gesetzmässige Erwerb 
des vergabten Gutes durch den Kaiser wird auch betont 
in 323: 'damus . . . iuste et rationabiliter, quia'; 'dedimus, 
. . ., que iuste perdidit' 383; 'ad nostrum devenit, dum 
nostro inimico adhesit' ^ 1634 Co. 

'substinere dispendia': — 'grave dispendium' L; 'futura 
videns . dispendia' 1790 B. 

Aus allen diesen Urkunden haben wir nur wenige 
wichtigere Stellen hier verzeichnet; länger müssen wir bei 
den Capitularien verweilen, deren ganz anders gearteter 
Inhalt zwar die Vergleichung erschwert , deren Zuweisung 
aber schon deshalb erhöhtes Interesse beansprucht, weil 
wir über die Entstehung der Constitutionen nur sehr selten 
unterrichtet sind. 

21. 'debitum et proprium non posse habere obsequium' : 
— 'debita non possunt exhibere obsequia' 23. 

'captiose' vgl. 'captiosum laqueum' L". 

'ad honorem libertatis moliuntur ^ ascendere' : — 'in 
libertatis nobilitatem transeunt' L; 'in militiam . . faciunt 
transire uobilium', 'honor libertatis', 'libertäre incassum 
moliuntur 1790 B. 

Das hier verzeichnete seltene Wort 'libertäre' steht 
auch in Cap. 21 und L; es entspricht ganz dem auch in 
L und 1790 B vorkommenden 'paupertare'. 

'longo tempore' = L. 

'nee enim licebit servo aecclesiae Servitute umquam 
exire' : — 'nee umquam ab ecclesiae Servitute exibunt' 
1790 BD; 'numquam de servitio ecclesiae exire debebunf 



1) Vgl. auch 'suis culpis perdiderunt', 'nichil dare iure potuisse 
389. 2) So ist ohne Zweifel statt 'moUiuntur' zu lesen. 

5* 



68 Hermann Bloch. 

1790 HE. Vgl. hierzu 'in Servitute ecclesie maneant' 
383 ; 'omnia que de bonis ecclesie exierunt, .... ad ecclesiam 
cuius fuerunt pertinebunt' 323 ; 'neque . . . cum bonis ad- 
quisitis exibunt, sed omnia ... ad ecclesiam, unde . iniuste 
subtracta . sunt, . . . revertentur' 1790 B. 

'praesidentes aecclesiis' : — 'raalignitate praesidentium' 
1790 B. 

'ad ins et servitutem aecclesiarum revocari' : — 'in 
proprium ius aecclesiae revocare' 23. Vgl. 'ad pristinum 
servitium reduximus' L ; 'ad pristinum usum venire cogant 
et ad antiquam servitutem venire compellant' 383. 

Das kurze zweite Capitulare 22 'De iustitio' enthält 
nur wenige Worte , die sich in andern Stücken wieder- 
finden; aber dass grade sein Stil demjenigen der Synode 
ausserordentlich nahe steht, wird jedem Leser unmittelbar 
deutlich. Ich führe nur an 

'legis sententia feriantur' : — 'nullis feriatur adversi- 
tatibus' 384; 'aequo ecclesiae feriendi sunt iudicio' 1790 B; 
'anathemate ferientur' 1790 BD. 

'licet semperque licebit' vgl. 'nee licet nee licuit nee 
licebit' 1790 B; 'licet iuste et licuit' 1790 HE. 

'omni tempore' = 388; 1790 BD. 

'iugiter conservandum deo auctore ^ imperiali maiestate 
decrevimus' vgl. 'iugiter . . abstinendum', 'iugiter sacrifican- 
dum' 1790 B; 'in fines orbis terrae conservandum perveniat' 
1790 B; 'nostra igitur imperiali maiestate pr^cipimus' 324. 

Cap. 23. 'non ad utilitatem aecclesiarum' : — 'tantum 
ad utilitatem ecclesie' 384 ; 'ad solam ecclesiae utilitatem' 
1790 B. 

'domorum dei' : — 'domus dei' L. 

'aecclesiae dei' = Ex. L. 324. 1790 BD. 

'status aecclesiarum dei anullatur' : — 'sie annullatur 
ecclesia' 1790 B; 'monasterium . . . anullavit' 383; 'anul- 
latum' 389. 

'deo et nobis debitum obsequium' vgl. 'deo, sancto 
Eusebio, nobis et presenti Leoni . . . serviat' 384 ; 'cum 
dei nostroque inimico' 1633; 'cum sua et nostra salute' 
389; 'vestri et nostri inimici' Ep. I; 'deo et hominibus 
execrandus' 1790 HE. 

'regibus et imperatoribus' : — 'imperatorum et regum' 
Ep. III; 'regum et imperatorum' Ep. I. 1633; 'reges et im- 
peratores' 1790 B passim- 

'[leges] . . . prof'eruntur' : — 'leges . . . proferimus' 1790 ß. 



1) Ueber 'deo auctore' siehe unten S. 70 Z. 24 ff. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 69 

'contra nostri imperii auctorem et propagatorem'. 
Diese Bezeichnung- der Kirche bildet eine beaclitenswerthe 
Parallele zu Otto's Titel in 388 'sanctarumque ecclesiaruni 
devotissimus et fidelissimus dilatator'. 

'quod si aliquis contra hanc constitutionem nostram ire 
temptaverit' : — 'si quis igitur contra hoc nostruni pre- 

ceptum ire temptaverit' 1633; 'si quis autem contra 

hoc nostruni pr^ceptum . . . ire- pr§sumpserit' 324; vgl. 
auch 'si aliquis aliquod' 324. 

Wer dieser Zusammenstellung gefolgt ist, wer be- 
obachtet hat, wie bald hier, bald da Uebereinstimmungen 
vorliegen, wie bald die einen, bald die andern Stücke 
entsprechenden oder gleichen Wortlaut bieten, dem wird 
schon jetzt über das erwünschte Ergebnis kaum ein Zweifel 
bleiben. Die wichtigste Ergänzung aber, sowohl für die 
Urkunden wie für die meisten andern Schriftstücke, wird 
unser Beweismaterial erfahren, indem wir uns nun endlich 
der Corroborationsformel der DD. zuwenden, welche in 
allen eine gleiche Grundform aufweist. Am einfachsten 
begegnet sie uns gleichlautend in 323 und 1634: 'quod 
ut credatur et conservetur, hoc preceptum manu nostra 
firmavimus et ^ sigillo nostro iussimus insigniri', nur wenig 
abweichend in 383, wo 'preceptum' fehlt und 'iussimus' 
durch 'precepimus' ersetzt ist, und in 1445, wo die Be- 
siegelung durch 'et iussimus sigillari' angekündigt wird. 
Etwas erweitert erscheint sie in 1633 : 'quod ut verius 
credatur et ab omnibus inviolabiliter conservetur-, hoc 
preceptum manu nostra firmavimus et nostro sigillo in- 
signiri precepimus' und in 388 : 'quod ut verius credatur 
et in eternum conservetur, manu nostra roboravimus et 
nostro sigillo iussimus insigniri hanc paginam'. Einen 
eigenartigen Zusatz bringt 384 : 'quod ut verius credatur 
et diligencius ab omnibus in integrum observetur, manu 
propria confirmavimus et nostro sigillo, ut in eternum 
vivat verissime, iussimus insigniri' ; und nicht minder un- 
gewöhnlich ist ein Einschub in 324 : 'quod ut omnino 
credatur et in ^ternum conservetur, manu nostra firmavimus 
in ^ternum deo adiutore victura et tribus sigillis^ pre- 
cepimus insigniri'. Ohne völlig mit einem dieser Sätze 
übereinzustimmen, aber nur aus Elementen zusammen- 
gesetzt, die uns daraus bekannt sind, lautet der Schluss 



1) Ich übergehe das in DO. III. 323 von Sickel Eingeklammerte. 
2) Vgl. 'me inviolabiliter servaturum' 1790 H. 3) Von diesem seltsamen 
Ausdruck sei hier abgesehen. 



70 Hermann Bloch. 

in 389 : 'ut hoc autem in eternum ab omnibus conservetur, 
hoc preceptum manu nostra diu deo adiutore victura con- 
firmavimus et nostro sigillo precepimus insigniri, ut sibi 
suisque successoribus valeat'. 

Doch nicht genug mit der organischen Verwandtschaft 
der Corroboratio in den verschiedenen Urkunden, welche 
für sich allein ausreichen würde, die Identität ihres Ver- 
fassers anzunehmen ! Es. lassen sich überdies einzelne ihrer 
Bestandtheile als besonders bezeichnend für seinen Stil 
erweisen. Auf den häufigen Gebrauch von 'in integrum' 
324. 384. 388. 1445 ist allerdings kein Gewicht zu legen; 
bemerkenswerther ist, dass der für die Vollziehung durch 
den König fast überall oben angewandte Ausdruck 'firmare' ^ 
auch sonst häufig wiederkehrt : 'preceptum . . . firmare 
noluistis' Ep. III; 'edicti lege firmari' 1790 BD; 'Ego H. 
gratia dei Imperator . . . deo auctore statui, firmavi et 
semper valere decrevi et optavi meosque imperii primores 
firmare rogavi' 1790 HE; 'nee nostra auctoritate debebunt 
firmari' 23. Wenn ferner dem eigenartigen 'manu nostra 
. . . deo adiutore victura' aus 324. 389 in 1790 H 'vivente 
ecclesia per dei gratiam victura' an die Seite gestellt werden 
kann, so ist das kein unerhebliches Glied in der Beweis- 
kette. 

Das Erwähnen der göttlichen Hülfe und Gnade in 
den beiden letzten Verbindungen macht uns auf eine andere 
Gewohnheit unseres Schreibers aufmerksam , für die es 
nicht an Belegen fehlt. Es heisst: 'dei gratia' Ep. III. 
1445; 'auctore deo Ex. 1790 B. BD. HE; 'deo propicio' 
1790 B; 'deo volente' 389; 'deo donante' 1633; 'adiuvante 
deo' 1790 H. Solche und ähnliche Wendungen haben auch 
dazu beitragen müssen, einem, ich möchte sagen, Lieblings- 
gedanken des Dictators einen eigenthümlichen Ausdruck 
zu geben. Es ist der immer wieder ausgesprochene Wunsch 
der ewigen Geltung der Urkunde und des erlassenen Gesetzes. 

Wir trafen ihn schon in den Zusätzen zu der Corro- 
boratio von 384. 389, zu denen folgende am Schluss der 
Poenformel angefügte Sätze ein Gegenstück bilden : 'et hoc 
preceptum in sua maneat firmitate' 383 ; 'et preceptum 
firmum permaneat' 384 ; 'hocque preceptum omni tempore 
in sua permaneat firmitate' 388 ; 'et ecclesia sua retineat 
imperpetuum' 1445. Entsprechend wird dann auch gesagt: 
'in eternum . . habeat', 'in eternum .... deferatur' 384 ; 'in 
eternum . . habeat atque disponat' 1633 ; 'in aeternum man- 



1) Nur zweimal 'confirmavimus', einmal 'roboravimus'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 71 

snra 1790 H. In seiner charakteristischsten Gestalt aber 
finden wir denselben Wunsch in 1633 'hoc nostrum pre- 
ceptum in eternum deo propitio valiturum', an das sich, 
völlig gleich gebildet, anschliessen : 'erit enim deo volente 
in aeternum valiturum' 1790 BD; 'hoc nostro aedicto deo 
volente in aeternum valituro' 21; 'hac lege omne per aevum 
divinitate propicia valitura' 22 ^. Und wenn endlich der- 
selbe Gedanke mit demselben Ausdruck 'in aeternum 
valere' dreimal in der Unterschrift wiederkehrt, mit der 
Leo von Vercelli unter drei zeitlich weit auseinanderliegende 
Placita in fast gleicher, aber ganz ungewöhnlicher Weise 
sich eingetragen hat -, so wird auch dadurch noch der 
Beweis verstärkt, dass alle die hier untersuchten Schrift- 
stücke von niemandem verfasst sein können als von dem 
Bischof von Vercelli. 

Mögen daher einzelne der von uns zusammengetragenen 
Stellen für sich allein wenig beweiskräftig sein, so umspannt 
doch eine Fülle stilistischer Beziehungen gleichsam wie 
mit einem Netze die Urkunden Ottos III. und Heinrichs II. 
für die bischöfliche Kirche von Vercelli, die Schenkung 
Otto's an die römische Kirche und Heinrichs Urkunde für 
das Bisthum Pavia, ferner die Capitularien Otto's III. 
und die Acten der Synode von Pavia, und erweist, dass 
sie alle von demselben Manne herrühren ; in ihnen ver- 
streute Wendungen, die in der Aufzeichnung über die 
Rückgabe der Hörigen, in den eigenhändigen Briefen Leo's 
und der von ihm geschriebenen Excommunication Uberts, 
in seinem Concept zu St. 1634 und in seiner eigenhändigen 
Unterschrift wieder vorkommen , lassen mit Sicherheit 
erkennen, dass als ihr Verfasser Bischof Leo von Vercelli 
anzusehen ist. 



Leos Thätigkeit in der Kanzlei Otto's III. ist, wie es 
scheint, nur an den oben besprochenen Stücken zu be- 
merken; denn es ist nicht sicher zu behaupten, dass er 
noch bei der Abfassung anderer Urkunden des Kaisers 



1) Vgl. 'usu semiDer valituro' 1790 HE. 2) 1001 Ravenna 

(DO. 111. 396) : ['Leo episcopus sancte Vercellensis ecclesie] et logotheta 
palacii afluit voluit laudavit decrevit et in eternum valere precepit', wo 
indessen der nicht überlieferte Anfang nach Leo's Gewohnheit 'Leo 
episcopus imperii, servus s. Eusebii' heissen müsste. Und ganz ähnlich 
in St. 1781 und 1022 Penna (Gattula Hist. Cassin. 1, 77). Zu beachten 
ist auch Otto's 111. Unterschrift in Cap. 23 : 'in aeternum valere precepi'. 



72 Hermann Bloch. 

thätig- gewesen ist ^ Nur das D. 331 für Farfa, welches 
in Eingang- und Schluss dem Her. C entspricht, enthält 
im Context einige an Leo's Stil erinnernde Wendungen: 

'pro restituenda re publica' : — 'restituatur res pu- 
blica' 324. 

'dispersio' = Ep. I; 'disperdidit' 383. 

'maximeque' : — 'et maxime' 323. 1790 B passim. 

'ut . in §ternum . detur' vgl. oben S. 70 Z. 41 fP. 

Auch die Ausdrücke 'permaneat . . . destinatum, . 
mancipatum' dürften etwa aiif Leo weisen, dem auch die 
Androhung der geistlichen Strafe vielleicht zugehören 
könnte. Da durch D. 331 eine zu Farfa erfolgte Handlung 
erst in Rom beurkundet worden ist, und höchst wahr- 
scheinlich die Kanzlei den Kaiser bei seiner kurzen Ab- 
wesenheit zur Verhandlung mit Herzog Hugo von Tuscien 
nicht begleitet haben wird, so wäre es möglich, dass ein 
von Leo zu Farfa aufgezeichneter Bericht über die Hand- 
lung von Her. C bei der Ausstellung der Urkunde benutzt 
worden wäre. 

Wesentlich gesicherter ist Leo's Mitwirkung an dem 
Dictat einer verlorenen Urkunde Heinrichs IL für das 
Bisthum Como, die im J. 1026 von Konrad IL (St. 1908)- 
bestätigt worden ist. Darin werden dem Bisthum Häuser 
zu Pavia geschenkt, welche dem mit Arduin verbündeten 
Bischof Hieronymus von Vicenza wegen seines Abfalls von 
Heinrich IL gesetzlich abgesprochen worden waren. Die 
Dispositio von St. 1908 scheint allerdings zum grossen 
Theil ne« formuliert zu sein, die Narratio aber enthält 
fast wörtliche Uebereinstimmungen mit St. 1633 und 1634: 

'post manus suas sibi traditas et sacramenta sibi facta, 
et postquam eum in regem et imperatorem elegit' : — 'post- 
quam nos in regem et imperatorem elegerunt et post manus 
nobis datas et sacramenta nobis facta' 1633. 

'Ardoino regni sui invasori associatus' : — 

'iuncti Ardoino invasori regni nostri' 1634 Co. 1634; 'cum 
. . . Ardoino regnum nostrum invasisse' 1633. 

'praedas et incendia in ecelesias dei^ . . palam exercuit' 
vgl. 'rapinas praedas . . . fecisse', 'conatus . . exercuisse 
et publice bella . . praeparasse' 1633. Vgl. auch 'predis 
rapinis et incendiis . . . attrivisse' Ex. 

1) Ueber DO. III. 376 für Ivrea und dessen etwaige echte Bestand- 
theile wird erst im Zusammenhang mit dem gleichlautenden St. 1890 für 
Novara bei der Bearbeitung der Urkunden Konrads II. endgiltig zu ent- 
scheiden sein. 2) Tatti, Annali sacri di Como II, 844. 3) Hierzu 
vgl. oben S. 68 Z. 31. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 73 

'secundum legem oinnimn g-entium, quicqiüd habuit 
seciindum legem, ad regalem publicum venire debuit . . ; 
uiim iuste et leg'aliter episcopatum . perdidit' : zu diesem 
Satze ist sicherlich eine Vorlage benutzt, die mit den oben^ 
angeführten Stellen aus 1633 und 1634 ungefähr gleich 
lautete. Danach steht fest, dass im Herbste 1014 zugleich 
mit den Schenkungen an die Bisthümer von Pavia und 
Yercelli, von denen jene in St. 1633, diese indessen nur 
in einer Neuausfertigung frühestens vom Ende des Jahres 
1016 durch St. 1634 überliefert ist, auch das Bisthum 
Como für die im Kamj)fe gegen Arduin erlittenen Schäden 
von Kaiser Heinrich Ersatz erhielt. Ob die darüber er- 
theilte Urkunde, ebenso v^ie die beiden gleichzeitigen DD. 
für Pavia und Vercelli, ganz von Bischof Leo dictiert 
worden ist, kann allerdings nicht bestimmt entschieden 
werden, da nur die Erzählung von dem Abfalle und der 
Verurtheilung des Bischofs Hieronymus die üeberein- 
stimmung mit ihnen aufweist. Möglich wäre es daher, 
dass alles, was die VIT. von St. 1908 mit St. 1633 und 
1634 gemeinsam hat, dem im Herbste 1014 in Westfalen 
gegen die Aufrührer ergangenen Gerichtsspruche - ent- 
nommen ist, der seinerseits allerdings dann von Bischof 
Leo formuliert worden wäre. Mag man nun aber annehmen, 
dass St. 1908 auf eine von Leo im Herbst 1014 verfasste 
Urkunde zurückgeht und dass seine Dispositio in der Kanzlei 
Konrads IL umgearbeitet worden ist, oder mag man die 
andere Lösung vorziehen, dass der Dictator der VU. von 
St. 1908 im J. 1014 die Narratio dem von Leo verfassten 
Verdammungsurtheil entlehnte (in welchem Falle St. 1908 
noch in anderen Theilen auf der VU. beruhen könnte) ^, 
immer bleibt bestehen, dass noch in St. 1908 Beste eines 
von Leo herrührenden Schriftstückes enthalten sind. 

Scheint damit die Zahl der Urkunden Ottos III. 
und Heinrichs IL erschöpft, an deren Herstellung sich 
der Bischof von Vercelli betheiligt hat, so überrascht es, 
wenn man seinen Stil noch in einer anderen Urkunde 
erkennt, in die sein Dictat nun und nimmer mit rechten 
Dingen gekommen sein kann. Das D. Karls III. nämlich 
für das durch seinen Erzkanzler Liutward verwaltete Bis- 
thum Vercelli vom 16. März 882^ klingt in seiner Dispositio 



1) S. 67 Z. 12 ff. 2) Pabst in Jahrb. Heinrichs II. II, 439. Vgl. 
die Narratio in St. 1633. 3) Die endgiltige Entscheidung wird auch 

hier erst die Bearbeitung der DD. Konrads II. bringen. 4) Mühlbacher 
Reg. 1592. Mon. Hist. patr. Chartae I, 64 n. 38. 



74 Hermann Bloch. 

bedenklich an Ausdrücke an, die für Leo eigenthümlich 
sind. Da sein Protokoll, die Arenga, Publicatio, Poenformel 
und Corroboratio vollständig- dem Brauche der Kanzlei 
Karls entsprechen, ist es bisher, wie es scheint, jedem 
Verdachte entgangen, obgleich es in seinem Inhalt von 
Widersprüchen nicht ganz frei ist. Denn während die 
Urkunde in der Corroboratio als 'traditio' bezeichnet wird, 
während die Uebertragungsformel 'de nostro iure et dominio 
in ius et dominium prelibate ecclesiae tradimus atque 
transfundimus' nur von einer Schenkung kaiserlichen 
Gutes an die Kirche spricht \ enthält die Urkunde eine 
grosse Zahl von Restitutionen. Schon die Petitio muss 
stutzig machen: 

'iit sanctissimo patri Eusebio defensori christianae 
fidei aliqua de iure regni nostri concederemus et aliqua, 
que subtracta sunt , rederemus statimque et aliqua , que 
ab imperatoribus et regibus iam donata sunt et subtracta 
sunt, redderemus statimque nos postulatioues illius salu- 
berrimas agnoscentes decrevimus ita fieri'. 

Es ist zum mindesten wahrscheinlich, dass hier in 
den die Bitte um eine Schenkung enthaltenden Satz die 
von der Restitution sprechenden Wendungen nicht eben 
geschickt eingefügt worden sind. Und schon, dass nicht 
von einem Geschenk an die Kirche, sondern an die 
Person des Heiligen die Rede ist, und dass in der That 
die Dispositio sogleich dem entsprechend mit den Worten 
beginnt: 'concessimus itaque praedicto s. Eusebio', schon 
dies erweckt die Erinnerung an Bischof Leo, als dessen 
besondere Gewohnheit wir es oben ' verzeichnet haben, 
dass er nicht sowohl von Schenkungen an die Kirche als 
an die Person ihres Heiligen und Schutzpatrons spricht. 
Ja, dem 'defensori christianae fidei' könnte man wohl die 
Bezeichnung 'invicti contra heresiarchas militis' in 324 an 
die Seite stellen, wie auch auf die Verbindung 'regibus 
et imperatoribus' ^ und einen Satz in 1790 B hingewiesen 
werden muss: 'ad ecclesiam, unde omnia iniuste subtracta, 
subrepta sunt, . . . revertentur'. 

Für die Dispositio, die im übrigen mit der Aufzählung 
der Orte und ihrer Pertinenzen naturgemäss wenig Eigen- 
thümliches enthält, ist charakteristisch die häufige An- 
wendung eines die Schenkung ausdrückenden Verbums und 



1) Dazu passt auch die j^ewiss zum grössten Theile echte Pertineuz- 
formel. 2) S. 65 Z. 15 ff. 3) S. 08 Z. 40 ff. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 75 

besonders dessen Verdoppelung; so folgen aufeinander: 
'concessimus', 'dediraus', 'contulimus et reddidimiis', 'dona- 
vimus et restituimus', 'confirmavdmus', 'reddimus et con- 
firmavimus', 'dedimus', 'dedimus', 'obtulimus et restituimus', 
'largiti sumus et reddidimus'. Grade diese immer erneute 
Wiederholung ist aber ein hervorstechendes Merkmal der 
Urkunden Leo's: in D. 323 wechseln 'damus' und 'confir- 
manius' beständig; D. 383 bietet die Folge: 'dedimus', 
'dedimus', 'dedimus', 'confirmamus et redimus', 'confirmamus', 
'confirmamus' ; 384 enthält gar zwölf Mal hintereinander 
'dedimus et confirmavimus', dazu noch einmal 'dedimus 
et volumus'. Besonders sei auf die Perfecta in 383. 384 
hingewiesen ; denn im Perfectum stehen auch die oben 
angeführten Verba aus Mühlbacher Reg. 1592, während 
das der echten Urkunde Karls angehörende 'transfundimus 
et largimur' das Praesens bietet. Und selbst der Tempus- 
wechsel 'dedimus et volumus' aus 384 findet sein Gegen- 
stück in 'reddimus et confirmavimus' aus Mühlb. 1592. Für 
die Verdoppelung des Verbums seien ausserdem aufgeführt: 
'donavit et confirmavit" 323 ; 'dedimus largiti sumus et 
omnino concessimus' 324 ; 'offerimus et donamus' 389 ; 'da- 
mus et reddimus' 1445. Endlich sei auch noch 'in ius 
proprium . . . contulimus' 388 erwähnt, damit, ausser 'resti- 
tuimus'. alle in Mühlb. 1592 vorkommenden Verba bei Leo 
nachgewiesen werden ; grade diese Wendung leitet passend zu 
dem letzten über, worauf aufmerksam zu machen ist: 

'proprio iure in aeternum habeat' Mühlb. 1592: — 
'in eternum iure proprietario habeat' 1633; 'ut in eternum 
. . habeat' 384. 

Das Urtheil über Mühlbacher Eeg. 1592 scheint damit 
gesprochen ; seine Dispositio steht inhaltlich im Wider- 
spruch mit den sicher echten Bestandtheilen, denen zufolge 
die Urkunde Karls III. eine Schenkung, nicht auch 
Restitutionen enthielt, und es zeigt im Dictat so weit- 
gehende Uebereinstimmung mit den von Bischof Leo ver- 
fassten Urkunden, dass eben diesem die Verfälschung einer 
echten, von Karl III. an Liutward von Vercelli gegebenen 
Urkunde zur Last gelegt werden muss. Wenn Leo das 
echte D. Karls III. nicht bereits früher der Umarbeitung 
für seine Zwecke unterzogen hat, so hatte er die Fälschung 
sicherlich vorgenommen, als er im J. 1007 dem König zu 
Regensburg St. 1445 zur Vollziehung unterbreitete. Aus 
den Worten, dass Heinrich IL die Urkunde Karls mit 
eigener Hand gehalten, mit eigenen Augen gesehen und 
dass er sie gelesen habe, welche Leo dem König in St. 1445 



76 Hermann Bloch. 

in den Mund legt, spricht für uns das böse Gewissen, 
die Furcht vor Entdeckung seiner Fälschung. 

Der Inhalt von Mühlbacher Reg. 1592 ist danach 
durchaus unverbürgt; den echten Gehalt festzustellen, 
dazu muss ohne Zweifel die oben^ erwähnte Notiz über eine 
Urkunde Karls III. herangezogen werden, die ich für die 
Abschrift der in DO. III. 323 erwähnten Inschrift über dem 
Johannesaltar des Vercelleser Doms halte. Allein die 
Ausführungen Cipolla's - können die Bedenken, ob nicht 
auch in ihr das echte D. Karls interpoliert ist , nicht 
zerstreuen; die Erwähnung Arona's bleibt doch recht an- 
stössig. Und wenn in D. 323 die Glaubwürdigkeit der 
Inschrift mit ähnlichem Nachdruck betont wird '^ wie in 
St. 1445 diejenige der von Leo verfälschten Urkunde 
Karls III., so werden dadurch die Zweifel nur verstärkt; 
ja, im Zusammenhang hiermit steigt gradezu der Gedanke 
auf, dass Leo selbst zur Begehung einer Fälschung die 
Inschrift habe herstellen lassen, in der die Anrede an den 
beschenkten Heiligen 'tibi . . . sanctissimo' und die fünf- 
malige Wiederholung von 'dedimus" gleichfalls an sein 
Dictat denken lässt. Die Notiz und Mühlbaeher Reg. 1592 
werden nach derselben Urkunde Karls III. verfälscht sein, 
jene vielleicht, diese sicher von Bischof Leo; in welcher 
Art und zu welchem Zwecke, kann nur aus der Geschichte 
der in ihnen genannten Orte, namentlich wohl des Hofes 
Orco und der 'Curtis regia infra urbem', festgestellt werden; 
ich brauche hier um so weniger darauf einzugehen, als, 
— nach gütiger Mittheilung C. Cipolla's, für die ich ihm 
zu bestem Danke verj^flichtet bin — Untersuchungen über 
diese und andere Vercelleser Urkunden durch italienische 
Gelehrte in naher Aussicht stehen. 

Endlich aber, nachdem die Dictatvergleichung uns 
auf Leo's Spuren in der Kanzlei Ottos III. und Heinrichs IL 
geführt hat, nachdem sie Leos, im Interesse seines Heiligen 
geübte Fälschung aufgedeckt hat. muss sie auch dazu 
dienen, von ihm abzuweisen, was fälschlich mit ihm in 
Zusammenhang gebracht worden ist. Allerdings ist die 
Angabe des 'Liber Papiensis', von der ich hier sprechen 
muss*. dass Leo von Vercelli der Verfasser des 967 er- 



1) S. 66 N. 1. Eine andere Abschrift, in Minuskeln, findet sich im 
Cod. CXXXIV, wohl auch noch von Hand saec. X. 2) Atti della 

r. accad. di Torino XXVI, 672 ff. 3) S. oben S. 66 Z. 10 ff. 4) Mon. 
Germ. LL. IV, 572: 'antiqui . . . se vidisse pugnam factara esse dicebant 
rebus iam per 100 annos possessis, ante illum scilicet Leonem Vercellensem 
episcopum, qui hoc capitulum ante imperatorem composuit'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 77 

lassenen 'Capitnlare de diiello iudiciali' Otto 's I. g-ewesen 
sei, schon mehrfach mit Rücksicht darauf abgelehnt worden, 
dass der Bischof, selbst wenn er bei seinem Tode 1026 in 
hohem Alter stand, dennoch 967 uoch nicht in der Lage 
gewesen sein kann, ein Gesetz abzufassen ^ ; aber auch die 
Vermuthung, dass etwa der Prolog später hinzugefügt 
worden sei und dann von Leo herrühren könne -, ist nicht 
haltbar, da einerseits der Auetor des 'Liber Papieusis' dies 
nicht sagt, andererseits der Stil des Prologs uns nicht 
berechtigt, ihn als Werk Leo's in Anspruch zu nehmen. 
Dennoch sind die Worte des Auetors für uns nicht ganz 
belanglos ; sie zeigen uns Leo gemeinsam mit den 'antiqui 
iudices' in der richterlichen Thätigkeit, die er im Namen 
des Kaisers häufig geübt hat , und sie lassen erkennen, 
dass noch in der zweiten Hälfte des XL Jh. eine, wenn 
auch unklare, Erinnerung daran vorhanden war, dass Leo 
kaiserliche Gesetze verfasst habe — eine gewisse Be- 
stätigung unseres Beweises , dass er der Verfasser der 
Capitularien Ottos III. gewesen ist-^. 

4. Die Thätigkeit Bischof Leos am Hofe Ottos III. 
und Heinrichs IL 

Der Nachweis der verschiedenartigen Thätigkeit Leo 's 
unter Otto III. und Heinrich IL wird merkwürdig durch 
die Beobachtung ergänzt, dass der Bischof auch zwei Ge- 
dichte aus jener Zeit, dasjenige an Gregor V. und Otto III. 
und das über Otto III. und Heinrich IL, verfasst hat^. 
Beide Thatsachen iudess, im wesentlichen nur durch Dictat- 
vergleichung erschlossen, werden erhöhte Sicherheit und 
grössere Bedeutung gewinnen, wenn es durch sie gelingen 
wird, ein einigermassen deutliches Bild von Leos Persön- 
lichkeit und seinem Wirken zu erhalten. 

Am kaiserlichen Hofe Ottos III. tritt uns Leo zum 
ersten Male entgegen. Wo seine Heimat war, wie er an 
den Hof gekommen ist, davon erfahren wir nichts ; der 
deutsche Spruch, den er, seine Forderungen begründend, 



1) Boretius in Praefatio ad Librum Papiens. LL. IV, XCIV ; 
Ficker, Forschungen 111,45; Löwenfeld a. a. 0. 61. 2) So wäre wohl 
die — von ihm selbst in der Praefatio zurückgenommene — Aeusserung 
von Boretius, Die Capitularien im Langobardenreich 174 zu verstehen, 
auf die Mon. Germ. Constit. I, 28 Bezug genommen wird. 3) Löwen- 
felds Vorschlag (p. 62) für 'Leouem' im Lib. PajDieus. 'Ingonem' zu lesen, 
ist danach als verfehlt abzuweisen. 4) Den Beweis werde ich in der 

4. Beilage antreten. 



78 Hermanu Bloch. 

an Heinrich II. schrieb \ könnte zwar vermuthen lassen, dass 
er dem östlichen Sachsen entstammte, und dann könnte Bern- 
ward von Hildesheim den Landsmann seinem kaiserlichen 
Zögling zugeführt haben ; aber der bei einem Deutschen ganz 
ungewöhnliche Name : Leo und seine spätere Thätigkeit als 
'iudex' machen in hohem Grade wahrscheinlich, dass er 
vielmehr ein Romane gewesen ist. Die erste verbürgte 
Nachricht zeigt ihn uns im September 996 unter der 
Schaar der Höflinge zu Mainz , wo Otto III. den Glanz 
der im Frühjahr erfolgten Kaiserkrönung über den Ge- 
sprächen mit Adalbert, dem Bischof von Prag, vergass 
und wo dieser, sich zum Zuge nach Preussen rüstend, den 
Sinn des Kaisers und seiner Umgebung von den irdischen 
Dingen zu den himmlischen zu wenden suchte. Dort war 
es, wo Leo, schon damals durch Redegabe und Schlag- 
fertigkeit ausgezeichnet, dem Diener Gottes den propheti- 
schen Traum deutete und ihm den Märtyrertod vorhersagte ^. 

Dem weitabgewandten Asketen folgte im Frühjahr 997 
am Kaiserhofe der hervorragendste Vertreter der Wissen- 
schaft, der Mann, der in dem Kaiser die Gedanken von 
der weltbeherrschenden Stellung des Kaiserthums insbe- 
sondere nährte, Gerbert von Reims. Wenn schon damals 
Gerbert und Otto gemeinsam von der Erneuerung des 
Römerreiches geträumt haben, so dürfen wir sicher an- 
nehmen , dass auch in Leo damals die Pläne angeregt 
wurden, bei denen mitzuwirken er, wie wir sehen werden, 
berufen war^ Als gemeinsamer Vertrauter des Kaisers 
und Gerberts ist er im Herbste 997 in der Angelegenheit 
des letzteren thätig^. 

So setzen die ersten Meldungen der Quellen Leo in 
Berührung mit den beiden geistigen Strömungen der Zeit, 
die der junge Kaiser in sich zu vereinen vergeblich be- 
strebt war, und mit den Männern, die als ihre Vertreter 
sich der besonderen Gunst Otto 's III. erfreuten. Dass 
der Kaiser selbst ihm besonders vertraute, erweist hin- 

1) S. unten Beilage VI. 2) ßrunonis vita Adalberti c. 20 (SS. 
IV, 605) und Canaparii vita Adalberti c. 34 (1. c. 592). Die Identität 
dieses 'ei)iscopus palacii' mit Leo von Vercelli geht auch aus der Vita 
quinque l'ratrum c. 10 (SS. XV, 725) hervor. Ueber den Titel siehe 
S. 79. 3) Sicherlich sind die Beziehungen Gerberts und Leo's, wenn 

nicht früher, so im Frühjahr 997 angeknüpft worden ; doch kann man 
nimmermehr mit Löwenfeld 5. 61 Gerberts Vorrede zum Libellus de 
ratione als Beweis dafür anführen. 4) Epp. Gerberti ed. Havet, n. 183 
p. 168: 'et quoniam noster Let» iter suum ad vos inteuderät volando, ut 
ipse scripsit, VI. id. sept., quando primum allata venit epistola, iniquis, 
ut credo, remorata ventis, nichil super Ar. consultum est. Sed fert secum 
alia ut magnis inventa ingeniis, ita magnis finienda cousiliis'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 79 

reichend seine Ernennung zum Bischof von Vercelli ; denn 
in jenen Gegenden bedurfte damals das Reich angesichts 
der gewaltthätigen üebergriffe des Markgrafen Arduin von 
Ivrea eines thatkräftigen , unbedingt zuverlässigen Vor- 
kämpfers. 

Man hat angenommen, dass Leo schon vorher die 
Würde eines 'Hofbischofs' inne gehabt habe, weil Bruno 
in der 1004 verfassten vita Adalberti ihn als 'episcopus 
palacii' bezeichnet ^ ; allein wenn Bruno in seinem andern 
Werke bei der Erzählung von Ereignissen des J. 1001 — 
also aus einer Zeit, wo Leo schon Bischof von Vercelli 
war — ihn gleichfalls 'episcopus de palacio' nennt-, so 
bandelt es sich gewiss nur um einen Beinamen, den Leo 
wegen seines häufigen Aufenthaltes am Hofe und seiner 
Beschäftigung mit den Angelegenheiten des Reiches er- 
halten haben wird. Tadelt doch Bruno grade den Mönch 
Rudolf aus Rimini, weil er sich gemeinsam mit Leo zu 
sehr mit weltlichen Dingen beschäftigt habe ^. Mit welchem 
Rechte dieser solch' einen Beinamen erhalten konnte, 
werden wir unten erkennen; jedenfalls wird der nirgend 
sonst belegbare 'Hofbischof' aus der Liste der geistlichen 
Hofämter"^ zu streichen sein. Leo ist erst durch seine 
Entsendung nach Vercelli Bischof geworden. 

Wann allerdings diese erfolgt ist, steht dahin; denn 
die Reihenfolge der Vercelleser Bischöfe der Zeit ist nicht 
ganz so klar, wie es bisher in Deutschland vorausgesetzt 
wurde. Danach wäre auf den noch am 6. September 996 
nachweisbaren Bischof Petrus I. ^ der am 31. December 
997*' genannte Raginfred, und diesem der am 7. Mai 999^ 
zuerst erscheinende Leo gefolgt. Aber die neuerdings in 
der Sakristei des Doms in Marmor eingegrabene Bischofs- 
liste verzeichnet zwischen Petrus und Raginfred noch einen 
Adalbert, dessen Einschiebung in einem 1886 gedruckten, 
aber nicht in den Handel gekommenen Schriftchen des 
Can. Pietro Canetti* begründet wird; darin wird an dieser 
Stelle indessen nur eine Untersuchung des um das Ver- 
celleser Archiv so hoch verdienten Can. Giovanni Barberis 
— von dessen Arbeiten auch heute noch das 'Necrologium' 



1) Vgl. S. 78 N. 2. 2) Vita quinque fratrum c. 10. (SS. XV, 725). 

3) 1. c. : 'secundum seculum adiuvit Leonem episcopum de palacio' und 
dann p. 726 'quamvis contra legem secularibus negociis militaret'. 

4) Waitz, Verfassungsgeschiclite VI, 274 N. 3. 5) Mon. bist. patr. 
Chartae 1, 305 n. 182. Schenkung des Hofes von Caresaua an die Canoniker 
von Vercelli durch Markgraf Hugo. 6) DO. III. 264. 7) DO. in. 323. 
824. 8) Della serie cronologica dei vescovi di Vercelli, p. 24 ü. 



80 Hermann Bloch. 

lind die 'Monumenta oninia ante saecnlum XII' der Ver- 
öffentlichung werth sind — fast unverändert abgedruckt, 
wie sich mir aus dem Funde von dessen eigenhändigem 
Ms. ^ ergab, ßarberis nämlich entdeckte im Archiv eine 
noch ungedruckte Urkunde, in welcher ein Bischof Adalbert 
von Vercelli Güter zu üliaco gegen Besitzungen der Brüder 
Richard und Atto zu Clivoli und Cisigliano vertauscht. 
In dem von mir eingesehenen Original - heisst es : 

In nomine domini dei salvatoris nostri lesu Christi. 
Tercius Otto gratia dei Imperator augustus anno imperii 
eins deo j^ropicio secundo, quinto kalendas Marcias, in- 
dictione undecima. Commutatio bone fidei noscitur esse 
contracta, ut vicem emcionis obtinead firmitatem eodemque 
nexu obligant contradentes. Placuit itaque et bona con- 
venit voluntate dominus Adelbertus, venerabilis 
episcopus sancte Vercellensis ecclesi§, nee non 
et inter Richardus et Atto iermanis filiis quondam Restalde 
de loco Uliaco . . . Inprimis dedit ipse dominus Adel- 
bertus episcopus eisdem . . . 

Actum in suprascripto loco Cisiliano feliciter. 

Indem Barberis das Datum dieser Urkunde mit: 
23. (!) Februar 997 auflöste, kam er dazu, zwischen Petrus 
und Raginfred den Bischof Adalbert einzufügen, wobei er 
übersah, dass im Februar 997 Petrus noch am Leben war. 
Das Necrolog. Eusebianum saec. XII./XII. ^ führt imter 
dem XVI. kal. april. auf: 

Petrus Vercellensis episcopus. Eins interventu Cari- 
siana data est canonicis. 

Da dieser letztere Zusatz sicher stellt, dass es sich 
hier um Petrus I. handelt^, so dürfen wir nunmehr den 
17. März 997 als dessen Todestag verzeichnen — womit 
wir überdies ein erwünschtes Datum für die Zeit der 
oberitalienischen Unruhen gewinnen, da Petrus bei der 
Einnahme Vercelli's durch Arduin ums Leben gekommen 
ist^. Sein Nachfolger Raginfred, der dem Anschein nach 
zugleich mit Arduin und mit dem Kaiser gute Beziehungen 
zu erhalten gewusst hat", ist bald nach dem 31. December 



1) Es liegt in einer Abschrift von Fileppi, Historia ecclesiae et 
urbis Vercellensis I, die mindestens zum Theil wegen des darin ent- 
haltenen Materials noch den Druck verdiente. 2) Die Urkunde liegt in 
demselben Fache wie die älteren Kaiserurkunden. 3) Cod. XXXIII der 
Vercelleser Capitelsbibliothek. " 4) Vgl. die unter ihm erfolgte Schenkung 
von Carisiana Mon. hist. patr. Chartae I, 300 ff. 305 ft'. 5) Vgl. Löwen- 
feld 8; Giesebrecht 1", 710. ö) Vgl. Provana, Studi critici sovra la 
storia d'Italia a' tempi dei re Ardoino 65. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 81 

997 durch Adalbert ersetzt worden, von dem uns durch 
die obige Urkunde vom 25. Februar 998 — denn dies ist 
der, von Barberis falsch berechnete Tag ihrer Ausstellung 
— allein Kenntnis überkommen ist^. Leo kann daher 
frühestens etwa im Sommer 998 seine Stelle eingenommen 
haben. 

Wir haben nun oben gesehen, dass Leo das am 
20. September 998 zu Pavia erlassene Gesetz Otto's III. 
verfasst hat, nach welchem alle Verfügungen von Bischöfen 
über Kirchengüter nur während deren Lebensdauer Rechts- 
kraft besitzen sollen und sogar mit rückwirkender Kraft 
alle früheren Emphyteusen und Precarien für ungiltig 
erklärt werden, die dem Nutzen der Kirche zuwider laufen. 
Grade diese Bestimmung entspricht so sehr den besonderen 
Interessen des Vercelleser Bisthums, dass man vermuthen 
möchte, Leo habe schon damals als dessen Vertreter ge- 
handelt. Denn er hat später ausdrücklich durch Otto IIL 
die Verfügungen, die einer seiner Vorgänger, Bischof Ingo, 
über Kirchengut getroffen hatte, rückgängig machen lassen '-*, 
indem er beklagt, wie sehr seine Kirche darunter gelitten 
habe. Zu der Vermuthung, dass er im September 998 zu 
Pavia schon als Bischof von Vercelli aufgetreten sei. würde 
aufs beste stimmen, was Barberis in seinem Necrolog ^ bietet : 
'IUI. non. iun. Albertus episcopus'^, wonach Leo 's Vorgänger 
Adalbert am 2. Juni gestorben wäre; allein da wenigstens 
im Cod. XXXIII unter diesem Datum kein Albert ver- 
zeichnet ist, so liegt wohl ein Versehen von Barberis vor, 
das ich indessen in Vercelli nicht zu berichtigen vermochte \ 
Da also diese Angabe einstweilen nicht zu verwerthen ist, 
begnüge ich mich mit der Feststellung, dass Leo nicht vor 
dem Frühling 998, sicher aber vor dem Mai 999 Bischof 
von Vercelli geworden ist*'. 

Indem auf diese Weise , durch die Einreihung des 
Bischofs Adalbert zwischen Eaginfred und Leo , ausge- 

1) Canetti 27 sieht in ihm den 'senior Adalbertus', an den das 
von Giuliari im Archivio storico itahano, 4. serie. VI, 8 veröffentlichte 
Klagschreiben gerichtet ist. Doch scheint mir das keineswegs sicher und 
bedarf jedenfalls noch der Untersuchung, namentlich wohl der Durchsicht 
des aus Vercelli stammenden Cod. XXI der Veroneser Capitelsbibliothek. 
2) DO. III. 383. 3) Ms. der Vercelleser Capitelsbibliothek. 4) Da 

der h. Albert, der einzige sonst bekannte Vercelleser Bischof dieses 
Namens, am XVIII. kal. oct. starb (nach Cod. XXXIII), so könnte dieser 
'Albertus' nur unser Adalbert sein. 5) Es fehlte mir an Zeit, das 

Necrologium nur für diesen Zweck ganz durchzusuchen. 6) Mit 

Giesebrecht I'^, 802 nehme ich an, dass die Verfügungen gegen Arduin 
und seine Anhänger in DO. III. 323 nach seiner ßesiegung durch Leo 
und erst nach der ihn verurtheilenden Synode ergangen sind. 

Neues Archiv etc. XXII. Q 



82 Hermann Bloch. 

schlössen wird, dass letzterem sclion Anfang 998 das neue 
Amt übertragen wnrde, gewinnen wir die Möglichkeit, ihn 
mit dem Archidiacon nnd Pfalzrichter Leo zu identificieren, 
welcher im April 998 nach der Rückkehr des Kaisers und 
des von Crescentius vertriebenen Paj)stes Gregor V. zu 
Rom in zwei Gerichtsverhandlungen als kaiserlicher Missus 
den Vorsitz führte^; das würde ein neues Moment für 
seine Wirksamkeit im Dienste des Kaisers sein. In der 
That kann es nicht Wunder nehmen, Leo als Königs- 
boten schon damals in einer Thätigkeit zu sehen, für die 
er später vielfach verwendet worden ist'-; und wenn er 
selbst, wie es dann nach dem Placitum für S. Vinceiizo 
scheinen möchte, Iudex gewesen ist, so wird dadurch die 
häufige Berufung auf die Leges, die in den von ihm ver- 
fassten Schriftstückeil auffieP, in einfachster Weise erklärt*. 
Ueberdies wissen wir auch von andern Seiten her, dass 
Leo im Gefolge des Kaisers und des Papstes im Frühjahr 
998 in Rom anwesend gewesen ist. Er hat dort etwa im 
März hervorragenden Antheil an dem Concil genommen, 
in welchem der durch Crescentius erhobene Gegenpapst, 
der frühere Kanzler und damalige Erzbischof von Ravenna, 
Johannes Philagathus aus Calabrien, abgesetzt und seiner 
Würden verlustig erklärt wurde ^ ; und zu Rom hat Leo 



1) DO. III. 278 vom 9. April 998 : 'residebat in iudicio doranus 
Leo archidiaconus sacri imperii palatii ex parte domni imperatoris'. — 
Muratori, SS. 1^^,467: 'iussit (seil. Imperator) suis fidelibus, videlicet 
domno sanctissimo Leoni archidiacouo et iudicem sacri palatii almifici 
imperatoris'. Der ganz verderbte Schluss lautet : 'suprascriptus Leonis 
domno arcliidiacono et iudici sacri palatii, imperatoris missus, loliannes 
scriniarius sanctae Romanae ecclesiae scribere praecepit'. Dieses, von 
Hübner Gerichtsurkk. 118 n. 1115 zu 997 gesetzte Placitum hat gleiche 
Daten wie D. 278, aber 'die XXX . . .' mit fehlendem Monat; es kann 
nur zu 30. März oder 30. April 998 gehören; für letzteres spricht die 
Anwesenheit der 'ultramontani episcopi', die auch an der Synode vom 
9. Mai (Jafie - L. 3888) theiluehmen. — In beiden Placiten ist die Unter- 
schrift: 'Leo sacrosancti palatii archidiaconus et missus'. 2) Vgl. die Re- 
gesten bei Loewenfeld 72 f. 3) Vgl. S. 67 Z. 11 ff. und St. 1780. 4) In 
D. 405 vom 4. Juni 1001 für Leno ist eine Gerichtsurkunde über eine 
Streitsache des Klosters bestätigt; das irrige 'anno domni Ottonis regis 
decimo quinto' könnte aus diesem Placitum entnommen sein, das dann 
im J. 998 ausgestellt wäre. Als 'imperialis missus' sass darin der Capellan 
'Leo fortis' vor; würde dieser mit dem Bischof identisch sein, so würde 
Benzo (SS. XI, 639 v. 3) auf den Beinamen anspielen, wenn er von Leo 
von Vercelli sagt: 'Magnus Leo, Leo fortis, Leo ammirabihs'. 5) Benzo 
(SS. XI, 635 v. 31) : 'Leo Grecum condempnavit Ottonis imperio'. Diese 
fast unbeachtet gebliebene Nachricht — nur Lehmgrülmer, Benzo von 
Alba 35 hat sie bemerkt — verdient e})enso wie die anschliessende Mit- 
theilung üljer Riprand Berücksiclitigung. Vgl. über Johannes' Absetzung 
die Nachrichten Ijei Jaffe - L. I, 495. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 83 

im April oder Mai des Jahres jenes Gedicht an Gregor V. 
verfasst, in dem er dessen Eückkehr feiert und die ge- 
meiiisame Weltherrschaft des Kaisers und des Papstes 
preist ^. 

Diese Verse sind mit Recht dazu verwendet worden, 
Ottos 111. Gedanken über das Kaiserthum zu erläutern, 
und sie sind zugleich ein Beweis, dass Leo dem Kaiser 
nahe stand und von seinen Plänen Kenntnis hatte, wie 
sie andererseits auch durch das Gerbert gespendete Lob 
die Fortdauer des Verhältnisses zu diesem bestätigen. So 
zeigen auch sie , wie die andern Quellen , in denen wir 
Leo als Königsboten und Richter oder bei politischen 
Verhandlungen kennen lernen, seine unmittelbaren Be- 
ziehungen zum Hofe , ehe er zur bischöflichen Würde 
emporstieg. 

Es ist hier nicht der Ort zu erzählen , in welcher 
Weise Leo in Vercelli die Ordnung wiederhergestellt 
und dazu beigetragen hat, dass Arduin auf einer Römischen 
Synode 999 zur Rechenschaft gezogen werden konnte^; 
jedenfalls scheint es, dass Arduin sich von da ab bis zum 
Tode Otto's 111. ruhig gehalten hat, so dass der Bischof 
sich anderen Aufgaben widmen, an den Hof zurückkehren 
und wiederum im Dienste und im Vertrauen des Kaisers 
thätig sein konnte. Denn auf eine Stellung am Hofe und 
in der Kanzlei deutet, wenn ich ihn recht verstehe, der 
Titel Logotheta, den Leo in den Unterschriften zweier 
Placita vom April 1001 führte 

Mit Recht ist bei dem Versuche, diesen den Byzantinern 
entlehnten Ausdruck zu erklären, darauf aufmerksam ge- 
macht worden, dass er mit dem des 'sunimus consiliarius' 
Verwandtschaft aufweise ^. In der That scheint Lantbert, der 
Verfasser der vita Heribert!, die vom Erzbischof von Köln 
innegehabte Stelle eines 'archilogotheta' als die des 'secreti 
sui . . . primum' aufzufassen ', und Heinrichs 11. italienischer 
Kanzler Dietrich heisst in Gerichtsurkunden sowohl 'logo- 
theta' wie 'summus consiliarius' ". Auch sonst führen einzelne 
Kanzler einen dem letzteren durchaus entsprechenden Titel; 
so nennt der italienische Kanzler Otto's IL und Otto's 111. , 



1) Vgl. Beilage IV. 2) Vgl. darüber namentlich Löwenfeld 7 fif. 
3) DO. III. 396 ; Fantuzzi Mon. ßavenn. I, 227. 4) Löwenfeld 04 ff. 

5) SS. IV, 742. 6) Gattula Hist. Cassin. I, 77 : 'Theodericus cancellarius 
et summo consiliarius domni imperatoris' und in der Unterschrift : 
'Thiedericus secretorum Romani imperii cancellarius ac logotheta Italicus', 
In St. 1780. 1781 : 'summus consiliarius'. 

6* 



84 Hermann Bloch. 

der uns schon bekannte Johannes, sich 'proto a secretis' \ 
und Otto von Bamberg, der Kanzler Heinrich'» IV., heisst 
'secretalis intimus' '^. Wie eine derartige Bezeichnung aber 
nur Kanzlern beigelegt zu sein scheint, so werden, wenn 
wir einstweilen von Leo von Vercelli absehen, gleichfalls 
nur zwei Kanzler, Heribert unter Otto III. und Dietrich 
unter Heinrich II., mit dem Titel Logotheten ausgezeichnet '^ 
Für den Zusammenhang mit dem Kanzleramte, auf den 
man daraus schliessen möchte, liegt nun ein werthvolles 
Zeugnis in der auf die Zeit Otto 's III. zurückgehenden 
Graphia aureae urbis Romae vor, wo bei der Aufzählung 
der Hofbeamten gesagt wird : 'Bibliothecarius apud Grecos 
dicitur logotheta'^. Da ihr Verfasser ein Römer ist, so 
müssen wir den hier zur Erklärung herangezogenen 'biblio- 
thecarius' in Rom suchen; zur Zeit der Entstehung der 
Graphia ist er dort der Vorsteher des päpstlichen Archivs 
und zugleich der Leiter der päpstlichen Kanzlei^. Man 
sollte danach den 'logotheta' an der Spitze der kaiserlichen 
Kanzlei vermuthen ; aber dafür, dass dieser Name etwa 
mit 'cancellarius' schlechthin gleichbedeutend sei, fehlt es 
doch durchaus an einem Anhalt ; vielmehr weist die ab- 
wechselnde Benennung des Kanzlers Dietrich als 'summus 
consiliarius' und als 'logotheta' darauf hin, dass hierdurch 
vielmehr ein besonderer Zweig seiner Thätigkeit hervor- 
gehoben werden soll : wie der Grosslogothet am Hofe von 
Bjzanz der bevorzugte Rathgeber des Herrschers ist^', so ist 
auch wohl der Logothet des römischen Kaisers sein vertrau- 
ter Berather '. Und da nur Kanzlern dieser Name beigelegt 



1) DO. III. 69. Vgl. Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre 
I, 333 ; dazu Sickel in den Mitth. d. Inst. f. oesterreich. Geschichtsf. 
XII, 228. 2) Ebo, vita Ottonis I, 3 bei Jaffe, Bi])liotheca V, 592. 

3) Vgl. Giesebrecht, Kaiserzeit I", 863. 4) Ozanam, Documents inedits 
172. Löwenfeld 67 giebt diese Notiz aus dem schlechteren Texte der 
Notitia de septem gradibus (Mon. Germ. LL. IV, 663), wo der 'referen- 
darius' wohl irrig dazu gezogen wird, und bemerkte nicht ihre Herkunft aus 
der Graphia, wodurch sie erst ihre besondere Bedeutung für die Zeit 
Otto's III. erhält. Vgl. über die Graphia Giesebrecht, Kaiserzeit I". 879 ff. 
5) Vgl. Bresslau, Hand])uch 1, 181 ff. 6) Krause, Die Byzantiner des 

Mittelalters 215. 7) Ficker, Forschungen I, 325 bezog den Titel 

'logotheta' auf den Vorsitz im Hofgericht, der indessen weder dem Logo- 
theten noch dem Kanzler, sondern nur dem Missus zusteht. Vgl. Bresslau 
in Jahrb. Heinrichs II. III, 119 N. 1. Nur indem der Kanzler durch 
seine Stellung als Vertrauter des Kaisers besonders häufig als Missus 
thätig war, begegnet er uns' oft als Vorsitzender im Gericht; und nur 
damit, dass die richterliche unter die allgemeine politische Thätigkeit des 
Kanzlers gehört, wird es zusammenliängen, dass Dietrich und Leo grade 
in Placiten Logotheten genannt werden. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von ^"ercelli. 85 

zu sein scheint, so möchte man meinen, dass dadurch die 
politische Seite ihrer Wirksamkeit besonders ausgedrückt 
werden soll, dass sie dadurch als die Vertreter der kaiser- 
lichen Politik dargestellt werden. Um mich indessen hier 
mit aller Vorsicht auszudrücken, fasse ich das aus den 
Quellen und dem Vergleich mit dem byzantinischen Gross- 
logotheten gewonnene Ergebnis dahin zusammen, dass für die 
Stellung des Logotheten zwei Momente von Bedeutung zu 
sein scheinen : vor allem sein hervorragender Einfluss auf die 
politischen Angelegenheiten des Eeiches, dann aber auch 
seine enge Verbindung mit der Kanzlei. Ob damit wirklich 
die beiden charakteristischen Seiten seiner Thätigkeit ge- 
troffen sind, wird wesentlich davon abhängen, ob sie bei 
Bischof Leo von Vercelli nachgewiesen werden können, 
der, nach dem bisherigen Stande unserer Kenntnis, unter 
den Vertrauten Ottos III. weder in erster Eeihe steht 
noch in Beziehung zur Kanzlei gewesen, dennoch aber 
zum Logotheten ernannt worden ist. 

Um dies zu prüfen und dadurch die eben darge- 
legte Auffassung fester zu begründen, müssen wir uns die 
Vorgänge in der Kanzlei Otto's III. gegen Ende seiner 
Eegierung vergegenwärtigen. Vorher aber ist festzustellen, 
wann Leo Logothet geworden ist ; denn dass er erst im 
April 1001 in zwei Placiten so genannt wird^, gewährt 
keinen Anhalt dafür"-. Es ist vielmehr sehr wahrscheinlich, 
dass er schon seit längerer Zeit diesen Titel geführt hat. 
Während Heribert im October 998 noch 'cancellarius 
et logotheta' ist-^, begrüsst ihn Otto in dem Schreiben, in 
dem er ihm seine Wahl zum Erzbischof von Köln im 
Sommer 999 ankündigt^, als 'archilogotheta' ; und am 
23. October 999 heisst er in einer Urkunde 'logotheta 
principalis et cancellarius' ^, so dass schon damals ein 
anderer Logothet neben ihm am Hofe gewesen sein wird, 
dessen Ernennung in die Zeit zwischen October 998 und 
October 999 fallen w^ürde und in dem wir unbedenklich 



1) S. oben S. 83 N. 3. 2) Leo wird in den Urkunden für 

Vercelli nur 'episcopus' genannt, wie auch Heribert nach seiner "Weihe 
zum Erzbischof weder Kanzler noch Logothet in den Urkunden heisst. 
8) DO. in. 304. 4) Vita Heribert! (SS. IV, 743). Heriberts Vorgänger 
Everger starb am 11. Juni 999 (den Tag geben u. a. Necrol. eccl. mal. 
Colon., Calendar. Merseburgens. und, nach gütiger Mittheilung des Herrn 
Dr. Martin Meyer, das Necrol. Xantens. ; das Jahr in den Ann. necrol. 
Fuldens. und den Ann. Coloniens.). In wie weit dann die Vorgänge bei 
Heriberts Erhebung, die Lantbert berichtet, für das Itinerar und die 
Geschichte Otto's III. zu verwerthen sind, bedürfte wohl noch der Unter- 
suchung. 5) DO. ni. 334. 



86 Hermann Bloch. 

den 1001 'logotheta' genannten Leo sehen dürfen. Ein 
iing-ewöhnliches Ereignis in der Geschichte der Kanzlei 
könnte alsdann den Anlass dazu gegeben haben. Nach 
dem am 4. August 998 erfolgten Tode des deutschen 
Kanzlers Hildibald von Worms wurden die Geschäfte der 
deutschen Kanzlei zunächst wahrscheinlich vertretungs- 
weise von der italienischen Abtheilung besorgt , bis im 
December eine neue, endgiltige Regelung dahin erfolgte, 
dass der italienische Kanzler Heribert auch zum deutschen 
Kanzler ernannt wurde; indem damit die Leitung beider 
Kanzleien iu eine Hand kam^, erhielten Otto's Gedanken 
von der Einheit des ganzen Reiches einen sichtbaren 
Ausdruck -. 

Allein bald mag damals die Last der nun auf einem 
Manne ruhenden Geschäfte den Wunsch gezeitigt haben, 
ihm, wenn nicht eine dauernde Hülfe, so doch einen Ver- 
treter zu schaffen, und, wenn nicht früher, so ward seine 
Erfüllung zu einer Nothwendigkeit von dem Augenblick 
an, wo Heriberts Wahl zum Erzbischof von Köln seine 
längere Abwesenheit vom Hofe zwar voraussehen Hess, 
Otto III. aber ihn trotzdem in seiner Stellung als Kanzler 
für Deutschland und Italien belassen wollte. Denn wie hoch 
man auch in Hinblick auf die Uebertragung aller dieser 
Aemter auf Heribert seinen Einfluss auf den Kaiser und 
dessen Politik anschlagen mag, sicher ist doch, dass er 
ihn als Erzbischof von Köln keineswegs in der Weise wie 
bisher hat ausüben können und dass er die thatsächliche 
Leitung der Kanzlei nicht mehr in der Hand behalten 
konnte, weil er in der Folgezeit lange vom Hofe entfernt 
gewesen ist. Etwa im Anfang November 999 muss er von 
Rom aufgebrochen sein, da er am 24. December seinen Ein- 
zug in Köln gehalten hat^; selbst wenn er dann im Januar 
1001 dem Kaiser sogleich bei seiner Ankunft in Deutsch- 
land nach Regensburg entgegengeeilt wäre, so sind doch 
mindestens die DD. 335 — 344 in seiner Abwesenheit 
ausgestellt worden ; trotzdem sind sie in seinem Namen 
recognosciert. und wiederum ist Heribert im August 1001 
unter den Theilnehmern an der Frankfurter, von Willigis 



1) Vgl. Sickel in DD. II, 387 ^' ff. 2) In so weit behält Kehr, 

Die Urkunden Otto III., 72 ff. und Hist. Zeitschr. LXVI, 399 gewiss 
Recht, wenn auch seine Darlegungen über die Romanisierung der Kanzlei 
durch Erben in Mitt. d. Inst. f. oest. Geschichtsf. XIII, 579 ff. widerlegt 
sind. Auch für die planmässige Vereinigung der Kanzleial)theiluugen 
fehlt es nach Sickel a. ä. 0. an Beweisen. 3) Vita Heriberti c. 6 

(SS. IV, 744). 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelh. 87 

wegen des Gandersheimer Streites berafenen Synode \ so dass 
er, wenn er überhaupt unmittelbar vorher bei dem Kaiser in 
Italien g-eweilt hätte, ihn spätestens Anfang Juli verlassen 
haben würde; erst wenige Tage vor dem Tode Otto's III,, 
erst nach dem 11. Januar 1002-, ist er, sehnlichst erwartet, 
zu seinem schwerkranken Herrn zurückgekehrt. Alle in der 
Zwischenzeit ertheilteu Urkunden, die DD. 406 — 423, sind 
während seiner Abwesenheit ausgefertigt ; dennoch 
nennen sie alle den Kanzler Heribert als Recognoscenten. 
Die unvermeidliche Folgerung daraus, dass trotz der 
Nennung in den Recognitionszeilen der DD. 335 — 344. 
406 — 423 der Erzbischof von Köln zur Zeit ihrer Her- 
stellung sich fern vom Kaiser in Deutschland aufgehalten 
hat, ist natürlich die, dass aus der Kanzlerunterschrift der 
dazwischen liegenden Urkunden DO. III. 345 — 405 auf 
Heriberts Gegenwart am Kaiserhofe nicht mehr geschlossen 
werden darf; sie ist, bei dem Fehlen anderweitiger Nach- 
richten, nur da sicher, wo sie durch den Inhalt der Ur- 
kunde, insbesondere durch die Interventionsformel be- 
glaubigt wird. Wenn also Heribert nach seiner Beförderung 
zum ersten Male wieder im Mai 1000 zu Aachen in der 
Umgebung des Kaisers nachweisbar ist^, so kann es wohl 
sein, dass er ihn bei seiner Wallfahrt nach Gnesen zum 
Grabe des hl. Adalbert und während seines Aufenthalts 
in Sachsen nicht begleitet hat, sondern erst, als Otto 
seinen Erzsprengel betrat, zu ihm geeilt ist. Dann aller- 
dings ist er gemeinsam mit ihm nach Italien gezogen und 
mag ihm im Herbste nach Rom gefolgt sein^; allein schon 
dafür, dass Heribert noch im Januar dort gewesen ist, 
fehlt es an jeder Spur, und schwer fällt dagegen ins Ge- 
wicht, dass Thankmar in seinem Berichte über die römische 
Synode vom Januar 1001 ausdrücklich nur drei deutsche 
Bischöfe als Theilnehmer an derselben nennt, und unter 



1) Vita Bernwardi c. 33 (SS. IV, 773). 2) Thankmar, der Ge- 

sandte Bernwards, verHess am 11. Januar 1002 den Kaiser, ohne das 
Eintreifen Heriberts abzuwarten (1. c. c. 86, SS. IV, 774). 3) Er 

interveniert in DD. 358. 361. 366 für Würzburg. 4) Seine Intervention 
findet sich für Ivrea in D. 376 aus Pavia, für Raimbald von Treviso in 
DD. 378. 380. 381 aus Borge San Donnino. Falls in diesen nicht etwa 
— wofür indess kein Anhalt — eine noch zu Pavia erfolgte Handlung 
l)eurkundet wird, würden sie erweisen, dass Heribert den Kaiser über 
Pavia hinaus und dann doch wohl bis Rom geleitet habe. — Uebrigens 
überschätzt Sickel DD. II, 388 «^ doch wohl die Bedeutung der späteren 
Interventionen Heriberts, indem er nicht in Betracht zieht, dass drei für 
seinen Bruder Heinrich erfolgten, und dass diejenigen für Raimbald sich 
wohl auf eine einzige reducieren. 



88 Hermami Bloch. 

ihnen nicht den Kölner Erzbischof ^. Es g-iebt auch weiterhin 
kein Zeugnis, wonach er beim Kaiser geblieben und erst 
im Juli 1001 nach Deutschland aufgebrochen wäre-. Allein 
volle Sicherheit darüber, wann Heribert im Frühjahr 1000 
mit Otto III. zusammengetroffen ist und in welcher Zeit 
vor dem Juli 1001 er den Kaiserhof verlassen hat, wird 
sich voraussichtlich nie gewinnen lassen. 

Die Recognitionszeilen können durchaus nichts dafür 
beweisen, nachdem erkannt worden ist, dass in einer 
grossen Zahl von Fällen Heribert als Kanzler und Re- 
cognoscent zu einer Zeit genannt wird, wo er, vom Hofe 
weit entfernt, in keiner Weise bei der Beurkundung mit- 
gewirkt haben kann. Seine Erwähnung in der Unterschrift 
ist dort ebenso bedeutungslos wie diejenige der Erzkanzler. 
Und nicht etwa darüber kann ein Zweifel bestehen, dass 
Heribert als Erzbischof von Köln trotz seines Kanzlertitels 
während geraumer Zeit nicht an den Geschäften der 
Kanzlei theilgenommen hat, sondern im Gegentheil muss 
nur das unentschieden bleiben, ob selbst während seiner 
Anwesenheit bei Hofe er thatsächlich wieder die beiden 
Kanzleiabtheilungen geleitet hat^. 

Es ist kaum anzunehmen, dass im Herbste 999 eine 
bewusste Neugestaltung der Kanzleiverhältnisse in der 
Richtung geplant worden ist, dass Heribert den Kanzler- 
titel behalten und ehrenhalber wie die Erzkanzler weiter 
in den Unterschriften genannt werden sollte , während 
zugleich unter anderem Namen ein neuer Kanzleichef be- 
stellt wurde. Viel wahrscheinlicher ist doch eine andere, 
durch die Ereignisse nach und nach herbeigeführte Ent- 
wickelung. Ich habe schon oben darauf hingewiesen, dass 
nach der Uebertragung auch des deutschen Kanzleramtes 
an Heribert im Anfang 999 sich doch wohl das Bedürfnis 
herausgestellt haben kann, ihn in etwas zu entlasten; er 
erhielt — aus welchem Grunde grade diese Regelung be- 
liebt wurde, bleibt uns verborgen — einen Gehülfen, der, 
wie die Bezeichnung als Logothet zu besagen scheint, ihn 
wesentlich in seinen politischen Aufgaben unterstützen 
sollte. Nach der Wahl Heriberts zum Kölner Erzbischof 
konnte daher um so eher gehofft werden, dass er neben 



1) "Vita Bernwardi c. 22 (SS. IV, 768): 'viginti episcoporum de 
Romania; aliquanti . . de Italia etTuscia; de nostris quoque Sigefridus 
Augustensis, Heinricus Wirciburgensis , Hugo etiam iunior Citizensis'. 
2) Er wird z. B. in dem Placitum zu Ravenna 4. April 1001, DO. III. 
396, nicht genannt. 3) Vgl. unten S. 95 N. 1. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 89 

dieser neuen Würde doch seine hervorragende Stellung 
am Hofe werde behalten können, als ja, wenn seine 
Abwesenheit nothwendig- werden sollte, durch den Logo- 
theten mindestens die Erledigung der laufenden politischen 
Geschäfte besorgt , wenn nicht sogar die eigentlichen 
Kanzleiarbeiten überwacht werden konnten. Allein sei es 
durch die Verwaltung seines Erzbisthums, sei es in An- 
gelegenheiten des Eeiches ward der Erzbischof wider Er- 
warten in den folgenden Jahren so sehr in Anspruch ge- 
nommen, dass er nur noch einmal seit dem Frühjahr 1000 
für einige Zeit am Hofe leben konnte. So kam es durch 
die Macht der Thatsachen zu dem, was ursprünglich nicht 
beabsichtigt war, dass nämlich der Kanzlertitel für Heribert 
nur mehr ein Ehrenrecht bedeutete \ und dass durch seine 
Beförderung zum Erzbischof sein Platz an der Sj)itze der 
Kanzlei und als vornehmster Berather des Kaisers frei 
wurde. Ein Ersatz für den Kanzler wurde nicht geschaffen ; 
aber in die Stelle des 'logotheta principalis' rückte ganz 
naturgemäss der 'logotheta' ein : Bischof Leo von Vercelli. 
Die Stellung, die er schon, bevor er den Bischofssitz 
erhielt, am Hofe eingenommen hatte, macht es begreiflich, 
dass im J. 999 wiederum seine Dienste dort gewünscht 
wurden, nachdem er seine wichtigste Aufgabe in Vercelli, 
die Bekämpfung des Markgrafen Arduin, erfüllt hatte. 
Handelte es sich darum, an Heriberts Seite an der Durch- 
führung der kaiserlichen Pläne zu arbeiten, so war niemand 
geeigneter dazu als der Mann, der gemeinsam mit Otto III. 
Gerberts Ideen von der Kaiserherrlichkeit der Caesaren 
in sich aufgenommen hatte und wie der Kaiser an die 
Wiederherstellung des alten Roms dachte -. Vielleicht schon 
als Bischof, war er im September 998 zusammen mit 
Gerbert an den Paveser Beschlüssen thätig gewesen'^; schon 
damals hat er also an der Reichsgesetzgebung Antheil ge- 
nommen, und neben der Bewunderung, die Leo für Gerbert 
emj)fand, scheinen daher auch gleiche Interessen beide 
zusammengeführt zu haben. Die guten Beziehungen zu 
ihm, der im April 999 als Papst Silvester IL der Nach- 
folger Gregors V. geworden war, wie zu den andern, des 



1) Wir sind über die Einkünfte, die das Kanzleramt brachte, zu 
wenig- unterrichtet, als dass sich hier bestimmen Hesse, ob etwa die Be- 
lassung dersel)>en für Heribert zu der Beibehaltung seines Kanzlertitels 
führte. 2) Versus de Gregorio : 'Romanos pie renova'. Vgl. unten 

Beilage IV a. 3) M. G. Const. I, 49 n. 23. In der Unterschrift 

heisst es : 'promulgata per manus Gerberti' ; welchen Antheil Gerbert an 
der Synode gehabt hat, ist daraus nicht ersichtlich. 



90 Hermann Bloch. 

kaiserlichen Vertrauens gewürdigten Männern werden ihn 
ausserdem besonders zu einem solchen Amte empfohlen 
haben : Silvester, Kanzler Heribert und Markgraf Hugo 
von Tuscien werden gemeinsam im Mai 999 als Fürsprecher 
für Leo genannte Darüber, wie er zu Heribert stand, fehlt 
es an einem weiteren Zeugnis, nur dass dessen Bruder 
Heinrich von Würzburg ihm ein Sacramentar zum Geschenk 
"gemacht hat, könnte etwa angeführt werden 2. Hugo 
aber, dessen ßath bei Otto III. besonders galt^, hat noch- 
mals im Januar 1001 zu Leos Gunsten interveniert^. Wenn 
wir ausserdem hier noch des glänzenden Empfanges ge- 
denken, der Bern ward bei seiner Rückkehr aus Rom im 
Februar 1001 zu Vercelli bereitet wurde ^, so bleibt unter 
den Männern, die während Otto's selbständiger Regierung 
hervorgetreten sind, kaum einer, dessen persönliche, freund- 
schaftliche Berührung mit Leo wir nicht nachweisen 
könnten. Und wenn die Theilnahme an der ottonischen 
Politik allen jenen gemeinsam ist, so dürfen wir schon 
darum sie auch bei Leo voraussetzen. 

In welcher Weise er des neuen Amtes gewartet hat, 
ist im einzelnen kaum zu erkennen; namentlich ist über 
eine etwaige Betheiligung an den eigentlichen Geschäften 
der Kanzlei während Heriberts Abwesenheit nur schwer 
zu urtheilen, da seiner in den Unterschriften der Urkunden 
niemals gedacht wird ; doch fehlt es nicht ganz an An- 
zeichen, dass er in ihre Thätigkeit eingegriffen hat. Jeden- 
falls ist die Verantwortung dafür, dass in den letzten Jahren 
Otto's III. 'das Urkundenwesen ausser Rand und Band 
gerieth' *\ nicht dem bisher dafür getadelten, aber meist 
in Deutschland fern vom Hofe weilenden Heribert zu- 
zuschieben ; die Unordnung in der Kanzlei liegt in der 
Hauptsache wohl daran, dass Heribert keinen Nachfolger 
im Kanzleramte erhielt. Hatte er die Arbeit nicht allein 
bewältigen können und dadurch Leo's Eintritt veranlasst, 
so ist es leicht verständlich, wenn dieser in Heriberts 
Abwesenheit die Ausfertigung der Urkunden im wesent- 
lichen den Notaren überliess', um sich vorwiegend den 
ihm als Logotheten obliegenden Pflichten zu widmen. 

1) DO. III. 324. 2) Jahrb. Heinrichs II. III, 122 N. 4. 3) Vgl. 
z. B. DO. III. 331. Die oben S. 72 über die Entstehun": dieses D. aus- 
gesprochene Vermuthung findet natürlich in diesen Darlegungen über 
Leo's politische Rolle eine Stütze, da daraus Leo's Tbeihiahme an den 
in der Urkunde erwähnten Verhandlungen sehr wahrscheinlich wird. 
4) DO. III. 388. 5) Vita Bernwardi c. 27 (SS. IV, 771). (5) Sickel 
in DD. II, 388 a. 7) Hiermit kann sehr wohl das Hervortreten des 

Heribert C in den letzten .lahren Otto's III. in Zusammenhang stehen. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 91 

Wie gilt Leo die Absichten des Kaisers kannte, 
erhellt daraus , dass nirgend treffender Ottos Pläne ge- 
schildert worden sind als in einer von dem Bischof von 
Vercelli verfassten Urkunde für sein Bisthnm ^ dereii Worte 
immer zur Charakteristik des Kaisers angeführt worden sind. 
Er wünscht darin, seine Gaben möchten dazu helfen, 
'dass neben Gottes freier unvergänglicher Kirche sein 
Reich erblühe, seine Heerschaaren triumphieren, die Macht 
des römischen Volkes gemehrt und die Republik wieder- 
hergestellt werde, damit er als Gast auf dieser Erde in 
Ehren leben, zu höherer Ehre aber sich aus den Banden 
dieses Fleisches gen Himmel aufschwingen und an der 
Seite des Herrn im höchsten Ehrenglanze herrschen dürfe'. 
Hier treffen wir die Gedanken, die vrir auch nach unsern 
andern Quellen - als eigenthümliche der Politik Ottos III. 
anzusehen berechtigt sind; dass aber Leo mit ihnen nicht 
nur vertraut war, sondern dass er auch selbst thätigen 
Antheil an der Regierung genommen hat, erhellt hinreichend 
daraus, dass er die Capitularien Ottos III. verfasst hat. 
Ein persönlicher Einfluss auf die Art der Gesetzgebung 
ist aus der Verordnung über die Gerichtstage kaum zu 
erschliessen ^, wenn auch Leo als Iudex und Königsboten 
die Regelung derselben ebenso am Herzen lag wie er als 
Bischof die Heilighaltung der Sonn- und Feiertage wünschen 
musste ; wohl aber scheint Leo nicht nur der Verfasser, 
sondern auch der geistige Urheber des Verbotes der Frei- 
lassung von Kirchenholden ; denn wie schon das früher 
erlassene Gesetz über die Entfremdung von Kirchengütern ^ 
Zustände betraf, die Leo in seiner Diöcese vorfand, so 
versuchte dasjenige über die Hörigen der Kirche^ ein Uebel 
auszurotten, gegen das Leo im Interesse seines Bisthums 
von seinem Amtsantritt bis zum Ausgang seines Lebens 
angekämpft hat''. 

1) DO. in. 324 : 'ut libere et secure pei'manente dei ecciesia 
prosperetur nostrum imperium, triunipliet Corona nostre militie, propagetur 
potentia populi Romani et restituatur res publica, ut in huius niundi 
hospitio honeste vivere, de huius vit§ carcere honestius avolare et cum 
domino honestissime mereamur reguare'. Ich lehne meine Uebersetzung 
an die von Giesebrecht, Kaiserzeit II", 723 gegebene an. 2) Vor allem 
die vita Adalberti und die vita quinque fratrum des Bruno von Querfurt, 
sowie die Lebensbesclireibungen Bernwards, Nilus' und Romualds kommen 
in Betracht. 3) M. Gf. Const. I, 48 n. 22. Sollte man etwa auf dieses 
Capitulare Benzo's Verse beziehen (SS. XI, 638 v. 8) : 'His patronis (seil. 
Leone et Warmundo) sacer ordo celebrabat sal)batum'? 4) M. Gr. 

Const. I, 49 n. 23. 5) 1. c. I, 47 n. 21. 0) Vgl. DO. III, 383, sowie 
die in Beilage II gedruckte Aufzeichnung Leo's, endlich auch die Synode 
von Pavia 1022 (Mansi XIX, 343 ff.). 



92 Hermami Bloch. 

Das werthvollste Denkmal indessen, das nns von Leo's 
Tbätig'keit überkommen ist, liegt in der Urkunde vor, 
welche Otto III. der römischen Kirche ausgestellt hat^. 
Sie liefert die Bestätig-ung- unserer Ausführungen über die 
E-olle, die Leo als der politische Berather Otto's gespielt 
hat, und sie bekommt ihrerseits auf diese Weise die ihr ge- 
bührende Stelle. Ihre Echtheit war schon durch Sickel 
gesichert, der ihr Dictat einem Vercelleser Schreiber zu- 
gewiesen hatte, und wurde, indem wir Leo in diesem er- 
kennen konnten, noch mehr verbürgt; ihren einzigartigen 
politischen Werth aber erhält sie für uns dadurch, dass 
sie nicht von einem beliebigen Kanzleinotar hergestellt, 
sondern mit eigener Hand von Bischof Leo von Vercelli 
entworfen ist, der nach allem, was wir bisher über seine 
Thätigkeit erkennen konnten , der Vertraute , um nicht zu 
sagen der Träger der kaiserlichen Politik gewesen zu sein 
scheint. 

Um zu beg-reifen, weshalb dieser Schenkung eine so 
grosse Wichtigkeit beigemessen wurde, muss man sich 
klar machen, dass durch sie gewissermassen ein Frieden 
geschlossen und zwischen Kaiser und Papst ein Zwist 
beigelegt wurde, der schon unter Gregor V. zum Ausbruch 
gekommen war"-. Dieser hatte unter Vorweis alter Rechts- 
titel auf acht Grafschaften Ansprüche erhoben, die Otto 
anzuerkennen sich weigerte '*. Erst im J. 1001 gelang es, 
dank der persönlichen engen Verbindung zwischen Otto III. 
und Silvester, einen Ausgleich zu Stande zu bringen, durch 
den zwar der Gegenstand des Streites, jene acht Graf- 
schaften, der römischen Kirche überlassen, dafür aber 
wenigstens der Rechtsstandpunkt des Reiches mit einer 
Schärfe und Entschiedenheit gewahrt wurde, die nur in 
den Zeiten des Investiturstreites ihres Gleichen gefunden 
hat. Den Eingang bilden die beiden Sätze, deren Inhalt, 
wenn man so sagen darf, das Kaiser und Papst gemeinsame 
Programm umfasst: Rom ist das Haupt der Welt und die 
römische Kirche die Mutter aller Kirchen. Ausdrücklich 
bekennt sich Otto dazu, aber er deutet sie sogleich in 



1) DO. III. 389. 2) DO. III. 228: 'Co. comitem Spoletinis et 

Camerinis praefectum, cui octo comitatus, qui sub lite sunt, vestrum ob 
amorem contulinius'. Dass hier von denselben Grafschaften wie in D. 389 
die Rede ist, scheint mir mit Weiland (Const. I, 55) nicht zu bezweifeln. 
Nur unter der Voraussetzung, dass über die in D. 389 geschenkten 'comi- 
tatus' ein Streit zwischen Kaiser und Papst bestand, ist dessen Inhalt zu 
verstehen. 3) Diese Vorgänge können aus dem Inhalt von DO. III. 389 
geschlossen werden. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 93 

seinem Sinne durch die Erklärung-, dass Eom dem Reiche 
zugehöre nnd deshalb sein Bischof, der Papst, wie alle 
andern Bischöfe des Reichs vom Kaiser gewählt nnd ein- 
gesetzt werde; nur durch den Kaiser ist Gerbert selbst 
zur päpstlichen Würde erhoben worden. Trotzdem daher 
die Päpste — so ungefähr wird man Otto's Gedanken zn 
ergänzen haben — als Glieder des Reiches keinen Besitz 
öffentlich-rechtlicher Natur anders als durch kaiserliche 
üebertragung erhalten konnten, haben sie sich nicht ge- 
scheut, sich Theile des Reichs widerrechtlich anzueignen. 
Denn nichts als Fälschungen sind die Rechtstitel, die sie 
dafür vorgebracht haben; gefälscht ist von ihnen die Ur- 
kunde auf den Namen Constantins ^, und erlogen ist, dass 
ein Karl- ihnen öffentliche Rechte und Besitzungen über- 

1) 'qiiibus Johannes diaconus cognomento Di^itorum niutilus 
preceptum aureis litteris scripsit et sub titulo magni Constantini longi 
mendacii teniijora finxit'. Man muss, mit Döllinger Papstfabeln 71, an- 
nehmen, dass die Constantinische Schenkung schon früher vorhanden ge- 
wesen ist , dass man indessen unter Otto III. nur das von Johannes 
diaconus geschriebene Exemplar in Goldschrift kannte und daher eben 
diesem Johannes die Fälschung zuschrieb. Der Beiname 'Digitorum 
mutilus' spricht doch nicht, wie Döllinger a. a. 0. mit Rücksicht auf 
Liutprandi Hist. Ottonis c. 19 (SS. III, 346) meint, gegen die Identität 
des Schreibers mit dem 964 durch Johann XII. verstümmelten Cardinal- 
diacon Johannes ; in den von Gerbert verfassten Acten des Concils von 
S. Basle (Mansi XIX, 131) wird grade von diesem gesagt, dass ihm die 
Finger abgeschnitten wurden: 'Octavianus . . . lohannem diaconem naso, 
dextris digitis ac lingua mutilat'. Ohne dass hier im übrigen auf die 
Person des Johannes eingegangen werden soll, sei nur daran erinnert, 
dass der Cardinaldiacon Johannes einer der Unterhändler des Papstes war, 
durch die Otto I. über die Alpen gerufen wurde. Vgl. Köpke - Dümmler, 
Otto I., 317. Und auch die 'aureae litterae', in denen .Johann das Praecept 
geschrieben hat, erwecken die Erinnerung an die Goldschrift des uns 
erhaltenen Exemplars des Privilegiums Otto's I. vom Jahre 962, das in 
DO. IJI. 389 nicht erwähnt wird, obwohl schon hier und in dem gleich- 
falls nicht genannten Ludovicianum die acht, in DO. III. 389 geschenkten 
Grafschaften an die römische Kirche gegeben worden sind. Haben sich 
die Päpste Gregor V. und Silvester nicht darauf berufen ? Oder hat man 
in der Kanzlei Otto's III. die Urkunden seines Grossvaters nicht in diesen 
Zusammenhang bringen wollen und dafür ihre Grundlage, die Schenkung 
des 'Karlus Imperator', als Fälschung dargestellt? Ueber diese Fragen, 
die nach der Peststellung der unbedingten Echtheit und des officiellen 
Charakters von DO. III. 389 erwogen werden müssen, kann nur in 
anderem Zusammenhange gehandelt werden. 2) Man wird sicher 

annehmen dürfen, dass Gregor und Silvester ihre Ansprüche mit der 
karolingischen Schenkung begründet haben. Es ist wohl nichts als ein 
diplomatischer Kniff der kaiserlichen Politik, wenn hier diese Schenkung 
nicht als diejenige Karls d. Gr., sondern als eines gewissen Karl (quendam 
Karolum) bezeichnet wird. Dadurch wurde es möglich, diesen Karl als Ivarl 
den Kahlen anzusehen, und dessen Berechtigung zu irgend welcher Schenkung 
mit dem Libellus de imperiali potestate (vgl. üljer dessen Benutzung die 
Vorbemerkung zu DO. III. 389 und Wilmans Otto III. 235 ff.) abzuweisen. 



94 Hermann Bloch. 

tragen habe. 'Wir geben nichts auf derlei trügerische 
Praecej)te und ersonnene Schriften' ; nichtig sind alle daraus 
hergeleiteten Ansprüche. Aus freiem Entschlüsse aber, 
aus Liebe zu dem Apostel Petrus und zum Papste Silvester, 
'bieten wir dar und schenken' der römischen Kirche zu 
dauerndem Eigenthum, 'was unser ist', 'damit der Meister 
etwas habe , was er von Seiten seines Schülers unserm 
Apostelfürsten Petrus darbringe'. So wird hier auf der 
einen Seite jeder Anspruch der Päpste zurückgewiesen 
und, unter Anerkennung des Primats der römischen Kirche, 
ihre Abhängigkeit von der kaiserlichen Gewalt zur Geltung 
gebracht; die diplomatische Gewandtheit des Verfassers 
zeigt sich nun grade darin, dass er auf der andern Seite 
die persönliche Verehrung des Kaisers für Silvester in 
der feinsten und verbindlichsten Form zum Ausdruck ge- 
langen lässt. 

Man sollte meinen, dass der Kaiser, wenn sein Auf- 
treten in dieser Frage einigermassen den entschiedenen 
Worten entsprochen hätte, keineswegs nöthig gehabt hätte, 
in der Sache nachzugeben. Allein das ist ja eben das 
Verhängnis für Otto III. geworden, dass er über dem 
Träumen von Unerreichbarem so ganz die nüchternen 
Forderungen des Tages vernachlässigte; jetzt tröstete ihn 
über das Aufgeben von Rechten des Reichs , dass dem 
Papste durch die Fassung der darüber ausgestellten Ur- 
kunde die über der Kirche stehende kaiserliche Macht 
vor Augen geführt wurde. Doch über die Bedeutung für 
die Beurtheilung Ottos III. hinaus hat die Schenkung 
noch ein allgemeineres Interesse ; sie beleuchtet den Gegen- 
satz, in den Kaiser und Papst, die beide wie Lehrer und 
Schüler in Freundschaft verbunden waren, durch ihre 
Stellung gedrängt wurden. Die Macht der von ihnen ver- 
tretenen Ideen trug es über alles Persönliche davon, und 
Gerbert, der wie kein anderer die universalistischen Ge- 
danken in Otto gepflegt hatte, musste als Papst Silvester IL 
ihr Gegner werden. Denn ein Kaiser und ein Papst, welche 
die traditionellen Ansprüche ihrer Würde in die That um- 
setzen wollten, mussten aneinander stossen. So berührt 
uns schon hier das eigenthümliche Spiel des Schicksals, 
das erst unter Heinrich III. sich vollendete, dass die Kaiser, 
indem sie das Papstthum von den localen Gewalten Roms 
befreiten, ihm erst die Kraft zu dem grossen Kampfe gegen 
das Kaiserthum gegeben haben. Wie Gregor VII. \ so 

1) Sacramentum eligendi regis (MG. Const. I, 559 n. 392): 'de terris 
vel censu, quae Constantinus imperator vel Carolus sancto Petro dederunt'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 95 

haben schon Gregor V. und Silvester ihre territorialen 
Fordernng-en anf die Schenkungen Constantins und Karls 
gegründet; aber an der Wende des X. Jh. konnte ein 
solcher Streit zwischen Kaiser und Papst doch nur be- 
deutungslos sein und ungefährlich wie ein fern grollendes 
Gewitter. Denn gar zu sehr waren beide auf einander 
angewiesen. Es klingt fast wie Hohn, und es ist doch ein 
tragisches Moment im Leben Ottos IIT. und Silvesters, 
dass, während beide in ihren Gedanken die gemeinsame 
Herrschaft der Welt bewegten, ihnen der Boden unter den 
Füssen wich, und dass beide zusammen, wenige Tage nach 
jener Uebereinkunft, das 'goldene' Rom verlassen mussten, 
vor den Römern sich flüchtend. 

So wird die Urkunde über die Schenkung Otto's III. 
an die römische Kirche erst recht verständlich, wenn wir 
sie nicht mehr als das Werk eines privaten, zur Aushülfe 
herangezogenen Schreibers anzusehen brauchen , sondern 
sie als ein mit besonderer Sorgfalt hergestelltes Aktenstück 
der Regierung Otto's III. auffassen dürfen. Selbst der 
Titel 'servus apostolorum' erhält bei dieser Sachlage seinen 
individuellen Werth ; gewiss ist er in unmittelbarer An- 
lehnung an die Bezeichnung des Papstes als 'servus servorum 
dei' von Leo ^, der, wie wir gesehen haben, die ganze Ur- 
kunde verfasst hat, gebildet worden; vielleicht enthält er 
sogar eine bewvisste Beziehung auf die von Leo in seinem 
Gedicht an Gregor V. angeführten - Worte der beiden 
Apostel Petrus und Paulus, der Heiligen der römischen 
Kirche, nach welchen dem Kaiser das weltliche Schwert 
anvertraut ist "*. 

Beachtung verdient ferner, dass auch auf die äussere 



1) Dafür spricht, dass Leo sich selbst in den Unterschriften zweier 
Placita (vgl. oben S. 71 N. 2) und in der Aufzeichnung über die Frei- 
lassung der Hörigen (s. unten Beilage II) 'servus Eusebii' nennt. Anderer- 
seits ist der Zusammenhang mit dem vorher in der Kanzlei vorkommenden 
Titel 'servus lesu Christi' deutlich. Dieser ist nur vom Januar bis Mitte 
Mai 1000 (DO. IIL 344—361), ü])erwiegend von Her. C, gebraucht 
worden und kommt dann nur noch in D. 366 und 375 vor, die von Her. C 
geschrieben sind, während sonst er und alle übrigen Kanzleischreiber 
von Mitte Mai bis Ende 1000 ihn nicht verwenden. Mag man nun den 
Titel 'servus lesu Christi' als eine Erfindung des Her. C betrachten oder 
seine Einführung gleichfalls mit Leo in Zusammenhang bringen wollen, 
so ist es doch merkwürdig, dass er grade im Mai 1000 verschwindet, 
wo vielleicht Heribert selbst wieder die Leitung der Kanzlei übernahm 
(vgl. oben S. 88), und dass er erst im Januar 1001 in der Abwandlung 
'servus apostolorum' von Leo wieder aufgenommen wird, zu einer Zeit 
also, wo Heribert höchst wahrscheinlich nicht mehr am Hofe war. 
2) S. unten S. 114 v. 18. 3) Römer 13, 4; 1. Brief Petr. 2, 14. 



96 Hermann Bloch. 

Ausstattung der Urkunde, wie die Angabe über das Siegel 
des jetzt nur in Abschrift vorliegenden D. erkennen lässt, 
Rücksicht genommen zu sein scheint; wenigstens ist es 
kaum zufällig, dass nach einer Beschreibung der an dem 
Original befestigt gewesenen Bulle ein Stempel augewendet 
worden ist, dessen Aufschrift 'Aurea Roma' ^ so gut zu 
dem Anfange des Textes passt, dass man glauben möchte, 
sie sei, wie der Titel, für die besondere, damals zu er- 
füllende Aufgabe gewählt worden-. Diese Erwägungen 
stützen in entscheidender Weise die Bestimmung, welche 
SickeP über die Einreihung der Urkunde getroffen hat, 
indem er sie zwischen dem 18. und 23. Januar 1001 ein- 
fügte. Am 18. Januar erhielt gerade Leo von Vercelli — 
dessen Anwesenheit in Rom dadurch zum Ueberfluss noch 
völlig sicher gestellt wird — ein Diplom^, welches er nach 
seiner Gewohnheit selbst verfasst hat und worin er noch 
nicht den Titel 'servus apostolorum' für Otto gebrauchte^. 
Am 23. Januar schrieb ein Hildesheimer Privatschreiber 
eine Urkunde für Bernward'', in der diese Bezeichnung 
dem Kaiser beigelegt, und die auch mit der neuen Bulle 
versehen wurde, welche von da ab ausschliesslich in An- 
wendung gekommen ist. Und wenn überdies der Titel, 
der, wie es scheint, von Leo für den besonderen Fall er- 
funden war, von nun an in den Urkunden Otto's III. 
üblich geworden ist, wird dies nicht nur ein Beweis für 
die Bedeutung sein, welche die Herstellung dieses Diploms 
für die Kanzlei gehabt hat, sondern man wird hierin auch 
ein bestimmendes Einwirken Leos auf die Gepflogenheiten 
der Kanzlei erkennen dürfen, so dass die Urkunde Leo's 
hervorragenden Antheil an der Politik Otto s III. und 
zugleich seinen Einfluss auf die Kanzlei bezeugt. Sie weist 
darauf, dass Leo's Wirksamkeit in den letzten Jahren 



1) Vgl. MG-. DD. II, 819. Die Bulle ist beschrieben von Foltz in 
N. Arch. III, 40 n. 9. 2) Man könnte ihre Anwendung auf einen 

Einfall Leo's selbst zurückfüliren wollen, wenn man sieht, wie dieser mit 
dem Worte 'aureus' oder 'aurum' spielt. So vgl. man den Schluss von 
Ep. III. oben 8. 22. Ferner in DO. III, 323 : 'fidei testiraonio aureus 
est, aureo sigillo'; 384: 'auro vitam eternam acquiramus'. Uebrigens findet 
sich der Ausdruck 'Aurea Roma' mehrfach in der Graphia. 3) MGr. 

DD. 11,819; auch Weiland Const. I, 55 weist sie dem Aufenthalt des 
Kaisers zu Rom im Januar - Februar 1001 zu. Die von beiden erwähnte 
Notiz Robolotti's ist danach endgiltig zu verwerfen. Ob schon in dem 
Original die Datierung fehlte, lässt Sickel a. a. O. mit Recht dahingestellt. 
4) DO. III. 388. 5) Vielmehr enthält derselbe die Wendung 'secundum 
voluntatem lesu Christi' wie DO. III. 349, die eine Kürzung der mit 
'servus lesu Christi' beginnenden, oben S. 95 N. 1 besprochenen Formel 
darstellt. 6) DO. III. 390. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 97 

Ottos III. sich in den beiden Richtungen bewegt hat, 
deren Vereinigung — mit Rücksicht auf die Bezeichnungen 
als 'summus consiliarius' und als 'bibliothecarius' — für 
den Logotheten und sein Amt als charakteristisch ano-e- 
sehen werden konnte, und sie führt daher zu dem Schlüsse, 
dass Leo diese Thätigkeit eben in seiner Eigenschaft als 
Logothet ausgeübt hat. 

Er war der genaue Kenner der Politik, der vertraute 
Berather Ottos III. Darauf deuten die bezeichnenden 
Worte über die Wiederherstellung der 'res publica' in 
einer seiner Urkunden^ und die Begrüssung Gregors V. 
und Ottos III. in seinem Gedicht; das erweisen die von 
ihm herrührenden Capitularien und die mit meisterhaftem 
Geschick von ihm verfasste Urkunde für die römische Kirche, 
dafür lässt sich auch sein häufiges Erscheinen als Königs- 
bote anführen. In der Kanzlei war er wohl der Vertreter 
des Erzbischofs Heribert von Köln, der trotz seiner langen 
Abwesenheit vom Hofe den Kanzlertitel beibehielt. Nach 
der Natur unserer Quellen ist ein unwiderlegliches Zeugnis 
dafür nicht beizubringen; allein wenn wir in Betracht 
ziehen, dass die Geschäfte der Kanzlei von Heribert als 
Erzbischof höchstens nur in einem Theil des J. 1000 ver- 
sehen worden sind, w^enn wir erwägen, dass die wichtigste, 
damals der Kanzlei obliegende Aufgabe, die Fassung der 
Urkunde für Papst Silvester, von Bischof Leo gelöst worden 
ist und dass dieses Diplom auf den Kanzleibrauch Einfluss 
geübt zu haben scheint — dann werden wir trotz des 
Schweigens aller übrigen Quellen uns dazu entschliessen, 
in Leo zwar nicht dem Namen, aber der Sache nach den 
Nachfolger Heriberts zu sehen, namentlich da die für 
jene Epoche so ganz ungewöhnliche Erscheinung, dass 
während einer geraumen Zeit die Kanzlerwürde nicht mehr 
ein thatsächlich ausgeübtes Amt war, sondern nur einen 
Titel darstellte, allein durch die von Leo eingenommene 
Stellung als Logothet zu erklären ist. 

Leos geistige Fähigkeiten^' sind es sicherlich gewesen, 
welche zuerst die Augen Otto's III. aiif ihn gelenkt 
haben. Ihm bei der Leitung der politischen Angelegen- 
heiten sein Vertrauen zu schenken, dazu wird dann den 
Kaiser vor allem das bewogen haben, dass er in ihm einen 
von ähnlichen Gedanken erfüllten Genossen fand. Otto 
und Leo sahen das Heil der Welt in dem engen Zu- 



1) Vgl. oben S. 91 N. 1. 2) Vgl. darüber die von Löwenfeld Gl 
X. 1 angeführten Stellen. 

Neues Archiv etc. XXII. 7 



98 Hermann Bloch. 

sammenwirken von Kaiser und Papst ; beiden galt das Kaiser- 
reich für ebenso universal wie die Kirche ; beide wollten 
die geistliche Gewalt, der sie nur die Herrschaft über die 
Seelen zugestanden, in weltlichen Dingen der kaiserlichen 
untergeordnet ^ ; und beide waren eins in der üeberzeugung, 
dass nvir von Rom, dem Haujjte des Weltalls, aus Kaiser 
und Papst die Welt beherrschen könnten. Auf dieser 
Gemeinsamkeit der Anschauungen beruhte ohne Zweifel 
die persönliche Stellung Leo's bei Otto III. ; in wie weit 
dieselben durch ähnliche Anlagen und gleiche Einflüsse, 
in wie weit durch unmittelbaren Gedankenaustausch in 
ihnen lebendig geworden sind, wird nicht zu bestimmen 
sein, genug, dass sie uns bei beiden entgegentreten, ohne 
dass darum die Bilder beider Persönlichkeiten sich für 
uns mit einander vermischen-. Denn in einem waren beide 
durchaus von einander verschieden: Leo hat nichts von 
dem 'mystischen' Zuge ^, welcher dem Wesen und der Politik 
des Kaisers eigenthümlich ist. Otto III. ist dem Geschick 
unterlegen, welches ihm, dem Enkel deutscher Kaiser und 
griechischer Fürsten, in frühester Jugend die königliche 
Würde gab. Seine reiche Phantasie spielte mit den Ge- 
danken an die ihm zugefallene kaiserliche Macht, und er 
malte sie sich mit derselben Begeisterung, mit derselben 
Eindrucksfähigkeit aus, die ihn zu den Hütten der Ein- 
siedler und zu den Füssen weltentrückter Büsser, eines 
Adalbert, Nilus, Romoald geführt hat. Unirdisch wie das 
Leben, das diese lebten und predigten und dem der Kaiser, 
von ihrem Einfluss überwältigt, sich selbst hingeben wollte, 
ebenso unwirklich war das Kaiserreich, von dem Otto III. 
träumte, ebenso wenig den Zuständen und den Forderungen 
dieser Welt Rechnung tragend. Die gleiche Abkehr von 
den irdischen Dingen war dem 'asketischen' und dem 
'cäsarischen' Ideal ^ Otto's III. eigenthümlich; bald dem 
einen, bald dem andern nachhängend, versäumte er über 
beiden in gleicher Weise seine kaiserlichen Pflichten. 
Selbst einer der frommen Mönche von Pereum, Brun von 
Querfurt, der spätere Erzbischof, verzeichnete, ohne ihnen 
zu widersprechen, die gegen Otto erhobenen Vorwürfe, 



1) Vgl. im Gedicht an Gregor V. v. 30: 'Sub caesaris poteutia 
purgat i)apa secula'. 2) Wenn auch zahlreiche Aussprüche, die bisher 

zur Charakteristik Otto's III. verwendet worden sind, jetzt auf Leo 
zurückgeführt werden können, so sind doch durch andere Quellen Otto's 
Pläne und Gedanken liinreicliend zu erkennen. 3) Vgl. Kanke, Welt- 

geschichte VII, 80. 4) So stellt Lamprecht, Deutsche Geschichte II, 235 
die beiden Seiten im Wesen Otto's III. einander gegenüber. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 99 

dass er so ganz seiner Aiifgaben als Kaiser vergass und 
Eecht und Gesetz verfallen liess^ 

Leo hingegen wusste nichts von solcher Abwendung 
von allem Irdischen; wohl hegte er die tiefreligiöse Auf- 
fassung, dass diese Welt für uns nur eine Vorbereitung 
auf das Jenseits sei -, aber er wollte in Ehren in ihr leben, 
und deshalb musste er in ihr thätig sein. Was Brun bei 
dem Kaiser vermisste, das scheint er an Leo zu rügen: 
der Bischof lag ihm zu eifrig den weltlichen Geschäften 
ob^. Und wenn wir jetzt Leo's Thätigkeit während der 
letzten Jahre Otto's III. überschauen, so begreifen wir 
immerhin, dass er den Beinamen des 'Hofbischofs' nicht 
mit Unrecht erhalten hat^. Aber zugleich möchte man 
meinen, dass Leo mit der Entwickelung im Charakter 
Otto's III. wenig zufrieden war; — wenn er daher in der 
Unterschrift zweier, von ihm selbst verfasster Urkunden ein- 
getragen hat, dass sie in dem 'Pfalzkloster' ^ ausgestellt 
seien, so klingt es uns daraus fast wie Ironie entgegen, 
fast wie ein Vorwurf gegen den Hof, an dem die glänzende 
Entfaltung kaiserlicher Pracht mit mönchischen Buss- 
übungen abwechselte. Denn Leo war kein Träumer und 
Büsser, er war ein thatkräftiger Mann. Als Politiker ver- 
gass er nicht das Rechnen mit den gegebenen Verhältnissen 
und die Aufgaben des Augenblicks. 

Ein merkwürdiges Zeugnis dafür bieten die Versus de 
Ottone et Heinrico'^ — ein Nachruf dem todten, ein 
Gruss dem neuen Könige. 'Le roi est mort, vive le roi'. 
Als bei dem frühen Tode Otto's IIL, am 23. Januar 1002, 



1) Vita quinque fratrum c. 7 (SS. XV, 724): 'quamvis, ut sepe 
sibi obiectum est, quam ipse virtutem putabat, valde deo displicens vicium 
erat ; quod humana fragilitate alienum, non suum officium agebat, dimittens 
legem et iusticiam'. 2) Vgl. oben S. 91 N. 1. 3) L. c. c. 10 (SS. 

XV, 725) spricht Bruno von dem Aufstand zu Rimini gegen den 'nobilem 
virum . . monachum Rothulfum, eo quod velut homo sapiens secuudum 
seculum adiuvit Leonem episcopum de palacio, qui contendens pro fide- 
litate regis et suo questu multam pecuniam adquisivit in illo comitatu' und 
p. 726 : 'quamvis contra legem secularibus negociis militaret'. — Leo's 
Thätigkeit zu Rimini geht aus dem Placitum seines Vasallen Lambert 
von 1001 Januar 28 (Fantuzzi, Mon. Ravennat. I, 225) hervor. Vielleicht 
hängt es damit zusammen, dass die Grafschaft Rimini allein von denen 
der Pentapolis damals nicht an die römische Kirche (in DO. IIL 389) 
geschenkt wird. Vgl. dazu Ficker, Forschungen n, 319 f. 4) Vgl. oben 
S. 79. 5) DO. III. 383. 384: 'actum Rome in palacio monasterio'. 

6) Ueber ihre Abfassung durch Leo vgl. Beilage IV, wo sie noch- 
mals abgedruckt werden. Es freut mich, dass meine hier dargelegte 
Ansicht über die Entstehung des Gredichts durch die Ausführung meines 
Collegenj Herrn Dr. P. von Winterfeld, unten S. 118 f. völlig bestätigt wird. 



100 Hermann Bloch. 

alle auf ihn gesetzten Hoffnungen mit ihm ins Grab sanken, 
seine Getreuen nur mit Mühe die Leiche vor den em- 
pörten Italienern nach Deutschland retten konnten, und 
schon am 15. Februar zu Pavia Leos alter Gegner, Mark- 
graf Arduin von Ivrea, zum König von Italien gekrönt 
wurde, da klagte Leo in tiefem Schmerz, dass Otto, das 
Heil der Welt, dahingegangen sei, und dass mit seinem 
Tode das Ende der Dinge herannahe. Aber sogleich stellte 
er sich den drohenden Gefahren entgegen und fasste 
die neuen Aufgaben ins Auge. Kavim waren die Thron- 
wirren in Deutschland beendet und Anfang October Heinrich, 
der Bayernherzog, von allen deutschen Stämmen anerkannt, 
als Leo, der gemeinsam mit ihm im Januar 1001 zu Bern- 
wards Gunsten thätig gewesen war\ zu ihm nach Baiern 
eilte ^ und ihn zum Zuge nach Italien aufforderte. Dort 
mag er der Totenklage über Otto die Begrüssung Heinrichs, 
der die Welt erretten werde, hinzugefügt haben. Während 
in jener noch die grossen Pläne aus der Zeit Otto's III. 
nachklingen, schweigt das Gedicht an Heinrich ganz da- 
von und beschränkt sich auf das, was Leo zunächst er- 
wünscht war. Er bittet den König um den Ersatz der 
verlorenen Besitzungen und um die Unterwerfung seiner 
Feinde und ruft ihn zum Kampf auf Leben ^^nd Tod 
gegen Arduin. 

Kein anderer ist an diesem Kampfe mehr betheiligt 
gewesen als Leo selbst. Mehr als ein Jahrzehnt im Leben 
des Bischofs ist dadurch ausgefüllt worden. Nach der 
ersten Niederlage der Deutschen im Anfang 1003 war es 
Graf Tado von Verona, der als Gesandter Leos und des 
Markgrafen Thedald von Canossa den König zum Zuge 
über die Alpen aufforderte'. Heinrich kam im Frühjahr 
1004 und ward zu Pavia gekrönt; am 31. Mai ist Leo zu 
Rhö am Hofe bei ihm gewesen^. Aber der König kehrte, 
ohne entscheidende Erfolge erzielt zu haben, nach Deutsch- 
land zurück und musste die Dinge in Italien fast zehn 
Jahre lang sich selbst überlassen. Von den Ereignissen, 
welche innerhalb dieser Zeit Oberitalien betrafen, wissen 



1) Vgl. Löwenfeld 24 f. 2) V. 86 : 'Currit Leo et patriam credit 
Baioariam' (unten Ö. 11). Dass er nach Regensburg kam, scheint mir 
mit Uiesebrecht 11", 31 sehr wahrscheinlich. Vom 12. — 25. November 1002 
war Heinrich 11. dort (St. 1329—1840). 3) Vgl. Löweufeld 30. 4) Er 
interveniert in St. 1380 für Parma und ist daher jedenialls in der 
Versammlung zu Pontelungo anwesend gewesen. (Thietmar VI, 9 [7]). 
— Ich hebe hier und im folgenden nur hervor, was bisher nicht l)eachtet 
worden ist oder erst jetzt richtig gewürdigt werden kann. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 101 

wir wenig, fast nur, dass es Arduin nicht gelang, die 
allgemeine Anerkennung zu erringen. 

Welche Vorgänge sich unmittelbar an Heinrichs ßömer- 
zug im J. 1014 anschlössen \ haben wir schon oben dar- 
gelegt; hier kommt es nur darauf an, Leo's Antheil an 
der Bekämpfung des damals ausgebrochenen Aufstandes 
zu bestimmen. Nach den Ergebnissen der im dritten Ab- 
schnitt vorgelegten Untersuchung hat Leo die zu Sollingen 
im Hochsommer 101-4 ausgestellten Urkunden für die 
Kirchen von Pavia-, Vercelli^ und Como^ verfasst, so dass 
er jedenfalls damals am Hofe gewesen ist und an der 
Gerichtsverhandlung gegen die Aufrührer theilgenommen, 
vielleicht selbst den Urtheilsspruch gefällt hat\ Es ist 
danach sehr wahrscheinlich, dass er es war, welcher die 
Otbertiner Markgrafen gefangen und nach Deutschland 
gebracht" und damit das Wichtigste zur Niederwerfung des 
Aufstandes beigetragen hat, durch dessen Misslingen Arduin 
veranlasst wurde, ins Kloster zu gehen. Allein erst nach- 
dem im Laufe des J. 1016 die Versuche seiner Anhänger, 
einen andern König zu wählen, misslungen waren, wurden 
diese, wiederum zumeist durch Leo's Erfolge, zur An- 
erkennung Heinrichs IL gezwungen. Durch die Briefe des 
Bischofs sind wir einigermassen über diese Vorgänge 
unterrichtet ; sie liefern im Zusammenhang mit den übrigen 
Nachrichten den Erweis, dass Leo in der That die Seele 
der kaisertreuen Partei in Oberitalieu gewesen und dass 
der Ruhm, Arduins Bezwinger genannt zu werden, als 
welchen ihn Benzo's überschwängliche Worte feiern', ihm 
nach Verdienst zuerkannt worden ist. 

In den folgenden Jahren war Leo noch mit der 
Ordnung der Verhältnisse in seinem Bisthum beschäftigt^, 
doch endlich konnte er wieder bei der Berathung der 
Angelegenheiten des Reiches mitwirken. Im Herbst 1019 
war er mit einer grossen Zahl geistlicher und weltlicher 
Herren in Strassburg '', wo wichtige Verhandlungen, über 



1) Vgl. oben S. 26 ff. Erwähnt sei, dass Leo den Kaiser im Januar 
/.u Ravenna erwartete und dort am 22. .Januar in einem Placitum Beisitzer 
war. S. Löwenfeld 33 N. 4. 2) St. 1633. 3) Die verlorene VU. von 
St. 1634, deren Neuausfertigung dieses D. ist ; vgl. S. 45 ft'. den zweiten Ab- 
schnitt. 4) Die verlorene ^HJ. von St. 1908, s. oben S. 72 f. 5) Vgl. 
S. 75. Leo's persönliche Mitwirkung erklärt es sehr wohl, dass er in St. 1634 
das Datum der früheren Urkunde zu wiederholen, das D. auf den Tag der 
Verurtheilung der Aufständischen zurückzudatieren wünschte. 6) Vgl. 
oben S. 27 f. 7) Z. B. SS. XI, 639 v. 4: 'Poliphemum qui prostravit, 
inde venerabilis'. 8) Ueber die 1019 erfolgte Excommunication des Grafen 
Ubert vgl. oben S. 34 und 39 N. 3. 9) Mon. Germ. Const. I, 63 n. 32. 



102 Hermann Bloch. 

deren Inhalt jedoch nichts bekannt ist, gepflogen wurden. 
Es traf sich, dass Heinrich II., der in langer, mühevoller 
Arbeit Deutschlands Grenzen gesichert und den inneren 
Frieden im wesentlichen hergestellt hatte, nun grössere 
Aufgaben in Angriff nahm, welche noth wendig die Er- 
innerung an die selbständige Regierung Otto's III. er- 
wecken müssen; denn in ihrem Mittelpunkte standen die 
Beziehungen des Reiches zur Kirche und eine von Kaiser 
und Papst gemeinsam unternommene Kirchenreform. In- 
dem man sieht, dass der nüchterne, den Sinn auf das 
Erreichbare richtende, so ganz anders als sein Vorgänger 
geartete Heinrich II. von solchen Gedanken ergriffen 
wurde, drängt sich die Bemerkung auf, dass diese bei 
Otto III. zu phantastischen nur durch die Gestalt gewor- 
den sind, die sie in seinem jugendlichen, schwärmerischen 
Sinne angenommen hatten ; ihr Kern, die innige Verbindung 
der kaiserlichen und der kirchlichen Herrschaft, war sehr 
real und entspricht dem, was Otto I. durch seine Politik an- 
gebahnt hatte und woran noch Heinrich III. seine ganze 
Kraft gesetzt hat. Dass Heinrich II. mit seinen Plänen 
wirklich an die letzten Jahre Otto's III. anknüpfte, dafür 
fällt neben diesem Allgemeinen noch ganz besonders ins 
Gewicht, dass in dem Augenblicke, wo er sie auszuführen 
begann, neben ihm der Mann hervortritt, der, wie wir 
jetzt wohl sagen dürfen, unter Otto III. einer ihrer be- 
deutendsten Vertreter gewesen ist, Bischof Leo von Vercelli ^ 
Er scheint während des dritten italienischen Zuges 
des Kaisers immer in seiner Nähe geweilt zu haben. 
Schon zu Verona war er im December 1021 Beisitzer im 
Königsgericht-, und wiederum ward er, wie unter Otto III., 
mit dem Amte des Königsboten betraut '^ Am wichtigsten 
aber ist seine Thätigkeit auf der am 1. August 1022 von 



1) Die Erinnerung an Otto III. wird auch noch dadurch hervor- 
gerufen, dass nur in dieser Zeit wieder ein Logothet erscheint — und 
zwar der Kanzler Dietrich, der das gemeinsam mit Leo als Königs- 
boten abgehaltene Placitum zu Penna (Gattula, Hist. Cassin. I, 77) mit 
diesem Titel unterschreibt. — Noch eines aber, was schon Ranke, Welt- 
geschichte VII, 133 berührt, verdient hier bemerkt zu werden. Es ist 
nicht zu übersehen, dass 1001 nicht anders wie 1023 unter Führung des 
Mainzer Erzbischofs Sonderbestrebungeu des deutschen Episcopats in 
dem Augenblick hervortraten, wo die deutschen Kaiser, Otto III. und 
Heinrich II., Pläne allgemeiner Reform in enger Verbindung mit den 
Päpsten erwogen. — Vielleicht wäre sogar aus einer al)lehnenden Stellung 
Heriberts zu den universalen Gedanken sein Eingreifen ini .1. 1016 und 
seine Beziehungen zu der italienischen Bewegung zu erklären. Vgl. oben 
S. 38 f. 2) St. 1777. 3) Vgl. die Regesten bei Löwenfeld 73. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 103 

Kaiser und Papst zu Pavia abgehaltenen Synode ^ deren 
Akten für uns das einzige sichtbare Ueberbleibsel der Be- 
strebungen beider sind. Wie einst bei Otto und Silvester, 
an deren Zeiten die Synode unwillkürlich erinnert, so 
muss Leo auch das gemeinsame Vertrauen von Heinrich 
und Benedict genossen haben, denn von ihm sind beider 
Reden und beider Gesetze verfasst worden, und nicht nur 
die Worte, auch die Gedanken, die darin ausgesprochen 
werden, gehören Leo an. Die Ausführungen über die 
Priesterehe, über die Verschleuderung des Kirchengutes, 
die ungesetzliche Freilassung der Kirchenholden, endlich 
über die Kiuder unfreier Cleriker, welche den Gegenstand 
der Berathuugen zu Pavia gebildet haben, sie alle sind uns 
aas den Urkunden und Capitularien bekannt, die Leo 
unter Otto III. verfasst hat. Er ist daher geradezu als 
der Urheber der Beschlüsse anzusehen^, denen er auch so- 
gleich in seinem Bisthum Geltung zu verschaffen suchte^. 

Es gehört in den Kreis dieser Bestrebungen, dass im 
August 1023 zu Ivois Heinrich II. mit König Robert von 
Frankreich eine Zusammenkunft mit Benedikt VIII. zu 
Pavia zur Besprechung über die Reform der Kirche ver- 
abredete. Allein der Tod trat auch diesmal ihrer Aus- 
führung entgegen. Etwa Anfang Juni 1024 starb der Papst 
und wenige Wochen später, am 13. Juli. Heinrich II. 

Noch einmal musste Leo von den universalen Plä- 
nen zu dem Werke zurückkehren, das italienische König- 
reich und mit ihm die Kaiserwürde einem deutschen 
Könige zu erhalten. Dem Erzbischof Aribert von Mailand 
und Leo hatte es Konrad IL vor allem zu danken, dass 
keinem auswärtigen Fürsten — an einen italienischen ist 
damals gar nicht gedacht worden — die langobardische 



1) Ueber die Datierung der SjTiode, die Giesebrecht II\ 622 zu 
1018 setzen wollte, vgl. Jahrb. Heinr. 11. III, 342 und Löwenfeld 48 N. 1. 
Die Abfassung der Akten durch Leo verbürgt die Abhaltung im .1. 1022 
auch dadurch, dass erst in diesem Jahre Leo wieder in engerer Beziehung 
zu Heinrich nachweisbar ist. Auch wird dadurch jetzt vöUig ausgeschlossen, 
dass es sich um eine in Abwesenheit des Kaisers abgehaltene S\-node 
handele, und dass etwa die Antwort des Kaisers nur schriftlich aus 
Deutschland gegeben worden sei. Der bekannte Schluss der Goslarer 
Sentenz (Mon. Glerm. Const. I, 62 n. 31) kann sich daher keinesfalls auf 
die Paveser Synode beziehen. 2) So nennt ihn schon Sackur, Die 

Cluniacenser II, 160, der S. 161 X. 4 deshalb Schnürer's Ausfüh- 
rungen (S. 36 ff.), dass Pilginm besonderen Antheil daran hatte, mit 
Recht zurückgewiesen hat. Hier ist in der That nichts davon zu erkennen ; 
im übrigen ist aber Pilgrim ohne Zweifel einer der Hauptvertreter der 
Politik Heinrichs II. in diesen Jahren. 3) Vgl. die Aufzeichnung unten 
S. 107, Beilage II. 



104 Hermann Bloch. 

Krone zufiel^. Zu Ostern 1026 empfing- Leo noch in Ver- 
celli den König- auf seiner Romfahrt, wenige Tage nacli- 
ber ist er gestorben. 

Seine dauernde Bedeutung beruht darauf, dass er in 
seiner Eigenschaft als Bischof von Vercelli während nahezu 
drei Jahrzehnten die deutsche Herrschaft mit aller Kraft 
in der Lombardei aufrecht zu erhalten erfolgreich bemüht 
war, dass er wesentlich dazu beigetragen hat, drei deutschen 
Kaisern Italien zu bewahren. Der hervorragende Platz, 
den er am Hofe Otto's III. eingenommen, und der Ein- 
fluss, dessen er sich gegen Ende der Regierung Heinrichs IL 
zu erfreuen gehabt hat, so beachtenswerth sie an sich sind, 
haben doch nicht auf so lange hinaus die Entwicklung 
der Dinge zu beeinflussen vermocht. Aber wohl zu beachten 
ist, dass seine Thätigkeit als Bischof durch die Gedanken 
bedingt worden ist, die er am Kaiserhofe vertreten hat. 
Weil er dem Kaiserthum eine universale Bedeutung zu- 
erkannte, musste er einen machtvollen Kaiser wünschen, 
und deshalb ward er der treueste Helfer der Deutschen. 
Aber er diente nicht etwa dem deutschen Könige, sondern 
dem Kaiser. Er fasste seine Stellung als Bischof gerade- 
zu im Sinne Otto's I. als diejenige eines Beamten des 
Reiches auf. Nichts ist bezeichnender dafür als dass er sich 
selbst, wie es scheint, nicht Bischof von Vercelli genannt, 
sondern sich als 'episcopus imperii' unterschrieben hat-. 

Diese Auffassung leitete ihn bei der Verwaltung 
seiner Diöcese^ Die Uebertragung aller Hoheitsrechte in 

1) Vgl. Löwenfeld 53 £f. und Bresslau, Konrad II. 1, 71 ff. 2) 1001 
April (Fantuzzi, Mon. Ravennat. II, 227) ; 'servus Eusebii episcopus et 
missus imperii' St. 1781 und Penna 1022 (Gattula, Hist. Cassin. I, 77). 
Vgl. Tiraboschi, Nonantola II, 137. 138, wo Warinus von Modena 
'imperialis episcopus' heisst. 8) Es ist hier der Ort, darauf aufmerksam 
zu machen, dass unser Urtheil über die Urkunden, die Leo erhalten hat. 
einigermassen davon beeinflusst werden wird, dass wir Leo nicht nur als 
ihren Verfasser, sondern auch unter Otto III. als den Vertreter des Kanzlers 
kennen gelei-nt haben. Ohne dass ich mich hier, in Erwartung der in 
Aussicht gestellten italienischen Arbeiten (vgl. oben S. 76), auf Einzel- 
heiten einlassen will, sei nur im allgemeinen bemerkt, dass die Stellen, 
an denen Sickel in DO. III. 323 und 324 Anstoss genommen hat, bei 
der Annahme von deren Hei'stellung durch Leo sehr wohl dem echten 
Diplom angehört haben können und durchaus keine Verfälschung bedingen. 
Auch mit der Glaubwürdigkeit von DO. III. 323 steht es besser als Sickel 
annahm, da sein Rechtsinhalt fast vollständig in das D. Kourads II. St. 1935 
übergegangen ist. Nur die Schenkung von Arona fehlt hier, wenn der 
Druck in den Mon. patr. Chartae I, 454 zuverlässig ist. -^ Dass irgend 
eine der fünf Urkunden Otto's III. im diplomatischen Sinne ganz oder 
theilweise unecht sei, halte ich für unwahrscheinlich und jedenfalls bei 
der besonderen Sachlage für unbeweisbar: da Leo der Verfasser aller 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 105 

den Grafschaften Vercelli und Santhiä, die er von Otto III. 
erwirkte, seine vielfachen Bemühungen, das Kircheng-ut zu 
vermehren und vor Verschleuderung zu hüten, sind doch 
nicht allein aus dem bei Leo allerdings sehr lebhaftem 
Wunsche, seine Kirche zu bereichern \ hervorg-egano-en, 
sondern müssen auch von dem Gesichtspunkte aus be- 
trachtet werden, dass inmitten der weltlichen Grossen und 
oft ihnen gegenüber der Bischof nur dann seinen Aufgaben 
als Beamter des Kaisers gerecht zu werden vermochte, 
wenn er die materielle Macht zu ihrer Durchführung 
besä SS. 

Leo lag daher in jeder Hinsicht an der Stärkung der 
bischöflichen Gewalt, und hierauf, meine ich, beruht der 
entscheidende Gegensatz zu den Cluniacensern, mit deren 
sittlichen Forderungen er sich vielfach berührte-. Er 
musste der entschiedene Gegner eines von dem Bischof 



dieser Stücke ist, da nicht bezweifelt werden kann, dass er bei Herstellung 
derselben mit Genehmigung des Kaisers gehandelt hat, fehlt jede Möglich- 
keit festzustellen, ob und inwieweit er die ihm ertheilte Vollmacht über- 
schritten hat. Ganz anders steht es mit der Frage, ob die in ihnen be- 
zeugten Thatsachen der Wahrheit entsprechen, z. B. ob alles, was Leo 
seiner Kirche restituieren lässt, ihr in der That schon früher gehört habe, 
— da wir ja wissen, dass Leo es mit der Wahrheit nicht zu genau nahm. 
Aber um dies zu prüfen, muss man eine Kenntnis der Geschichte der 
einzelnen Orte besitzen, die man sich in Deutschland kaum wird aneignen 
können. So hoöe ich auch hier auf die Arbeiten der italienischen Fach- 
genossen. 1) Vgl. den Schluss der Versus de Ottone et Heinrico unten 
Beilage IV b ; den Schluss des dritten Briefes oben S. 21 f. ; ferner die 
Worte Bruns oben S. 99 N. 3. Endlich gehört hierher natürlich die oben 
S. 73 if. dargelegte Fälschung von Mühlbacher Reg. 1592. 2) Wir würden 
hierüber eingehender handeln können, wenn es möglich wäre, Leo die 
Bearbeitung des 'Sermo de informatione episcoporum' zuzuweisen. Pflugk- 
Harttung hat im N. Arch. 1, 587 ff. nachgewiesen, dass diesem ein Schriftchen 
des Ambrosius (vgl. Opera ed. Ballerini VI, 377 ff.) zu Grunde liegt. Der 
u. a. bei Migne Patrol. CXXXIX, 169 ff. gebotene Text stellt indessen 
eine Ueberarbeitung dar, die Gerbert zugeschrieben wird, aber nicht nur 
aus stilistischen, sondern auch aus inneren Gründen Leo zugehören 
könnte. — Ausschliesslich des Stils wegen könnte man auch den zuletzt 
von Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands III, 320 N. 3 besprochenen 
Tractat 'de corpore et sanguine domini' Leo zuweisen wollen. Indessen 
wird in beiden Fällen erst die Untersuchung der Hss. irgend welche 
Sicherheit gewähren können. Ich sehe daher hier ganz davon ab, diese 
Schriften zu verwerthen, wie ich auch nur die beiden, in Beilage IV 
abgedruckten Gedichte in dieser Untersuchung herangezogen habe, obwohl 
es in Frage kommen könnte, ob ihm nicht noch dies oder jenes andere 
zuzuschreiben wäre. Es sollte hier nur das, was völlig sicher von Leo 
herrührt und für seine jjolitische Thätigkeit von Belang ist, verwerthet 
und damit die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt werden. Für den Versuch, 
seine litterarische Thätigkeit zu bestimmen, wird in erster Linie eine 
Untersuchung- seines Verhältnisses zu Gerbert nöthig sein. 



106 Hermann Bloch. 

nnabhängig-en Möiicbthums sein, so dass es sehr wohl 
möglich ist, dass er den Versuch gemacht hat, sich das 
Kloster Breme und vielleicht auch Arona zu unterwerfen'. 
Er scheint hierbei wie auch sonst, wo er etwas zu erreichen 
wünschte, nicht vor Fälschung und Gewaltthat zurtick- 
gescheut zu haben ; das liegt an seiner Zeit, aber doch auch 
an dem ihm eigenen herrischen und selbstbewussten Wesen, 
mit dem er selbst dem Kaiser gegenüberzutreten wagte. 

So ist Leo wohl eine bedeutende, aber nicht eigentlich 
eine sympathische Persönlichkeit. Wir können es wohl 
begreifen, dass Männer, wie Bruno von Querfurt'- zu viel 
des Weltlichen an ihm fanden, und dass gar Mönche der 
strengeren Richtung, wie Wilhelm von Dijon und Rodulf us 
Glaber'^ oder die Mönche von Novalese, in ihm den Gegner 
hassten. Auf der anderen Seite aber verstehen wir erst 
jetzt so recht, dass in der Zeit der Erniedrigung des Kaiser- 
thums ein Benzo von Alba, dessen Ideal die Stellung der 
Bischöfe als Träger der kaiserlichen Macht war, in Leo 
die hervorragendste Gestalt einer vergangenen, glücklicheren 
Zeit erblicken und seine Zeitgenossen durch die Erinnerung 
an Leo's Thaten an ihre Pflicht gemahnen konnte. 

Beilagen. 

I. 

E X c o m m u n i c a t i o n des Grafen U b e r t. 
Das von Reifferscheid (SB. der Wien. Acad. LXVIII, 
521) entdeckte, von Dümmler (Forsch, zur deutschen 
Gesch. XIII, 600 ff.) bereits gedruckte Urtheil gegen den 
Grafen Ubert den Rothen steht von Leos Hand auf der 
letzten Seite des Cod. XXXVIII der Vercelleser Capitels- 
bibliothek. Dass es in der ersten April woche 1019 er- 
gangen ist, hat Bresslau in Jahrb. Heinr. II. III, 371 sehr 
wabrscheinlich gemacht ; seine Datierung ist allgemein 
anerkannt worden. 

Stulto hactenus iuxta stulticiam suam respondere 
noluimus, ne sibi similes videremur. Nunc vero respondere 
volumus, ne sibi sapiens videatur, qui ab omnibus stultissi- 



1) Ueber Breme vgl. Chron. Novaliciens. SS. VII, 118. — Arona 
erscheint in D. 823, aber nicht in dessen NU. St. 1935, vgl. oben S. 104 
N. 3. Ausserdem steht es in der oben S. 7ß besproclienen, wohl ver- 
fälschten Notiz über eine Urkunde Karls III. 2) Aber auch dieser ge- 
denkt seiner Treue für den Kaiser, vgl. oben S. 99 N. 3. 3) Für diese 
beiden vgl. Mon. Germ. SS. IV, 657. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 107 

mus iudicatur. Meminimus enini et meininisse volumus, 
Ubertum Eufiim heresiarcham et novum demonicolam 
Ensebianam ecclesiam ante annos plures devastasse, predis 
rapinis et incendiis Eusebianos pauperes attrivisse in tan- 
tum, quod iam aliqui peregTini, solo relicto, mendicent, 
aliqni auteni fame pressi et angustiis tabefacti aut lan- 
gueant aut Tobia cessante insepiilti renianeant. Ad hec 
abluenda a festo sancti Andree inimieum dei eundem 
Ubertum vocavimus, patienter expectavimus, id est malum 
pro malo non reddidimus cesaremque^, ut eum precibus 
et legibus revocaret, expetivimus. Per domnum Nova- 
riensem episcopum a corte redeuntem sacris iussibus monitus 
adquiescere noluit, usque in octavam pasc^ canonice ex- 
pectatus venire distulit, a cepta pertinaeia non abstinuit, 
immo peius exercet, maiora molitur et ut impius, quia 
incrassatur, contemnit. Auetore ergo deo, contra quem 
non est consilium ^, et interventore beato Eusebio cum 
Omnibus sanctis Vbertum filium Ildiprandi, ecclesie dei 
inimieum et pauperum eins vastatorem, et uxorem eius 
lezabelissam^ filiumque eorum ^ Op/zellum cum omnibus 
suis fratribus ^ omnesque eorum servos et liberos, privatos 
et domesticos maledicimus ; omnes etiam '' milites, amicos 
et consiliarios eorum eis contra dei ecclesiam faventes dicto 
aut facto similiter excommunicamus omnesque pariter ab 
ecclesia dei separamus. Sint maledicti in domo, maledicti 
in agro, maledicti^ intus et foris; bibant de fiala ir§ dei, 

cadant brachia eorum, evanescant arma eorum 

. . . . sepultura asini sepeliantur, 

. . ., sicut Dathan et Abiron absorbeantur, ut 

[n]ec aerem haustu fedore moriantur. Hec omnia per vir- 
tutem dei Uberto omnibusque eius* et suorum'' fautoribus -, 
prout resipiscat et ecclesi^ dei satisfaciat. 

II. 

Auf dem Vorsatzblatt des Cod. CXXXIV der Capitels- 
bibliothek zu Vercelli steht von einer sehr gefälligen und 
deutlichen Hand des XI. Jahrhunderts eine Aufzeichnung 
über die von Bischof Leo bewirkte Revindication von 
Hörigen der Kirche von Vercelli, die zuletzt von Bresslau 



1) 'que' über der Zeile nachgetragen. 2) 'contra — consilium' 

über der Zeile nachgetragen; Prov. 21,30. 3) 'et — lezabelissam' über 
der Zeile nachgetragen. 4) corr. aus 'eius'. 5) 'fribus'. 6) 'male- 
dicimus — etiam' über der Zeile nachgetragen. 7) Ueber der Zeile 
nachgetragen. 8) Con'. aus 'ei et suis faventibus'. 



108 Hermann Bloch. 

in den Jahrb. Heinrichs II. III, 344 gedruckt ist. Ob- 
wohl eine neue Collation keine Verbesserung ihres Textes 
ergab, empfahl es sich doch, auch sie hier zu wiederholen, 
um so die kleineren Stücke, die Leo 's Dictat aufweisen, 
aber nicht in die Mon. Germ. Aufnahme finden können, 
an einer Stelle zu vereinigen. 

Da die Synode von Pavia von 1022 gleichfalls ganz von 
Leo verfasst ist, beweist die Uebereinstimmung dieser Auf- 
zeichnung mit ihr nicht mehr nothwendig ihre Abhängigkeit ; 
dennoch bleibt immer wahrscheinlich, dass Leo die Be- 
schlüsse der Synode durch diese Massregeln in seiner 
Diöcese zur Ausführung bringen wollte. 

In nomine domini. Leo episcopus servus Euse- 
bii. Multitudo populi, copia militum, decens frequentia 
clericorum gloria est et exaltatio ecclesiae dei. Sed emergit 
importabilis paupertas et grave dispendium domui dei, 
quod servi ecclesiarum aliquibus divitiis inflati colluunt 
contra suos dominos et per neglectum priorum a iugo 
servitutis in libertatis nobilitatem transeunt et ipsam 
ecclesiam, ex cuius questu ditati sunt et — ut esse potuit 
quantum ad eorum iudicium — libertati, in derisu et des- 
pectu habent. Itaque fit, ut ecclesia dei — cessamus de 
officiis nostris dicere — ipsis etiam, quod flentes dicimus, 
architectis careat. Monstrum quamvis non inauditum, sed 
babylonicum, domum dei a laicis ditatam et ab ipsis rec- 
toribus immo praedatoribus paupertatam, terris thesauris 
et servis spoliatam! Conveniat ergo domus dei et novo et 
exquisito genere mortis illos perdamus, qui peccata populi 
manducant et qui elemosinas vendunt et infrontati ab 
ecclesia thesaurum ecclesiae tollunt. Hoc cum dolore 
videntes, quos et quot potuimus in hac civitate Vercellis 
incuria pontificum a servitio ecclesiae dei — nescimus per 
quod maleficum et captiosum laqueum libertatis — a longo 
subtractos, praesentia iudicum , civium, affluentia re- 
sidente militum, appositis ewangeliis et libris legum, 
cartis contra leges factis — si quae erant — legaliter 
incisis, nobiliter acclamante populo, revocavimus, quos- 
dam etiam nullis cartarum colluviis infectos, sed tantum 
longo tempore stultitia praedecessorum nostrorum, qui 
fratres neglegentes dicti sunt, non inquisitos ad pristinum 
servitium reduximus. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 109 

III. 

Elegie auf den Tod des Bischofs Petrus 
von Vercelli (ermordet 17. März 9 9 7). 

Oben S. IJ: ist beschrieben worden, an welcher Stelle 
auf der letzten Seite des Cod. CII das Gedicht auf den 
bei der Einnahme Vercelli's durch Arduin ums Leben ge- 
kommenen Bischof Petrus von seinem dritten Nachfolger 
Leo eingetragen ist. Es ist zum grössten Theil vollständig 
verblichen ; das folgende Fragment hat kaum andern Werth, 
als dass durch seine Entdeckung ein Beweis dafür ge- 
liefert wurde, dass Leo sich auch als Dichter bethätigt 
hat. Damit war der Weg gewiesen, nach andern Spuren 
seines Schaffens zu suchen. 

1. . . [tibia] rides, plora?; m./.d.ces\ 

2. . §lum^ m . . . d . .^ 

3. Bestia sparon ..*... mmY'' dolor.s 

4. Occidit Petrum .... c«^ . a ... . um[a]'' 

5 sie perewit; Babylon stupet; hnnc mave reddit "^ 

b mit. Patria sica ferit. 

7. . . . plns .... restaf. V. t . . . . mundus . . errat 

8 olugeat omnis homo! 

9 es, miseras prorumpite voces! 

10 medium .os"" tra///t Jtiic reliquum 

11 dem, . . s'' ultor sanguinis idem, 

12 Sttvge, memento Petri! 

IV, 

Zwei Gedichte Leo 's von Vercelli. 

Aus der Umgebung des Bischofs Leo von Vercelli 
sollen die beiden rhythmischen Gedichte auf Otto III. 
und Gregor V., sowie auf Otto III. und Heinrich II. stammen^*^, 
welche am besten E. Dümmler, Anselm der Peripatetiker 
78 ff. herausgegeben hat. Er bemerkte zugleich, dass 'Vers 
und Ausdrucksweise, Absicht und Gesinnung sich in beiden 
auf das engste berühren', so dass beide wahrscheinlich 



1) Wahrscheinlich ist 'plorabis' und 'maledices' zu ergänzen. 
'2) 'cflum'. 3) 'mundus'? wie viel noch dahinter steht, ist durchaus 

nicht zu erkennen. 4) 'sparonis'. 5) 'fremuit' nach Vorschlag von 

P. von Winterfeld. 6) 'uma' wahrscheinlicher als 'umo'. 7) In 'reddit' 
Correctur. 8) 'nos'. 9) 'sis' '? 10) Wattenbach, Geschichtsquellen 
I'-, 430. 



110 Hermann Bloch. 

'aus der nämlichen Feder entsprungen seien'. Entscheidend ist 
dafür die Nebeneinanderstellung- der Verse 28 — 30 in den 
Versus de Gregorio und 16 — 18 der Klage über den Tod 
Otto's III. ; in einer vollständig parallelen Glliederung wird 
dort der Freude, hier der Trauer Ausdruck verliehen, so 
dass zum Theil nur die betreffenden Worte geändert sind: 
'gaudeat' — 'lugeat', 'iubilet' — 'ululet', 'magnum gaudium' 
— 'nulluni canticum', 'potentia' — 'absentia' u. s. w. 

Während in dem Gedichte an Gregor V. keine Be- 
ziehung auf die Person des Verfassers deutlich hervortritt, 
nennen die beiden Schlussverse des andern den Bischof 
Leo von Vercelli: er eilt nach Baiern an den Hof des 
neugewählten Königs Heinrich, der ihn mit Geschenken 
auszustatten und seine Feinde zu unterwerfen aufgefordert 
wird. Diese Verse sind es, um derenwillen ein Vercelleser 
Cleriker als Dichter der beiden Rhythmen angesehen wurde. 
Nachdem wir indessen durch die Elegie auf den Tod des 
Bischofs Petrus von Vercelli den Beweis dafür erhalten 
haben, dass Leo selbst sich in Versen versucht hat, liegt 
es nahe, ihn für den Verfasser beider Gedichte zu halten. 
Die Art, in welcher darin für ihn Belohnung und Ge- 
schenke von Heinrich gefordert werden, entspricht so sehr 
der Entschiedenheit, mit der er im J. 1016, wie der Schluss 
des dritten Briefes (oben S. 21 f.) zeigt, die Gewährung 
seiner Bitten vom Kaiser verlangt, dass darin kein Grund 
gegen, sondern vielmehr ein Grund für seine Autorschaft 
zu suchen ist. 

Trotz der gänzlichen Verschiedenheit des Stoffes fehlt 
es doch nicht ganz an gewissen Anklängen zwischen den 
Gedichten und einzelnen der von Leo verfassten Schrift- 
stücke, namentlich den Akten der Synode von Pavia. 
Man vergleiche: 

'consurgis' : — 'consurgant' 324. 

'E domo spons§ exiens, sicut sponsus rediens' : — 'deus 
quidem ecclesiam sibi sponsam elegit' 1790 B. 

'reparas' : — 'pro reparatione' 389. 1790 H. 

'componis populum' : — 'qui . . componit ecclesiam' 
1790 H. 

'pervigil' = 1790 B. 

'maiestate nominis' : — 'lustinianus nominis ipso privi- 
legio merito iustus' 1790 B. 

'ut lioreret s^culum' : — 'florente ecclesia floruimus', 
'florente . filio nostro H.' 1790 B. 

'mutavit c§lum f aciem et terra imaginem' vgl. Elegie (Beil. 
III) V. 2 und '0 caelum! o terra!' 'teste caelo et terra' 1790B. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 111 

'vorassent lupi' : — 'quos illa lupa devoraverat' 1790 B. 

'recepit iug-um solitum Sclavus in opprobrium' vg'l. 
'perpetuo servitntis obligati opprobrio' 1790 B; 'ad soli- 
tum servitiuni' Capitulare 21. 

'te principe' : — 'priucipibus nostris Petro et Paulo' 
1790 B. 

'submittat legibus hostes' : — 'qui mundum legibus 
summiserunt', 'domestico servitio legibus subiug-abit' 1790 B. 

Ausserdem sei darauf hingewiesen, dass die Hereiu- 
ziehiiug des Apostels Petrus in das erste Gedieht sehr 
wohl der bei Leo häufigen Personification der Heiligen^ 
entspricht, ferner darauf, dass das Citat aus Prov. 21, 30 
im zweiten Gedicht v. 22 von Leo in der Excommunication 
überts verwendet worden ist. 

Beachtenswerther als diese schwachen Anklänge ist, 
dass der Gedankenkreis, aus dem die beiden Gedichte 
hervorgegangen sind, eben derjenige ist, der uns aus Leo's 
Aufzeichnungen bekannt ist: die Verbindung zwischen der 
geistlichen und weltlichen Gewalt und ihre universale Be- 
deutung tritt nirgend deutlicher als in dem Gedicht auf 
Papst und Kaiser hervor, und in der Klage über den Tod 
Otto 's wird gerühmt, wie seine Herrschaft der Kirche und 
der Welt zum Heile gereichte-. Auch der Wunsch der 
Wiederherstellung Roms gehörte in das politische Pro- 
gramm Leo's, bei dessen bekannten Beziehungen zu Gerbert 
endlich die Hervorhebung von seiner Ernennung zum Erz- 
bischof von Ravenna nicht Wunder nehmen kann. 

Endlich kommt für uns hier die Entstehungszeit der 
Gedichte in Betracht. Die Versus de Gregorio et Ottone 
nehmen im Anfang auf Gregors V. Rückkehr nach Rom 
und seinen Einzug mit Otto III. Bezug, der etwa im März 
998 stattfand; auf die damals erfolgte strenge Bestrafung 
des Empörers Crescentius und des von ihm erhobenen 
Gegenpapstes Johannes scheint der Vers hinzuweisen, dass 
es die Pflicht des Kaisers sei, die Sünder zu strafen; die 
in V. 26 gerühmte Erhebung Gerberts fällt etwa Ende 
April 998^. Ungefähr in diesen Tagen* ist zu Rom in 
der Umgebung des Kaisers und des Papstes das Gedicht 
entstanden. 

Das andere aber, über dessen Abfassung unten näher 
gehandelt wird, stammt aus dem Ende des Jahres 1002 und. 



1) S. oben S. 65. 2) Vgl. darüber oben S. 97 ff. 3) Jaffe- 
L. 3883 vom 28. April 998. 4) So hat auch Dümmler a. a. O. 73 die 
Entstehungszeit des Rhythmus bestimmt. 



112 Hermann Bloch. 

wegen der Erwähnung des Bischofs Leo, aus Vercelli. 
Wollte man also beide Gedichte nicht Leo selbst, sondern 
einem ihm nahe stehenden Cleriker zuweisen, so müsste 
man annehmen, dass dieser 998 mit Leo ^ am Hofe gewesen 
sei und ihn später nach Vercelli begleitet habe. Dieser, 
uns sonst nicht bekannte Geistliche hätte sich so voll- 
ständig wie Leo selbst in die Gedanken Otto's III. ein- 
gelebt, mit denen der Verfasser der Rhythmen vertraut 
gewesen sein muss, und wäre, wie Leo, der Bewunderer 
Gerberts gewesen ; dieser Unbekannte müsste endlich 
Otto III. so nahe gestanden, durch seinen Tod so viel ver- 
loren haben, wie wir es von Bischof Leo dem Logotheten 
anzunehmen berechtigt sind, in dessen Munde die Todten- 
klage völlig begreiflich ist. — Sicherlich ist sehr viel 
wahrscheinlicher als die Construction solch eines mit Leo 
geistes- und schicksalsverwandten Clerikers die Lösung, 
dass Leo von Vercelli selbst die Rhythmen auf Gregor V., 
Otto III. und Heinrich IL verfasst habe-. 

Wie in den beiden Rhythmen Verse der Freude und 
der Trauer correspondieren, so entspricht dem V. 8 in der 
Elegie 'lugeat omnis homo' der Schluss des von Giese- 
brecht ^' veröffentlichten Gedichtes zu Mariae Himmelfahrt : 
'gaudeat omnis homo'. Auch die Bitte an die Jungfrau 
Maria: 'Romanam respice plebem' erinnert an die An- 
rufung Christi in den Versus de Gregorio : 'Romam tuam 
respice' ; dennoch wird man das merkwürdige Gedicht nicht 
Leo zuweisen können, da diese beiden einzigen Beziehungen 
nicht dafür ausreichen, überdies nur im Schlusstheile 
stehen. Man könnte vermuthen, dass ein älteres, bei der 
Feier von Mariae Himmelfahrt in Rom übliches Lied hier 
nur bearbeitet und der Schluss mit der Bitte für Otto III. 
ihm — dann etwa von Leo — zugefügt wäre ; allein bei 
der Entscheidung über dieses Gedicht wird ein Vergleich 
mit den Gerbert zugeschriebenen nothwendig und vielleicht 
nicht ergebnislos sein. 



1) V^l. S. 82 f. 2) Vgl. S. 116 N. 1. 3) Cliesebrecht, Kaiserzeit 
I^ 898 aus Bamberger Hs. Ed. V. 1, collat. mit dem Druck von Amati 
in der Bibliografia Romaiia (Rom 1880) p. CXLI ff. aus Cod. Vallicell. D. 
5. f. 129. Von der Abschrift in dem ebenda (p. XXXIV) erwähnten 
Cassineser Codex hat Herr Prior Amelli mit bewährter Liebenswürdigkeit 
eine CoUation für die Mon. Germ, geliefert. Daraus geht die Unbe- 
deutendheit der römischen H.i hervor; sie ist, wenn nicht eine Ab- 
schrift des Cod. Cassinensis, so doch eine neben ihr fast werthlose Ab- 
schrift derselben Vorlage. Nur wenige Aenderungen sciieinen am Texte 
(xiesebrecht's nothwendig. Sachliche Bedeutung hätte nur in der Responsio 
Romae v. 12: 'Lucrificante deo' und v. 13. 11: 'Nee procul est opifex'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 113 

a. Versus de Gregorio papa et Ottone aug-usto. 

Das Gedicht steht auf fol. 13' der Bamberger Hs. 
P. III. 20, die von Dümmler, Auxilius und Vulgarius 47 ff. 
eingehend beschrieben worden ist und die in Strassburg 
zu benutzen mir durch die immer rühmenswerthe Ge- 
fälligkeit des Herrn Directors der Königlichen Bibliothek 
zu Bamberg Dr. F. Leitschuh ermöglicht wurde. Die drei 
vorangestellten Verse , die nach der wohl zutreffenden 
Annahme Baxmanns ^ den durch das Wort 'Christe' an- 
gedeuteten Refrain darstellen, sind von anderer Hand wie 
das Gedicht selbst geschrieben, so dass uns jedenfalls nicht 
die Originalniederschrift , sondern eine Abschrift vorliegt. 
Da indessen die Schrift beider noch dem X. Jahrhundert 
angehören kann und keinesfalls wesentlich später ist, da 
ausserdem der Text allem Anschein nach vollständig correct 
und an keiner Stelle durch Abschreibefehler entstellt ist 2, 
so haben wir es möglicherweise mit einer unter den Augen 
des Verfassers hergestellten Niederschrift zu thun, welche 
zum Zwecke der Composition des Gedichtes vorgenommen 
wurde. Denn es sind durchweg die Notenzeichen darüber 
eingetragen worden. 

Der folgende Druck giebt im Texte nur das, Avas ich 
von der abgeriebenen Schrift lesen konnte; die unsicheren 
Buchstaben sind durch cursiven Druck hervorgehoben. 
Von den früheren Ergänzungsversuchen Baxmanns (a. a. 0.), 
Giesebrechts (in einem Brief an Dümmler vom 2. März 1866) 
und Dümmlers habe ich die mit dem Schriftbefund zu 
vereinigenden in den Anmerkungen wiederholt; einige 
neue Vorschläge verdanke ich Herrn Dr. P. v. Winterfeld, 
der mich bei dem Abdruck dieser und der folgenden Ge- 
dichte in liebenswürdigster und förderndster Weise unter- 
stützt hat. 

Was den Inhalt des Gedichtes betrifft, so möchte 
ich nur darauf aufmerksam machen, dass der Angeredete, 
durch 'Tu' bezeichnete, durchweg Papst Gregor V. ist; 
von Kaiser Otto ist überall in der dritten Person die Rede^. 
Es ist also an Gregor V. gerichtet, und die Verse 19 — 21 
drücken nicht 'die kirchliche Macht' des Kaiserthums^ 
aus, sondern die Ausdehnung der päpstlichen Herrschaft. — 
In dem Schlussvers scheint Leo dem Wunsche nach einer 



1) Jahrbücher für Deutsche Theologie XII, 287 ff. 2) Die von 

Dümmler zu V. 11. 17. 26 notierten und emendierten werden durch den 
Schriftbefund hinfällig. 3) Nur in V. 28 und 81 werden beide gemeinsam 
angeredet. 4) In diesem Sinne verwerthet sie Hauck, Kirchen- 

geschichte Deutschlands III, 266 N. 6. 



Neues Archiv etc. XXII. 



114 Hermann Bloch. 

Belohnung durch den Papst Ausdruck geben zu wollen, 
genau wie das Gedicht au Heinrich II. mit einer ent- 
sprechenden Bitte schliesst. 



Christe, preces intellege, Romam tuam respice, 
Romanos pie renova, vires ßom§ excita. 
Surgat Roma imperio sub Ottone tertio. 

1 Salve, papa noster, salve, Gregori dignissime! 
Cum Ottone te augusto tuus Petrus excipit. 
Consurg[i]s ad sublimia, ipse te humilia. 

E domo spons§ exiens, sicut sponsus rediens, 
5 Antiqui patris munera repetis quam dulcia. 
^ firmius, ut fidelis filius. Christe. 

p . . rum - sequeris, laudes Petri erigis, 

Romana iura recreas, Rom^ Romam reparas, 
it^ Otto effici gloria imperii. 

10 In ^otum Otto valeat, semper bene habeat, 
Qui Galliae te abstulit teque Romam attulit ; 
^ fecit maximum, inaltavit brachium. Christe. 

es^ in ecclesiis, in sanctis misteriis; 

Tu es magister omnium, tu componis populum, 
15 as'^ reddis varias, [iu]g . s^ solvis animas. 

.... rat * Otto tercius per . . g . 1'' et strenuus, 
Qui secundum apostolum curam habet corporum. 
Ad vindictam peccantium fert invictum gladium^*^. 

[Christe. 



1) 'Serves nunc ea' ergänzte Giesebrecht ; 'stetisti petra' Baxmann. 
2) 'Sanctum Petrum' Dümmler; 'sanctum tu Petrum' B. •, 'exemplä patrum' 
V. "Winterfeld. 3) 'Ut possit' B., sicher zutreffend. -i) 'Te deus' BGr. 
= V. 35, sicher richtig. 5) 'Tu es os' Baxmann ; 'tu prees' v. W., 

wohl zu kurz. 6) 'Tu causas' v. W. ; besser als 'gratias' B. 7) Das 
naheliegende 'ligas' ist nach den Buchstabenresten ganz ausgeschlossen, 
die nur für 'iu' passen ; 'iugas' ist in dieser Verbindung ungewöhnlich ; 
'iugis' V. W. ; doch wäre zwischen g und s Raum für zwei Buchstaben. 
8) 'Imperat' B. mit widerstrebender Betonung; die Zeile muss wohl mit 
'Te' beginnen, v. W. schlägt 'Te curat' vor. 9) 'pervigil' D. sicher. 

10) Vgl. Römer 13, 3 : 'non enim sine causa gladium portat : dei enim 
minister est, vindex in iram ei, qui maluni agit' und I. Ep. Petri 2, 13 f. : 
'aubiecti estote omni humanae creaturae propter deum sive regi quasi 
praecellenti sive ducibus tamquam ab eo missis ad vindictam malorum, 
laudem vero bonorum'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 115 

Vetusta Antiochia te colit per omnia, 
20 Antiqua Alexandria tibi currit anxia, 
[Omnes orbis] ecclesie sunt in tua serie^ 

Babilonia ferrea et aurata Gr^cia 
Ottonem magnum metuunt, collis flexis serviunt. 
Mundo . . . [to] 2 per imperat, quem rex regum 

[liberat. Christa. 

25 Exulta, papa nobilis, maiestate nominis ; 

Sedem primam condecoras, secundam iam relevas. 
[T]ua claret prudentia in Gerberti dextera. 

Gaude papa, g-aude caesar, g-audeat ecclesia. 
Sit magnum Romae gaudium, iubilet palatium. 
30 Sub eaesaris potentia purgat papa secula. Christe. 

Vos duo luminaria, per terrarum spacia 
Illustrate ecclesias, effugate tenebras, 
Ut unus ferro vigeat, alter verbo tinniat. 

^, domne, erige, donum dei perspice *, 

35 Te deus fecit maximum et Petri ^ 

Tuos et tuaw'"' gloriam habe in memoriam^. 

[Christe. 

b. Versus de Ottone et Heinrico. 

Die folgenden, schon mehrfach gedruckten Verse sind 
in verschiedenen Hss. überliefert ', deren älteste, der Wiener 
Cod. 1322, von unbekannter Provenienz, noch dem zehnten 
Jahrhundert angehört. Sie sind darin auf dem Rande 
von fol. 48" — 52 von einer Hand saec. XI. eingetragen, 
aber zum Theil verblichen und sonst durch Fehler ent- 
stellt (V). Wesentlich besser ist der, wie es scheint, 
etwas jüngere Text auf dem zweiten Vorsatzblatte des 
cod. Monac. lat. 14516 (früher S. Emmerammi 516) saec. 
XI., auf dessen italienische Herkunft Dümmler aufmerksam 



1) Vgl. Constitutum Constantini: 'principatum teneat tarn super 
quatuor praecipuas sedes, Antiochenam, Alexandrinam, Constantinopoli- 
tanam et Hierosolymitanam quamque etiam super omnes in universo 
orbe terrarum dei ecclesias'. 2) 'cuncto perimperat' ? 3) 'Substrata' G. 

4) Oder 'prospice'; die Abkürzung ist nicht deutlich zu erkennen. 

5) 'auxilium' D. 6) Der Abkürzungsstrich über a ist nicht mehr 
erkennbar; vielleicht sollte die gradlinige Neunie zugleich dafür dienen. 
7) Die früheren Drucke und die Beschreibung der Hss. giebt Dümmler, 
a. a. 0. 73 ff. 

8* 



116 Hermann Bloch. 

gemacht hat (M). Dazu kommt eine dritte IJeberlieferung 
durch eine verlorene, jedenfalls am Niederrhein aufbewahrte 
Hs. X, aus der das Gedicht in den Cod. ßruxellensis 5540 
saec. XI./XII., vordem S. Petri Gemblacensis (B), und in die 
von Hartwig (Neues Archiv VIII, 382) beschriebene Sammelhs. 
der Hallischen Universitätsbibliothek (H) übergegangen ist ^. 
Die durch BH dargestellte Form des Gedichtes weist 
manche Abweichungen von der in den beiden anderen Hss. 
V und M gebotenen Gestalt auf: V. 25 — 27 fehlt in BH 
vollständig, V. 28 lautet anders, V. 31 — 33 ist durch drei 
völlig andere ersetzt, V. 34 endlich hat in der verlorenen 
Hs. X jedenfalls gefehlt, so dass die unvollständige Strophe 
in B und H unabhängig von einander durch Einschübe 
hinter V. 35 und 36 ergänzt wurde ; ausserdem stand wohl 
in X die nur durch B überlieferte Schlussstrophe mit der 
Anrufung des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ''. 
Die beiden in M und V fehlenden Strophen sind durch eine 
in den andern Theilen des Gedichtes nicht wieder vor- 
kommende Unreinheit des Reimes entstellt '^ und geben 
sich dadurch als spätere Zusätze, als Interpolationen eines 
anderen Verfassers, zu erkennen ^. Die durch BH erhaltene, 
auf eine interpolierte Hs. X als gemeinsame Quelle zu- 



1) Hier trägt das Gedicht die beachtenswerthe Ueberschrii't : 
'Planctus Leonis episcopi'. 2) Dass sie in H fehlt, kann nicht da- 

gegen angeführt werden , weil hier die Seite vollgeschrieben und für 
einen weiteren Vers kein Raum mehr zur Verfügung war. Dafür aber, 
dass diese Strophe schon in X stand und daher von dem Verfasser der 
darin eingeschobenen Verse 31 — 33 herrührt, spricht entschieden, dass in 
diesen derselbe Fehler wie in der Schlussstrophe begegnet : dort reimt 
'secula' mit 'teneat', hier 'spiritui' mit 'prodiit'. Aus diesem Grunde ist 
auch die von Dümmler vertheidigte Möglichkeit, dass die in B über- 
lieferte Schlussstrophe ursprünglich dem Gedichte angehört habe, auszu- 
schliessen. Zu beachten ist wohl auch, dass in X (BH) zwei Strophen 
fehlen, also vermuthlich schon hier zwei andere hinzugefügt worden sind. 
3) Vgl. die vorige Anmerkung. -4) V. 28 und V. 31 in BH könnten darauf 
deuten, dass die Interpolation in Ostfranken erfolgte. Sollte Leo das 
Gedicht seinem Freunde Heinrich v. "Würzburg (vgl. oben S. 90) , einem 
der ersten, der Heinrich II. anerkannte (vgl. Hirsch, Jahrb. Heinr. II. 
I, 214 f.), mitgetheilt haben? und würde es dann etwa von Würzburg in 
der interpolierten Fassung an den Niederrhein , zu Heinrichs Bruder 
Heribert von Köln gekommen seinV Andererseits sprechen die in N. 3 
erwähnten beiden Reime dafür, dass ein Italiener die beiden Strophen 
gedichtet hat. In Strophe XI (unten S. 121 N. 14) wird ohne Zweifel auf 
die Begrüssung des Kaisers durch die römische Judenschaft Bezug ge- 
nommen (vgl. Diemand, Ceremoniell der Kaiserkrönung -1 ff.). Dazu ist 
auch wohl die Graphia (OzaTiam, Monuments inedits 181 ) heranzuziehen : 
der Kaiser steigt auf das Capitol 'hebraice, grece et latine fausta acclaman- 
tibus'. Man könnte daraus schliessen, dass Strophe XI der Interpolation 
nach der Kaiserkrönung Heinrichs II. hinzugefügt sei. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 1 17 

rückg-eliende Ueberlieferung hat daher nur insofern Werth, 
als durch sie in den nicht eben seltenen Fällen, wo V 
und M auseinandergehen, die Entscheidung herbeigeführt 
werden kann. Es scheint, dass wir dadurch in die Lage 
versetzt werden, den originalen Text des Gedichtes mit 
voller Sicherheit herstellen zu können ^. 

Bedenken können nur wegen der Strophenfolge auf- 
steigen, denn wenn ich die letzten Strophen in unserm 
Drucke, dem M zu Grunde liegt, mit VIII, IX, X, XI, 

XII, XIII, XIV bezeichne, so würde die Reihenfolge in 
V durch: VIII, X, XI, XIII, XIV, IX, XII -' und die- 
jenige in BH durch: VIII, X, (XI), XIII, XII, XIV ^ 
wiedergegeben werden. Da in B die Strophe XI ausgefallen 
und durch (XI) ersetzt worden ist, so ist die Folge X, XI 
durch alle Hss. gesichert ; mit Rücksicht auf VM sind auch 

XIII, XIV hinter einander zu lassen, so dass XII — da man 
es doch an einen handschriftlich überlieferten Platz stellen 
will — wie in M vor XIII einzureihen sein wird^. Es ist 
überdies leicht erklärlich, dass in X (BH) bei dem Ein- 
schub der neuen Strophe XI sogleich auf XIII überge- 
sprungen und die versehentlich ausgelassenen Verse von 
XII erst danach niedergeschrieben wurden. Unbestimmt 
würde daher nur bleiben, ob IX an seiner, durch M be- 
zeugten Stelle zu belassen oder mit Rücksicht auf V vor 
XII oder nach XIV einzureihen wäre ^. Allein da V schon 



1) Ein Blick auf die Lesarten lehrt, dass V, M und X (BH) 
selbständig von einander sind. Ob sie alle unaj)hängig auf das Original 
oder dieselbe Abschrift zurückgehen, würde davon abhängen, ob sie ge- 
meinsame Fehler haben. V. 13 'crudus' (rauh), an dem P. v. Winterfeld 
(s. unten S. 118) Anstoss nimmt, scheint mir doch im Gegensatz zu 
'ignitus' (glühend) möglich, und auch in dem zweiten Verse möchte ich 
eher eine Ungewöhnlichkeit als eine Textverderbnis annehmen. Jedenfalls 
ist bei dem günstigen Stande der Ueberlieferung nur im äussersten 
Nothfall die Zuflucht zu einer Conjectur zu nehmen. 2) In V stehen 

auf der Rückseite von fol. 51 und der A^orderseite von fol. 52 die letzten 
Strophen so, dass zuerst über den oberen Rand von 51' und 52 die 
Str. XI geschrieben ist, auf dem linken Rande von 51' stehen IX, XII, 
auf dem rechten von 52 XIII, XIV. Ob IX, XII oder XIII, XIV eher 
geschrieben sind, ist nicht sicher zu entscheiden. Es ist also statt der 
im Text angenommenen Strophenfolge in V auch folgende möglich: 
VIII, X, XI, IX, XII, XIII, XIA^ Da ihre Erklärung viel \yeniger 
Schwierigkeiten macht, habe ich sie hier niu" erwähnt. 3) IX ist hier 
ganz fortgefallen, so dass die Uebereinstimmung VIII. X zwischen BH 
und V nur eine scheinbare ist. 4) Wo es ja vielleicht auch in V steht 

(vgl. N. 2). 5) IX am Ende nach XIV anzufügen, könnte man nur 

dadurch bewogen werden, dass alsdann die neue Schlussstrophe in X 
(BH) genau so an seine Stelle träte wie die neue an den Platz der alten 
Strophe XL Allein dagegen spricht der ganze Zusammenhang des Inhalts. 



118 Hermann Bloch. 

in einem andern Falle einen Irrthum begangen und die 
Strophen V und VI mit einander vertauscht hat und deshalb 
hier nicht für völlig zuverlässig gelten kann, so glaube 
ich auch in diesem Falle durch den Anschluss an die in 
M überlieferte Reihenfolge das Richtige zu treffen. Die 
dadurch gewonnene stoffliche Anordnung scheint mir völlig 
klar und den besten Sinn gebend. 

Wenn ich hiermit auf den Inhalt des Gedichtes ein- 
gehe, so muss ich zunächst im Anschluss an Dümmler 
bemerken, dass es in zwei Theile zerfällt, eine Klage auf 
den Tod Otto's III. und eine Begrüssung seines Nach- 
folgers. Allein beide können nicht zu gleicher Zeit ent- 
standen sein : diese ist nicht vor der Unterwerfung Deutsch- 
lands unter Heinrich II., also nicht vor dem October 1002 ^, 
gedichtet, während jene durchaus den Eindruck hervor- 
ruft, unmittelbar nach dem Tode Otto's III. niedergeschrieben 
zu sein. Zur näheren Begründung räume ich P. v. Winter- 
feld den Platz, der mir hierüber schreibt: 

'Der Rhythmus kann so, wie er jetzt vorliegt, als 
Ganzes nicht entstanden sein. Bis v. 18 liest man (ab- 
gesehen von V. 2, wo lacrimasque', und v. 13, wo 'furvus 
ploret occidens' guten Sinn geben würden ^) ohne Anstoss ; 
aber niemand, der, ohne durch die Ueberschrift beeinflusst 
zu sein, die Verse zum ersten Male liest, wird den Ein- 
druck haben, dass diese wirklich aus tiefstem Herzen 
kommende Todtenklage um den jugendlichen Kaiser die 
Unterlage bilden soll für eine Verherrlichung seines Nach- 
folgers. Sollte erst etwa mehrere Monate nach dem Tode 
Otto's diese Klage um den Dahingeschiedenen entstanden 
sein, und zu solchem Zwecke? Die Worte v. 11 f. machen 
durchaus den Eindruck, dass sie wirklich ehrlich gemeint 
sind: man erinnere sich nur, dass 1002 die Idee des Welt- 
endes wohl noch wirksam genug war, um solchen Ausdruck 
zu finden ; der Wortlaut ist biblisch und nach Matth. 24, 29 
oder Luc. 21, 25 geformt. V. 16 f. scheinen, wenn man 
sie mit v. 28 f. des ersten Rhythmus vergleicht, ziemlich 
ans Ende des Trauergedichtes zu gehören. Das spricht 
alles dafür, dass zunächst nur v. 1 — 18 und etwa noch 
eine Strophe gedichtet wurden, und zwar möglichst bald 
nach Otto's III. Tode, unter dem noch frischen Eindruck 
der Rath- und Trostlosigkeit. Später, als Heinrichs II. 



1) Am 7. Juni war Heinrich gekrönt worden, am 1. October hatte 
sich der letzte seiner Gegner, Hermann von Schwaben , unterworfen. 
2) Doch vgl. oben S. 117 N. 1. Bl. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 119 

Nachfolge gesichert war, benutzte der von Arduin und 
seiner Partei hart bedrängte Leo das alte Gedicht, um es 
in erweiterter Form Heinrich zu widmen und sich seinem 
Schutze zu empfehlen. Wahrscheinlich ist dabei der Wort- 
laut der ursprünglichen Schlussstrophe zu v. 19 — 21 ver- 
arbeitet worden. Ich denke mir die erste Fassung un- 
gefähr so : 

Vorabunt lupi populum; finis erit omnium; 
Mox ipsi cell compluent, elementa corruent; 
Mox Jhesus ad ultimum descendet iudicium^. — 

Vielleicht könnte man sogar meinen, dass unser Ge- 
dicht ebenso wie die Versus de Gregorio et Ottone zwölf 
Strophen enthalten und dann mit der bedeutungsvollen 
Aufforderung zur Bekämpfung Arduins geschlossen habe. 
Vielleicht hat Leo das Gedicht in dieser Gestalt an König 
Heinrich übersandt und erst bei seinem Aufenthalt in 
Baiern (vgl. oben S. 100) die beiden ihn persönlich be- 
treffenden Strophen hinzugefügt. 

Für den Druck war es mir möglich, H in Halle 
selbst einzusehen. Nachdem ich durch Schriftproben und 
Mittheilungen von Herrn Prof. 0. Redlich, für dessen Be- 
mühungen ich ihm wärmsten Dank ausspreche, die Ge- 
wissheit erhalten hatte, dass eine erneute Durchsicht des 
Wiener Codex (V) nicht ohne Erfolg bleiben würde, wurde 
mir durch die Liebenswürdigkeit des Vorstandes der K. K. Hof- 
bibliothek zu Wien die Hs. zur Benutzung nach Strass- 
burg gesandt; ebendorthin ward mir durch die K. Staats- 
bibliothek zu München der Codex 14516 (M) zur Einsicht 
geschickt. Beiden Verwaltungen sage ich meinen auf- 
richtigsten Dank. Für B musste ich mich auf die Wieder- 
holung der Angaben in Dümmlers Ausgabe beschränken. 

Ausser in den romanisierten Namensformen ist M 
der Orthographie des Abdruckes zu Grunde gelegt. 

Quis dabit aquam capiti? quis succurret- pauperi? 
Quis dabit fontes oculis, lacrimosos'^ populis^? 
Sufficientque "* lacrim§ mala mundi plangere? 



1) In M, wo das Gredicht uno tenore ohne Absätze und ohne Rück- 
sicht auf den Vers geschrieben ist, beginnen V. 22 und vielleicht V. 37 Ab- 
schnitte. Es ist natürlich nicht zu entscheiden, ob M hier einer Aeusserlich- 
keit seiner Vorlage folgt, oder ob der Abschreiber schon erkannte, dass 
hier eigentlich neue Theile beginnen. Bl. 2) 'quisuccurret' V. 3) 'la- 
crimosis' M. 4) 'populi' BH. Vgl. für V. 1 und 2 ler. 9, 1 : 'quis dabit 
capiti meo aquam et oculis meis fontem lacrimarum'. 5) 'suffici . tque' 
V ; 'sufficientes' M ; 'sufficient qu9' H. 



120 Hermann Bloch. 

Ad ^ triumphum ecclesi^ coepit Otto crescere '^ , 
5 Sumpsit Otto imperium, ut floreret seculum ; 
Vivo Ottone tercio salus fuit ^^ seculo ^. 

Postquam terrae malicia adscendit ad ^ sydera, 
In celum *" raptus abiit ^, regem caeli adiit ** ; 
Viva habet palatia in §terna patria. 

10 Regnorum robur periit, quando Otto^ cecidit. 
Dum Otto'* noster moritur, mors in mundo oritur, 
Mutavit c^lum^*^ faciem et terra imaginem. 

Plangat^^ ignitus oriens, crudus ploret^^ occidens, 
Sit ^^ aquilo in cinere, planctus in meridie ; 
15 Sit ^^ mundus ^* in tristitia^^, nostra fugit cithara^*'. 

Plangat mundus, plangat Roma, lugeat ecclesia! 
Sit nullum Eom§ canticum, ululet palatium^'! 
Sub cesaris absentia sunt ^* turbata secula. 



Vorassent lupi populum, finis esset omnium, 
20 Ipsi caeli conpluerent, elementa ruerent^'*, 
Nisi Heinricus^^ viveret, nisi princeps fieret 



21 



Contra deum ^'^ consilium nee magnum nee mini- 



mum 



23 



In tribus pene mensibus omnis cessit gemitus. 
Heinrieum-^ sine sanguine^^ prefeeit monarchiae ^^. 



1) 'At' V. 2) 'crecere' V. 3) 'fuit' über getilgtem 'mundi' V. 
4) 'populo' M. 5) 'a sidera' V. 6) 'in celum in celum' V. 1) 'abit' V. 
8) 'adit' V. 9) 'Oto' M. 10) 'C?lum mutavit' H. 11) In V folgen hier Vers 
16 — 18 und erst an diese schliessen sich 13 — 15 an; beide Strophen sind also 
vertauscht. 12) 'Plangat crudus' H. 13) 'Sic' H. 14) 'sit mundus' 
über der Zeile nachgetragen in V. 15) Davor 'versutia' durch Unter- 

streichen getilgt in H. 16) 'nostra tage cythara' V ; sollte hier, was 

nach den Resten möglich, 'fuit' stehen, so verdiente die Corr. in M. Be- 
achtung, wo ursprünglich 'fuit' stand und 'g' von dem Schreiber erst 
nachträglich über der Zeile zugefügt ist; 'fugit nostra cithara' B; 'fugat 
n. c' H. 17) 'palcium' V. 18) 'sint' V. 19) 'ruerunt' V. 

20) 'Enricus' M; 'Henricus' BH. 21) 'rex et victor fieret' M. 

22) 'dei' H. 23) Proverb. 21, 30 'non est consilium contra dominum'. 

24) VH; 'Enricum' M; 'Henricum' B. 25) 'saguine' V. 26) 'mo- 

tharie' V. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vereelli. 121 

25 Quod^ nulla arma bellica, hoc dei potentia-; 
Quod non est ante secula'^ nostra habent tempora. 
Festinat mundus undique ad ^ Heinricum ^ currere •^. 

Triumphat'' Baioaria^ fortis ^ servit ' ^rancia^ 
Collum cassa^ fallatia flexit ^*^ Alemannia ^\ 
30 Dat manus Lotharingia ^-, fida est Thuringia ^^. 

Pugnax 1* currit Saxonia, ad subiectum obvia. 
Recepit iugum ^^ solitum Sclavus ^'' in obprobrium 
Ut sub tributis^' serviat, sicut quondam fecerat^^ 

Regum ^^ creatrix maxima clamat iam Italia ^^ : 
35 'Heinrice -^, curre ^^, propera, te expectant omnia. 
Nnmquam sinas'-^ te principe Arduinum^^ vivere' ^*. 

Currunt isti, currunt illi, fit concursus omnium; 

Germania et Belgica--^ torva curvant-* genua, 
Currit Leo et patriam -^ credit Baioariam ^''. 

40 Numquam Heinricus '-'^ gaudeat-', numquam felix 

[valeat -®, 
Si Leonem episcopum non faciat -'■' ditissimum, 

Si non submittat-^° legibus ^^ hostes eins pedibus ^'-. 



1) Diese Strophe, v. 25—27, fehlt in BH; in M, dem wir hier 
folgen, steht sie hinter v. 24; in V, wo sie zum grossen Theile 
abgerieben ist, vor v. 34 — 36. 2) 'tia — secula' abgerieben in V. 

3) 'ad — curre' abgerieben in V. 4) 'Enricum' M. 5) 'Ottonis sub 

absentia orientalis' BH. 6) 'Baioara' V, 'Bagoaria' M. 7) 'spernit' 

durch Unterstreichen getilgt und am Rande durch 'sprevit' ersetzt in H. 
8) 'Frantia' B, 'Franc . .' V. 9) 'cassat' BH. 10) 'flectit' V. 

11) 'AUemania' V. 12) 'Lotharinga' H. 18) 'Turingia' M; 'Thurin- 

niga' V; 'Thuringa" H. 14) Diese Strophe, v. 31—33, fehlt in BH; 

dafür steht dort folgende : 'Post Henrici ('ost Henricici' B) vestigia omnis 
currit Francia, Currit ludea ('ludea' H) patria lingua clamans hebraica: 
Heinricus ('Henricus' H) jjer secula principatum teneat'. 15) Abgerieben 
in V. 16) 'Sdavis' V ; in M scheint uu aus ui corr. 17) 'tributo' V. 
18) In BH folgte hier erst v. 37 — 39 ; über die Stellung der Strophen in V 
vgl. die Vorbemerkung. Der Vers 'Regum — Italia' fehlt in BH vollständig ; 
dafür ergänzen beide selbständig einen Vers : 'Adauge pacem populis 
pone finem iurgiis' B hinter v. 35; 'Cunctos invidos perime, Raptores de 
terra proiice' H hinter v. 36. 19) 'Italia — curre' abgerieben in V. 

20) 'Enrice' M ; 'Henrice' H. 21) 'feras' H. 22) '. . . . inum' V. ; 

'Harduinum' B ; 'Harduuinum' H. 23) 'et Belgica' abgerieben in V ; 

'bellagica' M. 24) 'curvavit' B ; 'flectit' V. 25) MV, doch 'Bagoar.' B, 
'Baioar.' abgerieben in V ; 'patria currit Baioaria' BH. 26) 'Enricus' 
M; 'H.' B; 'Henricus' H. 27) 'valeat' M. 28) 'gaudeat' M. 29) 'fecerit' 
B. 30) 'summittet' M. 31) 'legibus' abgerieben in V. 32) In B 

folgt noch eine Strophe: 'Gloriam patri domino canamus et filio, Ab utroque 
qui prodiit gloriam spiritui, Qui det H. gratiam et Ottoni gloriam'. In 



122 Hermann Bloch. 

V. 

Der Cod. LXXXII der Vercelleser Capitelsbibliothek 
(27 cm breit, 34 cm hoch) enthält den Commentar des 
Haimo zum Propheten Isaias und gehört, wie ich mit 
voller Bestimmtheit sagen kann, dem 10., spätestens dem 
Beginn des 11. Jahrhunderts an. Er beginnt mit den Worten: 
'Praefatio in librum Isaiae prophetae domni Aymonis', die 
von der Hand des Textschreibers herrühren, und er ent- 
hält auf dem letzten Blatte einen Eintrag saec. X./XI. : 
'Expositio domni Aymonis super Isaiam'. Auch dieser 
Codex beweist also, dass Hauck ^ mit seiner Vermuthung, 
der Mönch Haimo von Hirschau - habe die bisher dem 
neunten Jahrhundert zugewiesenen Schriften verfasst, 
mindestens was den Isaiascommentar anbetrifft, nicht das 
Richtige getroffen haben kann^. 

Poch für uns ist hier nicht sowohl diese Feststellung 
von Bedeutung als vielmehr ein Eintrag auf der Rückseite 
des vorletzten Blattes in dieser Hs. : dort steht in 8 Spalten 
nebeneinander von einer Hand des X. — XL Jahrhunderts 
ein Gedicht, das zur Geschichte Leo's von Vercelli in 
irgend welcher Beziehung steht. Leider muss wohl die 
Zusammensetzung der Tinte schädigend auf die Hs. ein- 
gewirkt haben, die insbesondere am linken und oberen 
Rande wie zerfressen erscheint, so dass ein Theil der ersten 
Spalte und eine Anzahl von Versen am Beginn aller Spalten 
nicht mehr zu entziffern sind. Im übrigen ist aber der 
Text, wenn auch einzelne Buchstaben hie und da un- 
deutlich sind, doch mit Sicherheit zu lesen. 

Einzelne Zeilen und wenige Buchstaben stehen auf 
Rasur, während es an Correcturen fast völlig fehlt, eine 
solche von sachlicher Bedeutung findet sich nirgends. Ein 
oder zwei Fehler (die nur einem Copisten zur Last fallen 
können), befestigen den Eindruck, dass hier nicht die Original- 
niederschrift, sondern nur eine Abschrift erhalten ist. 



H steht dieser Vers nicht, doch ist dort kein Platz mehr auf der Seite, 
so dass der Sammler ihn deswegen vielleicht nicht abschrieb, trotzdem er 
ihn in seiner Vorlage fand. 1) Kirchengeschichte Deutschlands II, 597 
N. 3. 2) Er folgte Wilhelm 1091 als Abt von Hirschau. 3) Andere 
ältere Codd. der Commentare Haimo's hat schon Traube MG. Poetae 
latini III, 422 N. 4 nachgewiesen. Der sogenannte Anonymus Mellic. 
c. 76 (ed. Ettlinger S. 80) nennt einen Haimo von Aujierre, der doch 
wohl der Lehrer Heirich's sein wird, dann aber nicht Bischof von Halber- 
stadt gewesen sein kann, als Verfasser der Commentare. Wären sie von einem 
Hirschauer, so würde der Anonymus Mellicens,, der über die Hirschauer 
Schriftstellerei sehr genau unterrichtet ist, dies sicher bemerkt haben. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 123 

Das Gedicht ist im adoiiisehen Metrum ^ abgefasst 
und zeigt entschiedene Neigung zum Reim-, der indessen 
nicht völlig durchgeführt ist. Besonders merkwürdig sind 
die in unregelmässigen Zwischenräumen wiederkehrenden 
zweizeiligen Refrains ; durch die mitten im Gedicht (2, 44: f. 
2, 59 f.) wechselnde Form desselben werden zwei auch in- 
haltlich getrennte Theile darin geschieden. Nach einer 
Einleitung, in welcher der Verfasser sein widriges Geschick 
beklagt =^, erzählt er zunächst die im Mittelalter weit 
verbreitete Fabel vom Esel in der Löwenhaut*. Allein 
er schliesst an sie eine sonst nicht bekannte Fortsetzung 
an, in welcher der Wolf die Hauptrolle spielt. Die Thiere, 
welche den vermeintlichen Löwen ergriffen haben, wollen 
ihm nicht glauben, dass er nur der Esel sei, und verlangen 
einen Bürgen für ihn. Als solchen schlägt der Fuchs den 
Wolf vor, welcher in der That den Eid leistet. Der Esel 
wird ihm anvertraut, aber der treulose Wolf verschlingt 
ihn in der Stille der Nacht. Das Verschwinden des Esels 
wird indessen im Thierreiche ruchbar; der Löwe wird da- 
von in Kenntnis gesetzt und beruft alle seine Getreuen 
zum Gericht an den Hof. Ihre Ankunft daselbst, die 
Gerichtssitzung, die Verurtheilung des Wolfes und sein 
Tod, endlich das Festmahl der Thiere sind die Haupt- 
momente dieses Theils, von denen einzelne zwar in andern 
Thierfabeln angedeutet werden ^ die aber in dieser Ver- 
bindung sonst nicht vorzukommen scheinen. Indem am 
Schlüsse die Lehre gezogen wird , dass man sich hüten 
müsse, irgend jemandem zu trauen als nur Gott allein, 
wird anscheinend die Untreue des Wolfes in den Mittel- 
punkt der Erzählung geschoben. 

Da wir es also hier nicht mit einer in der Hauptsache 
dem gewohnten Fabelkreis entlehnten Erzählung zu thun 
haben, wird zu erwägen sein, ob bestimmte Ereignisse zur 

1) Vgl. über dieses Versmass und sein Vorkommen Müllenhoff und 
Scherer, Denkmäler Deutscher Poesie und Prosa II', 127. 2) Vgl. 

z. B. 3, 18. 3) Der Uebergang zu der Fabel ist, weil der Schluss der 

ersten und der Beginn der 2. Spalte unleserlich sind, nicht zu erkennen, 
-l) Vgl. darüber die von Voigt in seiner Ausgabe der Fecunda ratis des 
Egbert von Lüttich S. 143 zu V. 811 verzeichneten Stellen. Von den bei 
Hervieux, Les fabulistes latins III gedruckten Fabeln, die diesen Stoff 
behandeln, steht diejenige des Poeta Ästensis (p. 376) durch einige Detail- 
züge unserem Gedicht am nächsten. 5) Berathung der Thiere und die 
Vertheilung des getöteten Thieres an die am Hofe anwesenden finden 
sich z. B. iu verschiedenen Formen der Fabel vom Löwen, Fuchse und 
Hirschen (Hervieux III, 502 ff.). Der Wolf frisst den Esel (Hervieux 
III, 349). Herr Prof. Martin machte mich auch auf die Erzählung des 
Marners ed. Strauch 118 f. (XV, 7) aufmerksam. 



124 Hermann Bloch. 

Erfindung derselben den Anlass gegeben, ob wir es hier 
nicht sowohl mit einer Fabel als mit einer Satire zu thun 
haben. Um darüber ein Urtheil zu gewinnen, müsste man 
indessen den Autor und die Entstehungszeit des Gedichtes 
kennen. Von den Schicksalen des Verfassers erfahren wir 
mancherlei: in hervorragender Stellung hat er unter der 
Feindschaft zahlreicher Gegner zu leiden gehabt und ist 
endlich deren Umtrieben zum Opfer gefallen, so dass er 
nun allen zum Gespött , ein Flüchtling geworden ist, der 
alles verloren hat, was ihm Kaiser Otto und was ihm die 
Welt geschenkt haben. Ist schon aus dem Stande seiner 
Bildung zu vermuthen, dass der Dichter ein Geistlicher 
war, so erweisen diese Worte, dass er einer Kirche vor- 
gestanden hat, dass er also wohl Bischof gewesen ist und 
als solcher vom Kaiser und den Gläubigen reiche Gaben 
erhalten hat. 

Noch einen Schritt weiter führt der eine der beiden 
Namen , der im Gedicht ausser Otto vorkommt : Leo. 
Dreimal wird dieser genannt, und es kann keinem Zweifel 
unterliegen, dass mit ihm in dem nur in einer Vercelleser 
Hs. von einer Hand des X./XI. Jahrhunderts überlieferten 
Gedicht nur Leo von Vercelli gemeint sein kann. Unter 
dem Otto genannten Kaiser muss also Otto III. ver- 
standen werden ; die Entstehung des Gedichts wird daher 
um die Wende des Jahrtausends anzusetzen sein, ohne 
dass doch seine Abfassung in den ersten beiden Jahr- 
zehnten des 11. Jh. unmöglich wäre. Denn dass es noch 
zu Lebzeiten Otto's III. verfasst ist, bleibt unsicher, da 
die Deutung des 6, 21 angeredeten Ugo auf den am 21. 
December 1001 verstorbenen Markgrafen Hugo von Tuscien 
gar zu unbestimmt ist, wenn auch gerade dessen nahe 
Beziehungen zu Leo von Vercelli anderweit gut beglaubigt 
sind ^ 

Allein damit sind wir zunächst an der Grenze des 
Bestimmbaren angelangt. Wohl würden die Worte (6, 20 f.): 
'Hie, Leo, scribe. Hie, Ugo, ride' mit ihrer Unterscheidung 
des Schreibenden und des Lachenden sehr wohl die Er- 
klärung zulassen, dass hier Leo als Verfasser, Ugo als 
Empfänger und Leser nebeneinander gestellt werden, und 
es wäre auch wohl möglich, dass Leo sich selbst über sein 
Ungemach tröstete und sich ermahnte (7, 58): 'Omnipo- 
tenti. Tu, Leo, servi'. Ja, die Stimmung und die Moral 
des Gedichts entspricht nicht übel den Gedanken, die wir in 



1) Vgl. oben S. 90. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 125 

dem oben ^ abgedruckten zweiten Briefe Leo's an Heinrich II. 
kennen lernen, wo er sieb über seine einstigen Freunde 
Heribert von Köln und Heinrich von Würzburg beklagt 
und fürchtet, dass der Kaiser glimpflicher mit seinen 
Feinden als mit seinen Anhängern umgehe. Auch von 
den reichen Geschenken, die Otto III. ihm gegeben hat, 
legen die Urkunden uns hinreichend Zeugnis ab. Selbst 
der Hass der Mönche - gegen Leo ist für uns begreiflich ^. 
Andererseits aber spricht mancherlei gegen die Annahme, 
dass der Bischof die Verse verfasst habe. Denn selbst 
wenn wir es nur der mangelhaften Kenntnis von den 
Vorgängen in Oberitalien zuschreiben wollten, dass wir nicht 
zu sagen wissen, wann Leo sich einem 'effuga' vergleichen 
konnte, und dass wir weder die Personen noch die Er- 
eignisse der Fabel mit Menschen und Vorkommnissen, die 
in Leos Leben eine Rolle gespielt hätten, zu identificieren 
vermögen, so ist doch der Schlussvers nur schwer zu er- 
klären, wenn er von Leo selbst geschrieben ist. Mit der 
Fassung desselben wäre dies vielleicht noch zu vereinen, 
grössere Schwierigkeiten macht die Deutung. Man müsste 
dann nämlich übersetzen: 'es wird nicht immer Winter 
sein'. Der Verfasser würde sich also durch die Hoffnung 
auf eine Wendung seines widrigen Geschickes trösten; die 
beiden unten angeführten Horazstellen könnten wohl 
hierfür verwerthet werden. Aber die von P. v. Winterfeld 
herangezogene Stelle aus Seneca würde , wie dieser mit 
Recht mir gegenüber betont, die umgekehrte Deutung be- 
nöthigen: 'es wird nicht immer Festtag sein'. So müsste 
das Gedicht von einem in Unglück befindlichen Gegner 
des siegreichen Leo an diesen gerichtet sein ; ich gestehe 
aber, dass ich dann wenig mit ihm anzufangen weiss und 
namentlich, um von kleineren Bedenken zu schweigen, 
nicht glaube, dass ein Feind in so bewusster Weise, wie 
es in der Fabel hervortritt^, die Beziehung des königlichen 
Löwen auf Bischof Leo nahe gelegt hätte. Wenn daher 
nicht dieser selbst das Gedicht gemacht hat\ so würde ich 
immer vermuthen, dass hier ein Nothschrei, ein Hülferuf 
eines der ihm befreundeten Bischöfe an ihn vorliege*'. 

1) S. 18 ff. 2) Sp. 1, 29 f. 3) S. oben S. 106. 4) Vgl. 

insbesondere Sp. 2, 9 ff. 5) Die Möglichkeit, dass der Schlussvers von 

dem etwa Leo nahe stehenden und etwa noch unter ihm schreibenden 
Copisten in Cod. LXXXII hinzugefügt sei, erwähne ich, ohne sie ver- 
werthen zu wollen. 6) Es mag darauf aufmerksam gemacht werden, 
dass Gerbert zur Zeit der Abfassung des berühmten Briefes 'Scio me 
divinitatem' (ed. Havet 170 n. 185) etwa in der Lage war, in der uns der 



126 Hermann Bloch. 

Eine Entscheidung, in welcher Weise der Schlussvers zu 
erklären ist , darf vielleicht von philologischer Seite er- 
wartet werden; bis dahin niuss auch die Autorfrage eine 
offene bleiben. 

Nicht unwesentlich für sie und für das Verständnis 
der Fabel würde es ferner sein, wenn die philologische 
Forschung das Wort 'sparo', das in der Fabel dreimal vor- 
kommt, endgültig erklären würde. Sehr wichtig wäre 
schon die Feststellung, ob es anderweit gebraucht wird; 
denn wenn dies nicht der Fall ist, so würde man nicht 
umhin können, in 'sparo' ebenso wie in den 'sparonistae' 
bei ßenzo ^ eine Beziehung zu Arduins Besitzung 'Sparono' - 
zu sehen, die im Chron. Novaliciense als 'Sparronis castrum' ^ 
bezeichnet wird. Die 'bestia sparonis' in der von Leo 
gedichteten Elegie auf Bischof Petrus^ bedeutet sicher 
einen Mann Arduins und legt es nahe, auch die 'mula 
sparonis' der Fabel so zu erklären. 

Müssen wir daher einstweilen diese Fragen unent- 
schieden lassen, welche die Competenz des Historikers 
überschreiten, so muss auch die litterarhistorische Würdigung 
und Untersuchung etwaiger Quellen des Gedichtes Be- 
rufeneren überlassen bleiben. Es zeigt uns jedenfalls, dass 
die Thierfabel, von der wir ältere Belege aus dem Mittel- 
alter nur durch die Ecbasis captivi besitzen, keineswegs 
vergessen gewesen ist; nicht nur der Hauj)tinhalt des 
Gedichtes, auch einzelne kleine Nebenzüge ° verrathen, 
wie sehr dem Verfasser der Anschauungskreis der Fabeln 
vertraut war. Die annähernd sichere Bestimmung der 
Entstehungszeit erhöht den litterarhistorischen Werth. 

Diese einleitenden Bemerkungen sollen nur Hinweise 
auf die Aufgaben bieten, welche für die Beurtheilung des 
Gedichtes zu lösen sind, und andern Forschern, wenn 
möglich, den Weg verkürzen. Ich habe meine eigentliche 
Pflicht hier nur darin sehen können , einen möglichst zu- 
verlässigen Text zu liefern. Die werthvollste Hülfe brachte 
mir hierfür Dr. P. v. Winterfeld, dessen Vorschläge zur 



Verfasser der Fabel entgegen tritt, und dass auch anderes dafür spricht, 
sie Cxerbert zuzuschreiben. Aber, wie schon oben S. 105 bemerkt, lasse 
ich hier alle die Gerbertforschung berührenden Fragen unerledigt; sie 
können nur in anderm Zusammenhange erwogen werden. . 1) Mon. 
Germ. SS. XI, 635 v. 19 : 'Ardoinum, qui se regem dicebat in gentibus, 
Diademate privavit, sparonistis flentibus'. Vgl. über diese Worte Löwenfeld, 
Leo von Vercelli 69. 2) DO. III. 383. 3) Mon. Germ. SS. VII, 128. 
4) S. oben S. 109 V. 3. 5) Vgl. S. 128 N. 8 ; 131 N. 1 ; 132 N. 2. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 127 

Textherstellung es mir mehrfach erst ermöglichten, auch 
an schlecht erhaltenen Stellen, die ich zunächst nicht ent- 
ziffern konnte, noch sicher Worte zu lesen, und der durch 
seine Ergänzungen und die Verweise auf die benutzten 
lateinischen Schriftsteller das Verständnis des Gedichtes 
wesentlich gefördert hat ^. Für gütigst ertheilte Winke 
und freundliche Unterstützung bin ich ausserdem den 
Herren Professoren Dr. Gröber und Martin, sowie Herrn 
Dr. Heinze zu Dank verpflichtet. 

Bei dem Druck habe ich davon abgesehen , selbst- 
verständliche und völlig sichere Ergänzungen in den Text 
aufzunehmen, sondern habe auch sie in die Anmerkungen 
verwiesen, damit der Stand der TJeberlieferung vollständig 
deutlich sei. Wird dadurch an einzelnen Stellen die 
Leetüre erschwert, so wird doch, wie ich hoffe, das Gedicht 
auch in dieser Gestalt sich die Freunde erwerben, die es 
durch die Plastik der Schilderungen und die oft humor- 
volle Darstellung: verdient. 



Spalte 1. 
Etwa 6 Zeilen fehlen. 

ess . . 

oru . 

per . . . 

10 uen . e 

Effuga regno 

tus" essem. 

Sed quia s§pe ^ 

.... bus unus 
15 . . . ego feci : 

Hos ego scivi. 

Hos ego vidi, 

. . . quasi vulpes 

. . . ce . a regni 
20 . , . pharisei 

. . m meruere. 

Qti^ nebulones 

/mposuere. 



luere 



coffor. 



25 Hoc modo grande, 

Malus inante. 

Nam, quod et hebes 

Horret Apella^ 

Nee resalutor 
30 Per benedictos 

Nee prohabundo 

. . .^ benefactis. 

Hoc modo grande, 

Malus inante. 
35 Ut refugarum 

Rusticus unus, 

Omnia perdo, 

Qu§ dedit Otto! 

Omnia perdo, 
40 Qu§ dedit orbis 

. . te ' Corona, 

Quem modo versu 



1) Alle seine Anmerkungen sind mit: v. W. unterzeichnet. 
2) 'Perditus'. 8) Die folgenden Verse scheinen etwa in der Weise zu 
ergänzen: 'Sed quia s§pe Omnibus unus Hoc ego feci : Hos 

ego scivi. Hos ego vidi, Qui quasi vulpes Yiscera regni Vel 
pharisei Comminuere' v. W. 4) 'Solvere'. 5) 'Credat ludäeus 

Apella' Hör. Sat. I. 5, 100. 6) 'Pro'. 7) 'Ante' v. W. 



128 



Hermann Bloch. 



Dicere non est ^. 
Hoc modo grande, 
45 Mains inante. 
Pondere fractus, 
. abnl . - f actus, 
P . 11 . . .-^ signor, 



50 



e . . . . e'^ p . . . gor 5, 



eus " istis, 

i^ama futuris. 

Hoc modo grande, 

Malus inante. 

Audet iiiaudax ' 
55 Ludere vulpes 

. . repara[t]a 

. u . . . e gall?'^. 

g- . Ulis 

. . . . a nostris. 
60 

... US in . nt . .^ 

Spalte 2. 
Etwa 5 Zeilen fehlen. 

. . . /// . he .10 

Hoc modo grande, 

Malus inante. 

De . . d . . ere ^^ 
10 Iura leonis 

Fana sparonis, 

Nee repetita 

Multa leoni[s] 

Longa cohercet 
15 F[u]rta sparonis. 



Hoc modo grande, 
Maius inante. 
Nocte sol[u]ta 
Curta sparonis 

20 Ferrea rupit 
Mula capistra^'^, 
Cuius, ut olim 
Si leo lumbos 
Sepe dolaret ^-^ 

25 Oi-dea fleret, 
Fleret avenam; 
Putida cares 
Nee foret Uli 
Nobile stramen. 

30 Hoc modo grande, 
Maius inante. 
Terruit hostes 
Pelle leonis 
Tectus asellus ; 

35 Sed quia saltu 
Nee spaciatur 
Nee per apertum 
Colluit atrox 
Nee furiosa, 

40 Yertice staute, 
Lumina torquet ^^ - 
Ut cito repsit, 
Sic cito mersit. 
Hoc modo grande, 

45 Maius inante. 
Nain quia rudit 
Et pede nullo 



1) Horatii Sat. I. 5, 87 : 'quod versu dicere non est'. 2) 'Fabula' vgl. 
Horatii Epod. XI, 7 : 'Heu me, per urbem, nam pudet tanti mali, Fabula 
quanta fui' ! 8) 'Pollice', wozu zu vergleichen ist Ovidii Amores III. 

1,19 — 22 'Saepe aliquis digito vatem designat euntem - Fabula, nee 
sentis, tota iactaris in urbe' v. W. 4) 'Verbere' v. W. 5) 'plangor'. 
6) 'Dedecus' v. W. 7) Vgl. Horaz Carm. III. 20, 3 v. AV. 8) Vgl. 

die Fabeln Grallus et Vulpes bei Grimm und Schmeller, Latein. Gedichte 
des X. und XI. Jh. 345 fF. und Hervieux, Les fabulistes latins II, 747. 
783. 9) Die beiden letzten Verse sind jedenfalls zu ergänzen 'Hoc 

modo grande, Alaius inante'. . 10) Wie viel dahinter fehlt, ist nicht zu 
erkennen. 11) 'Deperdidere' ? 12) Zu 'curta — mula' vgl. Hör. Sat. 
I. 6, 104: 'Nunc mihi curto Ire licet mulo'. 13) Hör. Sat. I. 5, 22: 
'Ac mulae nautaeque caput lumbosque saligno Fuste dolat'. 14) Prudentius 
Peristephanon 5, 203 : 'Insana torquens lumina' v. W. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelh. 129 



Spargit arenam, 
ISTam quia loiigas 

50 Excutit aures, 
Nam qnia tergum 
Pulvere versat 
Et male sutum 
Tergus omittit, — 

55 Notus hie idem, 
Qui fuit ante, 
Ceditur usque 
Fnnus ad ipsum. 
Hoc modo iuste, 

60 lustius uude. 
Cesus ab hirco 
Fuste salig-no ^ 
Ante peredit, 
Ante redemit, 

65 Que mala fecit. 

Spalte 3. 
Etwa 4 Zeilen fehlen. 



sa 



ta 



Pulvernlent . 
D 

10 Verc 

Inraf acervos, 

t f^sos 

e tirsos. 

. . . . at^ uf ante, 

15 Ruf//t iit ante, 
Testis ut ipse 
Euditus esset, 
Qnod miser ipsus 
Esset asellus, 

20 Qui latuisset, 
Non leo frendens, 
Qui furuisset. 
Quam mereatur 



In synagoga, 

25 Staute priore 
Nomine, pastum ! 
Hoc modo iuste, 
lustius unde. 
Sed bene turba 

30 Non sibi credit, 
Ni vade tali 
Sponsio surgat, 
Qui sit et illi 
Proximus usque 

35 Et velit omnem 
Ponere pacem. 
'Est lupus', inquit, 
'Gratus asello' 
Garrula vulpes; 

40 'Frigora tutus, 
Solis et iram 
Transiget omnem, 
Qui sibi credit'. 
Hoc modo iuste, 

45 Histius unde. 
Creditur illi, 
Plauditur illi; 
Lingua dolosa 
Sed blateravit: 

50 Post quod aperta 
Causa probavit^. 
Nam lupus illex 
Deierat ultro — 
Et malefidus 

55 C§nat asellum. 
lus et amicis 
Dulce ferendum 
Nocte ligurrit^. 



10 



Spalte 4. 
Zeile 1—9 fehlen. 

rn . f 

. . , . f . mo". 



1) Vgl. oben S. 128 N. 13. 2) Wie viel Buchstaben am Ende dieser 
und der folgenden Zeilen fehlen, ist nicht zu erkennen. 3) 'clamat' v. A7. 
4) Vgl. Harster, Vitae sanctorum IX metricae II, 17 : 'quod postea causa proba- 
vit'. v. W. 5) Hör. Sat. I. 3, 81 : 'tepidumque ligurrierit ius'. v. AV. — Sollte 
hier nicht ein Wortspiel ('ius' = Brühe = Recht) vorliegen? 6) 'fimo' v.W. 

Neues .\rchjv etc. XXII. 9 



130 



Hermann Bloch. 



Hoc modo grande, 
Malus inante. 
In de leoni 

15 Hör . . . . ^ turba, 
Turba pilosa, 
Quod lupus iste 
Sit cruce dig-nus, 
Suggerit omnis. 

20 Omnia legem, 
Omnia regem 
Monstra precantur. 
Hoc modo iuste, 
Instius unde. 

25 H§c leo postquam 
Fervidus audit, 
Ante kalendas 
Omnia regna 
Mandat adesse. 

30 Scriba camelus 
Annotat ista 
Tempora velox 
Atqne calente 
Omnia c§ra 

35 Addocet omnes. 
Hoc modo iuste, 
Instius unde. 
Tempore dicto 
Agmen agreste 

40 Confluit, ecce ! 
Scola paludum 
Currit in unum 
Atque tributim 
Atria circum 

45 Magna leonis, 
Utpote regis, 
Castra requirunt. 
Montibus ortus 
Advenit orcus, 

50 lanitor aule '' 
Lege parentum. 



Quam bene custos 
Orcus et ultor. 
Namque poetis 
55 Si bene credis, 
Non sibi vecte, 
Non opus ense : 
Moenia solus 
Servat^ et hostes 

Spalte 5. 
Zeile 1. 2. fehlen. 
Mu . . ra f . rte 
.... is .... ex 

5 t . . . . n\\8 

6 — 9 unlesbar. 

10 . . od . t 

11. 

R .... s .... e 

Für . . OS 

V ... CO o 

15 Auf 

Pr . . o . . . . 

bo . . . . 

a . reg* 

Efferus ursus, 
20 Grandis ut alter* 

Mons palearum, 

Rupibus imis 

Advenit, orbis 

Una columna, 
25 Compatre fauno 

Nunc saliendo. 

Nunc recinendo. 

Et 'Lupe', clamat, 

'Impie ! nostrum 
30 Redde parentem. 

Redde tonantem 

Sicut olorem 

Et simulantem 

Presbiterouta 



1) 'Horrida'. 2) Hör. Carm. III. 11, 16: 'Cessit inmanis tibi 

blandienti lanitor aiilae' ; Verg. Aen. VIII, 29(5: 'ianitor orci'. v. "W. 
;5) Verg. Aen. XI, 506 : 'moenia serva'. Der folgende Vers 1 der 5. Sp. 
mag 'inde i)ropellit' gelautet haben, v. "VV. 4) 'alt' cod. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VercelH. 131 



35 Vocis honore ^ 
Hoc modo iiiste, 
lustius unde. 
His ita dictis 
A grege toto, 

40 Cur Faraoni 
Dedecus ingens. 
Cur ita damnuin 
Flebile regno 
Fecerit amens, 

45 Cur sceleratis 
Ausibus eius 
Sepe senatüs 
Lectus ab §vo, 
Principe c§so, 

50 Sordeat ordo, 
Atque per illum 
Publica cura 
Legis et usus 
Imminuatur, 

55 Ense iubetur 
Dicere stricto 
Reddere verbum 
Nescius ullum. 
Fit cito mutus 

60 Plaugere doctus, 
Lingere promptus. 
Hoc modo iuste, 
lustius unde. 



lustiws unde. 
.... bus inde 
t 
Et audet 

15 Et .af . . . . g . . 
. . \e\\\t -Arsit 
S . . a fre . • sis^ 
. elua ^ fingit 
Docta tepores. — 

20 Hie, Leo, scribe, 
Hie, Ugo, ride. — 
Nau^edit omni 
Tempore bucca, 
Sed modo culus 

25 Nauseat ultra, 
Nee sibi fracta 
Creditur ansa. 
Nam male sufflat 
Et male runcat, 

30 Mugit et hinnit, 
Cornua fingit; 
ludic/s auris 
Ipsa reti^?/at, 
Ut reparato-^ 

35 Turbinis echo. 
Subtonuisse 
Credere possis. 
Contio putet, 
Putet harena, 

40 Sordet et ipsa 
Sanctio legum 
Propter oletum. 
Credere velles, 
Quod medicata " 

45 Fraude luporum 
Reddere nulluni 
lanique sej)ultum 
Vellet asellum. 
At criticorum 

50 Bestia mendax 



1) Die Stimme des Priesters wird mit derjenigen des Esels ver- 
glichen in der Fabel bei Hervieux III, 350 f. 2) 'vafer urguet' v. W. 
3) 'S§va frenesis' v. W. 4) 'Belua'. 5) 'reparata' ? Vgl. Persius 1, 102: 
'reparabilis adsonat echo'. 6j So cod.; es muss 'meditata' heissen. v. W. 







Spalte 6. 




Etwa 2 Zeilen fehlen 






go 
llo 


5 


Ba 

7. 
8. 
Fru 




10 


Hoc 


inodo iuste, 



132 



Hermann Bloch. 



Victa [c]olore ^ 
Nee valet ante 
Nee retro fidit, 
Nee sibi prodest 

55 Sumpta cnculla - 
Nee pndor infaiis'^ 
Siipplice collo. 
Hoc modo iuste, 
Instius unde. 

00 ludice bikko, 
Anspice milvo, 
CuiuB avarus 
Nee kipus ipsa 
Sang-nine quo vis 
Tinxerat ora 



65 



Spalte 7. 



ta 



ar 



sep 



garrit, 

. . t 



5 Hoc modo imte, 
J^stius unde, 

perb 

uba^ 

Tibia ga . . , 

10 ... . mala r . . 
. , . t re 

. . . et 

Oninia can . ant ' 
Omnia s . . taut 

15 JSfcc . . . e . . s . 

. . . ta e 

. . . es . . . i*e 
Monstra videres. 
Hoc modo iuste, 

20 lustius unde. 
Nocte propinqua 



Praudia magno 

Magna leoui, 

Et sibi corna 
25 Et malimela'' 

Simia querit. 

Hoc modo iuste, 

lustius unde. 

Sanguine fertur 
30 Plena leoni 

Omine fausto 

Conca magistro, 

Inguina milvo 

Sicut ephebo. 
35 Cauda fit hirco : 

Naui sine barba 

Luserat ante 

Bikkus in aula. 

His modo, coram 
40 Qui valuere. 

Cetera dantur. 

Hoc modo iuste, 

Nil minus unde. — 

Quid modo dicam? 
45 Quid modo scribam? 

Nil magis addam^, 

Ni quod aperte 

David amieus 

Scribit et inquit: 
50 'Grandis abyssus 

Est tua, Cliriste, 

Causa, benigne' ^". 
Hoc falsum nusquam ; nihil 

est quo verius usquam. 
Non iustum numquam; nihil 
est quo iustius umquam. 
55 Ergo relicta 

lam nuce scohs, 

Omnipotenti 



1) 8o wahrscheinlich cod. statt 'dolore' v. W. 2) Vo-1. die Fabel 
iK-i Hcrvieux III, 334 f. und Ysengrimus ed. Voigt S. LXXXI. 3) Horaz 
Sat. I. 6, 57 V. W. 4) Huba' v. W. 5) 'gannit' vgl. Dümniler, Auxi- 
i; 1-; und Vulgarius 154 v. 18: 'Arguta vulpes Improbe pannit, lludit 
.. 'Jus, Garrit agrinus'. tj) 'cantant'. 7) 'saltant'. 8) = 'melimela' 
,.. . Horaz Sat. II. 8,31. 9) Horaz Sat. I. 1, 121 v. W. 10) Psabn 
;.'•, 7: 'ludicia tua abyssus multa'. 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von Vercelli. 133 

Tu, Leo, servi Spalte 8. 

Et fiio-itivum Es fehlen etwa 6 Zeilen'. 

60 lam fug-e risum. . . ere sehet 

Sed ueque fidas Verba prophete 

Cuilibet umqnam ! Striiig-ere Christi, 

Soliis et unus 10 Si mernisset 

nie fidelis, Regula Flacci-. 

65 Cuius ab ore Sed nee erit semper — mihi. 

Prodiit istud mi Leo, crede — december ' . 

yi. 

ü e b e r den deutschen Spruch in dem dritten 

Briefe Leos von Vercelli (s. oben S. 22). 

Von R. Henning-. 

Der deutsche Charakter der Worte, auf die Bischof 
Leo am Schluss des dritten Briefes an Kaiser Heinrich IT. 
Bezug nimmt, indem er gegenüber dem verzeihenden Ver- 
fahren der Kaiser und Könige und Gottes als seine De- 
vise aufstellt: Sed facio ego 'Uuaregat selfiu ' uua[re]got', 
steht ausser Zweifel. 

Das erste Wort uuaregat ist eine Verbalform , ab- 
geleitet entweder von dem gemeingermanischen wariari 
'wehren, vertheidigen , schützen' oder von dem speciell 
angelsächsich-friesischen warian 'bewahren, behüten', welches 
iii diesen Dialecten die reguläre Entsprechung von althoch- 
deutsch-altsächsischem waron 'wahren' bildet. In beideii 
Fällen ist es die 2. Person Pluralis Praesentis oder besser des 
damit gleichlautenden Imperativs, deren Endung im Frie- 
sisch-angelsächsischen -ath, -ad, im Sächsischen -ad, -at 
lautet gegenüber dem gothisch - nordischen -i{), -iö und 
dem regulären hochdeutschen -et, das nur im Alemannischen 
öfter in -at ausweicht. Die Zertheilung des vorhergehenden 
ableitenden i zu eg schliesst hochdeutsche Herkunft nicht 
aus, vergleicht sich aber besser der friesisch -angelsäch- 



1) Rechts von der Zeile sind einioe Buchstaben, etwa 'ming' zu 
erkennen. Es muss dahinoestellt bleiben, ob sie und einige Reste unter 
ihnen den Schluss der Zeilen von Sp. 8 bilden, oder ob, wie mit Rück- 
sicht auf die Raumverhältnisse vielleicht wahrscheinlicher ist, etwa neben 
Sp. 8 noch etwa 5—6 Zeilen einer neunten Spalte gestanden haben. 
2) Ob sich die 'Regula' des Horaz auf das Vorangehende oder das Folgende 
bezieht, ist nicht zu entscheiden. 3) Vgl. Seneca's Apokolokynthosis 
(Symbola Ritschi 63, 11): 'Non semper Saturnalia erunt' v. W. Hier an- 
zuführen ist wohl auch Hör. Carm. III. 10, 20 f. : 'Non hoc semper erit 
liininis aut aquae Caelestis patiens latus' sowie Epod. XI, 5 f. : 'Hic 
tertius December silvis honorem decutit'. 



134 Hermann Bloch. 

sischen Gewohnheit (vg'l. ags. wariaö, waregaS, fries. wa- 
riath, warigath), die auch in den sächsischen Gebieten 
sich findet. Sehr bemerkenswerth ist der mangelnde Um- 
laut des ersten a vor einfachem r, der gegen hochdeut- 
schen Ursprung zeugt. Die sächsischen Handschriften 
unterlassen den Umlaut öfters (vgl. Behaghel- Gallee, Alt- 
sächs. Gramm. S. 9), und im Friesisch- Angelsächsischen 
fehlt er in den schwachen Verben immer, wo -ian, wie in 
warian 'wahren', an die Stelle von german. -ön getreten ist. 

Als zweites Wort ist seif zu nehmen, da selfi oder 
selfiu der Form oder dem Sinne nach unmöglich sind. Es 
ist unser 'selbst' = ij3se im Nom. Sing. Der Uebergang 
des auslautenden b in f deutet wieder auf norddeutsche 
Zusammenhänge. Im Hochdeutschen, ausser am äussersten 
Nordrande des Gebietes, hätten wir selb oder selp zu er- 
warten, gegenüber dem regulären sächsisch -friesisch -angel- 
sächs. seif. 

Das dritte Wort könnte das die Zeile schliessende iu 
sein = altsächs.-altfries. eu, iu 'Euch, vos' (gegenüber angels. 
eow, ahd. iuwih). Aber das Folgende brächte alsdann 
kaum zu lösende sprachliche und syntactische Schwierig*- 
keiten. So wird denn iuuua[re?] zusammengehören, und 
dies ist der Gen. Plur. des Pronomens der 2. Person = 
altsächs. iuwar, iuwero, iuwera, fries. iuwer, iuwre, angs. 
iower, eower (oder der Nom. Acc. Plur. des dazugehörigen 
Possessivums = altsächs. iuwa, *iuwara, altfries. iuwe, 
* iuwre, angs. eovre, ahd. iuuaru, iwariu). 

Endlich got, dessen zweiter undeutlicher Buchstabe, 
wie Dr. Bloch feststellte, ausser o höchstens noch ein a 
gewesen sein könnte, wurde wohl nur wegen eines Fleckes 
im Pergament so eng an das Vorhergehende herangedrängt. 
Es kann in diesem Zusammenhange nur der Accus. Sing, 
oder Pluralis von gemeingerm. god, ahd. guot 'bonum, prae- 
dium' sein. Das auslautende t ist dabei kein hochdeutsches 
Kriterium, sondern ebenso wie in waregat zu beurtheilen. 

Der sich so ergebende Ausspruch Leo's : Ich handle 
danach 'Schützet selbst Eure Güter' oder 'Euer Gut' klingt 
sprichwörtlich und passt in den Zusammenhang aufs Beste. 
Eine andere Deutuns: wüsste ich nicht zu begründen ^ 



1) Wenn am Schluss nicht uua[re]got, sondern uua[rie]got überhefert 
wäre, könnte man wohl übersetzen 'Schützet selbst Euch, schütze Gott', 
aber der Ausdruck wäre stümperhaft und der Sinn gegen den Zusammen- 
hang, da Leo einen Gegensatz zwischen seinem Verhalten und dem Ver- 
fahren Gottes begründen will. — Sollte endlich nicht got, sondern gat 
überliefert sein, so könnte sich dasselbe uuaregat wie zu Anfang ergeben, 



Beiträge zur Geschichte des Bischofs Leo von VercelH. 135 

Für den Dialect des Satzes ist hochdeutsche Her- 
kunft auszuschliessen, ebenso auch wohl angelsächsische, so 
dass nur das Friesisch -Sächsische und die im Süden zu- 
nächst daran grenzenden Striche übrig- bleiben. Eine ge- 
nauere Bestimmung zu treffen, sind wir ausser Stande. 
Jedenfalls muss vom Langobardischen abgesehen werden, 
denn wenn man auch an einer so langen Fortdauer des- 
selben keinen Anstoss nehmen wollte, so wäre doch an 
Stelle des niederdeutschen seif nach allen unseren Kennt- 
nissen selp oder selb zu erwarten (vgl. Brückner, Die 
Sprache der Langobarden S. 149). 

Demnach stammte Leo also entweder selbst aus den 
genannten Gegenden, oder wenn dies nicht wahrscheinlich 
ist (S. 78), so muss er dem Kaiser Heinrich den Satz 
citiert haben in einem Dialecte, der diesem geläufig war 
oder wenigstens gut von ihm verstanden wurde. Nun 
scheinen die historischen Nachrichten zu ergeben, — worauf 
mich Hr. College Bresslau hinweist — dass Heinrich seine 
Erziehung und Bildung in Hildesheim erhalten hat, 'ubi 
a puero enutritus et litteras edoctus fuit' , ja er soll 
einst durch das Gelübde seiner Eltern zum Canonicus 
von Hildesheim bestimmt gewesen sein (vgl. Jahrbücher 
des deutschen Eeichs unter Heinrich IL Bd. I. S. 90 f.). 

In sprachlicher Hinsicht würde unser Satz wohl der 
Hildesheimer Gegend zugewiesen werden dürfen, und wir 
gewännen durch ihn ein interessantes Zeugnis dafür, dass 
man noch in späteren Jahren Heinrich gegenüber sich voll 
Vertrauen auf die ihm nicht fremd gewordene Sprache 
seiner Jugend berufen durfte. R. Henning. 



Nachträge. 

Auf S. 82 N. 4 lässt sich zur Unterstützung der Ver- 
muthung, dass der Capellan 'Leo fortis' und der spätere 
Bischof von Vercelli identisch seien, noch anführen, dass 
in DO. III. 405 die Worte 'et in eternum immobile hoc 
decretum mauere censemus' jedenfalls dem auch sonst be- 
nutzten Placitum entnommen sein werden, und zwar sicher- 
lich der Unterschrift des Capellans und Königsboten. Sie 
stehen nun den von Bischof Leo gebrauchten Wendungen 
(vgl. oben S. 70 f.) sehr nahe. 



aber 'Schützet selbst Euch, schützet' klingt wenig empfehlenswerth und 
lässt am Schluss das Object in empfindlicher Weise vermissen. 



136 Hermann Bloch. 

Zu S. 119 ff. habe ich zu bemerken, dass ich inzwischen 
durch die gütige Vermittelung- des Herrn E. Ouverleaux 
eine Collation des Gedichtes aus dem Cod. Bruxellensis 
5540 erhalten habe, die Herr J. Petit in liebenswürdioster 
Weise besorgt hat. Beiden Herren bin ich zu aufrichtigem 
Danke dafür verpflichtet. Danach ist in den Anmerkungen 
zu dem Gedichte folgendes einzutragen : 
S. 120 N. 10) 'celum mutavit' BH. 

N. 12) 'Ploret crudus' B, 'plano-at crudus' H. 
S. 121 N. 13) Turingia' MB. 
N. 27) >aleat' MB. 
N. 28) 'gaudeat' MB. 



EL 



Erläuterungen 
za den Diplomen Heinrichs IL 

Zweiter Abschnitt. 



Von 



Harry Bresslaii. 



Mit zwei E x c u r s e n 

von Hermann Bloch. 



IL Geschichte der Kanzlei; Datierung; Itinerar. 

November 1007 — Ende 1013. 

Wie bereits am Schlnss unseres ersten Aufsatzes über 
die Diplome Heinrichs II. bemerkt worden ist, ward die 
Kanzlei durch die ihr aus der Gründung des Bisthums 
Bamberg erwachsenden Geschäfte vor eine Aufgabe ge- 
stellt, wie sie bisher von der fränkischen und deutschen 
Reichskanzlei kaum jemals zu bewältigen gewesen war. 
Weder hatte je die Gründung eines Klosters, noch hatte 
die Errichtung der sächsischen Bisthümer in karolingischer 
und sächsischer Zeit die Ausfertigung so zahlreicher Ur- 
kunden innerhalb so kurzer Frist nothwendig gemacht, 
wie sie für Bamberg im Herbst des Jahres 1007 ausgestellt 
worden sind : 28 Diplome des gleichen Datums für den 
gleichen Empfänger sind überhaupt in Stumpfs E-egesten 
bis zum Ende des 12. Jh. nur in diesem einen Falle ver- 
zeichnet ^ 



1) Allerdings vermindert sich diese Zahl dadurch, dass einerseits 
St. 1456 als Fälschung ausfällt, s. unten, andererseits, wie wir sehen 
werden, zwei oder drei Diplome, die das Datum des 1. Nov. 1007 tragen, 
erst später hergestellt sind. Dagegen aber kommt in Betracht, dass 
wir auch für Bamberg mit verlorenen Urkunden zu rechnen haben. So 
hat bereits v. Zallinger, Mittheil, des Inst. f. oesterr. Gesch. XI, 533 ö". 
darauf aufmerksam gemacht , dass wir keine Urkunden über die Ver- 
leihung von Grafschaftsrechten an Bamberg besitzen , obwohl die Aus- 
stellung von Urkunden darüber mit Sicherheit anzunehmen ist. Sehr 
merkwürdig ist weiter, dass wir kein Immunitätsprivileg Heimüchs für 
Bamberg hal)en : man würde nicht daran zweifeln können , dass ein 
solches ausgestellt sei, wenn nicht der Umstand, dass Konrads II. Con- 
iirmation von 1034 nicht ein Diplom seines Vorgängers, sondern das 
Privileg Johanns XVIII. als Vorurkunde benutzt hat (vgl. Hirsch II, 141), 
doch solche Zweifel erweckte ; die dann freilich dadurch wieder abge- 
schwächt werden, dass eben dies Papstprivileg die Immunität des Bisthums 
auf die 'concessio gloriosissimi regis Heinrici' zurückführt. Weiter aber 
fehlen uns auch Diplome über einzelne Besitzungen der Bamberger Kirche: 
so über die Verleihung der Klöster Osterhofen und Schuttern (Hirsch II, 
119 f.), des Marktes zu Hersbruck (das D. Heinrichs IV. vom 17. August 
1057, St. 2545, [danach St. 3249] geht sicher auf eine VU. Heinrichs II. 
zurück), über den Bischofshof in Regensburg (Hirsch II, 130 N. 2), über 



140 Harry Bresslan. 

Nun ist allerding-s ein Theil der uns erhaltenen Ur- 
kunden vom 1. November bereits vor diesem Tage g-e- 
schrieben und nach der Frankfurter Synode, welche die 
Gründung des Bisthums sanctionierte, nur mit der Datierung 
versehen worden ^ Indessen auch so noch meinte die 
Kanzlei mit ihren gewöhnlichen Arbeitskräften die ihr ge- 
stellte Aufgabe nicht lösen zu können; vielmehr wurde, 
wie bereits V. Bayer (Kaiserurkunden in Abbildungen Text 
S. 68 i) es g-anz zutreffend ausgedrückt hat, gleichsam eine 
eigene, bloss für Bamberg arbeitende Unterabtheilung der 
Kanzlei geschaffen , die ein besonderes Schreiberpersonal 
erhielt. Damit ist nicht gesagt, dass die Bamberger DD. 
Heinrichs nur von dieser Unterabtheilung bearbeitet seien; 
schon an den Urkunden vom 1. November 1007 hat EC 
mitgewirkt, der dieser Unterabtheilung nicht angehörte, 
und auch in den späteren Jahren sind noch manche DD. 
für Bamberg von Beamten der Hauptkanzlei verfasst und 
geschrieben worden. Wohl aber steht es so, dass eine 
Anzahl von Schreibern so gut wie ausschliesslich für 
Bamberg thätig gewesen, anderweit gar nicht oder nur in 
verschwindend geringem Masse beschäftigt worden sind. 
Auf die Frage, ob alle diese Männer überhaupt als An- 
gehörige der Reichskanzlei oder inwieweit sie lediglich als 
Privatschreiber Eberhards von Bamberg anzusehen sind, 
werde ich unten zurückkommen; was zunächst das Jahr 
1007 angeht, so scheint jedoch die ganze Organisation, 
die für die Herstellung der Bamberger Diplome vom 
1. November geschaffen wiirde, entschieden für die Auf- 
fassung von Bayer zu sprechen. 

An die Spitze der Bambergischen Unterabtheilung 
der Kanzlei ward nämlich der Notar ED gestellt; er hat 
nicht nur das Synodalprotokoll vom 1. Nov. 1007, sondern 
auch das erste der Diplome dieses Datums, aus dem die 
ganze Eeihe abgeleitet ist, verfasst und dieses (bis auf die 
später nachgetragene Datierungszeile) auch geschrieben, 
er hat ferner an einigen der von seinem Mitarbeiter her- 
gestellten Stücke allerhand Correcturen vorgenommen (so 
bei St. 1472. 1480) und gelegentlich auch von diesem 
ausgelassene Namensformen nachgetragen. Nun ist es für 

ein Gut zu Boppard (Hirsch II, 138), über das praedium Rotenmannun- 
Cirminali (vgl. St. 2355), über Aura (Hirsch IT, 137). Welche von diesen 
verlorenen Diplomen Heinrichs gleich bei der Grründuug des Bisthums 
ausgestellt sind, muss freilich dahingestellt bleiben. 1) Vgl. hierüber 

und über die Art der Entstehung der DD. vom 1. Nov. überhaupt die 
Ausführungen H. Blochs im dritten Excurs zu diesem Aufsatz. 



Erläutenin.o;en zi; den Diplomen Heinrichs II. 141 

seine ganze Stellung- in der Kanzlei beachtenswertL, dass 
ED vom 1. Nov. 1007 an nur noch mit der Herstellung 
der Bamberger Urkunden beschäftigt worden ist \ bei 
keinem anderen Stücke mehr weder als Dictator noch als 
Schreiber sich bethätigt hat — ein Verhältnis, das doch eben 
nur damit zu erklären ist, dass er wegen der ihm in der 
Bamberger Sache zugefallenen Geschäfte von allen anderen 
Arbeiten in der Kanzlei entbunden worden ist. In dieser 
Stellung finden wir ihn bis zum Herbst des Jahres 1 009 ; 
St. 1525, von dem er Theile des Protokolls, insbesondere 
die Datierung geschrieben hat, ist die letzte Urkunde, bei 
deren Herstellung er betheiligt war-. 

Als Mitarbeiter ward ihm zunächst ein Schreiber 
beigegeben, der völlig unselbständig arbeitend, anfangs so- 
gar die Hand des ED nachahmend, von uns als der erste 
der speciell für Bamberg thätigen Notare betrachtet und 
deshalb mit der Chiffre Ba(benbergensis) I bezeichnet 
wird. Die von ihm gebrauchten Namensformeu lassen nach 
Henning auf seine fränkische Herkunft schliessen, so dass 
er also auch ein Landsmann des ED gewesen wäre ^. 
Diesem ist er vor dem 1. Nov. 1007 ein einziges Mal bei 
einem nicht Bamberg betreffenden Geschäft zur Hand ge- 
gangen , indem er die erste Zeile des D. für Cambrai 
St. 1455 vom 22. Oct. geschrieben hat; später finden wir 
ihn wie ED nur noch für das neugegründete Bisthum 
thätig. So hat er das von ED dictierte Protokoll der 
Frankfurter Gründungssynode mundiert und ebenso zeigen 
die 18 frühest ausgefertigten von den Diplomen des l.Nov, 
seine Hand, indem er theils allein, theils in Gemeinschaft 



1) Vgl. Bayer im Text der Kaisenirk. in Abb. S. 109 zu Lief. VI, 
Tafel 1, wo aber irrig auch das Synodalprotokoll vom 1. Nov. 1007 
als von ihm geschrieben bezeichnet wird und die Liste der Bamberger 
Urkk., welche seine Hand zeigen, nicht ganz vollständig ist. 2) Ueber 
die von ihm geschriebene Signumzeile von St. 1465 s. unten S. 142. 
3) Doch ist solche Schlussfolgerung bei Ba. I, wie überhaupt bei den 
für Bamberg thätigen Schreibern deshalb wenig sicher, weil in deren 
Urkunden die Ortsnamen oft nachgetragen sind und für diese Nach- 
tragungen den Schreibern eine besondere Anweisung gegeben sein wird. 
Da Ba. I ganz unselbständig arbeitet und lediglich andere Urkunden 
copiert, wobei er sich oft auch an deren Orthographie hält, Inetet auch 
diese wenig Anhaltspunkte für die Bestimmung seiner Herkunft. Immerhin 
lassen Formen wie Heberhardus (St. 1500. 1504), Henricus (1472), Heinrici 
corr. aus Heniici (14(J6. 1467), congugis (1500. 1501), posidendi (1501), 
posumus (1525), fatiendi (1471) u. a. nicht als unmöglich erscheinen, dass 
er Italiener war. Auch die Schriftformen des Ba. I zeigen in seinen 
frühesten Elaboraten manche sonst nur in italienischen DD. häufiger vor- 
kommenden Eigenthümlichkeiten ; später bequemt er sich mehr und mehr 
den (fewohnheiten seines Meisters ED an. 



142 Harry Bresslau. 

mit ED ihre Reinschrift besorg-t hat. Nach ihrer Her- 
stellung- scheint er einige Zeit verhindert gewesen zu sein, sich 
an den Kanzleigeschäften zu betheiligen ; es ist gewiss kein 
Zufall, dass die letzten der noch im Nov. 1007 geschriebenen 
Urkunden seiner Mitwirkung entbehren. Diese sind z. Th. 
ganz von ED mundiert ; bei zweien wurde EC zur Mitwirkung 
herangezogen; ausser ihm ward noch ein Hilfsschreiber 
bei vier dieser Urkunden ^ beschäftigt, der, indem er St. 
1473 — eine der ersten 18 Urkunden — als Vorlage für 
St. 1457 benutzte, wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit 
einige Lücken, die in St. 1473 für nachzutragende Namen 
gelassen waren, ausfüllte. Da dieser Hilfsschreiber sonst 
nicht wieder für die Kanzlei beschäftigt worden ist, weder 
in bambergischen noch in anderen Angelegenheiten, haben 
wir davon abgesehen, ihn durch eine eigene Chiffre zu be- 
zeichnen. Dagegen tritt Ba. I gleich bei der nächsten 
Bamberger Urkunde nach den DD. vom 1. Nov. 1007, bei 
St. 1495, wieder in Gemeinschaft mit ED auf und arbeitet 
mit ihm zusammen bis zum Herbst 1009; St. 1525, das letzte 
D., an welchem wir ED betheiligt fanden, ist auch das 
letzte, das uns die Hand des Ba. I zeigt. 

Schon ehe seine und seines Chefs Thätigkeit für die 
Kanzlei abgeschlossen war, begegnen wir einem zweiten 
Bamberger Notar, den wir Ba. II nennen. Bayer, der im Text 
zu den Kaiserurkunden in Abbildungen S. 681 (zu Lief. IV, 
Taf. 11) von ihm gehandelt hat, hat seine Hand in den DD. 
St. 1723. 1772—1774 erkannt. Dass auch St. 1465, welches 
sicherlich gleichzeitig mit St. 1772 — 1774 im Jahre 1021 
ausgefertigt wurde, grösstentheils von ihm geschrieben 
worden ist, hat bereits Ficker festgestellt, dessen Aus- 
führungen in dieser Beziehung wir uns völlig anschliessen "-'. 
Ausserdem aber legen wir dem Ba. II mit voller Sicherheit 
St. 1516 (mit Ausnahme der von GA voraufgefertigten 
Signumzeile), 1517 seinem ganzen Umfange nach und den 
ganzen Context von St. 1700 bei. Weiter rühren von 
ihm die echten Theile der merkwürdigen Fälschung 
St. 2482 her, auf die wir unten zurückkommen. Da 
Ba. II nicht bloss Ingrossist, sondern auch Dictator 

1) Eine derselben, St. 14G3, ist allerdings wohl erst etwas später 
entstanden, vgl. Ficker, Beiträge zur Urkundenlehre I, 167. 2) Mit- 
theil, des Inst, für oesterr. Geschichtsforschung VI, '287 fi". Ba. II hat 
für St. 14()5 (über dessen Datierung s. unten S. 102 tf.) ein Blanquet 
benutzt, auf dem ED Königsunterschrift und IMouogranim eingetragen 
hatte, und das bereits mit dem Siegel versehen war. Dagegen sind die 
drei ersten Worte der Datierung nicht, wie Bayer annahm, von ED, 
sondern unzweifelhaft von Ba. II geschrieben. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 143 

war und einen selbständigen, ihm eigenthümlichen Stil in 
einigen seiner Urkunden hervortreten lässt ^, so kann man 
schliesslich aus derVergleichung des von GA geschriebenen 
D. St. 1518 mit dem von Ba. II herrührenden St. 1723 
die bestimmte Folgerung ableiten, dass Ba. II gleichzeitig 
mit St. 1516/17 noch ein drittes uns verlorenes D. für 
Bamberg verfasst hat, welches GA als Vorlage für St. 1518 be- 
nutzte, indem er es verkürzte und seinen eigenen Gewohn- 
heiten entsprechend hier und da ummodelte, während Ba. II 
selbst in St. 1723 sich ihm in allen wesentlichen Theilen an- 
schloss '-. Mit viel grösserer Bestimmtheit als seinen älteren 
Genossen können wir Ba. II für einen Italiener erklären: 
seine Abkunft aus dem Lande südlich der Alpen bezeugen 
nicht nur gewisse Eigenthümlichkeiten seiner Schrift^, 
sondern auch manche Besonderheiten seiner Orthographie 
sprechen für dieselbe ^. 

Einen dritten Schreiber, der ausschliesslich an Bam- 
berger Urkunden Heinrichs II. thätig gewesen ist — wir 
nennen ihn Ba. III — , hat Bayer im Text zu den Kaiser- 
urkunden in Abbildungen S. 68 h. i zu Lief. IV, Tafel 9 
besprochen; wir lernen ihn zunächst in St. 1499, das, 
wie unten gezeigt werden soll, nicht ins Jahr 1008, son- 
dern erst in das Jahr 1009 zu setzen ist, kennen. Zwar 
zeigt schon St. 1479 in der Signum- und Recognitionszeile 
seine Hand, aber aus diesem Umstände darf man nicht, 
wie Bayer gethan zu haben scheint, folgern, dass Ba. III 
bereits zur Zeit der Anfertigung der Gründungsurkunden 
vom 1. Nov. 1007 in der Kanzlei beschäftigt gewesen sei. 
Bei der Eile nämlich, mit welcher diese Gründungsurkunden 
hergestellt werden mussten, wählte man für St. 1479 ein 
Pergamentblatt, das bereits EA wahrscheinlich in der ersten 



1) Ich hebe als ihm eigenthümli che "Wendungen u. a. hervor: 'omniura 
remoto contradictionis obstaculo' (1516. 1773), 'ea videKcet conditione' 
(1516. 1517. 1773), -ullo modo' in der Pertinenzformel (1465. 1516. 
1517. [1518]. 1723. 1772. 1774), ferner die A'orliebe für 'devotio', 'cae- 
lestis' in Arenga und Narratio, 'nunc et in futurum' oder 'nunc et in 
posterum' in der Corroboratio (1465. [1518]. 1723. 1772. 1774). Auch die Be- 
zeichnung der Patrone der Bamberger Kirche ist bei Ba. II mehrfach eine 
eigenthümliche. — Im Protokoll ist für Ba. II nur 'ad vicem' statt 'vice' 
in der ßecognitionszeile (St. 1465. 1516/17. 1772 — 74; aber 'vice' in 1723) 
charakteristisch. 2) Das Dictat des Ba. II zeigt sich auch in St. 1636, 
was aber hier mit Benutzung von St. 1516/17 ausreichend zu erklären ist. 

3) So insbesondere das ihm geläufige in St. 1516. 1723. 1772. 1774 nach- 
weisbare Abkürzungszeichen für die Endung 'mus' (vgl. Stumpf, Würzburger 
Immunitäturk. 1, 20. 2, 10 ff. ; Siekel, Beiträge zur Diplomatik VI, 28 N. 1) 

4) 'dilectisima 'conguge' 'inconvulssa' in St. 1465, 'abazia' in St. 1517, 
'agusti' in St. 1773, 'Henrici' in St. 1723. 1773, 'conguge' in St. 1774. 



144 Harry Bresslaii. 

Zeit seiner Thätig-keit in der Kanzlei für ein DH. II. her- 
gerichtet, auf dem er die drei ersten Worte der Sig-nnm- 
zeiie und das Monogramm eingetragen hatte, und das dann 
mehrere Jahre unbenutzt in der Kanzlei liegen geblieben 
war. Auf dies Blatt schrieb ED Eingangsprotokoll und 
Context der Schenkung von Holzgerlingen, während Ba. I 
die Datierung nachtrug: die ünvollständigkeit der Unter- 
schriftszeilen wird von beiden dabei übersehen sein. Hat 
nan Ba. III später die Signumzeile vervollständigt und 
die ßecognition nachgetragen, so kann dies sehr wohl 
und wird aller Wahrscheinlichkeit nach erst mehrere Jahre 
später geschehen sein, als ihm das mangelhafte Diplom in 
die Hände kam : wann dies geschehen ist, vermögen wir 
nicht zu sagen. Die Urkunden, an deren Mundierung 
Ba. III sonst betheiligt war, hat Bayer a. a. O. erschöpfend 
zusammengestellt; um die Herkunft des Schreibers zu 
bestimmen fehlen sichere Anhaltspunkte ; nach den Namens- 
formen allein, die freilich (wie oben bereits bemerkt) mit 
Vorsicht zu benutzen sind, würde man ihn für einen Ober- 
deutschen (Schwaben oder Bayern) halten dürfen. 

Dem letzten dieser Bamberger Schreiber endlich, 
bei uns Ba. IV, hat Bayer im Text zu den Kaiserurkunden 
in Abb. S. 680 (zu Lief. IV, Taf. 15) nur drei während der 
Regierungszeit Heinrichs II. geschriebene DD. (St. 1793. 
1794. 1822) beigelegt; wir weisen ihm ausserdem St. 1537 
und den Schluss des Contextes sowie das Eschatokoll von 
St. 1654 zu ^. Dass er aiich unter Konrad II. noch lange 
Zeit für und in Bamberg als Ingrossist von der Kanzlei 
beschäftigt worden ist, habe ich im Text der Kaiserurkunden 
in Abb. S. 69 (zu Lief. IV, Taf. 16) bemerkt. Schon die 
consequente Vorliebe für die Namensform 'Henricus' statt 
'Heinricus' und für den Titel 'archicancellarius' statt 'archi- 



1) Diese Zuweisung, an sich schon durch die Schriftvergleichung 
gesichert, wird ausserdem durch gewisse Eigenthümlichkeiten des Proto- 
kolls und der Orthographie gestützt, die zumeist auch nocli in den von 
Ba. IV unter Konrad IL geschriebenen Urkk. wiederkehren. So schreibt 
ßa. IV z. B. regelmässig 'Henricus' und 'Henrici' (1537. 1G54. 1793. 
1794. 1822. 1864—1807. 2008. 2057. 2066; nur einmal in 1794 und zweimal 
in 1654 steht 'Heinrici' ('Heinrico') und in der Datierung von 1822 ist 'Hen- 
rici' in 'Heinrici' corrigiert). Den obersten Chei' der Kanzlei nennt Ba. IV 
in 1537. 1822 'archicancellarius', in St. 1793. 1794. 2008 'archiepiscopus et 
archicancellarius' oder 'archicancellarius et archiepiscopus', in St. 1654. 
2066 findet sich die merkwih-dige Wortbildung 'vice N. archicapellali'. 
Aus der Orthographie des Mannes sei hier nur die im 11. Jh. sehr seltene 
Schreibung 'coeteri' hervorgehoben; sie findet sich in St. 1537. 1793. 1864. 
1866. 1867; 'cetera' lese ich nur in St. 1865, wenn hier der Druck der 
3Ion. Boica (wir besitzen noch keine Abschrift der Urkunde) correct ist. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 145 

capellanus' ^ sprechen dafür, dass auch Ba. IV ein Welscher 
war; der Eindruck, den der Gesammtcharakter seiner 
Schriftzüge macht, entspricht dem durchaus, und eine 
Form wie 'Hingelenheim' in dem ersten von ihm ge- 
schriebenen D. St. 1537 unterstützt diese Annahme. 

Zweifelhaft aber erscheint, wie schon oben angedeutet 
worden ist, ob wir uns das Verhältnis der drei letzterwähnten 
Schreiber zur Kanzlei ebenso zu denken haben, wie das 
des Ba. I, ob überhaupt nach dem Ausscheiden des ED 
noch von einer bambergischen Unterabtheilung der Kanzlei 
geredet werden darf. Zwar haben, wie schon erwähnt, 
auch jetzt noch mehrere wirkliche Kanzleibeamte an den 
Geschäften für Bamberg sich betheiligt, sei es indem sie 
Urkunden für das Stift ganz schrieben, sei es indem sie 
einzelne Protokolltheile für die von anderen Schreibern 
herzustellenden Diplome lieferten. Aber das letztere kommt 
doch nur selten vor; und weder kann davon die Rede sein, 
dass ein Kanzleibeamter in die Stellung eingetreten wäre, 
die ED in der Zeit um den 1. Nov. 1007 übertragen worden 
war, noch davon, dass einer der Bamberger Ingrossisten 
selbst diese Stellung ausgefüllt hätte, noch endlich davon, 
dass an deren Elaboraten die Kanzlei eine so eingreifende 
Controle ausgeübt hätte, wie ED früher gethan hatte. 
Mag die Position des Ba. II, Ba. III, Ba. IV sich immer- 
hin von derjenigen anderer privater Schreiber in Folge 
des Umstandes unterschieden haben , dass Eberhard von 
Bamberg, für den sie arbeiteten, selbst ein hervorragendes 
Amt in der Kanzlei bekleidete, so tritt doch ein solcher 
Unterschied für uns kaum irgendwie erkennbar hervor. 
Wenn sie häufiger thätig sind als andere, so liegt das 
eben nur daran, dass für Bamberg viel häufiger geurkundet 
wurde als für irgend ein anderes Stift des Reichs; und 
wenn Ba. IV, der, wie erwähnt, auch unter Konrad IL 
in derselben Weise an der Herstellung der DD. betheiligt 
blieb, nach 1024 ganz entschieden nicht als Beamter der 
Kanzlei angesehen werden darf, so liegt kein Grund vor, 
seine und seiner Genossen Ba. II und Ba. III Thätigkeit 
unter Heinrich IL anders aufzufassen. So wird man denn 
m. E. von einer besonderen bambergischen Unterabtheilung 
der Kanzlei jedenfalls seit dem Ende des Jahres 1009 nicht 
mehr reden, sondern nur sagen dürfen, dass nachher die 



1) S. die vorige Note. 'Henrieus' wäre auch bei einem Nieder- 
deutschen begreiflich; aber an niederdeutsche Herkunft dos Ba. IV ist 
nach den übrigen Namensformen dieser Urkunden gar nicht zu denken. 

Neues Archiv etc. XXII. 10 



146 Harry Bresslau. 

Herstellung der Bamberg-er Urkunden zum g-rossen Theil 
dem Bischof Eberhard selbst überlassen wurde ^, was der 
Vertrauensstellung", die er am Hofe nach wie vor einnahm, 
entsprach. Es ist demnach nur ein Bequemlichkeits- Behelf, 
wenn wir die Männer, deren er sich dazu bediente , mit 
Siglen bezeichnen, wie wir sie sonst nur für eigentliche 
Kanzleibeamte anzuwenden pflegen. 

Die Veränderu.ng aber, die nach unserer Auffassung 
zu Ende des Jahres 1009 in bezug auf die Ausfertigung 
der Bamberger Urkunden eintrat, mag mit der Umgestaltung 
der Kanzleiverhältnisse selbst zusammenhängen, die einige 
Monate früher erfolgt war. 

Seit dem Nov. 1007, von welchem Zeitpunkt ab, wie 
oben bemerkt ist, ED ausschliesslich mit Bamberger An- 
gelegenheiten beschäftigt wurde, blieb EC der einzige 
Beamte der eigentlichen Kanzlei, in der, wohl ebendeshalb, 
mehrfach Privat- und Hilfsschreiber beschäftigt werden 
mussten. Eberhard behielt auch nach seiner Ernennung 
zum Bischof von Bamberg die Leitung der Geschäfte, 
mochte aber doch auf die Dauer nicht im Stande sein, 
den Pflichten , welche diese Stellung mit sich brachte, 
neben denen, welche sein bischöfliches Amt ihm auferlegte, 
im vollen Umfang zu genügen. So mochte er eine gewisse 
Entlastung in den Aufgaben seines Hofamtes wünschen, 
während es andererseits begreiflich ist, dass der König 
den ihm so nahestehenden Mann nicht gänzlich aus dem 
Hofdienst scheiden sehen mochte. So wird es sich er- 
klären 2, dass man auf die früher bestehende Zweitheilung 
der Kanzleien zurückgriff und Eberhard zwar die eine 
geringere Arbeitslast mit sich bringende Leitung der 
italienischen Kanzlei beliess, dagegen für die Leitung der 
deutschen Geschäfte einen eigenen Kanzler bestellte. Da- 



1) Manche Umstände sprechen dafür, dass ein erheblicher Theil 
dieser Urkunden überhaupt nicht am Hofe , sondern in Bamberg her- 
gestellt wurde. 2) Seeliger , Erzkanzler und Reichskanzleien S. IS 
führt die Veränderung auf 'Forderungen staatsrechtlicher Verschiedenheit' 
zurück, denen man hätte nachgeben müssen. Aber ich sehe nicht, dass 
solche Forderungen sich im Jahre 1009 irgendwie geltend gemacht hätten ; 
war auf sie bei dem italienischen Zuge von 100-4 keine Rücksicht ge- 
nommen, so ist kein Grund vorhanden, weshalb man ihnen 1008 oder 100t) 
hätte Rechnung tragen sollen : von den italienischen Verhältnissen des Jahres 
1009 gilt dasselbe, was ich im Handbuch der Urkundenlehre S. 324 N. 3 
von denen des Jahres 1008 bemerkt habe. Ueberhaupt unterscheidet sich 
meine Auffassung der auf die Organisation der Kanzlei unter Heinrich II. 
bezüglichen Vorgänge von derjenigen Seeligers dadurch, dass ich weniger 
als er staatsrechtlichen Erwägungen, dagegen mehr als er persönlichen 
Momenten einen Antheil daran beimesse. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 147 

zu ward ein tliüring-ischer Geistlicher vornehmster Abkunft 
ernannt, Günther, der Sohn des grossen Markgi-afen Ekke- 
hard von Meissen, der, nachdem er Bischof Notkers Schule 
in Lüttich durchg-emacht hatte, bereits im Jahre 993 als 
Capellan Ottos III. nachweisbar ist, vielleicht auch schon 
im Dienst Otto's II. gestanden hatte ^. 

Die Zweitheilung der Kanzlei, die Ernennung Günthers 
und die Beschränkung Eberhards auf die Leitung der 
italienischen Geschäfte hat Stumpf -Brentano in den Juli 
1008 gesetzt, und in dieser Ansetzung sind ihm alle 
Neueren, zuletzt noch G. Seeliger und ich selbst in meinem 
Handbuch der Urkundenlehre, gefolgt. Sie beruht darauf, 
dass, während noch am 1. Juli 1008 eine Urkunde für 
Lüttich in Eberhards Namen recognosciert ist (St. 1498), 
sechs Diplome für Bamberg, die Stumpf zum 6. Juli dieses 
Jahres einreihte (St. 1499 — 1504), und zwei Diplome für 
Gandersheim (St. 1506. 1507), die er zum 3. September 1008 
ansetzte, Günther bereits als Kanzler nennen. Dass ein 
D. vom 15. Juli 1008 für S. Benedetto e S. Uario zu Venedig 
die Kanzlerunterschrift Eberhards aufweist, schien hiermit 
wohl vereinbar : es wäre die erste Urkunde gewesen, welche 
die neue Zweitheilung der Kanzleien kennzeichnete. 

Allein im Widerspruch mit der Annahme Stumpfs — 
ich bedaure sehr den Umstand in seiner entscheidenden 
Bedeutung früher nicht beachtet zu haben — stehen zwei 
Diplome vom 12. Sept. und 4. Nov. 1008 für Lüttich und 
Lorsch (St. 1508. 1510), welche noch Eberhard als Kanzler 
nennen, also noch die ungetheilte Kanzlei unter Leitung 
des Bamberger Bischofs voraussetzen. Von diesen beiden 
Diplomen liegt St. 1508 in dem von EC geschriebenen 
und verfassten Original vor. Die Daten — pridie id. sept., 
ind. 6, a. ine. 1008, a. regn. 7 — sind einheitlich und 
durchaus correct ^. Allerdings ist das Tagesdatum 'pridie 
id. sept.' vielleicht nachgetragen; aber die Annahme, dass 
die Urkunde vielleicht schon vor dem 6. Juli 1008 ge- 



1) Vgl. Jahrb. Heinrichs II. Bd. III, 284. Dass er mit dem 
'Guntharius capellanus' des DO. III. 132 identisch ist, kann um so weniger 
bezweifelt werden, als hier sein Vater Markgraf Ekkehard neben Cxisilher 
von Magdeburg zu seinen Grünsten interveniert. Aller Wahrscheinlichkeit 
nach haben wir ihn auch in dem 'Gundharius clericus' zu erkennen, dem 
Otto n. kurz vor seinem Tode ein Grut zu Sundhausen im Helmengau 
geschenkt hat (DO. II. 269) ; dafiir spricht, dass auch in dieser Urkunde, 
wie in DO. III. 132, Gisilher von Magdeburg intervenierte und dass beide 
Diplome später ins magdeburgische Archiv übergegangen sind. 2) Ueber 
die Indictionsepoche s. unten. 

10* 



148 Harry Bresslau. 

schrieben, aber erst im September, nachdem inzwischen 
der Wechsel in der Kanzlei stattgefunden hätte, vollzogen 
wäre, ist doch ganz unwahrscheinlich. Denn einerseits 
zeigt in St. 1508 der Ausstellungsort — 'Treueris' — keine 
Spur von Nachtragung, und der Aufenthalt des Königs in 
Trier kann erst für den Herbst des Jahres 1008 angenommen 
werden^. Andererseits aber haben wir in St. 1510 ein 
zweites , zwar nur abschriftlich , aber vollkommen zuver- 
lässig überliefertes, gleichfalls von EC verfasstes und wohl 
auch geschriebenes D. für Lorsch, dessen Daten — pridie 
non. nov., ind. 6, a. ine. 1008, a. regn. 7; Treveris — nur 
zum 4. Nov. 1008 passen, und das ebenfalls Eberhard als 
Kanzler bezeichnet ^. Daran, dass auch dies D. schon vor 
dem 6. Juli geschrieben, dass auch in ihm Tag und Ort 
nachgetragen wären, dass also bei zwei in keinerlei Zu- 
sammenhang stehenden Stücken sich die Vollziehung so 
erheblich über den Amtsantritt des neuen Kanzlers hinaus 
verzögert hätte, darf man nicht denken, wenn irgend eine 



1) Allerdings setzen die Clesta Treverorura c. 30, SS. VIII, 171, die 
Belagerung von Trier in die Zeit vom 4. oder 11. April (dominica post 
albas) bis 1. September, und damit wären allenfalls die 16 Wochen, 
welche Ann. Quedlinburgenses 1008 als Dauer der Belagerung augeben, 
bei der Annahme etwas ungenauer Rechnung zu vereinbaren. Da aber 
Liudolf von Trier nach den zuverlässigsten Angaben erst am 7. April 
gestorben ist (vgl. Goerz, Mittelrhein. Regesten I, 333 n. 1174) und 
zwischen seinen Tod und den Anfang der Belagerung jedenfalls ein er- 
heblicher Zeitraum zu setzen ist (vgl. Thietm. VI, 35 [25]), lässt sich der von 
den Gesta gegebene Anfangstermin keinesfalls aufrecht erhalten, womit 
ihrer ganzen anscheinend so präeisen Angabe der Boden entzogen wird. 
Ueberdies zeigen die Urkunden St. 1488 — 1498. 1505 mit voller Sicher- 
heit, dass der König bis zum 15. Juli 1008 nicht in Trier war. Nehmen 
wir an, dass die Belagerung der Pfalz von Trier bald nachher begonnen 
habe (die Urkunden vom 3. Sept. aus Ingelheim St. 1506. 1507 gehören 
nicht hierher nnd sind nachher zu besprechen), so würde sie, wenn wir 
an den 16 Wochen der Ann. Quedlinburgenses festhalten, bis in das Ende 
des November gedauert haben. — Hier sei die Bemerkung angeschlossen, 
dass der im Jahre 1008 zum Erzbischof von Trier ernannte Propst 
oder Kämmerer von Mainz Megingaud, den die Ann. Hildesheim, bei 
dieser Gelegenheit 'primiscrinius regis' nennen (vgl. Hirsch II, 203 N. 3), 
mit keinem der uns bekannten Kanzleibeamten Heinrichs identisch ist, 
da keiner derselben im Jahre 1008 aus der Kanzlei ausgeschieden ist. 
Vielleicht aber wäre es möglich, ihn mit dem in der Ausgabe der DD. 
Otto's III. als HH bezeichneten Ingrossisten und Dictator zu identificieren, 
der ein Mainzer Kleriker gewesen sein muss und mehrfach unter Otto III. 
und gelegentlich auch noch unter Heinrich IL, zuletzt eben im Mai 1008, 
Urkunden der beiden Herrscher verfasst und geschrieben hat, deren über- 
wiegende Mehrzahl sich auf Mainz bezieht (vgl. N. Archiv XX, S. 160 
N. 2). So würde die Bezeichnung, die ihm die Ann. Hildesh. 1008 geben, 
einen gewissen Anhaltspunkt haben. Doch bleibt die Möglichkeit natürlich 
ganz unsicher. 2) St. 1509 entbehrt der Kanzlerunterschrift. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 149 

andere Mögliclikeit bleibt, den Widerspruch zu erklären, in 
dem St. 1508. 1510 einerseits, St. 1499 — 1504. 1506. 1507 
•andererseits zu einander stehen. Zunächst ist daran fest- 
zuhalten, dass EC noch im Nov. 1008 Eberhard als 
deutschen Kanzler bezeichnet. 

Die Urkunden nun, welche nach Stumpfs Anordnung 
dem entgegenstehen, sondern sich in zwei unter einander 
zusammenhängende Gruppen. St. 1499 — 1504^ sind sechs 
Urkunden für Bamberg, die durchweg von den früher auf- 
gezählten Bamberger Schreibern, aber ohne Mitwirkung 
des EC, muudiert sind. St. 1506. 1507 sind für Ganders- 
heim ausgestellt, stehen aber mit den eben erwähnten in- 
sofern in Zusammenhang, als St, 1506 die Entschädigung 
Gandersheims für die Ueberlassung der Orte verfügt, 



1) Ich erledige liier in der Anmerkung: gleich die das Verhältnis 
von St. 1499 zu St. 1500 (abgesehen von der im Text zu besprechenden 
Datierung) angehenden Fragen. Beide betreffen die Schenkung desselben 
Ortes — Machendorf im heutigen Landgericht Parsberg — an Bamberg. 
In den Mon. Boica XXXI '^i 283 war zur Erklärung dieses Umstandes an- 
genommen, dass St. 1499 wegen kleinerer Mängel cassiert und durch das 
angeblich correctere Stück St. 1500 ersetzt worden sei. Dieser Erklärung 
haben sich Hirsch, Jahrb. H, 128 N. 5, und Stumpf angeschlossen, während 
Ficker, Beiträge zur Urkundenlehre I, 336 ihr mit vollem Recht wider- 
sprochen und die Vermuthung angedeutet hat, dass man bei Ausfertigung 
der einen Urkunde nicht beachtete, dass schon eine andere desselben 
Inhalts gefertig-t sei. Aehnlich, aber nicht ganz so, scheint auch uns 
der Sachverhalt zu liegen, wie sich aus den Entstehungsverhältnisseu der 
DD. St. 1499 — 1504 begründen lässt. In diesen Urkunden sind durchweg 
die Namen der geschenkten Orte nachgetragen; die Xachtragung ist in 
St. 1499. 1500. 1502. 1503. 1504 deutlich zu erkennen und %nrd also 
auch in St. 1501, obwohl sie hier nicht mehr zu erkennen ist, anzunehmen 
sein. In St. 1504 sind auch Gau- und Cirafenname nachgetragen; in 
St. 1502. 1503 ist für diese eine später nicht ausgefüllte Lücke gelassen; 
in St. 1499 — 1501 , die sämmtlich den Xordgau imd die Grafschaft 
Heinrichs nennen, sind Gau- und Grafeuuame in einem Zuge mit dem 
Context geschrieben, also nicht nachgetragen. An der Herstellung der 
offenbar annähernd gleichzeitig hergestellten Urkunden sind mehrere 
Schreiber betheiligt. St. 1499 ist ein von GA hergerichtetes Blanquet, 
auf welchem dieser das Chrismon, die "Worte In nomine der ersten Zeile 
und das Monogramm eingetragen hat, während alles übrige von Ba. HI 
geschrieben ist. St. 1500. 1501. 1504 sind ganz von Ba. I, der sich 
sicher bei 1501, wahi-scheinlich auch bei 1500. 1504 von ihm selbst her- 
gerichteter Blanquets bediente. St. 1502. 1503 sind Blanquets, auf welchen 
ED das Chrismon imd die Signumzeile mit Monogi-amm voraufgefertigt 
und die Ba. I ausgefüllt hat. Die Ortsnamen sind in allen Fällen von 
den Schreibern der Urkunden selbst nachgetragen, ausser bei 1500: hier 
ist 'Machindorf von einer anderen uns unbekannten Hand eingefügt. 
Von derselben Hand rührt auch die älteste Dorsualnotiz 'Machindorf 
auf St. 1500 und wahrscheinhch auch die älteste Dorsualnotiz 'Machen- 
dorf auf St. 1499 her, während die Dorsualnotizen 'Velda' auf St. 1501, 



150 Harry Bresslavi. 

welche in St. 1502 — 1504 an Bamberg geschenkt sind\ 
während St. 1507 einen anderen Tausch des Königs mit 
dem Kloster betrifft, durch die gleiche Tages- und Orts- 
angabe aber an St. 1506 geknüpft wird. 

Zur Orientierung über die Daten dieser DD. ver- 
weise ich auf die beigefügte Tabelle, in welche ich auch 
die Bamberger Urkunden St. 1495. 1516 — 18 und 1525 
aufgenommen habe. 

Besprechen wir zuerst die Datierung der Stücke, 
über deren Einreihung wir mit Stumpf einig sind, so ist 
es klar, dass St. 1495 trotz a. ine. 1007, ind. 5, sowohl 
weil es die Gründung des Bisthums voraussetzt, wie wegen 
seines Zusammenhanges mit den ganz richtig datierten 
Stücken St. 1491 — 1494, durch welche S. Stej)han zu Mainz 
die Gegenleistung für das vom König eingetauschte und 
in St. 1495 an Bamberg überlassene Gut Büchenbach er- 

'Ohuninggeshof auf St. 1502, 'Paldolfesheim' auf St. 1503 und 'Sundera- 
hof auf St. 1504 von Ba. I selbst geschrieben sind. Endlich ist noch 
zu bemerken, was weder in den Mon. Boica noch von Stumpf und Ficker 
beachtet worden ist, dass St. 1500 nicht wie die übrigen fünf Stücke 
mit dem Königssiegel (SI. 2), sondern mit dem echten Kaisersiegel (SI. 3) 
Heinrichs versehen, also erst nach 1014 besiegelt worden ist. Der Voll- 
ziehungsstrich im königlichen Handmal ist in allen Fällen deutlich er- 
kennbar nachgetragen. — Demnach sind also wahrscheinlich für alle 6 
Urkunden, um die es sich handelt, zunächst Blanquets angefertigt und 
dem König zur Vollziehung vorgelegt worden. Darauf wurden die Blanquets 
ausgefüllt, wobei aber für die Ortsnamen zuvörderst noch Lücken ge- 
lassen wurden. Als diese nachgetragen werden sollten, stellte es sich 
heraus, dass eine Urkunde mehr als nöthig geschrieben war (möglicher 
Weise war dies dadurch veranlasst, dass ursprünglich beabsichtigt war, 
über die drei in St. 1501 geschenkten Orte mehr als eine Urkunde aus- 
zufertigen). So blieb eines der 6 Stücke und zwar St. 1500 zunächst 
unbesiegelt liegen , wahrscheinlich auch ohne Nachtragung des Namens 
des geschenkten Gruts. Die letztere wird erst einige Jahre später in 
Bamberg selbst gleichzeitig mit der Hinzufügung der Dorsualnotizen auf 
St. 1499. 1500 und von demselben Mann, der diese schrieb, vorgenommen 
sein; vielleicht deshalb, weil in St. 1499 eine in St. 1500 (und 1501) aufge- 
nommene Klausel über die zu dem geschenkten Gut gehörigen Eigenleute 
(servis et ancillis de quocumque alio nostri iuris loco oriundis 
et inibi modo habitantibus; die gesperrt gedruckten Worte stehen 
in St. 1500. 1501, fehlen in 1499) nicht enthalten war; es mochte später 
aus irgend welchen Gründen erwünscht sein, diese Klausel auch auf 
Machendorf ausgedehnt zu sehen. Ebendeshalb wird dann St. 1500 noch 
nachträglich mit dem Kaisersiegel versehen worden sein. 1) Die An- 

nahme von Hirsch II, 137, der König habe in St. 1503 und 1504 nur den 
Theil jener Orte an Bamberg verschenkt, den er von seiner Clrossmutter 
ererbt habe, den Rest im. September durch St. 1500 von tfandersheim 
eingetauscht, ist gekünstelt und findet in dem Wortlaut der Urkunden 
keinen Anhalt. Was daselbst N. 2 bemerkt ist, beruht übei-dies auf 
Versehen; in Böhmer Reg. 395 = DO. I. 422 ist nicht Baldersheim, 
sondern Bolzliausen an Gerberga geschenkt worden. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 



151 



Stumpf 



no 



Schreiber 1 

der 
Datierung j 



und 
Monat 



In- 


In- 


Regie- 


carnations- 


dic- 


rungs- 


jahr 


tion 


jahr 


1007 


5 


6 


1008 


5 • 


7 


1008 


7 


7 


1008 


74 


7 


1008 


7 


7« 


1008 


7 


7 


1008 


7 


7 


1008 


8 


7 


1009 


8 


8 


1006« 


6 


7 


1008 


6 


7 


11 


11 


11 


1009 


7 


7 



Datierung 

nach 

Stumpf 



1-495 
1499 
1500 
1501 
1502 
1503 
1504 
1506 
1507 

1516 
1517 
1518 
1525 



EDu.Ba.I 
Ba. ni 
Ba. 1 
ßa. I 
Ba. I 
Ba. I 
Ba. I 

GA - 
wahrscheinlich 

GA 
Ba. II 
Ba. II 

GA 

ED 



14. k. iun.' 
2. n. iul.2 
2. n. iuU 
2. n. iul. 
2. n. iul.^ 
2. n. iul.' 

2. n. iul. 

3. n.sept. 

3. n. sept. 

8. k. iun.* 
k. iun. 
k. iun. 

4. k. nov. 



Mainz 

Mainz 

Frankfurt , 

Frankfurt 

Frankfurt 

Frankfurt 

Frankfurt 

Ingelheim 

Ingelheim 

Allstedt 1" 

Merseburg 
11 

Strassburg 



1008 Mai 19 
1008 Juli 6 
1008 Juli 6 
1008 Juli 6 
1008 Juli 6 
1008 Juli 6 
1008 Juli 6 
1008 Sept. 3 

1008 Sept. 3 

1009 Mai 25 
1009 Juni 1 
1009 Juni 1 
1009 Oct. 29 



hält, nur ins Jahr 1008 gehören kann. Schon Ficker^^ 
hat vermuthet, dass sämmtliche Jahresangaben des D. ein- 
fach aus der VU. St. 1478 vom 1. Nov. 1007 gedankenlos 
wiederholt .sind, auch a. regn. 6 fand der Schreiber schon 
hier, und es ist nur ein günstiger Zufall, dass diese An- 
gabe auch im Mai 1008 noch passte. Sehr deutlich aber 
erhellt schon aus diesem Beispiel, wie geringen Werth die 
Bamberger Schreiber auf correcte Eintragung der Daten 
legten, wenn sie überhaupt im Stande waren, solche zu 
berechnen. 



1) Tagesdatum von ED voraufgefertigt oder nachgetragen. 2) Tages- 
datum nachgetragen. 3) Tagesdatum wahrscheinlich nachgetragen. 
4) Das "Wort 'indictione' ist ausgelassen ; nur die Ziffer 'VII' steht im 
Original. Obwohl Xachtragung des Tagesdatums nicht zu erkennen ist, 
ist sie doch auch nicht ausgeschlossen. Und wenn etwa ursprünglich Ba. I 
nur 'data .... anno' geschrieben, für die Ergänzung aber eine zu kleine 
Lücke gelassen hatte , so könnte damit möglicher Weise die Auslassung 
des Wortes 'indictione' zusammenhängen. 5) Tagesdatum nachge- 
tragen. 6) Die Ziffer 'VII' vielleicht nachgetragen. 7) Tages- 
datum wahrscheinlich nachgetragen. 8) Tagesdatum wahrscheinlich 
nachgetragen. 9) Ba. II hat nur 'MVI.' geschrieben; dann alier 
folgen von anderer Hand und Tinte noch zwei Striche, so dass nun 'MVIII' 
zu lesen ist. Diese beiden letzten Striche sind erst in neuerer Zeit hin- 
zugefügt, wie die Dorsualnotizen zeigen. Die älteste derselben lautet 
(von einer Hand des 11. Jh.) 'SALZA'. Eine Hand des ausgehenden 
14. oder beginnenden 15. Jh. hat vor diesen Namen 'donatio' und unter 
denselben 'per Heinricum secundum M " VI.' geschrieben. Erst eine 
moderne Hand hat dann 'Donatio Salza per Heinricum secundum Anno 
1008' hinzugefügt. Stumpfs Angabe 'Mit 1008 (ursprünglich, jetzt 1006)' 
ist also unrichtig. lOj 'Actum Altsteti' wahrscheinlich nachgetragen. 
11) Die Angaben fehlen im Original. 12) Beiträge zur Urkundenlehre 
I, 336. 



152 Harry Bresslau. 

Wie wenig das der Fall war, das beweisen nun sehr 
deutlich die drei Stücke St. 1516. 1517. 1525. Dass sie 
alle ins Jahr 1009 gehören, wohin sie auch Stumpf (vgl. 
Ficker, Beiträge I, 337) gesetzt hat, kann keinem Zweifel 
unterliegen. Dass St. 1517, vom 1. Juni aus Merseburg 
datiert, die Schenkung der Alten Kapelle zu Eegensburg 
an Bamberg betreffend, erst nach der im Frühjahr 1009 
erfolgten Vertreibung Heinrichs von Baiern durch seinen 
königlichen Schwager gegeben sein kann , hat bereits 
Hirsch 1 bemerkt; sowohl Thietmar, der VI, 47 (31) die 
von ihm gemeinsam mit dem König in Merseburg be- 
gangene Pfingstfeier (5. Juni) erzählt, wie die DD. für 
Niederaltaich vom 7. und für Magdeburg vom 9. Juni 1009 
aus Merseburg (St. 1519. 1521) stimmen damit überein. 
Danach kann aber auch St. 1516 aus Allstedt vom 25. Mai 
nur zu 1009 gesetzt werden; am 24. Mai 1008 war Heinrich 
nach St. 1496 - in Ingelheim, und den nahen Zusammenhang 
zwischen St. 1516. 1517, die vom gleichen Schreiber Ba. II 
herrühren, bezeugt auch die fast wörtliche Uebereinstim- 
mung ihrer Texte. Danach hat nun Ficker, von der Voraus- 
setzung ausgehend , dass in beiden DD. a. incarn. 1008 
gesetzt sei, gemeint, dass diese Angabe — ähnlich wie in 
dem eben besprochenen Falle von St. 1495 — durch eine 
VU. von 1008 bestimmt sei, obwohl keine der uns be- 
kannten genau übereinstimme. Aber erstens hat Ba. II 
in St. 1516 gar nicht a. ine. 1008, sondern, wie aus Anm. 9 
zu unserer Tabelle hervorgeht, 1006 geschrieben, und 
zweitens ist St. 1516 (woraus 1517 copiert ist) überhaupt 
nicht in genauer Anlehnung an irgend eine VU. geschrieben, 
sondern, mit ziemlich freier Benutzung älterer Stücke für 
einige Wendungen, von seinem Schreiber neu verfasst. 
Die Incarnations jähre 1006 und 1008 in St. 1516. 1517 
lassen also überhaupt keine logische Erklärung zu : Ba. II, 
der hier zuerst auftritt, hat vielmehr einfach nicht gewusst, 
in welchem Jahr der christlichen Aera er sich befand. 
Dass unter diesen Umständen auch auf die von ihm ein- 
gesetzte sechste Indiction nichts zu geben ist , liegt auf 
der Hand; und nur der annus regni 7, der vor dem 7. 
Juni zu 1009, aber nicht zu 1008 passt, mag ihm bekannt 
gewesen sein. 

Dass aber auch die Zahl der Regierungs jähre in den 
Bamberger Urkunden nicht durchweg für die Einreihung 



1) Jahrb. II, 120 N. 2. 2) Beziehungsweise der verlorenen echten 
Vorlage dieser Fälschung. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 153 

massgebend ist, zeigt das von ED datierte D. St. 1525 
vom 29. October aus Strassburg. Die Einreihung zu 1009 
wird hier durch St. 1524 (geschrieben von EC) mit den 
ganz correcten Daten ^ — 11. kal. nov. a. ine. 1009, ind. 7, 
a. regn. 8; Strazburc — völlig gesichert. Also hat ED in 
St. 1525 in der That das richtige Incarnationsjahr 1009 und 
die richtige Indictionsziffer 7 eingesetzt, aber gerade das 
Regierungsjahr 7 ist falsch; seit dem 7. Juni 1009 war 
a. regn. 8 zu zählen. 

Gehen wir mit der so gewonnenen Kenntnis von der 
Rechenkunst der Bamberger Notare an die Bamberger DD. 
St. 1499—1504 heran, welche mit den Daten 6. Juli 1008 
den dazu passenden annus regni 7, aber eine nicht dazu 
passende Indictionsziffer (Vin 1499,VII = 1009 in 1500—1504) 
vereinigen. Wir erinnern uns, dass sie schon Günther als 
Kanzler nennen und dadurch, wenn sie zu 1008 eingereiht 
werden, mit den ganz correct datierten, von EC herrührenden, 
also in der Hauptkanzlei verfassten und geschriebenen DD. 
1508. 1510, welche noch im September und November 1008 
im Namen Eberhards recognosciert sind, in Conflict ge- 
rathen. Haben wir nun nur die Wahl, entweder in St. 1508. 
1510 eine, zumal wegen der Wiederholung in zwei unter 
sich in keinem Zusammenhang stehenden DD. sehr un- 
wahrscheinliche Anomalie oder in St. 1499 — 1504 eine un- 
genaue Rechnung anzunehmen, so dürfen wir angesichts 
der eben nachgewiesenen chronologischen Unzuverlässigkeit 
der Bamberger keinen Augenblick schwanken, uns für die 
letztere Alternative zu entscheiden. Wir setzen also 
St. 1499 — 1504 ins Jahr 1009. 

Irgend ein sachlicher Grund gegen diese Ansetzung 
besteht nicht; der König ist, wie oben bemerkt, noch am 
9. Juni in Merseburg und zieht von da nach dem Westen; 
dass er am 6. Juli in Mainz oder Frankfurt weilte , ist 
nicht ausdrücklich überliefert, aber sehr wohl möglich. - 

Für unsere Ansetzung sprechen nun aber noch die 
beiden DD. 1506. 1507, die beide gleichfalls Günther als 
Kanzler nennen, beide aus Ingelheim vom 3. September, 
beide von Stumpf zu 1008 eingereiht. Schon Giesebrecht^ 



1) Die Angaben Stumpfs zu Reg. 1524 sind falsch und auch in 
den Nachträgen nicht ganz richtig gestellt. 2) Auch die Ann. Quedlin- 
burg. 1009 sind mit einem solchen Itinerar wohl vereinbar. Sie erzählen 
von einer Himmelserscheinung am 29. Ai^ril. Auf diese folgen Pest und 
grosses Sterben. Von Schmerz und Zorn erfüllt zieht der König 'in 
Franciam', verbringt dort den Sommer und kehrt dann nach Sachsen 
zurück. 3) Kaiserzeit II ^ 611. 



154 Harry Bresslau. 

hat dieser Einreihuiig widersprochen und die beiden DD. zu 
1009 g-esetzt. Dass hierhin wenigstens das zwar nur abschrift- 
lich überlieferte, aber durchaus zuverlässige, von G A verf asste 
D. St. 1507 gehört, kann keinem Zweifel unterliegen, die 
völlig correcte und in allen Angaben übereinstimmende 
Datierung 3. non. sept. ind. 8 1, a. ine. 1009, a. regn. 8 
macht jede andere Ansetzung unmöglich. Wie ist es nun 
zu erklären , dass das von demselben Mann verf asste und 
geschriebene D. St. 1506 mit derselben Tages- und Orts- 
angabe die Jahresziffern ind. 8, a. ine. 1008, a. regn. 7 
vereinigt? Ficker- hat, von der irrigen Voraussetzung aus- 
gehend, dass im Sept. 1009 ein Aufenthalt des Königs in 
Ingelheim nicht anzunehmen sei^, die Erklärung in der 
Annahme gesucht, dass St. 1507 Neuausfertigung einer 
im Vorjahre gegebenen Urkunde sei, in der Tag und Ort 
aus der Vorlage beibehalten seien. Uns scheint eine andere 
Erklärung einfacher und ungezwungener. St. 1506 betrifft, 
wie schon erwähnt, die Entschädigung Gandersheims für 
gewisse Güter, die von ihm abgetreten und durch St. 
1502 — 1504 an Bamberg überlassen waren. Liegt es da 
nicht sehr nahe, dass GA sich für die Datierung der von 
ihm herzustellenden Urkunde an die Daten jener Bam- 
berger Stücke , die zur Zeit der Entschädigung Ganders- 
heims^ wieder bei Hofe zugänglich gewesen sein werden, 
gehalten hat? Er entnahm ihnen die Ziffer der Incarnatious- 
und Regierungs jähre und erhöhte nur die Indictionsziffer 
um eine Einheit, weil jene Urkunden das Tagesdatum des 
6. Juli trugen, er aber die seinige vom 3. September zu 



1) Ueber die Indictionsziffer s. unten. 2) Beiträge I, 303. 

3) Er folgt hier einer Bemerkung von Hirsch, Jahrb. II, 207 N. 5 ; 281 
N. 2. Aber es ist nicht abzusehen, warum der Feldzug gegen Metz, den 
der König im ersten Drittel des Juli von der Gegend von Mainz - Frank- 
furt aus begann, nicht schon gegen das Ende des August beendet gewesen 
sein soll ; keine unserer Quellen verbietet eine solche Annahme. Und 
auch, dass der König von Metz zunächst nach Ingelheim zurückkehrte, 
erst von hier aus rheinaufvvärts nach Strassburg, dann gegen Ende des 
Jahres über Worms zur Weihnachtsfeier nach Pöhlde reiste, hat durchaus 
nichts auffälliges. Ernstweiler im Bliesgau , wo Heinrich nach Miracula 
8. Pirminii cap. 12 (SS. XV, 1, 31) auf diesem Fekkug gelagert hat, 
passt, wenn der Aufenthalt hier nach Aufhebung der Belagerung statt- 
fand, wie Pabst bei Hirsch, Jahrb. II, 281 N. 1 annimmt, besser zu dem 
Marsch von Metz nach Ingelheim, als nach Strassburg. 4) Dass diese 
erst lange nach der Weitervergabung der den Gandersheimer Nonnen 
entzogenen Güter erfolgte, lässt vermnthen, dass die Verhandlungen über 
den Tausch und die Art der Entschädigung im Juli noch nicht abge- 
schlossen waren. Wie wenig freiwillig unter Umständen die in die Form 
eines Tausches mit dem König gekleideten Güter -Abtretungen anderer 
Stifter zu Gunsten Bambergs wären , weiss man zur Genüge. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 155 

datieren hatte und Aveil für ihn der 1. September als 
Epochentag' für die Indiction galt ^ Als er nun aber 1507 
schrieb (das braucht keineswegs noch am 3. September 
selbst, sondern kann sehr wohl einige Tage später ge- 
schehen sein), welches D. mit dem Bamberger Tausch nicht 
mehr im unmittelbaren Zusammenhang stand, berechnete 
er die Daten selbständig und correct. Somit setzen wir 
auch St. 1506 ins Jahr 1009 und erblicken in dieser durch 
die Daten von St. 1507 nothwendig gemachten Ansetzung 
eine weitere Bestätigung dafür, dass auch unsere Einreihung 
von St. 1499 — 1504 zu 1009 das richtige trifft "-. 

Nach diesen Auseinandersetzungen steht es also so, 
dass Eberhard bis zum 4. Nov. 1008 an der Spitze der 
ungetheilten Kanzlei stand, und dass Günther zuerst am 
12. März 1009 (St. 1511) als deutscher Kanzler nachweisbar 
ist. In der Zwischenzeit muss die Zweitheilung der Kanzlei 
und die Beschränkung Eberhards auf die italienische Ab- 
theilung erfolgt sein. 

Unter Günther blieb EC noch einige Zeit als leitender 
Notar in der. deutschen Kanzlei thätig; erst nach dem 
19. April 1010 (St. 1530, ganz von EC geschrieben) ver- 
schwindet seine Handschrift für lange Jahre aus den uns 
erhaltenen DD. Heinrichs ; auch von den nur abschriftlich 
erhaltenen Urkunden der nächsten Zeit zwingt keine, die 
Mitwirkuuof des EC am Dictat vorauszusetzen. Erst im 



1) S. unten S. 161. 2) Gegen Ficker I, 337 setzen wir auch 

St. 1518 (ganz geschrieben von GA auf von ihm selbst hergerichteten 
Blanquet, wie gegen Ficker II, 290 zu bemerken ist), dessen Datierung 
nur 'data kal. iun.' ohne Jahres- und Ortsangabe bietet, lieber zu 1009 
als zu 1010. Denn mit St. 1535. 1536, mit denen Ficker 1518 zusammen- 
bringt , hat es kaum etwas anderes gemein, als das seinem Ingrossisten 
geläufige Recognitionsverbum 'notavit' ; wie schon oben gesagt ist, muss der 
Text — die Vergleichung mit St. 1723 und anderen DD. des Ba. II lehrt es 
— auf einer von diesem verfassten, jetzt verlorenen Urkunde beruhen. Da 
nun Ba. II 1516. 1517 geschrieben hat, 1010 aber als Dictator nicht 
thätig gewesen ist, liegt es am nächsten anzunehmen, die verlorene VU. 
sei mit jenen beiden DD. zugleich gegeben, dann aber auch gleich für 
St. 1518 benutzt worden. Dass übrigens die Ergänzung der Daten in 
St. 1518 unterblieb, kann seinen guten Grund haben. Denn die Schenkung 
von Gerau an Bamberg kam gar nicht zur wirklichen Ausführung, viel- 
mehr ging dieser Ort durch St. 1583 an Würzburg über (gegen Abtretung 
der Kirchen zu Hallstadt u. s. w. an Bamberg), und er wird bei dieser 
Gelegenheit noch als königliches Eigenthum bezeichnet. Im Anfang von 
Heinrichs Regierung war er durch St. 1317 an Worms vergabt worden ; 
Burchard von Worms ist Intervenient in St. 1583; er muss ihn also dem 
König zum besten Bambergs zurückgegeben haben; ehe dann die in 
St. 1518 verfügte Schenkung an Bamberg perfect wurde, trat die weitere 
Combination des Tausches mit Würzburg ein. 



156 Harry Bresslau. 

Jahre 1015 finden wir den früheren Notar wieder am Hofe. 
Dass er St. 1651 für Fulda, zu Kaufungen am 11. Mai 1015 
gegeben, nach eigenem Dictat geschrieben hat, ist bereits 
von Bayer ^ bemerkt worden. Ganz ebenso sicher aber 
können wir nun dem EC auch einen Antheil an der Aus- 
fertigung von St, 1643 für Hersfeld vom 5. Febr. 1015 zu- 
schreiben. Er hat diese Urkunde verfasst und ihren Context 
sowie die ersten vier Worte der Signumzeile nebst dem 
Monogramm geschrieben, während die die erste Zeile aus- 
füllende Intitulatio, der Schluss der Signumzeile, die Ee- 
cognition und die Datierung von einem anderen damaligen 
Kanzleibeamten herrühren. Steht damit fest, dass EC 
schon in Frankfurt in der Umgebung des Kaisers war, 
so wird es uns nicht Wunder nehmen, dass auch einige 
der zwischen Februar und Mai 1015 ausgestellten DD. im 
Dictat den Gewohnheiten des EC entsprechen; aller Wahr- 
scheinlichkeit nach ist dieser während jener ganzen Zeit 
im Gefolge Heinrichs geblieben: ob er wieder im eigent- 
lichen Sinne Kanzleibeamter war, oder ob er etwa im 
Dienste eines geistlichen Fürsten an den Hof gekommen 
ist und sich während seines Aufenthalts daselbst in seinem 
alten Wirkungskreis bethätigte, ist nicht zu entscheiden. 
Schon vor dem zeitweiligen Austritt des EC aus der 
Kanzlei ist ein neuer Beamter in dieselbe aufgenommen, 
den wir mit Bayer ^ G(untherius) A nennen. Er ist in 
seinem Dictat anfangs vollkommen von EC abhängig, an 
dessen Sprachgewohnheiten er sich so vollkommen ange- 
schlossen hat, dass es bisweilen schwer fällt zu entscheiden, 
ob eine bestimmte Urkunde von dem Lehrer oder dem Schüler 
verfasst ist. Darum macht es auch Schwierigkeiten, den 
Anfang seiner Beschäftigung in der Kanzlei genau zu be- 
stimmen. Legen wir St. 1511. 1512 noch dem EC bei, 
der St. 1513. 1515 auch geschrieben hat, so müssen wir es 
dahingestellt lassen, ob St. 1514 vom 20. Mai 1009 von 
diesem oder von GA verfasst ist. Sicher begegnen wir 
dann der Spur des letzteren in St. 1516 vom 1. Juni 1009, 
dessen Signumzeile von ihm geschrieben ist ^. Nach dem 
Austritt des EC bleibt GA bis zum Ende des Jahres 1012 
der meist beschäftigte Kanzleibeamte "^ ; die letzte von ihm 



1) Text zu den Kaiserurk. in Abb. S. 68k (zu Lief. IV Taf. 10). 
2) Kaiserurkunden in Abb. Text S. 110 (zu Lief. VI Taf. -2). 3) St. 
1499. 1506, die Bayer a. a. 0. als die ersten Stücke des GA nennt, 
sind nach den vorangehenden Ausführungen (oben S. 153 fif.) jünger als 
St. 1516, das Bayer nicht anführt. Ueber St. 1518 siehe oben S. 155 N. 2. 
4) Sein Dictat wii-d nach dem Ausscheiden des EC von dessen Stil un- 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 157 

verfasste und geschriebene Urkunde ist St. 1570 aus Pöhlde 
vom 29. Dec. 1012^; dann verschwindet er völlig. Dieser 
Umstand giebt uns einen Anhaltspunkt, eine Vermuthung 
über seine Persönlichkeit auszusprechen. Thietmar be- 
richtet, dass, als der König- Weihnachten 1012 in Pöhlde 
feierte, ein Trierischer Kleriker Walker, des Königs Capellan, 
erkrankt, bei der Abreise Heinrichs dort zurückgeblieben 
und am 11. Januar gestorben sei-. Der genaue Zusammen- 
fall dieses Ereignisses mit dem Ausscheiden des GA aus 
der Kanzlei, eines Beamten, dem wir eben in Pöhlde zu- 
letzt begegnen, lässt die Vermuthung seiner Identität mit 
Walker als sehr zulässig erscheinen '^. 

Neben GA hat auch Erich ^, der etwa seit Ende 1008 
Bischof von Havelberg war, unter dem Kanzler Günther 
seine Thätigkeit für die Kanzlei fortgesetzt und vielleicht 
sogar etwas grösseren Einfluss auf die übrigen Notare aus- 
geübt^. Aber schon im Juni 1009 — zuerst in St. 1519 — 
lernen wir einen weiteren Schreiber kennen, der gleichfalls 
durchaus an den Dictaten des EC seinen Stil gebildet hat. 
Er hat nach jenem ersten D. noch St. 1527. 1546—48. 1552. 
1641. 1719 mundiert; St. 1533 ist einem D. von seiner 
Hand nachgezeichnet. Schon der Umstand , dass sich 
seine Thätigkeit auf eilf Jahre vertheilt und doch so 
wenig umfangreich ist, lässt Zweifel rege werden, ob er 



abhängiger, nimmt dagegen hier und da \yendungen auf, die an Erich er- 
innern, ohne dass doch darum seine Sprache mit der dieses höchst indi- 
viduellen Dictators verwechselt werden könnte. 1) Bayer weist mit 
Recht seine Schrift noch in St. 1589 nach. Aber nur das Chrismon, die 
Worte In nomine und Signum domni, sowie das Monogramm sind in 
diesem D. von GA geschrieben und sie waren offenbar vorausgefertigt. 
In diesem Fall ist also, wie so oft bei den Bamberger Urkunden, ein 
noch von GrA hergerichtetes Blanquet später verwandt worden ; dass 
GA zur Zeit der Ausfertigung des D., auf die ich unten zurückkomme, 
noch in der Kanzlei thätig gewesen sei, ist daraus nicht zu folgern. 
2) Thietm. VII, 27 (VI, 53) : Post haec natale Domini in Palithi festivis 
peregit gaudiis ; et ibi tunc Walkerus Treverensis aecclesiae servus et 
capellae suimet (sc. regis) custos providus egrotavit et nobis inde euntibus 
ibidem relinquitur, III id. ian. pro dolor! moriturus. — 'Capellae custos' 
heisst auch Erich in einer Aufzeichnung von 1019, vgl. Hirsch, Jahrb. II, 
294, N. 8 ; III, 82, N. 1. 3) Der König mag Walker in Trier, wo er 
im Herbst 1008, also einige Monate vor dem Eintritt des GA in die 
Kanzlei sich längere Zeit aufgehalten hatte, kennen gelernt und an seinen 
Hof gezogen haben. — In Trierer Urkunden ist Walker nicht nach- 
weisbar. — Die Namensformen in den von GA geschriebenen DD., welche 
ober- und niederdeutsche Formen gemischt zeigen, sind mit der Annahme 
seiner Herkunft aus diesem Gebiet wohl vereinbar. 4) Vgl. N. A. XX, 
165 N. 1. 5) S. oben S. 156 N. 4 über GA. Auch in drei Urkunden des 
gleich im Text zu erwähnenden Schreibers findet sich in der Corroboration 
eine Wendung, die dieser wohl von Erich übernommen hat. 



158 Harry Bresslau. 

im eigentlichen Sinn Kanzleibeamter war, und diese steigern 
sich, wenn man die EmjDfänger der von ihm geschriebenen 
DD. ins Auge fasst. Er beginnt 1009 mit einem D. für 
Godehard von Altaich (1519), ist für diesen auch 1010 und 
1011 thätig (1527. 1518) und schreibt 1011 das von Godehard 
erwirkte D. St. 1546 für Tegernsee, sowie im August des- 
selben Jahres das D. St. 1552 wiederum für Godehard, 
diesmal als Abt von Hersfeld, dann folgt 1015 St. 1611 
für Arnold, Godehards Schüler und Nachfolger in Hersfeld, 
schliesslich 1017 St. 1719 wiederum für Godehard von Alt- 
aich. Dazwischen liegt das unvoUzogene und unbesiegelte 
D. St. 1547 für den Kämmerer Odelgisus, das uns aus 
dem Hersfelder Archiv aufbewahrt ist, und an dem wir 
also schon deshalb Godehard einen Antheil zuschreiben 
dürfen, endlich die echte Vorlage der Nachzeichnung St. 
1533 für Niedernburg zu Passau, betreffend die Schenkung 
eines Theiles vom Nordwald, die mit den Altaich - Rinch- 
nacher Ansprüchen auf dies Gebiet im Zusammenhang 
stehen mag. Bei dieser Sachlage ist kein Zweifel , dass 
wir es mit einem Kleriker Godehards zu thun haben; in 
der Reihe der Kanzleibeamten ist der Schreiber dieser DD. 
nicht mitzurechnen ^. 

Dagegen trat nach dem Verschwinden — wie wir an- 
nehmen, nach dem Tode — des GA ein neuer Notar in 
Heinrichs Dienst, den Bayer im Text zu den Kaiserurkunden 
in Abb. 68 h Guntherius E nennt, während wir ihm die 
Sigle GB beilegen müssen. Als Mitglied der Kanzlei ist 
er seit März 1013 (St. 1574) nachweisbar, und da er zunächst 
eine Anzahl Diplome für Bernward von Hildesheim aus- 
gefertigt hat, da er im Sprengel von Hildesheim angestellt 
worden ist, so wird man schon an sich geneigt sein, dem 
Hildesheimer Bischof einen Einfluss auf seine Berufung 
zuzuschreiben. Ihn mit Bestimmtheit als einen Kleriker 
Bernwards zu betrachten, veranlasst uns aber noch ein 
anderer Umstand. Wir glauben nämlich sagen zu dürfen, 
dass GB schon im Jan. 1007 das D. St. 1438, betreffend 
die Bestätigung des Nonnenklosters Steterburg verfasst 
hat. Diese Urkunde, die Bernward erwirkt hat, schliesst 
sich in ihrem Context zum grössten Theil an ein verlorenes 
Immunitätsprivileg Ludwigs d. Fr. für Hildesheim - an. 



1) Bayer bezeichnete ihn als (T(untherius) D, indem er den Notaren 
EC und ED unter Kanzler Günther die Siglen Guntherius B und 
C gab. 2) Natürlich ist nicht zu sagen, dass dies Privileg selbst bei 

der Herstellung des Steterburger D. benutzt worden ist; es kann auch 
an eine mehr oder minder genau den Wortlaut der ersten Immunität 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 159 

auf welches auch die gleichfalls von GB geschriebenen 
DD. St. 1574. 1575, betreffend die Bestätiguno- der Immunität 
von Hildesheim z. Th. zurückgehen. Was aber in der 
Steterburger Urkunde nicht auf diese verlorene VU. zu- 
rückgeführt werden kann, entspricht durchaus und gerade 
in einigen besonders charakteristischen Wendungen so sehr 
dem Stil des GB, dass die obige Annahme unabweisbar 
wird. Aber wenn dieser Notar sonach schon im J. 1007 
ein D. Heinrichs II. verfasst hat, so ist es doch ganz un- 
wahrscheinlich, dass er schon damals im Dienste der Kanzlei 
gestanden hätte, als deren ständiges Mitglied wir ihn erst 
sechs Jahre später nachweisen können ^ ; vielmehr ist an- 
zunehmen, dass er damals im Dienste Bernwards gestanden 
und als hildesheimischer Privatschreiber das Steterburger 
D. dictiert hat -. In der Kanzlei ist er dann, allen weiteren 
Wechsel überdauernd, bis zum Tode Heinrichs als der 
eigentlich leitende Notar thätig gewesen ; dass er auch unter 
Konrad II. noch als Urkundenschreiber gelegentlich er- 
scheint, hat bereits Bayer bemerkt und wird später noch 
näher nachzuweisen sein. 

Die oberste Leitung der deutschen Kanzlei , deren 
Schreiber wir bis zur Kaiserkrönung Heinrichs verfolgt 
haben, war inzwischen schon vor dem Eintritt des GB in 
andere Hände übergegangen: auf Willigis von Mainz, der 
am 23. Febr. 1011 gestorben war, war im Erzbisthum 
wie in dem Amte des Erzcapellans Erkenbald, Abt von 
Fulda, gefolgt, ein Wechsel, der auf die Kanzleiverhältnisse 
um so weniger irgend welchen Einfluss ausübte, als Erken- 
bald an persönlicher Bedeutung dem Vorgänger keineswegs 
gleichkam. Auch ward er nicht völlig der Erbe seiner 
Stellung am Hofe. Das Amt des Erzkanzlers für Italien 
hat der König Erkenbald nicht übertragen; es blieb zu- 
nächst unbesetzt; ein D. vom 30. April 1012 für Aquileja 
(St. 1562), zwei weitere vom 14. Mai d. J. (St. 1556. 1557) 
für das Marienkloster zu Florenz weisen nur die Eecog-nition 
des Kanzlers Eberhard auf, ohne einen Erzkanzler zu 



wiederholende Bestätigung gedacht werden, wie deren zahlreiche in dem 
unter Bemward aufgestellten Verzeichnis der verbrannten Hildesheimer 
Königsurkunden (Gehle, De s. Bernwardi vita et rebus gestis, Diss. Bonn. 
1866, S. 45 f.; künftig Hildesheimer Urkundenb. I, 52 n. 60) erwähnt sind. 
1) Ueber St. 1485 s. Excurs I. 2) Er wird also auch wohl ein Nieder- 
sachse gewesen sein, wofür auch die Namensformen der von ihm ge- 
schriebenen Urkunden sprechen; die von Waitz, Forsch, zur Deutschen 
Gesch. XVI, 187 N. 1 geltend gemachten Anhaltspunkte für die Vermuthung 
italienischer Herkunft sind zu schwach, um darauf Gewicht zu legen. 



160 Harry Bresslau. 

nennen. Erst in einem D. für S. Vincenz zu Bergamo aus 
dem Jahre 1013 (St. 1573), das der Tagesangaben entbehrt, 
aber, mit dem Ausstellort Magdeburg verseben, mit Sicher- 
heit in den durch Thietmar VII, 29 (VI, 54) bezeugten 
Magdeburger Aufenthalt vom Anfang Februar gesetzt 
werden kann, ist das Amt besetzt ; Eberhard erscheint nun 
als Erzkanzler, unter ihm ein Heinrich als Kanzler, dessen 
Herkunft nicht bekannt ist. lieber die Schreiber der 
wenigen italienischen Urkunden dieser Jahre handeln wir 
besser im nächsten Abschnitt dieser Erläuterungen. 



Hinsichtlich der Datierung der Urkunden haben 
wir während des Abschnittes von 1007 — 1018 scharf 
zwischen den Urkunden für Bamberg und den übrigen 
Diplomen zu scheiden : soviel Unregelmässigkeiten die 
ersteren aufweisen, zumal wenn sie nicht von Notaren 
der eigentlichen Reichskanzlei geschrieben sind, so correct 
sind im allgemeinen die letzteren datiert ^ 

Reden wir zunächst von den nicht für Bamberg aus- 
gestellten DD., so sind in allen diesen Stücken, soweit 
sie echt sind, die Regierungs jähre vollkommen richtig be- 
rechnet ^. Dasselbe gilt im allgemeinen von den Incarnations- 
jahren'^. Hier macht indessen St. 1527 mit 8. id. April. 1009, 
ind. 8, a. regn. 8; Regensburg, geschrieben von GA und dem 
oben S. 157 f. charakterisierten, mit Godehard in Verbindung 
stehenden Notar, welchem letzteren die Datierung angehört, 
eine Ausnahme. Regieruugsjahr und Indiction weisen 
auf 1010 hin; in diesem Jahr feierte Heinrich nach den 
Ann. Hildesh. Ostern (9. April) in Regensburg und ist hier 
nach St. 1528 ff. bis in die zweite Hälfte des Monats ge- 
blieben. Dagegen ist im Jahre 1009 Heinrich wohl bis 
zu Anfang des April in Frankfurt gewesen, wo er die 
Nachricht vom Tode Wigberts von Merseburg (gest. 24. März) 
erhielt; von hier aus wurde Thietmar auf Samstag vor 
Ostern (16. April) nach Augsburg geladen, wo er am 
19. April verspätet eintraf; dann ging der König über 
Neuburg (23. — 25. April) nach Regensburg zu längerem 
Aufenthalt^. Ist somit ein Regeusburger Aufenthalt am 
6. April 1009 höchst unwahrscheinlich , so entsteht die 



1) Dabei ist von St. 1500 abgesehen, dessen Datierung, wie oben 
erwähnt ist, durch die der Bamberger Stücke Ijeeinflusst ist. 2) lieber 
St. 1559 mit dem irrigen a. reg. X statt XI s. unten S. 184 ft'. 3) Als 
.Jahresanfang hat GA den 25. December angenommen, da er in St. 1570 
vom 29. Dec. 1012 bereits a. ine. 1018 setzt. 4) Thietm. VI, 39 (27). 



Erläuterangen zu den Diplomen Heinrichs 11. 161 

Frage, ob wir die Unregelmässigkeit durch die Annahme 
nicht einheitlicher Datierung, etwa Beziehung der Jahres- 
angaben auf die Handlung im Jahre 1009 (wozu sie am 
Ende des Jahres passen würden), des Tages und Orts auf 
Beurkundung im April 1010, erklären dürfen. An sich wäre 
das nicht unmöglich, allein der Schriftbefund spricht da- 
gegen. In St. 1527 sind, wie bereits Ficker, Beiträge II, 
260. 263 bemerkt hat, nur die Worte 'VIII. idus' vor 'aprilis' 
nachgetragen, der Monatsname selbst aber ist zugleich 
mit den Jahresangaben und wahrscheinlich auch mit dem 
Ortsnamen geschrieben ; es geht also nicht an , ihn auf 
ein anderes Stadium des Beurkundungsgeschäfts zu be- 
ziehen als diese , und es bleibt nichts übrig , als hier in 
der That eine Ungenauigkeit des Schreibers anzunehmen, 
die sich um so leichter erklärt, als dieser, wie schon be- 
merkt ist, nicht eigentlicher Kanzleibeamter war und hier 
erst zum zweiten Mal für die Kanzlei beschäftigt worden ist. 

Nicht ganz so gut wie mit den Angaben des Regierungs- 
und Incarnationsjahres steht es mit den Indictionen. 
Freilich so regellos , wie deren Setzung auf den ersten 
Blick erscheint , ist sie nicht ; die scheinbaren Unregel- 
mässigkeiten gehen vielmehr zumeist darauf zurück, dass 
die beiden Notare, welche in dieser Zeit hauptsächlich die 
Geschäfte führen, EC und GA, den Epochentag verschieden 
berechnen : EC setzt die Indiction mit dem Jahreswechsel 
(St. 1508. 1510. 1521.) \ GA setzt sie mit dem 1. September 
um (St. 1506. 1507. 1540. 1511. 1561. 1565); nur in seiner 
letzten Urkunde hat er durch die Einsetzung von ind. X 
in St. 1570 dies Princip aufgegeben 2. Somit sind wirklich 
unregelmässig nur eine Anzahl von Urkunden aus der 
ersten Hälfte des Jahres 1008 (St. 1488 — 90. 1496. 1497), 
in welchen irrig ind. V statt VI gesetzt ist -l 

Ganz andere und viel grössere Schwierigkeiten be- 
reitet die Auflösung der Daten in den Bamberger Urkunden 
und die Bestimmung ihrer Anordnung in der neuen Aus- 
gabe. Es war für die Chronologie dieser Urkunden gerade- 
zu verhängnisvoll, dass ED, der für richtige Zeitrechnung 

1) St. 1526, nicht im Original erhalten, schliesst sich dem Brauche 
des EC an und könnte von ihm oder von Erich datiert worden sein. Ueber 
St. 1522 s. unten S. 178. 2) In St. 1563 mit 4. id. sept. 1012, ind. lü 
muss es dahingestellt bleiben, welcher Indictionsaufang angenommen ist. 
Denn das Tagesdatum wie der Ortsname sind nachgetragen und die Ur- 
kunde könnte also schon vor 1. Sept. geschrieben, am lU. aber vollzogen 
sein. 3) Von diesen Stücken sind vier von EC datiert, der beim Be- 
ginn des Jahres 1008 die Indiction umzusetzen vergessen und den Fehler 
erst bei St. 1498 berichtigt hat. 

Neues Archiv etc. XXII. 11 



162 Harry Bresslau. 

kein Verständnis hatte \ die Herstellung der Bamberger 
Urkunden geleitet hat; schon unter ihm reisst die Ver- 
wirrung ein, die bis zum Tode Heinrichs nachgewirkt hat. 
Mit Ausnahme der von Beamten der Hauptkanzlei ge- 
schriebenen haben nur sehr wenige Bamberger DD. correcte 
Daten aufzuweisen. Gleich bei einigen der Diplome, die 
das Datum des 1. November 1007 tragen, sind Fragen auf- 
zuwerfen, die sich schwer mit Sicherheit beantworten lassen. 
Wenn wir die grosse Mehrzahl dieser Urkunden, mögen 
sie vor oder nach dem ersten November geschrieben sein, 
unbedenklich zu diesem Datum einreihen dürfen "-, weil 
die durch sie verbrieften Schenkungen gewiss schon zur 
ersten Dotation des Bisthums gehörten, so liegt doch bei 
einigen derselben die Sache nicht so einfach. St. 1464 und 
1465 geben schon durch ihre Recognition zu erkennen, 
dass sie erst nach dem Amtsantritt des Kanzlers Günther 
— der nach unseren obigen Auseinandersetzungen zwischen 
4. Nov. 1008 und 12. März 1009 erfolgte — fertig gestellt 
sind. Um diesen Umstand mit der Datierung der Stücke 
in Uebereinstimmung zu bringen , nahm Stumpf an , in 
beiden sei 'die Kanzleiunterfertigung von anderer Hand 
nachträglich geschrieben' ^. Aber daran ist in Wirklichkeit 
nicht zu denken; die Recognition ist in beiden Stücken 
von gleicher Hand wie der Context — bei St. 1464 von 
Ba. I, bei St. 1465 von Ba. II — geschrieben, und kein An- 
haltspunkt spricht dafür, dass sie zu anderer Zeit als die 
Datierung eingetragen sei; bei St. 1465 ist es sogar durch 
den Schriftbefund bestimmt ausgeschlossen, dass dies ge- 
schehen sei*. In bezug auf das letztere Diplom ist nun. 
wie bereits oben-'' erwähnt wurde, von Ficker mit voller 
Sicherheit nachgewiesen worden, dass es erst im Jahre 1021 
vollendet ist; die Entstehung von St. 1464 dagegen setzen 
wir in die letzten Monate des Jahres 1008 oder die ersten 
des Jahres 1009. Später als 1009 kann es keinesfalls ent- 
standen sein, weil Ba. I seit Ende October 1009 nicht 
mehr für die Kanzlei thätig gewesen ist. Dass aber 
St. 1464 nicht in die letzte Zeit seiner Thätigkeit fällt, 
dafür spricht wohl die Koseform 'Gunzelinus', welche hier 



1) Vgl N. A. XX, 167 N. 2. 2) Die Anordnun.o- , in der wir 

sie auf einander folgen lassen, entspricht dem, was wir über die Reihen- 
folge ihrer Entstehung ermitteln konnten, vgl. Excurs III. 3) Auf 
dieser irrigen Angabe Stumpfs beruht meine Bemerkung, Handbuch der 
Urkundenlehre I, 345 N. 3. 4) Recognition und Datierung sind mit 
derselben l)lassen Tinte geschrieben, wie der Schluss dos Contextes, während 
die ersten Zeilen dunklere Tinte aufweisen. 5) S. 142. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs IL 163 

für den Namen des Kanzlers angewandt ist; Ba. I be- 
dient sieh sonst immer der officiellen Form 'Guntherius' ; 
der Gebranch des Kosenamens erklärt sich am einfachsten, 
wenn die Urkunde gleich in den ersten Tagen nach der 
Ernennung Günthers zum Kanzler geschrieben ist ^ 

Wie ist nun bei dieser Sachlage die Datierung Frank- 
furt November 1 zu erklären'? An eine gedankenlose 
Herübernahme aus den Bamberger Gründungsurkunden ist 
in diesem Falle wohl nicht zu denken. Zwar schliesst 
sich St. 1464 in seiner Fassung an dieselben an, aber 
schon diese Urkunde hat doch mancherlei selbständiges, 
und St. 1465 weist ein ganz anderes Dictat auf, das, wie 
bereits Ficker gezeigt hat, mit den DD. vom 13. Nov. 1021 
übereinstimmt. Ist hier also für die Datierung auf St. 1464 
zurückgegriffen worden, so ist das offenbar nicht gedanken- 
los, sondern in ganz bestimmter Absicht geschehen: dann 
sind wir aber genöthigt, für das inhaltlich so eng damit 
zusammenhängende D, St. 1464 das gleiche Verhältnis an- 
zunehmen. Danach bleiben zwei Möglichkeiten zur Er- 
klärung jener Daten. Entweder haben schon gleich bei 
der Gründung von Bamberg Yerhandlungen über die 
Schenkung von Forchheim an das neue Bisthum statt- 
gefunden , dieselbe ist schon damals vom König , wenn 
nicht verfügt, so doch bestimmt in Aussicht genommen 
worden, die Daten von St. 1464. 1465 beziehen sich also 
auf eine Stufe der Handlung oder vielleicht auf den Be- 
urkundungsbefehl, — oder aber St. 1464. 1465 sind will- 
kürlich auf den 1. Nov. 1007 zurückdatiert, um die Schenkung 
als eine gleich bei der Gründung erfolgte erscheinen zu 
lassen, obwohl sie das in Wirklichkeit nicht war. Von der 
Entscheidung zwischen diesen Möglichkeiten hängt die 
Stelle ab, welche wir den Urkunden in unserer Ausgabe 
anzuweisen haben. Sind sie willkürlich zurückdatiert, be- 
deuten also ihre Daten für ihre wirkliche Entstehung 
nichts, so würden wir die Stücke ebenso wie Neuaus- 
fertigungen, denen die alten Daten belassen sind, zu be- 
handeln, sie also ohne Eücksicht auf die Datierung an 
der Stelle einzureihen haben, an die sie nach ihrer wirklichen 
Entstehung gehören, d. h. St. 1464 etwa zu Ende 1008 
oder zu Anfang 1009, St. 1465 zum November 1021. Trifft 
dagegen der andere oben dargelegte Fall zu, gehört in 



1) Vo-1. mein Handbuch der Urkundenlehre I, 581 N. 3. wo andere 
Beispiele fifr die Anwendung von Koseformen für den Kanzlernameu in 
den ersten Urkunden nach der Ernennung eines Kanzlers gegeben sind. 

11* 



164 Harry Bresslau. 

der That das in beiden Stücken verbriefte Geschäft oder 
wenigstens ein Theil desselben schon in die Tage der 
Gründung-, so würden sie gemäss den sonst in unserer Aus- 
gabe befolgten Grundsätzen schon zum 1. Nov. 1007 ein- 
zureihen sein. 

um die Entscheidung treffen zu können, vergegen- 
wärtigen wir uns in der Kürze die Stellung beider Urkunden 
in der Reihe der Forchheim betreffenden Verfügungen, wie 
sie bereits Ficker dargelegt hat. 

In St. 1312 1 hatte Heinrich im Jahre 1002 dem 
Bisthum Würzburg 'abbatiam Forecheim villasque Erlangon 
et Eggoluesheim ... et omnes villas sibi pertinentes' sowie 
unter den Pertinenzen 'unum miliarium infra forest um 
qui pertinet ad Forecheim' für Stift St. Johann zu Hang 
geschenkt. In St. 1464 schenkt der König dem Bisthum 
Bamberg eine Anzahl 'loca ad Forhheim pertinentia', die 
namentlich aufgezählt werden, sowie 'ad ultimum omnia 
loca . . et omnia . . mancipia', die zu Forchheim gehören-, 
mit Ausnahme der in Forchheim selbst wohnenden — also 
allen Zubehör von Forchheim, aber diesen Ort selbst nicht. 
Im Oct. 1017 erwarb Bischof Eberhard von Bamberg vom 
Bischof von Würzburg durch einen Tausch, den Heinrich 
bestätigte (St. 1689), 'abbaciam Erlangun et Forchheim et 
Eggolvesheim' sammt allem Zubehör. In St. 1465 endlich 
verleiht Heinrich dem Bisthum Bamberg 'prediumVorhchem'-' 
sammt allem Zubehör. 

Danach nehme ich folgenden Sachverhalt an. Bei 
den der Gründung Bambergs vorangehenden Verhandlungen, 
denen zufolge der ganze Rednitzgau zur Diöcese Bamberg 
und alles Königsgut in diesem Gau zur Dotation des neuen 
Bisthums gehören sollte, war auch die Uebertragung von 
Forchheim an das letztere beabsichtigt worden ; wahr- 
scheinlich hatte Bischof Heinrich von Würzburg bei den 
Verhandlungen vom Mai 1007, in denen er der Errichtung 
des Bisthums unter gewissen Bedingungen zustimmte, auch 
hierzu seine Einwilligung gegeben. So wird denn, als 
einige Zeit vor dem 1. November 1007 mit der Anfertigung 
der Dotationsurkunden begonnen wurde, auch die Her- 
stellung einer Urkunde über Forchlieim beabsichtigt und 



1) Vgl. über dies D. N. A. XX, 130. 2) Dass in St. 1404 (in 

dem Abdruck der Mon. Boiea 28 'S 350 Z. 27) hinter 'dictmu' das Wort 
'pertinentia' durcli ein Verseheu des Schreibers ausgefallen ist und ergänzt 
werden muss, kann keinem Zweifel unterliegen. 3) Dass dies nicht, 

wie Hirsch Jahrb. II, 124 (dem Stumpf folgt) meint, 'ein Gut zu Forch- 
lieim' heissen kann, liat Ficker a. a. 0. 233 zur Genüge ausgeführt. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs 11. 1(55 

vielleicht bereits angeordnet worden sein. Da erfolgte 
auf der Frankfurter Synode vom 1. November der öffentliche 
Rücktritt des Bischofs von den im Mai getroffenen Ver- 
einbarungen. Soweit der Protest seines Vertreters sich 
gegen die Errichtung des Bisthums und die Abgrenzung 
seiner Diöcese überhaupt Avandte, ging man ohne weiteres 
darüber hinweg; aber dem Bischof zugleich Güter zu ent- 
ziehen, die der König ihm feierlich übertragen hatte, 
mochte man umsomehr Anstand nehmen, als diese ja 
gleichfalls zur Ausstattung einer neuen Kirche, des Stiftes 
von Hang, bestimmt worden Avaren. So unterblieb zunächst 
die Ausfertigimg der Urkunde über Forchheim. Auch der 
mit Würzburg im Mai 1008 geschlossene Vergleich führte 
in dieser Hinsicht zu keiner Verständigung: der Bischof 
von Würzburg willigte zwar gegen Entschädigung in die 
Abtretung eines Theils seiner Diöcese, aber er verzichtete 
nicht auf Forchheim ^ So verfügte nun Heinrich , Ende 
1008 oder Anfang 1009, indem er offenbar das Privileg 
von 1002 möglichst eng auslegte, die Ausfertigung der 
Schenkungsurkunde über alle in jenem Privileg nicht aus- 
drücklich genannten Pertinenzien von Forchheim an Bam- 
berg, aber den Haupthof selbst und die Orte Erlangen 
und Eggolsheim sowie die in Forchheim wohnenden Hörigen 
beliess er dem Würzburger. Erst 1017 erwarb Bamberg 
auch diese Güter durch selbständigen Tausch ; da der 
Kaiser diesen durch ein Diplom bestätigt hatte, mochte 
die Anfertigung einer eigenen Schenkungsurkunde als nicht 
dringlich erscheinen; erst 1021 Hess Eberhard sich auch 
diesen Erwerb durch ein Diplom verbriefen, das nun 
schlechtweg die Schenkung des 'predium Vorhchem' mit 
allen Pertinenzien enthielt. Beide Urkunden erhielten 
die Datierung vom 1. November 1007, da die Schenkung 
zur ersten Dotation des Bisthums hatte gehören sollen 
und schon damals vom König beabsichtigt war. 

Sonach nehme ich bei St. 1464 und St. 1465 Datierung 
nach einem ersten schon während der Verhandlungen vom 
Herbst 1007 beabsichtigten und vielleicht auch ertheilten, 
aber damals nicht ausgeführten Beurkundungsbefehl -', aber 



1) Hängt es mit Verhandlungen über Forcliheim zusammen , dass 
der König im Juli 1008 selbst dort anwesend war (vgl. St. i505)V 
2) Dass St. 1465 auf einem noch von ED, also jedenfalls vor Ende 1009, 
hergerichteten Blanquet geschrieben ist, würden wir nur dann als Beweis 
für unsere Annahme verwerthen können, wenn wir Ijestimmt behaupten 
könnten , dass auch die älteste Dorsualuotiz DE EORAHEIM von 
der Hand des ED herrührte. Aber eine solche Behauptung können 



166 Harry Bresslau. 

niclit eigentliclie Rückdatierung- ^ an und stelle deshalb 
beide DD. an den Sehluss der Serie der ßamberger 
Gründungsurkunden. Ein stricter Beweis für diese An- 
nalime lässt sich allerdings nicht führen, aber sie erscheint 
nach Lage der Sache als die wahrscheinlichste Erklärung 
der Datierung beider Stücke, zumal sonst Fälle willkür- 
licher Rückdatierung — von Neuausfertigungen natürlich 
abgesehen — unter Heinrich II. nicht nachweisbar sind '^. 

wir nicht aufstellen, und da erweislich in Bamberg Blanquette für Ur- 
kunden Heinrichs II. viele Jahre aufliewahrt sind, ehe sie benutzt wurden 
(s. Excurs II), lässt sich aus dem Umstand nichts folgern. 1) Für 

die Annahme einer eigentlichen Rückdatierung würden wir uns entscheiden 
müssen, wenn wir mit Ficker a. a. 0. 243 (dem Meyer von Kuonau, Jahrb. 
Heinrichs IV., Bd. I, 291 N. 105 folgt) annehmen müssten, dass zwischen 
1007 und 1017 Veräusserungen von Pertinenzien des Hofes Forchheim 
vorgekommen wären : denn dann würde die Datierung auf den 1. Nov. 1007 
wohl den Zweck gehabt haben, solche Veräusserungen ^ die übrigens kaum 
als unrechtmässig bezeichnet werden könnten — ungiltig zu machen. 
Allein zu einer solchen Annahme scheint uns kein ausreichender Grund 
vorzuliegen. Denn wenn es in St. 2608, dem D. Heinrichs IV., durch 
welches 1062 das unter Heim-ich III. dem Bisthum Bamberg entzogene 
Forchheim restituiert wird, heisst, dass diese Restitution geschehe, ein- 
schliesslich alles dessen 'quae exinde Otnandus minist erialis noster ex 
munificentia felicis memoriae patris nostri in proprium sil)i contraxit sive 
quicquid quaelibet persona iniuste hinc abalienaverat', imd wenn deshalb 
alles, was 'a die primae donationis' zu Forchheim gehört hatte, re- 
stituiert ward, so liegt in den Worten nichts, was uns berechtigte, an 
andere Veräusserungen als an diejenigen zu denken, welche, wie wir 
wissen (vgl. St. 2507. 2594. 2608. 2711), unter Heinrich III. und Heinrich IV. 
selbst, also nach der Einziehung durch ersteren, zu r-runsten des Ministerialen 
Otnand und vielleicht noch anderer Personen vorgekommen waren. — 
Uebrigens will ich bei dieser Gelegenheit darauf aufmerksam machen, 
dass vielleicht Günther von Bamberg gegen die in den Jahren 1056 — 1061 
erfolgten Verleihungen an Otnand (vgl. dazu St. 2711) protestiert und 
dabei St. 1465 vorgelegt hat, ja dass darü])er wahrscheinlich längere Zeit 
(wohl mindestens seit dem Jahre 1060) am Hofe verhandelt worden ist. 
Denn der in St. 2589 vom 30. Aug. 1060 l)egegnende und in ähnlicher 
Weise in St. 2593 vom 7. März 1061 wiederholte Zusatz 'ea utentes potes- 
tate, qua antecessores nostri in dandis abbatiis usi sunt' erinnert in auf- 
fallender Weise an den in St. 1465 vorkommenden Satz 'ea in hac donatione 
usi potestate, qua nostri antecessores reges videlicet et imperatores ante- 
hac sunt usi in sanctarum aecclesiarum ditatione' und erklärt sich um 
so einfacher, wenn zur Zeit der Ausfertigung von St. 2589. 2593 unser 
D. St. 1465 in der Kanzlei Heinrichs IV. vorlag, als auch noch einige 
andere Ausdrücke von St. 1465 in St. 2589. 2593 wiederkehren. 2) Im 
Zusammenhang mit den Bamberger Urkunden vom 1. Nov. 1007 stehen 
auch die beiden DD, für Kitzingen und Stein (St. 1484. 1485). Von 
beiden liegen uns nur Ausfertigungen in Diplomform vor, die, insofern 
sie Originale sein wollen, gefälscht sind ; St. 1484 ist wohl gegen Ende, 
St. 1485 wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 12. Jh. geschrieben. 
Aber beide sind verschieden zu beurtheilen. St. 1485 zeigt, wie in 
Excurs I ausführlich dargethan wird, an einer Stelle eine Interpolation, 
scheint aber in der Hauptsache echt zu sein und geht jedenfalls auf eine 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs IL 167 

Die nächsten Bamberger Stücke nach denjenigen vom 
1. Nov. 1007 sind nach der von Stumpf beliebten Anordnung 
St. 1499 — 1504. Dass sie ins Jahr 1009 gehören, haben 
wir bereits oben S. 147 ff. dargelegt; zu erörtern bleibt nur 
noch eine Schwierigkeit ihrer Datierung, die darauf beruht, 
dass in 1499 Mainz, in St. 1500 — 1504 Frankfurt als 
Ausstellungsort genannt ist, während alle sechs Stücke 
vom 6. Juli datiert sind. Ficker ^ suchte die Erklärung 
darin, dass St. 1499 'früher zu Mainz geschrieben und nach- 
träglich zu Frankfurt datiert sei', indem er hervorhob, 
dass in dem D. die Tagesangabe nachgetragen sei. Wenn 
die Urkunde, wie Ficker annahm, zu 1008 gehörte, würde 
man sich in der That mit dieser Erklärung befreunden 
können, da in diesem Jahr die Richtung des Itinerars Köln- 
Mainz - Frankfurt - Forchheim sein müsste. Allein im J. 1009 
liegt die Sache anders : der König kommt aus dem östlichen 
Sachsen und zieht nach Metz; er hat also aller Wahi*- 
scheinlichkeit nach Frankfurt vor Mainz passiert. Demnach 
wird St. 1499 einheitlich datiert sein und die Unregel- 
mässigkeit wird vielmehr in St. 1500 — 1504 gesucht werden 
müssen. Wir nehmen also an, dass diese letzteren Stücke 
in Frankfurt, St. 1499 aber später in Mainz geschrieben 
sind und dass dann alle 6 Stücke zusammen am 6. Juli 
in Mainz vollzogen wurden; bei der Vollziehung ist das 
Tagesdatum nachgetragen worden -. Demnach datieren wir 
St. 1500 — 1504 so: Frankfurt — 1009 Juli 6; St. 1499 
aber: Mainz 1009 Juli 6. 



echte Vorlage zurück. Dagegen ist das Kitzinger Diplom St. 1484 völlig 
gefälscht. Dem Fälscher hat St. 1457, das D., durch welches Kitzingen 
an Bamberg geschenkt wird, vorgelegen ; dass er gerade diese, einem 
Kitzinger leicht zugängliche Urkunde benutzt hat, ergiebt sich mit voller 
Sicherheit aus folgendem Umstand. In St. 1457 ist durch ein Versehen 
des ED die Strafformel durch Auslassung von 'dei' hinter 'coram ocuMs' 
verstümmelt. Diese Wendung hat der Schreiber von St. 1484 genau 
copiert, also auch 'coram oculis luat' geschneiten ; erst nachträglich hat 
er den Fehler bemerkt und durch Einschiebung von 'domini' verbessert. 
AVar seine Vorlage aber St. 1457, so haben wir keine Veranlassung, eine 
davon verschiedene Urkunde Heinrichs II. für Kitzingen überhaupt an- 
zunehmen. Ueberdies ist das Protokoll durch Heranziehung von 'Salu- 
berrimus' zum Titel entstellt und im Context 'consilio et consensu prin- 
cipum Roiiianorum' für eine Urkunde Heinrichs IL ganz unmöglich ; das 
Siegel ist einem solchen Heini-ichs VI. nachgeahmt. Sonach ist die Aus- 
führung von Hirsch .Tahrb. II, 118 f. haltlos. Kitzingen hat keine Urkunde 
von Heinrich IL erhalten, und wenn in St. iJ368 Privilegien Heinrichs 
und Konrads für das Kloster erwähnt werden, so ist dabei an die Ur- 
kunde Heinrichs III. St. 2200 zu denken. 1) Beiträge zur Urkunden- 
lehre II, 502. 2) Wahrscheinlich in allen 6 Stücken, s. oben S. 151; 
nur bei St. 1504 sind .jetzt keine äusseren Anhaltspunkte dafür bemerkbar. 



168 Harry Bresslaii. 

Aelter als die eben besprochenen DD. sind nach 
unserer Anordnung St. 1516 vom 25. Mai und St. 1517. 
1518 vom 1. Juni 1009. Wir haben die Datierung- dieser 
Stücke selbst bereits oben S. 152 besprochen, aber es bleibt 
uns noch die Frage nach ihrem Verhältnis zu St. 1514 für 
Pruel und zu St. 1515 für Tegernsee vom 20. und 22. Mai 1009, 
die beide Regensburg als Ausstellungsort nennen, zu er- 
örtern. Die Entfernung Regensburg - Allstedt beträgt in 
der Luftlinie c. 270 km. ; dass der König diese Strecke in 
drei Tagen zurückgelegt habe, ist ganz unmöglich, dass er 
auf sie nur fünf Tage verwandt habe, setzt einen höchst 
unwahrscheinlichen Eilmarsch voraus ^. Er ging zu Ende 
April nach Regensburg (s. oben S. 160), und wir nehmen 
mit Ficker I, 199 an, dass hier auf einem bairischen Land- 
tage die Handlung zu Gunsten der beiden bairischen 
Klöster erfolgte, während die Beurkundung oder wenigstens 
die Vollziehung der Urkunden erst auf der Reise von da 
nach Sachsen stattfand. St. 1514 ist nur abschriftlich er- 
halten; in St. 1515 ist die Zahl 'XI' vor 'kal. lun.' nach- 
getragen; diese Nachtragung giebt unserer Annahme die 
erwünschte äussere Unterstützung. 

Es folgen — da die Einreihung von St. 1525 zum 
29. Oct. 1009 und von St. 1534 zwm 28. April 1010 
keinem Zweifel unterliegt — St. 1535. 1536, beide mit den 
Daten kal. iun., ind.VIII, a. ine. 1010, a. regn. VIII. St. 1535 
ist von GA verfasst und geschrieben, St. 1536 daraus von 
Ba. III copiei't, der sich zuerst, nach der Gewohnheit 
dieser Bamberger Schreiber, ein Blanquet mit der Signum- 
zeile anfertigte. Sicher ist die Einreihung dieser Stücke 
zum J. 1010; fraglich könnte nur erscheinen, ob auf das 
Tagesdatum des 1. Juni Werth zu legen ist; dass auch 
im Jahre 1009 am 1. Juni für Bamberg geurkundet ist, 
erscheint zunächst auffällig und könnte zu der Vermuthung 
führen, dass das Tagesdatum in St. 1535. 1536 aus einer 
Urkunde vom 1. Juni 1009 übernommen wäre. Doch fehlt 
zu einer solchen Vermuthung jeder weitere Anhaltsj)unkt. 
St. 1535. 1536 zeigen im Text keine nähere Beziehung zu 
St. 1516 — 1518, sondern stehen mit älteren DD. vom 
1. Nov. 1007, am nächsten wohl mit St. 1460, im Zusammen- 
hang; wir haben also keinen Grund zu der Annahme, dass 
St. 1516 — 1518 auf ihre Abfassung irgendwie eingewirkt 
haben und müssen demnach die Ueberein.stinimung im Tages- 
datum lediglich als einen Zufall betrachten. 

1) Thietmar hat nach VI, 40 (27) am 10. April 1009 Magde])urg 
verlassen und ist erst am 19. in Augsburg eingetroffen, s. oben S. 160. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 169 

Sehr grosse Schwierigkeiten macht das in Stumpfs 
Regesten zunächst folgende Bamberger D. n. 1537. Wie 
oben (S. 14:4) bemerkt, ist dasselbe von Ba. IV geschrieben, 
den wir sonst erst erheblich später (St. 1654) nachzuweisen 
vermögen. Er hat sich für dasselbe eines Blanquets bedient, 
auf welchem aber nur das Monogramm voraufgefertigt 
war. In der Datierung ist die Tagesangabe des 2. Juli 
vielleicht nachgetragen. An allen Zahlen der Jahresangaben 
sind Correcturen vorgenommen, deren Ausdehnung freilich 
sehr schwer zu bestimmen ist. Heisst es jetzt ind. Villi, 
a. incarn. MVIIII, a. regn. Villi, sind also alle drei An- 
gaben einander äusserlich gleich und dadurch innerlich mit 
einander völlig unvereinbar gemacht ^ so war ursprünglich 
wahrscheinlich ind. VII, a. incarn. MVI, a. regn. VII oder 
VIII geschrieben ; die erste Zahl ist um zwei, die zweite 
um drei, die dritte um zwei oder drei Einheiten nach- 
träglich erhöht worden. Bei dieser Lage der Dii]ge sind 
diese Angaben nur ein Beweis für die völlige Hilflosigkeit, 
mit welcher Ba. IV der Aufgabe, die von ihm geschriebene 
Urkunde zu datieren, gegenüberstand ; für die Einreihung 
der Urkunde sind sie nicht zu verwerthen, und es geht 
nicht an, mit Stumpf eine einzelne von ihnen herauszu- 
greifen und danach das Datum zu bestimmen. 

Dies ist um so unmöglicher, als wir in der Eecognition 
einen ganz sicheren Anhaltspunkt dafür haben, dass St. 1537 
im Jahre 1010, wohin Stumpf das D. gestellt hat, nicht 
geschrieben sein kann. Es ist recognosciert 'vice Ekenbaldi 
archicancellarii', und Erkenbald ist, wie oben bemerkt, erst 
nach dem 23. Febr. 1011 Erzcapellan geworden. Allerdings 
ist der Name 'Ekenbaldi' erst durch Correctur entstanden, 
aber nicht etwa aus 'Uuilligisi', wie zuerst in den Mon. 
Boica, dann von Stumpf und Ficker angenommen worden 
ist, ist er corrigiert, sondern Ba. IV hatte zuerst geschrieben 
'Guntherius cancellarius vice Eberhardi- archicancellarii 
recognovit'. Müsste man hier annehmen, dass der Notar 
Ba. IV, der ja wahrscheinlich Italiener war, den Fehler be- 
gangen hätte, weil er an Eberhard als italienischen Erzkanzler 
dachte, so könnte St. 1537 erst im Jahre 1013 geschrieben 



1) Denn die neunte Indiction gehört zu lOll, das neunte Regierungs- 
jahr Heinrichs 1)egann am 7. Juni 1010. — Ich Itemerke hier, dass auch 
alle anderen von Ba. IV datierten Urkunden Heinrichs chronologische 
Schwierigkeiten bieten. Bei St. 1654. 1793. 1794 stimmen die Jahres- 
angaben unter sich überein, aber nicht zu Tag und Ort; St. lH-22 hat 
falsches Incarnationsjahr. 2) Das k ist aus b, n aus r, b aus h, 1 aus r 
corrigiert; die übrigen Buchstaben blieben stehen. 



170 Harry Bresslaii. 

sein. Aber diese Annahme ist niclit unbedingt nothwendig, 
der Irrthnm kann auch bloss dadurch entstanden sein, dass 
dem Schreiber, der doch wohl ein Untergebener Eberhards 
war, der Name seines Herrn und Auftraggebers vorschwebte 
und dass er ihn gedankenlos niederschrieb. Wir halten 
uns also nur daran, dass St. 1537 nach Febr. 1011 entstanden 
sein muss, und da nun am 2. Juli 1011 für Bamberg 
St. 1550 ausgestellt ist, da diese Urkunde überdies der 
unsrigen textlich verwandt ist und sehr wohl als — von 
Ba. IV gekürzte und in einigen Worten veränderte — Dictat- 
vorlage für St. 1537 gedient haben kann \ so setzen wir 
auch dies D. zum 2. Juli 1011 an. Nun aber nennt St. 1550 
Mainz, St. 1537 Ingelheim als Ausstellungsort. Und wie 
beide Urkunden unter sich in bezug auf den Ortsnamen 
zweien, so stehen sie auch mit St. 1545 — 1549 im Wider- 
spruch. Die Daten dieser Stücke sind: 

St. 1545: 1011 Mai 22 Eegensburg, 
St. 1546: 1011 Jimi 18 Ramspau^ 
St. 1547: 1011 Juni 19 Eamspau, 
St. 1548: 1011 Juni 25 Regensburg, 
St. 1549: 1011 Juni 26 Regensburg. 
Dass nun der König nicht am 26. Juni in Regensburg 
und am 2. Juli in Mainz oder Ingelheim gewesen sein kann, 
ist wohl sicher. Die Entfernung von Regensburg nach 
Mainz beträgt in der Luftlinie über 300 km., unter Zugrunde- 
legung der heutigen Eisenbahndistancen auf dem nächsten 
Wege über Nürnberg -Würzburg -Aschaffenburg 369 km., 
auf dem Wege über Bamberg, den Heinrich wahrscheinlich 



1) Bemerkeuswerth ist liesonders, dass in St. 1537 und St. 1550 
das gewöhnliche 'rite' vor 'scrilii aut appellari' fehlt, was aul" ihren Zu- 
sammenhang hinweist. Als Ba. IV St. 1550 benutzte, war dies D. wahr- 
scheinlich noch nicht ganz vollendet. In St. 1550 stehen in der Wendung 
'cum Omnibus eorum pertinentiis sive adherentiis' die gesperrt ge- 
druckten Buchstaben auf Rasur; wahrscheinlich hatte der Schreiber zu- 
erst 'pertinentibus' und 'adherentibus' geschrieben. Wenn es nun in St. 1537 
'appendiciis sive adherentibus' heisst, so könnte dies eben daher stammen, 
dass Ba. IV die Vorlage benutzte, ehe jene Correcturen gemacht waren. 
2) 'Randesbure', was Stumj^f zuerst mit Regensburg identificiert, dann 
— in den Nachträgen — auf Randesburg, östlich von Regensburg, be- 
zogen hatte, während ein Zusatz Fickers wieder auf Regensburg zurück- 
kommt, ist unzweifelhaft mit v. Ocfcle (Sitzungsber. der bair. Akademie, 
hist.-phil. Classe, 1894 S. 275, N. 24) auf Ramspau (Gi"ossramspau, nö. 
von Regenstauf j zu deuten. Der Ort heisst im 13. und 14. Jh. Ranspuer, 
Ranspauwaer, Ranspawer, Rannspawaer (Mon. boica XXXVI •', 113. 114. 
366. 368 f. 560. 562), 1425 bei Andreas von Regensburg (Oefele SS. I, 23) 
Ranspav/ren. Wir verdanken diese Nachweisungen einer gütigen Mittheilung 
des k. bairischen Reichsarchivs vom J. 1892. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 171 

eingeschlagen hat \ etwa 400 km. Die Zurücklegung eines 
solchen Weges in 5 — 6 Tagen ist nicht anzunehmen; Marsch- 
leistungen von 50 — 60 km. für den Tag sind unter be- 
sonderen Verhältnissen auch im 11. Jahrh. ein oder- das 
andere Mal vorgekommen; solche Leistungen an 5 — 6 auf- 
einander folgenden Tagen vorauszusetzen, ohne dass ein 
besonderer Grund für eine so aussergewöhnliche Anstrengung 
zu erkennen wäre, sind wir nach allen Erfahrungen nicht 
berechtigt. 

Muss danach entweder für St. 1548 und 1549 oder 
für St. 1550 (beziehungsweise St. 1537) angenommen werden, 
dass Ort und Tag nicht zu einander gehören -, so entscheiden 
wir uns für die erste der beiden Alternativen mit Rück- 
sicht darauf, dass es gerade bei Urkunden, welche sich 
auf Geschäfte beziehen, die auf einem Regensburger Hof- 
tage vollzogen sind, noch in einem anderen Fall unter 
Heinrich angenommen werden muss, dass sie erst auf dem 
Weitermarsch ausgefertigt und nach der Vollziehung datiert 
sind, während doch Regensburg in ihnen — als Ort der 
Handlung oder des Beurkundungsbefehles — genannt wird ■'. 
Dazu kommt, dass bei dieser Annahme Ramspau Station 
auf dem Wege des Königs von Regensburg nach dem Rhein 
sein würde ^, und dass wir also der Nothwendigkeit über- 
hoben wären, einen Abstecher des Königs von Regensburg 
nach Ramspau und zurück nach Regensburg anzunehmen; 
ein solcher Abstecher ist zwar bei der geringen Entfernung 
beider Orte an sich nicht unmöglich, aber an einem für 



1) Bambero- ist uuter Heinrich II. oft Station auf dem Wege von 
und nach Regensburg gewesen. Vgl. zu 1003 die Route Rohr-ßamberg- 
Regensburg -Bamberg (St. 1361 — 1366), zu 1007: Regensburg - Bamberg- 
Mainz (St. 1442 — 1452), zu 1010: Regensburg-Bamberg-Maiuz (St. 1527 — 
1536), zu 1013: Balgstädt-Bamberg-Regensburg (St. 1586—1588), zu 1014: 
Regensburg-Bamberg-Mörfelden (St. 1628—1631). Auch Konrad II. reist 
1025, wo sich die Route genau verfolgen lässt, von Regensburg über 
Beratzhausen, Schwarzenbruck und Mögeldorf bei Nürnberg, Bamberg 
nach Tribur (St. 1879— 1889). Ebenso Heinrich IH. von Regensburg 
über Bamberg nach Goslar (St. 2363 — 2365). Die Beispiele Hessen sich 
leicht noch vermehren. 2) Im ersteren Falle würde der Ort auf ein 

früheres, der Tag auf ein späteres Stadium des Beurkundungsgeschäfts 
zu beziehen sein. Im letzteren Falle wäre die umgekehrte Annahme 
nothwendig. 8) Vgl. oben S. 168. 4) Wenn v. Oefele a. a. 0. meint, 
dass der König sich auf der Reise von Bamberg nach Regensburg in 
Ramspau aufgehalten habe, so ist dabei St. 1545 nicht beachtet worden. 
Auch seine Erklärung der Xamensform 'Regenesbure' in Hunds Druck 
von St. 1549 erscheint uns nicht nothwendig; eine auf das jetzt verlorene Or. 
der Urkunde (das auch Hund benutzt hat) zurückgehende Abschrift in 
dem AViener Codex 9031 hat Regenspurgg. Der Schreiber wird das Wort 
nach Analogie von Ratisbona decliniert haben. 



172 Harry Bresslau. 

uns erkennbaren Grunde dafür fehlt es völlig". Wir be- 
seitigen also den Widerspruch zwischen den Urkunden aus 
ßegensburg- vom 25. und 26. Juni und denen aus Mainz- 
Ingelheim vom 2. Juli durch die Annahme nicht ein- 
heitlicher Datierung- der ersteren und ordnen die obigen 
fünf Urkunden folgendermassen an: 

St. 1545: Eegensburg 1011 Mai 22, 
St. 1548: Eegensburg — 1011 Juni 25, 
St. 1549: Eegensburg — 1011 Juni 26, 
St. 1546: Eamspau 1011 Juni 18, 
St. 1547 : Eamspau 1011 Juni 19. 
Danach bleibt uns nur noch die Frage, vrie der Wider- 
spruch der Ortsangaben in St. 1550 und 15.37 bei gleichem 
Tagesdatum zu erklären ist. Obwohl es nicht unmöglich 
wäre, dass der König beide Orte an einem Tage besucht 
hätte, ist das doch wenig wahrscheinlich ^ ; es wird also 
auch in einem dieser beiden DD. der Ort nicht zum Tage 
gehören. Nun läge es ja an sich am nächsten anzunehmen, 
dass der von Eegensburg kommende König zuerst in Mainz, 
dann erst in Ingelheim geweilt hätte; aber es ist doch 
auch keineswegs ausgeschlossen, dass er zuerst direct die 
Pfalz und dann erst die nahegelegene Bischofsstadt auf- 
gesucht hat. War das der Fall, so konnte in Ingelheim 
der Befehl zur Ausfertigung beider Urkunden ertheilt 
werden, ihre Vollziehung wäre dann in Mainz am 2. Juli 
erfolgt, d. h. St. 1550 wäre einheitlich, St. 1537 nicht 
einheitlich datiert, hier vielmehr erst bei der Vollziehung 
das Tagesdatum nachgetragen worden-. Mit dieser An- 
nahme ist es sehr Avohl vereinbar, dass, wie oben bemerkt 
wurde, St. 1550 als Dictatvorlage für St. 1537 gedient 
hat. Denn wie dort ^ gleichfalls schon aus einer Correctur 
in St. 1550 geschlossen wurde, war dies D. wahrscheinlich 
noch nicht vollendet, als St. 1537 danach geschrieben ward. 
Wurde etwa das Eschatokoll von 1550, für dessen Her- 
stellung der sonst nicht wieder in der Kanzlei beschäftigte 
Schreiber einer besonderen Anweisung bedurfte, erst in 
Mainz hinzugefügt, so konnte doch sein Context sehr wohl 
schon in Ingelheim vorhanden sein. Dass aber St. 1550 
noch ohne Eschatokoll war, als es von Ba. IV für St. 1537 
benutzt wurde, ist auch an sich sehr wahrscheinlich; in 
der Fassung der Schlussformeln besteht keine nähere 
Beziehung zwischen bei-den, und den Schreibfehler im 
Namen des Erzcajjellans würde Ba. IV wohl vermieden 



1) Vgl. Ficker, Beiträge I, 338. 2) S. oben S. 169. 3) S. 170 N. 1. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 173 

haben, wenn er diesen in dem vor ihm liegenden D. schon 
gelesen hätte. Trifft diese Annahme zu, die uns nicht als 
die allein mögliche, aber als die wahrscheinlichste erscheint, 
so sind also die beiden Stücke so zu datieren : 
St. 1537: Ingelheim — 1011 Juli 2, 
St. 1550: Mainz 1011 Juli 2. 
Wir kommen zu St. 1566 — 1568, die Stumpf am 
1. November 1012 in Frankfurt ausgestellt sein lässt. Dass 
diese Ansetzung unmöglich ist, habe ich schon in den 
Jahrb. Heinrichs II. Bd. III, 348 bemerkt: am 1. Nov. 1012 
war Heinrich nach Thietm. VII, 24 (VI, 51) in Helmstedt i. 
Geschrieben sind alle drei Stücke von Ba. III ; die Jahres- 
augaben sind in allen gleich: ind. 6, a. ine. 1011, a. regn. 11. 
Die Indictionsangabe, die nur zu 1008 passt, ist ganz un- 
sinnig; da Ba. III auch in St. 1589 von 1013 und in St. 1728 
von 1019 die gleiche unsinnige Zahl setzt, ist auch die 
von Stumpf vorgeschlagene Emendation von VI in XI un- 
zulässig ; die Angabe ist lediglich unbrauchbar. Regierungs- 
und Incarnationsjahr widersprechen sich; der a. regn. 11 
beginnt erst am 7. Juni 1012 und gehört nicht zu 1011. 
Welcher dieser beiden Angaben wir folgen sollen, ist nun 
ausserordentlich schwer zu sagen. Die sjDäteren von Ba. III 
datierten Urkunden geben dafür keinen sicheren Anhalts- 
punkt. Sie sind nämlich — wenn wir von St. 1589 ab- 
sehen, in dem Regierungs- und Incarnationsjahr zu ein- 
ander stimmen — die folgenden: 

St. 1598: Febr. 15, a. ine. 1013, a. regn. 12, a. imp. 1, 
St. 1628: Juni 21, „ „ 1014, „ „ 12, „ „ 1, 
St. 1648: Apr. 17, „ „ 1015, „ „ 14, „ „ 2, 
St. 1683: Apr. 28, „ „ 1017, „ „ 16, „ „ 3, 
St. 1728: Juni 10, „ „ 1019, „ „ 11, „ „ 7. 
Prüfen wir diese Daten im einzelnen, so ergeben sich die 
auffallendsten Unregelmässigkeiten. In St. 1598, das in 
Rom gegeben ist, ist das Incarnationsjahr, entsprechend 
einem auch sonst damals von italienischen Schreibern ge- 
machten Fehler, irrig; es müsste 1014 heissen. Dass 
St. 1628 zu 1014 gehört, wird durch St. 1629 für Salzburg 
mit correcten und einheitlichen Daten gesichert; hier sind 
also Incarnations- und Kaiser jähr richtig, dagegen müsste 
das Königs jähr am 21. Juni schon 13 statt 12 sein. Ebenso 
sicher ist, dass St. 1648 in 1015 zu setzen ist, da der König 
in diesem Jahr Ostern zu Merseburg feierte-; auch hier 



1) Vgl. auch Ficker, Beiträge zur Urkunden!. I, 338. 2) Vgl. 

Hirsch III, 17 £f. 



174 Harry Bresslau. 

sind also Kaiser- und Incarnationsjahr richtig, das König-s- 
jahr falsch, aber diesmal um eine Einheit zu gross. Aiich 
für St. 1683 steht das Jahr 1017 fest, da die Feier des 
Osterfestes (21. April) in Ingelheim sicher bezeugt ist^; 
während also auch hier das Incarnationsjahr correct ist, 
ist das Königsjahr um eine Einheit zu gross, das Kaiser- 
jahr um eine Einheit zu klein-. Was endlich St. 1728 
betrifft, so kann man zweifeln, ob es wegen des Incarnations- 
jahres zu 1019 oder wegen des Kaiserjahres zu 1020 zu 
setzen sei — eine Frage, die wir jetzt nicht untersuchen 
wollen — : sicher ist jedenfalls, dass das elfte Königsjahr 
unheilbar und unerklärlich verkehrt ist. 

Bei dieser Sachlage ist eine sichere Entscheidung 
über St. 1566 — 1568 kaum möglich. Zwar setzt der Schreiber 
seit der Kaiserkrönung häufiger ein richtiges Incarnations- 
als ein richtiges Königsjahr; aber das kann mit der jetzt 
in erster Linie beachteten Rechnung nach Kaiser jähren 
zusammenhängen, denen gegenüber die Königsjahre ver- 
nachlässigt werden mochten, und berechtigt ims noch 
nicht, die drei DD. mit Sicherheit ins Jahr 1011 zu setzen. 
Allerdings würde es möglich sein, in diesem Jahre einen 
Aufenthalt des Königs in Frankfurt am 1. November unter- 
zubringen; es fehlt uns nämlich sonst an allen Nachrichten 
über sein Itinerar vom August 1011 bis Weihnachten. 
Aber auf die Angaben von Tag und Ort in St. 1566 — 
1568 ist überhaupt nichts zu geben: ganz gewiss hat 
Ficker a. a. O. Recht, wenn er sie als gedankenlos aus 
einem der DD. vom 1. Nov. 1007 übernommen erklärt hat; 
die Textgestaltung der drei Urkunden zeigt mit Sicherheit, 
dass neben St. 1536 ein solches D. in ihnen benutzt worden 
ist, und das Monogramm von St. 1567 beweist die Benutzung 
einer älteren Urkunde, indem es eine Eigenthümlichkeit 
des Notars ED nachahmt. Demnach sehen wir bei den 
drei Urkunden von diesen Angaben ganz ab ^ verzichten 



1) A. a. 0. III, 53. Auch hier ist also das Zusammentreffen des 
Tages mit einer früheren Bamberger Urkunde (St. 1534) nur Zufall, 
2) In dieser Zeit ist allerdings auch in der Kanzlei die Chronologie in 
Verwirrung gerathen, worauf später zurückzukommen sein wird. 3) Wir 
versuchen also auch nicht den Fall durch die Annahme nicht einheitlicher 
Datierung zix erklären, die Ortsnamen etwa auf den Frankfurter Aufenthalt 
vom Sept. 1012 (St. 1563) zu beziehen und hierhin die Handlung zu ver- 
legen, den Tag (1. November) auf die Beurkundung zu deuten, die dann 
in Helmstedt erfolgt sein müsste. Ein Auseinanderreissen dieser beiden 
in den Grründungsurkunden zusammenstehenden und aus ihnen, auf die 
immer wieder zurückgegriffen wurde, jedem der Baml)erger Notare ge- 
läufigen Angaben scheint uns ganz ausgeschlossen werden zu müssen. 



I 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 175 

aber auch darauf, zwischen 1011 und 1012 eme nicht ge- 
nügend zu begründende Entscheidung zu treiffen. Wir lösen 
die Datierung der Urkunden so auf: — 1011 oder 1012 — , 
und reihen sie zwischen den Urkunden beider Jahre ein, 
um die Möglichkeit ihrer Zugehörigkeit zu beiden zu 
bezeichnen. 

Von dem in der Chronologie so unglücklichen Ba. III 
rührt auch die letzte Bamberger Urkunde aiis der Zeit 
vor dem Römerzuge her, die wir an dieser Stelle zu be- 
sprechen haben: St. 1589. In der Datierung ist die uns 
schon bekannte sechste Indiction nicht zu verwerthen; 
a. ine. 1013 und a. regn. 12 entscheiden für die zweite Hälfte 
des Jahres 1013. Aber dass am 1. December 1013 der 
König nicht in Merseburg gewesen sein kann, steht fest ; 
von hier war er am 21. Sept. aufgebrochen \ um sich über 
Bamberg und Regensburg zu dem Sammelplatz der für 
den Zug nach Italien aufgebotenen Truppen zu begeben. 
Da nun in St. ]589 das Tagesdatum mit anderer Tinte nach- 
getragen zu sein scheint, liegt es sehr nahe, uneinheitliche 
Datierung anzunehmen, die Handlung in jenen Merseburger 
Aufenthalt vom September- zu verlegen, während die 
Vollendung der Urkunde erst am 1. December erfolgt ist. 
Da Ba. III den König auf dem Zuge über die Alpen 
begleitet hat — er hat in Rom St. 1598 geschrieben — , 
so ist auch von dieser Seite her die Erklärung ohne jeden 
Anstand. 

Nachdem wir die Schwierigkeiten, welche die chrono- 
logische Unwissenheit der Bamberger Schreiber und ihre 
Gleichgiltigkeit gegenüber der Correctheit der Datierungs- 
angaben unserer Ausgabe bereitet, erörtert und zu über- 
winden versucht haben, bleiben uns nur noch einige 
Einzelheiten in bezug auf die Einreihung der übrigen 
Urkunden und die Gestaltung des Itinerars in den Jahren 
1007 — 1013 (soweit dieselbe für unsere Zwecke in Frage 
kommt) zu besprechen. 

Noch dem Jahre 1007 gehört eine unvollständig da- 
tierte Urkunde für Cremona, St. 1486, an. Sie giebt nur 
a. ine. 1007, ind. 5, a. regn. 6 an und nennt Pöhlde als 

Ueberdies ist in allen drei Stücken keine Spur von Nachtraorung in der 
Datierung zu erkennen. 1) Thietm. VII, 82 (VI, 56). 2) An diesen 
hat auch Pabst gedacht (Jahrb. II, 130 N. 4), der Dec[embris] in Sept^mbris] 
ändern wollte, was natürlich gegenül)er der originalen Ueberlieferung 
unzulässig, aber auch gar nicht nöthig ist. Wenn Stumpf bemerkt, dass 
das Or. in der Schrift^ ganz mit 'der Urkunde vom 1. Nov. 1012' über- 
einstimme, so ist dies ganz richtig, da sie vom gleiclien Schreiber herrührt, 
trägt aber für die Datierung nichts aus. 



176 Harry Bresslau. 

Ausstellungsort. Gehört sie somit der zweiten Hälfte des 
Jahres an \ so wird sie zu dem Pöhlder Weihnachts- 
aufenthalt des Königs zu stellen sein, von dem die Ann. 
Hildesheim. a. a. 1008 berichten-. 

Wie hier, so schliessen wir uns Stumpf auch hin- 
sichtlich' der Einreihung der nächsten Urkunde St. 1487 
für Vicenza au. Sie giebt als Daten 1008 und a. regn. 6, 
gehört also der ersten Hälfte des Jahres 1008 an. In 
unserer ganzen Ueberlieferung — die auf ein verlorenes 
Copialbuch des Bisthums zurückzugehen scheint — ist die 
Indictionsziffer ausgefallen und sind Tages- und Ortsangabe 
verstümmelt. Der Ortsname lautet in einer Londoner Ab- 
schrift: 'Mulinnissun'^; von zwei Vicentiner Copien des 17. und 
18. Jh. bietet die ältere 'Mulimh . . . .' oder 'Mulinih ....', 
die jüngere 'Mulind . . un'. Die Beziehung auf Mühlhausen 
(Mulinhusun) kann also wohl als sicher gelten. Vom Tages- 
datum ist nur 'X. kal.' erhalten; der Monatsname fehlt. 
Ein Aufenthalt in Mühlhausen ist auf der Reise von Pöhlde 
nach Würzburg ^, wo der König am 7. Mai 1008 urkundet 
(St. 1-1:88. 1489), bequem unterzubringen. 

Nicht ganz so leicht ist es, diese letzteren Urkunden 
und die nächste St. 1490 (Or.), die am 11. Mai zu Tribur 
ausgestellt ist, mit der Angabe der Hildesheimer Annalen, 
dass der König Pfingsten (16. Mai) in Köln gefeiert habe, 
zu vereinigen, zumal Urkunden vom 18. und 19. Mai 
(St. 1491 — 1495) ihn wieder in Mainz sein lassen. Die 
Entfernung Würzburg -Tribur (in der Luftlinie c. 115 km.) 
kann in etwa 4 Tagen sehr wohl zurückgelegt sein, und von 
dort bis Mainz ist die Reise gering. Aber dass zwischen 
Tribur und Mainz eine Reise an den Niederrhein, von der 



1) Hirsclis Versuch, sie 'um eiji paar .Tahre zurückzurücken' (Jahrb. U, 
207) ist gegenüber der Datierung unmöglich. Dass in ihr die Berufung 
des Landulf auf den Bischofsstuhl von Cremona als eine 'noviter' erfolgte 
erscheint, lässt eine andere Erklärung zu, als Hirsch und Pabst gemeint 
haben ; vgl. in unserer Ausgabe die Vorbemerkung zu D. 84. 2) Mit Hirsch 
a. a. 0. II, 206 anzunehmen, dass der Hildesheimer Annalist Weihnachten 
1007 und 1()08 verwechselt habe, wird man sich nicht entschliessen dürfen. 
3) Nicht 'Mulinuissun', wie Stumpf angiebt. 4) Dazwischen liegt nach 
Ann. Hildesheim. 1008 ein Osteraufentlialt i2.S. März) zu Merseburg, für 
den wir kein anderes Zeugnis haben. Auch diese Angabe ist aber mit 
unserer Ansetzung vereinbar. Der König kann Mühlhausen auf dem Wege 
von Merseburg nach Würzl)urg berührt haben und in diesem Falle wäre 
'X. kal. mai.' zu ergänzen. Aber in den Text wagen wir diese Ergänzung 
nicht einzusetzen. Denn, wenn auch die Angabe der Ann. HildesJi. an 
dieser Stelle zuverlässig ist, ist es nicht auszuscldiessen, dass Heinrich 
von Pöhlde zunächst nach Mühlhausen und dann erst nach Merseburg 
gegangen ist. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs 11. 177 

der König sofort zurückgekehrt wäre, eingeschoben worden 
sei. ist an sich nicht wahrscheinlich und in Anbetracht 
der Entfernung-sverhältnisse (Tribur-Köln 150 km., Köln- 
Mainz c. 140 km., deren erstere in 5, letztere in 2 Tagen 
hätten zurückgelegt werden müssen) kaum noch glaublich. 
Da nun in St. 1491 — 1494 Handlung und Beurkundung 
aller Wahrscheinlichkeit nach zusammenfallen, da auch 
keine dieser vier Urkunden eine Nachtragung im Datum 
erkennen lässt, wird man die Angabe der Hildesheimer 
Amialen verwerfen müssen ^. 

Die erste Urkunde des Jahres 1009 (St. 1511) ist aus 
Dortmund vom 12. März datiert'. Hiermit streiten die 
Nachrichten der Vita Meinwerci cap. 11, SS. XI, 111, über 
die Ernennung ihres Helden zum Bischof. Nach dem Tode 
Bischof Rethars, heisst es hier, der am 6. März 1009 er- 
folgte, habe die Paderborner Kirche Gesandte an Heinrich 
geschickt, der in Goslar gewesen sei und nach Berathung 
mit den anwesenden Fürsten Meinwerk ernannt habe; 
dieser sei am nächsten Sonntag (13. März), der genau be^ 
zeichnet wird, ebendaselbst geweiht worden. Da als sicher 
angenommen werden kann, obgleich es die Vita nicht aus- 
drücklich sagt, dass der König dieser Weihe beigewohnt 
und, indem er von Goslar nach Dortmund, also über 
Paderborn, zog, den neuen Bischof selbst in seine Stadt 
eingeführt hat, kann die Datierung in St. 1511 nicht ein- 
heitlich sein. Dasselbe gilt dann aber auch von St. 1512 
mit den Daten Duisburg März 17: die Entfernung von 
Goslar nach Duisburg (in der Luftlinie c. 250 km., auf 
der kürzesten, jetzigen Eisenbahnroute 313 km.) ist für 
eine drei- bis viertägige Reise, zumal wenn ein Aufenthalt 
in Paderborn wahrscheinlich ist, sicher zu gross. Wir be- 
gegnen damit zum ersten Male einer uns bisher noch nicht 
vorgekommenen Form nicht einheitlicher Datierung, indem 
sich hier die Tagesangabe auf einen früheren Zeitpunkt 
des Beurkundungsgeschäfts, der Ortsname auf die Voll- 
ziehung der Urkunde beziehen muss ^ Eine um so will- 

1) Vgl. N. A. XX, 173. So auch Giesebrecht 11 ^ 611. Der 
König ist am 1. Juli in Köln (St. 1498) und dieser Aufenthalt mag- 
ursprünglich für das Pfingstfest beabsichtigt gewesen sein. 2) 'IIII. 
id. mart.' bietet eine ausserordentlich sorgfältige Abschrift vom J. 1718 
aus dem damals noch vorhandenen Original. Erhards Emendation von 
'id.' in 'kal.' ist also unzulässig ; ebensowenig lässt sich, wie Hirsch, Jahrb. 
II, 212 gewünscht hätte, 'IUI.' vor 'idus' fortlassen; auch würde die letztere- 
Emendation die Schwierigkeit noch nicht beseitigen. 3) Aehnliche 
Beziehung, wenigstens für St. 1511, sind schon Hirsch a. a. 0. und Diekamp 
Supplement zum Westf. ÜB. 101 n. 012 anzunehmen geneigt gewesen. 

Neues Archiv etc. XXII. 12 



178 Harry Bresslau. 

kommenere Bestätigung für eine solche Annahme würde 
es sein, wenn in St. 1511. 1512 die Ortsnamen allein nach- 
getragen, also zuletzt hinzugefügt wären. Das können 
wir nun allerdings bei beiden DD., da deren wahrscheinlich 
von EC geschriebene Originale nicht erhalten sind, nicht 
nachweisen. Aber dass grade bei EC eine solche Art der 
Nachtragung damals vorkommt, ergiebt sich aus dem uns 
erhaltenen Originale von St. 1513 für S. Apollinare zu 
Ravenna: hier ist thatsächlich die Nachtragung des Orts- 
namens allein noch erkennbar ^, und insofern gewährt auch 
dies D. unserer Annahme eine Stütze. 

Die übrigen Urkunden dieses Jahres sind, soweit ihre 
Datierung einer Erläuterung bedarf, schon oben S. 149 ff. 
und S. 167 f. besprochen worden; nur über St. 1522 aus 
Kirchberg ist noch ein Wort zu sagen. Dies von Erich 
geschriebene D. war nie besiegelt, das Monogramm entbehrt 
des Vollziehungsstriches, hinter 'data' ist eine Lücke für 
Tag und Monat unausgef üllt geblieben - : wir haben also ein 
unvollzogenes D. vor uns. Stumpf hat die Urkunde an 
St. 1521 vom 9. Juni 1009 aus Merseburg angeschlossen, 
wohl nur weil diese Urkunde gleichfalls für Magdeburg 
ausgestellt ist. Allein St. 1522 muss wegen der 8. Indiction 
in den Schluss des Jahres gehören ^ und ist also, wie schon 
Hirsch* annahm, auf der Reise von Worms, wo Heinrich 
am 3. November war, nach Pöhlde, wo er Weihnachten 
feierte, entstanden. 

Von den DD. des Jahres 1010 hat uns zunächst 
St. 1533 für Kloster Niedernburg zu Passau zu beschäftigen, 
das die Daten IUI. kal. mai. ind. 8, a. ine. 1010, a. regn. 8; 
actum Regensburc aufweist. Stumpf ^ hat das Monatsdatum 
in 'XIII. kal. mai.' emendiert, da uns vom 19. April andere 
DD. für Niedernburg erhalten sind, während Heinrich nach 
dem Or. St. 1534 — geschrieben von GA mit durchaus 
correcter Datierung — am 28. d. M. bereits in Bamberg 



1) Sie trägt in diesem Fall für das Itinerar nichts aus, da der 
König , der noch bei der Vollziehung des D. in Neuburg war, hier 
schon am 23. Ajiril nachweisbar ist (Thietm. VI, 40 [27]). Bei St. 1524, 
gleichfalls von EC (vgl. Ficker, Beitr. II , 265) , ist ebenso die Nach- 
tragung des Ortsnamens zu erkennen, aber abweichend von Ficker 
halten wir hier auch den Tag für sehr wahrscheinlich nachgetragen. 

2) Die Datierung weicht in der Schrift etwas al), scheint aber doch auch 
von Erich herzurühren ; sie wird später geschrieben sein als der Text. 

3) Erich muss hier die Indictionsrechnung des GA angeiiommen haben, 
s. oben S. 161. In St. 1637 und 1680 hat er dagegen am 20. November, 
bezw. am 6. December die Indiction noch nicht umgesetzt. 4) Jahrb. II, 
284. 5) Dasselbe hat wohl Böhmer Reg. 1062 gemeint. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 179 

war. Wäre 1533 Original, wie Stumpf und Ficker g-laubten, 
so würde, worauf bereits Ficker^ aufmerksam gemacht 
bat, eine solche Emendation kaum zulässig sein ; es würde 
wohl nichts anderes übrig bleiben als mit Ficker anzu- 
nehmen, dass zwar die Handlung von St. 1533 noch zu 
Eegensburg, die Vollziehung aber erst am 28. April zu 
Bamberg erfolgt wäre. Nun trifft aber eben jene Vor- 
aussetzung Stumpfs und Fickers, wie schon oben (S. 157) 
bemerkt ist, nicht zu. Das uns erhaltene Exemplar von 
St. 1533 ist kein Originaldiplom, sondern es ist eine am 
Ende des 11. oder im Anfang des 12. Jh. entstandene Ur- 
kunde in Diplomform - ; ihrem Schreiber hat aber ein von 
dem oben S. 157 f. erwähnten Kleriker Godehards verfasstes 
und geschriebenes Originaldiplom vorgelegen, das er nicht 
ungeschickt nachgezeichnet hat ''\ Wvirde bei dieser Nach- 
zeichnung des Originaldiploms dessen Datierung über- 
nommen, so ist es an sich sehr wohl möglich, dass dabei 
ein Schreibfehler — 'IUI' statt 'XIII' — vorgekommen ist; 
andererseits ist dies aber doch keineswegs so sicher, dass 
wir die Emendation in den Text selbst aufnehmen dürften ; 
möglich ist es doch, dass wirklich auch das Originaldiplom 
schon 'IUI. kal. mai.' aufwies und also nicht einheitlich 
datiert war. Bei dieser Sachlage wird es das richtigste 
sein, auf eine ganz genaue Auflösung des Datums von 
St. 1533 im Eegest der Urkunde zu verzichten iind in 
dieses nur den jedenfalls zutreffenden Ansatz: 'Eegens- 
burg 1010 April — ' aufzunehmen. 

Die zu besonderen Erörterungen Veranlassung gebenden 
Datierungen des Jahres 1011 sind schon oben S. Iß9 ff. er- 
ledigt worden. Hier bleibt nur noch zu motivieren, weshalb 
wir St. 1827 für Stablo - Malmedj, das Stumpf zu 1006 — 

1) Beiträge 1, 40. Ebenda II, 273, vgl. 291, nimmt Ficker Nach- 
tragung der Tagesangabe an. 2) Vom Siegel ist nur noch ein kleiner 

Tbeil an der Urkunde selbst befestigt, ein anderer von derselben ab- 
gefallen, aber noch vorhanden. Die erhaltenen Reste zeigen noch ganz 
geringe Spuren des Bildes, keine Spur der Schrift mehr; ob sie von 
einem echten Siegel Heinrichs stammen oder nicht, lässt sich nicht fest- 
stellen. 3) Möglicherweise ist sogar die Nachtragung des Vollziehungs- 
striches im M. nachgemacht worden; mit Sicherheit kann sie aber eben- 
sowenig, wie die von Ficker (s. oben N. 1) angenommene Nachtragung 
des Tagesdatums (und der Indiction) festgestellt werden. In der Nach- 
zeichnung ist jedenfalls die Intervention Heinrichs von Baiern auffallend 
(vgl. Hirsch II, 246 f.), die in St. 1530—1532 fehlt. Auf die Frage, ob die 
Nachzeichnung im übrigen die Vorlage genau wiedergiebt oder ob bei ihrer 
Anfertigung eine Fälschung, etwa in bezug auf die Grenzen des an Niedern- 
burg gegebenen Theiles des Nordwaldes beabsichtigt war, haben wir im 
Zusammenhang dieser chronologischen Erörterungen nicht einzugehen. 

12* 



180 Harry Bresslau. 

1007 setzen wollte \ bei diesem Jahre einreihen. Die 
Urkunde berichtet, dass nach dem Tode des Abts Raveng-er 
die Brüder beider Klöster einen neuen Abt wählten. Diesen 
zu bestätigen lehnte Heinrich ab und übertrug- die einst- 
weilige Verwaltung der Klöster einem andern Abt, entschloss 
sich aber, nachdem er weitere Aufklärung erhalten hatte, 
eben durch unsere Urkunde 'presentem abbatem Bertrannum, 
quem electione regulari antea elegerant', also den zuerst 
erwählten und früher nicht bestätigten, einzusetzen (c o n - 
stituimus hac [für 'ac'] utrique loco regendo digne pre- 
fecimus). Kehrt nun in den Ann. Stabulenses (SS. XIII, 43), 
welche zum Jahr 1007 den Tod Ravengers melden, bei der 
Nachricht über den Antritt Bertrams: 'Anno 1011. Ber- 
trandus constituitur' derselbe Ausdruck wieder"', den 
Heinrich in jener Urkunde gebraucht, so kann es keinem 
Zweifel unterliegen, dass hier und dort dasselbe gemeint 
ist und dass also Bertram im Jahr 1011 vom König ein- 
gesetzt ist -^ In welchen Zeitpunkt des Jahres 1011 die 
Urkunde zu setzen ist, darüber fehlt es an allen Anhalts- 
punkten; wir stellen sie daher an den Schluss desselben. 

Im Anschluss hieran möge gleich der drei anderen 
datenlosen oder ungenügend datierten DD. Erwähnung 
geschehen, welche Stumpf in die Königszeit Heinrichs 
eingereiht hat: St. 1828 für Fulda, St. 1829 für S. Michele 
della Chiusa und St. 1830 für Senones. 

Was zunächst die letztere Urkunde angeht, so ist 
sie uns in zwei Abschriften des 17. Jh., die beide an der- 
selben Stelle abbrechen, unvollständig überliefert. Soweit 
sie reicht , ist sie , bis auf die neu formulierte Grenz- 
beschreibung und einen Einschub über das Marktrecht 
'ad praenominatum locum' ^, wörtliche Wiederholung des 

1) Bertholet setzte das D. zu 1005, vgl. Hirsch, Jahrb. I, 365 N. 4. 
2) Da der Verfasser der Annalen, wie seine Xotiz zu 990 über das Privileg 
Gregors V. zeigt, die Urkunden des Klosters benutzt hat, so kann er den 
Ausdruck gradezu dem DH. II. entnommen haben. 3) Wie schon 

Rieger im Programm des k. k. Franz - Joseph - Gymnasiums zu Wien von 
1882, S. 22 Anm. 2 bemerkt hat, passen dazu auch die 10 Regierungs- 
jahre, welche der Abtskatalog SS. XIII, 293 dem 1020 gestorbenen 
Bertram giebt. Die dem scheinbar entgegenstehende Urkunde Heriberts 
von Köln i ur Bertram vom 2. Nov. 1007 (Martene et Durand, CoUectio 11, 55) 
hält Rieger wohl mit Recht für unecht ; hinzuzufügen ist, was er vielleicht 
gemeint hat, aber nicht sagt, dass Heribert unmöglich am 2. Nov. 1007 
in Malmedy gewesen sein kann, da er am 1. November dieses Jahres 
auf der Frankfurter Synode anwesend war. 4) Dieser Einschub beruft 
sich auf die Urkunde Ohilderichs II., welche als VU. für DO. I. 103 ge- 
dient hat; aber in ihr steht nichts davon. In St. 3078, welches unmittelbar 
auf die merovingische VU. zurückgeht, wird ein Markt in Senones gleich- 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 181 

DO. I. 103 ; da auf dieses auch die lutitulatio zurückgeht, 
das Schlussprotokoll aber fehlt, da endlich der Bischof 
Dietrich II. von Metz, der als Interveuient g-enannt ist, 
von 1006 bis 1046 regiert hat, so fehlt für uns jeder 
Anhaltspimkt, um zu entscheiden, ob die Urkunde Hein- 
rich II. oder Heinrich III. angehört ^. 

Anders steht es mit dem Fragment einer mangelhaft 
datierten Urkunde für Fulda St. 1828, das Schöttgen und 
Krejsig aus einer jetzt verschollenen Handschrift heraus- 
gegeben haben"-. Foltz nahm au (S. 511), dass Eberhard 
diese Urkunde in seine Sammlung nicht aufgenommen 
habe ; doch steht diese Annahme schon mit seiner eigenen, 
gleich darauf folgenden Aeusserung (S. 512), derzufolge 
Schöttgens Hs. eine Copie des zweiten Bandes des Cod. 
Eberhardi gewesen sei, im Widerspruch. Thatsächlich findet 
sich denn auch das Fragment sowohl im zweiten Band 
des Codex Eberhardi selbst (f. 21') wie in der Abschrift 
desselben in Cod. XVIII, n. 1018 (Bd. II, S. 47 f.) der k. 
Bibliothek zu Hannover^. Aber auch ohne solche äussere 
Beglaubigung würden wir dasselbe mit voller Sicherheit 
Eberhard zuschreiben können; sein Stil ist an einzelnen 
Ausdrücken^, die Tendenz seiner Fälschungen an dem 
Satze 'decernentes, ut ex his, que ad usus fratrum pertinent, 
nullus abbas alicui laicorum concedat neque ullus laicorum 
ab aliquo abbatum recipiat' aufs deutlichste zu erkennen. 
Haben wir es also sicher mit einem Machwerke des be- 
rüchtigten Fuldaer Fälschers zu thun, so bleibt nur noch 
zu fragen, ob irgend eine echte Königsurkunde von Eberhard 
als Vorlage benutzt ist. Darauf erhalten wir sofort die 
Antwort, wenn wir die Stelle betrachten, die Eberhard 
dem Fragment gegeben hat. Er hat es mit der Ueberschrift 
'item alia tradicio' unmittelbar an eine Abschrift des 



falls nicht erwähnt, sondern nur der durch eine Frau Kunigunde verliehene 
Markt zu Dompierre (St. 3007) nochmals bestätigt. Also ist jener Ein- 
schub, zumal in ihm von einer 'imperialis iussio' die Rede ist, selbst 
keineswegs unverdächtig. 1) In dem Chartular B ist sie in der französischen 
Ueberschrift Heüirich III. zugewiesen und zu 1040 gesetzt, was natürlich 
nichts beweist. 2) Vgl. Foltz, Forschungen zur Deutsch. Gesch. XVIII, 512. 
.3) Gütige Mittheilungen darüber verdanken wir dem k. Staatsarchiv zu 
Marburg und Herrn Ober-Bibliothekar Bodemann in Hannover. 4) Ich er- 
wähne z. B. 'conpertinenciis', das er mit ganz besonderer Vorliebe statt 'per- 
tinentiis' der echten Urkunden setzt, dann die Erwähnung von 'regni 
principes', die er z. B. auch in der von Foltz S. 502 ft'. abgedruckten 
fingierten königlichen Bestätigung des Tauschvertrages zwischen Graf 
Stephan und Abt Huogo anbringt (presente rege et cunctis regni prin- 
cipibus). 



182 Harry Bresslau. 

DO. I. 131^ angeschlossen, dessen Schlusszeilen von 'im- 
pressione roborari' an er fortgelassen hat. Danach kann 
es keinem Zweifel unterliegen, dass er auch die Daten 
'XIIII. kal. febr. act. Franch.' diesem D. entnommen hat, 
welches wirklich am 19. Januar 951 in Frankfurt gegeben 
ist. Eberhard hat also ein DO. I. durch die Anhängving 
oder, wenn man will, den Einschub eines auf Berstadt 
bezüglichen Zusatzes verfälscht; weshalb er unter diesen 
Umständen die Signumzeile auf den Namen eines Heinrich 
umgeschrieben und an welchen Heinrich er dabei gedacht 
hat 2, ist eine müssige Frage, über die Erwägungen an- 
zustellen sich nicht lohnt: genug, dass kein D. eines 
Königs Heinrich über die Schenkung von Berstadt an 
Fulda existiert hat \ 

Noch anders zu beurtheilen ist endlich das dritte 
oben erwähnte Stück, St. 1829 für das Kloster S. Michele 
della Chiusa in Piemont. D'Achery^, dem wir allein den 
Text der Urkunde verdanken, will sie 'ex veteri membrana 
archivii eccl. Bisuntinae' entnommen haben; unsere wieder- 
holten Bemühungen, diese Quelle des Drucks im Depar- 
tementalarchiv oder auf der Stadtbibliothek in Besan9on 
wiederzufinden, sind vergeblich gewesen; und vielleicht 



1) Eine andere Abschrift des DO. I. steht im ersten Band des 
Codex, vgl. die Anmerkung zu Dronke, Cod. dipl. Fuld. 321 n. 688. 
2) Das M. ist eine freie Schöpfung der Phantasie Eberhards; am ersten 
mag man es etwa mit dem Handmal Heinrichs I. vergleichen, doch weicht 
es auch von diesem erhoblich ab. 3) Dass man in Fulda besonderes 

Interesse daran hatte, sich Besitztitel über Berstadt zu verschaffen, zeigt 
das Original des D. Karls III., das Kaiserurkk. in Abb. Lief. VII, Taf. io 
facsimiliert ist. In diesem Original ist an zwei Stelleu der Name 'Pechstat' 
in 'Perhstat' corrigiert, und Eberhard bietet in seiner Abschrift 'Berstat', 
vgl. Dronke, Cod. dipl. Fuld. 281 n. 624, Anm. 1. Ich zweifele nicht 
daran, dass er selbst jene Veränderung im Or. vorgenommen oder wenigstens 
veranlasst hat, und beurtheile demnach auch die Rasur im Eingang des 
D. weniger harmlos als Sickel gethan hat, obwohl nicht zu erkennen ist, 
welche weitere Fälschung liier beabsichtigt war, da die Absicht nicht 
ausgeführt ist. Ein ganz ähnlicher Fall liegt nämlich bei St. 1651 vor, 
vgl. Bloch, N. A. XIX, 610, und Kaiserurkunden in Abb. Lief. IV, Taf. 10. 
Hier ist das Original an einer Stelle durch eine auf radiertem Grunde 
eingetragene Interpolation entstellt. Eberhard hat die Urkunde zweimal 
copiert. Seine erste Abschrift giebt an dieser Stelle noch den unver- 
fälschten Text, den wir durch eine andere Ausfertigung desselben D. für 
Michelsberg kennen. Eine sj^ätere Abschrift auf einem in den Codex 
eingeschobenen Blatt enthält bereits die Interpolation. Diese ist also 
gerade zu seiner Zeit und deshalb gewiss durch ihn bewirkt worden. 
4) Spicilegium ed. I. X, 637; ed. II. III, 386. Seinen Abdruck wieder- 
holen Provana in Memor. della R. Accad. delle scienze di Torino Ser. 2 
t. 2 b (1840), 122, dann Moriondi Mon. Aquensia II, 295 und Migne 
Patrol. lat. CXL, 305. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 183 

liegt hier, da es schwer begreiflich ist, wie eine Urkunde 
jenes piemontesischen Klosters in das erzbischöf liehe Archiv 
zu Besan9on gekommen sein soll, nur eine Verwechselung 
oder ein Versehen d'Achery's vor. Wie dem auch sei, die 
Echtheit des Stückes, das ohne Eschatokoll überliefert ist, 
anzuzweifeln ist kein Grund vorhanden; aber um so be- 
strittener ist, von welchem Heinrich es herrührt. Stumpf 
hat das D., dem Vorgang d'Achery's folgend, in die Jahre 
1004 — 1014 gesetzt, ohne davon Notiz zu nehmen, dass 
italienische Specialforscher, namentlich schon 1840 Provana^, 
dem sich neuerdings Claretta - und Savio ^ angeschlossen 
haben, es Heinrich III. zuweisen^. Das Dictat trägt auch 
hier für die Entscheidung der Frage nichts aus, denn es 
geht auf ein wahrscheinlich, von dem Notar Her. D ver- 
fasstes D. Ottos III. zurück, das uns nicht erhalten ist '". 
Somit haben wir für die Bestimmung der Entstehungszeit 
von St. 1829 keinen anderen Anhaltspunkt als den Namen 
des Abts von S. Michele, Petrus, der zugleich als 'religiosus 
episcopus' bezeichnet wird. Wäre dieser, wie die meisten 
italienischen Forscher seit Terraneo annehmen, noth- 
wendig mit einem der gleichnamigen Bischöfe von Asti 
zu identificieren, so würde schon danach kein Zweifel sein, 
dass die Urkunde Heinrich III. angehört ; denn da Peter I. 
von Asti Anhänger Arduins war, Heinrich II. also nicht 
für ihn geurkundet haben kann, könnte dann nur an 
Peter II. gedacht werden, dessen Treue gegen sich und 
seinen Vater Heinrich III. in St. 2204 besonders hervorhebt. 
Allein, abgesehen von anderem, kann diese Annahme schon 
deswegen nicht als sicher gelten, weil wir auch unter 
Heinrich II. einen Bischof Petrus kennen, den von Tortona, 
an den möglicher Weise gedacht werden könnte. 



1) In der soeben angeführten Abhandlung in den Berichten der 
Turiner Akademie. 2) Storia diplomatica dell' antica abbazia di 

S. Michele della Chiusa (Torino 1870) S. 16 ff. 3) SuUe origini della 

abazia di S. Michele della Chiusa (Torino 1888) S. 16. 4) In Folge 
dessen habe auch ich, Jahrb. Konrads 11. I, 379, mich bei Stumpfs Zuweisung 
begnügt. 5) Dass der Gründer des Klosters, Hugo von Montboissier, 

Urkunden Silvesters II. und Otto's III. erwirkt hat, ergiebt sich aus dem 
Chron. S. Michaelis de Clusa cap. 16 (Mon. Hist. patriae SS. III, 262), 
vgl. auch cap. 19. Die Publicatio von St. 1829 stimmt fast wörtlich mit 
DO. III. 267 (vgl. 277), dem auch die Corroboratio entspricht; zu ^et nunc 
et in posteris' in dieser Formel vgl. 'et nunc et futuris temporibus' in 
St. 1592, sowie 'in posterum conferendum' in DO. III. 385. Auch im 
übrigen finden sich in St. 1829 so viele in den DD. des Her. D begegnende 
Wendungen (darunter manche nicht gewöhnliche), dass dieser mit "Wahr- 
scheinlichkeit als der Verfasser der VU. bezeichnet werden darf. 



184 Harry Bresslan. 

Indessen ancli unabhäng-ig von dieser Identification 
bleibt für Petrus in S. Michele della Chinsa bis 1014 kein 
Raum. Denn wenn man früher auf Grund einer offenbar 
verschriebenen oder absichtlich entstellten Jahresangabe 
in der Chronik des Klosters dessen Gründung- ins Jahr 
966 gesetzt hatte, und wenn diese Ansetzung noch neuer- 
dings von Carutti ^ acceptiert worden ist, so haben die 
Untersuchungen von Claretta und insbesondere diejenigen 
von Savio mit einer jeden Zweifel ausschliessenden Gewiss- 
heit gezeigt, dass die Gründung erst zur Zeit Otto's III. 
und Silvesters II., also nicht vor 999, erfolgt ist. Da nun 
die Namen der beiden ersten Aebte — Arveus (Advertus), 
der vorher Abt von Lezat war, und Benedict I. — fest- 
stehen, da die Klosterüberlieferung, die in dieser Hinsicht 
wohl nicht anzuzweifeln ist, dem letzteren eine sehr lange 
Regierung (von 44 Jahren) zuschreibt, da endlich Benedict I. 
in den Acten des Concils von Limoges (1031) noch als 
lebend erwähnt wird, so kann Petrus als Abt nicht schon 
unter Heinrich II. gelebt haben ; erst Heinrich III. gehört 
also St. 1829 an. 

Behalten wir dies D. demnach der Edition der Ur- 
kunden des zweiten Saliers vor und lassen wir die Fuldenser 
Fälschung ganz bei Seite, da die Machwerke Eberhards 
einen Neudruck wirklich nicht verdienen-, so werden wir 
nicht umhin können, St. 1830 für Senones in unsere Aus- 
gabe aufzunehmen, weil seine Zuweisung an Heinrich IL 
ebenso möglich ist, wie die an Heinrich III. Wir stellen 
das D. an den Schluss der Urkunden aus der Königszeit 
Heinrichs II., machen aber in dem Regest und in der Vor- 
bemerkung ausdrücklich darauf aufmerksam, dass es auch 
den Jahren 1039 — 1046 angehören kann. 

Von den Urkunden des Jahres 1012, zu denen wir 
nunmehr übergehen, bedarf zunächst St. 1559 für Worms, 
betreffend die Forstrechte im Odenwald und die Abgrenzung 
des Lobdengaus von der Heppenheimer Mark einer ein- 
gehenden Erörterung. Das D. liegt uns in einer Aus- 
fertigung vor, die von zwei Schreibern herrühren dürfte; 
von dem einen scheinen nur Signum- und Recognitionszeile, 
von dem anderen alles übrige eingetragen zu sein. Beide 
Hände gehören sicher dem 11. Jahrhundert und wahr- 
scheinlich dessen erster Hälfte an, sind aber in der Kanzlei 



1) II conte Umberto I. (Biancamano) e il re Ardoiiio (Rom 1888) 
S. 352. 2) Auch seine interpolierten Absdiriften noch erhaltener 

Orijiinale werden wir in der Ausgabe nur in einzeluen besonders gearteten 
Fällen berücksichtigen. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 185 

Heinrichs nicht nachweisbar. In der Schritt erinnern hier 
und da einzelne Zeichen und Buchstaben an die Gewohn- 
heiten des GA, doch kann von einer eigentlichen Nach- 
zeichnung eines von ihm geschriebenen D., wie sie Bayer 
annimmt^, unseres Erachtens nicht die Eede sein. 

Sowenig wie die Schrift ist das Dictat der Urkunde 
in der Kanzlei entstanden. Die Publicationsformel steht 
derjenigen der DD. 1543. 1544 — beide für Worms — 
nahe und kann aus einem von ihnen entlehnt sein. Dann 
liegt für den Text DO. I. 392 zu Grunde, dem St. 1559 
sich so genau anschliesst, dass selbst die unter Heinrich II. 
nicht mehr übliche Wendung 'anuli (statt 'sigilli') nostri 
inpressione' beibehalten ist. Neu sind in der Narratio die 
Erzählung des durch den König angeordneten Inquisitions- 
verfahrens über die Grenzen und am Schluss die mit 'et 
hoc adiciamus' eingeleitete Strafformel. Diese hat Ver- 
wandtschaft mit der auch in späteren Wormser DD. (vgl. 
St. 1631. 1816) begegnenden Formel. Jene enthält einen 
Satz: 'suj)ra dicti pagi comitem a culmiue nostri imperii 
. . . misimus', der, da Heinrich 1012 noch nicht Kaiser 
war, sicherlich in der Kanzlei nicht so formuliert ist, 
sondern Entstehung des Dictats ausserhalb derselben be- 
weist "-. 

Der Inhalt der Urkunde giebt an sich zu Bedenken 
keine Veranlassung; was sie berichtet, ist mit anderen 
Zeugnissen gut vereinbar. Im Jahr 970 hatte nämlich 
der Bischof von Worms, auf Grund von Fälschungen älterer 
Diplome, welche Avahrscheinlich eben unter ihm angefertigt 
waren, von Otto I. ein Privileg erwirkt^, durch das ihm, 
zur Beilegung beständiger Streitigkeiten zwischen Worms 
und Lorsch, im Odenwald das 'silvaticum' und jedwede 
Nutzung für den Umfang des Lobdengaues 'in undique in 
lutraha' zugesprochen wurde ^. Demnächst waren von 

1) Kaiserurkunden in Abbildungen Text S. 110. 2) Das Protokoll 
erinnert, wie die Schrift, in einigen Beziehungen an GrA ('ordinante' in 
der Devotionsformel, 'ad vicem' in der Recognition), ^A'eicht aber namentlich 
in der Formulierung der Datierungszeile ganz von dessen Gewohnheiten 
ab und kann auch keinem anderen Kanzleibeamten dieser Zeit beigelegt 
werden. 3) DO. 1. 392. 4) Die 'lutraha', deren Deutung Otteuthal 
Reg. 517 Schwierigkeiten gemacht zu haben scheint, ist die Itter (oder 
Euter), ein bei Eberbach mündender Nebenfluss des Neckar, vgl. Huff- 
schmidt in Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins N. F. VI, 106 (auch die 
Reimannsche Specialkarte n. 200 giebt noch beide Namen: Itter und 
Euter; die Deutung bei Oesterley s. v. lutraha ist irrig). Statt intrantia 
in Schannats Druck von Mühlbacher Reg. 338 (nicht 1374 wie Ottenthai 
schreibt) ist '[in] Utraha' zu lesen, vgl. Boos ÜB. der Stadt Worms 1, (3 n. 11. 
Dass 'in undique' in DO. I. 392 statt 'et undique' der Vorurkunden ein 



186 Harry Bresslau. 

Heinrich II. im Mai 1011 auch die Grafschaftsrechte im 
Lobdengau an Worms geschenkt worden (St. 1544). Nun 
aber erhielt im Mai 1012 Kloster Lorsch durch das D. 
St. 1555 einen Forst im Odenwald geschenkt, dessen Haupt- 
theil zwar im Oberrheingau gelegen war und also mit den 
Wormsischen Ansprüchen nichts zu thun hatte, dessen 
Abgrenzung aber insofern mit diesen nicht vereinbar war, 
als er im Osten durch die lutra, die Itter, und von deren 
Mündung in den Neckar an bis Neuenheim durch diesen 
Fluss im Süden begrenzt wurde ^. Unter diesen Umständen 
ist es vollkommen begreiflich , dass die Streitigkeiten 
zwischen Lorsch und Worms, die Otto I. beigelegt zu haben 
glauben konnte, sich erneuerten, dass Burchard von Worms 
unter Vorlegung seiner Besitztitel seine Ansprüche geltend 
machte, und dass Heinrich ein Inquisitions verfahren an- 
ordnete, um die Grenzen zwischen dem Lobdengau und 
der Heppenheimer Mark, die zu Lorsch gehörte, zu er- 
mitteln und festzustellen. 

Soweit ist also die Erzählung in St. 1559 durchaus 
glaubwürdig, und auch was über die mit dem Inquisitions- 
verfahren beauftragten Persönlichkeiten"^ und über die in 
diesem Verfahren ermittelten Grenzen berichtet wird ^, giebt 



Schreibfehler ist, bemerkt Huffschniidt a. a. 0. 117 wohl mit Recht; zweifel- 
hafter ist mir seine Deutung 'undique in lutraha' = 'zu beiden Seiten der 
Itter'. 1) Ueber die Grenzen vgl. Huffschmidt a. a. 0. 107. In der 

hier in betracht kommenden Beziehung stimmt St. 1555, ein nur abschriftlich 
überliefertes, aber durchaus unverdächtiges, von GA verfasstes D., mit 
der in dem Codex Laureshamensis daran angeschlossenen genaueren Grenz- 
beschreibung durchaus überein. 2) Dass der Graf vom Lobdengau vom 
König damit betraut wird, beweist natürlich nicht, wie Lamey, Acta 
Palatina I, 237, vgl. 242, annahm, dass die durch St. 1544 verfügte 
Schenkung der Grafschaft im Lobdengau nicht ausgeführt worden sei 
oder sich nicht auf den ganzen Gau bezogen habe. — Den Grafen Poppo 
vom Lobdengau — wahrscheinlich ist er der von Burchard als Graf ein- 
gesetzte Nachfolger des 1002 in St. 1307 zuletzt genannten Grafen Megin- 
goz — vermag ich zwar nicht weiter nachzuweisen ; aber seine Existenz 
wird dadurch beglaubigt, dass der in St. 1818 vom Jahre 1023 vor- 
kommende Graf Heinrich vom Lobdengau in St. 2704 vom Jahre 1067 
als filius Bobbonis comitis bezeichnet wird. — Der 'Sigibodo Wormatiensis 
miles' von St. 1559 kann sehr wohl mit einem der beiden Sigebodo identisch 
sein, die in der Zeugenliste der Urkunde Bischof Burchards für Nonnen- 
münster, Boos I, 35 n. 45, genannt werden; dass er von dem in der 
Reihe der Schößen in St. 1559 genannten Mann gleichen Namens wahr- 
scheinlich zu scheiden ist, hat schon Pabst in Hirsch, Jahrb. II, 325 N. 1 
bemerkt. Den Lorscher Ritter Wernher und die Schöffen des Lobden- 
gaus von St. 1559 vermag ich anderweit nicht zu belegen. 3) Vgl. 
über diese Abgrenzung Huffschmidt a. a. 0. S. 109 f. Auch wenn man 
nicht alle dort nach Mittheilungen von Karl Christ gegebenen topo- 
graphischen Bestimmungen für ganz gesichert hält, ist doch das klar, dass 



Erlätiterungeu zu den Diplomen Heinrichs II. 187 

zu Zweifeln keine Veranlassung. Zweifelhaft kann höchstens 
das bleiben, ob im Jahre 1012 nach Beendigung- des Inqui- 
sitionsverfahrens noch eine ausdrückliche Bestätig-ung- der 
Ergebnisse desselben durch Heinrich erfolgt ist — was nicht 
als selbstverständlich angesehen werden kann^ — und ob 
St. 1559 eine solche Bestätigung darstellt oder in Worms 
ohne Autorisation der Kanzlei angefertigt worden ist, um 
dafür ausgegeben zu werden. 

Darüber kann bei der geschilderten Sachlage nur 
nach der Art der Beglaubigung unserer Urkunde durch 
Siegel und Königsunterschrift entschieden werden. Die 
Besiegelung giebt indess keinen sicheren Aufschluss darüber. 
Denn der grösste Theil des echten Siegels ist nicht mehr 
an der Urkunde befestigt, sondern wird, in drei Stücke 
zerbrochen, gesondert von derselben aufbewahrt. An dem 
Pergament befindet sich nur noch ein geringer Rest des 
Siegelwachses, der — nach gütiger Mittheilung von A.Wyss 
— in neuerer Zeit vorn aufgeleimt und hinten durch auf- 
geklebtes Papier fast verdeckt ist. Ueber die ursprüngliche 
Befestigung des Siegels lässt sich also nicht mehr sicher 
urtheilen. 

So bleibt nur das Monogramm'-. In diesem zeigt zwar 
der Vollziehungsstrich ganz dieselbe Färbung der Tinte wie 
der übrige Theil des Handmals. Aber neben dem jetzigen 
Vollziehungsstrich finden sich, nur theil weise von ihm ver- 
deckt, noch Reste einer ganz dünnen mit hellerer Tinte 
vorgezeichneten Linie. Diesen Umstand betrachten wir als 
ausschlaggebend für die eigenhändige Vollziehung des D. 

nach St. 1559 die Grenze des Lobdengaus und des Wormser Rechts in 
das durch St. 1555 an Lorsch überwiesene Forstgebiet übergriff. Aber 
da wo dies der Fall ist — an der Itter — hatte Worms in DO. I. 392 
einen beweiskräftigen älteren Rechtstitel bereits in Händen und brauchte 
einen solchen nicht erst zu fälschen. 1) In dieser Beziehung mag ein 

analoger Fall aus der Zeit Otto's III. augeführt werden. Ueber ein auf 
dessen Anordnung voi'genommenes Inquisitionsverfahren zur Abgrenzung 
der Diöcesen Hildesheim und Minden haben wir eine Xotitia (Diekamp, 
Supplement zum westf. Urkundenbuch 83 n. 519), aber weder in Minden 
noch in Hildesheim hat sich eine Königsurkunde darüber erhalten, und 
dass wenigstens Hildesheim nie eine solche erhalten hat, darf aus dem 
Umstand geschlossen werden, dass derselben in dem 1013 aufgestellten 
Verzeichnis verlorener Hildesheimischer Präcepte (Hildesh. ÜB. I, 52 n. 60) 
keine Erwähnung geschieht. Allerdings nennt das Verzeichnis mehrere 
Präcepte seit karolingischer Zeit über die terminatio des Bisthums, imd 
ein solches ist in St. 1575 wiederholt ; aber diese terminatio hat mit der 
in jener Notitia gegebenen gar nichts zu thun; über letztere ist also aller 
"Wahrscheinlichkeit nach ein D. Otto's HI. nicht ausgestellt worden. 
2) Meine Beoliachtungen darüber sind durch eine nochmalige Nach- 
prüfung, die A. Wyss gütigst vorgenommen hat, bestätigt worden. 



188 Harry Bresslau. 

durch den König und damit für die Originalität von 
St. 1559. Denn während wir in einer erheblichen Anzahl 
von Originaldiplomen eine derartige Vorzeichnung einer 
dünnen Linie für den vom König nachzutragenden Voll- 
ziehungsstrich beobachtet haben, vermögen wir um so 
weniger zu glauben, dass ein Fälscher so unterrichtet ge- 
wesen wäre, solchen Kanzleibrauch zu kennen, und so 
raffiniert, ihn nachzuahmen, als dieser Fälscher ja den 
Erfolg seiner Bemühungen selbst wiederum vereitelt hätte, 
indem er den eigentlichen Vollziehungsstrich vom Havipt- 
körper des Monogramms sich gar nicht abheben liess. 
Sehen wir also um dieses äusseren Merkmals willen St. 1 559 
als ein zwar ausserhalb der Kanzlei entstandenes, aber 
vom König vollzogenes und deshalb als ein originales 
Diplom an, so entsteht die Aufgabe, seine Datierung zu 
erklären, die mit dem Itinerar Heinrichs nicht vereinbar 
ist. Sie verbindet die Tagesangabe des 18. August mit dem 
Actum Nierstein. Aber am 18. August 1012^ kann Heinrich 
nicht in Nierstein gewesen sein, denn wie wir aus Thietmars 
hier sehr eingehendem Bericht (VII, 14 [VI, 46]) wissen, 
sandte ihm die in Sachsen weilende Königin die Nachricht 
von dem Tode des am 12. August verschiedenen Erzbischofs 
Walthard von Magdeburg durch den Schenken Geco ins Lager 
vor Metz (regi iam iuxta Metensem urbem cum exercitu 
sedenti) ; Thietmar fügt hinzu, dass Heinrich den Boten 
über die Lage der Dinge in Sachsen befragt und schnell 
zurückgesandt habe. Da demnach weder Kunigunde bei Ab- 
sendung der Botschaft Kenntnis davon hatte, dass Heinrich 
die Belagerung schon abgebrochen habe-, noch der Wort- 
laut von Thietmars Bericht die Annahme zulässt, dass 
etwa der Schenk den König an einem anderen Ort ge- 
troffen hätte, so ist der Aufenthalt zu Nierstein am 
18. August völlig ausgeschlossen. 

Muss demnach die Datierung von St. 1559 als nicht 
einheitlich betrachtet werden, so sind zwei Erklärungen 
für dieselbe möglich. Sowohl auf dem Wege von Sachsen 
nach Metz — in der zweiten Hälfte des Juni — wie auf 
dem Wege von Metz nach Frankfurt (St. 1563) — Ende 
August oder Anfang September — kann Heinrich Nierstein 



1) Nur in dies Jahr kann St. 1559 gehören, obwohl der a. regni X 
am 18. August nicht dazu passt. Eine Versetzung zu 1011 ist, von 
anderem abgesehen, schon deshall) ausgeschlossen, weil St. 1559 nach den 
obigen Darlegungen sicher jünger ist als St. 1555. 2) Dies ist vielmelu*, 
wie schon Hirsch mit Recht angenommen hat, jedenfalls erst in Folge 
jener Nachricht geschehen. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 189 

passiert haben ^. Nehmen wir auf dem Hinwege einen 
Aufenthalt daselbst an, so wäre in St. 1559 der Tag- auf 
ein späteres Stadium der geschäftlichen Behandlung dieser 
Angelegenheit — etwa die Vollziehung der Urkunde — 
der Ort auf ein früheres — etwa den Beurkundungsauftrag 
oder in diesem Fall vielleicht gar die Anordnung des 
Inquisitionsverfahrens — zu beziehen; die Urkunde wäre 
zu datieren: Nierstein — August 18. Denken wir an den 
anderen Fall, so lägen die Verhältnisse umgekehrt; wir 
müssten annehmen, dass am 18. August im Lager vor 
Metz der König in dieser Sache Anordnungen getroffen, 
etwa den Bericht über den Ausgang des Inquisitions- 
verfahrens entgegengenommen und den Bischof Burchard 
ermächtigt hätte, sich eine Urkunde darüber herzustellen, 
die er dann einige Tage später in Nierstein vollzogen 
hätte; wir müssten demnach datieren: 1012 August 18 — 
Nierstein. Aeussere Merkmale geben keinen Anhaltspunkt 
für die Entscheidung, da in der Datierungszeile keine 
Nachtragung erkennbar ist. Beide Arten nicht einheitlicher 
Datierung kommen in dieser Zeit vor; wenn wir also 
in der Ausgabe, in der doch irgend eine Entscheidung 
getroffen werden muss, die erstere annehmen, da sie immer- 
hin die häufiger begegnende ist, so geschieht das nur mit 
allem Vorbehalt. 

Auch die nächste, in Stumpfs Regesten nach dem eben 
besprochenen Wormser D. eingereihte Urkunde, St. 1560 
für Kloster Seligenstadt, stellt uns vor eine nicht ganz 
leicht zu treffende Entscheidung, Für dies nur in zwei 
Drucken-, von denen der jüngere wahrscheinlich auf den 

1) Dass die E,oute nach Metz hier vorbei führte, zeigen DD. O. 111. 
120 — 12-3 mit den Stationen Ingelheim, AVorms, Diedenhofen, Metz. — 
Da der König noch am 15. Juni (vgl. Hirsch, Jahrb. II, 330 f.) in Sachsen 
war, kann er nicht vor 7. Juni, dem Epochentage, in Nierstein gewesen sein, 
so dass der a. regni X (s. oben S. 188 X. Ij hier nicht zu verwerthen ist. 
2) Zuerst in einer Seligenstädter Deductionsschrift von 1778, dann bei 
Wenck, Hess. Landesgesch. I'', 280 n. 868 (daraus wiederholt im Xassaui- 
schen ÜB. I, 51). Dass der Druck bei AYenck auf die Deductionsschrift 
zurückgeht, ist sehr wahrscheinlich. Die in der Deductionsschrift wie bei 
Wenck unmittelbar vor St. 1560 gedruckte Urkunde von 933 hat Wenck 
zwar, wie aus seiner Aeusserung I«, 349 und aus der Anmerkung 1^, 
279, Xote ** hervorgeht, aus anderer Quelle geschöpft, aber eben diese 
Anmerkung zeigt auch, dass jene andere Quelle St. 1560 nicht enthielt. 
Hat er dasselbe erst während der Ausarbeitung oder des Druckes seines 
1788 erschienenen Buches kennen gelernt, so stammt seine Kenntnis 
eben deshalb wohl aus der Deduction von 1778. Dass sein Text — von 
orthographischen und anderen nichts beweisenden Varianten abgesehen — 
zwei Fehler der Deductionsschrift — 'publicam' statt 'predictam', 'per- 
sonaliter' statt 'perpetualiter' — vermeidet, spricht nicht dagegen, da hier 



190 Harry Bresslau. 

älteren zurückgeht, überlieferte D. muss, wie einige Aus- 
drücke des Contextes und namentlich die durchaus unge- 
wöhnliche Wendung 'Christo propitio' in der Datierungszeile 
zeigten, eine karolingische VU., wahrscheinlich ein verlorenes 
D. Ludwigs des Frommen, als Vorlage benutzt sein ^ Eine 
Eolge des Anschlusses an diese Vorurkunde wird es sein, 
dass in St. 1560 das Incarnationsjahr in der Datierung 
fortgelassen ist, das ja auch in jener fehlte; eben diese 
Formulierung der Datierung lässt aber auch mit voller 
Sicherheit darauf schliessen, dass das D. nicht in der 
Kanzlei Heinrichs II. geschrieben worden ist'-. Entbehrt 
somit auch St. 1560 der vollen Gewähr für seine Echtheit, 
so liegt andererseits auch keine Veranlassung vor, diese 
in Zweifel zu ziehen: in St. 1560 wird in der Hauptsache 
nur eine dem Kloster 933 von Wiltrud und ihrem Sohn 
Konrad ^ gemachte Schenkung bestätigt ^ und Signum- und 
Eecognifcionszeile weisen deutlich auf die Existenz einer 
echten Königsurkunde Heinrichs für das Kloster hin'. Nvin 
hat St. 1560 in dem ältesten Druck die Daten: III. kal. 
febr., a. regn. XI, ind. X; apud Magunciam. Allein der 
König kann am 30. Januar weder im Jahre 1012 noch — 
wenn man etwa daran denken wollte — im Jahre 1013 in 



die Emendation sehr nahe lag; andere offenbare Fehler, wie 'sicut' statt 
'scilicet' und 'deputationem' statt 'deprecationem', hat er mit der Deductions- 
schrift gemeinsam. — Eine hsl. Ueberlieferung der Urkunde zu finden, 
ist uns nicht gelungen; nach gütiger Mittheilung von A. AVyss ist eine 
solche im Darmstädter Archiv nicht vorhanden. 1) Mühlbacher Reg. 549 
ist diese Vorlage nicht ; andere karolingische Urkunden für Seligenstadt 
sind nicht erhalten. Doch ist die Existenz dieser Vorlage um so sicherer, als 
ihre Spuren sehr deutlich auch in der Immunitätsbestätigung Heinrichs III. 
St. 2286 zu erkennen sind, die sich überdies auf verlorene Immunitäten 
der 'anteriores reges videlicet et imperatores' ausdi^ücklich beruft. 2) Aus 
der Entstehung ausserhalb der Kanzlei erklärt sich auch die formelle 
Anlehnung an eine karolingische VU. Sachlich war dazu keine Ver- 
anlassung, da in St. 1560 nur eine Schenkung vom J. 933 bestätigt wird. 
3) Dieser gilt seit Wenck als der bekannte Graf Konrad Kurzbold, vgl. 
u. a. Stein, Gesch. Konrads I. passim. 4) Zweifelhaft könnte höchstens 
sein, ob nicht in unserer Fassung des D. Heinrichs II., insoweit dies bei 
der Aufzählung der Pertinenzien der Schenkung von 933 über diese selbst 
hinausgeht, etwas interpoliert wäre ; doch liegt auch dafür kein näherer 
Anhalt vor, und für die Hauptfrage ist es unerheblich. 5) Ein D. 

Heinrichs für Seligenstadt ist ausser St. 1560 nicht bekannt. Zwar kann 
man in Seligenstadt eine Ausfertigung über den durch St. 1698 (aus der 
Kaiserzeit) verbrieften Tausch mit Burtscheidt besessen haben, von welchem 
wir nur durch die Eurtscheidt^r Ausfertigung wissen. Aber wenn man 
etwa diese Urkunde in Seligenstadt hätte benutzen wollen, um danach 
St. 1560 zu fälschen, so würde dies Stück zweifellos eine ganz andere 
Gestalt erhalten hal)en ; insbesondere würde sein Eschatokoll dadurch 
keineswegs erklärt werden können. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 191 

Mainz g-ewesen sein^; überdies weisen die Jahresangaben 
das D. bestimmt in die letzten Monate des Jahres 1012; 
nur vom 7. Juni 1012 bis zum September oder bis zum 
Ende des Jahres — je nach der Indictionsepoche, welche 
der Schreiber angewandt hat — fallen die 10. Indietion 
und das 11. Regierungsjahr zusammen. In dieser Zeit ist 
Heinrich nach Ann. Quedlinburg. 1012 in der zweiten Hälfte 
des Novembers in Mainz gewesen. Aber noch ein zweiter 
Aufenthalt des Königs daselbst ist, wenn auch nicht aus- 
drücklich bezeugt, so doch höchst wahrscheinlich; als 
Heinrich von Metz nach Frankfurt zog, wo er am 10. Sep- 
tember (St. 1563) urkundete, wird er aller Wahrscheinlichkeit 
nach Mainz berührt haben. An den ersteren Aufenthalt 
hat Hirsch gedacht, der 'III. kal. feb.' in 'III. kal. dec' 
emendieren wollte, an den letzteren Stumpf, der die Emen- 
dation in 'III. kal. seb.' vorschlug. Will man überhaupt 
emendieren, so würde man wohl Stumpf folgen müssen, 
da sein Aenderungsvorschlag palaeographisch , zumal bei 
dem verderbten Text unseres D. weniger Schwierigkeiten 
macht. Allein schon Ficker-^ hat dagegen bemerkt, dass, 
wenn auch die Schreibung 'seb.' statt 'sept.', welche die 
Voraussetzung dieser Emendation ist, durch DO. II. 163 
einmal belegt werden kann, sie doch jedenfalls so selten 
ist, dass eine sich auf diese Voraussetzung stützende Conjectur 
bedenklich erscheinen muss — ganz abgesehen davon, dass 
eine Emendation des Datums, wenn es sich nicht nur um 
eine Zahl, sondern um den Monatsnamen selbst handelt, 
überhaupt ein Nothbehelf ist, zu dem wir nur dann greifen 
würden, wenn gar kein anderes Auskunftsmittel bleibt. 
Hier scheint auch uns der von Ficker gemachte Vorschlag, 
nicht einheitliche Datierung anzunehmen, näher zu liegen. 
Die Bitte der Mönche mag Heinrich im November in 
Mainz vorgetragen und dort von ihm genehmigt worden 
sein, wo vielleicht auch Heinrich von Würzburg, dem das 
Kloster seit 1002 gehörte, anwesend war'^ und sie unter- 
stützt haben mag. Wurde ihnen dann überlassen, eine 
Urkunde darüber aufzusetzen, so kann deren Vollziehung 



1) Wie schon bei Hirsch, Jahrb. II, .317 N. 3 bemerkt ist. 2) Bei- 
träge I, 210. 3) Dem Mainzer Aufenthalt im November gehen die 
Verhandlungen einer grossen Synode über die Metzer Angelegenheit in 
Koblenz unmittelbar voran. — Ob diesem Mainzer Aufenthalt auch die 
echte Vorlage der Fälschung St. 1561 angehört, oder ob sie schon bei 
dem ersten Durchzuge durch Mainz zu Anfang des September gegeben 
ist, bleibt unsicher. Die ind. XI beweist nm-, dass sie nach dem 1. Sep- 
tember ausgfestellt ist. 



192 Harry Bresslau. 

sicli sehr wohl bis gegen Ende Januar 1013 verzögert 
haben; das Tagesdatnm würde in dem verlorenen Original 
wahrscheinlich nachgetragen worden sein. Danach wäre 
also St. 1560 nach St. 1565 einzureihen und die Datierung 
so aufzulösen: Mainz 1012 — Januar 30. 

An dem Verhältnis von St. 1563, Frankfurt 10. Sep- 
tember, zu St. 1564, Grone 17. Sej)tember, nehmen wir 
keinen Anstoss. Der Aufenthalt in Grone um diese Zeit 
— kurz vor September 21 — ist durch Thietmar VII, 21 
(VI, 49) bezeugt ; und die Entfernung zwischen Frankfurt 
und Grone setzt zwar eine beträchtliche, aber doch keine 
unannehmbare Reisegeschwindigkeit voraus. Dass der König 
überhaupt in diesem Jahre sehr bedeutende Marschleistungen 
bewältigt hat, steht fest; am 21. September war er schon 
wieder in Seehausen bei Magdeburg (Thietmar a. a. O.), 
und während er am 1. November in Helmstedt war (Thietm. 
VII, 24 [VI, 51]), finden wir ihn nach den Quedlinburger 
Annalen um Martini bereits wieder am Rhein in Coblenz ^. 

Die noch übrigen Urkunden des Jahres 1013 geben, 
da die von Stumpf vorgenommene Einreihung von St. 1573 zu 
dem durch Thietmar VII, 29 (VI, 54) bezeugten Aufenthalt 
in Magdeburg zu Anfang Februar jedenfalls das richtige 
trifft, zu chronologischen Erörterungen keine Veranlassung 
mehr. 

Excurs I. 

Die Diplome für Kloster Stein. 

Von den beiden Urkunden Heinrichs II. für Kloster 
Stein a. Rhein, St. 1412 vom 1. October 1005 und St. 1485 
vom 1. November 1007, ist die erstere jetzt allseitig als 
Fälschung des 12. Jahrhunderts erkannt, zuletzt auch ihr 
Zusammenhang mit den Reichenauer Urkundenfälschungen"^ 
dieses Jahrhunderts in helles Licht gesetzt worden. Hier 



1) Aus der Reihe der Urkunden Heinrichs ist St. 1571, das Stumpf 
an den Schluss des Jahres 1012 gestellt hat, zu streichen. Von einem 
D. Heinrichs II., betreffend die Schenkung von Suahnanaha an Hersf'ehl ist 
keine Spur zu finden; die betreffende Notiz Wencks, Hess. Landesgesch. 1V\ 
43 Anm. * beruht gewiss, wie auch Könnecke nach gütiger Mittheilung 
annimmt, auf Verwechselung mit St. 2235. 2) Vgl. ßrandi, Die Reichenauer 
Urkundenfälschungen, S. 107 ff. Indem ich Brandi's scharfsinnigen Aus- 
einandersetzungen ül^er diesen Zusammenhang und über die Entstehung 
der Reiclienauer Fälschungen" durchaus beistimme, halte ich nur seine 
Annahmen über die Zeit der Anfertigung derselben für nicht vöUig 
gesichert, eine etwas frühere Entstehungszeit als Brandi annimmt nicht 
für ausgeschlossen. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 193 

mag nur hinzugefügt werden, dass diese Fälschung auf 
keine echte Urkunde Heinrichs zurückgeht; deingemäss 
hat auch ihr Inhalt, welchen üsinger^ noch aufrecht er- 
halten wollte, keine andere Autorität als die einer Kloster- 
überlieferung des 12. Jh., über deren Werth wir an dieser 
Stelle nicht zu handeln haben'-. Dagegen ist St. 1485, 
durch welches D. Heinrich dem Kloster bei Gelegenheit 
der Uebertragung desselben an Bamberg den Ort Kirchen 
im Breisgau (Bezirksamt Lörrach) schenkt, noch neuerdings 
vielfach als echt betrachtet worden^. Nachdem dann aber 
im Urkundenregister für den Kanton Schaff hausen 1 n. 3 
die Originalität des Stückes in Frage gestellt war, hat 
Sickel (Kaiserurkunden in der Schweiz 69) — wohl auf Grund 
einer Mittheilung von Bayer oder Rieger, denn er selbst 
hat die Urkunde nicht gesehen — auch diese als eine 
Fälschung bezeichnet, und dieselbe ist darauf in den Nach- 
trägen zu Stumpfs Regesten mit dem die Unechtheit an- 
deutenden Doppelstern versehen worden. 

Nun kann in der That von Originalität des im Staats- 
archiv zu Schaff hausen beruhenden Diploms nicht die Rede 
sein; vielmehr ist dasselbe unzweifelhaft erst im 12. Jh. 
entstanden. Die Urkunde ist ganz von einer Hand, aber 
wohl in mehreren Absätzen geschrieben, indem der Context 
bis 'vocitatum' inclusive dunklere, das Protokoll dagegen 
und der Rest des Contextes blassere Tinte aufweisen. Im 
Monogramm ist keinerlei Nachtragung zu erkennen; über 
die Besiegelung lässt sich nichts sagen, da am unteren 
Rand der Urkunde rechts ein Stück von 26 cm Breite und 
7 cm Höhe mit den letzten Buchstaben der Signumzeile 
und dem Schluss der Datierung sowie der Stelle, an der 
das Siegel hätte befestigt sein müssen, weggeschnitten ist. 
Die Sanctio ('Si quis — ardeat') ist nicht unmittelbar an 
das letzte Wort der Corroboratio angeschlossen, sondern 
durch das Monogramm von dieser getrennt und über zwei 



1) Jahrb. Heinrichs II., Bd. I, 558. 2) Xur soviel will ich be- 
merken, dass dieselbe Ueberlieferung auch in den Casus mon. Petrislius. I, 
43. 44. II, 3 zum Ausdruck gelängt. Klingt hier namentlich I, 44 mehr- 
fach an den Wortlaut von St. 1412 an, so dürfte doch diese Urkunde 
nicht direct in der Petershäuser Chronik benutzt sein, — denn was letztere 
über die Beraubung des Klosters durch Heinrich erzählt, steht mit der 
Urkunde geradezu im AViderspruch — sondern die Uebereinstimmung 
wird auf gemeinsame Benutzung einer älteren schriftlichen Aufzeichnung 
im Kloster Stein zurückzuführen sein. 3) Vgl. u. a. .Jahrb. Heinrichs II., 
Bd. II, 117; Hidber Reg. 1219; Böhmer Reg. 1028; Vetter, Das Georgs- 
kloster zu Stein in Schriften des Vereins zur Gesch. des Bodensees XIII, 
30 N. 17 und öfter. 

Neues Archiv ete. XXII. 13 



194 Harry Bresslau. 

ßeiheu vertheilt. Die Schrift ist derjenig-en von St. 1412 
aufs nächste verwandt und rührt, wenn nicht von dem- 
selben Mann, jedenfalls von einem Schul- und Zeitgenossen 
des Verfertigers jener Fälschung her. 

Somit könnte nach den äusseren Merkmalen die formale 
Unechtheit auch von St. 1485 keinem Zweifel unterliegen, 
wenn wir annehmen müssten, dass es überhaupt Original 
zu sein beanspruchte. Dies letztere würde sicher sein, 
wenn wir bestimmt wüssten, dass die Urkunde früher mit 
einem echten oder angeblichen Siegel Heinrichs versehen 
war. Darüber lässt sich indess bei der oben beschriebenen 
Beschaffenheit nicht mit Sicherheit urtheilen; sonach ist 
es zwar nicht als wahrscheinlich, aber doch als nicht un- 
möglich zu bezeichnen, dass die Urkunde auch nach der 
Absicht ihres Verfertigers nichts als eine Abschrift dar- 
stellen sollte, dass also mit ihrer Herstellung keine Täu- 
schung beabsichtigt war. 

Hat die Kritik von St. 1485 bei dieser Lage der Dinge 
sich wesentlich an die inneren Merkmale zu halten, so ist 
gegen die Angaben des Protokolls, welche mit denjenigen 
der Bamberger Gründungsurkunden vom 1. November 1007 
übereinstimmen, nichts einzuwenden. Dass der Name des Aus- 
stellungsortes fehlt, kann lediglich auf die Verstümmelung 
der Vorlage zurückgehen; der Umstand, dass auch eine 
Abschrift des 15. Jh. ihn nicht bietet, berechtigt noch 
nicht zu dem Schlüsse, dass er der Vorlage ursprünglich 
gefehlt habe, da der Copist auch ein anderes Wort nicht 
wiedergegeben hat, das gewiss in seiner Vorlage ursprünglich 
stand. 

Ebenso stimmen erhebliche Tlieile des Contextes mit 
den Bamberger Gründungsurkunden überein, ohne dass 
mit voller Bestimmtheit eine einzelne derselben als Vorlage 
von St. 1485 bezeichnet werden könntet Besonders wichtig 
für die Kritik der Urkunde sind aber die Theile des Con- 
textes, die von dem Bamberger Dictat abweichen; sie zeigen 
in vielen Beziehungen eine auffallende Verwandtschaft mit 
dem Stil des oben S. 158 f. besprochenen Notars GB. 



1) Zwar lautet der Context grosseutlieils dem D., durch welches 
Steiu an Bamberg geschenkt wurde (St. 1462), gleich, aber er zeigt auch 
einige davon abweichende Wendungen, von denen namentlich eine Be- 
achtung verdient. In dem Passus 'quemdam nostri iuris ac projjrie- 
tatis locum' sind zwei Ausdrücke verbunden, die beide in den (xründungs- 
urkunden vorkommen, aber hier nur getrennt erscheinen, so dass entweder 
wie in St. 1468 u. a. 'nostrae qucndam proprie tatis locum' oder 
wie in St. 1462 'nostri quandam iuris ahbatiam' gesagt wird. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 195 

Icli gebe, um das zu zeigen, nur einige Zusammen- 
stellungen : 

In St. 1485 heisst es: 'Huius igitur monasterii pro- 
curatores et prelati serenitatis nostr§ pr§sentiam 
adiere et de predicti loci inopia ac possessionum illuc 
pertinentium parvitate conquerentes aliquod sub- 
lementum et auctionem prediorum illuc coucedi et 
superaddi suppliciter postulavere'. 

Damit vergleiche man aus Diplomen des GB : 

1676: 'adiit serenitatem culminis nostri sup- 
pli cans'. 

1575: 'adiit miserabilem conquestus querimoniam' ; 
1642: 'nos adiens conquestus est'. 

1585: 'aliquod supplementum^ conferre decre- 
vimus'. 

Weiter vergleiche mau : 

St. 1485: 'nos vota illorum benigne suscepimus 
et petitioni eorum ob divine mercedis augmentum 
adimpleri decrevimus'. 

St. 1676: 'cuius petitionem . . . libenti auimo 
suscipientes' und 'ob augmentum mercedis animae 
nostrae'. — 

'contra dimus et transfundimus'. 
77. 79 u. öfter: 'contradidit'. — 
'absque contradictione'. 
1582^': 'absque omni contradictione'. — 
: 'nee ipsi liceat cuiquam libero homini 
potenti aliquam exinde partem pro beneficio concedere 
vel ullo modo ab usu fratrum deo illic servientium 
alieuare'. 

St. 1664: 'ab usu abbatis fratrumque suorum 
aliquo modoalienaverit'. 

St. 1747: 'in beneficium dare . . . vel . . . huic 
proposito abalienare'. 

[St. 1767: 'nulli abbatissae nullique alii potenti 
personae liceat ad suas manus teuere aut cuiquam in 
beneficium tradere'.]- 

St. 1818: 'interdicimus ut nullus posthinc abbas . . . 
alicui militi in beneficium dare praesumat'. — 

St. 1485: 'et ut hec auctoritatis nostr§ largitio'. 

St. 1576: 'et ut' haec nostrae regiae potestatis 
largitio'. 



St. 


1485: 


St. 


1576. 


St. 


1485: 


St. 


1572. 


St. 


1485 



1) Vorher in demselben Or. 'sublementum'. 2) Ob dies Stück 
von GB verfasst ist, ist nicht sicher. 

13* 



196 Harry Bresslaxi. 

St. 1579 und öfter: 'et ut haec nostrae largi- 
tionis auctoritas'. — 

St. 1485: 'firmior habeatur et ab omnibus fidelibus 
nostris verius credatur et diligentius conservetur, 
manu propria nostra subter eam confirmavimus 
et sigillo nostro sigillari iussimus'. 

St. 1574: 'firmior habeatur et per futura tempora 
diligentius observetur, manu propria nostra 
subter eam confirmavimus sig-illoque nostrae 
impressionis insigniri precepimus'. 

Diese Uebereinstimmung-en sind zu zahlreich, als dass 
sie noch auf blossen Zufall zurückgeführt werden könnten ; 
es ist nach ihnen vielmehr anzunehmen, dass GrB St. 1485 
— unter Benutzung der Bamberger Diplome vom 1. No- 
vember 1007 — verfasst hat. 

Steht damit fest, dass St. 1485 auf eine echte Vorlage 
zurückgeht und dass seine Fassung im grossen und ganzen 
als zuverlässig betrachtet werden kann , so folgt daraus 
noch keineswegs, dass die uns vorliegende Ueberlieferung 
der Urkunde, die durch ihren graphischen Zusammenhang 
mit der Fälschung St. 1412 doch einen gewissen Verdacht 
erweckt, ihrem ganzen Umfange nach als authentisch 
anzuerkennen sei. Auffällig ist immerhin die Poenformel, 
schon ihrer Stellung nach ; doch möchte ich sie nicht mit 
Sicherheit als fälschende Zuthat bezeichnen, da sie in 
einem Ausdruck an die Bamberger DD. anklingt und da 
auch in einem anderen D. des GB, das freilich gleichfalls 
nur in einer späteren Nachzeichnung überliefert ist (St. 1810), 
die Poenformel hinter der Corroboratio steht. Wichtiger 
ist ein anderer Umstand, der uns den Grund der Ent- 
stehung unseres Exemplars von St. 1485 aufklären dürfte. 

In diesem nämlich schenkt Heinrich dem Kloster 
Stein den Ort Kirchen 'cum omnibus eins pertinentiis 
videlicet §cclesiis villis servis et anciilis areis §dificiis, 
cum hominibus terrisque censualibus, cum tributis et 
teloneis de navibus per Rhenum discurrentibus, vel unde- 
cumque noster ßscus circumquaque illic aliquod ins exigere 
aut sperare deberet'. An dieser Pertinenzformel, namentlich 
insofern es sich darin um 'ecclesiae' handelt, nehme ich 
Anstoss, indem die spätere Geschichte jenes Ortes mit ihr 
nicht wohl vereinbar ist. 

Wie wir aus einer -Urkunde des Herzogs Bertolf von 
Zähringen, Rectors von Burgund, vom J. 1169^ erfahren, 

1) Zuletzt gedruckt von Vetter in Schriften für Cresch. des ßodensees 
XIII, 69 ; vgl. daselbst 33 Anm. 27, wo allerdings diese Urkunde ebenso 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 197 

hat sich in diesem Jahre ein Process zwischen Kloster Stein 
und einigen Freien aus Kirchen über das Besitzrecht an 
den drei Kirchen der Orte Kirchen, Eimeldingen und 
Markt ^ abgespielt. Während der Abt von Stein, dem der 
Herzog selbst als Vogt des Klosters zur Seite stand, be- 
hauptete, die Kirchen seien von Alters her dem Kloster 
'cum dominio fundatorio' unterworfen, leugneten dies die 
Freien und führten, trotz des Widerstrebens des Herzogs, 
mit sieben Zeugen den BeAveis für ihren seit vielen Jahren 
bestehenden Besitz; worauf der Herzog, der selbst dem 
Gericht vorsass, ihr Recht anerkennen und verbriefen 
musste ■-. Eine Bestätigung dieser gerichtlichen Entscheidung 
erwirkten die Kirchener von dem Diöcesanbischof Otto von 
Constanz (1166 — 74), und diese ward ihnen zum Ueberfluss 
noch einmal im J. 1190 von Papst Clemens III. bestätigt -^ 
Wenn der Abt von Stein in der Lage gewesen wäre, 
1169 eine echte Urkunde Heinrichs II. vorzulegen, durch 
welche ihm der Ort Kirchen 'cum ecclesiis' verliehen wäre, 
so würde die Entscheidung des Gerichts zu seinen Gunsten 
haben ausfallen müssen; ein Zeugenbeweis gegen eine echte 
Königsurkunde wäre rechtlich völlig unzulässig gewesen. 
Da nun auch in dem Urtheilsbrief einer solchen Vorlegung 
mit keinem Worte gedacht wird, so folgt daraus, dass das 
Kloster eine solche Urkunde 1169 überhaupt nicht be- 
sessen hat. Das Wort 'ecclesiis' in St. 1485 halte ich 
danach für Interpolation ; ob dieselbe schon vor oder nach 
jenem Process erfolgt ist, mviss dahingestellt bleiben. Es 
ist ebensowohl möglich, dass man im Kloster Stein gerade 
im Hinblick auf ihn die Fälschung angefertigt, dann aber 
von ihrer Vorlegung Abstand genommen hat oder damit 
nicht durchgedrungen ist^, wie dass man nach dem Urtheil 
einen solchen erfolglosen Versuch gemacht hat. 



wie die von 1190 völlig missverstanden worden ist. 1) Die beiden 

letzteren könnten vielleicht als Filialen der Kirche von Kirchen aufzufassen 
sein; und wenn überhaupt Eimeldingen und Markt etwa Pertinenzien des 
Hofes Kirchen waren, so konnte auch die Bestätigung des Zolles bei Markt 
durch Friedrich II (Böhmer -Ficker Reg. 1955) sich dafür mit Recht auf 
Heinrichs Privileg berufen. 2) Vgl. auch Heyck, Gesch. der Herzoge von 
Zähringen, S. 389 f. 3) Jaffe-L. 16470. — Bei späteren Streitigkeiten 

über das Patronatsrecht, von denen wir durch die Urkunden Schöpflin, Hist. 
Zaringo - Bad. V, 139. 149. 165. 167 erfahren, ist der Abt von Stein nicht 
mehr betheiligt-, vor 1241 ist das Patronatsrecht für das 8. Petersstift zu 
Basel angekauft worden, in dessen Archiv bei dieser Gelegenheit auch 
die Urkunden seit 1169 übergingen; sie sind jetzt im Baseler Staats- 
archiv, vgl. Schöpflin a. a. 0. V, 204. 4) Mögliclierweise könnte hiermit 
die oben erwähnte Ausschneidung an der Stelle des Pergaments, wo das 
Siegel hätte sitzen müssen, zusammenhängen. 



198 Harry Bresslau. 

Ob die Interpolation sich nur auf dies eine Wort 
bezieht oder noch weiter ging, ist nicht mit Sicherheit zu 
entscheiden. In St. 1485, wie es vorliegt, wird dem Kloster 
der Ort (locus) Kirchen geschenkt, und dass die Schenkung 
diesen Ort betraf, möchte ich nicht bezweifeln; eine 'curtis' 
des Klosters in Kirchen ist im 12. Jh. sicher nachweisbar ^ 
Aber eben in dieser Zeit — in dem oben erwähnten Urtheil 
von 1169 — werden auch freie Leute, also Leute mit 
freiem Eigenthum, in Kirchen erwähnt, die das Patron at 
der Kirche in Anspruch nahmen, und dass das letztere 
an einem Gut in Kirchen haftete, welches freies Eigenthum 
war und nicht dem Kloster Stein gehörte, ergiebt sich aus 
einer Urkunde von 1241, in welcher der Ankauf dieses 
Guts für ein Baseler Stift erwähnt wird"^. So wäre die 
Möglichkeit vorhanden, dass Heinrich nur eine königliche 
Besitzung in Kirchen an Kloster Stein vergabt hätte ; doch 
braucht man darum den Ausdruck 'locum' in unserem D. 
noch nicht anzufechten; er könnte in ungenauer Weise 
aus den dem Verf. desselben vorliegenden Bamberger DD. 
mit übernommen sein, in welchen so oft von der Schenkung 
eines 'locus' an Bamberg die Rede ist. 

Lässt sich also mit Sicherheit nur das Wort '^cclesiis' 
in unserer Ueberlieferung von St. 1485 als gefälscht be- 
zeichnen, so ist doch klar, dass eine unzweifelhafte Bürg- 
schaft für ihren Inhalt bei der Lage der Sache nicht 
vorhanden ist^. Nur dass Heinrich dem Kloster eine 
Schenkung gemacht hat, kann als gewiss, und dass diese 
eine Besitzung zu Kirchen betroffen hat, kann als sehr 
wahrscheinlich bezeichnet werden. 

Auch daran, dass diese Urkunde am 1. Nov. 1007 
ausgestellt, oder wenigstens dass die Handlung, welche in 
ihr verbrieft ist, damals vollzogen ist, braucht man 
keinen Anstoss zu nehmen. Zwar steht GB, den wir als 
ihren Verfasser erkannt haben , damals noch nicht im 
Dienste der Kanzlei^. Aber er war eben im J. 1007 schon 
einmal für dieselbe thätig gewesen, indem er die Urkunde 



1) Vgl. die Urkunde vou 1168 bei Vetter a. a. O. S. 69 f. 2) S. 
oben S. 197 N. 3. 3) Mit Berufung auf eine Verleihung Heinrichs II. be- 
stätigt Friedrich II. 1232 dem Kloster den Zoll zu Markt und die Münze 
zu Stein, Böhmer - Ficker Reg. 1955. Der Zoll zu Markt könnte, wenn 
Markt Dependenz von Kirchen war, in St. 1485 verliehen sein (s. oben 
S. 197 N. 1), aber die Münze zu Stein wird weder in diesem D. noch in 
St. 1412 erwähnt. Die von Vetter S. 31 N. 21 erwähnte und S. (56 ab- 
gedruckte Urkunde gehört natürlich Heinrich (VII.) und dem Jahre 1232, 
nicht Heinrich III. und dem .Tahr 1032 an, vgl. Böhmer-Ficker Reg. 4230. 
4) Vgl. oben S. 158 f. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 199 

St. 1438 für Steterburg verfasst hat; und wenn er etwa 
im Gefolge seines Bischofs in Frankfurt anwesend war, 
als die Gründung Bambergs beschlossen wurde, so ist es 
gerade im Gedränge der Geschäfte jener Tage leicht 
erklärlich, dass die Kanzlei noch einmal seine schon be- 
währte Hilfe in Anspruch nahm. 



Excurs II. 

Ein Bamberger Blanquet Heinrichs II. 

In den Kaiserurkunden in Abbildungen Lief. IV, 
Taf. 27 habe ich eine auf den Namen Heinrichs V. ge- 
fälschte Urkunde für Kloster Allerheiligen zu Schaff hausen 
abbilden lassen und im zugehörigen Text eingehend er- 
läutert, welche auf einem aus der Kanzlei Heinrichs IV. 
und aus den ersten Jahren dieses Königs stammenden 
Pergamentblatt geschrieben ist. War es in diesem Falle 
nicht mit voller Sicherheit zu entscheiden , ob für die 
Fälschung ein unter Heinrich IV. hergerichtetes, aber 
nicht ausgefülltes Blanquet benutzt sei, oder ob etwa von 
einer vollständigen Urkunde jenes Königs der Text bis 
auf einige Theile des Protokolls durch Easur getilgt sei, 
so liegt klärlich der erstere Fall bei der merkwürdigen 
Urkunde vor, die Stumpf als n. 2482 unter die Regesten 
Heinrichs III. eingereiht hat. 

Die im Münchener Reichsarchiv erhaltene Urkunde 
ist auf einem 50 cm breiten und 41,5 cm hohen Pergameut- 
blatt geschrieben, dessen Beschaffenheit vollkommen dem 
der Bamberger Urkunden Heinrichs II. entspricht^. Auf 
diesem Pergamentblatt hat der oben S. 142 f. besprochene 
Schreiber Ba. II in verlängerter Schrift die erste Zeile: 
'(C.) In nomine sanctae et individuae trinitatis. Heinricus 
divina favente dementia Romanorum Imperator augustus', 
ferner gleichfalls in verlängerter Schrift die Signumzeile 
und das Monogramm : 'Signum domni Heinrici invictissimi 
Romanorum (M.) imperatoris augusti', endlich in gewöhn- 
licher Schrift den Anfang der Datierung 'Data kal. nov.', 
vielleicht auch noch das Wort 'indict.' und dahinter die 
Zahl 'V eingetragen. Das Handmal ist das in Heinrichs II. 
Kaiserzeit gebräuchliche; der Vollziehungsstrich, für den 
eine Linie vorgezeichnet war, ist deutlich erkennbar nach- 
getragen worden. 



1) Danach gedruckt Mon. Boica. XXXI% 331 n. 176. 



200 Harry Bresslau. 

Ob das so liergerichtete Blanqnet, das erst mehrere 
Jahrzehnte nach seiner Anfertigung- ausgefüllt wurde, auch 
bereits unter Heinrich II. besiegelt worden ist, lasse ich 
dahingestellt. Jetzt befindet sich an der Urkunde ein 
grosses Stück des echten Kaisersiegels Heinrichs II., aber 
dieses ist in ganz ungewöhnlicher Weise mittelst zweier 
schmaler Pergamentstreifen, welche durch vier Löcher des 
Urkundenblattes durchgezogen und in das Siegel wachs 
eingelassen sind, an der Urkunde befestigt. Für ursprünglich 
halte ich diese Befestigungsart nicht, da sie mir an Ur- 
kunden Heinrichs II. sonst nicht begegnet ist; aber wenn 
auch demnach das Siegel künstlich befestigt worden ist, so 
folgt doch daraus noch nicht unbedingt, dass das Blanquet 
selbst ursprünglich unbesiegelt war; an sich könnte ebenso 
wohl ein von dem Blatt selbst abgefallenes, wie ein von 
einer anderen echten Urkunde herübergenommenes Siegel 
auf diese Weise künstlich befestigt sein. Ob an St. 2482 
noch Siegeleinschnitte der gewöhnlichen Art vorhanden 
sind, darüber ergeben meine Notizen nichts; übrigens 
kommt auf die Frage für unsere Zwecke nicht viel an. 

Auf dem von Ba. II hergerichteten Blanquet hat eine 
andere noch dem 11. Jh. angehörende Hand einen Text 
eingetragen, der, da die Kaiserin Agnes als Gemahlin des 
Ausstellers bezeichnet wird, eine Verfügung Heinrichs III. 
darstellen soll. Durch diese wird dem Erzbischof Anno 
von Köln 'quia • . . nobis semper devotissimus ac fidelis- 
simus in omnibus extitit' ein 'praedium in Ampharbach, 
quod comes Tjemo nobis tradidit' mit allem Zubehör in 
den umliegenden Ortschaften geschenkt. 

Wahrscheinlich dieselbe Hand, die diesen Text eintrug, 
hat die Datierung vervollständigt. Diese lautet jetzt: 'Data 
kal. nov. indictione VII, anno dominice incarnationis MLV; 
Frankonofort; feliciter amen'. Ob 'indictione V etwa schon 
von Ba. II eingetragen war, bleibt, wie bereits oben an- 
gedeutet, unsicher; jedenfalls sind dann die beiden letzten 
Einheiten der Indictionsziffer und ist der E,est der Datierung 
erst nachträglich hinzugefügt. Die Datierung passt — 
abgesehen davon, dass Kaiser Heinrich III. im Jahre 1055 
weder am 1. November, noch überhaupt in Frankfurt 
war^, und dass die 7. Indiction nicht zu 1055, sondern 



1) Er war am 20. Xovember auf der Rückkehr von Italien nach 
Brixen gekommen, ging dann nach Schwaben, war am 14. December in 
Ulm und feierte Weihnachten in Zürich. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 201 

zu 1054 gehört — auch insofern nicht zum Text, als 
Anno erst 1056 an Stelle des am 11. Februar gestorbenen 
Hermann Erzbischof von Köln geworden ist. 

Endlich ist hinter der Königsunterschrift in derselben 
Zeile eine Recognition nachgetragen 'Gebehardus cancel- 
larius vice Lupoldi recogn.'. Da diese Eecognition in ver 
längerter Schrift hergestellt ist , lässt sich nicht sicher 
entscheiden, ob sie von der Hand des Textes herrührt 
oder von einem dritten Schreiber; doch halte ich das 
erstere für wahrscheinlich, jedenfalls ist sie von der Schrift 
des Ba. II völlig verschieden. Die Eecognition gehört in 
die Zeit Heinrichs IV. und passt zu den J. 1058 und 1059. 

Während Steindorff das seltsame Document überhaupt 
nicht erwähnt, hat Ficker, Beiträge zur Urkundenlehre II, 
154 f. 201 Erörterungen darüber augestellt, ob und unter 
welchen Yoi'aussetzungen dasselbe trotz aller gehäuften 
Unregelmässigkeiten als echt anerkannt werden dürfte. 
Wir können von einem ausführlicheren Eingehen auf diese 
Erwägungen Abstand nehmen, da äussere und innere Merk- 
male genügen, die Unechtheit alles dessen, was auf das 
Blanquet des Ba. II später eingetragen ist, zu erweisen. 
Weder die Schrift des Contextes und der Datierung, in 
der die Eegierungs jähre des Ausstellers fortgelassen sind, 
noch die der Eecognition, in der überdies die Formulierung 
und die Namensform des Erzbischofs allem Kanzleibrauch 
widersprechen, rühren von einem der mir bekannten 
Kanzleinotai'e Heinrichs III. oder Heinrichs IV. her. Da 
ich die uns erhaltenen Originalurkunden aus den in Be- 
tracht kommenden Jahren bis auf sehr wenige Ausnahmen 
gesehen habe, ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie von 
einem Kanzleischreiber stammen, der mir unbekannt ge- 
blieben wäre. Ebenso ist das Dictat nicht in der Kanzlei 
Heinrichs III. oder Heinrichs IV. entstanden: es genügt, die 
Corroborationsformel zu erwähnen, die, wenn man sie wörtlich 
interpretiert, den Kaiser selbst besiegeln und die Urkunde 
selbst schreiben lässt i; sie unterscheidet sich von allem 
Kanzleistil und ist in einer Kanzleiausfertigung sowohl unter 
Heinrich III. wie unter Heinrich IV. gleich unmöglich. 
Sind somit weder Schrift noch Dictat in der Kanzlei jener 
beiden Herrscher entstanden und stammen alle wirklich 



1) 'paginam auctoritatis uostre sigilli nostri impressione corro- 
boravimus, manu propria dationis nostre munificentiam conscribentes'. 
Auch auf den Singularis 'miliique fidelissimus' in der Dispositio mag 
wenigstens hingewiesen werden. 



202 Harry Bresslau. 

echten Beglaubigiingsmerkmale der Urkunde aus der Zeit 
Heinrichs II., so können die späteren Zusätze nur als un- 
echt angesehen werden. 

Zu demselben Ergebnis führt noch eine zweite Be- 
trachtung. Da Ba. II nur für Bamberg beschäftigt war, 
kann das von ihm gefertigte Blanquet nur für eine Bam- 
berger Urkunde bestimmt gewesen sein. Eine Bamberger 
Urkunde Heinrichs ist wohl auch bei der Ausfüllung des 
Blanquets benutzt worden ; wenigstens liegt es sehr nahe 
anzunehmen, dass der Name des Ausstellortes Frankfurt 
aus einer der zahlreichen Bamberger Gründungsurkunden 
d. d. Frankfurt 1007 November 1 entlehnt ist; aus diesen 
konnte der Verfasser auch die correcte Wendung 'ac c^teris 
Omnibus qu§ rite scribi vel appellari possunt' der Pertinenz- 
formel entnehmen^. Die Schenkung betrifft einen Ort 
in der Nähe von Bamberg-. Die Urkunde selbst endlich 
ist aus dem Bamberger Archiv in das Münchener gekommen ^. 

Bei diesem Sachverhalt ist doch die einfachste Er- 
klärung für die Entstehung der Urkunde die Annahme, 
dass das für ein Bamberger D. bestimmte und wahr- 
scheinlich in Bamberg selbst hergerichtete Blanquet im 
Bamberger Archiv aufbewahrt, dort einige Jahrzehnte 
später ausgefüllt und dann daselbst liegen geblieben sei. 
Anno hat mit der Herstellung der Fälschung aller Wahr- 
scheinlichkeit nach überhaupt nichts zu thun gehabt, ja 
überhaupt wohl kaum um sie gewusst : hätte er, der zur 
Hofgeistlichkeit Heinrichs III. gehört hatte, eine Fälschung 
auf seinen Namen anfertigen lassen, so wäre sie weniger 
ungeschickt ausgefallen ^. 



1) Auch die Recognition konnte wenigstens aus einer Urkunde 
des Bamberger Archivs entlehnt werden. St. 2560 vom September 1058 
ist zwar nur abscln-iftlich überliefert und entbehrt jetzt der Kanzler- 
unterschrift. Aber das Original muss von Gebhard an Stelle Luitpolds 
von Mainz recognosciert gewesen sein. 2) In Ampferbach ist 1103 

Bischof Otto von den Bambergern eingeholt worden, Ebo I, 9. — In 
St. 1811 wird 'Amferebach' 1023 bei der Begrenzung eines an Würzburg 
mit Zustimmung Eberhards von Bamberg verliehenen AVildbanns erwähnt. 
Hier wird auch der Graf Ditmar vom Volkfeldgau genannt, zu dem man den 
Thiemo unserer Urkunde stellen mag. 3) Vgl. Mon. boica XXXI''', 

332 N. c. 4) Wollte man Anno oder überhaupt einem Kölner einen 
Antheil an der Herstellung der Urkunde beimessen, so müsste man an- 
nehmen, dass jener sich etwa während seiner Bamberger Zeit in den 
Besitz des Blanquets gesetzt hütte. Aber unerklärt bliel)e dann der oben 
erwähnte Anschluss au die Bamberger Gründungsurkunden, und man 
müsste noch die weitere Hypothese machen, dass Anno oder einer seiner 
Nachfolger etwa Ampferbach an Bamberg abgetreten hätte, und dass dabei 
die Urkunde wieder ausgeliefert wäre. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 203 

Wenn man nun aber fragt, zu welchem Zwecke die 
Fälschung angefertigt worden ist, so muss ich auf diese 
Frage die Antwort schuldig bleiben. Oder vielmehr, ich 
zweifle, ob überhaupt von einer eigentlichen 'Fälschung' 
und von einem eigentlichen 'Zweck' die Eede sein darf. 
Irgend ein Bamberger Kleriker, der das nutzlose Blanquet 
im bischöflichen Archiv fand, mag es halb aus Spielerei, 
halb zur üebung in eine Urkunde umgewandelt haben. 
Indem er dabei seiner Phantasie frei die Zügel schiessen 
Hess, mochte er auf ein Document zu Gunsten Anno's ver- 
fallen, des einstigen Bamberger Scholasticus, dann lange 
des eigentlichen Leiters der Geschicke des Reichs, dessen 
man gewiss in Bamberg sich oft erinnert hat. Wenn man 
sich die Entstehung unseres Schriftstückes in so harmloser 
Weise erklärt, wird man, glaube ich, seiner eigenthümlichen 
Beschaffenheit am ersten gerecht. 



Exciirs III. 

Die Entstehung der Bamberger Gründungs- 

Urkunde n. 

Von Hermann Bloch. 

Für den Druck der Gründungsurkunden des Bisthums 
Bamberg vom 1. November 1007 in den Mon. Germ. DD. 
III war es um so wünschenswerther, ihre bisherige zu- 
fällige Folge in den Mon. Boica XXVI 11'^ durch eine 
in den Entstehungsverhältnissen begründete zu ersetzen, 
als nur dann, wenn dies gelang, näher erkannt werden 
konnte, in welcher Weise sich die Kanzlei der ihr gestellten, 
ganz ungewöhnlichen Aufgabe entledigt hat. Daher war, 
als ich die im k. Reichsarchiv zu München beruhenden 
Originale dort einer Durchsicht unterzog, meine Aufmerk- 
samkeit vor allem auf diejenigen äusseren Merkmale ge- 
richtet, welche dazu beitragen konnten, die Reihenfolge 
ihrer Anfertigung zu bestimmen. Herr Professor Bresslau 
hatte die ihm zur Herstellung der Abschriften durch die 
dankenswerthe Gefälligkeit der Verwaltung des k. Reichs- 
archivs nach Strassburg übersandten Diplome nur in 
einzelnen Gruppen der Nummernfolge nach erhalten; der 
Zustand verschiedener Stücke hatte überhaupt verhindert, 
dass sie an uns verschickt wurden ; so ward es mir erst 
in München durch die Liebenswürdigkeit des Vorstandes 
und die gütige Unterstützung des Herrn Reich sarchivrathes 
P. Wittmann möglich, alle Originale gleichzeitig neben- 



204 Hermann Bloch. 

einander zu betrachten. Durch die Verg-leichung ihres 
Dictates, welche nach meiner Rückkehr aus München in 
gemeinsamer Arbeit der Abtheilung abgeschlossen wurde, 
konnten die gewonnenen Ergebnisse gesichert und im 
einzelnen ergänzt werden. Die daraus hervorgegangene 
Anordnung der Urkunden in der Ausgabe soll hier kurz 
begründet werden. 

In die umfangreiche Arbeit, welche die Ausstattung 
des zu begründenden Bisthums Bamberg der Kanzlei auf- 
erlegte, haben sich in der Hauptsache der Kanzleischreiber 
ED und der dafür besonders herangezogene Schreiber 
Ba. I^ getheilt. Jener mundierte die DD. 1468. 1483. 
1475. 1478. 1479.- 1469 (ohne die von Ba. I geschriebene 
erste Zeile). 1470 — diese alle ohne die Datierung, welche 
von Ba. I eingetragen ist — ; ferner 1482 mit Ausnahme der 
von Ba. I herrührenden Königs- und Kauzlerunterschrift, 
1461. 1459. 1457 (ausser Z. 2—5). Chrismon und Invocatio 
von 1460 und Eschatokoll von 1463 '^ Ausser den Stücken, 
an denen Ba. I mit ED thätig war, hat er geliefert: 1472. 
1471. 1466. 1480. 1477. 1481. 1476. 1474. 1467. 1473. Neben 
beiden hat EC nur durch die Reinschrift von 1458 und 
1462'^ mitgewirkt; endlich ist noch ein Hilfsschreiber be- 
theiligt, der in 1473 und 1458 einige Namen nachgetragen, 
Z. 2 — 5 von 1457. 1460 (ausser Chrismon und Invocatio) 
und, ohne Eschatokoll, 1463 geschrieben hat''. 

Für die Lösung der Aufgabe, diese Urkunden nach 
der Reihenfolge ihrer Entstehung zu ordnen, ist der Um- 
stand von erheblichem Werthe, dass der an ihnen neben 
ED meist beschäftigte Schreiber Ba. I der in den Königs- 
urkunden üblichen Schrift unkundig war, als er in die 
Kanzlei berufen wurde. Wie er sie sich aneignete, das 
ist an der Hand der von ihm geschriebenen Stücke deutlich 
zu verfolgen. Als seine erste Leistung stellt sich uns die 
erste Zeile und der Context von St. 1472 dar, in welchem 
die nicht unter die Linie verlängerten Schäfte von r und s, 
die Verzierungen der Oberlängen von d, b und 1, die 
Unbeholfenheit der verlängerten Schrift, im Context die 
durchweg geschlossenen a — und zu dem allen die zahl- 
reichen Correcturen verrathen, wie ungewohnt ihm diese 
Thätigkeit war. Die darauf von Ba. I in Angriff ge- 

1) Vgl. oben S. 141 f. " 2) Ueber die nicht von ED herrührende 
Königs- und Kanzlerunterschrift s. oben S. 143 f. 3) Ich sehe hier von 
der Nachtragung der Namen, für die vielfach zunächst Lücken gelassen 
waren, ganz ab. 4) Nur das Tagesdatum ist von ED nachgeti-agen. 

5) St. 1404 (Ba. I) und 1405 (Ba. II) sind später entstanden, vgl. oben S. 102 fi. 



Erläuterungen zw den Diplomen Heinrichs IL 205 

nommenen DD. 1471. 1406. 1480^ in der ersten Zeile und 
dem ganzen Context, sowie die wohl gleichzeitig mit 1466 
entstandene erste Zeile von 1469 zeigen, wie er die Schrift 
des ED sich zum Muster nahm ; allein abgesehen davon, 
dass die Schäfte von r und s unter die Linie reichen, 
weisen sie, wenn auch in geringerem Masse und mit Formen 
des ED vermischt, doch alle noch die Eigenheiten seiner 
Schrift auf: namentlich findet sich im Context überall nur 
geschlossenes a. In diesen seinen vier ersten Stücken: 
1472. 1471. 1466. 1480 Hess Ba. I zunächst das durch 
Tinte und Schriftcharakter sich deutlich von der übrigen 
Urkunde abhebende Eschatokoll fort; jedenfalls bereitete 
ihm die verlängerte Schrift in der Signum- und Recognitions- 
zeile noch zu grosse Schwierigkeiten. Um dem abzuhelfen 
und wohl um überhaupt die seine Vorgesetzten nicht recht 
befriedigende Schrift seiner ersten Urkunden kanzleimässiger 
zu gestalten, unterzog er sich jetzt, sei es auf eigenen 
Antrieb oder auf ausdrücklichen Befehl, der Mühe, die 
Schrift des ED aufs genaueste nachzuzeichnen. Er begann 
damit, auf den ihm zugewiesenen Pergamentblättern die 
Königs- und Kanzlerunterschrift, sowie das Monogramm 
einzutragen; die Tinte derselben ist in allen hier in Be- 
tracht kommenden Stücken 1477. 1481. 1476. 1474. 1467. 
1473 die gleiche, unterscheidet sich aber fast überall von 
derjenigen des Textes und der Datierung. Doch nicht 
dadurch allein wird die Yorausfertigung der Unterschriften 
in diesen DD. erwiesen ; vielmehr spricht dafür noch ihre 
ungewöhnliche, in den Raumverhältnissen nirgend be- 
gründete Anordnung, indem sie nämlich nicht unterein- 
ander, sondern hintereinander auf einer Zeile stehen. Wie 
für die Schrift, so wird man auch hierfür eine von Ba. I 
getreu nachgeahmte Vorlage des ED suchen; man wird 
als solche wohl 1478 anzusehen haben, in dem ED wirklich 
durch die Knappheit des Pergamentes gezwungen gewesen 
ist, die Eecognition unmittelbar hinter der Königsunter- 
schrift auf derselben Zeile einzusetzen. 

Es scheint sogar, dass die so vorbereiteten Stücke, 
wenn nicht schon mit dem Siegel selbst, doch sicherlich 
mit den Siegeleinschnitten ausgestattet waren, ehe sie von 
Ba. I mit dem Texte versehen worden sind. Wenigstens 
ist in 1481 und 1473 die vorletzte Zeile des Textes nicht 
bis an den rechten Eand beschrieben, vielmehr ist die 
Corroboratio vor dem Ende der Zeile abgebrochen und in 



1) Ihre Reihenfolge ist nach der Schrift nicht sicher zu bestimmen. 



206 Hermann Bloch. 

einer neuen beendigt worden. Wenn daher Ba. I hier nicht 
den schon befestigten Siegeln ausweichen musste, so hat 
ihn das Vorhandensein der Siegelschnitte zu seinem auf- 
fallenden Verfahren gezwungen. 

Dass die in Rede stehenden DD. 1477. 1481. 1476. 
1474. 1467. 1473 in der That zunächst auf diese Weise 
von Ba. I als ßlanquets hergerichtet und erst später aus- 
gefüllt worden sind, wird überdies noch durch D. 1482 
bewiesen, in welchem die auf einer Zeile stehende Königs- 
und Kanzlerunterschrift von Ba. I, alles übrige von ED 
herrührt: hier ist also ein von Ba. I auf die angegebene 
Art hergerichtetes Blanquet später durch ED benutzt 
worden. Einen weiteren Beleg hierfür liefert die Ent- 
stehungsgeschichte von St. 1467, das auch für die Ent- 
wickelung der Schrift des Ba. I sehr lehrreich ist. In 
ihm zeigt nämlich die erste Zeile und der Beginn des 
Contextes deutlich die strenge Nachahmung des ED; in 
Zeile 7 aber wird nach der Publicatio hinter den Worten 
'quendam proprietatis locum' der Charakter der Schrift 
freier, und alles folgende ist mit einer viel spitzeren Feder 
geschrieben, so dass die Urkunde sicherlich in zwei Ab- 
sätzen mundiert ist. Aber während die Datierung in Schrift 
und Tinte dem Schluss des Contextes entspricht, stimmen 
die eine Zeile bildenden Unterschriften des Königs und 
des Kanzlers in jeder Beziehung mit dem Beginn des 
Diploms überein. Der Schriftbefund stellt also sicher, 
dass auf ein von Ba. I angefertigtes Blanquet zunächst 
nur ein Theil des Contextes von ihm eingetragen, sein 
Schluss aber erst später gleichzeitig mit der Datierung 
hinzugefügt worden ist. 

Während nun die Schrift des Textes in den DD. 1477. 
1481. 1476. 1474 ebenso wie der erste Theil von 1467 den 
engen Anschluss an die Schreibvorlagen des ED erkennen 
lassen, stehen 1473 und das von der Schrift des Contextes 
abweichende Eschatokoll der DD. 1472. 1471. 1466. 1480 dem 
Schlüsse von 1467 sehr nahe. Diese zeigen schon alle die 
ausgebildete, selbständige Urkundenschrift des Ba. 1, für 
die wir in seinen Urkunden der späteren Jahre St. 1495. 
1464.1 1500—1504. 1525 hinreichende Belege haben. Ist 
dieselbe auch an dem Muster des ED gebildet, so kommen 
doch in dieser Zeit des selbständigen Schreibens hier und 
da die Eigenthümlichkeiten des Ba. I, z. B. die Schnörkel 
an b, d, 1 und die geschlossenen a, wieder vor; auch die 



1) Ueber dieses vgl. oben S. 162 fF. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 207 

einzelnen Buchstaben, z. B. d, sind nicht mehr so ängstlich 
den Formen des ED nachgeahmt. 

Wir können also drei Stufen in der Entwickelung 
der Schrift von Ba. I unterscheiden : der ersten gehören 
diejenigen Stücke an, die im allgemeinen noch nicht den 
Charakter der Kanzleischrift aufweisen; in die zweite sind 
die Urkunden zu setzen, welche in sorgfältiger Nach- 
zeichnung des ED angefertigt sind, und erst die DD. 
der dritten Stufe bieten seine eigentliche, selbständige 
Urkundenschrift. Nach alledem ist seine Mitarbeit an den 
Bamberger Gründungsurkunden in folgenden Gruppen an- 
zuordnen : 

I. Erste Zeile und Coutext von 1472. 1471. 146G 
(und erste Zeile von 1469). 1480. 

IL Signumzeile und Eecognition von 1477. 1481. 
1476. 1474. 1473. 1467. 

Context von 1477. 1467 (erster Theil) 1481. 1476. 1474 1. 

III. Zeile 1 und Text von 1473, Schluss von 1467, 
Eschatokoll von 1472. 1471. 1466. 1480. 

Gestatten die äusseren Merkmale, wie wir sehen, die 
DD. des Ba. I in Gruppen etwa gleichzeitig entstandener 
Urkunden zu sondern, so ermöglicht ein anderes Moment 
nicht nur innerhalb derselben noch eine bestimmtere 
Ordnung zu schaffen, sondern auch die Aufeinanderfolge 
der von ED geschriebenen Urkunden und ihr zeitliches Ver- 
hältnis zu denjenigen des Ba. I zu erkennen. Die Gründungs- 
urkunden sind nämlich, wie schon Ficker- richtig ver- 
muthet hat, nicht aus einem Concepte hintereinander ab- 
geschrieben, sondern sie sind aus einander abgeleitet, in- 
dem die bereits gefertigten Urkunden immer als Vorlagen 
für die noch zu schreibenden benutzt wurden. 

Die Vergleichung der Texte, die an der Hand der 
neuen Ausgabe leicht nachzuprüfen sein wird, ergiebt mit 
voller Sicherheit, dass die Reihe der DD. mit dem von 
ED herrührenden D. 1468 zu eröffnen ist. Indem Ba. I 
daraus 1472 abschrieb ^ schob er — von andern zahlreichen 
Fehlern abgesehen — in der Dispositio zwischen 'Babenbere 
dictam' und 'cum omnibus ein verkehrtes Wort ein, welches 
ED ausradierte und — um den Raum nicht ganz frei zu 
lassen — durch 'unä' ersetzte; das so entstandene 'una 
cum omnibus' ist in alle späteren Urkunden übergegangen, 

1) Ueber die Nachtragung der Datierungszeilen, die gleichfalls wohl 
in diese Gruppe gehören, s. unten S. 211 fi". 2) Beiträge zur Urkunden- 
lehre I, 335. 3) Dieses D. ist also wie der Schrift, so auch dem Dictate 
nach das erste des Ba. I. 



208 



Hermann Bloch. 



zunächst in 1471 (Ba. I)\ dann in das von ED aus 1472 
oder 1471 copierte 1483, auf welches mit unbedeutenden 
Abweichungen 1475 (ED) zurückgeht. Einige wichtigere 
Aenderungen nahm ED vor, als er mit Anlehnung an 1483 
das D. 1478 herstellte. Wie 1483 in der That das Mittel- 
glied zwischen 1468 und 1478 beziehungsweise den aus 
ihnen abgeleiteten Stücken bildet, erweist die Abwandlung 
einiger Eormeln in folgender Gegenüberstellung: 



1483. 
'ut nobis in deo 
dil. sepe dictae sed. 
Eb. ep. suiqiie suc- 
cessores lib. dehinc 
habeat pot'. 



'in nov. die coram 
oculis dei torm. in- 
ext. luat. Quod ne 
hat u. s.w. = 1468'. 



1468. 
'ut in deo dilec- 
tus nobis sepe dicte 
sedis Eberhardus 
episcopus liberam 
dehinc habeat po- 
testatem suique suc- 
cessores'. 

'in novissimo die 
tormento inextin- 
guibili coram oculis 
dei luat. Quod ne 
hat, sed haec traditio 
nostra ab omnibus 
incorrupta perma- 
neat'. 

In 1478 ist dann eine Erweiterung des Formulars 
dahin erfolgt, dass in der Einleitung Otto's III. besondere 
Erwähnung geschah -^ Wie dieser Einschub zuerst in einer 
Urkunde des ED begegnet und daher doch wohl von ihm 
vorgenommen worden ist, so ist es auch jedenfalls ED, 
welcher den Text des auf 1478 zurückgehenden^ D. 1479 
so umgearbeitet hat, wie es für die, nicht wie alle früheren 
DD. der bischöflichen Kirche, sondern den Canonikern 
ertheilten Urkunden nothwendig war: wenigstens treffen 



1478. 
'ut nob. in deo 
dil. sepe dictae sed. 
Eb. e-p. suique suc- 
cessores lib. dehinc 
habeant j)ot'. 



'in die iudicii co- 
ram ocul. dei torm. 
in ext. luat.^ Quod 
ne eveniat, sed haec 
trad . nostra ab omni- 
bus perpetualiter 
inviolabilis perma- 
neat'. 



1) Ich bemerke im Folgenden in Klammern die Schreiber, wo sie 
nicht besonders genannt werden. 2) In dem aus 1478 abgeleiteten 1479 
wird daraus noch 'aeternaliter luat'. 3) Dass über diesen Einschub eine 

ausdrückliche Bestimmung gegeben wurde, kann vielleicht daraus gefolgert 
werden, dass er auch in 1480 und 1473 stattfand, in deren Vorlagen der 
Passus fehlte. Allerdings steht er aber in den späteren Stücken 1474. 
1481. 1482 nicht. 4) Auf 1478 gehen zurück die DD.: 1479. 1482. 

1464. 1495. 1502. Aber eine Vergleichung dieser Stücke macht wahr- 
scheinlich, dass hier einige Mittelglieder fehlen, also einige an Bamberg 
gegebene Urkunden verloren sind. Und dass in der That mit solchen 
gerechnet werden muss, beweisen die Ausführungen oben S. 139. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 209 

wir diese umgearbeitete Gestalt zuerst in 14:69, einem von 
ED mundierten D., dessen Fehler in St. 1466 (Ba. I) über- 
g-egang-en, von ED selbst aber, als er 1470 aus 1469 ab- 
schrieb, in diesem letzteren verbessert sind^ 

Das erste Stück, welches Ba. I nach Beendigung- von 
1466 mundiert hat, ist jedenfalls 1480, welches in der 
Schrift noch seiner ersten Periode angehört, aber in welchem 
er die in seiner Vorlage 1483 fehlenden Worte über Otto III., 
die er in 1466 zuerst kennen gelernt hat, wohl aus dem 
Gedächtnis in kürzerer Fassung eingetragen hat. Uebrigens 
ist ihm bei 1480 ebenso wie bei 1474 das Versehen passiert, 
dass er eine ganze Zeile seiner Vorurkunde übersprungen 
hat. In 1474 ist das ohne weiteres klar, da hier der Text 
gegen Ende eine Lücke hat, die genau der 11. Zeile des 
im übrigen mit grösster Sorgfalt copierten D. 1472 ent- 
spricht. In 1480 hat ED den Schaden durch Easur und 
Correctur gutzumachen gesucht; wahrscheinlich hatte Ba. I 
hier bei der Abschrift von 1483 die 14. Zeile irrthümlich aus- 
gelassen "-. Durch Tilgung der ersten Worte der Poenformel, 
die jetzt in 1480 ganz fehlt, und Kürzung des Anfanges 
der Corroboratio stellte ED einen von den übrigen DD. 
abweichenden, aber doch verständlichen Text her. Wenn 
derselbe in 1467 und 1463 wiederkehrt, so ist dafür nur 
die Erklärung möglich, dass beide aus 1480 abgeschrieben 
sind. 

Bei 1467 gilt das allerdings nur von dem letzten 
Theil. In ihm ist nämlich Ba. I zunächst ganz getreu 
St. 1466 gefolgt; als er aber zu den Worten 'proprietatis 
quendam locum' kam, bemerkte er, dass diese VU. eine 
Schenkung an die Canoniker verbriefte, und da wahr- 
scheinlich die diesen zugedachten Urkunden bereits mundiert 
waren, Hess er 1467 zunächst liegen, um es erst später 
unter Benutzung des für das Bisthum ausgestellten St. 1480 
zu vollenden. Genau an derselben Stelle also, wo wir oben 
des Schriftunterschiedes wegen einen Abschnitt in 1467 
anzunehmen genöthigt waren, tritt auch der Wechsel der 
Vorlage ein. 

Alle hier angeführten Fälle wirken überzeugend zu 
dem Nachweise zusammen, dass Fickers Annahme, die 
früheren Urkunden seien unmittelbar als Vorlagen für die 



1) In der Pertinenzformel von 14(39 fehlte z. B. 'aedificiis' und 
ebenso in 1466 ; am ßande ist es von ED in 1469 nachgetra<ren und 
steht auch in 1470. 2) Vielleicht ist er aber auch von der Mitte der 

Zeile 14 zu einem unmittelbar darunter stehenden Worte der 15. Zeile 
abgeirrt. 

Neues Archiv etc. XXII. 14 



210 



Hermann Bloch. 




Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 211 

si)äteren benutzt worden, durchaus zutrifEt. Wir beg-nügen 
uns daher, nachdem dies einmal festgestellt ist, mit der 
Bemerkung, dass 1477 aus 1479, 1476 aus 1475, 1481 aus 
1468 und 1478 aus 1481 von Ba. I abgeschrieben sind, 
und dass ED 1482 mit einiger Freiheit, wahrscheinlich im 
Anschluss an 1478 oder ein diesem nahestehendes verlorenes 
D.\ geschrieben hat. Ueberhaupt ist es ja leicht verständlich, 
dass dieser schon lange in der Kanzlei thätige Notar keines- 
wegs so sklavisch wie sein Gehülfe an den Vorlagen klebte ; 
schon oben konnten wir beobachten, wie er einzelne Formeln 
selbständig weitergebildet hat und wie er die Abänderungen 
für die DD. bestimmte, welche an die Bamberger Canoniker 
gegeben werden sollten. Er ist es denn auch gewesen, 
welcher die nothAvendigen Neuerungen bei den Stücken 
vornahm, durch welche dem Bisthum Abteien übertragen 
wurden. So hat er mit den erforderlichen Aenderungen 
1457 aus 1478 und mit noch erheblicheren Umgestaltungen 
1461 aus 1479- hergestellt. Ausser 1460, welches der oben 
(S. 204) erwähnte Hilfsschreiber unter Anlehnung an 1473 
geliefert hat, gehen alle, die Schenkung einer Abtei ent- 
haltenden DD. auf 1461 und 1457 zurück, auf jenes, jeden- 
falls durch die Vermittelung eines verlorenen Mittelgliedes 
X, 1459 (ED) und 1458 (EC), auf dieses 1462 (EC). 

Die nebenstehende Tabelle veranschaulicht den aus 
den besprochenen Verhältnissen erschlossenen Stammbaum 
der Bamberger Gründungsurkunden. Allein da, wie wir 
darauf sehen, keineswegs injmer die zuletzt geschriebene 
Urkunde als Muster für die folgende gedient hat, sondern 
mehrfach auf sehr viel frühere zurückgegriffen wurde, ist 
damit, wenn auch die Ableitung, so doch noch keineswegs 
die Eeihenfolge der in den parallelen Aesten stehenden 
DD. bestimmt. Hier treten ergänzend die Beobachtungen 
über die Schrift des Ba. I ein, und neben ihnen die Be- 
merkungen, welche über die Nachtragung der Datierung 
an den Originalen zu machen sind. 

Scheiden wir nämlich zunächst durch einen verticalen 
Strich unterhalb von 1480 die Stücke der ersten Schrift- 



1) Der erste Theil bis zur Pertinenzformel stimmt allerdings durch 
das Fehlen des auf Otto III. beziigliclien Passus und von 'una (vgl. oben 
S. 207; mit 1468 überein. Da aber ED in 1482 auch sonst gekürzt und 
sichtlich mit grosser Flüchtigkeit gearbeitet hat, sind diese Ueber- 
einstimmungen wohl nur zufällige. 2) Es mag darauf hingewiesen 

werden, dass in 1461 und den daraus abgeleiteten Stücken die Zustimmung 
der Aebte in der Narratio aus der VU. nicht übernommen ist, und dass 
Heinrich von Würzburg zwar wie in der VU. genannt, aber doch nicht 
sein 'consensus' wie dort erwähnt ist. 

14* 



212 Hermann Bloch. 

periode des Ba. I von seinen späteren Urkunden, so ergiebt 
sich, dass alle die direct aus einander abgeleiteten DD. 
von 1468 — 1466, sowie das vor 1478 geschriebene St. 1475 
und das gleich nach 1466 entstandene D. 1480, dass also 
alle oberhalb dieses Striches stehenden DD. — die sicher 
sämmtlich vor 1480 entstanden sein müssen — zuerst ohne 
Datierung geschrieben vrorden sind. In seinen DD. 1472. 
1471. 1466. 1480 hat Ba. I erst später das ganze Eschatokoll 
eingetragen, und auch in den von ED geschriebenen 1468. 
1483. 1475. 1478. 1479. 1469 ist die Datierung überall von 
Ba. I später hinzugefügt. Genau dasselbe Verhältnis zeigt 
ausserdem noch 1470, in welchem nur die Datierung von 
Ba. I, alles übrige von ED herrührt. Endlich erweist der 
Tintenunterschied noch in einem der von Ba. I als Blanquets 
hergerichteten und ausgefüllten DD., nämlich in St. 1477, 
dass die Datum zeile nicht gleichzeitig mit dem Context 
eingetragen worden ist, während in den übrigen in dieser 
Art angefertigten ^, sowie in allen andern Urkunden das 
Datum zu gleicher Zeit mit dem Contexte geschrieben zu 
sein scheint. Diese Verschiedenheit in der Behandlung 
der Datierung legt die Annahme nahe, dass die 12 Stücke, 
in denen dieselbe nachgetragen ist, schon vor dem 1. No- 
vember, also schon vor dem Tage geschrieben waren, an 
welchem die eigentliche Gründung des Bisthums durch 
den Beschluss der Synode erfolgte. 

In der That lässt sich diese bemerkenswerthe Er- 
scheinung ganz bestimmt mit Hülfe anderer Schriftstücke 
des Ba. I erweisen. Derselbe hat nämlich ausser den DD. 
für Bamberg noch die verlängerte Schrift der ersten Zeile 
von St. 1455 für das Bisthum Cambrai am 22. October 1007 
und das Protokoll der Frankfui'ter Synode vom 1. November 
geschrieben. Jene entspricht — so weit dies nach den 
Facsimilien zu bestimmen ist — etwa dem Stande seiner 
Schrift in 1466 ; das Synodalprotokoll aber hat — um nur 
dies entscheidende Moment hervorzuheben — das offene a, 
so dass also mindestens die vier DD.. 1472. 1471. 1466. 
1480, die nur das geschlossene bieten, früher entstanden 
sein müssen. Auch sonst scheint seine Schrift etwa der 
Zeit zu entstammen, in welcher Ba. I die Blanquets aus- 
gefüllt hat 2, so dass dies etwa um die Zeit des 1. November 



1) Nur in 1481 ist nicht sicher zu erkennen, ob die Datierung 
gleichzeitig mit dem Context oder später eingetragen ist. Wir setzen 
es daher liinter 1477. 2) Das Synodalprotokoll habe ich nur in Strass- 
l)urg einsehen können, so da^s sich nicht genau feststellen liess, welchen 
von diesen Stücken seine Schrift am nächsten verwandt ist. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 213 

geschehen sein müsste. Hierzu stimmt es nun aufs beste, 
dass in einem von ihnen, in 1477, noch sicher die Datierung 
nachg-etrag-en, in den andern Bhmquets aber gleichzeitig 
mit dem Contexte geschrieben worden ist', dass also jenes 
vor der Synode vom 1. November, diese aber erst nach 
derselben ausgefüllt zu sein scheinen. 

Indem die punktierte Linie auf unserer Tabelle die 
Urkunden, in welchen die Datumzeile später hinzugefügt 
ist, von den übrigen trennt, scheidet sie daher die vor 
dem 1. November geschriebenen 12 DD. von den späteren. 
Die Reihenfolge jener: 1468. 1472. 1471. 1483. 1475. 1478. 
1479. 1469. 1466. 1470.- 1480. 1477 ist selbst im einzelnen 
ungefähr gesichert; unter den späteren sind aber nur die- 
jenigen des Ba. I mit Rücksicht auf seine Schrift in die 
Folge: 1481. 1476. 1474.'^ 1467. 1473 zu bringen. 

Allerdings ist es sicher, dass von den übrig bleibenden 
die DD. St. 1463. 1464. 1465 an das Ende der Reihe ge- 
stellt werden müssen; dass 1464. 1465 erst später ge- 
schrieben und trotzdem mit dem Datum 1. November 1007 
versehen worden sind, ist oben^ eingehend dargelegt worden, 
und auch von 1463 ist schon ^ gesagt, dass es (wegen der 
Bezeichnung Eberhard 's als Bischof und der Erwähnung 
Kunigmide's) wohl nicht gleichzeitig mit den anderen DD. 
entstanden sei. 

Wenn auch diese letzteren Urkunden zeigen, dass die Da- 
tierung nicht die Vollendung der DD. am 1. November oder 
unmittelbar danach beweisen kann, und wir daher streng 
genommen gar keinen Anhaltspunkt besitzen , wann ED 
das Blanquet des Ba. I in 1482 ausgefüllt hat'*, so ist 
doch für die 6 Urkunden 1461. 1459. 1458. 1457. 1462. 
1460, durch welche Abteien an das neugegründete Bisthum 
geschenkt werden, mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Her- 
stellung gleich nach der Synode anzunehmen. Es ist doch 
wohl kaum Zufall, dass unter den vor dem 1. November 
geschriebenen Urkunden keine einzige von einer Abtei 
handelt; wenn nicht etwa erst auf der Synode selbst 
endgiltige Entscheidung über deren Vergabung getroffen 
wurde, so mag man vielleicht daran Anstoss genommen 



1) Ueber 1481 s. oben S. 212 X. 1. 2) Ob dies D. erst nach 1480 
oder 1477 einzureihen ist, muss unbestimmt bleiben. 3) 1481 stellen 

wir wegen der Möglichkeit, dass die Datierung doch erst nachgetragen 
sei, voran. Zwischen 1474 und 1476 ist über die Priorität nicht zu ent- 
scheiden. 4) Vgl. S. 162 ff. 5) S. 142 X. 1. 6) Nur mit Rücksicht auf 
diesen Schriftbefund reihen wir es gleich liinter den übrigen als Blanquets 
begonnenen Urkunden hinter 1473 ein. 



214 Hermann Bloch. 

haben, Reichskircheng-ut zu verschenken, ehe die Gründung 
des Bisthums, an das sie kommen sollten, auch formell 
durch die Beschlüsse der Synode vollzogen war ^ — während 
man im übrigen ja kein Bedenken trug, in der Narratio 
der schon vor dem 1. November geschriebenen DD. die 
Vorgänge auf der Synode vorwegzunehmen-. 

Auch ein äusseres Zeichen dafür, dass die Abtei- 
urkunden noch vor dem Ende des Jahres 1007 vollendet 
worden sind, liegt wenigstens in dem von EC geschriebenen 
St. 1462 vor. Während dieser nämlich im übrigen die 
Datumzeile mit den zu 1007 gehörigen Jahresmerkmalen 
geschrieben hat, Hess er die Tagesangabe aus, die jedenfalls 
nach dem Gebrauche der Kanzlei bei der Vollziehung 
nachgetragen werden sollte. Wie die Vollziehung selbst, 
so ist aber auch dies wohl vergessen worden; jedenfalls 
setzte ED in die Lücke das Datum des 1. November ein, 
das danach alle bei der Gründung an Bamberg ertheilten 
Urkunden, unabhängig davon wann sie vollendet wurden, 
tragen sollten. 

Da an keiner der Abteiurkunden Ba. I mitgearbeitet 
hat, ist es wahrscheinlich, dass er nach Beendigung von 
1473 zeitweilig ausgeschieden ist; während ED die Her- 
stellung der Bamberger DD. wie bisher leitete, ist zunächst 
wohl nur EC, dann aber noch ein anderer Hilfsschreiber 
bei ihrer Mundierung thätig gewesen. Wir schliesseu sie 
daher an 1473 an, indem wir sie nach ihrer textlichen Zu- 
sammengehörigkeit ordnen, aber die drei nur von ED und EC 
geschriebeneu Stücke 1461. 1459, 1458 vorangehen lassen. 



Wir lassen zum Schlüsse die Anordnung der Gründungs- 
urkunden folgen, wie sie sich aus den obigen Darlegungen 
ergiebt, und fügen die Nummern bei, welche sie in der 
neuen Ausgabe erhalten werden : 

1) Dass etwa für die Verschenkuug der Klöster der Consens der 
Fürsten damals nothweDdig gewesen wäre, ist nicht anzunehmen, da 
wir erst aus viel späterer Zeit andere Belege dafür haben. Vgl. Bresslau, 
Handbuch der Urkundenlehre I, 699. 2) So ist es zu erklären, dass 
in dem Formular der Xarratio der Consens Heinrichs von Würzburg er- 
wähnt wird, der thatsächlich im November 1007 nicht erfolgt ist. Wenn 
der Context der DD. erst nach dem 1. Xovember festgestellt wäre, würde 
inan kaum diese den Ereignissen zu Frankfurt völlig widersprechenden 
Worte aufgenommen haben. 'Wie man aber im übrigen über den Wider- 
spruch des Würzl)urger Bischofs hinwegging, so sah man sich aucli nicht 
genöthigt, die einmal angenommene Fassung der Urkunden deshalb ab- 
zuändern. Höchstens in 1461 könnte man einen Ansatz dazu erblicken. 
Vgl. oben S. 211 N. 2. 



Erläuterungeu zu den Diplomen Heinrichs II. 



215 



St. 1468 = D. 144. 


St. 1470 = D. 153. 


St. 1461 = D. 162 


,, 1472 = „ 145. 


„ 1480 = „ 154. 


„ 1459 = „ 163 


„ 1471 = 


, 146. 


„ 1477 = „ 155. 


„ 1458 = 


, 164 


„ 1483 = 


, 147. 


„ 1481 = „ 156. 


„ 1457 = 


, 165 


., 1475 = 


, 148. 


„ 1476 = „ 157. 


„ 1462 = 


, 166 


„ 1478 = 


, 149. 


„ 1474 = „ 158. 


„ 1460 = 


, 167 


,, 1479 = 


, 150. 


., 1467 = „ 159. 


., 1463 = 


, 168 


„ 1469 = 


, 151. 


„ 1473 = ,. 160. 


„ 1464 = 


, 169 


„ 1466 = 


, 152. 


,, 1482 -= „ 161. 


., 1465 = 


, 170 



Excurs IV. 

Das Bamberger Generalprivileg Heinrichs II. 

in Adalberts Vita Heinrici II. c. 15 (St. 1456). 

Von Hermann Bloch. 

An die Spitze der dem Bisthnm Bamberg" bei seiner 
Gründung am 1. November 1007 ertheilten Urkunden hat 
Stumpf in seinen Eegesten n. 1456 ein Diplom gestellt, 
welches nicht wie alle andern im Original, sondern nut 
abschriftlich in der etwa 1146 verfassten Vita Heinrici II. 
des Bamberger Diacons Adalbert überliefert ist und hier 
der Datierung zugleich mit dem übrigen Eschatokoll er- 
mangelt. Er folgte bei dieser Anordnung der Annahme 
von Hirsch, dass aus dem einen allgemeinen Stiftungs- 
und Schenkbrief darstellenden D. durch geeignete Ver- 
kürzung das Formular für die 27 Urkunden vom 1. No- 
vember hergestellt worden sei. Allein ein Vergleich mit 
der soeben geführten Untersuchung genügt, um die Un- 
richtigkeit dieser Ansicht darzuthun. der zufolge 1456 
natürlich die grösste Verwandtschaft mit den frühest ge- 
schriebenen der Bamberger DD. haben müsste. Denn 
grade das Umgekehrte ist der Fall : nirgend , wo eine 
Entwickelung des Dictates in den letzteren zu erkennen 
ist, stimmt 1456 mit dem zuerst entstandenen D. St. 1468 
überein, sondern steht durch^veg dem Context der späteren 
DD. näher, der erst durch St. 1478 (1479) seine Gestalt 
erhalten hat. Dies ist z. B. in Bezug auf die oben S. 208 
besprochenen Wendungen der Fall; ausserdem bietet St. 1456 
die erst in 1478 eingefügten Worte, welche dem Gedächtnis 
Otto's III. gewidmet sind, ja es gedenkt auch der ausser in 
St. 1463 nicht vor 1009 in den Bamberger Urkunden nach- 
weisbaren Zustimmung der Königin Kunigunde^. Ist es 
deshalb ausser Zweifel, dass 1456 nicht das erste der DD. für 



1) S. Hirsch, Jahrb. II, 71 X. 2. 



216 Hermann Bloch. 

das neue Bisthum sein kann, so bleibt zu untersuchen, wo ihm 
sein Phitz unter den Urkunden Heinrichs II. einzuräumen ist. 

Wir haben schon bemerkt, dass D. 1456 mit einer 
den Typus von St. 1478 aufweisenden Urkunde verwandt 
ist, und da die Form der Intitulatio in 1456 ^ von den 
danach in Frage kommenden Urkunden nur in St. 1502 
begegnet, so wird man zunächst dieses T>. vom Jahre 1009 
als die VU. von St. 1456 anzusehen haben. Allein ausser- 
dem weist 1456 noch erhebliche und wörtliche Ueberein- 
stimmungen mit anderen Bamberger DD. Heinrichs II. auf, 
so in der Arenga mit 1723- und 1724, in der Promulgatio 
mit 1671, in dem ersten Theile der Dispositio wiederum 
mit 1723, in dem zweiten über Heinrichs II. Gaben für 
die Canoniker mit 1654, während Poenformel und Corro- 
boratio in der Hauptsache den Text von 1502 darbieten. 
Dieses Verhältnis kann auf zwei verschiedene Arten erklärt 
werden : entweder nämlich gehen alle diese DD. H. II. auf 
St. 1456 zurück und haben, der eine dies, der andere jenes 
dem Generalprivileg entnommen, oder die allgemeine 
Schenkungsurkunde ist aus ihnen allen zusammengesetzt. 

Gleich die umfangreiche Arenga zeigt, dass nur der 
zweite Fall geeignet ist, die Eigenthümlichkeiten von 1456 
zu erklären. Sie giebt nämlich säuberlich getrennt hinter- 
einander die ersten Sätze von St. 1502. 1723. 1724, an die 
sich dann der zweite Satz von 1502 anschliesst. Es ist 
nun schlechterdings ausgeschlossen, dass zunächst Ba. II, 
der Verfasser von 1723, den schon in den Gründungs- 
urkunden verwendeten Theil der Arenga ausgelassen und 
nur den nicht anderweit wiederholten folgenden Abschnitt 
aus 1456 herausgehoben hätte, und dass dann nach Ba. II 
der von Bayer Gl genannte Schreiber von 1724 bei seiner 
Benutzung von 1456 alle Bestandtheile von dessen Arenga, 
die schon in 1502 und 1723 begegnen, sorgfältig vermieden 
und seine Scheu, irgend einem andern Dictator, ausser dem 
von 1456, nachzuahmen, so weit getrieben hätte, dass er 
in seiner Einleitung grade da begann, wo 1723 geendet hatte, 
und die Vorlage nur bis zu dem Augenblicke abschrieb, wo er 
in 1456 auf einen mit 1502 gleichlautenden Satz stiess. Da 
den Dictatoren von 1723 und 1724 ein derartiges Verfahren 
nicht zuzutrauen ist, bleibt nur die Annahme übrig, dass 



1) 'diviua praeordinante dementia'. 2) Oder mit dem im wesent- 
lichen gleiclilautenden verloreneu D. von 1009, von welchem 1723 eine 
Wiederholung ist. Vgl. oben S. 143. Der Kürze halber beziehe ich mich 
im folgenden auf 1723. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs II. 217 

in St. 1456 ausser St. 1502 auch noch* 1723 und 1724 be- 
nutzt sind. 

Nicht anders ist es, -svenn die Unterstelluno- des Bis- 
thums unter die genannten Heiligen in 1502 durch 'stabili- 
vimus et corroboravimus', in 1723 durch 'fundavimus' aus- 
gedrückt wird, in 1456 aber alle drei Worte 'fundavimus 
stabilivimus et corroboravimus' nebeneinander erscheinen. 
Oder ist es denkbar, dass Ba. II aus 1456 nur grade das 
eine Wort für 1723 habe entlehnen wollen, welches in den 
Gründungsurkunden nicht gebraucht worden war? Völlig 
entscheidend ist ein anderer Fall: in St. 1502 werden die 
Grossen, welche der Gründung des Bisthums zustimmten, 
als Erzbischöfe, Bischöfe, Aebte, Herzoge und Grafen auf- 
geführt, in 1723 dagegen nur die Bischöfe und Aebte be- 
sonders genannt, die übrigen unter der Bezeichnung 'totius 
regni nostri principes' zusammen gefasst. In 1456 folgt 
nun auf die mit 1502 übereinstimmende Einzelaufzählung 
der Zusatz: 'totiusque regni nostri principum concordi 
devotione laudatum' entsprechend dem Wortlaut von 1723; 
diese Worte aber sind erstens hier ganz überflüssig, da es 
ausser den schon einzeln genannten keine Klassen von Reichs- 
fürsten giebt, zweitens jedoch entsprechen sie so aus- 
schliesslich dem von Ba. II geübten Brauche \ dass eben 
dieser St. 1456 in die vorliegende Form gebracht haben 
müsste, wenn es nicht einfach aus 1502 und 1723 zu- 
sammengesetzt worden ist. Würde indessen die Annahme 
der Anfertigung von 1456 durch Ba. II zur Noth erklären, 
dass er die ihm geläufige Arenga bei der Abfassung an 
die aus 1502 entnommene angeschlossen hätte, so ist daraus 
doch nicht im mindesten zu verstehen, wie dann der erste 
Satz von 1724 in 1456 Aufnahme gefunden haben könnte. 
Denn wie im übrigen St. 1724 vollständig das Dictat seines 
Schreibers Gl aufweist, so liegt auch bei der Arenga 
durchaus kein Anhaltspunkt vor, dass sie etwa einer andern 
Bamberger Urkunde entnommen wurde. Vielmehr ist sie 
nicht nur den späteren Arengen des Gl ähnlich, sondern 
sie schliesst sich auch wenigstens in Einigem an Ausdrücke 
an, die dieser Notar aus der Vorlage seines ersten Diploms 
St. 1721 kennen gelernt- und schon darin gebraucht hatte. 

Da also 1456 in seinem ersten Satze eine von ED 
verfasste, aus 1502 übernommene Arenga, im zweiten das 



1) Tgl. St. 1465. 1772. 1774. 2) 'Imperiali nostrae digaitati 

decens atque necessarium . . scimus esse' 1721 = 1693; ^iinperiaji digni- 
tate DOS sublim atos esse cognoscimus, eougruum esse ducimus' 1724. 



218 Hermami Bloch. 

Dictat des Ba. II,* im dritten endlich dasjenige des Gl 
aufweist, so kann der allgemeine Schenkbrief durch keinen 
dieser Notare verfasst, sondern muss aus mehreren, von 
ihnen geschriebenen Urkunden zusammengesetzt worden 
sein^. Und dass wirklich 1456 durch eine derartige Zu- 
sammenschweissung entstanden ist, lässt sich zweifellos 
an der Pertinenzformel erkennen, welche inmitten der aus 
1502 wiederholten Aufzählung die Pertinenzien des Bam- 
bergs Schenkung an Herzog Heinrich verbriefenden DO. II. 
44 enthält. 

Die neue Ausgabe wird im einzelnen zur Anschauung 
bringen, aus welchen Bestandtheilen die Compilation 
Barabergischer Urkunden, die in St. 1456 vorliegt, zu- 
sammengetragen ist. Denn mit den schon erwähnten DD. 
St. 1502. 1654. 1671. 1723. 1724. DO. II. 44 ist die Reihe 
seiner Quellen noch keineswegs erschöpft. Zunächst werden 
wir bei der Eigenart seiner Entstehung in der Annahme 
kaum fehlgehen, dass die in den DD. Heinrichs II. ganz 
ungewöhnliche Inscriptio-, deren Fassung in einer Kaiser- 
urkunde besonders auffällig wäre, aus der Publicatio des 
Privilegs Benedicts VIII. vom 1. Mai 1020 (Jaffe-L. 4030) 
gebildet worden ist-; andere Sätze aber gehen sicherlich auf 
verlorene DD. für Bamberg zurück. So begegnen die Worte 
'ad quoslibet usus convertendi' völlig gleichlautend in dem 
von Gl dictierten St. 1756 für Kloster Göss, und aus einem 
andern völlig einwandfreien Satze, durch den die Fürbitte 
der Canoniker für Heinrich und Kunigunde erbeten wird, 
sind wenigstens die Worte 'dilectissime coniugis nostr§ 
atque consortis regni' in der echten Fassung von St. 1706 
für Kloster Michelsberg ^ zu belegen. In beiden Fällen 
muss die üebereinstimmung von 1456 mit Urkunden für 
andere Empfänger durch verlorene DD. Heinrichs II. für 
Bamberg, in letzterem Falle sicher für das Domkapitel, 
vermittelt worden sein. Wenn ferner der einzige, in er- 



1) Es ist überflüssig, nun noch im einzelnen zu erweisen, dass auch 
keiner der anderen Notare, aus deren Urkunden AVendungeu in 1456 
übergegangen sind, dies D. verfasst haben kann. 2) »St. 1456: 'omnibus 
fcclesie tiliis tarn futuris quam presentibus'. Jaffe-L. 4030: 'notum esse 
volumus cunctis sanctae aecclesiae filiis tarn praesentibus quam futuris'. 
Die Voranstellung der 'futuri' vor den 'pracsentes' finden wir in DD. 
Heinrichs II. nur bei den von BA dictierten Stücken vgl. N. A. XX, 163; 
sonst begegnet sie in Kaiserurknuden erst später (vgl. Bresslau, Konrad II. 
II, 439). — Eine Inscriptio enthalten von den DD. H. II. nur 1572, wo 
sie aus den besonderen Entstehungsverhältnissen zu erklären ist, und das 
sicherlich nicht in der Kanzlei verfasste 1713. In beiden ist der Wort- 
laut völlig anders. 3) Im Cod. Udalrici bei .Tai^e, Bibliotheca V, 33. 



Erläuterungen zu den Diplomen Heinrichs IL 219 

haltenen DD. nicht gleichlautend wiederkehrende Theil 
der Arenga von 1J:56 durch die darin angezogene Bibel- 
stelle (Matth. 6 , 20) an das verfälschte D. über die 
Schenkung der Abtei Deggingen (St. 1678) erinnert, so 
bildet vielleicht auch zwischen ihnen ein verlorenes D. 
das Bindeglied. Andere Ausdrücke, wie 'presenti nostre 
aiictoritatis edicto statuentes', 'ad cottidiana temj)oralis 
vit§ subsidia' sind, wenn es mir bisher auch nicht gelang, 
sie in anderen Urkunden Heinrichs II. genau so wieder- 
zufinden, doch sicherlich aus echten DD. in St. 1456 über- 
gegangen. 

Eine derartige Zusammensetzung aus einer so grossen 
Reihe von DD. ist an sich recht auffällig, wenn sie auch 
in einer echten Urkunde nicht gradezu unmöglich wäre. 
Bei St. 1456 aber hat es uns der Verfertiger leicht gemacht 
zu erkennen, dass wir es hier nicht mit einem echten D.. 
sondern mit einem späteren Machwerk zu thun haben. 
Denn in dem zweiten Theile der Dispositio, in welcher 
die Schenkungen an die Canoniker im allgemeinen bestätigt 
werden, hat er nur wenige Worte dem DH. II. St. 1654 
entlehnt, sich aber in der Hauptsache nicht an eine Ur- 
kunde Heinrichs II., sondern an das Diplom Heinrichs III. 
vom 2. October 1048 (St. 2354) — welches ohne Benutzung 
einer Vorurkunde in der Kanzlei Heinrichs III. verfasst 
ist — angeschlossen. Die Worte 'canonicis deo ibidem 

famulantibus nostra imperiali auctoritate 

— potestatem habeant' sind wörtlich aus jener Urkunde 
entnommen; und dadurch erklärt sich aufs einfachste, wie 
der Ausdruck 'imperiali auctoritate', der in St. 2.354 
ebenso am Platze ist wie er in St. 1456 ungehörig erscheint, 
das dem Titel nach aus der Königszeit Heinrichs II. 
stammen müsste, in dies D. Eingang gefunden hat. 

St. 1456 ist danach aus der Reihe der echten Urkunden 
Heinrichs II. zu streichen und unter die Fälschungen auf- 
zunehmen. Allerdings unterscheidet es sich wesentlich 
von ihnen; denn an die Erlangung von Besitzungen oder 
Rechten irgend welcher Art ist bei seiner Herstellung 
durchaus nicht gedacht worden. Nirgend ist zu den 
darin benutzten Urkunden irgend ein Ziisatz gemacht, der 
dazu dienen könnte, einen neuen Anspruch zu erheben 
oder zu begründen. Die Namen der geschenkten Be- 
sitzungen sind aus den Vorlagen fortgelassen und durch 
ganz allgemeine Ausdrücke ersetzt worden, die nur wie 
die Aneinanderreihung 'predia ecclesias vicos villas' die 
Mannigfaltigkeit der Gaben Heinrichs II. bezeichnen sollten. 



220 Hermann Bloch. 

Der Wunsch nach mög-lichster Vollständig'keit veranlasste 
dann, dass für die Pertinenzien auf DO. II, 44 zurück- 
geg-riffen wurde, in welchem einige nicht in den andern 
Bamberger Urkunden genannte aufgeführt waren, und er 
war wohl auch die Ursache, dass in der Erzählung über 
die Gründung des Bisthums durch Heinrich die beiden 
formal verschiedenen Berichte aus St. 1502 und 1723 
combiniert worden sind. Daraus wird es ferner begreiflich, 
dass der Compilator von 1456 — Verfasser wird man ihn 
kaum nennen können - — , der unter den DD. Heinrichs II. 
getrennt solche für das Bisthum und für das Capitel vor- 
fand , in den zwei Theilen seiner Dispositio beide be- 
rücksichtigte ^ ; und dieses Verlangen nach einem Documente, 
welches alle Arten der Geschenke Heinrichs II. in sich 
begriff, erklärt schliesslich auch, weshalb selbst der Kost- 
barkeiten und Gewänder, die der Kaiser gegeben hatte, 
in 1456 besonders gedacht wird-. So erscheint als Zweck 
der Anfertigung von St. 1456 lediglich der Wunsch, durch 
eine einzige Urkunde ein umfassendes Bild von der reichen 
Ausstattung zu erhalten, die Heinrich II. dem von ihm ge- 
gründeten Bisthum Bamberg hatte zu Theil werden lassen. 
Niemand mag schmerzlicher empfunden haben, dass 
es kein Diplom gab, welches die verschiedenen Seiten der 
Gunstbezeugungen Heinrichs so recht zur Anschauung 
brachte, als der Verfasser der Vita Heinrici II., der Bam- 
berger Diacon Adalbert. Schon dadurch, dass nur durch 
sein Werk St. 1456 überliefert ist, wird man darauf ge- 
führt, in ihm den Urheber der Fälschung zu sehen. Und 
wir werden garnicht mehr daran zweifeln, wenn wir uns 
einmal seine Lage vergegenwärtigt haben. Nachdem er 
zuerst ohne Heranziehung von Urkunden das Leben des 
Kaisers niedergeschrieben hatte, erhielt er Zutritt zu dem 
Bamberger Archiv ^ und entnahm demselben die Urkunden, 

1) Auch das würde in einer echten Urkunde sehr auffälUg sein. 
Die Generalbestätigung Konrads II. (St. 205G) ist nur für die bischöfliche 
Kirche hestimmt. Nach dem Beweise der Unechtheit von St. 1456 ist 
es natürlich nicht mehr auffällig, dass das D. für St. 2056 niclit Ijenutzt 
worden ist. Das Zurückgehen des D. Konrads auf das Privileg .Tohanns 
(Jaffe - L. 3954) spricht vielmehr gleichfalls dafür, dass eine entsprechende 
Urkunde Heinrichs nicht vorhanden war. 2) Der hierauf bezügliche 

Satz ist — von vereinzelten Worten abgesehen, die wohl bei der Anfertigung 
von 1456 erst hinzugefügt sind — der einzige, dessen Herkunft aus einer 
Urkunde Heinrichs II. nicht wahrscheinlich ist. Ob eine andere schriftliche 
Aufzeichnung hierfür vorlag, oder ob er durch die Urkunden Konrads IL 
und Heinrichs III. (St. 2056. 2138) angeregt und für St. 1456 neu ver- 
fasst worden ist, muss dahingestellt bleiben. 3) Vgl. AVattenbach, Ge- 

schichtsquellen II '^j 383 f. und die dort verzeichnete Litteratur. 



Erläuteruugeu zu den Diplomen Henirichs II. 221 

welche über die Gründung- Bambergs und die Regelung- 
seiner Beziehungen zu Würzburg- Auskunft gaben, sowie 
diejenigen, welche im allgemeinen die Stellung- des Bis- 
thums klar legten wie die Privilegien Johanns XVIII., 
Benedicts VIII., Clemens' II. und Leo's IX. Von ent- 
sprechenden Kaiserurkunden boten sich ihm nur die beiden 
gleichlautenden DD. Konrads II. und Heinrichs III., von 
denen er das letztere in sein Werk aufnahm; aber er fand 
keine Urkunde Heinrichs II. vor, welche nur einigermassen 
die Gesamtheit seiner Gaben zur Anschauung gebracht 
hätte. Alle 70 Urkunden, welche Kirche und Capitel von 
Bamberg von ihm erhalten hatten, betrafen nur Einzel- 
schenkungen, und sie alle in die Biographie einzureihen, 
war natürlich unmöglich. Aber sollte Adalbert nun ganz 
darauf verzichten müssen, einen virkundlichen Beweis von 
der Fürsorge zu geben, mit welcher der kaiserliche Heilige, 
dessen Leben zu schildern ihm oblag, über seinem Bamberg 
gewacht hatte? Da half er sich denn damit, dass er aus 
Heinrichs Urkunden heraussuchte, was ihm das Wichtigste 
erschien, und es in keineswegs ungeschickter Weise mit- 
einander verband, um dadurch gewissermassen eine Ueber- 
sicht über alles zu gewähren, was Heinrich II. in seinem 
Leben für Bamberg gethan hatte. Zu dieser Auffassung 
von St. 1456 stimmt es aufs beste, wenn das unmittelbar 
anschliessende Capitel der Vita beginnt: 'Nee vero solum- 
modo in vita adhuc superstite rege gloriosissimo, sed magis 

etiam post transitura eins de morte ad vitam de 

die in diem semper accepit incremeutum'. 

So ist St. 1456 eine Fälschung der unschuldigsten Art, 
man möchte fast sagen, eine von ihrem Verfertiger selbst 
nicht beabsichtigte. Ohne irgend welchen Uebergang Hess 
dieser gleichsam wie einen erzählenden Text St. 1456 auf 
den Brief des Patriarchen Johannes von Aqiiileja folgen, 
während er auf alle andern von ihm gebrachten Urkunden 
mit einigen Worten besonders aufmerksam gemacht hat. 
Und nur daraus könnte man vielleicht entnehmen, dass 
Adalbert sich doch bewusst war, durch sein Verfahren eine 
ganz neue Urkunde zu schmieden, dass er bei seiner 
Wiedergabe von DO. II, 44 ^ genau die Worte der Pertinenz- 
formel fortgelassen hat, die in den allgemeinen Stiftungs- 
und Schenkbrief aufzunehmen er sich veranlasst gesehen 
hatte. 



1) Mon. Germ. SS. IV, 794. 



7.^?» 



IV. 



Reise nach England 

vom Juli 1895 bis Februar 1896. 



Von 



Karl Hampe. 



Jjjine Reise nach. England konnte in mehrfacher Hin- 
sicht nothwendig- und erfolgversprechend erscheinen. Schon 
seit einer Reihe von Jahren war keine nmfassendere Aus- 
beutung der dortigen reichen Handschriftenschätze für die 
Monumenta Gernianiae mehr unternommen worden, so dass 
sich eine Anzahl der Erledigung harrender Arbeiten auf- 
gesammelt hatte, die bei der bekannten ünversendbarkeit 
der Hss. aus den meisten englischen Bibliotheken nur im 
Lande selbst ausgeführt werden konnten. Andrerseits 
durfte man sich wohl der Hoffnung hingeben, dass gerade 
in England, wo einst so viele deutsche und italienische 
Hss. aufgekauft sind, eine Nachlese auch noch Ertrag an 
ungedrucktem Material einbringen würde. Denn die meisten 
der älteren Handschriftenkataloge, zu ihrer Zeit vortrefflich, 
genügen doch heutigen Anforderungen nicht mehr und 
können nicht den Anspruch erheben, uns ein getreues 
Bild von dem vollständigen Inhalt der Codices zu bieten ; 
eine Neukatalogisierung ist erst vereinzelt, wie zum Theil 
in Oxford , in Augriff genommen. — Die englische Ge- 
schichtswissenschaft aber ist in ihrer Gesamtheit zu sehr 
auf andre Ziele gerichtet, als dass für die Ausbeutung der 
handschriftlichen Schätze, wenigstens soweit sie ausserengli- 
sche mittelalterliche Geschichte betreffen, Nennenswerthes 
geleistet oder ferner zu erwarten wäre. — Deutsche Historiker 
endlich konnten bei meist beschränkter Zeit die englischen 
Bibliotheken natürlich nicht bis zu dem Grade durch- 
arbeiten, dass nicht allerorten ein beträchtlicher Rest von 
Hss. hätte undurchforscht gelassen werden müssen. 

Mit einer Anzahl bestimmter Aufträge nicht nur für 
die nächsten Bände der Epistolae, sondern auch für andre 
Abtheilungen, daneben aber auch, da die Zeit nicht eben 
drängte, mit hinlänglicher Bewegungsfreiheit, um manchen 
bei der Durchsicht der Kataloge ins Auge gefassten Spuren 
nachzugehen, manche Hss. auf's Gerathewohl anzublättern, 
verliess ich am 16. Juli 1895 Deutschland und kam am 
folgenden Tage in London an. 

Neues Archiv etc. XXII. 15 



226 Karl Hampe. 

Im Brittisclien Museum erhielt ich durch die 
Freundlichkeit des Oberbibliothekars Sir E. Maunde 
Thompson, dem ich auch sonst für die Förderung meiner 
Arbeiten zu lebhaftem Danke verpflichtet bin, sogieich 
Zutritt zum Lesezimmer und zur Handschriftenabtheilung 
und habe dort die Hauptzeit meines Londoner Aufenthalts, 
der vom 18. Juli bis zum 27. August und später vom 
27. December 1895 bis zum 13. Februar 1896 reichte, ge- 
arbeitet. Ich berichte gleich zusammenhängend über meine 
Thätigkeit v^^ährend beider Zeiträume, indem ich nur das 
Wesentliche hervorhebe^. Zunächst galt es, die sogen. 
Brittische Sammlung von Papstbrief eu (Add. 8873), soweit 
dieselben das 8. und 9. Jahrhundert betrafen, für die 
folgenden Epistolaebände auszunutzen , insbesondere die 
schon früher gedruckten Stücke, die in Bishops Abschrift 
nur notiert waren , mit den Drucken zu vergleichen -. 
Daneben kamen Collationen mehrerer einzelner Briefe des 
9. — 11. Jahrh. in Betracht, darunter der umfangreicheren 
Schreiben Ludwigs d. Fr. und Hilduins, welche die Ein- 
leitung zu des letzteren Vita S. Dionysii Areopagitae bilden 
(Add. 22793) und ausserdem von mir in Oxford (Bodl. 
Land. Mise. 549) und Cheltenham (16339) verglichen sind. 
— Von den für andre Abtheilungen besorgten Collationen 
war besonders ergebnisreich die Nachvergleichung von 
Arbeo's Vita Corbiniani (mit Add. 11880), durch welche 
die Abschrift von Müller -Strübing, die der Ausgabe von 
Riezler im Wesentlichen zu Grunde gelegt ist, als un- 
zulänglich erwiesen, aber auch die von Pertz mannigfach 
verbessert wurde. Ebenso ergab die Collation der Vita 



1) Eine vollständige Aufzählung der erledigten Arbeiten ist hier 
nicht beabsichtigt. Diese wii'd sich aus den Handschriftenbeschreibungen, 
Notizen u. dgl. ergeben, die ich zusammen mit Auszügen aus einigen 
neueren Handschriftenkatalogen als zweiten Tlieil der Beilagen bringen 
werde. In dem ersten Theil derselben ist, wie das in älmlichen Fällen 
auch früher in dieser Zeitschrift geschah, eine Reihe von Mittheilungeii 
aus einzelnen Hss., die einen breiteren Raum beanspi'uchen, zusammen- 
gestellt. Davon erscheint in diesem Hefte nur eine Anzahl ; andre werden 
zusammen mit dem zweiten Theil der Beilagen folgen. 2) Auf einen 

Irrthum Ewalds möchte ich hier gleich aufmei'ksam machen. Im Neuen 
Archiv V, 388 hat er unter n. 16 zuerst kurze Auszüge, dann unter n. 18 
dieselben ausführlicher gedruckt, als wenn im Codex diese Briefe zuerst 
kurz und noch einmal ausführlich ausgeschrieben wären. Daraus zieht er 
N. 2 Schlüsse auf die willkürliche Arbeitsweise des Verfassers der Samm- 
lung. In Wirklichkeit hat Mr. Bishop in seiner Abschrift zuerst geglaubt, 
sich mit kurzen Auszügen begnügen zu können , dann aber mit aus- 
drücklicher Verweisung dieselben Stücke noch einmal vollständiger nach- 
getragen. Im Codex stehen sie nur einmal. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 227 

Hludowici imperatoris des sogen. Astronomen mit der dafür 
noch nicht benutzten Steinfelder Hs. (Add. 21109) eine 
Fülle selbständiger und werthvoller Varianten ^ Ferner 
wurden collatiouiert die genuesische Chronik des Jakob 
de Voragine (Add. 29 805), die Vita Wilfridi (Gott. Vespas. 

D. VI), das dritte Buch von Abbo's De bellis Parisiacae 
urbis (mit Harley. 3826, Kings 3 A VI und später auch 
auf der Cambridger Universitätsbibliothek mit Cod. GG. 
V, 35), die Vita Lamberti (Add. 18627) und auf's Neue 
die Annales Xantenses (Cott. Tib. C. XI). Mehrere Tage 
wurden darauf verwandt, in der einzigen Hs. der Annales 
Piacentini Ghibellini (Harley. 3678) diejenigen Stellen 
nachzuprüfen, in denen die Ausgaben von Pertz und 
Huillard - Breholles von einander abweichen. Da sich 
indes herausstellte, dass wegen gemeinsamer kleiner Irr- 
thümer beider Herausgeber ein getreuer Text nur durch 
vollständige Nachvergleichung der ganzen Annalen zu ge- 
winnen war, so wurde diese an sich nothwendige Arbeit, 
die aber Wochen erfordert hätte, vorläufig vertagt. Aus 
derselben Hs. wurde der zu Anfang stehende Kaiserkatalog 
mit Gilbert's Chronik verglichen und die sich daran an- 
schliessende Prophetie abgeschrieben. Neben diesen und 
andern kleineren Arbeiten habe ich eine grössere Zahl von 
bisher unbenutzten Hss. einer Durchsicht unterzogen und 
dabei auch brauchbares ungedrucktes Material gewonnen. 
So fanden sich in dem früher dem Kloster S. Georgenberg 
in Tirol gehörenden Cod. Add. 18344 kurze Annalen, die 
in den 50o:er Jahren des 13. Jh. vermuthlich im Kloster 
Baumburg geschrieben sind und für die deutsche, insbeson- 
dere bairische Geschichte jenes Jahrhunderts werthvolle 
originale Nachrichten enthalten ; ferner in Add. 24657 
unbedeutendere, aber in dieser Znsammenstellung immerhin 
unbekannte Notizen zur Geschichte von Oesterreich und 
Böhmen im 12. nnd 13. Jh.-. Aus Add. 22 349 schrieb 
ich eine kurze, auf den Kirchenstreit unter Kaiser Fried- 
rich I. bezügliche Schrift für die Libelli ab. lieber Frag- 
mente von Leo's von Ostia Chronik von Montecassino in 
Add. 28107 wird unten ausführlicher berichtet. — Mr. 

E. Bishop, der in seinem immer gleichen Interesse für die 
Mon. Germ, mir mit der grössten Freundlichkeit entgegen- 
kam, wies mich auf den Cod. Cott. Vitell. E XIII hin, der, 

1) Eine beachtenswerthe Nachvergleichung des Widukind in der- 
selben Hs. wurde den Mon. Germ, von Prof. Bury in Dublin freundlichst 
zur Verfügung gestellt. 2) Beide Stücke werden in SS. XXX gedruckt 
werden. 

15* 



228 Karl Hampe. 

durcli den Brand der Bibliothek im vorigen Jahrh. aller 
dings stark beschädigt, eine noch unbenutzte Decretalen- 
sanimlung mit vielen ungedruckten Briefen und Brief- 
fragmenten vorwiegend Papst Alexanders III. enthält. 
Manche dieser Stücke liest man auch in dem ähnlichen 
Cod. Kings 10 A II, der dazu noch andre ungedruckte 
Briefe von Päpsten des 12. Jh. enthält. Auch der Cod. 
Cheltenh. 11726^ deckt sich nur zum Theil mit bekannten 
Sammlungen, und ähnliche Hss. würden sich bei weiteren 
Nachforschungen gewiss auch sonst in englischen Biblio- 
theken finden. Es ist daher nicht zu viel gesagt, und dem 
Kenner der einschlägigen Verhältnisse wird es bekannt 
sein, dass sich hier zur Ergänzung der Jaffe'schen Papst- 
regesten noch hunderte von neuen Nummern mit Leichtig- 
keit gewinnen Hessen. Die weit überwiegende Mehrzahl 
derselben bezieht sich allerdings auf den Verkehr der Päpste 
mit England und hat daher für die Monumenta kein 
Interesse ; doch ist daneben auch die Zahl der Stücke mit 
Adressaten im deutschen Reichsgebiet nicht ganz unbe- 
trächtlich. Was ich mir davon aus den genannten Hss. 
notiert habe, denke ich zusammen mit einer Reihe von 
einzeln überlieferten ungedruckten Papstbriefen des 12. 
und 13. Jh. in einem weiteren Artikel der Beilagen dieses 
Reiseberichts zusammenzustellen. 

Mit gütiger Erlaubnis und Unterstützung von Sir 
E. M. Thompson konnte ich im Handschriftenzimmer des 
Brittischen Museums aus der Privatbibliothek des 
Grafen von Leicester den Cod. 210, der mir von Holk- 
ham in Norfolk hergesandt wurde, zu einer Nachvergleichung 
der bereits von A. Gaudenzi daraus gedruckten Capitula 
iuris Visigothici und zur Collation der darin enthaltenen 
Theile der Lex Visig. Reccessvindiana benutzen. Der 
grossen Liberalität Seiner Lordschaft und der Mühewaltung 
seines Bibliothekars, des Rev. Alexander J. Napier, gebührt 
dafür mein verbindlichster Dank. 

Einen Theil der Zeit meines Londoner Aufenthalts 
verwandte ich auf Arbeiten im Record-Of f ice, wo für 
die Constitutiones Briefe Rudolfs von Habsburg, Adolfs 
von Nassau, der drei englischen Eduarde und andrer nach 
den Originalen oder den Aufzeichnungen in den mächtigen 
Rollen zu vergleichen waren. Es ist nicht immer ganz 



1) Nicht s. XVI. (c. 1583), wie N. A. IV, 598 angegeben ist, 
sondern s. XIII. ; nach einer modernen Bleistiftnotiz vorn im Cod. c. 1183, 
was ofifenbar verlesen ist und obigen Irrthum veranlasst hat. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 229 

einfach, die heutigen Signaturen dieser sämtlich in Rymer's 
Foedera gedruckten Stücke festzustellen. Mit freundlicher 
Unterstützung von Mr. E. Salisbnry gelang das indes doch 
bei fast allen; nur ein Brief Kaiser Heinrichs VII. vom 
29. Juni 1312, den man nach der Angabe Eymer's unter 
den Royal letters vermuthen musste, liess sich trotz vieler 
Bemühungen nicht finden. 

Einen zweitägigen Besuch stattete ich auch der 
Jedermann ohne Weiteres zugänglichen Bibliothek im 
Lambeth Palace, der alten Londoner Residenz der 
Erzbischöfe von Canterbury, ab, wo vor allem eine gute 
Hs. der Visio Baronti (n. 173) zu vergleichen war. 

Ich möchte den Bericht über meine Londoner Thätig- 
keit nicht schliessen, ohne der mehrfachen Förderung 
dankbar zu gedenken, die meinen Arbeiten durch die 
deutsche Botschaft in London zu Theil wurde. 

Am 28. August fuhr ich nach Oxford und war dort 
zunächst bis zum 22. September und später noch einmal 
vom 7. — 21. November in der Bodleyana thätig. Herr 
Dr. A. Neubauer, dem ich für Rath nnd Hülfe herzlichen 
Dank sage , hatte mir freundlichst von den Colleges : 
Balliol, S. John, Magdalen und Oriel je zwei Hss. 
auf die Bodleyana besorgt^, deren Ausnutzung, besonders 
durch die Collation der sogen. Annales Ottenburani 
(Magdal. 73), mich zunächst einige Zeit in Anspruch nahm. 
Auch kleinere ungedruckte Stücke fanden sich in diesen 
Hss., wie der unten mitgetheilte Bericht über die Schlacht 
bei Hattin (S. John 115), ein Brief Papst Clemens IV. 
über seine Wahl (Balliol 227) u. a. m. 

Dann wurden die Manuscripte der Bodleyana selbst 
vorgenommen, Collationen ausgeführt von Ricobalds von 
Ferrara Pomerium Ravennatis ecclesiae (Can. Mise. 415), 
von Bonincontro's De pace Veneta (Land. Mise. 587), von 
der Vita Wilfridi (Fell. 3), von Schreiben Ludwig's des 
Bayern und Eduards III. und von Briefen Hincmars, 
Hrabans etc. — Wichtige neue Angaben und Berichtigungen 
zur Geschichte der Stauferzeit lieferte der vollständigere 
Text der Veroneser Annalen des Parisius von Cerea, wie 
ihn der Cod. Can. Mise. 288 gegenüber der unbrauchbaren 
Edition bietet, manche Verbesserungen auch die Vergleichung 

1) Es sei hier darauf hingewiesen, dass solche Collegehandschriften, 
die im Aug. oder Sept. auf der Bodleyana benutzt werden sollen, 
möglichst schon vor Beginn der Universitätsferien, also etwa bis Ende 
Juni zu bestellen sind, da sich während der Ferien durch die Abwesenheit 
der Collegebibliothekare etc. leicht Schwierigkeiten ergeben können. 



230 Karl Hampe. 

der späteren Veroneser Annalen des 14. Jh. in derselben 
Hs. Im Cod. Land. 645 fanden sich interessante Auszüge 
aus einem Eegister des Cardinais Ottobonus von Fiesco 
(etwa von 1259 — 1266), und im Cod. Bodl. 816 neben zwei 
ungedrvTckten, aber bereits vonPertz abgeschriebenen Briefen 
Adolfs von Nassau ein Schreiben Eduards I. an Rudolf 
von Habsburg, lieber alles das ist in den Beilagen aus- 
führlich berichtet. 

Vom 24. September bis zum 7. November war ich mit 
ganz kurzen Unterbrechungen in Cheltenham an der 
Privatbibliothek des weiland Sir Thomas Phillipps, jetzt 
des Rev. J. E. A. Fenwick und seines Sohnes Mr. Fitz 
Roy Fenwick thätig. Die überaus reichen Handschriften- 
schätze, die hier trotz mancher Verkäufe noch immer auf- 
gespeichert liegen, soweit irgend thunlich für die Monu- 
menta auszubeuten, ehe sie etwa durch Auctionen in un- 
bekannten oder unerreichbaren Privatbesitz übergehen 
sollten, war einer der Hauptzwecke meiner Reise. Trotz 
der bekannten erschwerenden Benutzungsbedingungen — 
1 £ wird jetzt gleichmässig von jedem Besucher für den 
Tag erhoben — habe ich im Ganzen 34 Tage, u. zw. bei 
ziemlich ausgedehnter Arbeitszeit von 10 Uhr Morgens mit 
einer kurzen Mittagspause bis gegen 6^2 ülir Abends ge- 
arbeitet. Von der deutschen Botschaft in London dem 
Besitzer schon vorher empfohlen, hatte ich von demselben 
bereits die Erlaubnis zur Benutzung der Bibliothek erhalten 
und konnte sogleich am 24. September meine Thätigkeit 
beginnen. Sie bestand zunächst in Collationen der aus 
Novalese stammenden Hs. der Historia Langobardorum des 
Paulus Diaconus^ (8462), der Vita Wolfkangi Otlohs^ 
(16 359), der Vita Sualonis (16 375), der Vita Burchardi 
episcopi Wirciburgensis (16 374), des Prologes zur Vita 
S. Pirminii (4182), der Gründungsgeschichten und des Abts- 
katalogs von Biburg (4214), wobei sich aus dem Cartular 
des Klosters eine ungedruckte Urkunde Kaiser Friedrichs I. 
ergab ; ferner in Collationen von Boncompagni's Liber de 
obsidione Anconae (17 396) und der 42 Briefe vom J. 1251, 
die aus derselben Hs. bei Muratori Antiqu. IV, 497 ff. ge- 
druckt sind ; dazu von mehreren einzelnen karolingischen 
und späteren Briefen. Probecollationen wurden von drei 
modernen Abschriften der Chronik des sogen. Jamsilla 
genommen (5163. 5177. 5431). Eine Reihe von Tagen 
erforderte die vollständige Ausnutzung des Cod. 1172, der 

1) Vgl. die Beilage. 2) Kürzlich auch in dieser Hs. für die 

Acta Sanctoruni benutzt. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 231 

die beiden Viten und die Mirakel der heil. Elisabeth 
enthält; auch der Bericht Konrad's von Marburg über 
diese Heilige wurde verglichen (12 199). Der bisher unter 
dem Titel 'Statuta regni Bohemiae' bekannte Cod. 303 
erwies sich bei eingehender Prüfung als der Liber a 
missionibus des Zdenko de Trebecz, u. zw. als die directe 
Vorlage der Abschrift von 1748 im Wiener Staatsarchiv. 
Mehrere Stücke daraus konnten gleich für die Constitutiones 
benutzt werden. Zwei Petrus de Vineis-Hss. (3876, 17396) 
wurden auf ihren Inhalt hin genauer geprüft. Der Cod. 
18 908 endlich lieferte eine willkommene Ergänzung des 
bei Dumeril^ aus einer Brüsseler Hs. gedruckten Fragmentes 
von einem aus guter karolingischer Zeit stammenden Ge- 
dicht auf den biblischen Joseph. 

Wichtiger noch, als an den übrigen Orten, erschien 
es in dieser so ungenügend katalogisierten Privatbibliothek, 
solche Manuscripte, die von den früher für die Monumenta 
dort thätigen Gelehrten nur flüchtig oder noch gar nicht 
hatten angesehen werden können, einer Durchsicht zu 
unterwerfen. Was nach den dürftigen Angaben des Katalogs 
irgend aussichtsvoll zu sein schien, ausser den genannten 
noch über 30 Hss., habe ich daher mit mehr oder minder 
Erfolg untersucht. Dabei fand sich in Cod. 7817 (= 7208) 
ein noch unbekannter Tractat über den Coelibat von einem 
Gegner der Reform ; er wird in den Libelli gedruckt werden. 
Ueber eine Bearbeitung der 'Königshoven- Justinger' ge- 
nannten Berner Chronik (3583), sowie eine späte Chronik 
des Aegidienklosters in Nürnberg (1286) wird unten in den 
Beilagen gehandelt. Ob die von einem Obo von Ravenna 
verfasste späte Darstellung derjenigen Ereignisse, die zum 
Frieden von Venedig führten, erhalten in einer Abschrift 
des 17. Jh. (6121), neben legendarischen Zügen auch irgend 
brauchbare Nachrichten bietet, bleibt noch zu untersuchen. 
Eine aus S. Maximin in Trier stammende Bibel (400 s. 
XI. ex.) enthält einige nicht uninteressante Eintragungen, 
und so wurden noch manche kurze Stücke notiert. Wie 
viel Unbekanntes dieser Art die undurchforschten Codices 
der Sammlung möglicherweise noch immer in sich bergen: 
Briefe, Urkunden und Notizen, die auf leere Seiten ge- 
schrieben sind, zum Einband benutzte Einzelblätter u. dgl., 
lässt sich gar nicht übersehen, da sich solche Dinge ja 
ebenso gut in Hss. finden können, deren Inhalt nach den 
Angaben des Katalogs ohne historisches Interesse ist. 



1) Poösies inedites du moyen äge, Paris 1854 p. 286—294. 



232 Karl Hampe. 

Auch einzelne Cartulare mögen unbekannte Stücke ent- 
halten, und ungedruckte Papstbriefe vom 12. Jh. ab bleiben 
gewiss auch ferner noch dort zu finden. Dass werthvollere 
Werke von grösserem Umfang, von denen man bisher nicht 
gewusst hätte, in der Bibliothek auftauchen sollten, halte 
ich allerdings nach meinen Erfahrungen für nicht sehr 
wahrscheinlich. 

Von Cheltenham kehrte ich nach Oxford zurück und 
reiste von da nach zweiwöchentlichem Aufenthalt am 
22. November weiter nach Cambridge. Hier habe ich 
fast ausschliesslich im Corpus Christi College ge- 
arbeitet. Der frühere Bibliothekar desselben Rev. J. R. 
Harmer war vor kurzem als Bischof nach Adelaide be- 
rufen; sein Nachfolger Mr. C. W. Moule kam mir mit aus- 
nehmender Freundlichkeit entgegen und verschaffte mir 
jegliche Bequemlichkeit bei der Arbeit, so dass die alten, 
heute überängstlich erscheinenden Bestimmungen, die Erz- 
bischof Parker einst für die Benutzung der von ihm ge- 
schenkten Manuscripte festgesetzt hatte, und die auch 
heute noch in Kraft sind, nicht im mindesten mehr lästig 
empfunden werden konnten. Ihm sowohl, wie dem ganzen 
gastfreundlichen College sage ich für das mir bewiesene 
Wohlwollen meinen herzlichsten Dank. Zwei umfangreiche 
Arbeiten waren es, die fast die ganze Zeit meines dortigen 
Aufenthalts in Anspruch nahmen; zunächst die Beschreibung 
und vollständige Collation der sogen. Ekkehardrecension C 
im Cod. 373, die wegen der unvollständigen und für die 
Lösung der Fragen der neueren Frutolf-Ekkehardforschung 
auch sonst unzureichenden Benutzung des Cod. durch Pertz 
dringend nöthig geworden war. Mr. Moule hatte dazu die 
Uebersendung des sechsten Scriptoresbandes von der Uni- 
versitätsbibliothek nach dem College für mich ausgewirkt. 
Daneben war eine Reihe von noch kaum recht beachteten 
Tractaten, die in Ronen gegen Ende des 11. Jh. mit schar- 
fer, geistvoller Polemik gegen das Papstthum geschrieben 
sind, aus dem Cod. 415, auf den unser früherer Mitarbeiter 
Dr. Dieterich aufmerksam gemacht hatte, grösstentheils 
abzuschreiben. 

Da mittlerweile Weihnachten nahe herangerückt war, 
so musste ich es aufgeben, auch noch andern College- 
bibliotheken in Cambridge, die jetzt eben mit dem Beginn 
der Universitätsferien geschlossen wurden, einen Besuch 
abzustatten, der übrigens nach den Angaben der Kataloge 
auch nirgends besondere Erfolge versprach, und widmete 
nur noch der Universitätsbibliothek einige Tage, 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 233 

wo mich Mr. A. Eogers durch seine freundlichen Be- 
mühung-en zu lebhaftem Dank verpflichtete. Neben andern 
kleineren Arbeiten schrieb ich hier aus Cod. Dd I, 17 eine 
kurze unbekannte Papstfortsetzung des Martin von Troppau 
ab, die ebenso wie zwei ähnliche Stücke, die gleich zu 
erwähnen sind, in SS. XXX gedruckt werden sollen. 

Die Zeit bis Weihnachten reichte noch gerade aus 
zu einem kurzen Besuche der Kathedralbibliothek 
von Durham (17. — 20. December), wo bisher noch niemals 
für die Monmnenta gearbeitet worden war, obwohl der 
sorgfältige Katalog von Eud einige Hss. aufzählte, deren 
Durchsicht erwünscht war. 

Der Bibliothekar Rev. W. Greenwell Hess so viele Hss., 
als ich ihm nannte, aus dem alten Klosterrefectorium, in 
dem die werthvollen Manuscripte der Kathedralbibliothek 
jetzt aufgestellt sind, nach seiner behaglichen Wohnung 
schaffen, die nebenbei bemerkt ein ganzes Museum selbst- 
gesammelter prähistorischer Broncen in sich birgt, räumte 
mir sein eignes Studierzimmer ein und erwies dem ihm 
völlig Fremden ein so herzliches Wohlwollen und eine so 
liberale Gastfreundlichkeit, dass ich ihm stets ein Gefühl 
warmer Dankbarkeit bewahren werde. — Der Ertrag der 
Arbeit lohnte immerhin die Reise. Ausser einigen CoUa- 
tionen, wie der des Concils von Seligenstadt 1023 im ersten 
Bande der Constitutiones mit Cod. B IV, 17 schrieb ich 
auch hier eine ungedruckte Papstfortsetzung des Martin 
aus B II, 35 ab und machte insbesondere eingehende Aus- 
züge, verbunden mit Abschriften einzelner Stücke, aus 
einer interessanten und, wie es scheint, ganz unbekannten 
Formelsammlung des 13. Jh. (C IV, 24), die mir noch näher 
zu untersuchen bleibt. Auch in den meisten andern 
englischen Bibliotheken habe ich vielfach meine Auf- 
merksamkeit auf die Formelsammlungen des 13. und 14. Jh. 
gerichtet und manche Notizen darüber gemacht, die in 
einem weiteren Artikel der Beilagen zusammenfassend ver- 
werthet werden sollen. Bei der Unmöglichkeit, viele der 
adressen- und datenlosen Stücke im Augenblick auf ihre 
Bedeutung hin zu erkennen, würde hier allerdings erst 
eine systematische Durcharbeitung alles Brauchbare aus- 
schöpfen können. 

Zu Weihnachten kehrte ich nach London zurück und 
nahm dort am 27. December meine Thätigkeit wieder auf, 
über die schon oben berichtet ist. Hier ist nur noch 
nachzutragen, dass von da am 24. Januar ein kurzer Ab- 
stecher nach Winchester unternommen wurde. Die 



234 Karl Hampe. 

Absicht war das Carmen Aedilvulfi , von dem man eine 
selir alte Hs. nacli der Angabe Sclienkls in der dortigen 
Kathedralbibliothek vermuthen musste, zu collationieren, 
und Mr. Bishop lieh mir zu diesem Zwecke von seinem 
vollständigen Monumentenexemplar freundlichst den ersten 
Band der Poetae latini aevi Carolini. Der Bibliothekar 
Rev. Madge gestattete mir auch bereitwilligst die Benutzung 
der Manuscripte und des Katalogs; es ergab sich indes, 
dass in der betreffenden Hs. nur die ersten 12 Verse stehen, 
die im Cod. Mus. Brit. Cott. Tib. D. IV gerade fehlen, 
und dass nach einer jedenfalls richtigen Vermuthung von 
Mr. G. F. Warner diese beiden Codices ursprünglich einen 
einzigen Band gebildet haben. 

Die wenigen sonstigen Hss. der Kathedralbibliothek 
boten für uns nichts weiter, nur war auch hier wieder 
eine ungedruckte Papstfortsetzung des Martin abzuschreiben, 
so dass der Ausflug doch nicht ganz ergebnislos blieb. 

Am 13. Februar konnte ich endlich den Winternebeln 
Londons den Eücken kehren, um nach Deutschland heim- 
zureisen. 

Ich möchte die Feder nicht aus der Hand legen, 
ohne Herrn Prof. F. Liebermann für seinen werthvollen 
Eath und so manche Empfehlung auch an dieser Stelle 
meinen wärmsten Dank auszusprechen. 



Beilagen. 

Erster Theil. 
Mittheilungen aus einzelnen englischen Handschriften. 



^ö' 



I. Die Cheltenhamer Handschrift der Historia Lango- 
bardorum des Paulus Diaconus n. 8462. 

Ueber den Cod. Chelt. 8462 hat zuletzt C. Cipolla^ 
mit grosser Sachkunde und Genauigkeit gehandelt. Zwar 
konnte er nicht die Hs. selbst benutzen; aber indem er 
eine Abschrift des 18. Jh.- und einen, wenn auch nicht 
direct, so doch indirect von unsrer Hs. abhängenden Codex 
des 15. Jh. •^, sowie eine Anzahl moderner Beschreibungen 



1) Notizia di alcuni codici dell' antica bibliotheca Novalicense. 
Memorie della R. accademia delle scienze di Torino. Serie 2. T. 44 
(1894) p. 193 ff. 2) Universitätsbibl. von Turin Miscell. LXXI. 

3) Aus der Bibliothek des Gaudenzio Claretta in Turin. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 235 

der Hs. geschickt verwerthete, hat er doch alles Wesentliche 
über dieselbe bereits gesagt und ihre Herkunft aus dem 
Kloster Novalese überzeugend nachgewiesen. 

Während meines Aufenthalts in Cheltenham habe 
ich den Codex untersucht und die anderthalb ersten Bücher 
der Historia, die sich allein darin finden \ collationiert. 
Nur zur Ergänzung und Bestätigung von Cipolla's Aus- 
führungen, die eine neue vollständige Beschreibung ent- 
behrlich machen, möchte ich hier Einiges nachtragen. 

Der Codex ist 2572 cm. hoch und 17 cm. breit. Das 
Bruchstück der Langobardengeschichte besteht aus 2 Lagen 
von je 8 Blättern und ist dem übrigen Theil der Hs. an- 
gebunden. Der Schrift nach scheint es etwas jünger, als 
jener zu sein. Mehrere Hände, die ich eher dem Anfang 
des 11. als dem 10. Jh. zuweisen möchte, haben daran 
geschrieben. Findet sich auch auf diesen Blättern kein 
Merkmal für die Herkunft, so scheinen sie doch schon 
frühzeitig mit dem vorhergehenden Theile zusammenge- 
bunden zu sein, und dass dieser in der That aus Novalese 
stammt, beweisen einige etwa gleichzeitige Bemerkungen 
auf f. 107', von denen ich mir Folgendes notiert habe: 

'Anserannus quatuor sextarii vini H§c in 

tali tenore faciunt isti fratres, quos supra nominavimus, 
ut post mortem illorum quisquis ipsas vineas emerint vel 
tenuerint (so !), istam fraternitatem (so !) reddant, videlicet 
sancti Petri Novalicii'. 

Dann von andrer Hand : 'Lohersgobaldus IUI sextarii 
(so !) vini .... dedit . . sancto Petro Novalicio, ut monachi 
per omne tempus anniversaria eorum faciant'. 

Die Beweisführung Cipolla's wird dadurch bestätigt. 

Der Text schliesst sich in Auslassungen und Ver- 
derbnissen im allgemeinen den übrigen Hss. der Klasse F 
an^; am Schluss von I, 13 findet sich eine Interpolation, 
die in den verwandten Hss. fehlt, aber freilich nichts 
Selbständiges enthält, sondern der Origo Langobardorum 
entnommen ist^. Die Capitelindices zu Buch 1, 2 und 6 
haben bei dieser Hss. -Gruppe ursprünglich gefehlt. In 
unsrer Hs. findet sich eine spätere Ergänzung. 

Den Index zu Buch 6 hat Cipolla aus der Claretta- 
Hs. abgedruckt, den Druck der Indices zu Buch 1 und 2 



1) Buch 1 und 2 bis Cap. 17. Die erwähnte Abschrift s. XVIII. 
bricht schon in Cap. 15 ab, da die Schrift der letzten Seite unsres Cod. 
stark beschädigt ist. Der Cod. Claretta dagegen enthält alle 6 Bücher. 
2) Vgl. in der Edition v. Waitz S. 33. 3) SS. rer. Lang. 8, 17—25. 



236 Karl Hampe. 

uiiterliess er, weil er ohne Benutzung des Cheltenhamer 
Codex doch keinen genauen Text bieten konntet Sie 
seien hier daher zur Vervollständigung der Edition abge- 
druckt, wenn auch das Interesse daran gering ist. Von 
der Verderbnis des Textes in unsrer Hs. geben sie zugleich 
eine Vorstellung. 

INCIPIUNT GESTA LANGOBARDORUM EORUMQUE ORIGINEM. 
INCIPIUNT CAPITULA LIBRI PRIMI l 

I. Quod septemtrionalis plaga, quanto magis ab estu 
solis remota est, tanto salubrior hominum est. 

II. Quod de Germania mult§ barbares naciones 
egresse sunt, simul etiam et Winilorum, hoc est Lango- 
bardorum geus exinde prodiit, seu et quod eorum populo 
in tres partes divisus est, 

III. De hoc quod in Germania Septem viris in maris 
littore longo tempore quiescunt inlesis^. 

IUI. De hoc quod in Galliam mediante di§ longiores 
umbras hominum inveniunt* quam in Italia. 

V. De hoc quod inter Brittania et Gallicia mare 
subitis inundacionibus obimplet. 

VI. De hoc quod ad Sequanico littore Ebodia insula 
a triginta milibus adstat. 

VII. Quomodo Winuli de Scatinavia^ cum Ybor et 
Agione eorum ducibus in Scoringam venerunt. 

VIII. Quomodo Wandalis ad Godan'^ victoriam de 
Winilis postulaverunt, et ille eis se daturum promisit. 

Villi. De hoc quod Winilis ab intacta ferro barba 
Langobardi sunt appellati. 

X. Quomodo Langobardis commisso prelio cum 
Wandalis Langobardis victoriam capiunt. 

XI. Quomodo Langobardis in Mauringam ire dis- 
ponunt, sed Essietpittis eorum iter impediunt. 

XII. De viro fortissimo, quod Essietpittis apud se 
habebant, quem solum cum unum ex Langobardis obiciunt 
pugnaturum. 

XIII. Quomodo Languobardi in Mauringam venerunt, 
deinde in Goland venerunt et deinde in Saxoniam ^ com- 
morati sunt. 

1) Aus den Lesarten, die Cipolla S. 204 aus der Turiner Abschrift 
8. XVIII mittlieilt, geht in der That hervor, dass diese nicht sehr genau 
ist. 2) Am oberen Rande stehen tironische Noten. 3) Das letzte s 

ist mit andrer Tinte getilgt. 4) So corr. von andrer gleichzeit. Hd. 

(= 1) aus invenitur. 5) Corr. aus Scadinavia 1. 6) Corr. aus Gotan 1. 
7) Corr. aus Salisoniam 1. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 237 

XIIII. De morte Ybor et Agioni ducibus et quomodo 
Agelmund in regno elevatus est. 

XV. Lamisioni invencione vel pugna eius cum Ama- 
zonibus ^. 

XVI. De Bulgares quomodo super Lang-obardis in- 
ruerunt eosque prosternuut -, ibique et Agelmund rex inter- 
fectus est. 

XVII. Quomodo Langobardis Lamissione super se 
regem statuunt seu de vindicta et de victoria eius super 
Bulgaros. 

XVIII. De morte Lamissioni. Leth in regno leva- 
tus est. 

XVIIII. De bellum inter Odoachar et Felletheum 
rex Ruhorum, et quomodo Langobardis in Rugilanda 
venerunt. 

XX. De morte Gudeos et Claffoni regibus ; quomodo 
Tato in regno levatus est, vel pugna eius, quam cum 
Erolis gessit. 

XXI. De morte Tadoni^ et quomodo Wacbo in 
regno ordinatus est; quomodo Suavos suo dominio sub- 
iugavit. 

XXII. De morte Waltari et quomodo Audoin ei in 
regno successit. 

XXIII. De prelio inter Langobardos et Gipidos* et 
de Alboin filius Audoin quomodo filium regis Gepydoruni-^ 
occidit ". 

XXIIII. De Alboin quomodo a Turisindum regem, 
cuius filium occiderat*^ venit et eius arma seu spolia de 
suo filio, quem occiderat*', petiit. 

XXV. De lustiniano augusto quomodo multa prelia 
prospere gessit, seu leges Romanorum rairabili brevitate 
correxit. 

XXVI. De vita beati Benedicti abbatis vel de eius 
meritis. 

XXVII. De morte Audoin, vel quomodo Alboin filius 
eius successit ei in regnum , et quomodo Clotharius rex 
Francorum ei suam filiam in matrimonio tradidit et de 
bellum quod cum Cunimundo rege gessit. 

FINIUNT CAPITULA. 

Der Index zu Buch II lautet: 

Cap. I. Quomodo Narsis patritius cum Totila rege 



1) Corr. aus Amalazonibus 1. 2) -ernunt undeutlich. 3) Corr. 
aus Tatoni 1. 4) Corr. aus Gibidos 1. 5) Corr. aus Gepydorum 1. 
6) Corr. aus occis. 1. 



238 Karl Hampe. 

Gothorum bellum hiniit et cum adiutorio Langobardorum 
devictus est. 

II. Quomodo Narsis patricius Bucilino et Amingo 
ducibus^ a Teudberto rege Fraucorum missos devicit. 

III. Quomodo Narsis Sindoald Bretanorum regem 
in Italia superatus est. 

IUI. De pestilencia quod eo tempore fuit, et quo- 
modo lustinianus augustus obiit et lustinus ei successit. 

V. Quomodo Narsis a Romanis ad imperatore accu- 
satus est, et quomodo Langobardos in Italiam invitavit, 
vel de igneas acies tunc in caelo apparuerunt "-. 

VI. Quomodo Alboin rex ab amicis suis vetulis ^ 
Saxonibus auxilium peciit, quod in Italia ingredi potuisset. 

VII. Quomodo Alboin amicis suis Hunnis Pannoniam 
relaxavit seu contribuit. 

VIII. Quomodo Alboin rex cum exercitu suo Montem 
regium venit. 

Villi. Quomodo Alboin fines V§neci§ seu Forum 
lulii coepit et quomodo Gisulfum suum nepotem ibidem 
ducem constituit. 

X. Quomodo Langobardi Italiam invaserunt seu de 
morte Clotharii regis Francorum et quomodo filii eins 
aequaliter diviserunt. 

XI. Quomodo Narsis patricius obiit et apud Con- 
stantinopolim est deportatus. 

XII. Quomodo Alboin ad Plavem fluvium venit, et 
Felix episcopus Tarvisiane aecclesiae ei occurrit. 

XIII. De Fortunato viro Dei quomodo ad sanctum 
Martinum pervenit. 

XIIII. Quomodo Alboin rex Vincentiam et Veronam 
civitate caepit. 

XV. De Italia quantas provintias habere noscitur. 

XVI. Quod quinta provincia Italiae Alpes Qoncies* 
dicitur, et in sexta vero hurbe Roma constare dicitur. 

XVII. Quod septima provintia Italiae Neopolim et 
Salernis seu Campania dicitur et octava Lucania appel- 
latur. 

XVIII. Quod nona provincia in Appenninis Alpibus 
nuncupatur et decima iuxta^ Pado usque Ravenna per- 
tingit. 

XVIIII. Quod undecima provincia Flamminea dicitur 
et XII. a Spoleti nuncupatur. 



1) 'dicibus' Hs. 2) So! Hs. 3) 'veculis' Hs. 4) So corr. 

aus 'cöcies' Hs. 5) Corr. aus 'iusta' Hs. 



Reise uach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 239 

XX. Qnod XIII. provincia Valeria dicitur et XIIII. 
Apuliam nuncupatnr. 

XXI. Quod XV. provincia Italiae dicitur Calafriga 
et XVI. Sicilia, XVII. Corsig-a, XVIII. Sardinia nuncupatur, 

XXII. Quod Lig-uriam a partibus V§neeiae constat. 

XXIII. Quod Italia ab Italo nomen accepit, naiii 
antea Ausonia vocabatur. 

XXIIII. Quomodo Alboin Liguriam caepit et de 
morte patriarchae Pauli. 

XXV. Quomodo Ticinum civitas per tres annos a 
Langobardis obsessa est, et quomodo omiiem Italiam preter 
ßomam et Raveiinam ceperunt^. 

XXVI -. Quomodo Ticinensi civitas post tres annos 
se Langobardis tradidit. 

XXVII -^ De morte Albuin quomodo ab uxore §ius 
vel Elmihis interfectus est. 

XXVIII. Quomodo Elmihis uxorem Albuin* habuit 
et post eum regnare voluit et non potuit, ad Eavennam 
aufugit et ibi ab uxore sua occisus est. 

XXVIIII. Quomodo Longinus filia Albuin et Peredeo 
cum omnem tensarum ■' Langobardorum Constantinopolim 
transmisit, et quomodo Peredeo duos patrius ** occisit. 

XXX. Quomodo Langobardis Cleb super se regem 
statuunt. 

XXXI. Quomodo Langobardi post mortem Clephoni 
usque ad duaudecim" annos regem non habuerunt, et quo- 
modo Romanis tributa Langobardis reddiderunt. 

II. Fragmente einer Handschrift von Leo's von Ostia 
Chronik von Montecassino. 

Die stattliche Bibel in zwei Foliobänden, die in 
Stablo im J. 1097 geschrieben worden ist, später in den 
Besitz des Dr. Fischbach in Löwen kam und jetzt im 
Brittischen Museum die Codd. addit. 28106 und 28 107 
bildet, ist schon öfter benutzt und zum Gegenstand von 
Besprechungen gemacht worden'*. Insbesondere hat im 
ersten Bande der Bibliothekskataloff von 1105 die Auf- 



1) Hier folgt getilgt: 'XXVI. Quomodo Ticinensi civitas etc. (wie 
unter XXV.) — ceperunt'. 2) Corr. aus 'XXVII.' Hs. 3) Corr. aus 
'XXVni.' Hs. " 4) Corr. aus 'Alboin' Hs. 5) So statt 'tliesaurum' 

Hs. 6) So statt 'patricios' Hs. 7) So ist wohl zu verbessern statt 

'aduaudecim' Hs. ; 'duodecim' wird auch in der Orig. und der Cont. Prosp. 
statt 'decem' gelesen (vgl. ed. Waitz p. 108). 8) Zuerst wohl von 

Martene und Durand in Voyage litteraire de deux religieux Benedictins 11 
(Paris 1724) p. 149. 



240 Karl Hampe. 

merksamkeit auf sich gelenkt^. Dagegen hat der zweite 
Band anscheinend weniger Beachtung gefunden. Die An- 
gaben des Catalogue of additions to the manuscripts in 
the British Museum 1854 — 75 II, 428 sind fast das Einzige, 
was darüber geschrieben ist. Ich füge hinzu, dass f. 239' 
die 'Preces ad crucem' und die 'Ecclesie de fraternitate 
chenobii sancti Remacli Stabulensis ordinis sancti Benedicti 
Leodiensis dyocesis' (Namen von 56 Kirchen) erst im 14. Jh. 
von zwei verschiedenen Händen eingetragen sind, und dass 
f. 240' der Brief Kaiser Heinrichs IV. an Philipp von 
Frankreich von 1106 vollständig nur reicht bis 'fidelibus 
et' (SS. VI, 371, 3); dahinter folgen nur noch f. 241 einige 
Bruchstücke aus dem weiteren Theil des Briefes, auch aus 
dem Zusatz von Cod. A (vgl. SS. VI, 371 Anm. c). 

Merkwürdigerweise sind gerade die wichtigsten Blätter 
des Codex allgemein unbeachtet geblieben oder doch nicht 
auf ihren wahren Inhalt erkannt worden. Vorn und hinten 
enthält nämlich der Codex eine Anzahl von einzelnen 
Blättern, die früher zum Einband verwendet und auf Holz 
geklebt gewesen sind, darunter einige mit langobardischer 
Schrift des 12. Jh., die im Katalog verzeichnet sind als 
'fragments of a treatise in Lombardic characters of the 
XII. Century'. Dieser angebliche Tractat erweist sich als 
die Chronik von Montecassino des Leo von Ostia, und so 
dürftig die Bruchstücke an sich sind, genügen sie doch, 
um von dem verlorenen Codex, zu dem sie gehört haben, 
eine annähernde Vorstellung zu erwecken, und sind bei der 
seltenen handschriftlichen Ueberlieferung der Chronik nicht 
ohne Bedeutung. 

Jener Codex war überaus sorgfältig geschrieben und 
mit hübschen Initialen geziert ; alle Heiligennamen waren 
roth illuminiert. Die Höhe lässt sich nicht mehr genau 
erkennen, da alle Blätter entweder oben oder unten stark 
beschnitten sind; die Breite beträgt etwa 21 cm. Da ge- 
legentlich noch von einer Hand des 15. Jh. Bemerkungen 
zwischen die Zeilen geschrieben sind, so muss der Codex 



1) Zuerst gedruckt von Thonissen im Bulletin de l'acad. Roy. des 
Sciences etc. Brüssel 1867 p. 613 ff., sehr viel besser, wenn auch nicht 
ganz fehlerfrei, von Th. Gottlieb Ueber mittelalterl. Bibliotheken 284 ff. ; 
ebenda n. 2 eine Beschreibung des 1. Bandes. Vgl. auch Bulletin du 
biblioph. Beige 1863 p. 274, wo aus beiden Codd. die Notizen über die 
Abfassung grösstentheils gedruckt sind. Aus Band 2 hebe ich dazu noch 
aus dem Fluche, der den Dieb der Hs. treffen soll, die Stelle hervor: 
'veniant super illum omnes maledictiones et plagf, qug in hoc eodem 
libro Script^ sunt'. 



Reise nach England vom Jnli 1895 bis Februar 1896. 241 

damals nocli vollständig- gewesen, erst später zerschnitten 
und zum Einband der Bibel in Stablo benutzt sein. Die 
Schrift ist stellenweise bei der Loslösung- des Pergaments 
vom Holz des Deckels stark beschädigt. Jede Seite ist in 
2 Columuen getheilt. 

Das jetzt in der Hs. als f. 1 gezählte Vorblatt besteht 
aus 2 zusammenhängenden Blättern des alten Codex, also 
aus 4 Seiten mit 8 Columneu, von denen 2 allerdings nur 
ganz fragmentarisch erhalten sind; ebenso sind die oberen 
Zeilen aller Columnen abgeschnitten. Ich führe die 
einzelnen Stücke nach der Edition von Wattenbach in 
SS. VII zugleich mit Angabe der Varianten hier an. 

fol. 1 col. 1 lässt, soweit erhalten, nur noch ganz 
unbedeutende Wortstücke von p. 598, 15^ — 18 erkennen; 
16. ist 'cepit' statt 'cepit' geschrieben (so stets, auch statt 
'coepit'). 

col. 2 = p. 598 , 23 'tribuendum' — 28 'auro' ; 
23 'Karolus' statt 'Carolus' und so stets ; 26 'phialis' (wie 
Cod. 4) statt 'fialis'. 

col. 3 =r p. 591, 38 'mox' — 592, 1 'beati' ; 43 'que' 
statt 'quae'. 

col. 4 := p. 592, 8 'Per' — 19 'claustro' ; 10 — 16 
sind in veränderter Schrift, die sich mehr der Urkunden- 
schrift des 12. Jh. annähert, geschrieben; 13^ 'amor' statt 
'honor'. 

f. r col. 1 = p. 592, 25 'ita' — 30 'Roman§'. 

col. 2 = p. 592, 35 'ordinatus' — 41 'parvarum' ; 
41 'ani§nitas' statt 'amoenitas'. 

col. 3 = p. 597, 26 'pontificum' — 32 'hystoriuncul^'. 

Von col. 4 sind wieder nur einzelne Wortstücke aus 
p. 598, 2 — 7 erhalten. 

Das zweite Blatt, das jetzt in der Hs. nicht gezählt 
ist (zwischen f. 2 und 3 = f. la), besteht nur aus einem 
Blatte des alten Codex von ähnlicher Beschaffenheit wie 
die vorigen. 

f. la col. 1 = p. 593,25 'officinas' — 32 'Benedict!'; 
26 'magnis valde saxorum' ; 28 'idem' statt 'praefatus'. 

col. 2 = p. 593, 37 'Fuit' — 594, 1 'eorum'. 

f. la' col. 1 = p. 593, 4 'ad edificandas' (statt 'edif.') 
— 10 'octoginta duo'; 8 'honorem' statt 'honore'. 

col. 2 = p. 593, 15 'marmorum' — 21 'decurreret' ; 
15 'Impromptu' statt 'in promptu'. 

Hinten ist ein drittes Blatt, das auf Vorder- und 
Rückseite nur je eine Columne enthält, jetzt als f. 243 
gezählt. 

Neues Archiv etc. XXII. 16 



242 Karl Hampe. 

f. 243 = p. 597, 3 'tumba' — 9 'dicta sunt'; 4 'huic 
monasterio' statt 'beato Benedicto' ; 7 und 9 'qu§' statt 'que'. 

f. 243' = p. 596, 25 'praeceptum' — 33 'dominic^ 
incar-'. 

Endlich folgt als f. 245 wieder ein Fragment von 
2 zusammenhängenden Blättern, deren 8 Columnen unten 
stark beschnitten, sonst aber vollständig sind. 

f. 245 col. 1 (an das vorige Bruchstück unmittelbar 
sich anschliessend) p. 596, 33 '-nationis octingentesimo' 
— 597, 3 'saxea' ; 597, 1 'Lypparitana' statt 'Lyparitana'. 

col. 2 = p. 597, 9 'His quoque' — 14 'Benedicto'; 
10 'Hagenardus' (v^ie Cod. 4) statt 'Agenardus'. 

col. 3 = p. 592,41 'simul' — 593,4 'construxerat' ; 
2 'fratri nomine Garioald' ; 4 'ecclesiolam' statt 'ecclesiam'. 

col. 4 = p. 593, 10 'in latitudine' — 15 'pulchris 
ac ma'. 

f. 245' col. 1 = p. 593, 21 'posuit' — 25 'utilitates' ; 
22 'altarium ibi ad honorem sancti M.' statt 'altarium 
ibi sancti M.' ; 23 'valde pulchrum' statt 'valde pulcherrimum'. 

col. 2 = p. 593, 32 'argenteum' — 37 'statuit'. 

col. 3 = p. 596, 10 'et omnibus' — 14 'oppressos'. 

col. 4 = p. 596, 21 'in pago' — 25 'suum'. 

Diese hier aufgezählten Varianten erscheinen vielleicht 
unbedeutend und kaum einer besonderen Mittheilung werth, 
aber gerade die fast durchgängige Uebereinstimmung mit 
dem gereinigten Text spricht für die Vortrefflichkeit des 
verlorenen Codex nicht minder, als für die Richtigkeit der 
Edition. Und noch eine weitere Bedeutung gewinnt der 
Codex eben durch diese Uebereinstimmung. Wattenbach 
hat dem Texte seiner Ausgabe mit Recht jene Fassung 
der Chronik zu Grunde gelegt, welcher der unermüdlich 
bessernde Verfasser selbst den letzten stilistischen Schliff 
gegeben hat , obwohl diese Fassung nur in einer durch 
manche Fehler -entstellten Abschrift des 15. Jh. vorlag 
(dem Stuttgarter Cod. = Cod. 4). Unsre Fragmente haben 
nun einem Codex angehört, der zwar nicht die directe 
Vorlage dieser Abschrift gewesen ^, aber mit ihr nahe ver- 
wandt ist und eine ganz ähnliche Fassung der Chronik 
enthalten hat. Wäre er uns also vollständig überliefert, 
so würde er statt der Hs. des 15. Jh. dem Texte zu Grunde 



1) Das machen manche Abweichungen unmöglich ; ausserdem ist 
jene Abschrift im Kloster Blaubeuren angefertigt, während der Codex, 
von dem die Fragmente einen Theil bilden, doch wohl dem Kloster 
Stablo angehört hat. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 243 

g-eleg't werden müssen, und die wenigen Varianten, welche 
die Frag-mente bieten , stellen daher fast sämtlich Ver- 
besserungen dar, die in den Text aufzunehmen sind. An 
einer Stelle lässt sich sogar eine im Cod. 4 übersprungene 
Zeile aus unsern Fragmenten ergänzen; p. 597, 4 lesen 
nämlich die übrigen Hss. : 'Gontarius — reddidit beato 
Benedicto res, quas du dum Authpertus — concesserat' ; 
cod. 4 dagegen: 'Gontarius — reddidit huic dudum Auth- 
pertus — concesserat', während die Fragmente vollständig 
haben : 'Gontarius reddidit huic monasterio res, quas dudum 
Authpertus — concesserat'. Die Worte: 'monasterio res 
quas' können in der breiten langobardischen Schrift sehr 
wohl eine Zeile für sich gebildet haben, die also im Cod. 4 
übersprungen ist. 

Andrerseits weisen die Fragmente einige stilistische 
Verbesserungen auf, die sich auch in Cod. 4 noch nicht 
finden^, die jedoch ganz in der Art der sonstigen stilistischen 
Aenderungen Leo 's gehalten sind und schwerlich auf einen 
andern Ueberarbeiter zurückgehen. Indes ist das Material 
zu gering, als dass man danach allein auf eine nochmalige, 
bisher unbekannte stilistische Ueberarbeituug Leo 's selbst 
schliessen könnte; es ist ja auch nicht völlig ausgeschlossen, 
dass die Abweichungen unsrer Fragmente dem Cod. 4 
gegenüber nur einer besseren Ueberlieferung derselben 
Fassung zuzuschreiben sind. 

Möglicherweise werden gelegentlich noch andre Frag- 
mente desselben werthvollen Codex gefunden-. 

m. Aus den vollständigen Veroneser Aunalen des 
Parisius von Cerea. 

Eine neue Ausgabe der Veroneser Aunalen des Parisius 
von Cerea gehört zu den dringendsten Bedürfnissen mittel- 
alterlicher Quellenedition. Sie wird* zeigen , wie ausser- 
ordentlich lückenhaft die einzige bisher vorliegende Aus- 
gabe Muratori's^ ist, — denn die der Monumenta Germaniae 
von Pertz ^ ist nur ein Abdruck davon, — welche Fülle 

1) Vgl. die Zusätze : 'nomine' 593, 2 ; 'ad honorem' 593, 22 ; 'valde' 
593, 26; die Aenderungen: 'ecclesiam' in 'ecclesiolam' 593, 4; 'valde 
pulcherrimum' in 'valde pulchrum' 593, 22 ; 'praefatus' in 'idem' 593, 28. 
2) So könnten etwa die Fragmente in der Bibl. Nationale in Paris dem- 
selben Cod. angehören, vgl. Delisle Melanges de paleogr. Fragments de 
divers manuscrits = Nouv. acq. lat. 2199 f. 17. Da die Herkunft nicht 
angegeben ist, lässt sich ohne eine Durchsicht dieser Fragmente, deren 
Alter (Anf. des 12. Jh.) vrohl zu dem der unsrigen passt, natürlich nichts 
sagen. 3) Script, rer. It. VIII, 621 ff. 4) SS. XIX, 2 ff. ; danach 

eitlere ich im Folgenden. 

16* 



244 Karl Hampe. 

von Fehlern in Daten und Namen sich allenthalben findet. 
Hoffentlich wird in nicht ferner Zeit C. Cipolla sich seiner 
ebenso schwierigen, wie dankbaren Anfg-abe entledigen 
und uns eine brauchbare Edition dieses Geschichtswerkes 
schenken, das erst dann in seiner vollen Bedeutung wird 
gewürdigt werden können ^. 

Inzwischen scheint es nützlich, schon jetzt auf eine 
Reihe von Irrthümern hinzuweisen, die sich aus der Be- 
nutzung des schlechten und lückenhaften Textes in viel- 
gebrauchte Werke, wie die Regesten des Kaiserreichs unter 
den Staufern oder die Winkelmann'schen Jahrbücher des 
deutschen Reiches unter Philipp von Schwaben, Otto IV. 
und Friedrich II. eingeschlichen haben. Damit glaube 
ich der Edition Cipolla's nicht vorzugreifen, sondern hoffe 
im Gregentheil, durch manche der folgenden kritischen 
Erörterungen eine brauchbare Vorarbeit dafür zu liefern. 

Ich schöpfe meine Kenntnis des vollständigeren Textes 
der Annalen aus dem um 1500 geschriebenen Codex der 
Bodleyana in Oxford Canon. Mise. 288 (= O), den ich voll- 
ständig collationiert und soweit erforderlich abgeschrieben 
habe"^. Es ist eine Papierhs. in Octavformat^ jetzt in 
modernem Schweinsledereinband , ganz von einer Hand, 
schmucklos, nur mit rother Illuminierung der Ueberschriften 
und einiger Initialen geschrieben, u. zw. kurz nach 1493, 
da sich zu diesem Jahre auf p. 156 eine Notiz über eine 
üeberschwemmung in Verona findet. Zu Anfang auf 
p. 1 — 12 steht ein auch sonst ^ den Annalen voraufgehendes 
'Memoriale temporum et annorum preteritorum a creatione 
mundi ab Adam usque ad nativitatem Christi et a nativitate 
Christi usque ad MCCCXXV, eine unbedeutende chrono- 
logische Uebersicht, die zuletzt in einen bis auf Friedrich II. 
geführten Kaiserkatalog ausläuft. 

Am Schluss der Hs. auf p. 135 — 158 folgen 'Extraeta 
ex aliquibus cronicis antiquis ad memoriam istius civitatis 
non pretermitenda' (so !) ; ähnliche Excerpte stehen schon 
auf p. 132 — 134 in unmittelbarem Anschluss an die Veroneser 
Annalen: eine wirre Materialsammlung, meist ohne Angabe 
der Quellen, die aber doch einzelnes Brauchbare enthält. 
Insbesondere finden sich hier kurze Abschnitte aus den 



1) Natürlich wird bei dieser Sactüage auch in den Mon. Germ, 
eine neue Ausgabe gebracht werden müssen. 2) Cipolla hat denselben 
bereits, wie ich erst später ersah, in Turin benutzen können, vgl. Antiche 
cronache Veroncsi I, p. LVIII und 532. 3) Vgl. die Beschreibung von 
Ooxe in Catalogi cod. manuscr. bibl. Bodl. 111. Codd. Canon, p. 651. 
4) Vgl. Arch. Ven. XVII, 193. 



Reise uach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 245 

Aimalen des Parisius von Cerea, von denen einige dadurch 
Wertli erhalten, dass sie in der vorn in dem Cod. be- 
findlichen Abschrift aus Versehen überschlagen sind. Sie 
können daher ihrerseits, wie sich unten zeigen wird, zur 
Ergänzung des bisher bekannten Textes beitragen. In 
sprachlicher Hinsicht nehmen sie sich freilich wunderlich 
genug aus, da sie offenbar auf eine italienische üebersetzung 
des Parisius von Cerea zurückgehen und ins Lateinische 
ohne rechte Kenntnis dieser Sprache rückübertragen sind. 
Den inhaltlichen Werth kann indes die mangelhafte Form 
nicht beeinträchtigen. 

Den ganzen übrigen Theil des Cod. nehmen die 
Annales Veronenses ein, nämlich die Annalen des Parisius 
von Cerea (p. 13 — 81) und die Annalen aus dem 14. Jh. 
(p. 81 — 132), die schon bei Muratori die Fortsetzung des 
Parisius bilden, und auf die ich unteii zurückkomme. Für 
die Gestaltung des Textes der Annalen des Parisius von 
Cerea wird unsrer Hs. ein hervorragender Platz anzuweisen 
sein ^, da sie zwar nicht fehlerfrei ist und auch ihrerseits 
einige Lücken aufweist, aber doch einen sehr viel voll- 
ständigeren und richtigeren Text bietet, als die Edition, 
lieber das weitere handschriftliche Material hat mehrfach 
Cipolla gehandelt-. Eine der Hauptschwierigkeiten der 
Textherstellung liegt darin, dass mehrere italienische Ueber- 
setzungen der Annalen, die aber unter einander vielfach 
abweichen, dazu herangezogen werden müssen. Eine davon 
ist längst bekannt und gedruckt; es ist die sogen, vero- 
nesische Chronik des Pier Zagata (:= Z), die von Giamba- 
tista Biancolini i. J. 1745 herausgegeben ist. Dass sie 
eben nichts weiter enthält, als eine italienische Üebersetzung 
des Parisius von Cerea, u. zw. nach einem guten und wenn 
nicht vollständigen, so doch der Edition gegenüber sehr 
viel reicheren Texte, darauf haben Cipolla und Andre des 
öfteren hingewiesen. Trotzdem ist sie bisher merkwürdig 
wenig berücksichtigt, entweder weil man sie übersah, oder 
weil man ihren Angaben doch nicht genügendes Vertrauen 
entgegenbrachte. Ihre üebereinstimmung mit dem lateini- 
schen Texte von O zeigt, dass sie dies Vertrauen durchaus 
verdient, und dass bis zum Erscheinen der neuen Ausgabe 
keiner die alte schlechte Edition benutzen sollte, ohne 



1) Xach den von Cipolla im Arch. Ven. XVII, 194 und Xuovo 
arch. Ven. VI, 129 angeführten Stücken aus der Hs. in Aix von 1471 
scheint die Oxforder Hs. vor jener den Vorzug zu verdienen, wenigstens 
vor der von Cipolla benutzten moderneu Abschrift jenes Codex. 2) Arch. 
Ven. XVII, 193 ; Xuovo arch. Ven. VI, 125 ff. 



246 Karl Hampe. 

vorher die Chronik Zag'ata's zu Rathe zu ziehen; abgesehen 
von den reichen Ergänzungen, die man dort findet, wird 
man auch bei abweichenden Angaben in Namen, Daten 
u. dgi. meistens richtig gehen, wenn man der Uebersetzung, 
nicht dem verderbten Urtext folg't. Nicht alles, was O 
enthält, liest man auch bei Zagata; hier und da scheint 
er sich Auslassungen erlaubt zu haben oder fand sie bereits 
in seiner Vorlage. Andrerseits schöpft er aus derselben 
gelegentlich auch eine Angabe, die in O fehlt. Da Z 
demnach auf eine Hs. zurückgeht, die mit O in keinem 
directen Zusammenhange steht, so entscheidet eine von 
der Edition (= E) abweichende Uebereinstimmung von 
und Z in Daten und Namen fast allein schon zu Gunsten 
dieser Abweichung. 

Im Folgenden beabsichtige ich nicht, sämtliche sach- 
lichen Verbesserungen, die sich an der Hand von O und 
unter Zuhülfenahme von Z ergeben, hier aufzuzählen, — 
diese Richtigstellung muss der neuen Edition überlassen 
bleiben. Nur die wichtigeren Punkte, abweichende Daten 
u. dgl., insbesondere, soweit sie für die Reichsgeschichte 
von Bedeutung sind, möchte ich hier kurz erörtern, ge- 
legentlich auch Stücke aus dem reicheren Text von O, 
vorzüglich diejenigen, für deren Inhalt ich nicht auf Z 
verweisen kann, zum Abdruck bringen. 

Die Annalen beginnen in O schon mit einer Notiz 
zum J. 1087, die in Z und E fehlt: 

'Primo anno Domini MLXXXVII fluvius Atesis tam 
fortiter crevit, quod ^ pontem lapideum a Sancto Stephano 
de Verona diruit et episcopale palatium fregit et introivit 
per basilieam sancti Zenonis'. 

Dann folgt ein Bericht über den Tod der Gräfin 
Mathilde von Tuscien zum J. 1115 mit ähnlichen Irr- 
thümern, wie bei Z ; hier heisst es : 

'Nam mater comitisse Matilde aufugit a patre Henrico 
anno MLXXXIII cum Bonifacio nobili' etc. 

Die noch wenig beachtete, nicht ganz vollständige 
Nachricht über ein Vermächtnis der Mathilde an die Abtei 
S. Maria di Vangadizza (am Adigetto) findet sich aber nur 
in Z. Da die Entfernung der Abtei von Cerea verhältnis- 
mässig gering ist, so haben wir es hier wahrscheinlich mit 
einer ursprünglichen Angabe des Parisius zu thun. 

An die auch in E vorhandenen Nachrichten zum 
J. 1164 schliessen sich in O und theilweise in Z folgende 

1) «per' Hs. 



Reise nach Englaud vom Jiili 1895 bis Februar 1896. 247 

Aiio-aben über die Einnahme und Zerstörung- von Rivoli, 
jener bedeutsamen Feste über der Etschklause, um deren 
Besitz damals die Veronesen mit dem Reiche in beständigem 
Streit lagen: 

'Eodem millesimo castrum Rivolarum districtus Verone 
fuit obsessum per Veronenses. Et ibi steterunt a festo 
sancti Martini usque per totum mensem Martii et ipsum 
castrum obtinnerunt, quod castrum Garzapanus de Insulo 
(so!) de Verona tunc detinebat'. 

'MCLXX. Veronenses destruxerunt predictum castrum 
Rivolarum et arcem'. 

Diese Angaben sind genauer, als in den Ann. Plac. 
Guelf. ^. Der Beginn der Belagerung am 11. Nov., die 
Befehlshaberschaft des Garzaban, der im J. 1155 Kaiser 
Friedrich I. bei seiner Rückkehr durch die Veroneser 
Klausen so werthvolle Dienste geleistet hatte, endlich die 
Zerstörung der Burg im J. 1170 sind hier neu und auch, 
soweit sie in Z zu finden waren, in neueren Darstellungen, 
z. B. von Giesebrecht, nicht verwerthet. 

Die Lokalnachricht von einem Verkaufe des Turisendus 
de Turisendis an Cerea und anderes zum J. 1180, die Notiz 
über den Tod dieses Herrn und über die Einnahme von 
Fratta im J. 1188 lesen wir schon bei Z. 

Dem Tode Friedrichs I. ist allein in O das Datum 
des 8. Juni (unrichtig statt des 10. Juni) hinzugefügt. 

Auf die Nachricht von der Erbauung des Castells 
Gazo - 1198^ folgt in O und Z der Zug der Veronesen 
gegen Padua, also nicht unter 1197 wie in E. 

Die Niederlage der Mantuaner 1199 ist in Reg. Imp. V 
B-F-W 12193a nach den Ann. Mant. auf den 24. Juni 
gesetzt ; die veronesische Ueberlief erung, welche den Kampf 
auf den 25. Juni^ die Einbringung der Gefangenen auf 
den 26. Juni verlegt, hätte hier Berücksichtigung verdient. 

Zum J. 1200 wird in O (wie in Z) die Einnahme von 
Argenta so berichtet: 

'Dominus Salinguerra fuit potestas Verone et cum 
populo Verone fuit in servitio Ferariensium ad castrum 
Ravenarum, quod hodie dicitur castrum de Arzenta, et 
ipsum obtinnerunt et destruxerunt'. 



1) SS. XVIII, 413. 2) So in Z ; 'Gabium' in ; es lag unterhalb 
Lendenaria am Adig-etto im Gebiet von Ferrara. Auf den Kai'ten finde 
ich es nicht. 3) 1199 in O ist nm- Schreibfehler. 4) Ann. S. Trinit. 
SS. XIX, 5 und Inschrift der Kirche la Madonna della Strä (Cipolla 
Cronache I, 485 und X. arch. Ven. VI, 140 ff.). 



248 Karl Hampe. 

Die Einnahme erfolgte nach einer Inschrift der Kirche 
la Madonna della Strä in Belfiore am 22. April ^ 1200. In 
dasselbe Jahr setzt sie Ricobald von Ferrara-. Am 25. Sept. 
war dann der Friedensschluss, durch den Ferrara im Besitze 
von Arg'enta blieb ■^. Die beiden undatierten Briefe aus 
dem Formelbuche des Boncompag-nus B-F-W 12 179 und 
12180, welche die Einnahme von Argenta voraussetzen, 
aber noch vor dem Friedensschluss geschrieben sind, fallen 
daher in die Zeit vom 22. April — 25. Sept. 1200, nicht 
in das J. 1198. 

Die J. 1202 — 1205 enthalten in O und Z nur die 
Namen der Podestäs von Verona und von Cerea; ebenso 
finden sich dieselben für die späteren Jahre regelmässig 
auch da, wo sie in E fehlen. Neben den übrigen, die mit 
Vor- und Zunamen verzeichnet sind, fällt hier ein 'dominus 
Lancius' auf, der an drei verschiedenen Stellen genannt 
wird. Zu 1205 und 1207 heisst es beide Male: 'dominus 
Lancius fuit potestas Cerete' ; zu 1219: — — 'dominus 
Lancius et Palmerius decesserunt morte naturali'. Es 
scheint danach, dass es sich um eine Persönlichkeit handelt, 
die dem Verfasser nahe bekannt war, und die er nicht für 
nöthig hielt mit einem volleren Namen zu kennzeichnen. 
Ich glaube nicht zu irren, wenn ich die Vermuthung aus- 
spreche, dass wir es hier mit dem Vater unsres Annalisten 
zu thun haben, denn in der einzigen erhaltenen Urkunde, 
in welcher ausser der bekannten Stelle in den Annalen 
sein Name erscheint, unterzeichnet er: 'Ego Parisius olim 
domini Lantei not. Ceretensis , sacri palacii notarius, 
rogatiis interfui et scripsi'^. Die verschiedene Schreibung 
des Namens kann natürlich nicht in's Gewicht fallen. Das 
Todesjahr des Vaters 1219 giebt auch eine sichere Grenze 
für die Geburtszeit des Parisius; dass diese vor 1219 zu 
setzen ist, wird auch schon durch die Angabe unsrer 
Annalen zum J. 1233 bestätigt, dass er damals — also 
doch als erwachsener Mann — eine Reise nach Rom ge- 
macht habe, 'in servitio ecclesie Ceretane', wie es in O heisst. 

In den Annalen machen wir übrigens die Bekannt- 
schaft noch andrer Verwandten des Parisius. Wahrscheinlich 



1) 'Villi, exeunte Aprili' (also nicht 20. April), vgl. CipoUa a. a. O. 
2) Compilatio chronologica, Mur. SS. IX, 246. 3) B - F -W 12 212. 

4) Testamentsurkunde, nach einem glücklichen Funde von Da Re be- 
sprochen von CipoUa (N. arch. Ven. VI, 139), erhalten in einer Copie 
vom 1. Dec. 1266 und selbst angeblich datiert mit Dienstag dem 8. Dec. 
1262 ; hier scheint sich aber ein Fehler eingeschlichen zu haben, denn 
der 8. Dec. 1262 fiel auf einen Freitag. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 249 

war jener 'Ii^anus domini Lantii', der mit andern veronesi- 
schen Rittern im Frühjahr 1229 im Dienste der heiligen 
Kirche nach der Mark Ancona zog", um nnter Johann von 
Brienne gegen die Truppen Kaiser Friedrichs II. zu kämpfen \ 
der Bruder nnsres Chronisten. Damals scheint seine 
Familie also ganz auf Seiten der Kirche gestanden zu 
haben. Um so höher anzuerkennen ist die leidenschaftslose 
Darstellung des Parisius. 

Ein 'Martinus iudex de Lanciis' begegnet 1228 als 
Podesta von Cerea, in derselben Stellung 1260 ein 'Martinus 
de Lantus de Cereta', möglicherweise mit dem vorigen 
identisch; endlich als dessen Nachfolger ein Tetrus de 
Lanciis'. Da diese letzten Podestäs von Cerea seit 1260 
nach dem Willen des Mastino della Scala eingesetzt 
wurden-, so muss die Familie de Lanciis später seine Partei 
ergriffen haben. — 

Dass in E ^ unter 1209 Ereignisse erzählt werden, die 
in Wirklichkeit den Jahren 1211 und 1212 zukommen, hat 
Winkelmann* bereits richtig erkannt. In und Z ist 
alles in schönster Ordnung. 

Zu 1211 heisst es in O: 

'Bonifacius comes de sancto Boniffatio fuit potestas 
Verone'. Weiter unten: 'Eodem anno dictus comes de 
sancto Bonifatio cum Veronensibus cepit castrum Orsanici' 
u. s. w. wie in E unter 1209. Zum J. 1212 wird der Tod 
dieses Grafen Bonifaz mit folgenden Worten berichtet: 
'Eodem anno Azo marchio et Bonifacius comes obierunt'. 

Auch in den Ann. S. lust. Pat.' wird der damalige 
Graf von S. Bonifacio Bonifacius genannt; sein Tod wird 
genauer zum Nov. 1212" erzählt und hinzugefügt: 'comes 
reliquit duos (filios), ßizardum maiorem et minorem nomine 
Gulielmum'. Es unterliegt also keinem Zweifel, dass 
Bonifaz der Vater des in den weiteren veronesischen Partei- 
kämpfen vielgenannten Grafen ßichard war. Hier herrscht 
nun in den Winkelmann'schen Jahrbüchern grosse Ver- 
wirrung, die besonders daher rührt, dass durchgängig — 
auch noch in den Jahrbüchern Friedrichs IL (1889) — 
die Vita Ricciardi comitis S. Bonifacii ' als Originalquelle 
benutzt ist; mehrfach ist die Darstellung gerade nach 
dieser Vorlage gestaltet. 



1) Siehe unten zum .1. 1229. 2) Vgl. unten den Zusatz zu 1260. 
3) Zum J. 1207 sei noch bemerkt, dass p. 6, 14 statt des sinnlosen 
'Bononie' zu lesen ist 'Verone'. 4) Jahrb. Otto's IV. S. 206 X. 3. 

5) SS. XIX, 149. 150. 6) Vgl. Chron. Patav. Mur. Ant. IV, 1125 

zum 10. Nov. 7) Mur. SS. VIII, 121 ft'. 



250 Karl Hampe. 

Schon 1880 liat indes Cipolla ^ erwiesen, dass wir es 
hier mit einer werthlosen Compilation aus der ersten Hälfte 
des 17. Jh. zu thun haben, die daher kaum noch irgend- 
welche Berücksichtig-ung- verdient. In dieser Vita wird 
der Graf Bonifaz unterschieden von dem Vater des Grafen 
ßichard, einem angeblichen Ludovicus Sanbonifacius, der 
aber genau dieselben Schicksale gehabt hat, welche in den 
obigen Annalen von dem Grafen Bonifaz erzählt werden. 
Es handelt sich lediglich um einen Irrthum des späten 
Compilators, der nun in die Jahrbücher Ottos IV. über- 
gegangen ist. Dabei ist Winkelmann noch das weitere 
kleine, aber verwirrende Missgeschick begegnet, dass ihm 
bei der Nachricht vom Tode dieses angeblichen Ludwig 
der Name Richard in die Feder kam (S. 412). so dass also 
an dieser Stelle statt: 'Richard im Sinne Winkelmann's 
und der Vita zu lesen ist: 'Ludwig", statt dessen aber in 
Wirklichkeit: 'Bonifaz'. 

Ebenso wird die Einnahme der Feste Ossenigo oberhalb 
der Klausen des Etschthals im J. 1211 von Winkelmann 
nach jener Vita fälschlich dem jungen Grafen Richard 
zugeschrieben. Die obige Annalenstelle zeigt uns , dass 
der Vater. Graf Bonifaz, der Eroberer war'-. Im übrigen 
ist in den Jahrbüchern Otto's IV. der Name Bonifaz von 
S. Bonifacio überall an die Stelle von Ludwig von S. Boni- 
facio zu setzen'. 

Es lässt sich denken, dass diese Namenverwechselung 
nicht der einzige Irrthum ist. der aus der werthlosen Vita 
Ricciardi in die Jahrbücher übernommen ist. Ein weiteres 
Beispiel liefert die Darstellung der Kämpfe Veronas gegen 
Ferrara 1222 und 1224 in den Jahrbüchern Friedrichs 11.^ 
Auch hier verhinderte die willkürliche Combination der 
Ereignisse in der Vita die richtige Erkenntnis der That- 
Sachen, die in diesem Falle freilich auch durch die Un- 
genauigkeit der paduanischeu und ferraresischen Ueber- 
lieferuug verdunkelt ist. 

Volle Klarheit geben erst die genauen Angaben des 
vollständigen Textes unsrer Annalen. Diese berichten zu 
1222 (wie in Z): 

Eodem anno Riyardus comes cum exercitu Verone 
fuit versus Ferariam et pugnavit cum domino Salinguera 



1) Arch. Yen. XIX, 208—220. 2) Das wird überdies bestätigt 

durch Chron. Patav. a. a. 0. 1127 : 'Eo tempore ßonifacius comes, potestas 
Veronae die VI. lulii cepit castrum Orsonici'. 3) Vgl. die in dem 

dortigen Register angegebenen Stellen. i) I, 257. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 251 

de Feraria et captns fnit ipse comes cum ^ miiltis aliis de 
Verona die VIII. lunii. Et die XXIIII. lulii fuit cum 
Omnibus suis de Verona a carceribus dicti domini Saling-uerre 
Hbere relaxatus. Et eo die Aleardinus de Capite Pontis 
et Tisolinus de Baone^ interfecti fuerunt in eivitate Eerarie'. 

Und unter 1224: 

'Et eodem anno A90 novellus et Bonifacius^ marchiones 
Extenses^ et Eicardus comes Sancti Bonifacii iverunt in 
obsidionem circa castrum de la Eracta domini Salinguere 
et eum obsiduerunt (!) per VII ebdomadas ^ et finaliter 
euni castrum obtinuerunt et devastaverunt. 

Et die XXII. Aprilis'' multi familiäres et de masnata 
dicti domini Salinguerre fuerunt in eo Castro nequiter 
interfecti. Deinde eodem anno in festo sancti Michaellis ^ 
predictiVeronenses castramentati sunt circa castrum Bondeni 
et eum per duos menses continuos obsiderunt (!) , quod 
minime capere potuerunt, ad patriam propriam remeati (!)'. 

Graf Richard geräth also hier bereits am 8. Juni 1222 
in Gefangenschaft und wird am 24. Juli aus derselben 
entlassen. Daran knüpft sich die Nachricht von dem Tode 
der beiden genannten Ritter. Im J. 1224 erfolgt nur noch 
die Einnahme von Pratta und die vergebliche Belagerung 
von Bondeno. Prüfen wir nun, ob gegenüber dieser schon 
durch die Fülle sicherer Daten vertrauenerweckenden Dar- 
stellung die abweichenden Angaben der übrigen Quellen 
Stand halten können. 

Bei Polandin"^, dessen ünzuverlässigkeit in diesen 
früheren Theilen ja bekannt ist, herrscht hier völlige Ver- 
wirrung. Offenbar hat er zwei verschiedene Berichte über 
dieselben Vorgänge von 1222 vor sich gehabt und diese 
nun irrig auf die Jahre 1222 und 1224 vertheilt. Nach ihm 
ist es der Markgraf Azzo, der 1222 mit Gefolge zum 
Zwecke von Friedensverhandlungen in Ferrara eingelassen 
wird. Aber sein und seiner Begleiter unangemessenes Be- 



1) Doppelt geschrieben Hs. 2) Zum Tode des Tisolinus vgl. 

auch Chron. Patav. a. a. O. 1129 zu 1221. 3) Dass Bonifaz theilnahm, 
ist sonst nicht berichtet; zweifelhafter ist die Existenz eines Markgrafen 
'Anthonius' von Este, der in O unter 1260 genannt wird (vgl. SS. 
XIX, 16, 22) : 'Et ea vice Bosius de Dovaria de Cremona et cum eo A90 
et Anthonius marchiones Estenses' etc. Da ein Anthonius von Este sonst 
nicht bekannt zu sein scheint, wird zu erwägen sein, ob es sich hier nicht 
um eine Schlimmbesserung aus 'Ago marcliio Anchonitanus et Estensis' 
handelt? 4) 'Extensis' Hs. 5) 'ebdomodas' Hs. 6) Der Angriff 

war also erfolgt, noch bevor Friedrich II. im März 1224 dem Salinguerra 
den Besitz der Kaiserpfalz von Fei-rara bestätigt hatte, vgl. Winkelmann 
Acta imp. I, 240. 7) 29. Sept. 8) SS. XIX, 48. 49. 



252 Karl Hampe. 

nehmen erregt die Kampfeslust der Ferraresen; mit Ver- 
lusten werden sie aus der Stadt hinausgesclilagen. Hierbei 
wird Tisolinus getötet. Zur Rache wird ein zweiter Zug 
gegen Ferrara unternommen; diesmal lockt man den Grafen 
Richard in derselben Weise nach Ferrara — welch' un- 
wahrscheinliche Wiederholung! — und nimmt ihn gefangen. 
Nun erst folgt die Angabe, das sei im J. 1224 geschehen, 
1225 sei dann Richard unter Vermittlung der Rectoren der 
Lombardei befreit, was nachweislich falsch ist, da damals 
noch keine Rectoren existierten. Endlich wird 1224 von 
einem neuen Zuge in 's ferraresische Gebiet und der Ein- 
nahme von Fratta berichtet. 

Rolandin ist im Wesentlichen von dem Verfasser der 
Vita Ricciardi ausgebeutet, aber hier sind die Ereignisse 
noch willkürlicher gruppiert, denn der angebliche zweite 
Zug gegen Ferrara, der zur Gefangennahme Richards führt, 
folgt hier erst auf die Einnahme von Fratta. Nach dieser 
unglaubwürdigen Quelle hat Winkelmann ^ seinen Text 
gestaltet. 

Neben Rolandin können die Ann. S. lust. Patav. '^ 
nicht den Rang einer völlig selbständigen Quelle be- 
anspruchen. Der zweite der von Rolandin benutzten Be- 
richte mit der Gefangennahme Richards hat auch dem 
Verfasser der Ann. S. lust. vorgelegen und ist von ihm 
ebenfalls zum J. 1224 gesetzt; die Uebereinstimmung mit 
Rolandin ist daher zum Theil wörtlich^. Da hier von 
einer Unternehmung im J. 1222 nichts berichtet wird, so 
liegt der Verdacht nahe, dass es sich lediglich um eine 
Vertauschung der Ereignisse von 1222 und 1224 handelt. 

Galvaneus Flamma, den Winkelmann ferner anführt, 
steht an dieser Stelle in offenbarer Abhängigkeit von den 
paduanischen Quellen ^. 

Für ganz sagenhaft und unzuverlässig hält Winkelmann 
den Bericht in der Historia imperatorum des Ricobald von 
Ferrara ■'', und allerdings begeht dieser, — vielleicht unter 
dem Einflüsse der paduanischen üeberlieferung, — den 
Fehler, die erzählten Ereignisse zu 1224 statt zu 1222 zu 
setzen. Aber dass ihm trotzdem eine brauchbare und 



1) Jahrb. Fried. II. I, 257. 2) SS. XIX, 152. 3) lieber die 
ganzen Quellenverhältnisse vgl. die Ausführungen von Lenel, Studien zur 
Gesch. Padua's und Verona'« im 13. Jh. (Strassb. 1893) S. 3 ff'. 4) Mur. 
SS. XI, 669. Die Uebereinstimmung ist zu erkennen aus Wendungen wie : 
Rol. 'Set Salinwerra, homo ingeniosus et cautus' ; Ann. S. lust. 'Sed ille, 
cum multum esset callidus et astutus' ; Galv. Flamma 'Sed Salinguerra, 
vir astutus'. 5) Mur. SS. IX, 127. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 253 

selbständige ferraresische Lokalnachricht vorgelegen hat, 
scheint mir unverkennbar. Er hat nicht, -wie Winkelmann 
meint, die beiden von Rolandin getrennt erzählten Be- 
lagerungen von Ferrara irrthümlich zusammengesehweisst, 
— Im Gegentheil: er weiss mit Eecht nur von einer Be- 
lagerung und giebt uns gerade einen Beleg dafür, wie 
Eolandin verkannt hat, dass sich die beiden ihm vor- 
liegenden Berichte auf ebendieselbe Thatsache bezogen. 
Der Hergang ist hier der folgende: 

Azzo und Richard rücken vor Ferrara. Richard mit 
veronesischen Rittern wird zu Friedensunterhandlungen in 
die Stadt aufgenommen. Durch ihr unzüchtiges Benehmen 
entsteht Tumult. Von den Veronesen werden die einen 
verjagt, die andern gefangen. Richard selbst wird bei der 
S. Johanniskirche ergriffen, erhält aber auf Fürsprache der 
Gattin Salinguerra's, deren Stiefsohn er ist, Wohnung in 
deren Hause. 

Diese Darstellung — ins J. 1222 verlegt — lässt 
sich mit der unsrer Annalen sehr wohl vereinigen und 
macht den Eindruck innerer Wahrheit und Folgerichtigkeit. 
Das Verwandtschaftsverhältnis erklärt die Vermittlerthätig- 
keit des Grafen Richard ebenso wie seine baldige Befreiung. 
Ob das unzüchtige Verhalten der Veronesen Grund oder 
nur Vorwand zum Angriff war, mag dahingestellt bleiben^. 
Jedenfalls verdient danach die paduanische Ueberlieferung 
für diese Ereignisse keinen Glauben mehr. 

Ich habe mit dieser Erörterung in der Zeitfolge unsrer 
Annalen schon etwas vorgegriffen und trage hier noch 
eine Nachricht aus O zum J. 1218 nach, deren Ueber- 
setzung in Z ungenau ist. Sie mag zur Ergänzung von 
Winkelmann's Jahrbüchern Friedrichs II. (I, 87) dienen: 

'Azo Pertegonus de Bononia fuit potestas Verone et 
lacobinus Pistimisorum fuit potestas Cerete ; et eodem 
anno expulsus fuit- de podestaria per partem comitis^ et 
Petrus Malederate combusit (!) partem palatii comunis 
Verone'. 

Auch für die folgenden Jahre ist der Text in O (wie 
in Z) um manche Lokalnachricht reicher, als E, und es 



1) Einen weiteren Beleg für die Gefangenschaft des Grafen Richard 
im J. 1222 bietet die Angabe der kurzen Annaleu, die Cii^oUa (X. arcb. 
Ven. VI, 158) mittheilt. Dieselbe Notiz findet sich in den Ann. vet. 
(Arch. Ven. IX, 90), wo die Jahreszahl nur durch Versehen entstellt ist. 
2) Gemeint ist Azo Pertegonus , vgl. Ann. Mant. (SS. XIX, 20) : 'et 
combustum fuit palatium Verone et expulsa podestaria Verone'. Vgl. 
Winkelmann Jahrb. Fried. II. I, 87. 3) Richards von S. Bonifacio. 



254 Karl Hampe. 

ist befriedigend, dass sich fast alle Widersprüche, die so 
manche Datierungen der bisher bekannten Annales Vero- 
nenses zu denjenigen andrer Quellen boten, in dem voll- 
ständigen Texte auf das schönste ausgleichen. So erscheint 
hier die Belagerung von Gonzaga (vgl. B-F-W 126Cr5a) 
nicht mehr unter 1215, sondern unter 1220. 

Cereanische Lokalnachrichten, wie die zum J. 1223: 

'Et Firmus de Ancilla fuit potestas Cerete ; emit 
iurisdictiones a capitulo canonicorum maioris ecclesie 
Verone pro comuni Cerete pro pretio VIII M librarum 
denariorum Veronensium parvorum', 

und zum J. 1225: 

'Et eodem anno nemora Cerete, Nogarie^ et de Ga90^ 
divisa fuerunt in certas villas circumstantes districtus Verone', 

diese und ähnliche Lokalnachrichten scheinen mir 
deutlich darauf hinzuweisen, dass die Abfassung der 
Annalen nicht in Verona, sondern in Cerea erfolgte, wie 
denn auch schon eine flüchtige Lektüre überall erkennen 
lässt, dass der Mittelpunkt des Gesichtskreises Cerea, nicht 
Verona ist, dass sich der Blick des Verfassers von seiner 
Heimath aus vorzugsweise auf den südlichen Theil des 
veronesischen Gebietes richtet, die nördlichen Theile da- 
gegen viel weniger berücksichtigt. Erst aus dem voll- 
ständigen Texte wird sich das in ganzer Klarheit erkennen 
lassen, denn gerade die auf Cerea und Umgebung be- 
züglichen Nachrichten sind von dem Schreiber der Hs. 
von E als uninteressant mit Vorliebe übergangen. 

Des Friedens von Nogara am 8. Juni 1227 (vgl. 
B-F-W 12960) wird in O vde in Z gedacht. 

Besonders reich sind in O und Z die Angaben zum 
J. 1229, jedoch chronologisch nicht ohne Anstoss. Ich 
theile die Stelleu, die sich in E nicht finden, hier mit: 

'Rainerius Zeno de Venetiis fuit potestas Verone et 
Lanzetus Taiabaffa fuit potestas Cerete. Et eo anno 
Federicus Ruzerius Imperator sine hello acquisivit sanctam 
civitatem lerusalem et alias multas terras ultramarinas ; 
demum ibique ^ fuit coronatus in regem ipsius civitatis'. 

Darauf folgt die Stelle über die Schlacht zwischen 
Bolognesen und Modenesen, die in E^ unter 1226 steht. 
Allerdings ist auch 1229 nicht richtig, aber der Irrthum 
wird nun doch begreiflich. Die Ereignisse spielten sich 
in Wirklichkeit im Oct. und Nov. 1228 ab^. Verona war 

1) 'Nogaria' Hs. 2) Gazzo südl, v. Nogara. 3) So Hs. ; 

vielleicht verschrieben statt 'ibidem'. 4) P. 7, 10. 5) Vgl. B-F-W 

13000 a. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 255 

nicht direct daran betheiligt; da kann es nicht besonders 
befremden, wenn sie in unsern Annalen auf den Beginn 
des J. 1229 verschoben sind. Denn noch in den Anfang 
von 1229 fällt auch die dann folgende Nachricht, die znr 
Ergänzung der italienischen Eeichssachen in den Regesten 
dienen mag: 

'Eodem anno dominus Albertus Castelani, luanus 
domini Lantii, Bonaventura domini Zilii et alii multi 
milites de Verona ad expensas proprias comunis Verone 
equitavernnt in marchia Anchonitana (!) in servitio sancte 
matris ecclesie tempore domini Gregorii pape, existente 
domino lohane rege lerusalem capitaneo exercitus dicte 
ecclesie seu domini Gregorii pape contra dominum Federicum 
imperatorem, et contra ipsum obtinnerunt intentum ecclesie 
sancte Dei'. 

Am 18. Jan. 1229 war das päpstliche Heer unter 
Johann von Brienne in Apulien eingefallen, für Mitte 
Jan. das Ausrücken der lombardischen Hülfstruppen in 
Aussicht genommen; im Februar befahl der päpstliche 
Legat Guifred den Städten des lombardischen Bundes, die 
zugesagte Hülfe nun zu senden; am 7. und 14. März zogen 
aus Piacenza die Truppen aus^ Etwa um dieselbe Zeit 
werden auch die Ritter aus Verona aufgebrochen sein. 
Parisius nennt nicht etwa die Vornehmsten unter ihnen, 
sondern nur diejenigen, die ihm aus seiner Heimath Cerea 
persönlich bekannt waren , darunter vermuthlich seinen 
eignen Bruder"-'. 

Im Text folgt: 

'Eodem anno Ricardus comes Sancti Bonifatii, Peco- 
rarius a Mercato-novo et Grecus de Moratica cum eorum 
parte, Galvagnus de Turiscendis (!), Leonardus Nasinguere, 
omnes Monticuli et Quatuorviginti cum eorum parte 
iuraverunt maudatis Rainerii Zenonis potestatis Verone in 
eins arbitrio et fecerunt pacem inter se die 15. '^ lulii et 
die sequenti dictus potestas fecit amputari capud (!) Alpreto 
de Caprino de voluntate et consensu luliani de Octo- 
Decanis-precum^, tunc potestatis^ comunis Verone*^. 

l)Vgl. B-F-W 1736a. 13016. 13017a. 6737a. 6762; auch 6775. 
6776. 2) luanus domini Lantii, vgl. oben S. 249. Albertus Castellani 
und Qilius (wohl der Vater des Bonaventura domini Zilii) waren 1210 
Podestäs von Cerea. 3) Bei Zagata : 25. 4) So Hs. ; Zuliau de 

Oehiodecan nennt ihn Z. 5) 'pöitis' Hs. 6) Vgl. Gerardus Maurisius 

(Mur. SS. VIII, 29) : 'Et sie pace firmata regit iste comes (Ezzelin III.) 
civitatem auxilio et consilio Zuliani quondam Rainaldi Osterii, qui capitaneus 
erat cuiusdam communantiae uoviter factae in civitate. Cuius Zuliani 
tunc maximus vigor fuerat, et omnia fere suo disponebantur arbitrio'. 



256 Karl Hampe. 

Et eo die dominus Guifredus ^ de Mediolano, cardi- 
nalis et legatus domini Gregorii pape, excomunicavit et 
anathematizavit domiiiiini Federicum imperatorem multis 
sententiis et de causis'. 

Diese Excommiinication g-eschah also am 16. oder, 
wenn Z Eecht liat, — was bei seiner sonstigen Genauigkeit 
in Daten nicht unwahrscheinlich ist, — am 26. Juli. Der 
Legat war am 21. Mai in Lodi, am 8. Juni im Modenesischen, 
vom 16. Mai datiert ein Befehl des Papstes an ihn, sich 
nach Padua und Treviso zu begeben, am 8. Sept. war er 
im Gebiet von Padua. In die Zwischenzeit fällt also sein 
Besuch in Verona, — vom 29. Juni existiert ein zwar nicht 
von ihm selbst, aber von seinem Caplan magister Landulf 
de Pusteria in Verona erlassenes UrtheiP. Sehr auffallend 
ist es, dass sich im Text jetzt, also zu 1229, die Nachricht 
von der Einnahme Vicenza's durch Ezzelin anschliesst, die 
in E unter 1226 steht. Beides ist falsch. Die Einnahme 
war 1227 '. Wie es scheint, ist hier dem Parisius also ein 
offenbares Versehen untergelaufen, was bei der Bedeutung 
des Ereignisses für Verona immerhin befremdet. Vielleicht 
ist indes der Irrthum durch eine Verwechselung mit dem 
Zuge entstanden, den Ezzelin etwa Ende 1229 nach Bassano 
(nordöstl. von Vicenza) unternahm, um seinem Bruder zu 
Hülfe zu kommen^. 

Im J. 1232 war der Kampf des Markgrafen Azzo 
von Este und seiner Verbündeten gegen die Trevisaner 
nicht am 27. Juli, sondern am 27. Juni. Die Ueberein- 
stimmung von O und Z und das folgende Datum des 
2. Juli zeigen deutlich, dass hier in E nur ein Schreibfehler 
vorliegt. — An die Nachricht vom 2. Juli schliesst sich 
dann in O und Z ein in den Regesten noch nicht ver- 
wertheter Bericht über die Thätigkeit der beiden päpst- 
lichen Legaten in der Lombardei, des Erwählten Jakob 
von Palestrina und des Cardinaldiakons Otto von S. Nicolaus 
in Carcere Tulliano. 

Er lautet: 

'Eodem anno dominus lacobus et Octo episcopi cardi- 
nales et legati domini Gregorii pape missi in Lombardia 
pro pace fienda inter imperatorem et Lombardos fuerunt 
Verone et fecerunt iurare in Verona comitem Ei9ardum et 
eins partem et Monticulps et Quatuorviginti cum eorum ^ 



1) 'gonfredus' Hs. 2) Vgl. B-F-W 13029. 13032. 6763. 18041. 
18039. 8) B-F-W 12959. 4) Gerard. Maur. Mur. SS. VIII, 81. 

5) 'eius' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 257 

parte, stare et ^ obedire preceptis eorum et ecclesie Romane, 
precipientes et mandantes omnes captos et obsides dimitti 
et relaxari debere, et pacem inter eos fecerunt, quod actum 
est inter Ronchum et Zerpam districtus Verone'. 

Die genannten Orte liegen südöstlich von Verona an 
der Etscli, ein wenig nördlich davon Villanova, von wo 
die Legaten am 29. Aug. 1232 einen Ablass ertheilten 
(B-F-W 13109). Alle drei Orte gehörten zu den Be- 
sitzungen der Grafen von S. Bonifacio. Etwa in den 
August wird daher auch dieser Vorgang zu setzen sein, 
zumal er sich dann den voraufgehenden Nachrichten aus 
dem Juni und Juli passend angliedert-. 

Dem nun folgenden Ereignisse aus dem October ist 
in und Z wie in E aus Versehen die Jahreszahl 1233 
vorangestellt, obwohl die ganzen weiteren Angaben bis 
(p. 8, 36) Villa Tombe combusta est' noch zu 1232 gehören. 
Darauf findet sich allein in O der gewöhnliche Jahres- 
abschluss mit der Angabe der Podestäs: 'Eodem anno 
Guizardus comes de Eealdisco fuit potestas Verone, et 
Riprandus Zerla fuit potestas Cerete'. Die Jahreszahl 1233 
fehlt dann zwar, da sie schon oben aus Versehen gesetzt 
ist; aber die Ereignisse des neuen Jahres werden mit 
folgender Nachricht (ebenfalls allein in O) eingeleitet: 

'Et secuudo Aprilis castrum Calderii'^ igne cremavit*, 
ignorato, ab amicis vel inimicis fuerit positus ignis\ Tarnen 
ex civibus Verone pars Monticulorum cepit et armis et 
personis armavit eum castrum. Et multi ac infiniti inter 
masculos et feminas in eo Castro combuserunt^ et morti 
traditi fuerunt'. 

Wenn dann wie in E weiter erzählt wird von dem 
Einfall der Mantuaner in's veronesische Gebiet und von 
der Reise des Parisius von Cerea nach Rom, so fällt wohl 
beides in die Zeit zwischen dem 2. April und der darauf 
berichteten Ankunft des Johann von Vicenza in Verona im 
Juli desselben Jährest 

Bei der Schilderung des grossen Friedensfestes von 
Paquara vom 28. Aug. 1233 musste bisher die seltsame 
Stelle auffallen (p. 9, 7): 'Et etiam ibidem fuerunt omnes 



1) 'et Stare' Hs. 2) In Verona selbst sind die Legaten am 

25. Mai des Jahres (B-F-W 13100) gewesen und nach Gittermann, 
Ezzelin III. v. Romano S. 124 N. 13 auch vom 8.— 16. Juli. 3) Caldiero 
östl. von Cremona. 4) 'cremavit' ist hier intransitiv gebraucht, v?ie 

unten 'combuserunt'. 5) Vgl. Gerard. Mauris., Mur. SS. VIII, 84 

— 'divinitus combuxit totmn castrum Calderii' etc. 6) Dadurch 

wird B-F-AV 13118a näher bestimmt. 

Neues Archiv etc. XXII. 17 



258 Karl Hampe. 

episcopi et praelati civitatum omnium praedictarum. Super 
quo belfredo ipse f rater lohannes ascendit'. In O lesen 
wir vollständig nach praedictarum : 'Et in medio dicte 
curie et festivitatis seu ferie rectificatum fuit quoddam 
belfredum in medio caroctiorum civitatum praedictarum. 
Super quo belfredo' etc. 

Wieder reihen sich in E die Ereignisse aus den 
Jahren 1233 und 1234 ohne Scheidung- an einander. In 
dagegen v^^erden die letzteren mit einer veronesischeu 
Lokalnachricht eingeleitet, die hier Platz finden mag, da 
sie auch in Z fehlt: 

'MCCXXXIIII. IUI. lanuarii. Pons Aquecelate 
factus fuit super Aticem a superiore parte lapidei jDontis 
Petre ^ tempore Nicolai Toneschi - tunc potestatis Verone, 
et XL diebus continuis magnuni frigus fuit, quod usque 
ad diem illum nunquam fuit tale nive existente niaximo (!) 
super terram et quasi omnes vites et silvestra (!) animalia 
et volatilia fuerunt mortue (!) in planis locis et montibus' ^ 

Der dann folgende Einfall der Brescianer und Man- 
tuaner ins Gebiet von Verona war höchstwahrscheinlich 
nicht am 24. Mai (so in E und danach B-F-W 13167a), 
sondern am 14. Mai, wie man in O und Z liest ^. Dagegen 
wird für das Jahr 1235 vorläufig an der Datierung von 
B-F-W 13182a mit dem 18. April festzuhalten sein, da 
hier Z mit E gegen (28. April) übereinstimmt. 

Im Weiteren findet sich in O eine grosse Lücke, die 
von den Worten : 'Eodem anno XXVI. Novembris' etc. 
unter dem Jahre 1237 (p. 10, 45) bis zu den Worten 'Bassani 
eos fecit includi' unter dem Jahre 1240 (p. 11, 46) reicht. 
Wie aber schon oben bemerkt ist, bietet unsre Hs. dafür 
zum Theil Ersatz durch die hinten angefügten Bruchstücke, 
die aus einer italienischen Uebersetzung des Parisius in 
das Lateinische stümperhaft rückübertragen sind, die aber 
trotz dieser mangelhaften Sprache uns gelegentlich eine 
Verbesserung oder Ergänzung bieten. Daraus erfahren 
wir z. B., dass die Datierung jenes Handstreiches, den der 
Markgraf von Este 1238 gegen Padua unternahm, mit dem 
8. Juli nur auf einem Schreibfehler in E beruht. O hat 
auf p. 140 in Uebereinstimmung mit Rolandin den 13. Juli^ 

Bei einer sorgfältigeren Edition hätte es auffallen 
müssen, dass zum J. 1239 (p. 11, 16) von einem 'praedictus 

1) 'Prete' Hs. ; heute Ponte della Pietra. 2) Vgl. CipoUa, 

Cronache I, 395. 3) Eine ähnliche Schilderung im Chron. Pat. a. a. 0. 
1132. 4) Vgl. indes Chron. Pat. 11.32, wo der Einfall erst zum 28. Mai 
gesetzt ist. 5) Vgl. ß-P-W 13260a. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 259 

Bonacursius de Palude' gesprochen wird, ohne dass der- 
selbe vorher in den Annalen genannt worden wäre. Z ist 
an dieser Stelle beinahe ebenso lückenhaft, wie O, imd 
gewährt uns daher keine Aufklärung. Dagegen bieten 
glücklicherweise gerade hier jene Auszüge die nöthige 
Ergänzung, denn zum Schlüsse des Jahres 1238 findet sich 
(p. 141) folgende werth volle Stelle, die ich in dem barba- 
rischen Latein der Eückübertragung hier abdrucke: 

'In illo anno Bonacursius de Palude civis Paduanus 
fuit potestas Verone ; ipso anno militavit cum domino 
Icerino et populo Veronense et Paduano et Vincentino 
supra territorium Azo marchio Extensis et obsedit castrum 
de Montagnana, deinde ivit ad castrum Castelarii districtus 
Mantue devastando villas omnes, quas invenerunt circum- 
circa, et castra districtus Mantue, videli9et Hostilia^ et 
Maroticha^ et obtinuit per vim, et ibi vulneratus fuit 
Bonacursius de Palude super caput ipsius a niorte et fuit 
portatus Cerete et ibi medicatus fuit per magistrum An- 
gelum de Verona et ita ab ipso fuit sanatus a vulnere suo'. 

Die Belagerung von Montagnana (kurz nach dem 
22. Juh 1238) wird uns auch von Rolandin ^ berichtet; alle 
weiteren Angaben sind, so viel ich sehe, völlig unbekannt, 
durch die Beziehung auf Cerea aber jedenfalls von un- 
bedingter Zuverlässigkeit. Die Ereignisse werden etwa in 
den Anfang August 1238 fallen. 

Die Darstellung in E greift dann etwas zurück auf 
den 26. Juni 1238; dass aber die Jahreszahl 1239 hier nur 
durch ein Schreiberversehen dazugesetzt wurde, ist klar 
und in B-F 2361a bereits ausgesprochen. Dort wird auch 
auf Zagata verwiesen, allerdings nur auf eine Mittheilung 
der betrefPenden Stelle bei Huillard - Breholles. In der 
Chronik Zagata's steht wenige Zeilen tiefer ein Datum zum 
Itmerar Friedrichs II., das in den Regesten fehlt. Während 
nämlich in E gelesen wird (p. 11, 24): 

'Et eo anno Imperator Fredericus Ruzerius — venit 
Veronam 16. Januarii ^ et eo tempore ivit in marchiam 

Trivisinam', steht in Z: ' in quell' anno lo imperador 

Fedrigo Ruzero — venne a Verona adi 16. de Zenaro, e 
adi 20. del dito mese el se parti, e si ande in' la 
Marca Trivisana'. 

Ich zweifle keinen Augenblick daran, dass wir es 
hier m it einem aus dem ursprünglichen Texte des Parisius 

1) Castellaro nordöstl. v. Mantua. 2) Ostiglia am Po 3) Mo- 

radega südöstl. v. Castellaro ist gemeint. 4) SS. XIX 69 5) So 

richtig verbessert von Pertz statt 'lunii'. ' 

17* 



260 Karl Hampe. 

geschöpften Datum zu thun haben, das unbedenklich zu 
verwerthen ist. Dem Itinerar reiht es sich vortrefflich 
ein. Am 25. Jan. v^erliess der Kaiser Vicenza ^ ; dort hatte 
er sich also etwa ebenso lang-e aufgehalten, wie in Verona. 

Am Ende des J. 1239 ist in E (p. 11, 35) der Text 
nur scheinbar verstümmelt; statt '4. Oct.' ist allerdings zu 
lesen '3. Oct.' ^, dann folgt aber keine Lücke, wie wenigstens 
Pertz angedeutet hat ; der vollständige Satz lautet vielmehr : 
'Et eo anno III. Octobris flumen Aticis in tantum crevit' 
etc. Nur durch ein handgreifliches Versehen des Ab- 
schreibers oder Rubricators ist das '1239 26. lunii' von 
Zeile 16 oben hier noch einmal wiederholt und verwirrend 
zwischen die Worte 'Octobris' und 'flumen' geschoben. 

Zum J. 1241 sei nur bemerkt, dass das Datum des 
3. Nov. zu der Niederlage der Mantuaner (B-F-W 13350a), 
das in E fehlt, durch O bestätigt wird'^ 

Die Hinrichtung des Grafen Bonifaz von Panico im 
J. 1243 ist nicht zum 4. Juli (E), sondern in Ueberein- 
stimmung mit Rolandin zum 4. Juni (so in Z, in O fälsch- 
lich zum 3. Juni) gesetzt^. Das darauf folgende Datum 
des 6. Juni (bei Muratori , wie in O und Z) hat Pertz 
irrthümlich geändert in den 6. Juli (p. 13, 6). 

Weiter unten (p. 13, 10) ist die vollkommen sinnlose 
Stelle: 'Et eo anno Mantuani, Azo marchio et Eizardus 
comes cum eorum exercitibus et aliis Lombardis cum eis 
per loannem de Scanarola 12. Pebruarii' in beiden Drucken 
unbeanstandet durchgegangen. In Wirklichkeit ist hier 
zwischen den Worten 'eis' und 'per', wie es scheint, ein 
ganzes Blatt der Vorlage in der E zu Grunde liegenden 
Hs. überschlagen "". O sowohl, wie Z, bietet den voll- 
ständigen Text. Derselbe lautet von dem verstümmelten 
Satze ab : 

'Et eo anno Mantuani, Azo marchio et Rizardus comes 
cum eorum exercitibus et aliis Lombardis cum eis receperunt 
castrum et turem (!) Trevenzoli '' et in eum (!) ceperunt 
Petrum de Bovo et alios plures de Verona. Et tunc 
dominus Icerinus cum ' exercitu de Verona, Paduanis et i 



1) B-F 2416c. 2) Dies Datum ist völlig gesichert durch die 

Uebereinstimmung von p. 145 mit den Angaben im N. arch. Ven. 
VI, 146. Bei Z fehlt die Stelle. 3) Ebenso durch die von Cipolla 

N. Arch. Ven. VI, 159 mitgetheilten kurzen Annalen. 4) Vgl. B-F-W 
13457 a. 5) Die Lücke ist schon bemerkt von Gittermann, Ezzelin 

S. 143 N. 41 ; vgl. auch Cipolla, Arch. Ven. XVll, 194. 6) Trevenzuolo 
westl. V. Isola della Scala. 7) 'et' Hs., öfter mit 'cum' verwechselt. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 261 

Vicentinis eraut in Vico Atesis^. Et recepit dominnm 
Turisendum ad partem eins et pro eins amico. Et eo anno 
dictns dominus Icerinus cum Veronensibus , Paduanis et 
Vicentinis ivit in exercitu circa castrum sancti Bonifatii. 
Et XVI. Septembris - Bonif acius ^ filius Ri9ardi comitis 
sponte dedit dictum castrum ipsi doniino Icerino pacto et 
condictione , quod idem comes et alia masnata et alii 
franchi homines, qui erant in eo Castro, possent sani ire 
salvis personis et rebus eorum portaturis * ad castrum 
Gadii^ domino Icerino eisdem concedente plaustra necesa- 
ria*"' ad portandum dicta bona eorum usque ad Gadium. 
Et statin! dictum castrum dirrumpi ' et deguastari mandavit. 

MCCXLIIII. die XIIII. lanuarii^^ castrum Hostilie'' 
diu fuit obsessum a Mantuanis, captum et diruptum ab 
eis, et ipso tempore, quo exercitus stetit ibi, domini 
Icerinus ^"^ et Henricus de Igna cum Veronensibus, Paduanis 
et Vicentinis steterunt ad Castelarium ^^ et in aliis terris 
districtus Mantue per duos menses, volentes auferre exer- 
citum a dicto Castro Hostilie, quod minime facere potu- 
erunt; et per districtum Mantue multa damna et mala 
comisserunt^-. Et eo anno dominus Lanceta de Cereta 
obiit VIII. lulii'. 

Die ausführliche Schilderung- des grossen Hoftages 
Kaiser Friedrichs II. zu Verona im J. 1245, die nun folgt, 
ist bereits von Cipolla aus der oben erwähnten Copie des 
Codex von Aix^^ im N. Arcli. Ven. VI, 129 ff. abgedruckt, 
aber zur Ergänzung der Regesten noch nicht mit verwerthet. 
Aus hätten die Lücken in jener Copie ergänzt vrerden 
können; ich möchte daher die wichtige Stelle hier doch 
noch einmal vollständiger abdrucken : 

'MCCXLV. primo lunii Gibertus ^* de Vinario tunc 
potestas Verone existens (!), dominus Eedericus imperator 



1) Vigasio nördl. v. Trevenzuolo , vgl. Rolandin, SS. XIX, 81. 
2) Dies genaue Datum ist also zu B - F -W 13469 a hinzuzufügen. Uebrigens 
wäre es auch schon den Ann. veteres Veron. (Arch. Ven. IX, 94) zu 
entnehmen i^ewesen. 3) Der Name Bonifacius scheint auf Irrthum zu 
beruhen statt des in der paduanischen Ueberlicferung genannten Leoisius, 
der in den Ann. S. lust. p. 162 wenigstens beim Tode des Grrafen Richard 
1252 als dessen einziger Sohn bezeichnet wird. 4) Hier offenbar 

passivisch gebraucht statt 'portandis'. 5) Gazzo südl. v. Nogara, vgl. 

oben. 6) 'püs necesariis' Hs. 7) 'dirrupi' Hs. 8) Der Jahres- 

bericht von 1244 folgt in O fälschlich hinter dem von 1245. 9) Ostiglia 
am Po. 10) 'Icereni' Hs. 11) Castellaro nordöstl. v. Mantua. 

12) Die Hauptvorgänge sind auch sonst überliefert, vgl. B-F-W 13500a. 

13) Vgl. oben S. 245 N. 1. 14) 'Grubertus' Hs. 



262 Karl Hampe. 

Veronam ^ venit cum magna multitudine - militum causa 
accipiendi in uxorem quandam neptem ^ ducis Austorie *, 
nee obtinuit, et fuit hospitatus in monasterio sancti Georgii 
Veronensis^, et sequenti die'' fuit maximum prelium inter 
ipsum ducem Austorie, qui erat Verone, et populum Vero- 
nenseni in capite pontis Petre ' de Verona, et eum ducem 
et eiiTS gentes eorum rebus bonis et argento totaliter 
spoliaverunt. Et eo anno Conradus rex lerusalem, filius 
imperatoris Federici, ob banc causam venit Veronam cum 
maxima militum comitiva et in episcopali palatio Verone 
hospitatus est. _ Similiter episcopus Straburgensis '^ venit 
Veronam ea vice et hospitatus est in loco sancti Sebastiani 
Verone. Et similiter Imperator Constantinopolitanus nomine 
Balduinus venit Veronam et similiter dux Charintie^, dux 
Marani^*^, dux Suavie^^, comes de Tirallo ^'^, et multi episcopi 
et abbates venerunt ea vice Veronam ad curiam dicti 
doniini imperatoris. Et tunc facti et creati fuerunt XXII 
milites nobiles de Alemanea. Et vestimeuta ac plurima 
dona ipsis militibus dictus Imperator donavit et tradidit ^^. 
Et X. Lugii ^^ dictus imperator cum predictis principibus 
a Verona recessit. Et eo anno Leo de Aleardis fuit potestas 
Cerete'. 

Zu der folgenden Notiz vom J. 1246 fehlt in ein 
genaueres Datum ; in den Bruchstücken hinten p. 147 

1) Zu dem Hoftage vgl. die genauen Angaben in B - F 3475 c — 
3490 a. Die Ankunft erfolgte am 2., nicht am 1. Juni. 2) 'multitudinu ' 
Hs. 3) Gertrud. 4) Finedriehs II. von Oesterreich und Steier. 

5) Diese Angabe ist auffallend. Nach Rolandin (SS. XIX, 82) und der 
von CipoUa (N. Arch. Ven. VI, 126) mitgetheilten Annalennotiz war 
S. Zeno das Quartier des Kaisers. 6) Das scheint unrichtig, denn nach 
B - F 3475 c und 3478 b kam der Herzog erst am 29. Juni in Verona an. 
Abweichende Angaben bieten allerdings auch die Cont. Garst. SS. IX, 597 : 
'circa pentecosten' (4. Juni) und die Cont. S. Crucis II. (ib. 641) : 'infra 
pentecosten et nativitatem sancti lohannis baptiste' (4. Juni — 24. Juni). 
Die geschilderten Streitigkeiten sind auch aus Rolandin bekannt. 7) Ponte 
della Pietra. 8) Hier scheint Verderbnis vorzuliegen, die vielleicht 

auf das Original selbst zurückgeht; in den italienischen Uebersetzungen 
unsrer Annalen (vgl. Cipolla, N. Arch. Ven. VI, 132 ff.) liest man an dieser 
Stelle : 'de Straborga', 'di Serabinga', aber auch 'de Brandiborgo', 'de 
Brandmborgo', in den Auszügen hinten in unsrer Hs. sogar 'episcopus 
Branditii'. Wer in Wirklichkeit gemeint ist, lässt sich schwer erkennen ; 
denn dass der Bischof von Strassburg oder der von Brandenburg in 
Verona anwesend waren, ist ganz unwahrscheinlich. Ob etwa ein völlig 
entstelltes 'Bambergensis' zu Clrunde liegt? 9) Bernhard. 10) Otto 

von Meran. 11) Statt dessen haben die italienischen Uebersetzungen: 

'de Savogia'. Beides ist natürlich unmöglich oder es müsste sich um ein 
grobes Versehen des Parisius handeln. 12) Albert. 13) Auch in 

Cremona hat der Kaiser kurz darauf viele zu Rittern geschlagen (B-F 
3490b). 14) Vielmehr am 8. Juli (B-F 3490a). 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 263 

findet sicli jedoch dazngesetzt: 'die 27. Februarii', während 
Z: 'adi 27. de Dexembro' hat. Wenn das letztere richtig- 
ist, so gehört die Notiz nach dem sonstigen Gebrauch des 
Parisius noch zu 1245. Welches Datum das richtige ist, 
wird erst die sonstige Ueberlieferung entscheiden. 

'MCCXLVI. Albricus et Nicolaus de Lendenaria 
f uerunt capti in Verona per dominum Icerinum et tormentati 
et mortui fuerunt in martirio palatii comunis Verone ^ Et 
Petrus Gallus de Venetiis, Ungarellus et Bonaventura de 
la Scala ea vice fuerunt decapitati in mercato Verone 
mandato domini Henrici de Igna tunc potestatis Verone. 
Et Aldrigetus de Arculis ea vice fuit captus et in mercato 
Verone interfectus. Et eo anno Thomasinus de Grezana 
fuit potestas Cerete'. 

Mit dem ersten Satze zum J. 1247 gewinnt der Text 
dann wieder Anschluss an den der Edition: 

'MCCXLVII. Dominus Henricus de Igna potestas 
Verone interfectus fuit in palatio comunis Verone per 
lohanem de Scanarola XII. Februarii'. 

Diese Ermordung des Heinrich von Egna ist in 
B-F-W^ 13597a unbestimmt zum Februar gesetzt, hier 
haben wir das Tagesdatum"-, 

Alles was nun folgt, gehört also zum J. 1247. In E 
stand es bisher unter 1243 ; da aber das Datum an der 
Stelle der Lücke von August auf Februar zumckspringt, 
so konnte man wohl annehmen, hier beginne der Bericht 
für das folgende J. 1244. Von dieser Erwägung scheint 
auch Winkelmann ausgegangen zu sein, wenn er den Aus- 
tausch aller Gefangenen zwischen Mantua und Verona zum 
28. Sept. 1244 setzt (B-F-W 13523 a). Aus O erfahren 
wir, dass sie erst 1247 stattfand, und die Ann. Mant. ^ 
stimmen damit überein. 

Zu dem Siege Ezzelin's bei Gazzoldo am 25. Juni 1247 
sind nun die Angaben der Ann. Veron. hinzuzufügen, die 
wohl wegen der bisher abweichenden Jahreszahl in B-F-W 
13615 e unberücksichtigt geblieben sind. Und so gehören 
auch die folgenden Nachrichten sämtlich zu 1247 ; soweit 
sie sich auf die Belagerung von Parma beziehen, hat man 
das natürlich längst erkannt. 

Für die fünfziger und sechziger Jahre des 13. Jh. 
können wir aus O nicht so reiche Belehrung schöpfen, da 
der Text in E hier weniger verstümmelt ist. 

1) Vgl. Ann. S. Just, zu 1246, SS. XIX, 159. 2) Nach Chron. 

Patav. a. a. O. 1137 starb Heinrich von Egna erst am 13. Tage nach 
dem Mordanfall. 8) SS. XIX, 22. 



264 Karl Hampe. 

Die Lücke am Schlüsse des J. 1252 lässt sich zwar 
nicht aus O ergänzen, da dort das Datum ganz fehlt; aber 
aus Z hätte man schon längst ersehen können, dass es der 
Monat August ist, in dem die erwähnten Todesurtheile in 
Verona vollstreckt wurden. 

Der grosse Sieg Ezzelin's im J. 1258 ist statt in E 
auf den 28. Aug., in O und Z auf den 29. Aug. gesetzt. 
Der Fehler wird dadurch vermindert, da die Schlacht in 
Wirklichkeit am 30. Aug. stattfand (B-F-W 14060 a). 

Nachdem zum J. 1260 die furchtbare ßache an 
Alberich von Romano und den Seinen mit einzelnen un- 
wesentlichen Abweichungen erzählt ist, folgt in O dieser 
Zusatz : 

'Et eo anno Martinus de Lantus de Cereta fuit 
potestas Cerete de voluntate ipsivis domini Mastini de la 
Scala potestatis et rectoris civitatis Verone. — Et sciendum 
est, quamquam cronica ista non mentionem faciat, quod 
post quendam Petrum de Lanciis successerunt in potestaria 
Cerete dominus Ferinus de Verona, et post dominum 
Ferinum dominus Bonzaninus de Muro novo Verone ; in 
quo finivit ^ potestaria Cerete'. 

Das letzte Stück erweist sich durch den Zwischensatz: 
'quamquam cronica ista non mentionem faciat' offenbar 
als spätere Interpolation ^, — merkwürdig genug, da man 
sonst gerade diese cereanische Lokalnachricht dem Parisius 
zutrauen möchte. Und ich glaube auch, dass sie trotzdem 
auf ihn zurückzuführen ist. Schon manche Zusätze in Z 
weisen darauf hin, dass auch O noch nicht einen ganz 
vollständigen Text der Annalen des Parisius bietet. Ur- 
sprünglich waren dort sicher auch die letzten Podestäs 
von Cerea verzeichnet. Der Abschreiber von O fand sie 
in seiner lateinischen Vorlage ausgelassen, gewann aber 
die Kenntnis ihrer Namen aus einem vollständigeren Exem- 
plar des Parisius (in italienischer Uebersetzung) und fügte 
daraus eine zusammenfassende Notiz an dieser Stelle ein. 
Aus demselben vollständigeren Exemplar wird er auch die 
Bruchstücke hinten in der Hs. geschöpft haben, und dort 
findet sich in der That auf p. 150 eine ausführlichere 
Notiz über das Ende des Podestariats in Cerea, die auch 
in Z unter dem J. 1261 zu lesen ist. Da in Z vorher 
auch der Podestä Ferinus von Cerea genannt ist, so ist es 



1) 'finieft' Hs. 2) Parisius selbst hat auch gewiss nicht einen 

Angehörigen der Familie de Lantus mit dem unbestimmten 'quendam' 
bezeichnet, vgl. oben S. 248 f. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 265 

unzweifelhaft, dass die obige Interpolation inhaltlich einem 
vollständig-eren Texte des Parisius entlehnt ist. 

Wie hier, so enthält Z auch zum J. 1263 mehr, als 
O und E ; insbesondere ist die Angabe interessant, dass 
Mastino della Scala dem Grafen Ludwig- von S. Bonifacio 
für seine Person gestattet hat, sich Zeit seines Lebens in 
Verona aufzuhalten, dass aber alle seine Nachkommen 
nach einer in die Statuten der Stadt aufgenommenen Be- 
stimmung künftig von dort verbannt sein sollten. 

Zum Schluss sei noch eine Verbesserung von E 
erwähnt, welche die beiden dort theilweise mit einander 
vermengten sicilischen Unternehmungen der J. 1266 und 
1268 betrifft. Dort hiess es bisher: 

'MCCLXVI. Domnus Carolus rex Apuliae, Senator 
Romanus, cum magno exercitu et comitiva Lombardorum 
et Toscanorum civitatum Tusciae et Lombardiae obtinuit 
Apuliam. 

MCCLXVII (!). Domnus Conradinus rex et domnus 
Henricus — intraverunt Apuliam'. 

In lautet dieselbe Stelle richtiger: 

'MCCLXVI. Dominus Charolus rex Apulie, Senator 
Eomanus, cum magno exercitu Galicorum ivit Apuliam 
contra Manfredum filium domini imperatoris Federici, 
regem Apulie, Cecilie et Calabrie. Et cum ipso rege 
Manfredo pugnavit penes civitatem Beniventi, et in ipso 
hello ipse rex Manfredus gladio expiravit; et ex utraque 
parte multi hello mortui perierunt, et dictus dominus 
Karolus obtinuit et acquisivit ipsum regnum ^ et terras 
Sicilie, Apulie et Calabrie, domino demente papa eidem 
domino Charulo confirmante, XXVI. Februarii. 

MCCLXVIII. Dominus Conradinus quondam regis 
Conradi Apulie cum magno exercitu et comitiva Lom- 
bardorum et Toscanorum civitatum Tuscie et Lombardie 
et dominus Henricus — intraverunt Apuliam'. 

Bedeutende Hülfstruppen aus der Lombardei und 
Tuscien führt hier also nicht Karl mit sich, sondern 
Konradin, wie es den Thatsachen entspricht. 

In der folgenden Aufzählung der Personen, die nach 
der Schlacht bei Tagliacozzo gefangen genommen wurden, 
wird auch ein Kämmerer Thomas von Aquino genannt, 
den ich in meiner Geschichte Konradin' s nach dem Vor- 
gange Schirrmacher' s als Kämmerer Konradiu's bezeichnet 
habe. Nach dem Wortlaut der Stelle in den Ann. Veron. 

1) 'regem' Hs. 



266 Karl Hampe. 

glaube ich mich aber doch berichtigen zu müssen. Es 
heisst dort nämlich : — 'inter quos capti fuerunt dominus 
Conradin US rex, regis Conradi filius, dominus Henricus, 
— dominus dux Austrie, dominus Conradus de Antiteia\ 
dominus Galvagnus, — dominus Thomasius de Aquino, 
camerarius ipsius Conradi' etc. Wäre hier eine Be- 
ziehung auf Konradin beabsichtigt, so würde wahrscheinlich 
'regis' hinzugefügt, sicher aber die Form Conradini gesetzt 
sein"^. Man wird diesen Thomas von Aquino daher als 
Kämmerer des kurz vorhergehenden Konrad von Antiochien 
anzusehen haben, und darin bestärkt mich die Thatsache, 
dass, wie aus dem Schlachtbericht Karl's von Anjou an 
die Paduaner hervorgeht, Konrad von Antiochien gerade 
gemeinsam mit Thomas von Aquino gefangen genommen ist"^. 

Die langen Namenreihen zu den Jahren 1269 und 1276 
bieten in noch manche Berichtigungen, die ich hier 
aber als unwesentlich übergehe. 

Nach der Notiz zu 1278 wird ohne jede Unterbrechung 
fortgefahren mit den Annalen aus dem 14. Jh., die sich 
auch in E anschliessen. Ob erst ein späterer Compilator 
die beiden Werke mit dürftiger Ueberleitung zusammen- 
geschrieben hat, oder ob — was mir wahrscheinlicher ist 
— der Verfasser des zweiten Theiles die Annaleu des 

1) So auch in statt 'Antiochia'. 2) Das 'ipsius' ist natürlich 

rein demonstrativ gebraucht. 3) Mur. Ant. It. IV, 1145. — Die 

finanzielle Noth, in der sich Konradin in Verona befand, wird noch durch 
eine bisher übersehene Urkunde vom 2. April 1268 anschaulich gemacht, 
die bereits Verci (Storia deUa Marca Trivigiana II, Doc. p. 123 Venezia 
1786) gedruckt hat. Darin verpflichtet sich Nascimbene, 'qui dicitur 
Marcus de Colle S. Martini' gegenüber dem Podestä von Treviso bei 
Strafe von 900 Pf. Denare, die Gemeinde Treviso schadlos zu halten für 
900 Pf. Denare, die Nascimbene 'habuit de denariis acceptis per d. 
Nordiglum Bonepartis, loannem Lombardum, Avenum de Agnello, Zonum 
de Pedraca et alios eorum socios sub occasione bonorum et rerum d. 
Conradini secundi, filii quondam d. regis Conradi, in ballis bambasii, et 
de omni alio damno, quod accideret dicto communi seu alteri singulari 
persone Tarvisii et districtus sub occasione predicta'. Danach scheint 
Konradin in Verona der Gemeinde Treviso gewisse Güter gegen Geld 
versetzt zu haben. Bei dem späteren Verkauf derselben hat dann jener 
Nascimbene einen Vortheil gemacht, welcher der Gemeinde hätte zukommen 
müssen. — Noch eine kurze Bemerkung zum Kanzleiwesen Konradin's 
sei mir hier gestattet. In den M. I. Ö. G. XVII, 191 bezweifelt M. Vancsa 
die von mir (Gesch. Konradin's S. 177 Anm. 7) behauptete Registerführung 
in der Kanzlei Konradin's, hat aber den Schluss jener Anmerkung, die 
auf S. 178 hinüberreicht, offenbar übersehen. Das Zeugnis in dem Briefe 
Karl's von Anjou vom 13. Juli 1269 wird sich doch nicht so leicht bei 
Seite schieben lassen. Da die ganze Hoflialtung Konradin's während 
seines Zuges nach sicilischem Muster eingerichtet wurde, hat übrigens 
die Kegisterführung auch garnichts AuffäUiges. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 267 

Parisius vorgefunden und seinem Werke vorangestellt hat, 
unbekümmert darum, dass zwischen beiden Theilen eine 
empfindliche Lücke in der Berichterstattung- blieb, das zu 
entscheiden, wird erst eine eingehendere Untersuchung 
erfordern. Von demselben späteren Annalisten oder Com- 
pilator scheinen mir auch dem Ganzen die Worte : 'In 
Christi nomine Amen. Liber ad perpetuam rei memoriam' 
etc. vorangestellt zu sein, die wohl kaum dem ursprüng- 
lichen Texte des Parisius angehöi'en^ Bei der Frage nach 
dem Verfasser wird man jedenfalls die etwas beschädigte, 
von einer andern gleichzeitigen Hand in p. 160 ein- 
getragene Notiz zu berücksichtigen haben, die so beginnt: 
'Cronicha de leronimo di Bertoni, che [so-(?)]no carte otanta 
scrite' etc. Hier ist doch wohl kaum der Besitzer des 
Buches gemeint , sondern entweder der Fortsetzer der 
Annalen des Parisius oder der Compilator des Ganzen, — 
wofern diese beiden überhaupt getrennte Persönlichkeiten 
waren. 



Die späteren Annalen ' sind nicht so seltsam zerfetzt 
worden, wie das Werk des Parisius. Der Text scheint in 
den verschiedenen Hss. im Wesentlichen übereinzustimmen; 
daher bietet auch O gegenüber dem Druck nicht so reiche 
Ergänzungen. Doch möchte ich einzelne Abweichungen 
in Daten, die mir meist Verbesserungen zu sein scheinen, 
hier nicht unerwähnt lassen ''. 

So wird zwar das umstrittene Geburtsjahr des Can- 
grande von Verona, wie es schon E enthielt, durch be- 
stätigt, aber das Datum: '9. martii' ist hier von derselben 
Hand nachträglich geändert in: '8. maii'. Woher der Ab- 
schreiber seine 'bessere Erkenntnis schöpfte , sieht man 
freilich nicht. Aber eine Verbesserung scheint mir in der 
That vorzuliegen, denn Z, dessen Vorlage auch für diesen 
zweiten Theil neben O eine selbständige Bedeiitung hat, 
giebt als Datum ebenfalls den 8. Mai^. Dieser Tag ist 
nun mit den Angaben des Ferreto von Vicenza '' nicht mehr 
so unvereinbar, wie es der 9. März war. Die Zeit, zu der 



1) In Z findet man sie nicht. 2) Ich eitlere nach der. einzigen 

Ausgabe bei Muratori SS. VIII, 6-41 ff. 3) Gelegentlich hat O hier 

auch Verschlechterungen gegenüber der Edition. Die Vorlage von Z 
erweist sich auch für die späteren Annalen meist als recht zuverlässig. 

4) Nicht den 8. März, wie Spangenberg Cangrande S. 202 sagt, denn 
'mazo' heisst in diesem venezianischen Dialekt nicht März, sondern Mai. 

5) Vgl. die Ausführungen von Sommerfeldt, M. I. O. Ct. XVI, 442 ff. 



268 Karl Hampe. 

die Mutter Cangrande's die Geburt nahen fühlt, wird dort 
so bezeichnet: 

'lamque Dionei releg'ens confinia mensis 
Phoebus Ag'enorei torrebat viscera Tauri'. 

Es ist zuzugeben, dass man bei der ersten Zeile zu- 
nächst an den April selbst zu denken hat, aber allzu kühn 
ist es doch auch nicht, das 'relegens' im Sinne der Ver- 
gangenheit aufzufassen und demnach anzunehmen , dass 
die Sonne die Grenzen des Monats April bereits durch- 
wandert hatte. Im Zeichen des Stieres stand sie jedenfalls 
noch bis zum 17. Mai, und so sehe ich keine ernsthafte 
Schwierigkeit, diese Dichterstelle mit der unsrer Annalen 
in Einklang zu bringen. Ob dies Ergebnis für die Frage 
nach dem Geburtsjahr irgend etwas ausmacht^, davon sehe 
ich hier ab. 

Zum J. 1317 ist in O gegen E und Z die Einnahme 
von Monselice richtiger auf den 20. statt auf den 22. Dec. 
gesetzt. Am 20. Dec. wenigstens erfolgte der Aufbruch 
der Truppen von Verona und in der folgenden Nacht ge- 
lang die Einnahme^. 

1324 war nach O und Z das Parlament von Palazzolo 
nicht am 27., sondern am 17. Januar. 

1325 wurden nach und Z von Cangrande die Be- 
satzungen aus den beiden eingenommenen Burgen am 
19. Januar entlassen; dass der 10. Jan. in E irrthümlich 
ist, ergiebt schon der Zusammenhang. 

Kurz darauf wird in O und Z der Tod des Cecchino 
della Scala auf den 2., nicht auf den 6. Febr. 1325 gesetzt. 

1327 lautet die Verleihung Ludwigs des Baiern an 
Cangrande in O und Z vollständig (col. 645) : 'Et ea vice 
ipse Imperator concessit eidem domino Canigrandi vicariatus 
civitatum Verone et Vincentie, et ea vice concessit eidem 
posse hedificari pontem supra Padum' etc. Die Bestätigung 
der Vicariate ist in E ans Versehen fortgefallen. 

Zu den Festlichkeiten des J. 1328 mag hier erwähnt 
sein, dass sich die Liste der anwesenden ßitter auch im 
Cod. Oxon. Bodl. Auct. F IV, 25 s. XVI. findet 3. 

Zu 1331 ist als Todestag des Bischofs Thebald von 
Verona in der 19. Nov. augegeben, während E den 18., 



1) Vgl. Sommerfeldt a. a. 0. 447 ff. 2) Vgl. Si^angenberg a. a. 0. 
>S. 135 n. 2. 3) Dahinter steht das Bruchstück einer Ueberschrift : 

'Memoriale temporum et annorum preteritorum a creatione mundi . . .' 
(nur so weit). Es sollte also dasselbe Stück folgen, das den Anfang von 
O bildet. Vielleicht ist auch die genannte Liste der Ritter nur Abschrift 
aus O. 



Reise nach England vom Jnli 1895 bis Februar 1896. 269 

Z gar den 17. Nov. hat. Welches Datum im ursprünglichen 
Texte stand, ist danach schwer zu entscheiden. 

Aehnliche Abweichungen in der Ueberlieferung zeigt 
das Datum der lombardischen Liga gegen König Johann 
von Böhmen im J. 1332. O hat den 15., E den 22., Z den 
25. Nov.i. 

Wenn 1333 die Ankunft Johanns von Böhmen von 
O gegen E und Z auf den 9., statt auf den 8. Oct. gesetzt 
wird, so wird das Versehen, das in dieser Angabe steckt, 
erklärlicher, denn in Wirklichkeit war die Ankunft am 
19. Oct. 

1334 ist (col. 648 D 12) statt 'XII miliaria' nach O 
und Z zu lesen: 'X miliaria' und 1336 (col. 650 A 8) wurde 
Massa Carrara an Mastino II. ebenfalls nach und Z 
nicht für 16000, sondern für 6000 Gulden überliefert. Da 
dies am letzten Mai stattfand, so ist es wahrscheinlicher, 
dass das in der Nähe befindliche Heer des Mastino schon 
am 1. Juni in die Burg einrückte (so O und Z), als am 
1. Juli (so E). 

1339 wird die Besitznahme von Treviso durch die 
Venezianer in O aiif den 15. statt auf den 10. Jan. (E) 
gesetzt. 

Gegen den Schluss desselben Jahresberichtes findet 
sich in wie in Z ein kurzer Zusatz zu der Belagerung 
von Marostica durch Albert II. della Scala, so dass die 
Stelle im vollständigen Texte lautet: 'Et eo anno XX. 
Madii dominus Albertus de la Scala — ivit in obsidionem 
circa castrum Marostice districtus Vincentie, quod detine- 
batur per Xichium de Chaldenatio proditorie, quod castrum 
obtinuerunt V. lunii ressignatum in manibus domini Gui- 
lielmi de Castrobarcho recipientis' vice et nomine domini 
Mastini predicti-^. 

Stark umzugestalten ist die Stelle, die in E unter 
1345 steht, und die ich hier nach O in ihrer veränderten, 
richtigeren Gestalt folgen lasse ^: 

'MCCCXLV. Dominus Mastinus de la Scala fecit 
incipi et fundari muros seragii de Vilafrancha incipiendo 
a Mentio usque prope Nogarolas^ 

1) Vgl. dazu Pöppelmann, Job. v. Böhmen in den J. 1330—1333 
im Arch. f. öst. Gesch. XXXV, 418 n. 1. 2) 'recipienti' Hs. 8) In 
den Juni wird die Einnahme auch in der Historia Cortusiorum, Mur. 
SS. XII, 902 gesetzt, allerdings zu 1340. 4) Die Reihenfolge ist die- 

selbe in Z. 5) Durch die Verwirrung in E stutzig gemacht, hat 

Verci, Storia della Marca Trivigiana XIII, 65 diese Befestigungsarbeiten 
Mastino's II. fälschlich in das J. 1848 gesetzt, wohl weil in E mit 'eodem 
anno' der Bericht über das Erdbeben von 1348 angeknüpft war. 



270 Karl Hampe. 

MCCCXLVIII. die XXV. lanuarii in die conversioiiis 
beati Pauli apostoli ^ fuit terreniotus mag'iins in universo 
orbe et precipue in Verona, ita quod usque ad diem illam 
nunquam visus nee sentitns fuit talis. Eodem anno de 
mense Octobris^ dominus Mastinus de la Scala tradidit in 
uxorem dominam Beatricem filiam, que domina Regina 
appellabatur, domino Bernabovi de Vicecomitibus de Me- 
diolano, ex qua utriusque sexus filios plurimos procreavit. 

MCCCL. Fuit mortalitas' etc. 

Auch zu 1357 bietet O den in E entstellten Scbluss- 
satz vollständig, der nun so lautet (col. 656 B) : 

' dominus Barnabos predictus fecit pacem cum 

Mantuanis et eis restituit — rocham predictam. Et pro 
firmitate pacis obtinende tradidit in uxorem dominam 
Cathalinam eins neptem domino Ugolino filio domini 
Guidonis de Gonzaga predicti'. Die Worte: 'Et pro 
firmitate — neptem' sind in E ausgelassen. 

In den Bericht über die beiden Jahre 1365 und 1366 
hat sich eine Fülle kleiner chronologischer Versehen ein- 
geschlichen, die uns geneigt machen könnte, an der Zu- 
verlässigkeit des Verfassers überhaupt starke Zweifel zu 
hegen. Es ist daher von Belang zu wissen, dass wenigstens 
ein Theil dieser Ungenauigkeiten nur der Ueberlieferung 
zur Last fällt und durch Vergleichung mit O sich be- 
seitigen lässt. 

Dort ist freilich wie in E (col. 657 D 2) an falscher 
Stelle die Jahreszahl 1366 vor den Text gesetzt. Der 
Zusammenhang ergiebt zweifellos, dass sie zu streichen ist. 
Alles Folgende gehört noch zu 1365. Zu dem Tode des 
Cansignorius 1375, der vorgreifend berichtet wird (col. 
657 D 13), ist nach O und Z das Datum des 17.^ statt 
des 14. Oct. hinzuzufügen. Auch dann bleibt noch ein 
kleiner Irrthum zu berichtigen ; die Angabe des Wochen- 
tages weist auf den 18. Oct. , und an diesem Tage ist 
Cansignorius in der That gestorben. Der Tod Herzog 
Rudolfs IV. von Oesterreich war zwar nicht am 20. Juli, 
wie es in unsern Annalen heisst, sondern am 27. Juli^. 
Die Uebertragung seiner Leiche nach Deutschland von 
Verona aus scheint aber in O und Z richtig auf den 



1) Die genaueren Angabe.- q fehlen in E, werden aber durch die 
von Verci a. a. O. XIII, 55 n. 3 angeführten Quellenbelege bestätigt. 
2) Die Monatsangabe fehlt in E, wo die Vermählung überdies in das 
J. 1345 gesetzt ist. 3) Dieselbe Berichtigung unten col. 660 A 5. 

4) Huber, Rudolf TV. S, 151. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 271 

5. August gesetzt zu sein\ eine Angabe, die zu den von 
Huber zusammengestellten Eegesten des Herzogs hinzu- 
zufügen wäre. Die offenbar entstellte Zwischenbemerkung 
(col. 658 C 4), dass der 1365 ermordete Abt von S. Trinitä 
in Verona 1370 zu seinem Amte erwählt wurde, fehlt in O 
und erweist sich also wohl als verderbte Interpolation. 
Statt der dann in E fälschlich gesetzten Jahreszahl 1367 
liest man in O richtig : 'Eodem anno' ; denn auch das 
Weitere gehört noch zu 1365 bis zu der Stelle, wo in E 
irrig 1368 und in O nicht viel besser 'Eodem anno' steht. 
Hier erst setzt der Bericht zum Jahre 1366 ein. 

Die Annalen enden in schon etwas eher als in E 
mit den Worten: 'Capitello comunis Verone (col. 660 A 11). 
Die Nachricht von der Ermordung des Antonius della Scala 
und die abschliessende Bemerkung über das Ende der 
Herrschaft der della Scala fehlen hier. 

IV. Eine Bearbeitung der anonymen Berner Stadtchronik, 
des sog. Königshofen - Justinger. 

Im Cod. Chelt. 3583 findet sich von der Hand des 
Sir Thomas Phillipps vorn die Bleistiftnotiz : 'Count de 
Mulinen of Berne wishes for a copj of this'. Aus einer 
Korrespondenz des Herrn v. Mülinen-Gurowskj mit Phillipps, 
auf die sich jene Notiz bezieht, hat G. Studer das Wenige 
erfahren, was er in seiner Ausgabe der Beruer Chroniken 
S. XXVIII über den Codex mittheilt. Ueber die Nieder- 
schrift desselben belehrt eine von der Hand des Schreibers 
auf dem letzten Blatte (f. 79') verzeichnete Bemerkung, die 
Studer bereits abgedruckt hat, die ich hier aber mit einigen 
Verbesserungen wiederhole : 

'Die abgeschribne matery hau ich Fetter Falck ab- 
geschriben uss einr vast alten geschrifft, die mir meyster 
Hans Velder geluchen (!) hatt, geendet uff zinstag morndes 
nach sant Apolonyen der heiigen jungfrowen unnd mar- 
trerin tag, als man zalt tusent funff hundert und zwolff iar'. 

Weiter unten ist von derselben Hand folgende Notiz 
hinzugefügt : 

'Item Glantzemberg das stettli an der Lindmag gelegen 
wardt zerstörtt von denen von Zürich in dem ersten 
herpstmanot, als man zalt tusent zweyhundert achtund- 
sechtzio' iar'. 



1) 'Deinde die V. Augusti in Alemanea cadaver supradietum fuit 
delatum'. 



272 Karl Hampe. 

Glanzenberg a. d. Limmat, eine Feste des Freiherrn 
Leuthold von Eegensburg-, wurde von den Zürichern im 
Bunde mit Rudolf von Habsburg- in dem angegebenen 
Jahre zerstört. Dass es im September geschehen ist, finde 
ich sonst nicht. 

Aus einer Vermischung beider Notizen ist die irre- 
führende Angabe in dem von Phillipps selbst gedruckten 
Katalog seiner Manuscripte entstanden : 'Historia civitatis 
Bernae transcripta per Petrum Falck a. 1512. ex veteri 
cod. lohannis Velder scripto a. 1268'. 

Der Band, der aus 79 Papierblättern in kleinem 
Folioformat besteht, ist jetzt in einen Pappumschlag ge- 
bunden. Ursprünglich haben vielleicht zwei starke Per- 
gamentblätter, die dem Codex vorgeheftet sind, als Einband- 
deckel gedient. Sie zeigen die wenig ausgeführte Skizze 
eines Wappenschildes mit mehreren schräg über dasselbe 
laufenden dunklen und hellen Streifen. 

Den weitaus grössten Theil des Codex (f. 1 — 7-1) 
nimmt eine Berner Chronik ^ ein, die sich im Wesentlichen 
mit der von Studer S. 314 — 466 gedruckten anonymen 
Stadtchronik, dem sogen. Königshof en - Justinger, deckt, 
aber auch nur im Wesentlichen, — im Einzelnen finden 
sich doch hier und da freie Umgestaltungen, tendenziöse 
Aenderungen und Zusätze, so dass man fast von einer 
selbständigen Bearbeitung des Königshofen - Justinger 
sprechen kann. Zu einer vollständigen Vergleichung fehlten 
mir in Cheltenham Zeit und Hülfsmittel, doch glaube ich, 
dass die kurzen Stücke, die ich zur Probe abgeschrieben 
habe, genügen, um den Charakter der Bearbeitung erkennen 
zu lassen. 

Im Anfang- ist ein Blatt herausg-erissen ; der Text 
beginnt mit den Worten: 'Hispanje sin lychnam in einem 
prediger kloster' u. s. w. wie bei Studer S. 317, 1. Kleine 
stilistische Aenderungen ungerechnet, folgt unser Codex 
im Allgemeinen dem Drucke in folgenden Capiteln, 
wenigstens soweit sich nach kurzen Proben urtheilen 
lässt: 2. 5—14. 22. 24. 25. 88. 104. 116. 117. Damit ist 
aber noch nicht gesagt, dass die Uebereinstimmung durch- 
gehend ist. In Cap 67 z. B., dessen Anfang hier abgedruckt 
sein mag, ist die Wiedergabe so frei, dass nur noch in- 
haltlich eine Uebereinstimmung besteht (vgl. Studer S. 352) : 

1) G. Tobler, Die Chronisten und Greschichtsschreiber des alten 
Bern. Bern 1891, S. 15 ff. hält die Chronik für die Vorlage Justingers ; 
die Chelt. Hs. nennt er nicht. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 273 

'Daniacli da man zalt XIII ^ XXXVI iar bestfind ein 
grosse widerwertickeit in allem rjch, wann hertzog Ludwig 
von Peyern hielt und schreyb sich einen Römischen kung, 
und was aber nit bekrönt, wann babst Johannes satzt inn 
ab. unnd legt inn im bann. Also hielten inn wenig lüt 
für ein Römischen kung. und besunder wolten inn die von 
Bemn gantz nutzit gehorsam sin' etc. 

Interessanter ist Cap. 15 : 

'Kung Rüdolff zoch für Petterlingen und belagert die 
statt mitt grossem her. ermant ouch dahyn zu zyechen 
die statt Fiyburg unnd Bernn. die im als einem gekrönten 
Römischem Imng gehorsam wurden und zugen ouch für 
Petterlingen. Also gewan der kung die statt und müsten 
thun. was er wolt. Dis beschach in dem ersten winter- 
manot, als man zalt MCCLXXXIII iar. 

Unnd von der getruwen hilff, so im die zwo stett 
ziischickten, begäbet er si mitt erlichen fryheytten, und 
besunder fryett er die statt Fryburg. das man si an dhein 
frömbd gericht soll laden, sunders soll sich menglich irs 
gerichtz in ir statt benügen, als das die kunigkliche bull 
luter anzöigt'. 

Die erste Hälfte dieser Notiz bis zu der Jahreszahl 
ist eine freie Nacherzählung des bekannten Textes. Es 
fällt aber auf, dass folgender Satz, der sich dort findet, 
hier fehlt : 

'Wiewol daz nu Friburg elter waz, denn Bern, do 
ward doch Berner volk gepreist und gerümet für die von 
Friburg'. 

Freiburg und Bern haben trotz des im Liede ge- 
priesenen alten Freundschaftsbuiides in späterer Zeit be- 
kanntlich gar oft arge Händel gehabt. Die Fortlassung 
des obigen Satzes spricht offenbar dafür, dass der Bearbeiter 
den Freiburgern gewogen war und eine Bevorzugung der 
Berner bei dieser Gelegenheit nicht gelten lassen wollte. 

Die andre Hälfte der Notiz ist freier Zusatz, der 
ebenfalls das Interesse des Verfassers für Freiburg erkennen 
lässt. Er scheint die Urkunde Rudolfs (vom 23. Juli 1275) 
selbst gesehen zu haben. 

Trotzdem wird die Bearbeitung kaum in Freibiirg 
selbst entstanden sein. Die folgenden Zusätze, die sich 
am Schluss der Chronik (hinter Cap. 24-1) finden, deuten 
vielmehr auf Murten als Entstehungsort und geben zugleich 
einen Hinweis auf die Zeit der Abfassung: 

'Als man zalt tusend fierhundert und sechtzechen iar 
uff sant Ambrosius tag. was der vierd tag Aprellens, gyeng 

Neies Archiv etc. XX IT. J^j^ 



274 Karl Hamide. 

für an zu Murtten in der vorstatt gegen Merlach, und 
wäyet der wind träffenlich vast, immassen das das schloss 
und die statt uberal verbran ussgenommen funffzechen die 
bösten huser, so in der statt waren. 

Darnach da man zalt XIIII*^ XXVIII iar uff zinstag- 
nach Ostern (6. April), gieng aber für an zu Murtten in 
der statt nach mitternacht in der dritten stund und ver- 
brunnen XXVI huser'. 

Engelhard setzt in seiner Chronik der Stadt Murten 
(Bern 1828) S. 43 den ersten grossen Brand mit Unrecht 
in das Jahr 1414. Er selbst theilt auf S. 197 eine Urkunde 
des Herzogs Amadeus VI. von Savoyen vom 28. April 1416 
mit, in welcher derselbe Zugeständnisse macht, um dem 
Orte Murten (villa nostra de Mureto) nach dem kürzlich 
(nuper) stattgehabten Brandvinglück wieder aufzuhelfen. 
Dazu stimmt das Datum unsrer Chronik. 

Murten gehörte damals zwar zu Savoyen, stand aber 
zu Freiburg doch stets in nahen freundschaftlichen Be- 
ziehungen. Eine Parteinahme für Freiburg gegen Bern 
ist dort nur natürlich, und so haben wir es denn höchst 
wahrscheinlich mit einer in Murten geschriebenen, in 
Freiburg -freundlichem Sinne abgefassten Ueberarbeitung 
des Königshof en - Justinger zu thun. — 

In derselben Hs. findet sich f. 74' die bekannte Dar- 
stellung der 'Mordnacht von Zürich' und der folgenden 
Ereignisse von 1350 — 1355. Eine Abschrift davon wurde 
Herrn Prof. J. Dicrauer zur Benutzung überlassen, der 
eine neue Ausgabe dieses Werkes für die Quellen zur 
Schweizer Geschichte vorbereitet. 

Y. Eine Chronik des S. Aegidienklosters in Nürnberg. 

Der Cod. Cheltenh. 1286 s. XV. enthält eine 
'Chronica monasterii sancti Egidii in Nurenbergk'. Es ist 
dies höchst wahrscheinlich dieselbe Hs. oder vielmehr ein 
Theil jener Hs. , die nach Angabe v. Kerns ^ noch im 
vorigen Jahrhundert beim Nürnberger Landalmosenamt 
verwahrt wurde und ein 'chronicon, calendarium et diplo- 
matarium monasterii S. Egidii' enthielt, aber 1874 nicht 
mehr aufzufinden war. Davon existiert noch heute eine 
Abschrift des 18. Jh. in der Nürnberger Stadtbibliothek-, 
die von v. Kern in den Anmerkungen zu den Denkwürdig- 
keiten des Konrad Herdegen gelegentlich angeführt wird. 



1) Nürnberger Denkwürdigkeiten des Konrad Herdegen (Erlangen 
1874) S. 11 n. 2. 2) Schwarz Kaps. K. 8. Fase. Egidienkloster. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 275 

Vollständig veröffentlicht ist die Chronik noch nicht; nur 
ein Stück davon, u. zw. im v^^esentlichen der ziemlich 
werthlose ältere Theil , der fast ganz ^ ans der Vita 
S. Mariani- ausgeschrieben ist, ist bei Oefele Scriptores 
rer. Boic. I, 341 ff. nach einer unvollständigen Abschrift 
Hartmann Schedels gedruckt worden ^ Da sich aber gerade 
in dem späteren ungedruckten Theile manche Angaben 
finden, die von geschichtlichem oder kunstgeschichtlichem 
Interesse sind, so wird es sich lohnen, hier von neuem 
auf diese Chronik hinzuweisen und einige Notizen, die 
ich dem so schwer zugänglichen Original entnommen habe, 
mitzutheilen. 

Der Cheltenhamer Codex besteht heute nur aus 
wenigen Blättern in Grossfolio, die in einen Pappumschlag 
gebunden sind. Dass er aber ursprünglich sehr viel um- 
fangreicher war und ebenso wie jener Codex des Nürnberger 
Landalmosenamtes hinten ein Diplomatarium des Klosters 
enthielt, geht ans dem Verweis : 'Quere folio CXXXVII' zu 
einer angeführten Urkunde Kaiser Sigmunds auf f. 6 hervor. 

Vorn und hinten in der Hs. finden sich die beiden 
Hälften einer Urkunde Bischof Ludwigs von Bamberg für 
das Aegidienkloster, die beginnt: 'Cum ex pastoralis 
officii' . . und datiert ist: 'Datum et actum Bamberge a. 
1372 sexta die mense Februario'. Der Eand des Vorblattes 
ist mit kunstvoll ausgeführten Initialen beklebt, die aus 
einem älteren Codex ausgeschnitten sind, darunter links 
der Tod der Maria, rechts die heil. Katharina. Aehnliche 
Initialen finden • sich auf dem Schlussblatte , in dessen 
Mitte die Zeichnung eines betenden Klerikers mit der 
übergeschriebenen Jahreszahl 1476 wohl auf die Zeit der 
Abfassung des Cod. weist. 

f. 1 beginnt die Chronik wie bei Oefele I, 342 mit 
dem Vorbericht über die Gründung des Klosters und fährt 
f. 2 gleich mit dem Bericht über die Reformation von 1418 
fort. f. 6 wird auf die Bestätigung derselben durch Kaiser 
Sigmund ausführlicher als bei Oefele eingegangen : 

'Dominus eciam rex Eomanorum postea Nurembergam 
veniens ac de toto negocio plene et clare informatus, post- 
quam eciam dictum monasterium in propria persona ali- 
quociens visitaverat, animo deliberato cum consilio prin- 
cipum et procerum sacri imperii dictis abbati et conventui 
sancti Egidii viris reformatis ac natione Allemanuis in 



1) Nur ein paar kurze Zusätze sind anscheinend einem Käiserkatalog 
entlehnt. 2) Acta Sanctorum Febr. II, ;367. 3) Vgl, v. Kern a. a. O. 

18* 



276 Karl Hampe. 

locum Scotorum et Hjberniensmm institutis omnia iura, 
possessiones libertates et gratias indulta ipsis Scotis seu 
Hybernicis a divis Romanorum imperatoribus et regibus 
concessis in eos auctoritate regia Romana transtulit ac de 
novo concessit, eosdem in suam ac sacri imperii tuicionem 
et proteccionem singularem suscepit, prout hec et alia in 
litteris prefati domini regis plenius continentur, cuius 
tenor sequitur et est talis: In nomine sancte et individue 
Trinitatis feliciter Amen. Sigismundus dei gratia etc. Quere 
folio CXXXVII'. 

f. 6' folgen unter der Ueberschrift : 'De structuris 
monasterii' fortlaufende Annalen des Klosters von 1418 — 
1459, von denen nur ein geringes Bruchstück bei Oefele 
gedruckt ist. Die Nachrichten, die sich vorwiegend auf 
Bauanlagen des Klosters, auf den Erwerb von Kunst- 
gegenständen und dergleichen beziehen, würden für uns 
von höherem Werthe sein, wenn nicht die alte Aegidien- 
kirche mit Kloster durch einen Brand im 17. Jh. fast ganz 
zerstört worden wäre. Von einem gewissen kunstgeschicht- 
lichen Interesse bleiben aber einige der Angaben immer- 
hin. Ich notierte mir z. B. : 

'1434. — — facta sunt sedilia et stalla in choro 
sancti Michaelis cum picturis parietum precio pellificum 
civitatis. 

1437. circa festum sancti Gregorii pape^ empta 

sunt quatuor capita argentea deaurata quatuor apostolorum, 
videlicet Petri, Pauli, Andree et Jacobi, que olim fuerant 
illustris principis domini Ludovici ducis* de Briga, facta 
Parisius et habent in puro auro et argento quadraginta 
marcas vel modico plus'. 

Gelegentlich findet sich auch historisch Brauchbares. 
Zu 1439 wird der Tod Albrechts II. berichtet 'in vigilia 
apostolorum Sjmeonis et lüde' '-. Zu 1453 heisst es : 'Anno 
Domini 1453 circa festum sancti Georii martyris ^ per 
dominum Ludovicum ducem Bavarie in oppido Lauff facta 
est plena concordia inter dominum Albertum marchionem 
Brandeburgensem et burggravium Nurembergensem et 
civitatem Nurembergensem occasione differenciarum pridem 
tempore litis exortarum, ubi inter alia iste ponitur articulus : 
'Item von versprechnuss wegen der closter zcu Nurenberg 
Sant Egidien, Sant Kathrein und sant Ciaren und der 
iren haben wir beteydingt, diz dy von Nurenberg bey dem 



1) 12. März. 2) 27. Oct. 3) 23. April ; der Vertrag war am 
27. April. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 277 

versprecliLiug' derselben closter und aller der iren zcu 
ewig-en zeyten bleyben siülen, daran sie unser oheim 
margraff Albreclit und sein erben nit engen, noch irren 
sullen'. Nam hie articulus fere principaliter inter alios 
fuerat'. 

Unter 1454 ist eine längere das Kloster betreffende 
Nürnberger Urkunde eingereiht; 1459 eine Stiftung des 
Magister Caspar Kress erwähnt. 

f. 10' ist freigelassen. Auf f. 11 endlich folgt eine 
Urkunde von 1473, in der kostbare Gegenstände des Klosters 
aufgezählt werden, die der Abt Johann, um Schulden zu 
decken, verkauft hat. Dann endigt der Cod. mit dem 
Schluss der oben schon erwähnten Bamberger Urkunde 
von 1372. 

VI. Ein ungedruckter zeitgenössischer Bericht über die 
Schlacht bei Hattin (4./5. Juli 1187). 

Im Cod. Collegii S. Johannis Baptistae Oxoniensis 115 
s. XII., über dessen Inhalt der Katalog von Coxe^ genügend 
unterrichtet^, liest man auf f. 145' und f. 146 drei für die 
Kreuzzugsgeschichte der Jahre 1187 und 1188 wichtige 
Briefe, die von zwei Händen^ des ausgehenden 12. Jh. 
eingetragen sind. Bekannt ist davon das Schreiben des 
Templer j)räceptors Terricus über die Schlacht bei Hattin* 
und dasjenige Kaiser Friedrichs I. an Saladin von 1188^ 
Ich habe beide mit den Drucken'' verglichen, doch sind 
die Varianten nicht so erheblich, um hier eine besondere 
Mittheilung zu verdienen. 

Ungedruckt ist der dritte Brief, von den Genueser 
Consuln an Papst Urban III. gerichtet, ein ausführlicher 
Bericht über die Schlacht bei Hattin und die ihr un- 
mittelbar voraufgehenden und folgenden Ereignisse. Der- 
selbe stützt sich auf die Aussagen eines genuesischen 
Kaufmannes, der, soeben aus dem Orient zurückgekehrt, 
so viel wir wissen, die früheste Kunde von den furchtbaren 
Niederlagen der Christen nach Italien gebracht hat. Da- 
durch und durch die ins Einzelne gehende Darstellung 

1) Catalogus codicum mss., qui in collegiis aulisque Oxouiensibus 
hodie adservantur II. (Oxon. 1852). 2) Ueber die Herkunft findet sich 
in der Hs. kein Vermerk; vermuthlich ist sie in England entstanden, 
vgl. den f. 147 folgenden Brief Johanns von Salisbury über den Tod 
und die Wunder des Thomas Becket. 3) Der Brief Friedrichs I. ist 

von andrer Hand zugefügt. 4) Röhricht, Regesta regni Hierosolym. 

n. 660, hier in der Fassung b überliefert. 5) Ebenda n. 671. 6) SS. 
XVn, 793 und XXVII, 197 (hier folgt unser Cod. im wesentlichen der 
Hs. A 1). 



278 Karl Hampe. 

ist dieser Brief ancli neben den sclion bekannten Berichten ^ 
von Bedeutung-, zumal einige Vorgänge abweichend erzählt, 
und neue Einzelheiten angeführt werden. Ich lasse daher 
das Schreiben mit einigen Erläuterungen hier folgen. 

Die Consuln von Genua unterrichten Papst 
Urban III. von dem Verlauf der Schlacht bei 
Hattin und den weiteren Erfolgen Saladins und 
fordern ihn auf, zur Wiedereroberung des hei- 
ligen Landes die Völker zu sammeln. 

(Genua, etwa Ende Sept. 1187). 

Piissimo patri et domino ürbano -, Dei gratia sancte et 
universalis ecclesie pastori dignissimo, lanuenses consules de 
comuni debitam in omnibus cum subiectione reverentiam. 

Ex celeris fame volatu, sanctissime pater, et lugubri 
civis nostri de transmarinis partibus redeuntis narratione 
didicimus iuditia, que operatus est Dens in partibus illis 
hiis diebus, et quomodo provocatus peccatis nostris, ante 
tempus quodammodo visus est iudicasse orbem terre in 
equitate quidem, sed misericordie sue oblitus. 

Dum enim rex Babilonie Saladinus cum septoginta 
milibus militum et eo amplius^ sequenti die Veneris^ post 
festum sancti Petri lerosolimitani regni terram intrasset 
et Tabariam-^ incepisset, castri munitione, qua se domina 
loci** cum paucis militibus receperat, excepta, nuntiata 
sunt regi, que acciderant, et cum ipsi regi^ potius arrideret"'' 
de muniendis civitatibus et locis, quam adeo subito se 
discrimini pugne obicere, tandem de consilio comitis Tripo- 
litani ^, qui secum nuper f edera pacis inierat ^**, et ad in- 
stantiam multam cum lacrimis dominorum de Tabaria^^, 
qui ad succursum matris anelabant ^2, rex processit ad bellum 

1) ßöliricht a. a. O. u. 660. 661. 2) Er starb kurz nach Empfang 
der Nachricht am 20. Oct. 1187. 3) Vgl. SS. XVII, 508: 'cum 80 

milibus equitum. 4) 3. Juli. 5) Tiberias. 6) Die Gremahlin des 

Grafen Raimund von Tripolis. 7) Guido von Lusignan. 8) 'assideret' 
Hs. 9) Raimund. 10) Vgl. Röhricht, Beiträge z. Gesch. der Kreuz- 
züge I, 119 ff. 11) Röhricht I, 127 nennt vier Söhne Raimunds: Hugo, 
Wilhelm, Raoul und Otto. Dass sie am Ki'iegsrathe theilnahmen, wird 
sonst nicht erwähnt. 12) Mit dieser Darstellung der Parteien im 

Kriegsrathe setzt sich unser Brief in schneidenden Widerspruch zu den 
Angaben der bisher bekannten Quellen, vgl. Röhricht I, 123 ff. Nach 
ihnen vertritt gerade Raimund die Defensive und gewinnt dafür anfangs 
auch den König, während Rainald von Chatillon im Interesse 'der Damen 
von Tiberias' für die Offensive ist. Erst in der folgenden Nacht gelingt 
es dem Templergrossmeister, den König umzustimmen. — An sich liegt 
es jedenfalls nahe, dass Raimund und seine Söhne für den Entsatz von 
Tiberias eintraten, aber andrerseits kann gerade die Natürlichkeit dieser 
Folgerung jene Angabe in einem zum Theil auf Gerücht beruhenden 
ersten Bericht veranlasst haben. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 279 

versus Tabariam per dietam unam. Deinde comes \ diix 
et previus itineris, totum exercitum conduxit in eminentem 
et saxosum locum. Ibi vero imminentibus hostibns nndiqiie 
necessitate compulsus rex de baronum consilio bellum com- 
mittere dignum duxit et ad eorum instantiam magistro et 
militibus templi primos ictus concessit, dispositis per acies 
suo ordine ceteris militibus ad pugnam et comiti Tripo- 
litano ceterisque capitibus bellatorum vexillis traditis. Itaque 
militia templi sicut leo fortis in hostes concurrens partem 
stravit, partem fug-avit. Ceteri vero regio spreto mandato 
non processerunt ad pugnam nee ullum eis prestavere 
suceursum-. Unde milites temj^li retenti et trucidati sunt. 
Postmodum vero cbristianorum exercitum laborioso itinere 
confectum et nimio caloris estu pregravatum aqua omnino 
defitiente Parthi igne circumdederuut. Tunc sex ex 
militibus regis: Balduinus de Fotina, Eaulfus Bructus et 
Laudoicus de Tabaria"^ cum aliis tribus sotiis diabolico 
spiritu arrepti ad Saladinum confugerunt et sponte Sarra- 
ceni facti de omni esse et proposito atque continentiis 
cliristianorum instruxerunt^. Saladinus vero, qui de dis- 
crimine belli anxius dubitabat, resumpsit vires et cum 
tubis et infinita multitudine bellatorum in christianos, 
qui propter^ loca saxosa et invia pugnare non poterant, 
assultum fecerunt et eos omni bellandi genere impugnavit 
et expugnavit. Tandem Tochedinus, Saladiui nepos, regem 
fugam arripientem et crucem Dominici ligni cepit. Ceteri 
omnes fere confracti, capti, trucidati et vinculis mancipati 
sunt ab ipsis Parthis, campo omnino proh dolor! superato. 
Statim*' Saladinus militie templi et hospitalis milites se- 
gregari fecit ab aliis et coram se decapitari, ipse propria^ 
manu principem Rainaldum de Castellione interf ecit ''. Dein- 
de civitatem Accon cepit'' et adiacentia loca^*^ et munitiones 
fere omnes de partibus illis^^ Sirii, qui lerosolimis re- 
manserant, sicut ferebatur, nuntios de reddenda civitate 
Saladino mittebant ^-. In Tiro omnes, qui de Accon con- 



1) Raimund von Tripolis; dass er das Heei- geführt hat, ist sonst 
nicht überliefert. 2) Die Darstellung dieses ersten Schlachttages vom 

4. Juli weicht erheblich ab von der nach andern Quellen gegebenen 
Schilderung bei Röhricht, Beitr. I, 125. Dass aber die Templer vorgehen 
und von den ändern Truppen im Stich gelassen werden, liest man auch 
in dem Briefe an Archumbald fSS. XVII, 508). 3) Die Namen dieser 
Verräther scheinen hier genauer wiedergegeben zu sein als SS. XVII, 508. 
4) 'Saladinum' ist zu ergänzen. 5) 'prope' Hs. 6) Nach Röhricht, 

Beitr. I, 129 am 7. Juli. 7) Es folgt ein getilgtes 'ma' am Rande. 

8) Vgl. Röhricht I, 115. 128; danach schon am 5. Juli. 9) Am 9. Juli. 
10) 'loco' Hs. 11) Vgl. Röhricht I, 130. 131. 12) Vielleicht dieselbe 



280 Karl Hampe. 

fugerant et multitudo profugorum christianorum se recepit ^ 
Ascolona victiialibus et bellatoribus est bene garnita- et 
Antiochia et Margatus cum tota f ere terra priucipis "^ 
Terra Tripolitani comitis adbue salva erat. 

Super hiis itaque tarn gravissimis et inopinatis malis, 
que peccatis exigentibus iusto Dei iuditio emerserunt, 
clementissime pater, tanquam summus pontifex, Christi 
viearius, pius papa et dominus super Dominicum gregem 
vobis commissum sancta cogitatione, deliberatione pruden- 
tissima providete, operis effieatia magnanimiter procedite. 
Convenite gentes, coadunate populos et ad recuperanda 
sancta sanctorum et ad recuperandam terram illam sanc- 
tissimam, ubi steterunt pedes Domini, ubi radiant officine 
redemptionis nostre et Christiane fidei sacramenta, cor 
innumeris"^ date. Non enim obliviscetur misereri Deus, 
qui in ira continet misericordias suas^, quia prope est Do- 
minus invocantibus eum in veritate ''. 

Nos sane, licet de possessionibus multa sanguinis 
effusione maiorum nostrorum partis per novos dominos, 
qui nee Deum timere videbantur nee homines revereri \ 
in partibus illis iniuriam patiamur, nee ullam adhuc inde 
potuerimus*^ consequi rationem'*, sicut ad sanctitatis vestre 
notitiam pervenisse non dubitamus, mandatis vestris tam- 
quam patris et domini nulla ratione deerimus. 

TIL Zwei ungedruckte Briefe Adolfs vou Nassau und 
ein Glückwunschschreiben Eduards I. von England an 
Rudolf V. Hahsburg nach der Schlacht auf d. Marchfelde. 

Ueber den Inhalt des Cod. Oxon. Bodl. 816 (früher 
2686) hat Pertz im Arch. VII, 964 kurze Notizen gegeben 
und zwei ungedruckte Briefe Adolfs von Nassau daraus 



Sendung, von der SS. XVII, 508 berichtet wird: 'miserunt Salianos ad 
Saladinum, ut iret ad lerusalem et redderent civitatem'. 1) Da von 

der Belagerung von Tyrus, die kurz nach der Einnahme von Bairüt 
(6. Aug.) begann, und die in den beiden bekannten Briefen (Röhricht, 
Reg. n. 660 und 661) bereits erwähnt wird, noch nichts gesagt ist, so ist 
der berichterstattende Genueser Kaufmann jedenfalls vor diesem Zeitpunkt 
und vor den Ueberbriugern der beiden andern Briefe von Syrien auf- 
gebrochen. 2) Ascalon ergab sich erst am l. Sept. 3) Des Fürsten 
von Antiochien. 4) So vielleicht zu verbessern aus 'in humer' Hs. ; 

'cor dare alicui' ist ein geläufiger biblischer Ausdruck. 5) Ps. 76, 10. 

6) Ps. 144, 18. 7) Vgl. Luc. 18, 4. 8) 'poterimus' Hs. 9) Ueber 

die Benachtheiligung der Grenuesen durch die späteren Könige von 
.Jerusalem vgl. die Angaben, die Heyd, Gleschichte des Levantehandels I 
(Stuttg. 1879), 164 ff. zusammengestellt hat. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 281 

abgeschrieben. Das war mir noch nicht bekannt, als ich 
in Oxford diesen Cod. durchsah und von denselben Briefen 
Abschrift nahm; da sie noch nicht veröffentlicht sind, so 
wird es angezeigt sein, sie der Forschung nicht länger 
vorzuenthalten. Ein nachträglicher Vergleich meiner Ab- 
schrift mit der von Pertz gab zu Zweifeln keinen Anlass. 
Zugleich drucke ich aus demselben Cod. ein nach der 
Schlacht auf dem Marchfelde an Rudolf von Habsburg 
gesandtes Glückwunschschreiben Eduards I., von dem Pertz 
nur den Anfang notiert hat, und bringe über den sonstigen 
Inhalt der Hs. etwas genauere Angaben. 

Der Cod. ist ein schmaler Quartband s. XIV. 2 Vor- 
blätter mit Neumen gehen voraus, auf dem zweiten steht 
von moderner Hd. (s. XVII. ?) : Summa Petri de Vineis. 
Ms. Med. 87. Auf dem folgenden Blatt beginnt diese 
Sammlung, über deren Abweichungen von der Edition 
Pertz Arch. VII, 961 bereits berichtet hat. Nach ihrem 
Schluss folgt f. 197 noch ein Stück s. XIV: 'Eex mangus (!) 
Artarcherchis (!) — reddente quod meruit', dann noch 
einige Blätter mit Neumen wie im Anfang. 

Von den zwischen Buch III und IV des Petrus de 
Vineis eingeschobenen Briefen (f. 118' — 145) führe ich, 
soweit sie von rein englischem Interesse sind, nur einzelne 
Stücke an, um eine Vorstellung von der übrigens ohne 
jedes Princip zusammengefügten Sammlung zu geben. 

f. 118'. Clementi — pontifici Edwardus — rex Anglie. 
Pensata sedis aj)Ostolice dementia — conservet vos Al- 
tissimus. Amen. Nur dies Stück ist noch von derselben 
Hand geschrieben wie Buch I — III des Petrus de Vineis. 
Nachdem dann 2 Blätter freigelassen sind, fährt eine 
andre Hand des 14. Jh., die auch von derjenigen, welche 
hinten Buch IV — VI geschrieben hat, verschieden ist, fort: 

f. 121. Magistro lohanni de Luterel cancellario Oxo- 
niensi — Stephanus de Eet. etc. und andre Briefe, 
darunter: Bonifaz VIII. an Eduard I. vom 27, Juni 1299 
(Potth. 24848). 

f. 128'. Confederaciones inter reges Anglie et Al- 
mannie facte = Rymer Eoedera I, 2, 812 vom 22. Oct. 1294, 
neben der besseren, von mir für die Constitutiones ver- 
glichenen ü eberlief erung im Londoner Record Office 
(Almain Roll 22 — 31 Edw. I, 1 m. 19) nur von geringem 
Werth K 

f. 131'. Litera regis Almanie directa regi Anglie und 



1) Auch im Londoner Cod. Lambeth. 419 s. XIV.' f. 107' überliefert. 



282 Karl Hampe. 

f. 132 Idem Willelmo^ episcopo Conventrensi tesaurizario, 
zwei nng-edrnckte Briefe Adolfs von Nassau vom Mai 1297, 
siehe unten n. I und II. 

Es folgt u. a. ein Brief Eduards II. an Papst Clemens V. 
pro archiepiscopo Cantuariensi a. 1307 (Rjmer II, 1, 23 
vom 16. Dec. 1307?), die Citatio Philipps des Schönen von 
Frankreich an Eduard I. von England (Rjmer I, 2, 793 dat. 
Parisiis 1293). 

f. 139' die kurze Kriegserklärung Adolfs von Nassau 
an Philipp den Schönen vom 31. Aug. 1294 (Böhmer, Reg. 
Adolfi 213). 

f. 140. Karolo regi — lerusalem Petrus — Aragonum 
rex etc. 'Cum venissemus ad partes — proponit'. 

Karolus filius regis Francie — Petro solo nomine 
Arragonum et Cecilie regi dicto. 'Si nomen tibi' etc. 

f. 141'. Eduard I. an Rudolf von Habsburg, siehe 
unten n. III. 

f. 142' — 144' folgen unbedeutendere auf England 
bezügliche Formeln, z. B.: 'Karissimo consanguineo suo 
Willelmo priori P. de B. salutem. Ea est lex amicicie' 
etc.; 'conventus Cantuariensis' wird erwähnt. 

I. Adolf von Nassau, römischer König, 
bittet Eduard I. von England vor Eröffnung 
des Krieges gegen Frankreich um eine per- 
sönliche Zusammenkunft in Holland und schlägt 
ihm für den Fall seiner Wie der Vermählung eine 
passende Gemahlin vor. Köln, Mitte Mai 1297^. 

Magnifico principi domino E[dwardo] regi Anglie, 
amico suo karissimo, Adolphus Dei gratia Romanorum rex 
semper augustus salutem et sincere dilectionis continuum 
incrementum ■^. 

Alias vobis scripsimus^ et per nuncios nostros peti- 
vimus intimari, — nescimus tarnen, si ad aures vestras 
fuerit id dilatum, — quod communi conceptui-^ nostro ad- 
modum utile videretur, quod conveniremus '^ nobis ad in- 
vicem pro nostris negociis ^ hinc inde deliberacione provida 



1) So fälschlich aufgelöst statt TValtero. 2) Der wesentliche 

Inhalt dieses Briefes ist bereits bekannt aus der Antwort Eduards I. vom 
4. .luni 1297 (ßymer I, 2, 866). Kurz zuvor, Pfingsten 2. .luni, hat er 
Adolfs Schreiben, das sich mit dem seinigen vom 17. Mai (Rymer I, 2, 865) 
gekreuzt hatte, erhalten ; dasselbe wird also etwa Mitte Mai abgeschickt 
sein. In Köln ist Adolf vom 11. Mai bis zum 17. Juni 1297 nachzuweisen 
(Winkelmann, Acta imp. II, 172. 175). 3) 'increntum' Hs. 4) Dies 

voraufgehende ähnliche Schreiben ist nicht erhalten. 5) Corr. aus 

'acceptui' Hs. 6) 'convenire»' Hs. 7) 'negocis' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 283 

pertractandis. Et quia contra regem Francie^ marnim 
apponere non possemns- cum connivencia nee debemus, 
antequam mutuo colloquamur, nee expediaf^ honori vel 
utilitati utriusque nostrum predestinatum animi nostri pro- 
positum contra eum ulterius protelari, quin pocius factum 
ag-gredi, ut res desideret- et temporis expostulet^ aptitudo, 
excellenciam vestram requirimus et bortamur, [quatinus] ^ ad 
comitatum Hoylandie, ad quem securus vobis patet accessus, 
vestram presenciam quamtocius conferatis, ut ibidem in 
terra ^ spectabilis viri '' generi vestri et consanguinei nostri \ 
qui re vera locus ad id magis aptus habetur, possimus 
mutuo'' nostra negocia pertractare, nobisque per celerem 
nuncium voluntatem vestram intimetis et quando vobis 
occurrere debeamus, paratis id exequi iuxta votum. Et 
licet expedicio festina negocii persuadeat, ut statim sine 
armis personaliter veniatis, expedit tamen, ut a tergo cum 
vestra milicia et aliis necessariis contiuuo taliter vos paretis, 
ut in execucione deliberandorum mutuo mora lougior non 
queratur. Nam pro parte nostra invenietis nos sie aecinc- 
tos, quod'' dilaciouem aliquam non erit necessarium inter- 
poni. Speramus etenim, quod favente nobis dextera divine 
virtutis, dummodo viriliter aggrediamur negocium, potiri 
debeamus beatitudine successuum votivorum, negoeiis, cir- 
cumstanciis undique perlustratis. 

Ceterum ad nostram^*^ pervenit noticiam, et sub forma 
scinceritatis et amieieie, qua vobis astringimur, consiliatoris 
partes assumimus, in hoc casu fideliter consulentes, cum 
rei veritas se sie habeat, quod unicum habeatis filium^^ vobis 
in regno et aliis vestris principatibus successorem, fidelitatis 
ordine observato, quatinus ad nupeias eongruentes excel- 
lencie vestre statui eonvolare euretis propter regni et tocius 
Status vestri dominii fulcimentum. Nam si, quod Dens 
avertat, vos absque berede regni decedere contingeret ab 
hac luce, tocius christianitatis res pupliea^"^ sibi exinde sen- 
tiret irremediabilis dispendii periculum imminere. Quodsi 
adquieseere deereveritis nostris consiliis in premissis, nobis ^-^ 
id intimare euretis applicaturis ad hoc opem et operam 
efficaees, ut talis^* vobis regni socia copuletur, quam nobi- 
litate generis et excelleneia sanguinis generosi, virtutum 



1) Philipp den Schönen. 2) So Hs. 3) 'expostilet' Hs. 

4) Fehlt Hs. 5) 'in terra' von derselben Hd. am Rande zugefügt. 

6) Johanns I. von Holland. 7) 'vestri' Hs. 8) Corr. aus 'mutua' Hs. 
9) 'quo' Hs. 10) 'vestram' Hs. 11) Eduard H. 12) So Hs. 

13) Doppelt geschrieben Hs. 14) 'tales' Hs. 



284 Karl Hampe. 

et morum prestancia proposito vestro speramus fore con- 
formem ^, et per cuius assumpcionem predicabimini vere 
mulieris optime vir beatus-. 

Petimus etiam, ut super premissis et aliis vobis ex 
parte nostra plenius ^ refereiidis exhibitori presencium creda- 
tis plenarie tamquam nobis. 

Datum Colonie .... 

II. Adolf von Nassau, römischer König, 
theilt den Bevoll mäcbtigten Eduardsl: W[ alter], 
Bischof vonConventrj undLichfield undJohann 
von B[erwick] mit, er müsse vor der Eröffnung 
des Krieges gegen Frankreich mit Johann von 
C[hälons], E[berhard] von Mark und Heinrich 
von Blamont oder wenigstens mit zweien von 
ihnen Rücksprache halten; dazu möchten sie 
ihm behülflich sein, ihm auch den Tag der Ein- 
schiffung des Königs von England unverzüglich 
melden. Köln, (11. Mai— 17. Juni)^ 1297. 

Adolphus Dei gratia Romanorum rex semper augustus 
venerabili W[altero] Conventrensi et Lichfeldensi episcopo 
ac lohanni de B[erew7k]^ salutem cum affectu dilectionis 
sincere. 

Paulo ante nostrarum vobis episcopo depromisit series 
literarum'' et scire vos cupimus iterato, quod ad hoc tota 
nostra fervet intencio, aspirat affectus et omnimode mo- 
lumenta diriguntur, quod cum aquilis nostris victricibus 



1) Vgl. die Antwort Eduards I. : 'E endroit du mariage de nous, 
dont vous nous avez escritz, vous feisoms a savoir, que, quant nous 
parleroms a vous, nous vous bioms dii-e sur ce nostre volunte plus 
pleinemeut, que nous ne vous porriens ore mander par lettre'. Er wird 
auf Adolfs Vorschläge kaum näher eingegangen sein. Nach dem Frieden 
von 1298 heirathete er Margaretha , Philipps des Schönen Schvi^ester. 
Leroux, Relations politiques de la France avec l'Allemagne II, 87 fasst 
die Stelle aus der Antwort Eduards falsch auf, wenn er von einem Vor- 
schlag Adolfs spricht 'de conclui'e mariage entre leurs enfants'. 2) Eccli. 
26, 1. 3) So oder ähnlich wird zu lesen sein statt des verderbten 

'tulimus' in der Hs. 4) Um diese Zeit ist Adolf in Köln nachzuweisen, 
vgl. oben S. 282 N. 2. Vermuthlich fällt das Schreiben noch in den Mai, 
vgl. unten S. 285 N. 5. 5) Canonicus von York, am 7. Febr. 1297 

(Rymer I, 2, 859) Decan von Wimborne genannt. Er und Walter von 
Coventry gehörten zu den Bevollmächtigten Eduards I., die auf dem 
Continent Bündnisse zu schliessen und die sonstigen Verhandlungen zu 
führen hatten. Vgl. die Vollmachten vom 21. Nov. 1296, 6. 7. und 
12. Febr. 1297 (Rymer 1,2,848. 857. 860); vgl. auch Bergengrün, Die 
polit. Beziehungen Deutschlands zu Frankreich während der Regierung 
Adolfs von Nassau (Strassburg 1884) S. 65. 66. Sie scheinen Adolf 
wiederholt zur Beschleunigung seines Vormarsches nach Flandern gedrängt 
zu haben. 6) Dieser Brief Adolfs ist nicht erhalten. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 285 

ad terrorem rebellium et consolacionem amicorum et no- 
strorum fidelium contra regem Francie ad elacionis ipsius 
cornua nostre potencie conterenda felicibus auspiciis in 
fortitudine regalis brachii magnifice proeedamus. Verum 
cum ante arrepcionem itineris nostri prog-ressis nobilibus 
viris lohanni de C.\ E'-fberhardo] de Marcbia comitibus et 
Henrico de Blanchemonte ^, vel saltem dnobus ex ipsis 
loqui necessario habeamus, vos ad hoc operam applicetis, 
ut duo ex ipsis nobilibus viris ad nos veniant indilate. 
Nam cum ipsis assistente dextera regis regnm taliter 
negocium nostrum disponemus, quod continuatis processibus 
ad partes Flandrie contra hostium agmina* veniemus. 

Ceterum diem et horam transfretacionis regis Anglie 
nobis continuo rescribatis^ 

Datum ut supra. 

III. Eduard I. von England beglückwünscht 
Rudolf von Habsburg zu seinem Siege über 
Ottokar von Böhmen, erbittet weitere Nach- 
richten und meldet sein und der Seinigen Wohl- 
befinden. Etwa Oct. 1278. 

Serenissimo principi domino E,[udolfo] Dei gratia regi 
Eomanorum semper augusto Efdwardus] eadem gratia rex 
Anglie salutem et felices ad vota successus. 

Victoria, quam ad rebellionis vobis adversantium 
depressionem magnificencie vestre manus Altissimi divinitus 
est largita, et regni vestri status, qui disponente Domino 
prosperatur, sicut didicimus fide digne, cordi nostro leticiam 
contulit in inmensum. Et quia peroptamus de persona 
vestra et hiis, que vos^ tangunt, scire et audire prospera 
et iocunda, serenitatem vestram amicabiliter deprecamur, 
quatinus nobis statum vestrum una cum vestre voluntatis 
libito velitis crebro per vestras literas nunciare. 

Ceterum quia de nobis audire prospera vobis credimus 
complacere, maiestas vestra noverit reverenda, quod nos 



1) Johann von Chälons ist wohl gemeint, der im Frühjahr 1296 
von Adolf als Vicar nach Tuscien geschickt, seitdem aber zurückgekehrt 
und im Febr. 1297 mit andern burgundischen Herren in Koblenz vor 
Adolf erschienen wai*, um ihm für den Krieg mit Frankreich ihre Unter- 
stützung zuzusichern. Vgl. ßergengrün S. 72, Roth, Adolf von Nassau 
(Wiesbaden 1879) S. 265. 2) E ist nicht ganz deutlich. 3) Vgl. 

Böhmer, Reg. Adolfi 349; im Juni 1297, als der Krieg begann, stand er 
bei Furnes, vgl. Bergengrün S. 73. 4) 'agmna' Hs. 5) In den beiden 
Schreiben an Adolf vom 17. Mai und 4. Juni theilt Eduard I. das 
voraussichtliche Datum seines Auflaruches mit. Der vorliegende Brief 
scheint daher geschrieben zu sein, ehe der König eines derselben erhalten 
hatte. 6) 'vobis' Hs. 



286 Karl Hampe. 

et consors nostra^ liberique iiostri, benedictus Altissimus, 
sani sumus^. 



1) Eleonore. 2) Hier folgt : 'Datum apud Parisius et cetera', 

augenscheinlich ein ganz willkürlicher Zusatz, der wohl aus einem der 
vorhergehenden Briefe herübergenommen ist. Dass er aber geeignet 
wäre, gegen die Echtheit des vorliegenden Schreibens Verdacht zu erwecken, 
meine ich doch nicht ; einige wörtliche Uebereinstimmungen mit dem 
Schreiben Eduards I. an Bischof Gerhard von Verdun vom 8. Nov. 1278 
(Rymer I, 2, 563) sprechen vielmehr unbedingt für die Echtheit. Dies 
Schreiben hat Rymer nach der Aufzeichnung im Londoner Record Office, 
Royal letters 1118 gedruckt. Ein stark abweichender erster Entwurf 
desselben Briefes findet sich ebenda, Royal letters 1641. Wir erfahren 
daraus, dass der Bischof von Verdun dem König gerathen hat, sogleich 
ein Glückwunschschreilien an Rudolf zu senden und sich durch Boten 
nähere Auskunft zu erbitten. Eduard aber war bereits durch anderweitige 
Nachrichten so genau über die Vorgänge unterrichtet, dass er die Ab- 
sendung besonderer Boten zu diesem Zwecke im Augenblick nicht für 
nöthig hielt. Die Stelle lautet in dem ungedruckten Entwurf klarer, als 
im Original: 'Ceterum super eo, quod nobis de mittendo nuncios nostros 
ad predictum regem ad partes Boemie et de scribendo prefato regi de 
huiusmodi victorie leticia, quam in animo gerebamus, et ut de statu 
eiusdem regis certioraremur, vestra consuluit patemitas reverenda, scire 
vos volumus, quod in recepcione dictarum litterarum vestrarum adeo de 
victoria illa tocius populi rumor et clamor invaluit, quod tunc necessarium 
non censuimus nuncios ad partes illas ex hac causa destinare'. Bei der 
nächsten sich bietenden Gelegenheit wird Eduard aber trotzdem seine 
Glückwünsche nächgeholt haben, und zwar durch das oben mitgetheilte 
Schreiben. Dabei wurden zum Theil dieselben Ausdrücke angewandt, 
wie in dem Briefe vom 8. Nov., und da dieser weiteren Kreisen gar nicht 
bekannt geworden sein wird , seine Benutzung durch einen Stilisten 
also ganz unwahrscheinlich ist, so ist jenes Glückwunschschreiben, 
das etwa in die zweite Hälfte des November fallen mag, sicher echt. 
Man vergleiche seinen Anfang mit dem des Briefes vom 8. Nov., der so 
lautet: 'Ex victoria quam illustri regi Romanorum de suis adver- 
santibus — manus Altissimi divinitus est largita, nobis 
nova quaedam crevit iocunditatis materia. 



V. 



Miscellen. 



Eine Aufzeichnung aus Lorsch. 

Mitgetheüt von Ernst Diiminler. 

Istam iiotationem stipendiarum ^ domnus B. abbas 
iussit uotari seciindum antiquam constitutionem seniorum 
precedentium G. scilicet et S. 

Huch comes X libras , et diios eqiios onustos cum 
vino , et duos cum f arina , et dnas falces messarias , et 

II fuues , et XV porcos et totidem oves. Adah'adus 
Villi libras, II equos cum farina, I cum vino, I falcem, 
I fuuem, X porcos et X oves. Sigebodo VI libras, II equos 
cum '^ vino, I cum farina, I falcem, I funem, V porcos, 

V oves. Werinherius VI libras, I equum cum vino, I cum 
farina, I falcem, I funem, V porcos, V oves. ßertilo V libras, 
I equum cum farina, I falcem, I funem, IUI porcos, 
IUI oves. Gerlach IUI libras, I equum cum'' vino, 
I falcem , I funem , III porcos , III oves. Iremberdus 

V libras . I equum cum vino , I cum farina , I falcem, 
I funem . IUI porcos , IUI oves. Tliimo IUI libras, 

III porcos, III oves. Thimo filius ßuotheri^ I libram. 
Heberher ■' III libras et III porcos. Engilardus IUI libras. 
Werinherius I libram. Dragebodo IUI libras. Altwin 
I libram. 

Vorstehende Aufzeichnung findet sich unter den 
Palatini der Vaticana n. 284 aus dem 9. bis 10. Jh., dessen 
Hauptinhalt Beda in Proverbia Salomonis bildet (vgl. 
Codices Palatini von Stevenson II, 2, 72). Auf der ersten 
leer gebliebenen Seite in 12 Zeilen von einer Hand des 
11. Jh. eingetragen, wurde sie für mich von Hr. Dr. 
Jul. Koch abgeschrieben. Da die Hs. gleich vielen andern 



1) So in der Hs. 2) Hier ist 'farina' getilgt. 3) 'far.' getilgt. 
Ruoth' Hs. 5) 'Heberir Hs. 

Neues Archiv eto. XXII. \^ 



290 Ernst Dümniler. 

der Palatina ohne Zweifel aus dem Kloster Lorsch stammt, 
so werden wir bei dem Abte B. am füglichsten an Bobbo 
(1005 — 1018) denken dürfen, bei den vorangehenden Aebten 
G und S dagegen an Gerbodo (951 — 972) und Saleman 
(972 — 998), die unmittelbar auf einander folgend von Bobbo 
allerdings durch 3 kurz regierende Aebte getrennt waren. 
Ein Graf Hugo findet sich in dem älteren Todtenbuche 
von Lorsch zum 24. December (Böhmer, Fontes III, 152), 
die übrigen Personen kenne ich nicht ^. 



^) [Werinherius Laureshamensis miles wird St. 1559 vom Jahre 1012 
erwähnt, vgl. oben S. 186 X. 2. H. B.] 



Zur Geschichte des Klosters St. Airy zu Verdun. 

Von Ludwig Schmidt. 

Die nachstehenden von einer Hand des ausgehenden 
elften Jh. herrührenden, vortrefflich erhaltenen Notizen 
über Erwerbungen des Benedictinerklosters St. Airy zu 
Verdun ^ fand ich auf der Innenseite eines Pergament- 
blattes in gr.-foL, v^elches als Umschlag eines gedruckte 
Predigten enthaltenden Miscellanbandes der vormaligen 
Oelser Schlossbibliothek (jetzt in der Königl. öffentlichen 
Bibliothek zu Dresden, Mscr. R. 52 "\ z^') diente. Auf der 
anderen Seite desselben steht der Anfang einer Schrift des 
heiligen Augustinus , wie die theilweise undeutliche , in 
bunten Buchstaben ausgeführte Ueberschrift anzudeuten 
scheint, in Schriftzügen aus ungefähr derselben Zeit und 
mit Malereien versehen. Ohne Zweifel haben wir also hier 
das erste Blatt einer einst jenem Kloster zugehörenden 
Handschrift vor uns, deren erste, ursprünglich freigelassene 
Seite für jene Aufzeichnungen benutzt wurde. Diese 
selbst sind, wie das Alter der Schrift ergiebt, ziemlich 
gleichzeitige und daher nicht ohne Werth; einige Er- 
läuterungen dazu habe ich, soweit dies mit Hülfe der mir 
theilweise unzugänglichen gedruckten Litteratur möglich 
war, in den Noten zu geben versucht. 

Henricus dei gratia Leodicensis episcopus- sed antea 
Virdunensis archidiaconus inter alia quam plura pietatis 
su§ beneficia apud comitissam Ermentrudem -^ impetravit, 

1) Ueber dieses Kloster vergl. Crallia Christiana XIII (Paris 1874) 
Sp. 1303 ft'. Roussel, Hist. eccl. et civile de Verdun (Bar -le- Duo 
l.S()3 — 1864) I, 105. 119. Clouet , Hist. de Verdun 11, 48 f. 348. 
•2) Heinricli I., Bischof von Lüttich lÜ7(i — 1091. 3) Ermentrudis, 

Witwe des Grafen Gozelo von Rocliefort (f 1064), erscheint mit ihren 
S'ihnen Cuno, Rudolf, Gundo, Johann und Heinrich (die Klosterchronik 
von ■ St. Hubert INI. G. SS. VIII, r)78 nennt Gundo und .Johann nicht, 
dafür "Wido) in einer .Schenkungsurkunde von 1064 für das Kloster 
St. Hubert bei Bertholet, Hist. de Luxembourg JII, preuves p. XXIX. 
Vergl. auch Jeantin, Hist. du comte de Chiny I, 374 ff. 

19* 



292 Ludwig Schmidt. 

ut allodium cum mancipiis, quod habuit in villa Liuns \ 
Sancto Agerico traderet. Quam traditionem non solum 
mater sed et filius eius comes Cono annuentibus etiam 
c^teris fratribus suis, Rodvlfo scilicet et Widone, legitime 
f^cit ipso domno Henrieo episcopo cum comite eiusdem 
Hominis Henrieo de Durboio- et Godescalco de Ciniaco'^ 
astante. Eodem tempore etiam vineas quasdam apud Nou- 
uereit^ nobis in vadimonium adquisivit dato concambio 
ecclesi^ sancti Bartholomei ^ iuxta petitionem fratrum ipsi 
ecclesie deser gentium. Similiter quoque predictns comes 
Henricus dimidium mansum cum familia in villa cui voca- 
bulum Orio^ huic loco dedit, et reliquam partem Berta 
quondam advocatissa cum totidem mancipiis non multo 
post pro sua suorumque salute adiecit. In Asperomonte *' 
et Luseio ' Theodericus miles quartam partem unius mansi 
cum familia, que sibi cecidit, nobis tradidit. 



1) Wohl Lion-devant-Dun, vergl. Roussel a. a. 0. II. pr. pag. CXLII. 
2) Durbuy. Heinrich erscheint in der Klosterchronik von St. Hubert (SS. 
VIII, 610. 618) um 1095. 3) Ciney (vergl. Jeantin a. a. 0. I, 357). 

G-odescalc finde ich urkundlich 1055 und 1064 erwähnt (Bertholet a. a. 0. 
und p. XXIV). 4) Mir unbekannt. 5) Collegiatkirche zu St. Bartho- 

lomäus in Lüttich. 6) Apremont. 7) Luzy (?), vergl. Roussel II pr. 
p. CXLIV. 



Ein päpstliches Schreiben gegen Kaiser Otto IV. 

von 1210, October 30, Lateran. 
Mitgetheilt von Berthold Bretholz. 

Die schon melirfach erwähnte Chronik des Nieohius 
von Böhmen aus der Mitte des 15. Jh.^ — eine Compilation 
ans verschiedenen bekannten Quellen zwar, aber interessant 
durch die Reichhaltig'keit der benutzten Vorlagen und 
wichtig wegen mancherlei selbständiger Hinzufügnngen — 
enthält zum Jahre 1211 mit wenigen Abweichungen- den 
Bericht des Chronicon Urspergense (Mon. Germ. SS. 
XXIII, 374) über die letzten Verhandlungen P. Innocenz' III. 
mit dem excommunicierten Kaiser Otto IV. zu Beginn des 
Jahres 1211 durch die Vermittlung des Abtes von Mori- 
rnund*'. Die Chronik fährt sodann fort: 'Hanc formam 
comj)Osicionis . . . . , dominus pajja . . . tria ardua negocia 
simul explere voluit et disposuit, que in una extra- 
vag a n t i patent, que i n c i p i t : Q u o n i a m m a i o r etc. 
Et primo laboravit suj)er deposicione Ottonis imperatoris, 
q u i a f u i t r e b e 1 1 i s , quod f nit ardunm negotium . Se- 
cundo transmisit litteras per christianitatem j^ro succursu 
terre sancte. Tercio pro adunando generali concilio 
litteras per orbem transmisit. Ipsarum exemplaria hie 
ponemus'. 

Es folgt nun aber nicht, wie im Chron. Ursperg., 
Innocenz' Aufruf an die Christenheit zur Theilnahme am 
Kreuzzug und seine Einladung zum Besuch des lateranen- 
sischen Concils (beide 1213, April 19), sondern lediglich 
folgender Brief: 



1) Vgl. Archiv der Gesellschaft 1". ä. d. G. X, 688; B. Dudik, 
Mährens Geschichtsquellen I, 418 ff., Loserth in Mitth. des Vereins für 
Gesch. d. Deutschen in Böhmen, Jhg. 16, S. 162, wo bloss die schon von 
Dudik, S. 419. 422 gedruckte Einleitung wiederholt wird. 2) Dem 

Sinne entsprechend heisst es natürlich in unserer Chronik : Eo tempore 
ad curiam Roraanam venit vir religiosus abbas de Morimunt, qui . . . 
8) Vgl. "Winkelmann, Philipp v. Schwaben und Otto IV. v. Braunschweig 
II, 258. 



2 94 ßerthold Bretholz. 

Innocencius III. Moguntinensi et Magdeburgensi ar- 
chiepiscopis et episcopo Bambergensi necnon karissimo in 
Christo filio illustri reg'i Boemie ac dilectis filiis lantg-ravio 
Thnringie et duci Meranie. — Nuncciis et literis vestris 
ea qua decuit benigiiitate susceptis vestroque intellecto 
processu licet semiplane descripto, gayisi sumus in domino 
et in potencia virtutis ipsius discrecionem ac devocioneni 
vestram niultipliciter commendantes, quod ad conterendum 
draconem, quem dominus ad illndendum illi formavit, in- 
hiantem vos ac alios devorare inmaniter, incejjistis magna- 
nimiter operari, prosternendo tjrannum tam ecclesie quam 
imperio pestilentem. Ne igitur accidat^, ut resurgat, nobis 
et vobis et aliis principibus tam ecclesiasticis quam 
mundanis est summopere providendum, ut nee fraudibus 
possit seducere nee viribus prevalere, quia novissima eins 
forent deteriora prioribus, nee iara draconis tantum ne- 
quiciam sed leonis eciani seviciam exerceret, nicliil penitus 
inconcussum relinquens, quia nee rebus parceret nee per- 
sonis, simul in unum spiritualia et corporalia confundendo. 
Quia vero nemo mittens manum ad aratrum et respiciens 
retro aptus est regno dei, neque qui ceperit sed qui per 
severavit a domino commeudantur, quamvis potissima pars 
huius negocii principium quidem extitit, cuius si medium 
bonuni fuerit, optimus utique finis erit, prudenciam vestram 
rogandam duximus et monenda[m], per apostolica scripta 
vobis mandantes , quatenus in incepto proposito sagaci 
consilio et efficaci studio procedatis, nicbil de contingentibus 
omittentes, sed ad consummacionem ipsius opes inpendatis 
et oj)eras curis " et viribus innittentes, in domino principaliter 
confidendo, qui conteret satban sub pedibus vestris dabitque 
vobis de tyranno triumpbum, qui nitebatur vos et alios in 
extreniam redigere servitutem. Quantum namque sit huius 
in secida ^ Yülitnrwm. ad conservandum non solum dignitates 
et iura principum , verum eciam et pacem et iusticiam 
populorum, vestra prudencia non ignorat. Quare pro tali 
et tanta re nuUatenus dubitetis per vos et alios quoscumque 
potestis opus honestius laborare, de auxilio et favore nostro 
securi, quoniam in eodem proposito sum[us] persistentes et 
firmiter^ vobis et aliis ad hoc fideliter intendentibus parati 
sumus impendere consilium et auxilium oportunum , nee 

1) Die Hs. liat 'adiciat'. 2) Die Verbesserung 'curis' unsicher, 

doch pfiebt das handschriftliche 'iuris' keinen Sinn. 8) Die Stelle ist 
verderbt, ich vermuthe den Ausfall eines Wortes in der Bedeutung 'Ver- 
sprechen, Zusage' ; der Sinn wäre, 'denn wieviel seine Zusage zu gelten 
hat . . .' 4) Die Hs. hat 'formam'. 



Ein päpstliches Schreiben gegen Kaiser Otto IV. 295 

desistiiniis operari, quecnmque ad hoc negocium promo- 
vendimi agnoscimus expedire , quod magnilice iam cepit 
per dei graciam prosperari. — Datum Laterani, III. kalendas 
novenibris, pontificatus nostri anno XIII. 

Die liier uiitgetheilte Urkunde, ein ijiteressantes 
Beispiel eines in den schärfsten Ausdrücken abg'efassten 
diplomatischen Schriftstückes — Kaiser Otto ist mit Namen 
gar nicht genannt — entbehrt nicht einer gewissen histo- 
rischen Bed.eutung. Denn es ist die einzige sichere Nachricht, 
dass schon in verhältnismässig so früher Zeit, im Herbste 
1210, bevor noch K. Otto IV. den Einbruch in das sicilische 
Königreich vollzogen, bevor noch P. Innocenz III. den 
Bann über den Kaiser ausgesprochen hatte, in Deutschland 
eine starke Opposition gegen den Weifen in Bildung be- 
griffe» war. Je genauer wir über den Beginn und die 
allmähliche Entwicklung des Zerwürfnisses zwischen Kaiser 
und Papst quellenmässig unterrichtet sind\ desto spärlicher 
sind die Nachrichten über das Aufkeimen der Empörung 
gegen Otto in Deutschland. Wir finden zwar in der 
Contin. Admunt. zum J. 1210 die Angabe, dass der Papst 
bei der Verkündigung der Excommunication über den Kaiser 
am 18. November 1210 nicht ohne geheime Zustimmung 
der deutschen Bischöfe gehandelt habe-, allein sie ist so 
unbestimmt, dass Winkelmann noch die Bemerkung macht, 
'wie weit damals' — d. h. als P. Innocenz am 12. November 
1210 den früher abgesetzten Erzbischof von Köln Adolf 
V. Altena zu versöhnen und für seine Pläne zu gewinnen 
suchte — 'die Bemühungen des Papstes bei den Fürsten 
schon gediehen sind, lässt sich nicht erkennen.' (S. 251). 

Man hat auf Grund der bisherigen Nachrichten den 
Abfall von Kaiser Otto IV. in Deutschland in erster Linie 
den Bemühungen des Papstes und des Königs von Frank- 
reich zugeschrieben, indem man darauf hinwies, dass einer- 
seits jener auch nach Deutschland den Befehl erliess, 
Ottos Bannung allgemein zu verkündigen, andererseits 
dieser sich in einem Briefe an den Papst seiner Erfolge 
bei den deutschen Fürsten rühmte''. Allein beide That- 
sachen erweisen sich nach unserer Urkunde bereits als ein 



1) Vgl. Winkelmann S. 230 K 2) Mon. Germ. SS. IX, 592. 

;j) Der undatierte Brief nach Scheffer - Boit-horst in Forscli. zui- Deutsch, 
(ieseh. VIII, 531 vom 1. Fehruar 1211. Hiermit zu vergleichen der vom 
Nov. 1210 datierte Brief K. Phihpps II. an den Landgrafen von Thüringen, 
in welchem er ihm die Erheljung einer seiner Töchter zur Königin von 
Frankreich in Aussicht stellt; ehenda S. 533 und Whikelmann S. 251. 



296 Berthokl Bretholz. 

späteres Stadium, nicht als die eigentliche Veranlassung 
zum Abfall. Wir ersehen vielmehr, dass, wenn auch die 
wahren Gründe der Misstimmung- gegen den Kaiser in 
Deutschland nicht aufgehellt werden, wohl schon im Sep- 
tember 1210 eine kleine Anzahl von Fürsten gegen Otto 
Stellung nehmen; sie entsenden Boten und Briefe an den 
Papst, um diesem ihre Gesinnungen kund zu thun. Die 
vom Paj^ste mit dem Kaiser unter mannigfachen Drohungen 
eingeleiteten letzten Verhandlungen seit Ende September 
1210^, die Correspondenz des Papstes mit dem Könige 
von Frankreich wegen Kaiser Otto zu derselben Zeit- er- 
scheinen in anderem Lichte, wenn man weiss, dass sich 
der Papst eines gewissen Rückhalts bei einigen der mass- 
gebendsten geistlichen und weltlichen Fürsten in Deutsch- 
land bereits sicher bewusst sein konnte. Dies waren nach 
unserer Urkunde die beiden Erzbischöfe von Mainz U2id 
Magdeburg, der Bischof von Bamberg, ferner König Premjsl 
Ottokar von Böhmen, Landgraf Hermann von Thüringen 
und der Herzog Otto von Meran. 

Von Siegfried von Mainz wissen wir aucli sonst, aller- 
dings weit unbestimmter, dass er sich Von Anfang an 
mit unverkennbarem Eifer auf die Seite des Papstes ge- 
stellt.'^ Dass aber auch Albrecht von Magdeburg so früh 
schon eine so hervorragende Eolle unter der Gegnerschaft 
Kaiser Ottos gespielt, dürfte neu sein und umsomehr auf- 
fallen, als er zu der Gefolgschaft des Kaisers auf der 
Romfahrt gehört und mindestens bis in den October des 
Jahres 1209 bei Otto verweilt hatte*. Um so wichtiger 
wird aber nun die Bemerkung der Magdeburger Schöppen- 
chronik, welche die Abreise B. Albrechts aus Italien auf 
einen 'krich twischen den keisere und dem bischojje' zurück- 
führt '', über dessen Ursachen wir aber nichts näheres wissen. 
Dass der Papst sich auch an Ekbert von Bamberg wendet, 
der wegen Verdachts der Theiluahme am Morde Philipps 
geächtet war, aber vom Paj)ste geschützt wurde, beweist, 
dass schon Ende 1210 die vom Papste veranlasste Unter- 
suchung über dessen Schuld, die 1211 mit Ekberts Wieder- 
einsetzung endete, einen für diesen günstigen Verlauf nahm". 

Unter den weltlichen Fürsten ist die Nennung des 
Herzogs von Meran beachtenswerth, nicht nur, weil auch 

1) Vgl. Regesten des Kaiserreichs 1198— 1-272 n. 439 f. 2) Vgl. 
Regesten des Kaiserreichs 1198—1272, n. 6092. 3) Vgl. Winkelmann 

S. 270. 4) Ebenda S. 212 N. 3. 5) Die Chroniken der deutschen 

Städte VII, 134; vgl. hierzu Winkehnann S. 212 N. 3; S. 272. (i) A'gl. 
Winkehnann I, 477 ff., 11, 273. 



Eiu päpstliches Schreiben gegen Kaiser Otto IV. 297 

er ein Theilnehmer an Kaiser Otto's Eomziig- gewesen l^nd 
o-leichtalls , wie der Erzbiscbof von Mag-deburg- erst im 
October 1209 sich vom Kaiser verabscbiedet hatte, sondern 
weil der Herzog' auch Pfalzgraf von Burgund war, und als 
solcher mit Graf Stephan II. von Auxonne und Herzog 
Berthold von Zähringen in Fehde lag; letzterer aber gilt 
als entschiedener Gegner des Weifen^. 

Schliesslich vermag vielleicht unsere Urkunde auch 
beizutragen zur Aufhellung einer zeitlich und inhaltlich 
nicht ganz klaren Stelle in der Chronik von Eeinhardsbrunn. 
Daselbst ist zum J. 1211 die Rede von einer Versammlung 
der Fürsten des Reichs, nämlich des Königs von Böhmen, 
der Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg, des Land- 
grafen [von Thüringen] und des Markgrafen von Meissen 
in einer Stadt der östlichen Provinz, in Naumburg. Hier 
hätten die Verschworenen von den rohen Sitten des Kaisers 
gesprochen, von seinen Beleidigungen gegen kirchliche 
Würdenträger, von seinem Hochmuth u. a., so dass eben 
von diesem Fürstentage der Rückgang seines Glücks zu 
datieren sei. Es wird dann noch hinzugefügt, dass die 
verschworenen Fürsten stillschweigend auseinander gingen 
und ihre Beschlüsse zunächst verborgen hielten, um erst 
in Nürnberg offen gegen Kaiser Otto aufzutreten'-. 

Vor allem möchte ich die Vermuthung aussprechen, 
dass an dieser Stelle irrthümlich statt des Herzogs von 
Meran der Markgraf von Meissen genannt erscheint, dessen 
Theilnahme an einer Verschwörung gegen den Kaiser und 
überdies in Gemeinschaft mit seinem grössten Feind, dem 
Könige von Böhmen, auch Winkelmann als eine fast un- 
verständliche Sache erklärt hat-'. Was aber die Zeit dieses 
geheimen Fürstentages betrifft, so möchte ich sie eben mit 
Hilfe unserer Urkunde bedeutend früher ansetzen, als dies 
Winkelmann thut, der sie im Frühling des J. 1211 ver- 
muthet. 

Thatsächlich wissen wir von drei Versammlungen, die 
die deutsche Opposition in dieser Zeit, 1210 — 1211, ab- 
gehalten hat. Die letzte fand zu Nürnberg im J. 1211 
statt, nach Winkelmann's annähernder Berechnung im 
Monate September ^ Kunde von derselben erhalten wir 



V Vgl Winkelmann S. 269. 280. 2) Diese Stelle (Ann. Rein- 
hardbrunu. ed. F. X. AVegele p. 128, vgl. Cin-on. S. Petri moderna = 
Chron. Sampetrinum ed. Stübel p. 52) findet sich übrigens fast wörtlich 
wiederholt in unserem Nicolaus de ßohemia unmittelbar nach der päpst- 
lichen Urkunde. 3) A. a. 0. S. 272. 4) S. 279. 280 und Erläuterungen 
IX, S. 500. 



298 Berthold Bretholz. 

bloss durch eine thüringische Quelle und durch die 
Magdeburg-er Schöppenchronik ^ Von einer zweiten Ver- 
sammlung-, die zu Bamberg- abgehalten wurde, sj^rechen 
die Kölner Jahrbücher ebenfalls beim J. 1211-. Aus der 
Bemerkung-, dass die Veranlassung zu dieser Zusammen- 
kunft der Fürsten der Befehl des Papstes gewesen sei, 
Kaiser Otto zu verlassen und König Friedrich von Sicilien 
zu erwählen, dürfte wohl zu schliessen sein, dass dieselbe 
nicht allzu lange nach der Verkündigung der p-äpstlichen 
Excommunication erfolgte. Mit Eüeksicht auf das Itinerar 
des Erzbischofs Siegfried, der von December 1210 bis April 
1211 in Mainz urkundet, wäre dieselbe am wahrschein- 
lichsten unmittelbar nach April 1211 anzusetzen 'l Dieser 
Versammlung in Bamberg geht nun noch die bloss in 
der Eeinhardsbrunner Chronik erwähnte Zusammenkunft 
in Naumbure- voran. Da nun unsere Urkunde vom 30. Oc- 
tober 1210 auf eine gemeinsame Berathung der sechs Fürsten 
schliessen lässt, bei welcher die Absendung der Boten und 
Briefe, von welchen P. Innocenz spricht, entschieden wurde, 
so dürfte man kaum irre gehen, wenn man annähme, dass 
sie eben zu Naumburg stattfand, dieser Tag also noch vor 
den 30. October 1210, etwa in den Monat September 1210 
fiele*. Es passt hierzu sehr wohl, dass in der thüringischen 
Quelle die Naumburger Zusammenkunft als eine 'geheime' 
bezeichnet wird, während nach der Excommunication Ottos, 
nach dem November 1210 eine Geheimhaltung keinen 
rechten Zweck und Grund gehabt hätte. 

Von diesen Einzelheiten aber abgesehen, dürfte der 
Haupt werth unserer Urkunde wohl darin liegen, dass sie 
uns beweist, wie die Initiative zum Kampfe gegen K. Otto 
in Deutschland weder vom Papste noch vom französischen 
König ausging, vielmehr die sechs Fürsten, an welche das 
Schreiben gerichtet ist, die Erzbischöfe von Mainz und 
Magdeburg, der Bischof von Bamberg, der König von 
Böhmen, der Landgraf von Thüringen und der Herzog- von 
Meran, sich schon im Herbst 1210 zu gemeinsamem Vor- 
gehen gegen den Kaiser geeinigt und den Papst von ihren 
geheimen Plänen verständigt hatten. 



1) A. a. 0. S. 186. 2) Ann. Colon, max. SS. XVII, S2(). 3) Vgl. 
AVinkelmann S. 274 N. 1, wo der Nauniburger Tag in die Zeit nach 
April 1211, die Bamberger Zusan-anenkunft etwa in den .Juni gesetzt wird. 
4) Wenn allerdings in der thüringisclien Quelle auch der Nauniburger, 
wie der Nürnberger Tag zum J, 1211 erzählt wird, so dih'fte hier eine 
chronologische Ungenauigkeit, hervorgerufen durch den Zusammenhang 
der Erzählung, anzunehmen sein. 



Fornmiarbüclier 
der Grazer Universitätsbibliothek. II. 

Von J. Loserth. 

(Fortsetzung.) 

3. Cod. 1515 (^2/1) iu 8** ein in schwarzes Leder ge- 
bundener Pergamentband von 128 Blättern gehörte im 
3. Jahrzehnt des XVII. Jahrh., wie man einer Eintragung 
(M. Thomas lurichius. decanus Seccoviensis anno iubileo 
1625) entnimmt, dem Decan Jurich. Jede Seite hat 22 
Linien. Die einzelnen Stücke des Cod. sind von einer ge- 
fälligen, dabei kräftigen Hand wohl noch im XII. Jh. 
geschrieben. Von den Initialen sind einzelne schön aus- 
geführt, für andere ist hinreichend Platz zur Ausschmückung 
gelassen. Von den vier Stücken, die er enthält, sind drei 
Formulare und von diesen eines bisher unbekannt, ein 
zweites noch wenig bekannt. 

1. Fol. 1 — ^20 findet sich ein Liber Baldwini de 
dictaminibus. Er erörtert unter Berufung auf Baeda's 
De arte metrica den Unterschied zwischen poetischer und 
prosaischer Darstellung und kommt dann auf die Epistola 
und deren fünf Theile (Salutatio, exordium, narratio, petitio, 
conclusio) zu sprechen. Unter den Stilmusteru, die keine 
vollständigen Briefe enthalten, finden sich neben italie- 
nischen vereinzelt Namen deutscher Kirchenfürsten z. B. 
fol. 4': E. Salzburgensis ecclesie antistiti ß. Gurcensis 
ecclesie minister. Hier wird man an Eberhard I. von Salz- 
burg (1147 — 1164) und Roman I. von Gurk (1132—1161) 
denken müssen, so dass die Abfassung innerhalb der Jahre 
1147 — 1161 zu setzen wäre. Im Prolog wendet sich der 
Autor an seine Mitbrüder M. und A. 

2. Fol. 20 — 45 enthält den liber H u g o n i s de dic- 
taminibus = Rockinger Q. und E. IX, 1, S. 80. Die 
vorliegende entspricht der Salzburger Redaction. Zu dem 
Muster, das Rockinger S. 88 bringt, findet sich hier folgender 
Schluss : 



300 J. Loserth. 

Me Bononie 25i'<?sentem aclesse ibique litteris animum 
applicare ac nnmmis, quibus vitam condncam, carere vestra 
paternitas agnoscat. Preterea mntatoria ac pelles neqiia- 
quam habere decemque solidos aliis debere similiter dino- 
scatis. ünde vos humiliter deprecor, quatenus vestes ac 
nnmmos quibiis me retineam debituinque persolvam magi- 
stroque deserviain, mittere stiideatis. Quia pnritate animi 
me semper dilexisti (!), miilta dilig-enter bona intnlisti, deo 
tibique gracias refero. Licet eiiim de meis nunquam liabu- 
isti parumque servicinm a me suscepisti, nee tamen uti- 
litati accnratissime deservisti, nunc qnoque qnibnsdam 
negociis oppressus tni suffragium petere non recnso. Itaque 
flexis genibns te deposco, qnatinns Priscianum tnnm et 
argenteam linguam mihi mittere non renuas. 

3. Pol. 45 — 105 enthält den liber dictaminnm des 
Bernhardns in Prosa. Zunächst eine Einleitung, dann in 
Versen: Commeudatio additionis. Pol. 47': Narrationis 
initium. Pol. 48: Diffinicio dictaminis prosaici. Pol. 49': 
De prosaico dictamine. Pol. 53: De doctrina epistolarum, 
dann die einzelnen Theile der Epistola. Aus einer Salu- 
tatio, die auf Pol. 57 mitgetheilt wird, dürfte man auf 
das Alter dieser Summa schliessen: Lucius episcopus servus 
servorum Dei karissimo in Christo filio C. invictissimo et 
glorioso semperque triumpha.nti Romanorum regi vel im- 
peratori augusto. So viele Pehler auch da im Einzelnen 
vorkommen mögen, man wird immerhin an Lucius IL 
(1144 — 1145) und Konrad III. denken dürfen. Diese Summa 
Bernhardi, der sich an mehr als einer Stelle B. dicta- 
minnm professionis minister nennt, wird wohl identisch 
mit jener sein, von der Wattenbach im Anzeiger für Kunde 
der deutschen Vorzeit XVI, 189 berichtet. 

Pol. 105: Hec ad prosaici dictaminis doctrinam suffi- 
cere arbitramur. Nunc ad reliquas eins species prosequen- 
das mentis intuitum dirigamus. Polgen Regeln der Metrik 
etc. bis Pol. 127. 

4. Versus duodecim sapientum, hoc est, Basilii, As- 
meni, Vornani, Euforbi, luliani, Hilasi, Palladii, Asclepiadi, 
Eusteni, Pompiliani, Maximiani, Vitalis de Cicerone (fol. 
127—128'). 

4. Cod. 1055 (alt 42/3-1) enthält drei ganz verschiedene 
Pormulare. Erst 16 Pergamentblätter in kl. 4^ in einer den 
ersten Jahrzehnten des XIV. Jh. angehörigen ziemlich 
sauberen Schrift: die Summa des Magisters Laurentius 
aus Civitate (Cividale); fol. 1 oben in sehr kleiner, gegen 



Formularbücher der Grazer Universitätsbibliothek. IL 301 

das Ende der Zeile kaum mehr lesbarer Schrift : Incij^it 
summa dictaminis breviter et artificiose composita per 
magistrum Laurencium de Civitate Austrie Aquilegieusis 
dioeesis iuxta (stilum in curia Romana) und am Schluss : 
Expliciunt tabule magistri Laurencii Civitatensis. Deo 
gracias. Enthält nur theoretische Bemerkungen über Dic- 
tamiua und ihre Arten (prosaycum, metricum et ritmicum), 
Episteln und deren Bestandtheile, Salutationen und ihre 
Arten, dann de exordio, de narracione, de peticione, de 
conclusione, de viciis in dictamine vitandis und schliesslich 
Tafeln für den Gebraucht 

2. Eingelegt ist noch auf einem Pergamentbogen in 
12" ein Formular, dessen knappe Form in der Einleitung 
motiviert wird : Obmissis omnibus que ad dictamen requi- 
runtur, scilicet quid sit dictamen et quot sunt species 
dictaminis et que sunt partes eins, breviter et pueriliter et 
quanto facilius potero diversas materias diversarum perso- 
narum a salutacionibus incipiens edocebo. Einige Muster 
z. B. : socius socio, ut grates referat suo promotori. Gehört 
einer etwas jüngeren Zeit an. 

3. Der dritte Theil, aus dem vorletzten oder letzten 
Jahrzehnt des XIV. Jh. stammend, beginnt mit fol. 26 
und reicht bis fol. 115. Dieser Theil ist auf Papier ge- 
schrieben und hat grösseres Format. Er enthält Brief- 
niuster (23i Stück) und Urkunden aus der Zeit Karls IV. 
und Wenzels (die jetzt von Tadra gedruckte Cancellaria 
Karoli). Neben lateinischen finden sich auch deutsche 
Muster (z. B. fol. 63) und vereinzelt böhmische Wörter, 
freilich verballhornt (fol. 78: urzyediciones = urednikones). 
Meist sind es böhmische Angelegenheiten, die verhandelt 
werden, z. B. : Imperator petit papam, ut dignetur disponere 
quod provincialatus sit distinctus in regno Bohemie. . 
Aber auch viele Rechtssachen kommen darin vor'-. Ich 



1) S. Zahn, Verzeichnis der Hss. der Univ. - Bibl. zu Graz, Beiträge 
zur Kunde steierm. G. Q. I, 25. 2) Aus dem rückwärts angefügten 

Register citiere ich nur einzelne Stücke : 'Item imperator mandat pape 
renovai'B et reservai'e libertates Romane ecclesie. Item imperator sup- 
plicat pape ut faciat quendam cardinalem . . . Cancellarius scribit pape 
(proj episcopo Oloraucensi . . . Item imperator scribit cardinali Olomu- 
censi congratulando de promocione sua . . . Item scribit cardinali 
Olomucensi de facto magistri curie . . . Item scribit eidem cai'dinali 
pro domino N. de Cremsir. Item mittit archiepiscopo exposicionem sex 
versicnlorum. (Der Text dieser Verse ist im Index ganz korrupt, s. Tadra, 
Summa caucellariae, Hist. Arch. VI, S. 46.) 

Criste precor, veniam segni des iustus alumpno, 
Tai'dus sum, tarde sed tibi nemo venit. 



302 J. Loserth. 

behalte mir vor, auf dieses Formelbucli an anderer Stelle 
zurückzukomm en. 

5. Cod. 1439 (39/35) kl. 8" in braunes Leder g-ebunden 
mit Scliliessen, 70 Pergamentblätter fassend, mit zwei an 
den Einbanddecken angeklebten Schutzblättern (Pergament, 
mit Stellen eines lat. Grammatikers aus dem XIV. Jh.) 
enthält die Summa dictaminum magistri Gwidonis , d. i. 
Guido Faba (vgl. Eockinger Q. und E. IX. 1, 175—200). 
Incipit Summa dictaminum magistri Gwidonis. Quasi 
modo geniti infantes lac concupiscite racionabilis sine 
dolo. . . . 

1. De viciis extirpandis et virtutibus inserendis (in 
der Abfassung von Briefen). 

2. Secunda pars de omnibus regulis ad artem uti- 
liter annotatis, mit Beispielen. Folgt : De epistolis, de privi- 
legiis etc. . . Dann Dictamina rethorica magistri Gwidonis 
que celesti quasi oraculo edita super omni materia suavitatis 
odorem exhibent literatis, quia de paradisi fönte divina 
gracia processerunt (vgl. ßockinger S. 179). Daran scliliessen 
sich : Exordia inter socios et amicos que inserta multum 
exornant epistolare dictamen und Exordia continuata magistri 
Gwidonis super omni materia et primo inter amicos . . . 
Dann Incipiunt arange magistri Gwidonis (s. Zahn S. 24). 

6. Cod. 1559 (34/26) kl. 8", 233 Blätter in Papier, 
gebunden, doch der Einband lose . Formular: Lucerna 
j^edibus meis verbum tuum etc. . . Theorie (bezieht sich 
hierbei auf die ars dictandi des Magisters Pontius). Das 
wichtigste Stück handelt von dem Sieg über die Hussiten 
bei Brüx. (Mittheilungen des Vereins für Geschichte der 
Deutschen in Böhmen ^XXXIII, 208—210). Den sonstigen 
Inhalt s. bei Zahn S. 22. 

7. Cod. 961 (37/4). Papierhandschrift des XV. Jh. 
in 4^*, 322 Blätter fassend, enthält eine Declaracio retho- 



Longus preteritis tenuit nos error al) annis, 

Sufficiat iiieritis hec rogo pena meis. 
Vita brevis superest, in mortem pronior etas, 
lam peccare senex non queo, nolo tuis . . . 
Item caiicellarius scribit Frisiögensi episcopo . . . Imperator scribit 
Delphino Wiennensi de statu suo . . . Imperator scribit inarchioiii 
Moravie sibi compaciendo . . . Item processus banuum contra B. Medio- 
laneusem . . . Item imperator iudeos quosdam specialiter recipit in siii 
proteccionem . . . 



Forniularbücher der Grazer Universitätsbibliothek. II. 303 

rice scieiicie. Inc. Pro facili declaracione retborice sei- 
ende tractabo, quomodo tarn missiles littere privilegiales 
quam instrumenta tabellionum cum ceteris literis apertis 
. . . iuxta Latinam et Teutunicam formas confici seu dic- 
tari debeant . . . Fol. 17, beginnen die Brief muster: nach 
dem lat. folgt oft die deutsche Uebersetzung. Cultur- 
geschichtlich von grossem Interesse und über den Ver- 
kehr unter Bürgern und Studenten, manches aus dem 
Leben genommen; die Stücke, welche den Verkehr unter 
Höhergestellten betreffen und die einschlägigen Urkunden 
sind grösstentheils werthlos ^ lieber die Herkunft der Hs. 
unterrichten die zahlreichen Namen, vorwiegend schlesische 
und Lausitzer Städte (verzeichnet von Zahn 1. c. S. 23). 
Fol. 151 beginnt ein Ordo iudiciarius: Quoniam citacio est 
fundamentum ordinis iudiciarii, .... est videndum reicht 
bis fol. 170. 

8. Cod. 1592 (41/104), 123 Pergamentblätter in kl. 
8", stammt aus der Sammlung des Clemens v. Uibelbach, 
der im XV. Jh. eine stattliche Bibliothek besass. Wenn 
wir von den theologischen Schriften dieses Sammelbandes 
absehen und nur die für unsere Zwecke bedeutsameren 
Schriften herausheben, so finden wir fol. 21 — 38 von einer 
Hand aus dem XIII. Jh. eine Summa, die einen Magister 
Peter zum Verfasser hat. Fol. 21 : Incipit summa magistri 
Petri .... das weitere am oberen Rande des Blattes 
Stehende ist abgeschnitten. Incipit : Alter est modus litera- 
rum sive epistolarum, qui docetur in scolis, et alter, qui 
habetur in magnatum curiis. Er verbreitet sich dann über 
die Unterschiede. Unter den Adressen liest man: Inno- 
centius episcopus servus servorum Dei venerabili fratri 
C. Coloniensi archiepiscopo .... oder (wenn an zwei 
Erzbischöfe geschrieben wird): Venerabilibus fratribus S. 
Mogontino et C. Coloniensi .... Man wird hier an die 
Erzbischöfe Konrad (1238 — 61) und Sigfried (1230 — 49) 
zu denken haben und ungefähr die Zeit des Entstehens 
dieses Formulars damit gewinnen. Es finden sich aller- 
dings auch aus älteren Zeiten Muster: P. Dei gracia rex 
Francie dilecto amico suo domino R. regi Angiie. Auch 
Otto wird genannt. 

Fol. 39 findet sich eine ganze Urkunde Heinrichs von 



1) Es finden sich Briefe (xraf Wilhelms (!) von Lützelburg, 
Ruprechts (!) Herzog von Liegnitz und zu Kolberg ... ein Privileg 
König Wenzels aus Venedig datiert u. s. w. 



304 J. Loserth. 

Schlesien vom 21. April 1279, in welcher dieser Herzog 
einen Gutstansch mit dem Ritter Burkhard v. Wistriz vor- 
nimmt und die von der Hand des herzoglichen Notars 
Baldewin gezeichnet ist. Auf schlesischen Ursprung oder 
mindestens auf den Besitz der schlesischen Kanzlei wird 
demnach dieses Formular zurückzuführen sein. Die Ur- 
kunde befindet sich demnach nicht, wie es in den E,egesten 
zur schlesischen Geschichte n. 1598 heisst, auf dem Einband 
der Cod. 41/104, sondern im Cod. selbst, wie schon aus 
Zahn, Verzeichnis der Handschriften etc. (Beiträge zur 
Kunde steierm. Gesch.- Quellen I, S. 25) zu ersehen war. 
Einige Stücke betreffen Salzburger, Oesterreichische und 
Aquilejer Sachen. Fol. 40 beginnt ein Tractatulus qui 
dicitur Pros per, dann von einer älteren Hand (XII. Jh.) 
ein Bogen mit dem bekannten Gedichte : Eva columba 

fuit , endlich ein Tractat de Sjnonymis, de Verbis 

deponentialibus, equivocis und ein Graecista, der aber, wie 
es scheint, nicht der Eberhardus Bethuniensis ist (Inc. 
Flores grammatice propono scribere) .... 

9. Eine 'Rethorica' aus dem letzten Viertel des XIV. Jh. 
findet sich im Cod. 1015 (olim 39/31) auf 15 Pergament- und 
Papierblättern in 8*^ am Ende der Handschrift. Incipit: 
Arcium liberalium alia trivialis, alia quadruvialis . . . Ex- 
plicit: ludicium sine misericordia fit ei, qui misericordiam 
denegat aliqui postulanti. Es ist meist nur Theorie; wo 
Beispiele genommen werden, betreffen sie die Titulaturen : 
Serenissimo K. imperatori Romanormn nee non Bohemie 
regi et semper Augusto. . . . 

Die Regeln werden zum Theil in Memorialversen ge- 
boten, z. B. die für einzelne Personen anzuwendenden Prä- 
dicate : 

Princeps magnificus, excellens atque serenus, 

Sublimusque, potens, preclarus et inclitus, audens, 

Inque (sie) superlato tu rex cum cesare stato. 
Est comes egregius, expectabis ^ (sie) generosus, 

Nobilis est baro, sie burgraviumque locato 
Strenuus est miles. ... 

Videndum est (quod) quodlibet meritum ut dictum 
est dignius indigniori preponatur. Est auteni sciendum 
quod papa preponitur omnibus tam secularibus quam spiri- 
tualibiis, Imperator, reges omnibus aliis secularibus prepo- 
nuntur et sj)iritualibus, sed regi Imperator non preponitur, 



1) Für 'spectabilis'. 



Formiilarbücher der Grazer Universitätsbibliothek. II. 305 

qnia ut dictum est ipsi inerito sunt in eodem. Sed quod 
rex sit dignior aliis principibus, patet, qnia ipse ex lege 
habet snb se dnces in suo homagio, et sie descendendo 
lantgravins est dignior marchione, qiiia ipse ex lege habet 

snb se comites 

Ueber die Provenienz der Hs. wird nur angemerkt, 
dass sie einst dem frater Clemens von Ublpach gehörte, 
der sie an ein Kloster (Nenperg?) stiftete. Die voran- 
stehenden Stücke stammen ans späterer Zeit und sind für 
unsere Zwecke ganz belanglos. Zu erwähnen sind allen- 
falls die Collecta de libro qui intitulatur De Secretis 
Secretorum, quem componit (sie) Aristoteles filius Nycho- 
machi de Macedonia discipulo suo magno imperatori Alex- 
andro ... et hunc libruin lohannes filius Patricii lingua- 
rum interpretator fidelissimus . . . transtulit de lingua 
Greca in Caldeam et de Caldea in Arabicam ; et quidam 
nomine Philippus transtulit de Arabico in Latinum . . . 
Die Secreta Secretorum werden in MA. von Theologen 
fleissig citiert. In diesem Cod. ist das Stück übrigens 
nicht ganz erhalten; es bricht mit Crede mihi ab 

10. Cod. 1595 (39/71) einst dem Kloster S. Johanns 
des Täufers in Seitz gehörig, dem Ausgange des XIII. und 
Anfang des XIV. Jahrhunderts angehörig, enthält auf dem 
ersten Blatt eine Prophecia Sibille (Incip. : In novissimis 
temporibus . . .), dann folgt eine Reihe theol. Abhandlungen, 
endlich von fol. 121'^ — 131'' Brief muster. Die meisten 
Namen weisen nach Bologna in die Zeit Friedrichs II. und 
Innocenz III., dem die Bürger einer Stadt melden, sie hätten 
zwei Städte erobert und die Einwohner zum Gehorsam gegen 
den Papst gezwungen. In einem anderen Stücke beglück- 
wünschen die Bürger einer Stadt den Kaiser Friedrich, 
dass sein Sohn in Deutschland zum König gewählt sei, 
und hoffen von ihm guten Schutz zu erhalten. Dass die 
Muster aus guten Vorlagen stammen, hat schon Zahn be- 
merkt ^. In n. 52 lesen wir : 'Venire in Ytaliam in proximo 
proposueramus et revidere vos et vestros amicos et consan- 
guineos universos, et postmodum in Alemanniam proficisci, 
ubi regalem maiestateni visitaremus; sed incumbenda (sie) 
negocia nostro proposito contradicunt. Ea propter amiciciam 
vestram attencius deprecamur, ut si contigerit vos ire ad cu- 
riam regis, nos excusatos habeatis regali celsitudini ex parte 
nostra servicium nostrum fidelissime offerentes'. Ein Stück 



1) S. 24. 

Neues Archiv etc. XXII. 20 



306 J. Loserth. 

ist an die Adresse des Herzogs H. von Sachsen, eines an 
den Grafen G. von Görz, in einem anderen wird von den 
Beziehungen zv^^ischen dem Bischof M. von Passau und 
dem Herzog von Oesterreich gesprochen, die letzten zwei 
Nummern beziehen sich auf Aquileja. 

11. üeber den wichtigen Cod. 225 (alt 42/3) habe ich 
in den Beiträgen zur Kunde steierm. Geschichtsq. Jahrg. 
1894 gehandelt. Er enthält den Briefsteller des Bon- 
campagnus. Zu den früher schon von mir daraus mit- 
getheilten Stücken hebe ich noch die folgende Nummer 
als besonders werthvoll hervor: 

Litte re quas misi (Wolf gero) domino patriarche 
Aquileiensi contra hereticos. 

Venenose*^ arboris pomum, quo primus humani generis 
parens extitit Eva mediante deceptus, posteritatem nostram 
gustu consimili toxicavit, uude ramusculi a viciatis radi- 
cibus propagati viciis carere non possunt. Quare in origi- 
nariam relabimur culpam et reflexibiliter protoplasti iaculis 
vulneramur. Et licet Dei et hominum mediator per incar- 
nacionis misterium apposuerit primo vulneri disciplinam 
et post graciam, ex aqua et Spiritu Sancto renatis viam 
per evangelicam et apostolicas tradiciones ostendit ad pa- 
triam redeundi, quidam antiqui serpentis^' persuasione se- 
ducti et literam, que occidif^, non spiritualem intelligenciam 
amplectentes haptisma negant, carnis resurreccionem non cre- 
diinf et ipsum demoniornm principern assc^'unt esse munäialis 
machine creatorem. Ecce. in patriarchatu vestro, immo 
Christi consistunt, qui detestabiliores sunt quam barbare 
naciones vel Ebrei seu ydolatre, qui adoraverunt sculp- 
tilia'^ et murmuraverunt gloriam suam in similitudine vituli 
comedentis fenum. Ita siquidem hereticorum genera, que 
intra patriarcalem dyocesim diabolo instigante ingerere 
noscuntur : Cathari, Patharini, Leoniste, Arnulderi, Circnmcisi, 
Behaptizati, Passagmii, CaviUarii, Rnhri (sie), Speroniste, sed 
Paterinorum*^ secta congregat omnia genera pisciuni in sagena 
et sedens iuxta litus erroris bonos et malos recipit* in 
vasis et idcirco diucius durat et forcius invalescit. Horum 
si quidem labe ac fetoribus Cume languescunt, Mantua 
sordidatur » , Verona Claudicat, V i c e n c i a iam muta suc- 
sumbit, Tarvisium torpet, Padua in puplieo se defendit, 
ceterum quod pudor est dicere, ve, ve, iam ipsa contagio 
misit manum non solum ad subditos, verum eciam ad 

a) 'D. vemose' c. b) 'serpentes' c. c) 'qui occidit' c. 

d) 'scuptilia' c. e) 'Paterinorum sto' c. f) 'recipiunt' c. g) 'sordidantur' c. 



Forniularbücher der Grazer Universitätsbibliothek. II. 307 

mag-nos ecclesiarnm prelatos, qui sativi erant, dum errori 
consenciunt manifesto, non desunt''^ faciiiori obviare. Sic 
enim sanctitas incorrnpta'^ corrumpitur, Petri naviciüa'^, 
naufragatnr arca f'ederis, dispergnntur lapides sanctnarii 
et iaceut in capite omuium platearum ; nee est qui pro 
liberacione populi exaltet voeem suam, sed pastores effi- 
ciuntur niercenarii et tamquam canes muti non valentes*^ 
latrare stupeseunt. Vos erg'o patriarca patrum princeps, 
ecclesie catholice cultor, assumite arma iusticie, scutum 
specialis proteccionis, loricam fidei, galeam salutis, arcum 
incorrupcionis et faretrani scripturarum, evellatis vepres, 
spinas et tribulos comburatis, radices hereticos extirpetis 
que sicut graciam (sie) germinent (sie) et fidelium corda cor- 
rumpunt. Prestolaret*' siquidem adventum nostrum egre- 
gias ordo scolarium, qui de diversis mundi partibus causa *^ 
studii Vincencie com(ni)oratur, verentes, ne ipsorum aliqui 
minus intelligentes et flexibiles minus provide in heresim 
dilabantur. Profecto magni laboris est magnique criminis 
(sie), inter dubias imperitorum opiniones et verisimiles falsi- 
tates per viam rectam saneque doctrine semitam inoffensis 
gressibus ambulare. Non detineant vos igitur Fori lulii 
negocia imperialia ^, non census et redditus Sclavonie sil- 
vestris, sed refovete flebiles, porrigite manum laj)sis et 
propere succurrite gregi vobis commisso^", qui sine ductore 
in Gilboe'^ montibus perimitur et vagatur, nee est qui 
conservet eum^ ex omnibus curis*^ eius. Non sacrificetis 
eum, qui licet sanctus fuerit, filios non correxit, sed transite 
lordanem et edificate altare domino de lapidibus, quos^ 
ferruin heretice non tetigit pravitatis, et ita beatissimum 
Hermacoram , cuius vice patriarchatus katedra faciente 
domino residetis, dignis videbimini operibus imitari et 
fame vestre sonus lacius diffunditur et favorabilius recipit 
incrementum. 



a) 'non defuerint' c. b) 'iucorrupta in eo' c. c) 'naviculam' c, 
in dem folgenden fehlt offenbar ein Wort. d) 'non valessent' c. 

e) 'prestolare' c. f) 'tarn' c. ausgeschrieben. g) 'commissa' c. 

h) 'CTclboe' c. i) 'eam' c. k) 'caris' c. \) 'quoque' c, vgl. Deuteron. 27, 5. 

1) Otto IV. bestätigt am 13. Jänner 1209 dem Patriarehen Wolfger 
von Aquileja das Herzogthum Friaul mit Zugehör. S. Böhmer - Ficker, 
Regg. V. 1. 258. In Angelegenheiten des Reiches ist er seit Mai 1208 
als Legat für ganz Italien vornehmlich üi Mittel- und Oberitalien thätig, 
s. Regg. IV, 2. 12315. 12326". 12337—39, namentlich 12341. Hier mochte 
Boncampagni, dessen Gönner Wolfger war, mit diesem Verkehr gepflogen 
haben. Zu Anfang .luli 1209 stellte Wolfger seine Thätigkeit als Legat 
ein, s. Böhmer - Ficker Regg. n. 123-10. Vor diese Zeit dürfte also die 
Abfassung des obigen Sclu-eibens zu denken sein. 

20* 



Ein Codex sancti Maximini saec. XV. 

Von E. Schaiis. 

Der Codes 134 G(örres) der Bibliothek des König- 
lichen Gymnasiums zu Coblenz ist eine in Holzdeckel mit 
braunem Lederüberzug eingebundene Papierhs. in 8*^ mit nun- 
mehr 222 Bl. Zum üeberkleben der Deckel im Innern und 
zu je einem Vor- und Nachsetzblatt hat man das Pergament 
einer schönen Bibelhs. saec. X verwandt ; es sind Bruch- 
stücke aus dem alten Testament, Propheten, Buch Daniel. 
Von der alten rechts unten stehenden Bezeichnung der 
Hefte mit Custoden und der Lagen mit Ziffern findeTi sich 
noch Ueberbleibsel, das übrige ist beim Einbinden ab- 
geschnitten worden. Eine moderne durchlaufende Zählung 
ist bis gegen Ende auf jedem fünften Blatt mit Bleistift 
eingetragen. 

Das Vorsetzblatt hat auf der Vorderseite von einer 
Hand saec. XV. : 'Codex sancti monasterii sancti Maximini 
abbatis', auf der Rückseite von anderer Hand saec. XV. wieder: 
'Codex monasterii sancti Maximini' mit dem etwas späteren 
Zusatz : 'Treverensis archiepiscopi prope Treverim situati' ^ 
Dem Bl. 1 hat der Schreiber des ganzen selbst die Aufschrift 
gegeben : 'Codex monasterii sancti Maximini' ; daneben steht 
von anderer Hand die Signatur Cz, darunter von Hand 
saec. XVI. in., vom Bibliothekstempel bedeckt : 'debet dili- 
genter eos instruere', wieder darunter von Hand saec. XVI. 
ex.: 'Ceremoniae antiquae monasterii sancti Maximini'. 

Der ganze Codex, abgesehen von mannigfaltigen Zu- 
sätzen und Verbesserungen aus dem 16. und 17. Jh., ist 
das Werk eines Schreibers. Er enthält zunächst nach 
2 leeren Bl. von f. 3 — 80 ein Calendarium mit Eintragungen 
von Todesfällen, Jahresgedächtnissen, Einkünften der Kloster- 
brüder, gottesdienstlichen Vorschriften etc., f. 80 '"^ ist leer. 
Von f. 81 ('Incipit Ordinarius monasterii s. Max.') geht ein 
enggeschriebenes Ordinale mit einem Absatz auf f. 108*^ 



1) Dasselbe hat anscheinend auch auf dem jetzt ganz verkratzten 
Aussendeckel gestanden. 



Ein Codex sancti Maximini saec. XV. 309 

bis f. 125, wo hinter dem Text steht: 'Deo g-ratias. Ex- 
plicit Ordinarius nionasterii sanctissimi Maximini confessoris 
Christi Treverorum archiepiscopi. 1479'. Dann kommt eine 
Abtheilung- ähnlichen Inhalts von f. 125''* ('Sequitur de comme- 
moracione Domine nostre') bis f. 128^, wo eine wenig 
spätere Hand einen Nachtrag von 13 Zeilen zugefügt hat; 
f. 129 n. 130 sind leer. Es folgt dann der auf dem Titel- 
blatt mit 'Ceremoniae antiqnae' bezeichnete Theil, eine 
Sammlung von Vorschriften für den Gottesdienst, die ein- 
zelnen Aemter etc. Ein Verzeichnis der 97 Kapitel nimmt 
f. 131—132, der Text f. 132=^—200-'^ ein; am Ende steht 
1480. f. 201 — 202 sind leer. f. 202=^ finden sich Formeln 
für die Aufnahme von Novizen, darunter 1480. Den Schluss 
von f. 203 — 217 bilden 42 weitere Kapitel mit Regeln und 
Formeln, die kein Verzeichnis haben. Der Rest der Blätter 
ist leer. 

Das Calendarium am Anfang stellt sich als ein Spät- 
ling der reichen nekrologischen Litteratur S. Maximins dar. 
Nach den Datierungen der anderen Theile ist es Ende der 
70er Jahre des 15. Jh. entstanden. Der Verfasser benutzte 
eine 7 — 11 Jahrzehnte ältere Vorlage und theilweise so 
unselbständig, dass er den Abt Roricus (1367 — 1411) als 
lebend einführt, so zum 6. Mai: 'Hac die dominus noster 
Roricus abbas propinabit cuilibet fratri quartam vini' etc. 
und sonst mehrfach. Diese Vorlage und ihre Neuausgabe 
unter Abt Antonius II. (1453 — 82) sind sicher auf Anregung 
der beiden Aebte zurückzuführen, die sich als thatkräftige 
Reformer ausgezeichnet haben. 

Für die spätere Geschichte des Klosters ist demnach 
der Codex s. Maximini als Ganzes nicht ohne Interesse; 
und für diese sind denn auch die einzelnen Angaben und 
die Nachträge werthvoll ^. 



1) Zum 1. Mai heisst es z. B. : 'Hac die anuo 68 obiit reverendus 
dominus Petrus a Lutzenburg abbas liuius imperialis monasterii, qui fuit 
elcctus in abbatem anno 1556 ipso cinerum (Febr. 19) , confirmatus 
anno 64. Interim omnia bona monasterii in terra Trevereusi impignoravit 
cum maximis pensionibus et gravaminibus'. Dieser letzte Satz ist von 
wenig späterer Hand ausgestrichen und mit der Randnote versehen : 'Non 
est conviciandum mortuis. ]\Iortui non mordent'. 



Nachrichten. 



1. Bei der Abtheihmg Scriptores ist Herr Dr. Willi. 
Eberhard ans Köln im Angnst als Mitarbeiter einge- 
treten. 

2. Eine werthvolle Qnelle für die Geschichte der 
Monnmenta Germa.niae hist. sind die Selbstbiographie 
und Briefe von G. H. P e r t z , in englischer Ueber- 
setznng für Verwandte und Freunde herausgegeben von 
seiner Wittwe Leonora Pertz. Da das Buch nicht in 
den Handel gekommen und daher nur einem engen Kreise 
bekannt geworden ist, sei hier darauf hingewiesen. Die 
Selbstbiographie, 1869 aufgezeichnet, reicht in Bruch- 
stücken bis zum Jahre 1835. Unter den zahlreichen Briefen, 
von denen ein grosser Theil an die Herausgeberin und 
deren Verwandte gerichtet ist, finden sich auch solche von 
oder an den Preiherrn v. Stein, A. v. Humboldt, Niebuhr, 
Eichhorn, Dahlmann, Böhmer und Waitz. K. H a m p e. 

3. Der schöne Artikel über Georg Waitz in der 
Allgemeinen Deutschen Biographie Bd. XL von F. Prens- 
dorff darf an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. 

0. H.-E. 

4. Erschienen sind : 

Von der Abtheilung Auetores antiquissimi T. XIII, 
pars III, Chronica minora saec. IV. V. VI. VII., 
voluminis III., fasciculus III. (Berlin, Weidmann 
1896; Inhalt: Laterculi consulum urbis Romae, 
Laterculi imperatorum Romanorum, Laterculus reg. 
Vandalornm et Alanorum, Laterculus reg. Visigo- 
thoruni, herausgegeben von Th. Mommsen unter 
Mitwirkung von H. üsener). 

Von der Abtheilung Leges, Sectio IV, der T. IL der 
Constitution es et acta publica imperatorum et 
reguni (Hannover, Hahn 1896 ; umfassend die Zeit 



Nachrichten. 311 

von 1198 — 1272, herausgegeben nach L. Weiland 
von J. Schwalm unter Mitwirkung von P. Schef- 
fer-Boichorst und E. Seh aus). 

5. Von den Geschichtschreibern der deutschen Vor- 
zeit sind erschienen in der 2. Gesammtausgabe Bd. 69 : 
Die K ö 1 n e r K ö n i g s c h r o n i k , übersetzt von K. P 1 a t n e r, 
2. Auflage neu bearbeitet und vermehrt von W. Watten- 
bach, und Bd. 70: Die Jahrbücher von S. Jacob in 
Lüttich, die Jahrbücher Lamberts des Kleinen und 
die Jahrbücher Rein er s übersetzt von K. Platner. In 
der dem Bd. 69 auf Grund der Ergebnisse neuerer 
Forschungen vorauf geschickten Einleitung spricht sich 
Wattenbach jetzt gegen die noch GQ. II '', 442 von ihm 
gebilligte Ansicht Bernheims aus, dass in der Chron. reg. 
Colon, von 1138 an neben den Ann. Patherbr. eine staufische 
Quelle benutzt sei. 

6. Die dritte, seit lange sehnsüchtig erwartete Auflage 
von W. Wattenba chs 'Schriftwesen im Mittel- 
alter' (Leipzig, Hirzel 1896) lässt die in den letzten Jahr- 
zehnten gemachten Fortschritte der Studien auf diesem 
Gebiet, welche der Verfasser auf das sorgfältigste verfolgt 
hat, deutlich erkennen. Eine völlige Umgestaltung hat 
natürlich der das Papier behandelnde Abschnitt erfahren; 
aber auch in allen übrigen Capiteln des um mehr als 
6 Bogen stärker gewordenen Bandes findet man in Text 
und Noten eine reiche Fülle von neuen und belehrenden 
Zusätzen und Berichtigungen. So wird das treffliche Werk, 
welches nun seit einem Vierteljahrhundert Grundlage und 
Ausgangspunkt aller weiteren Forschung über das mittel- 
alterliche Schriftwesen gewesen ist, diese Stellung auch 
in Zukunft behaupten. 

7. Ein nützliches Hilfsmittel für die Kenntnis der 
bibliographischen Litteratur auf dem Gebiet der Geschichts- 
wissenschaft ist das Manuel de bibliographie historique 
von Ch. V. Langlois (Bd. I. Paris, Hachette 1896). 

8. J. V. Schlosser, Quellen buch zur Kunst- 
geschichte des abendländischen Mittelalters (Wien, 
Graeser 1896) enthält eine dankenswerthe Saminlung von 
einschlägigen Nachrichten des 4. — 15. Jh. H. Bl. 

9. Von Mazzatinti's verdienstlichen 'Inventari dei 
Manoscritti delle Biblioteche d Italia' (d. h. der nicht staat- 
lichen, vorzugsweise städtischen iind privaten) geht uns als 
Separatabdruck aus Bd. V das von Alessandro Bellucci 



312 Nachrichten. 

verfasste 'Inveutario della Biblioteca di Perugia' zu, 
der hierzu besonders geeignet war, da er die dortige 
städtische Bibliothek selbst ganz neu einzurichten hatte. 
Darüber, wie über die einzelnen Bestandtheile der Bibliothek 
giebt ein Vorwort Aufschluss, in dem er zugleich auf die 
wichtigeren Hss. hinweist. Für die Geschichte der Stadt 
Perugia selbst dürften zu den interessantesten die zahl- 
reichen Matrikeln der Zünfte gehören. Das für uns bedeut- 
samste hat bereits Bethmann, Archiv XII, 546 ff. verzeichnet. 
Ausserdem wären etwa noch zu erwähnen: n. 292 (p. 59) 
'Miscellanea di profezie' s. XIV. — XV., darunter auch die 
Verse des Michael Scotus; n. 388 (p. 71) 'Ars scribendi 
epistolas' s. XIII., von einem Gaufridus Anglicus zum 
Lob des Königs Alphons von Castilien verfasst, worüber 
ausführlichere Angaben erwünscht gewesen wären. Für 
die Geschichte der deutschen Studenten in Perugia 
kommen in Betracht : n. 148 (p. 34) 'Eedditus et expensae 
nationis Germanicae' 1616 — 1658; n. 959 (p. 160) Verzeichnis 
der Hörer der Universität von 1487 an (bis zur Mitte des 
17. Jh.?), darunter f. 55—61 'Ultramontaui' ; n. 1188 (p. 204) 
'Matricola degli Studenti della Nazione Germanica . . .' 
1579—1721; n. 605 (p. 110) enthält ein Receptbuch etc. 
eines deutschen Arztes aus dem 15. Jahrhundert in deutscher 
Sprache, als dessen Autor Bellucci den fol. 11 genannten 
Doctor Michael Schrick anzunehmen geneigt ist, d. h. also 
den berühmten Wiener Arzt, der im Jahre 1472 ge- 
storben ist. H. Simonsfeld. 

10. Dem 15. Jahresbericht der Gesellschaft f. Rhein. 
Geschichtskunde (Bonn, Georgi 1896) ist der Anfang einer 
Uebersicht über den Inhalt der kleineren Archive der 
Eheinprovinz, bearbeitet von A. Tille, beigegeben. 
Wir verzeichnen daraus eine Urkunde Konrads, Electen 
von Köln, vom Juni 1238 im Archiv des katholischen 
Pfarramts zu Brühl. 

11. Dr. Robert Priebsch eröffnet mit einem statt- 
lichen Quartbande ein grossangelegtes Werk, das eine Be- 
schreibung sämmtlicher in England befindlichen deutschen 
Hss., soweit das erreichbar ist, bieten soll (Deutsche 
Handschriften in England I. Erlangen 18 9 6). 
Während die Hss. des Brittischen Museums den grössten 
Theil des zweiten Bandes füllen werden, sind zunächst die 
Bibliotheken von Ashburnham-Place, Cambridge, 
Cheltenham, Oxford und Wigan behandelt. Für die 
mit hingebendem Fleisse, musterhafter Genauigkeit und 



Nachrichten. 313 

eindringender Sachkenntnis ansgeführte Arbeit wird der 
deutsche Historiker dem Verfasser zu lebhaftem Danke 
verpliichtet sein, wenn auch weitaus der grössere Gewinn 
dem Germanisten zufällt. Indem ich mir vorbehalte, die 
Angaben des Buches, welche für die MG. von Bedeutung 
sind, in dem Bericht über meine englische Reise eingehender 
zu verwerthen, hebe ich hier nur die besonders schätzbare 
Beschreibung der deutschen Hss. in Cheltenham und den 
Hinweis auf die in Deutschland noch wenig bekannte 
reiche Privatbibliothek des Earl of Crawford in Haigh- 
Hall bei Wigan in Lancashire hervor, aus der auch einige 
lateinische Hss. verzeichnet sind. Auf der Cambridger 
Universitätsbibliothek hat Pr. auf's neue eingehend die 
bekannte Liederhs. (Gg. V, 35) untersucht; er findet, dass 
einige von Pertz (A. VII, 1003) und nach ihm von Jaffe 
notierten Stücke aus des Boethius' Consolatio j^hilosophiae 
heute fehlen, und neigt zu der Ansicht, dass diese Angabe 
lediglich durch einen Irrthum von Pertz entstanden ist. 
Das ist indes recht unwahrscheinlich, und bei dem Zustande 
der Hs. wird man doch noch eher an einen Verlust modernen 
Datums glauben. Das wichtigste Ergebnis der Neuunter- 
suchung ist in dem bekannten Liede De Heinrico v. 7 die 
Beseitigung der Lesart 'bruother' zu Gunsten des schon 
von Steinmeyer vermutheten 'bringit her', das nach An- 
wendung von Reagens deutlich zu lesen war. Das hat auch 
auf die Datierung des Liedes Einfluss. Pr. glaubt, dass 
es um das Jahr 1000 entstanden ist und sucht den Ver- 
fasser am Hofe Herzog Heinrichs III. von Baiern (des 
späteren Kaisers Heinrich IL). — In einem Anhang wird 
eine Reihe unveröffentlichter Stücke abgedruckt, darunter 
auch historische Volkslieder (S. 230 ff.), ein Gedicht Michel 
Beheims auf Friedrich III. (S. 295), ein Peldkircher Huber- 
recht (S. 300). K. Hampe. 

12. M. R. James, A descriptive catalogue of the 
manuscripts in the F itzwilliam museum (Cambr. 
1895), wichtig für Kunstgesch. des 13. — 15. Jh., besonders 
französ. und niederl. Horarien, verzeichnet n. 27 Benedic- 
tionale um 900, mit kelt. Band verschlingung. wohl Schweize- 
risch [n. s. GalliJ. 

177 Chronicon muiidi — 1475, viell. deutsch. 

185 Kaiser Ludwigs Landrecht von Baiern. 
11 Biblia figurata, deutsch, um 1495. 

157 Horae, deutsch, einst 1501 Veronica Weisser 
zu Augspurgk. F. L. 



314 Nachrichten. 

13. Die Strassburger Dissertation von Emil Ett- 
linger: Der sog. Anonymus Mellicensis de scripto- 
ribus ecclesiasticis (Karlsruhe 1896) bietet eine höchst 
dankenswerthe Ausgabe der Schrift mit Quellenangaben 
nach der Admonter Hs. des 12. Jh., einer des 13. und zwei 
Hss. des 15. Jh., während Pez für seine Ausgabe von 
den letzteren mu' die Melker Hs. benutzt hatte. In der 
sorgfältigen Untersuchung der Schrift macht E. auf Grund 
der Prüfeninger Handschriftenverzeichnisse es sehr wahr- 
scheinlich, dass der Verf. der Schrift ein Prüfeninger Mönch 
war, der bald nach 1130 schrieb. O. H. -E. 

11. Im Hist. Jahrb. der Grörres-Gesellschaft XVII, 1 tf. 
unterwirft E. Arens die Frage, ob Claudian Christ war, 
einer neuen Untersuchung und verneint sie gegen Birt. 

15. In den Analecta Bollandiana t. XV, fasc. 2. 3 
gab M. M ercati die früher von Affarosi publicierten Mira- 
cula S. Prosperi Regiensis heraus, welche von unbedeu- 
tendem geschichtlichen Gehalt sind. Aus seiner umfang- 
reichen Einleitung ist zu bemerken der verbesserte Abdruck 
der wichtigen Inschrift, welche auch bei Jaffe, Peg. pont. 
ed. 2. I, 491 steht. — Eine kurze Notiz bestätigt die von 
G. Waitz erwiesene Thatsache, dass die Anal. Bolland. I heraus- 
gegebene Vita Bonifatii aus der des Willibald verkürzt 
ist, schlagend durch Vergleichung des Prologes des Vic- 
torius, welchen Willibald für den seinen ausgeschrieben 
hatte. — Herr P. A. P o n c e 1 e t beschreibt eine in Privat- 
besitz befindliche Hs. des Klosters Hautmont saec. XI. 
(u. XII.), welche des Heirich metrische Vita S. Germani 
Autisiodorensis und andere Gedichte enthält und giebt aus 
ihr kurze, noch ganz unbekannte Annalen von Hautmont 
1095 — 1120 heraus. — Aus der Uebersicht über die hagio- 
graphische Litteratur sind besonders aus t. XV, fasc. 1 die 
(meist zustimmende) Notiz zu B. Krusch's Aufsatz über die 
Burgundischen Heiligenleben (N. A. XXI, 314 n. 10), aus 
t. XV, fasc. 2. 3 die Bemerkungen zu W. Martens" und 
H. Grauerts Aufsätzen über das Mönchthum Gregors VII. 
zu beachten, in denen eine Correctur des Herrn P. Grisar 
zu der für diese Frage wichtigen Inschrift von S. Paolo 
fuori le mura mitgetheilt wird, vgl. N. A. XXI, 590 n. 19S. 

0, H.-E. 

16. 0. Dippe, Die fränkischen Trojanersagen 
(Progr. des Mathias -Claudiusgymnasiums in Wandsbeck 
1896 n. 293) untersucht den gelehrten Ursprung der Sage 
und ihre ältesten Formen bei Fredegar und iji der da- 



Nachrichten. 315 

von unabhäng-io-en Frankenchronik , auf welche die Um- 
dichtimo- der Karoling-erzeit zurückgeht; er verfolgt die 
Entwickelung- der Sage im MA. H. Bl. 

17. In einem eigenen kleinen Schriftchen 'Di un co- 
dice prezioso della Capitolare di Verona' etc. führt Don 
Ant. S p a g n o 1 o , Bibliothekar der Capitelsbibliothek, den 
bündigen Nachweis, dass die jetzt in Monza befindliche 
Hs., aus welcher Pertz die sog. Ann. Laubac. und Ala- 
m a n n. herausgab, identisch ist mit der Veroneser, aus welcher 
bereits Fr. Ant. Zaccaria (Iter litterar. per Ital. p. 220 — 
226) im J. 1762 dieselben Anualen herausgegeben hatte. 
Im J. 1797 mit anderm Raube nach Paris verschleppt, ge- 
langte sie 1816 durch eine Verwechselung nach Monza 
statt nach Verona und galt hier seitdem als verschollen. 
Vgl. auch Archiv V, i73. XII, 661. E. D. 

18. Eine Abhandlung von W. Barckhausen über 
Einhard und die Vita Karoli im Programm des Gym- 
nasiums zu Burgsteinfurt 1896 n. 357 ist unbedeutend. 

19. Das Programm des Grymnasiums zu Schleusingen 
1896 n. 255 enthält eine Uebersetzung des Testamentes 
E i n h ar d s , SS. XXI, 360, mit eingehenden topographischen 
Erläuterungen von P. Schmied er, die auch für das 
DH. II. St. 1555 zu beachten sind. 

20. In der ßibl. de l'Ecole des Chartes LVII, 149 fP. 
ist ein Auszug aus einem Vortrage A. Giry's über die 
Vita S. Mauri des Pseudo - Faustus abgedruckt, welcher 
ausführt, dass dieselbe nach dem Muster der im 9. Jh. 
fabricierten Vita Severini Agaunensis, deren Verfasser gleich- 
falls Faustus gewesen sein soll, gefälscht ist. 

21. In den eben erschienenen 'Serta Harteliana . 
welche sonst philologische, archaeologische und patristische 
Beiträge (meist zu Augustin) enthalten, bespricht Joh. 
Huemer p. 39 ff. 'unverstandene Stellen in Prechulfs 
Chronik' und liefert u. a. den Nachweis, dass Frechulf 
eine sinnlose Verschreibung eines griechischen Wortes bei 
Hieronymos einfach übernommen hat. P. v. W. 

22. In der Beilage zum Jahresbericht des Askan. 
Gymnas. zu Berlin, Ostern 1896, handelt A. Mittag über 
'Die Arbeitsweise Ruotgers in der Vita Brunonis . Zu 
den schon früher von andern aufgefundenen Entlehnungen 
fügt er eine grosse Fülle weiterer Nachweise namentlich 
aus der Vulgata, Cicero, Sallust, Prudentius, die, wenn 



316 Nachrichten. 

auch hie und da anfechtbar, doch die Sprache Euotgers 
in höherem Masse, als man bisher wusste, mosaikartig- uns 
erscheinen lässt. Der Verfasser sucht ausserdem darzu- 
thun, dass die bei Ruotger häufig wiederkehrenden Beg-riffe 
Frieden und Gerechtigkeit eine Aug'ustinische Färbunsf 
tragen. — In c. 41 würde ich die Worte 'observantissimus 
aequitatis' auf Aen. II, 427 zurückführen. E. D. 

23. In den Essais de psychologie historique, die E. 
Gebhard, Mitglied des franz. Instituts, unter dem Titel 
'Moines et papes' vereinigt hat (Paris, Hachette 1896), be- 
handelt die erste Abhandlung Rodulfus Glaber. Sie 
war bereits im ersten Octoberheft des Jahrganges 1891 
der Revue des deux mondes (p. 600 — 628) erschienen und 
ist heute noch ebenso unberührt von neueren Forschungen, 
wie sie es in der ersten Ausgabe war, zumal ihr eigent- 
licher Zweck nur der ist, 'l'etat d'ame d'un moine de l'an 
1000' zu schildern. E. Sackur. 

24. In den Notices et Extraits des manuscrits XXXV, 
1, p. 241 — 358 veröffentlicht L. Delisle eine 'Notice sur 
les manuscrits originaux d'Ademar de Chabannes'. 
Der Abhandlung sind 7 Schrifttafeln mit glänzend aus- 
geführten Heliogravüren von darin beschriebenen Hss. bei- 
gefügt, nämlich Berlin Philipp. 93, Paris 2469, Leiden Voss. 
80 15, Paris 3784. 6190. 1978. 5288, doch wird im Text 
ausser diesen noch von einigen anderen gehandelt. De- 
lisle hat mit der an ihm bekannten Sauberkeit und Ge- 
nauigkeit nicht nur die Hss. eingehend beschrieben, sondern 
er sucht auch das darin enthaltene geistige Eigenthum 
Ademars zu ermitteln und er druckt eine grosse Anzahl 
von Proben ab. Ich erwähne die auf die Synode von 
Limoges im J. 1031 bezüglichen Stücke, merkwürdige 
Notizen aus den Predigten (bei welchen dem Herausgeber 
der Abdruck einzelner Partien in dem 2. Bande von Sackurs 
Cluniacensern entgangen ist), Nachrichten über die Klöster 
St. Cibard in Angouleme und St. Martial in Limog-es, Ge- 
dichte auf den heil. Eparchius, ein Bruchstück der Chronik, 
welches Waitz für einen mangelhaften Auszug gehalten 
hatte, während Delisle nachweist, dass wir darin vielmehr 
einen ersten Entwurf von L. III, c. 20 — 66 der letzten 
Eecension zu erkennen Iiaben u. s. w. E. D. 

25. In der Collection de textes p. s. a l'etude et ä 
l'enseignement de l'histoire (bei Alphonse Picard, Paris 1896) 
hat R. Merle die Chronique de Nantes c. 570—1049 



Nachrichten. 317 

herausgegeben, von der nur ein Fragment durch Martene 
(wiederholt von Dom Bonquet) bekannt geworden war, 
und von der sonst nur eine ganz unvollständige und zu- 
gleich interpolierte Ausgabe von Dom Lobineau 1707 er- 
schienen war. Zur Ergänzung des in keiner Hs. vollständig 
erhaltenen lateinischen Textes dient eine französische Ueber- 
setzung des 15. Jh., welche der Herausgeber dem lateini- 
schen Text gegenübergestellt hat. O. H.-E. 

26. A. Pannenborg hat sich ein Verdienst erworben, 
indem er in der Deutschen Zeitschrift für Geschichts- 
wissenschaft N. F. I, Heft 2, auf eine zwar längst ge- 
druckte, aber nie beachtete Stelle aufmerksam machte 
über die Flucht Bischof Burchards von Halberstadt aus 
König Heinrichs Gefangenschaft, welche mit den Worten 
eingeführt wird: 'Compilator libri de Herveldie institucione 
scripsit'. Er hat dann noch eine, von mir leider, ich 
weiss nicht durch welchen bösen Zufall, übersehene Stelle 
beiWigand Gerstenberger nachgewiesen, welche dieser aus 
Lampe rts Hersfelder Klostergeschichte entlehnt hat. 
Diese beiden Stellen scheinen zu ergeben, dass die Kloster- 
geschichte nicht vor der zweiten Hälfte des J. 1076 ver- 
fasst ist, während ich deren Abfassungszeit in die erste 
Hälfte des J. 107'4 setzte. Freilich ist das Ergebnis 
schwerlich so sicher, als Pannenborg annimmt, und er- 
heischt neue Erwägung. O. H.-E. 

27 . Eine Rostocker Dissertation von Richard S i e b e r t 
(1896) tritt gegen Herre dafür ein, dass die von Scheffer- 
Boichorst sogenannten verlorenen Ann. Nienburgenses 
wirklich in Nienburg entstanden seien, und will als 'den 
Autor des Annalista Saxo' (so schreibt der Verfasser 
wirklich) den Abt Arnold von Nienburg erweisen, der sein 
Werk vor 1152 geschrieben habe. Die Hoffnung des Ver- 
fassers, dass er in seiner Schrift 'alle Punkte genügend 
berührt habe, um jedermann völlig von seinen Ansichten 
zu überzeugen', wird schwerlich in Erfüllung gehen. 

28. J. H. Round, Feudal England, histor. studies 
on the 11. 12. cent. (Lond. 1895) handelt p. 462 ff. über 
The lords of Ardres und ergänzt Hellers Anmerkungen 
zu Lambert (Mon. Germ. SS. XXIV) durch Nachweis des 
englischen Besitzes Arnolds von Ardres. F. L. 

29. Aus dem Bestreben, die Quellen zur Geschichte 
Alberts des Böhmen zu prüfen, sind die Forschungen zur 
Passauer Geschichtsschreibung im Mittelalter von A. Lang 



318 Nachrichten. 

(Histor. Jahrb. d. Görresgesellsch. XVII, 265 ff.) hervor- 
gegangen. L. scheidet die von Hund neben Brusch 
citierten Ann. Patavienses — in denen er eine Passauer 
Bearbeitung der älteren Salzburger Jahrbücher zu erkennen 
glaubt — von 'Ann. Patavienses im weiteren Sinne', die 
im wesentlichen dem Geschichtswei-ke des Sigmar von 
Kremsmünster entsprechen und die durch Mittelglieder von 
Brusch und Ebendorfer- Schreitwein benutzt worden sind. 
Dem Wunsche der Redaction (S. 265, N.), dass die ein- 
schlägigen Fragen mit Heranziehung des hsl. Materials 
in München neu geprüft weiden, wird man sich nur an- 
schliessen können. H. Bl. 

30. In dem Neuen Archiv für Sächsische Geschichte 
und Alterthumskunde , herausgegeben von H. Ermisch, 
XVII, 1. 2 hat K. Wenck ein sehr eingehendes Referat 
über meine in dieser Zeitschrift erschienenen Studien zu 
Thüringischen Geschichtsquellen gegeben und stimmt meinen 
Ergebnissen in allen wesentlichen Punkten zu. 

0. H.-E. 

81. In den Miscellanea della R. deput. Veneta di 
storia patria N. S. Bd. II sucht A. Bonardi zu zeigen, 
dass die 1543 zuerst gedruckte italienische Biographie des 
Ezzelino III. da Romano, als deren Verfasser sich selbst 
der Paduaner Pietro Gerard i nennt, der ein Zeitgenosse 
Ezzelins gewesen sein will, nicht, wie seit Vossius ziemlich 
allgemein angenommen wurde, eine Fälschung des 16. Jh., 
sondern ein nach 1314 verfasstes echtes Werk sei. Die 
älteste Hs., die B. ins 15. Jh. setzt. Cod. Vindob. lat. 
6174, stammt indes nach dem neuen Wiener Hss.- Katalog 
IV, 268 erst aus dem 16., und das Hauptargument Bonardi's. 
die Biographie biete mehr als eine blosse Uebersetzung 
der Chronik Rolandins und enthalte zahlreiche, anderweit 
als richtig nachzuweisende Zusätze dazu, ist nach dem 
jetzigen Stand unserer Kenntnis über die Geschicht- 
schreibung von Padua im 13. Jh. nicht so beweiskräftig, 
wie B. meint. Auch Cipolla (Rivista stör. ital. XII, 294 ff.) 
lehnt die Ergebnisse Bonardi's ab. 

32. In den Notices et Extraits des mss. de la bibl. 
nationale et autres bibl. t. XXXV, 1 handelt L. Delisle 
über eine in einer venetianischen Hs. enthaltene, bisher 
unbekannte Chronik, die man irrig für die des Gerard 
von Fracheto gehalten hatte. Als ihren Verfasser er- 
weist er einen Dominikaner in Parma. Die Chronik, welche 
in ihren früheren Partien o-rösstentheils aus desTolemeus 



Nachrichten. 319 

von Lncca Hist. ecclesiastica iiova entlehnt ist, reicht 
mit den letzten eigenhändig-en Zusätzen des Verfassers bis 
zum J. 1344, war aber schon um 1320 verfasst. Von den 
Auszügen, welche Herr Delisle da j)ubliciert, ist be- 
sonders die Stelle über den Tod Kaiser Heinrichs VII. 
interessant. Im Anhange hat Herr D. das von Weiland 
früher bekannt gemachte Fragment einer Niederrheinischen 
Chronik (vgl. N. A. XX, 489 n. 134) abgedruckt. 

0. H.-E. 

33. In der Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins N. F. 
XI, 318 f. giebt A. Schulte aus dem 5. Bd. des Strass- 
burger Urkundenbuchs einige neue Nachweisungen zur 
Geschichte des Chronisten Mathias von Neuen bürg 
und macht auf weitere Beziehungen zur Familie der Buch- 
ecker, welche sich in der Chronik finden, aufmerksam. 

34. Eine fördernde Untersuchung- über die Quelle zur 
Geschichte der Wettin er, welche deren letzter Herausgeber 
Opel noch Annales Vetero-Cellenses nannte, bietet 
O. Langer im Neuen Archiv für Sächsische Geschichte und 
Alterthumskunde XVII, 1. 2 auf Grund handschriftlicher 
Studien. Deren sichere Ergebnisse sind, dass der Ver- 
fasser der Schrift, welcher um 1410 schrieb, nicht Johann 
Tylich war, sondern dass dieser nur einen Auszug aus 
dem Werk machte, ferner dass es nicht im Kloster Alt- 
zelle verfasst ist. L. vermuthet, dass der Verfasser in 
Leipzig lebte. Die völlige Unzulänglichkeit der Ausgabe 
von Opel, welche allerdings schon bekannt war, wird durch 
diese Untersuchung schlagend erwiesen. 0. H.-E. 

35. R. Beer setzt in den Monumenta conciliorum 
generalium saeculi decimi quinti (ConciliumBasileense. Scrip- 
toriun Tomi tertii pars IV. Vindobonae, Gerold 1896) die 
Ausgabe der Historia sjnodi Basileensis des lohannes 
de Segovia fort. H. Bl. 

36. Von den Chroniken von Eiderstedt, welche 
R. Hansen in der Zeitschr. f. Schleswig -Holstein -Lauen- 
burg. Gesch. XXV, 163 ff. kritisch untersucht, gehört nur 
eine, das sog. Chron. Eiderstadense vulgare, dessen erster 
Theil in der zweiten Hälfte des 15. Jh. entstanden ist, 
ins Mittelalter. Der Verf. ist unbekannt. 

37. Eine Prüfung des Worms er Concordats durch 
C. Willing (Zur Geschichte des Investiturstreits. Liegnitz, 
Seyffarth 1896. I. zugleich Inaug. -Diss. Breslau) bietet 



320 Nachrichten. 

luir in Bezug auf die Stellung- des Erzbiscbofs Adalbert 
von Mainz einiges neue. H. Bl. 

38. In der Deutschen Zeitschr. f. Geschichtswissen- 
schaft N. F. I, 24 fle. untersucht S. Eietschel die Da- 
tierung der ersten beiden Strassburger stadt recht- 
lichen Aufzeichnungen imd setzt die älteste, zu der 
in neuerer Zeit zumeist aufgegebenen Meinung Arnolds 
zurückkehrend, erst ins Ende des 12. Jh., die zweite aber 
in die Zeit nach 1214. — Wenn diese Untersuchungen wohl 
noch zu einer weiteren Discussion Veranlassung geben 
werden, so dürfte die Frage nach Entstehung und Alter 
des ersten Freiburger Stadtrechts durch K. Hegel 
endgiltig entschieden sein, der in der Zeitschr. f. Gesch. 
des Oberrheins N. F. XI, 277 ff. gegen H. Maurer über- 
zeugend erweist, dass die Stiftungsurkunde der Stadt, 
zu der die ersten 5 Artikel des Stadtrechts gehören, im 
J. 1121 oder 1122 gegeben ist, während die folgenden 
Statuten allmählich im Lauf des 12. Jh. entstanden sind, 
und dass die von Maurer an dem Text des Stadtrechts vor- 
genommenen Correcturen zumeist auf Missverständnissen 
beruhen. 

39. In der Deutschen Zeitschr. f. Geschichtswissen- 
schaft XII, 297 ff. unterzieht W. Becker die berühmte 
Stelle des Sachsenspiegel Landrecht III, 57 § 2 über 
die Kurfürsten einer erneuten Besprechung und sucht die 
Entstehung der neuen Wahlordnung in der Zeit vor 1198 
zu begründen. H. Bl. 

40. Drei Stralsunder Gymnasiallehrer Reuter, Lietz 
und Wehner haben als wissenschaftliche Beilage zu den 
Programmen des Gymnasiums und Realgymnasiums Ostern 
1896 'das zweite Stralsundische Stadtbuch (1310 — 
1342)' herausgegeben, und zwar zunächst den 1. Theil des- 
selben 'Liber de hereditatum obligatione', nachdem das 
erste Stadtbuch bereits im J. 1875 gedruckt worden war. 
Die mit grosser Sorgfalt ausgeführte und mit guten Registern 
versehene Ausgabe eröffnet uns eine nach manchen Seiten 
wichtige rechts- und culturgeschichtliche Quelle. Der Rest 
der Hs. soll in einigen Jahren nachfolgen. E. D. 

41. E. Neubauer setzt seine Veröffentlichung aus 
den Aken er Schöffenbüchern 1349 ff. in den Ge- 
schichtsblättern für Stadt und Land Magdeburg XXXI, 
148 ff. fort (vgl. N. A. XXI, 783 n. 240); derselbe hat das 
1323 beginnende älteste Zerbster Schöffen buch in 



Nachrichten. 321 

den Mittheil, des Vereins f. anhält. Gesch. u. Alterthumsk. 
VII, 376 fp. herausgegeben. 

42. Als ersten, vornehm ausgestatteten Band der 
Acta concilii Constanciensis hat H. Finke mit 
Unterstützung der Berliner Akademie die Akten zur Vor- 
geschichte des Konstanzer Concils (Münster, Regensberg 1896) 
herausgegeben. Der reiche, wesentlich aus unbekanntem 
Material bestehende Inhalt, der durch sorgfältige Ein- 
leitungen der Benutzung zugänglicher gemacht ist, betrifft 
I. Die Unionsverhandlungen und Concilspläne 1410 — 1413. 
IL Das römische Concil 1412 und 1413. III. Die Vor- 
geschichte des Concils im Sommer 1413 — November 1414. 

H. ßl. 

43. In den Hansischen Geschichtsblättern 1895 
S. 137 ff. theilt K. Kunze ein bisher unbekanntes Statut 
der Schonenf ahrergilde zu Haarlem vom J. 1416 mit. 

44. In den Nachrichten der K. Gesellschaft d. Wiss. 
zu Göttingen Heft 2, S. 103—157. handelt P. Kehr über 
die Chronologie der Briefe Papst Pauls I. im Codex 
Carolin US und setzt die meisten Briefe anders an, als 
sie von Ph. Jaffe und demzufolge in der Ausgabe der 
MG. durch W. Gundlach angeordnet waren. O. H.-E. 

45. In dem Archiv für das Studium der Neueren 
Sprachen und Litteraturen B. 96, S. 333 — 340 handelt 
F. Liebermann über 2 Briefe Alcwines (n. 290. 291), 
deren einen er an den Erzbischof Eanbald IL von York 
gerichtet sein lässt, und verwerthet sie als Zeugnisse für 
das Gildenwesen in England. E. D. 

46. In der Deutschen Zeitschrift für Kirchenrecht 
V, 1 veröffentlicht der Lic. Götz in Passau 2 kanonistische 
Abhandlungen. In der ersten sucht er zu beweisen, dass 
die Kirchweihformeln des Liber diurnus (X — XXXI) 
als die vielleicht älteste Sammlung desselben bis in das 
Ende des 5. Jh. z. Th. zurückreichten und schon von 
Gregor I. angewendet worden seien. 

In der 2. Abhandlung wird das von Thauer u. a. als 
Brief Wido's von Arezzo bezeichnete Schriftstück für 
eine echte Decretale P. Paschais I. erklärt. Die in dieser 
Hinsicht hervorgehobenen Analogien scheinen mir nicht 
schlagend genug und über den Empfänger des Briefes 
(Heribert von Mailand) wird eine Aufklärung vermisst. 

E. D. 

Neues Archiv efc, XXII. 21 



322 Nachrichten. 

47. In deu Notices et Extraits des manuscrits 
XXXV, 1 ff. setzt Ch. V. Langlois seine Mittheilungen 
aus Formularbüchern des 11. — 13. Jh. fort; wir er- 
wähnen namentlich den von ihm besjDrochenen Libellus 
de arte dictandi rhetorice des Petrus von Blois in dem 
Cambridger Codex Dd. IX. 38. 

48. Zu dem von Redlich veröfEentlichten Ober- 
rheinischen Formularbuche (vgl. N. A. XXI, 783 
n. 242) macht A. Cartellieri, seine Echtheit voraussetzend, 
in der Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins N. F. XI, 314 fp. 
einige Bemerkungen , in denen er die Vermuthung aus- 
spricht , dass Heinrich von K 1 i n g e n b e r g , Rudolfs 
Protonotar, seit 1293 Bischof von Konstanz, Antheil an 
demselben gehabt habe. Bei dieser Gelegenheit theilt C. 
eine Urkunde des Landvogts von Oberschwaben Eberhard 
von Katzenellenbogen und des iudex provincialis Otto von 
Ochsenstein vom J. 1294 und eine Urkunde des Bischofs 
Johann von Basel vom J. 1356 mit. 

49. Das St. Pauler Formular', das J. Loserth 
in einem Cod. von St. Paul im Lavantthal aufgefunden 
und für den Verein für Gesch. der Deutschen in Böhmen 
herausgegeben hat (Prag, Dominicus 1896), enthält eine 
wichtige Sammlung von Briefen und Urkunden aus der 
Zeit Wenzels IL von Böhmen, die durchweg auf echten 
Vorlagen beruhen. Die Mehrzahl der Stücke bezieht sich 
zwar auf die innere Geschichte Böhmens, doch fehlen auch 
solche, die von Bedeutung für die auswärtige Politik sind, 
nicht ganz. Als Quelle für den theoretischen Theil hat 
namentlich Guido Faba gedient; einige Definitionen klingen 
auch an den liber dictaminum des Baldwinus (s. o. S. 299) 
an. — Der Text des St. Pauler Formulars ist nicht gut 
überliefert und noch mehrfach der Emendation bedürftig. 

50. Ueber ein höchst interessantes Formularbuch 
in clm. 17 788 aus S. Mang, das in die Kategorie der nach 
Tangl mit der Audientia litt, contradictarum zusammen- 
hängenden Sammlungen gehört, erstattet H. Simonsfeld 
in den Abhandlungen der Münchener Akademie III. Cl. 
Bd. XXI, 335 ff. eingehenden und lehrreichen Bericht. 
Auch dies Formularbuch beginnt mit dem bekannten Auf- 
satz 'est notandum quod littere domini pape alle bullantur 
cum serico, alie cum filo canapis' ; er enthält hier einige 
Bestimmungen mehr als in den bisher bekannten Fassungen 
und giebt auch im übrigen einige für die Feststellung des 



Nachrichteu. 323 

Textes beachteiiswerthe Lesung-en, die S. soro-fältig- er- 
läutert; ein Facsimile davon ist der verdienstlichen Ab- 
handlung beigegeben. Im übrig-en bringen die Beilagen 
eine Anzahl von Urkunden aus der Sammlung zum Ab- 
druck, von denen namentlich diejenigen, welche sich auf 
die kirchlichen Verhältnisse zur Zeit Ludwigs des Baiern 
beziehen, von erheblichem Interesse sind. — Ob die S. 385 ff. 
mitgetheilten merkwürdigen Protokolle der Audientia litt, 
contrad. angehören (vgl. S. 351), ist mir nicht sicher; ich 
würde eher an die Audientia causarum, die spätere Eota, 
denken. Zu S. 350 bemerke ich, dass mir die Identification 
der litterae simplices und legendae mit litt, gratiosae imd 
iustitiam continentes aus den angezogenen Stellen nicht zu 
folgen scheint, und dass das 'actum' in Beil. n. 1, S. 383. 
wohl dem Instrument des transsumierenden Notars, nicht 
den transsumierten Suppliken angehört. 

51. Der 35. Band des Corpus scriptor. ecclesiast. lati- 
norum (Wien, Tempsky 1895) enthält den ersten Theil der 
von O. Günther für die Savigny- Gesellschaft und die 
Wiener Akademie herausgegebenen Sammlung von c. 244 
Briefen und Erlassen römischer Kaiser, Päpste und kirch- 
licher Würdenträger aus der Zeit von 367 — 553, die unter 
dem — jetzt als irrig erkannten — Namen der Collectio 
Avellana bekannt ist. Die Einleitung der sehr sorg- 
fältigen Ausgabe behandelt hauptsächlich die hsl. Grundlagen 
der Edition, vervollständigt den zuerst von W. Meyer er- 
brachten Beweis, dass nicht der nach einer Notiz saec. XIV. 
von Petrus Damiani für Font' Avellana erworbene Cod. 
Vat. lat. 4961, sondern Cod. Vat. lat. 3787 die Quelle unserer 
ganzen Ueberlieferung für die Collectio ist, und untersucht 
die ueberlieferung der auch ausserhalb der Collectio er- 
haltenen Briefe. — Ueber die Entstehung und Zusammen- 
setzung der Collectio handelt Günther in scharfsinniger Aus- 
einandersetzung in den SB. der Wiener Akademie, phil.- 
hist. Classe, Bd. 134 n. 5. Er unterscheidet 5 Theilsamm- 
lungen der Avellana, deren erste n. 1 — 40 nach ihm auf 
das Archiv der römischen Stadtpräfectur, die zweite n. 41 
— 50 auf das bischöfliche Archiv in Karthago, die drei 
anderen (n. 51 — 55, n. 56 — 104 [mit Ausnahme der ein- 
geschobenen, aus viel späterer Zeit stammenden n. 82 — 93], 
n. 105 — 243) in letzter Instanz ganz oder grösstentheils 
auf die päpstlichen Eegisterbücher zurückgehen. Die ganze 
Avellana ist nach G. um die Zeit des Vigilius von einem 
römischen Gelehrten zusammengefügt worden. 

21* 



324 Nachrichten. 

52. Zwei Urkunden Innocenz' II. vom 22. März 
1140 und Eugens III. vom 14. Nov. 1145 für Kloster 
Savigny veröffentiicht H. Lacaille in der Bibliotheque 
de l'ecole des chartes LVII, 217 ff. 

53. Nach einer Notiz in der Bibl. de l'ecole des 
chartes LVII, 267 sind die Orig-inale der Urkunden Ha- 
drians IV. Jaffe-L. 10550 (so ist statt 16734 zu lesen) 
und Coelestins III. Jaffe-L. 16784 von dem Autographen- 
händler Charavay zum Verkauf ausgeboten. Ebenda j). 153 
wird mitgetheilt, dass das Or. der Urkunde Ha dri ans IV. 
Jaffe-L. 10015 im Febr. 1896 in London verkauft worden 
ist, und dass die Originale von zwei anderen Urkk. desselben 
Papstes Jaffe-L. 9974 und Jaffe-L. 10 288 von der Pariser 
Nationalbibliothek erworben sind (Nouv. acquis. lat. 
2291. 2528). 

54. Unter dem Titel 'Urkundliche Beiträge über die 
Stellung der Päpste zu den Juden' (zweite Lieferung, Kiel, 
Fiencke 1895) hat M. Stern 40 Papsturkuu den aus 
der Zeit von Alexander III. bis auf Innocenz IV. zumeist 
in extenso herausgegeben, von denen ein Theil bisher noch 
nicht im vollen Wortlaut bekannt war. Sehr ausführliche 
Erläuterungen sind beigefügt. 

55. Im Hist. Jahrb. der Görresgesellschaft XVII, 61 ff. 
machen H. V. Sauerland und L. Schmitz genauere 
Mittheilungen, als Eubel in der N. A. XXI, 597 n. 154 
erwähnten Arbeit bieten konnte, über die Itinerarien 
Urbans VI. und Johanns XXII I. 

56. Eine Münsterer Dissertation von G. Buschbell 
(Rom 1896, Separatabdruck aus der Römischen Quartal- 
schrift X) behandelt die Prof ession es fidei der Päpste. 
Wir erwähnen daraus die Erörterungen S. 24 ff. über die 
Form. 83 — 85 desLiber diurnus, S. 33 ff. über das mit 
Lib. diurn. 83 verwandte Formular des Deusdedit, 
welches nach B. von diesem selbst in tendenziöser Weise 
zurechtgemacht worden ist, und S. 47 ff. über die Professio 
Bonifatii VIII. Letztere erklärt auch B. für unecht, aber 
er setzt ihre Fälschung schon vor das J. 1311, meint, dass 
sie in Frankreich entstanden sei, und weist in einem 
Actenstück aus der Zeit des Kampfes zwischen Bonifaz VIII. 
und Philipp d. Seh. (Dupu}^ Preuves 454) ein Citat der 
Prof. nach, in dem auch der Lib. diurnus (dort lib. diuinus) 
noch erwähnt wird. 



Nachrichten. 325 

57. In der ersten der oben S. 76 als bevorstehend 
erwähnten Arbeiten über VercelleserUrkunden: Biella 
e i vescovi di Vercelli (Arch. stör. ital. Ser. V. Tom. XVII, 
279 ff.) erklärt F. Gabotto mit nicht ausreichenden 
Gründen die DD. Mühlbacher Reg. 1592, St. 2126. 2462 
für stark verdächtig-, St. 36-46. 4725 für nicht unbedenklich 
und vermuthet ihre Fälschung in der ersten Hälfte des 
14. Jh.; St. 1445 soll schon früher gefälscht sein. Ueber 
Mühlb. 1592 und St. 1445 (das von G. verdächtigte 'senior 
noster Otto' entspricht dem ständigen Brauch der Kanzlei 
Heinrichs II.) kann ich auf meine Ausführungen oben 
S. 59 ff. 73 ff. verweisen, aus welchen die Verfälschung des 
D. Karls durch Bischof Leo und die Echtheit des DH. II. 
hervorgehen. Bei allen späteren Urkunden hat G. das Ver- 
hältnis von Vorurkunde zu Nachurkunde ganz ausser Acht 
gelassen ; dadurch ist er zum Theil zu seinen irrigen 
Schlüssen gekommen. Die schwierigen Fragen, die nament- 
lich bei St. 2462 vorliegen, sind von ihm noch nicht auf- 
geworfen worden. — Gern erkenne ich indessen an, über 
die Geschichte einzelner Orte beachtenswerthe Aufschlüsse 
erhalten zu haben. H. Bl. 

58. In den Atti der Accademia di Torino vol. 31 
p. 172 — 184 veröffentlicht und erläutert L. Schiapa relli 
eine bisher ungedruckte Urkunde Berengars I. für die 
Abtei Bobbio (Böhmer 1290), wahrscheinlich aus dem 
Aug. 888. Von dem oben wie auch am Ende etwas ver- 
stümmelten Original im Turiner Staatsarchiv wird ein 
Lichtdruck beigefügt. E. D. 

59. In der Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins N. F. 
XI, 309 ff. behandelt H. Bloch die Ueberlieferung des 
D. Heinrichs IL (St. 1388) für Andlau und giebt im 
Anschluss daran ein Verzeichnis der uns erhaltenen Kaiser- 
und Papsturkunden für das Kloster, letzterer bis auf 
Bonifaz VIII. Bisher unbekannt sind drei DD. Sigmunds 
von 1414 Juli 17, 1415 Juni 13 und 1437 Juni 13, sowie 
die meisten der Papsturkunden seit 1232. 

60. Die Reinfelder Gründungsurkunden (vgl. N. A. 
XIX, 714 n. 258) behandelt neuerdings J. Johannsen 
in der Zeitschr. für Schleswig -Holstein -Lauenburg. Gesch. 
XXV, 1 ff., der eine neugefundene handschriftliche Ueber- 
lieferung für eine der Grafenurkunden und für das bisher 
nur aus dem Druck bei Noodt bekannte D. Friedrichs I. 
St. 4523 nachweist und letzteres danach neu ediert. In 



326 Nachrichten, 

Bezug auf die drei Grafeiiurkk. ist J. zu einer wesentlich 
anderen Auffassung gelangt als Hasse. Beigegeben sind 
der Untersuchung zwei noch nicht gedruckte gräfliche 
Privilegien von 1322 und 1323. 

61. Im Jahrb. der Gesellsch. f. lothring. Gesch. und 
Alterthumsk. VII, 2, 169 theilt G. Wolfram ein bisher 
unediertes D. Friedrichs II. d. d. Metz 1215 August 31, 
betr. die üebertragung von Waldrechten an den Abt von 
S. Arnulf, mit. In Folge dessen wird, wie W. bemerkt, 
nunmehr auch die sog. Commune pais de Metz in diese 
Zeit gesetzt werden müssen. — Ebenda publiciert W. 
S. 171 eine für die Genealogie der Flörchinger Linie des 
Lothringischen Herzogshauses wichtige Urkunde von 1206 
und S. 172 eine bisher nur dem Inhalt nach bekannte 
Urkunde Adalbero's I. von Metz von 953, deren Wort- 
laut indessen in auffallender Weise an den Sprachgebrauch 
des 13. und 14. Jh. anklingt. 

62. In der Zeitschr. des bist. Vereins f. Schwaben 
und Neuburg XXII, 153 ff. theilt F. X. Glas Schröder 
im Anhang zu einer weiteren Abhandlung über Markwart 
von Randeck, Bischof von Augsburg und Patriarchen von 
Aquileja (vgl. N. A. XX, 255 n. 79), 22 Urkunden und 
Urkundenauszüge mit, von denen wir ein D. Karls IV. 
für die bischöfliche Mensa zu Augsburg d. d. Nürnberg, 
19. Apr. 1350 (Böhmer-Huber 1271, bisher nur im Extr. 
bekannt) hervorheben. 

63. Aus den Erwerbungen des Germanischen National- 
museums zu Nürnberg verzeichnen wir nach dem Anzeiger 
1896, S. 20 ein D. Karls IV. für den Propst von Wetzlar 
vom 14. Febr. 1362, verschieden von Böhmer-Huber n. 3830, 
sowie eine Urkunde Benedicts XII. für Hersfeld vom 17. 
Nov. 1337, betreffend die Pfarrei Atzmanstetten. 

64. Die dankenswerthe Untersuchung von Th. Schön 
über die Reichssteuer der Städte Esslingen, Reutlingen 
und Rottweil (Mittheil, des Inst. f. österr. Geschichtsf. 
XVII, 234 ff.) stützt sich zum grossen Theil auf unge- 
druckte Urkunden, darunter zahlreiche Kaiserurkunden 
(namentlich Steueranweisungen und Steuerquittungen) 
Karls IV. und seiner Nachfolger. 

65. Aus den Regist erblichem des Königs Rup- 
recht druckt A. Ritter Anthony von Siege n fei d 
(Jahrb. d. k. k. herald. Gesellsch. 'Adler'. Wien 1896, S. 395 ff.) 



Nachrichten. 327 

38 von dem König verliehene Wappenbriefe und Standes- 
erhebung-en. H. Bl, 

66. Einer Abhandlung über den Drachenorden von 
dem 1796 verstorbenen F. P. von Smitmer (Jahrb. d. k. k. 
herald. Gesellsch. 'Adler'. Wien 1896) ist S. 80 ff. ein D. 
Sigmunds vom 3. August 1429 beigefügt. H. Bl. 

67. Im Archiv f. Frankfurts Gesch. und Kunst 3. 
F. V, 331 ff. wird die in den K. U. i. A. Lief. VI, T. 25 
gegebene Abbildung der goldenen Bulle Sigmunds für 
Frankfurt vom 30. Nov. 1433 mit Erläuterungen reproduciert. 

68. Im 10. Band der Analectes pour servir ä l'hist. 
ecclesiastique de la Belgique S. 20 ff. beginnt der Canonicus 
Eeusens nützliche Zusammenstellungen über die Kanzlei- 
beamten der wichtigsten geistlichen Stifter und weltlichen 
Herren Belgiens aus der Zeit vor 1200, in die auch 
andere dankenswerthe diplomatische Beobachtungen ein- 
geflochten sind. 

69. Im Histor. Jahrbuch VII, 235 ff. bespricht H. F. 
Helmolt die Entwicklung der Grenzlinie aus dem Grenz- 
saume im alten Deutschland; doch sind die Ergebnisse 
seiner nicht uninteressanten Beobachtungen nur mit grösster 
Vorsicht für die Urkundenkritik nutzbar zu machen, 
So liegt das von ihm auf Grund derselben verdächtigte 
St. 2347 noch in dem Original vor, das, nach gütiger Mit- 
theilung von H. Bresslau, durch den im Text zu den 
Kaiserurkk. in Abb. (Lief. II, Tafel 13) S. 27 Winitherius 
A genannten Notar mundiert ist ; seine Echtheit ist also 
in vollem Umfange sicher. Das Ordinationsjahr stimmt aller- 
dings, wie H. bemerkt, nicht mit den übrigen Daten; 
dafür entspricht es aber, wie ihn ein Blick auf die Stumpf- 
schen Regesten überzeugen wird, der damals durchweg 
geübten Rechnung in der Kanzlei. — In Bezug auf die 
Verunechtung von DO. I. 35 stimme ich H. zu. H. Bl. 

70. Ed. Bonvalot, Histoire du droit de la Lorraine 
(1895) theilt im 3. Anhange eine Privaturkunde von 868 (?) 
über einen Besitzstreit aus dem Kloster Gorze mit. 

E. D. 

71. Im Bd. VI n. 3 der 5. Serie der Bulletins de la 
Comm. rojale d'histoire de Belgique untersucht G. Des 
Marez eingehend die Urkunde Arnulfs von Flandern 
für das Genfer Kloster von Mont-Blandin vom J. 941 und 
giebt einen neuen Druck des Or. mit den Varianten der 



328 Nachrichten. 

Abschriften. Er erklärt die Echtheit der Urkunde und 
des Siegels für unbestreitbar, und wenn dies zutrifft, so 
ist das Siegel das älteste uns erhaltene eines weltlichen 
Fürsten. 

72. In dem Anzeiger für Schweizer. Gesch. 1896 
n. 3, S. 329 — 330 macht Ant. Denier Mittheilungen aus 
einem Appenzeller Calendarium des 13. Jh. und druckt 
eine schon bekannte Urk. des Abtes Norpert von St. 
Gallen von 1071 (richtiger nach Wartmann 1061), aber 
beides leider mit argen Lesefehlern, z. B. quum für quo- 
niam, iam für lani u. s. w. E. D. 

73. In den Geschichtsblättern für Stadt und Land 
Magdeburg XXXI, 1—124 veröffentlicht G. Hertel eine 
Abhandlung über die Saale bei Calbe, der ein IJrkunden- 
anhang (38 Nummern, 1168 — 1718) beigegeben ist. 

74. In den Miscellanea der E. deput. Veneta di storia 
patria N. S. Bd. III theilt F. K. Carreri unter dem Titel 
Spilimbergensia documenta praecipua eine Samm- 
lung von ßegesten und Urkunden aus der Zeit von 1248 
— 1414 mit, als Vorläufer eines Cod. diploraaticus Spilim- 
bergensis. 

75. In der Beilage zum Programm des Gymnasiums 
zu Neuss 1896 n. 463 veröffentlicht K. Tücking Regesten 
und Urkunden aus dem lange verschollenen, in Privatbesitz 
wieder entdeckten und jetzt dem Alterthumsverein zu Neuss 
überwiesenen Archiv der Gl a rissen von Neuss, be- 
ginnend mit dem J. 1262. 

76. Der N. A. XXI, 589 n. 165 ausgesprochene Wunsch 
nach einer neuen Untersuchung der angeblich ältesten 
deutschen Urkunde im Mülinen'schen Archiv ist schnell 
in Erfüllung gegangen; J. Seemüller weist in den Mit- 
theil, des Instit. f. österr. Geschichtsforschung XVII, 310 ff. 
völlig überzeugend nach, dass sie nicht ins Jahr 1221 ge- 
hört, sondern gerade ein Jahrhundert jünger ist. Ueber 
die fehlerhaft geschriebene oder gelesene Datierung darf 
man nun wohl eine Aufklärung des ersten Herausgebers 
der Urkunde erwarten. 

77. Die Beiträge zur Geschichte des uradeligen Ge- 
schlechts von Stoj entin bieten im ersten, von M. von 
Stojentin herausgegebenen Bande (Görlitz, Starke 1896) 
Urkunden und urkundliche Nachrichten von 1341 an. 

H. Bl. 



Nachrichten. 329 

78. Der Fortsetzung von H. V. Sauerlands Ge- 
schichte des Metzer Bisthums im 14. Jh. (vg-l. N. A. XXI, 
329 n. 61) sind mehr als 50 Metz er Urkunden und 
Regesten von 1319 an angehängt (Jahrb. der Gesellschaft 
f. lothring. Gesch. u. Alterthumsk. VII, 2, 149 ff.). 

79. Im Programm des Realgymnasiums zu Quaken - 
brück für 1896 n. 344 beendigt R. ßindel seine Publication 
der ältesten Quaken brücker Gildeurkunden (vgl. N. A. 
XXI, 790 n. 273). 

80. Der zweite Band des von F. Philippi heraus- 
gegebenen Osnabrücker Urkundenbuches (Osnabrück, 
Rackhorst 1896, vgl. N. A. XVIII, 716 n. 177) enthält in 
593 Nummern, von denen über 100 noch unbekannt waren, 
die Urkunden von 1201—1250. H. Bl. 

81. In den Mittheil, aus dem Stadtarchiv von Köln 
XXVII, 159 ff. führt H. Keussen das Verzeichnis un- 
datierter Stücke aus den Briefeingängen des 14. u. 15. Jh. 
fort (vgl. N. A. XXT, 585 n. 141). — Ebenda S. 222 ff. notiert 
R. Knipping aus den 1326 begonnenen Urkundenkopiaren 
der Stadt die anderweit nicht überlieferten Urkunden (mit 
1210 beginnend) und vereinigt damit die Regesten der 
Papierurkunden von 1401—1450. H. Bl. 

82. Im Programm des Gymnasiums zuTorgau 1896 
n. 258 beginnt C. Knabe die Publication eines ürkunden- 
buchs dieser Stadt. Der erste Theil reicht bis 1394. 

83. In den Mittheil, des Vereins f. Gesch. der Deutschen 
in Böhmen XXXIV, 248 ff. berichtet W. Mayer über die 
Urkimden des Stadtarchivs zu K 1 a d r a u imd veröffentlicht 
einige unbekannte Stücke daraus. 

84. Die vierte Lieferung des Oorkondenboek van 
Groningen enDrenthe (Groningen, Wolters 1896, vgl. 
N. A. XX, 678 n. 278) reicht bis 1378. Beigegeben ist eine 
schöne Siegeltafel. 

85. In dem zweiten Halbband der Rege st a diplo- 
matica nee non epistolaria historiae Thuringiae (Jena, 
Fischer 1896) führt Dobe necker sein verdienstliches Werk 
bis zum J. 1152 (vgl. N. A. XX, 679 n. 287). Ein ausführ- 
liches Namensregister für den ganzen ersten Band ist bei- 
gegeben. H. Bl. 



330 Nachrichten. 

86. Im Programm des Realgymnasiums zu Frank- 
furt a. O. 1896 n. 103 giebt A. Gurnik Regesten der 
Urkunden des dortigen Stadtarchivs von 1377 — 1512. 
Die meisten Stücke waren schon durch Riedel veröffentlicht. 

87. Der unermüdlichen Thätigkeit des Utrechter 
Archivars S. Muller Fz. verdanken wir ein neues werth- 
volles Urkundenwerk zur Geschichte seiner Stadt, die Re- 
gesten van het archief der stad Utrecht (Utrecht, 
Breijer 1896), die den zweiten Theil seiner Beiträge zum 
ÜB. des Stifts Utrecht bilden. Das mit grösster Sorgfalt 
bearbeitete Werk verzeichnet 1487 Regestennummern vom 
11. Jh. bis 1528, 

88. In der Zeitschrift für Deutsches Alterthum XL 
S. 246 — 253 versucht W. Luft als Zeitpunkt der Widmung 
von Otfrids Evangelienbuch an Ludwig den D. die erste 
Hälfte des Jahres 870 nachzuweisen, im Hinblick auf den 
entscheidenden Erfolg über Mähren und auf die Beilegung 
des Bruderzwistes. Es ist und bleibt sehr schwer, unter 
der bewegten Regierung dieses Herrschers friedsame Zeiten 
zu ermitteln. E. D. 

89. In der Zeitschrift für Deutsches Alterthum XL, 
375 ff. hat E. Dümmler den merkwürdigen, bisher aus 
mehreren Hss., aber nur unvollständig bekannten Rhyth- 
mus De lacob et loseph mit Hülfe eines von Hampe 
verglicheneu Cheltenhamer Codex saec, IX., welcher allein 
den Schluss überliefert, zum ersten Mal ganz heraus- 
gegeben. 

90. In der Zeitschrift für die österreichischen Gym- 
nasien 1896, III. Heft veröffentlicht C. Kraus eine ein- 
gehende Recension von M. Rödigers Ausgabe des Anno- 
liedes (Deutsche Chron. I, 2), vertritt auch zum Theil 
abweichende Meinungen, so, dass die von Vulcanius heraus- 
gegebene Stelle aus der von Opitz benutzten Hs., nicht 
aus einer dieser nahe verwandten stamme. O. H.-E. 

91. Von Wyclif's Tractatus de simonia haben 
S. Herzberg-Fränkel und M. H. Dziewicki eine 
sorgfältige Ausgabe mit ausführlicher Einleitung für die 
Wyclif- Society veranstaltet (Lond. 1898!). 

92. Im Jahrb. der Geselisch. f. lothring. Gesch. und 
Alterthumsk. VII, 2, 1 ff. hat der Abbe Victor Chätelain 
ein Verzeichnis der Vassalien der Herren von Finstingen 
aus der Mitte des 13. Jh. mit eingehenden Erläuterungen 



Nachrichten. 331 

herausgegeben. Das Verzeichnis ist für die Genealogie 
und Geschichte des lothringischen Adels sehr werthvoll. 

93. Die Miscellanea der R. deput. Veneta di storia 
patria N. S. Bd. II enthalten ein von G. Mazzatinti 
herausgegebenes Necrologium von S. Agostino zu Padua, 
das für die Geschichte Padua's im 14. Jh. von erheblichem 
Interesse ist. 

94. In der Deutschen Zeitschr. f. Kirchenrecht VI. 
24 fE. veröffentlicht O. Seebass aus einer Hs. der Am- 
brosiana ein noch ungedrucktes Bobbienser Poenitentiale 
von durchaus keltischem Stoff und Inhalt. H. Bl. 

95. Im 54. Jahresbericht des Museum Francisco- 
Carolinum zu Linz S. 121 ff. ediert 0. Grillnberger 
das älteste, dem Ende des 13. Jahrh. entstammende Urbar 
des Cisterzienserstifts Wilhering. 

96. Im Anhang zu einer Abhandlung über MarkgTaf 
Friedrich d. Freidigen von Meissen und die Meinhardiner 
von Tirol 1296—1298 (Mittheil, des Instit. f. österr. Ge- 
schichtsf. XVII, 209 ff.) theilt W. Lippert Auszüge aus 
Rechnungen der J. 1296 ff. im Innsbrucker Archiv mit, 
welche über den Aufenthalt des Markgrafen in Tirol 
sicheren Aufschluss geben. 

97. In den Neuen Mittheilungen des thüring. -sächs. 
Alterthumsvereins XIX, 2 (Halle 1896) S. 233—240 giebt 
J. Förstemann den Inhalt von 2 Doppelblättern der 
Leipziger Universitätsbibliothek heraus, die er als ein dem 
J. 1448 angehörendes Bruchstück aus einem Ausgabe- 
buche vom Kammermeister des Grafen Günther von 
Beichlingen (f 1452) erweist. E. D. 

98. Im Archiv f. Frankfurts Gesch. und Kunst 3. F. 
V, 336 ff. theilt R. Jung die Kostenrechnung einer 
Frankfurter Gesandtschaf tsreise nach Rom im J. 1477 
mit, deren Zweck die Erwirkung päpstlicher Privilegien, 
insbes. einer sog. Butterbulle, war. 

99. In den Mittheil, des Vereins f. hamburg. Gesch. 
XVII, 323 ff. steht ein Bericht über die Auffindung der 
Gräber der Erzbischöfe Liemar und Friedrich von 
Bremen. Beide waren in Mönchskutten begraben, der 
erstere mit Lederschuhen an den Füssen, ohne Sarg, in 
einer Grabnische. Im Grabe Liemar's fand sich eine Blei- 
platte mit der Inschrift: 'XVII. kal. iunii Liemarus archi- 
episcopus ob. constructor huius aeclesiae'. Das Grab 



332 Nachrichten. 

Friedrichs war schon früher einmal eröffnet, die in dem- 
selben befindliche Bleitafel ist stark zerstört, und nur mit 
Mühe war der Name des Erzbischofs zu entziffern. 

100. In dem Bremischen Jahrbuch B. XVII, S. 128— 
161 (Bremen 1895) handelt J. Focke über einen kostbaren 
Eeliquienschrein mit den Gebeinen des h. Cosmas und 
Damianus, welcher für den Bremer Dom seit 1400 an- 
gefertigt, im J. 1648 von dem Domcapitel an den Kur- 
fürsten Maximilian von Baiern verkauft wurde und gegen- 
wärtig die Münchner Michaelshofkirche schmückt. 4 Tafeln 
in Lichtdruck geben uns ein Bild dieses bremischen Kunst- 
werkes. E. D. 

101. In den Mittheilungen des Vereins f. Gesch. der 
Deutschen in Böhmen XXXIV, 282 ff. theilt J. Neuwirth 
ein Schatzverzeichnis des Dominicanerklosters zu Pilsen 
aus dem 14. Jh. mit. 

102. E. Braun, Beiträge zur Geschichte der Trierer 
Buchmalerei im früheren Mittelalter (Westdeutsche Zeitschr. 
Ergänzungsheft IX. Trier 1895) erweist den Trierer Ur- 
sprung eines in Preiburg i. B. befindlichen Sacramentars 
saec. X. ex. und vermag eine Anzahl wichtiger anderer 
Bilderhss. der Trierer Schule des 9. und 10. Jh. zu- 
zuweisen. Werthvolle Ergänzungen dazu liefert Vöge im 
Repertorium für Kunstwissenschaft XIX, 2. H. Bl. 

103. Die 8. Lieferung der Facsimile - Ausgabe des 
Hortus deliciarum der Herrad von Landsberg enthält 
die Tafeln 54- 63 und vier Seiten Text zu T. 49—53. 

104. M. Prou hat eine zweite Sammlung von Schrift- 
proben des 12.— 17. Jh. auf 12 Tafeln (Paris, Picard 1896) 
herausgegeben. H. Bl. 

105. Im Histor. Jahrb. XVII, 319 ff. macht A. Meister 
durch interessante Mittheilungen auf Bestände des Vene- 
tianischen Archivs aufmerksam, aus denen werthvolle Bei- 
träge zur Geschichte des Venetianischen Chiffrenwesens 
zu gewinnen sind. H. Bl. 

106. In der neuen Zeitschrift Bessarione I. (Eoma- 
Siena 1896) 40 ff. werden Mittheilungen über Unter- 
suchungen von R. Brigiuti gemacht, der aus Zusammen- 
setzung und Färbung der Tinte Momente zur zeitlichen 
Zuweisung von Schriftstücken, namentlich des 14. Jh., ge- 
winnen will. H. Bl. 



Nachrichten. 333 

107. Im Archiv f. Frankfurts Gesch. u. Kunst 3. F. 
V, 1 ff. veröffentlicht H. v. Nathusius-Neinstedt eine 
neue, erheblieh verbesserte Ausgabe der schon von Euler 
edierten Beschreibung der Stadt Frankfurt a. M. von dem 
Canonicus Baldemar von Peterweil (gest. zwischen 
1379 und 1384) mit Uebersetzung des lateinischen Textes. 

108. Das 4. Heft der von K. Miller herausgegebenen 
'ältesten Weltkarten' (Stuttgart, Eoth 1896; vgl. N. A. 
XXI, 598) bringt eine Ausgabe der in der Kathedrale von 
flereford erhaltenen Karte des Richard von Halding- 
ham aus dem Ende des 13. Jh. mit ausführlicher Be- 
schreibung und eingehenden Erläuterungen. Merkwürdig 
ist hier die Unterscheidung von Germania superior und 

nferior, insofern diese die Lande östlich und die Lande 
westlich von der Elbe von einander trennt. 



VI. 



Reise nach England 

vom Juli 1895 bis Februar 1896. 



II. 



Von 



Karl Hampe. 



Neues Archiv etc. XXII. 22 



Mittlieilungen 
aus einzelnen englischen Handschriften. 

(Fortsetzung.) 

Till. Aus einem Register des Cardiiials Ottoboiiiis aou 
S. Adrian (etwa 1259—1267). 

Während meines Aufenthaltes in Oxford durchblätterte 
ich auf der Bodleiana eine Brief samnilung im Cod. Land. 
Mise. 645, auf die ich durch einig-e Notizen im gedruckten 
Katalog von Coxe ' aufmerksam geworden war. Entsprach 
auch das Aeussere durchaus dem der landläufigen Formel- 
sammlungen des späteren Mittelalters, die oft nur geringen 
geschichtlichen Werth haben, so war doch bald genug zu 
ersehen, dass der grösste Theil der Briefe auf echte Vor- 
lagen von historischer Bedeutung zurückgeht, die durch 
die gleiche Person des Absenders sich zu einer Einheit 
zusammenfügen. Dieser Absender ist, wie eine nähere 
Prüfung ergab, Ottobonus von Fiesco, Cardinaldiakon von 
S. Adrian, und einem Register seiner Briefe, das etwa die 
Jahre 1259 — 1267 umfasste und heute verloren ist, sind 
die meisten Stücke unserer Formelsammlung entnommen -. 

Dies interessante Ergebnis hätte wohl zu einer gründ- 
lichen Ausschöpfung, ja zu einer vollständigen Abschrift 
dieser Briefe verleiten können, wenn nicht die mir zu 
Gebote stehende Zeit und der Zweck der Reise doch be- 
stimmte Grenzen gezogen hätten. Wie die Dinge lagen, 
konnte es mir nur darauf ankommen, einen Ueberblick 
über den Inhalt der Sammlung zu geben, auf Stellen hin- 
zuweisen, welche durch Nennung von Namen Anhaltspunkte 
für die Bestimmung bieten, und endlich einzelne wichtigere 
Stücke, insbesondere die, welche für die deutsche Reichs- 
geschichte von Bedeutung sind, abzuschreiben. — In den 
Briefen, die ich im Anhang abdrucke, finden sich Be- 
ziehungen auf Ezzelin, Richard von Cornwall, Manfred, 



1) Catalogi codicum manuscriptorum bibliothecae Bodleianae 11. 
Oxon. 1858. 2) Bruchstücke aus den Reg-istei-n der Cardinäle Ugolin 

von Ostia und Octavian degli Ulialdini hat Guido Levi (Fonti per la storia 
d'Italia. Roma 1890) veröffentlicht. Ein Legateuregister des späteren 
Pa]istcs Clemens IV., damals Guido von Sabina, vom Jahre 1264 findet 
sich im Cod. Paris. Bibl. Nat. Nouv. acqu. lat. 2323 s, XVII f. 292 (vgl. 
L. Delisle, Collections de M. Jules Desnoyers. Paris 1888 S. 18—20). 

22* 



338 Karl Hampe. 

Konracliii, auf die Wahl Clemens' IV. u. s. w., die zum 
Theil schon Bekanntes bestätigen, zum Tlieil aber auch 
Neues bringen. Freilich ist bei dem Fehlen der meisten 
Namen, fast aller Adressen und Datierungen die Bestimmung 
oft nicht zweifellos, aber eine annähernde Sicherheit lässt 
sich doch meist erzielen, zumal die zeitliche Folge der 
Briefe, die nur einmal unterbrochen zu sein scheint (vgl. 
n. 49), einen Anhalt gewährt. — Dass sich in denjenigen 
Stücken, die in der Uebersicht nur mit Anfang und Schluss 
verzeichnet sind, noch vieles verbirgt, was für die deutsche 
Reichsgeschichte von Bedeutung wäre, glaube ich nicht ; 
aber läge das Ganze zur gründlichen Durchprüfung ge- 
druckt vor, so Hessen sich doch vielleicht noch manche 
Beziehungen erschliessen oder errathen, die bei flüchtiger 
Durchsicht schlechterdings nicht zu erkennen waren. 

Weitaus das lebhafteste Interesse beansprucht in der 
Sammlung die grosse Zahl von Briefen, die Ottobonus seit 
dem Jahre 1265 in seiner Eigenschaft als päpstlicher Legat 
für England geschrieben hat. Die Curie hatte ihn dort- 
hin gesandt, damit er mit allen geistlichen Machtmitteln 
helfe, die Gewalt des Königthums gegen die rebellischen 
Barone und die Autorität der römischen Kirche gegen die 
widerspänstigen Bischöfe herzustellen. Die Ereignisse kamen 
ihm zu Hülfe, und so konnte er seine schwere Aufgabe, 
an der noch wenige Jahre zuvor Papst Clemens IV., da- 
mals noch Cardinallegat, gescheitert war, mit unleugbarem 
diplomatischen Geschick zu glücklichem Ende führen. Für 
diese bedeutsamen Vorgänge der englischen Geschichte 
sind die genannten Briefe eine Quelle ersten Ranges, und 
es ist daher keine allzu starke Zumuthung an englische 
Historiker, hier selbst für eine Veröffentlichung zu sorgen. 
Den Zwecken meiner Reise lag das fern, und ich gebe 
daher nur als Probe einen dieser Briefe, der auch durch 
die Beziehung auf Richard von Cornwall beachtenswerth 
i.st (n. 64 =VIII). Die erläuternden Bemerkungen, die 
ich hier und da in die Uebersicht einfüge, sollen nur 
Fingerzeige geben, können aber natürlich nichts Ab- 
schliessendes bieten. 

Ottobonus entstammte dem genuesischen Adelsge- 
schlechte der Fiesco, Grafen von Lavagna. Von seinem 
Oheim Innocenz IV. war er zum Cardinalat erhoben und 
überreichlich mit Pfründen ausgestattete Jahrzehntelang 



1) Ich stelle darüber einige Xoti/.eu zusammen. Ottobonus war 
Archiiliakon von Canterbury (W. Farquhar Hook, Lives of the archbisliops 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 339 

hat er im Cardinalscolleginm eine einfliissreiche Rolle 
gespielt, bis sich endlieh die Papstwahl auf ihn lenkte : 
aber noch vor der Weihe ist Hadrian V,, wie er sich nach 
seinem Cardin alstitel nannte, gestorben (1276). 

Die Briefe eines solchen Mannes, zum grossen Theil 
vertraulicher Art, müssen uns, auch abgesehen von dem 
thatsächlichen Gewinn, den sie für die Geschichte des 
deutschen Reiches oder anderer Länder ergeben, werthvoll 
sein. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts übten die Strö- 
mungen im CardinalscoUegium auf die päpstliche Politik 
einen sehr viel tiefer greifenden Einfluss, als im einzelnen 
Falle zu erkennen ist. Wir sehen die fertigen Entschlüsse 
des Papstes, aber wir wissen nur selten von den Ver- 
handlungen, die dazu geführt haben. Alles, was dazu 
dient, uns diese Unterströmungen deutlicher erkennen zu 
lassen, wird uns auch das Verständnis der päpstlichen 
Politik erleichtern. Die Briefe des Ottobonus aber sind 
in dieser Hinsicht sehr lehrreich. Er correspondiert mit 
Ludwig IX. von Frankreich, mit Richard von Cornwall, 
mit Jakob von Aragonien, mit Kaiser Michael Paläologus. 
Es ist wahr, — bei der Politik, die er so auf eigene Faust 
treibt, scheint er überall im Sinne des Papstes zu handeln, 
wenn auch z. ß. bei der Senatorwahl Richards die Eigen- 
mächtigkeit mehr zu Tage tritt. Aber er gehörte eben 
zur herrschenden franzosenfreundlichen Partei^, und wir 
verstehen: ein Cardinal, der zur Minderheit gehört, wird 
unter Umständen auch Politik treiben, die den Massnahmen 
der Curie zuwiderläuft. 

Nicht auf alle Einzelheiten will ich hier hinweisen, 
auch nicht die anschaulichen Schilderungen wiederholen, 
die Ottobonus selbst von dem Leben eines Cardinais an 
der Curie oder von den Bedrängnissen eines Conclave 
giebt, — aber ist es z. B. nicht bezeichnend für den Ponti- 
ficat Clemens' IV., dass der ihm persönlich befreundete* 



of Canterbury. London 1865. III, 301), von Reims (Marlot, Histoire de 
Reims. Reims 18i(3. III, 623. 811), von Parma (Affö, Storia della cittä 
di Parma. Pai-ma 17Ü5. IV, 23) ; er war Kanonikus von Notre Dame de 
Paris (Collect, des cartul. de France VII , Cart. de Notre Dame ed. 
Guerard p. 125) und der Kathedrale von Piacenza (Pog<iiali, ^Memoria 
storiche di Piacenza. Piac. 1758. V, 2-i7. 372. 373). Zu seinen Einkünften 
kamen überdies die Erträge seiner Besitzungen im Genuesisclien (vgl. 
Ann. lan. SS. XVIII, 282). Vgl. auch die Angalien bei L. Cardella, 
Memorie storiche de' cardinali. Roma 1792. I, 2, 281. 1) Vgl. Ann. 

Piac. SS. XVIII, .533. 2) Man vergleiche Wendungen wie die in dem 
Briefe Clemens' IV. vom 8. Mai 1266 : 'Licet tua satis amaro auimo 
l)raesentia caruerimus'. 



340 Karl Hampe. 

Ottobonus einen seiner Legatenberichte nicht an ihn, 
sondern an das Cardinalscollegium richtet und dessen Rath- 
schläge erbittet? 

Und nicht nur die Briefe des Cardiuals, sondern auch 
die des Menschen Ottobonus fesseln unser Interesse. Wie 
dachte und empfand ein hochgebildeter Italiener um die 
Mitte des 13. Jahrhunderts? Das ist das Thema, zu dem 
unsere Briefe manchen werthvollen Beitrag liefern. Schon 
aus dem Wenigen, was ich unten mittheile, in Verbindung 
mit den an ihn gerichteten Briefen Clemens' IV. kann 
man die Hauptcharakterzüge des Ottobonus klar erkennen. 

Er ist offenbar eine feingebildete Persönlichkeit, in 
sich selbst harmonisch und darum auch mit einem Be- 
dürfnis nach Harmonie in seiner Umgebung, mehr nach 
der Seite der Intelligenz und Phantasie entwickelt, als 
nach der des Willens, sich mit den Dingen mehr abfindend, 
als sie bestimmend. Seine Briefe verrathen wohl den ge- 
suchten, barocken Stil seiner Zeit, behandeln ihn aber 
doch zum Theil mit grosser Selbständigkeit und Freiheit, 
ja mit einem gewissen geistreichen Humor und muthen 
dann merkwürdig humanistisch an. Trotzdem gehört Otto- 
bonus wohl kaum zu den führenden Geistern ; so manchen 
revolutionären Regungen seiner Zeit wird er kühl ablehnend 
gegenübergestanden haben, gerade wie er die Schwärmerei 
für die Schönheit einer wilden Gebirgslandschaft mit einem 
ironisch-mitleidigen Lächeln abzuthun glaubt. Seiner fein- 
sinnigen , liebenswürdigen Natur entsprechend , füllt er 
überall da seinen Platz aus, wo es sich um wohlwollende 
Vermittelung, um kluge diplomatische Schachzüge handelt. 
Darum wird auch seine Thätigkeit als Legat in England mit 
Erfolg gekrönt, weil er sich zwischen die Parteien stellt und 
bald auf den König, bald auf die Rebellen einen Druck aus- 
übend, ein ungemein feines Spiel mit ihnen treibt. Aber 
wie ungern hat er anfangs die Unbequemlichkeiten der 
Reise mit dem ruhigen Aufenthalt an der Curie vertauscht ! 
Welchen Mangel an Entschlussfähigkeit und Verantwortungs- 
kraft zeigt er auch hier bei jedem bedeutsamen Schritt! 
Immer und immer wieder muss ihm der Papst klar machen, 
dass ihm aus der Ferne keine Vorschriften ertheilt werden 
könnten, muss er ihn mahnen, auf dem dornenvollen Wege 
auszuharren und etwas mehr Selbstvertrauen zu zeigen. 

Das Bild seines Charakters, das hier nur angedeutet 
sein soll, würde durch die ungedruckten Stücke gewiss 
noch um manchen Zusf bereichert werden. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 341 

Unsere Formelsammlung- enthält ausser den Briefen 
aus dem Register des Cardinais noch einzelne andere echte 
Stücke, wie gleich zu Anfang den Brief Alexanders IV., 
daneben aber auch manche Stilübung-en ohne Werth oder 
farblose Fragmente, die echten Vorlagen entnommen sein 
mögen. Wie weit die Zugehörigkeit zum Register des 
Ottobonus reicht, darüber kann mau im einzelnen Falle 
vielleicht streiten; dass aber die Hauptmasse der Briefe 
(etwa n. 28 — 97) von ihm verfasst ist, obwohl sich sein 
Name nur einmal in einer Adresse erhalten hat, das be- 
darf keiner ausführlichen Darlegung, sondern nur des 
Hinweises auf die mannigfachen Beziehungen zu seiner 
Person, die sich ohne Schwierigkeit erkennen lassen. Wahr- 
scheinlich ist von dem Compilator der Formelsammlung 
nicht Stück für Stück aus dem Register ausgesehrieben, 
sondern es ist eine willküi'liche Auswahl getroffen \ wobei 
indes die zeitliche Folge im Wesentlichen aufrecht erhalten 
wurde. 

Keiner der Briefe des Ottobonus in unserer Sammlung 
deutet auf die Zeit nach seiner Rückkehr von England 
(5. Juli 1268); soweit meine Notizen Anhalt geben, ist über- 
haupt kein Stück mit Sicherheit später als 1266 zu setzen. 
Die Vermuthung liegt nahe, dass der Registerband, der 
hier ausgebeutet ist, dem Cardinal während seines englischen 
Aufenthaltes durch irgend ein Missgeschick verloren ging. 
Gelegenheit dazu gab es ja genug. Eigenthümlich berührt 
eine Nachricht der Annales Londonienses -, dass am 23. 
Dec. 1266 drei Cleriker des Legaten Ottobonus bei Oxford 
überfallen und ermordet seien, ohne dass die Thäter nach- 
her hätten ermittelt werden können. Kam etwa damals 
der Registerband in fremde Hände, wurde dann irgendwo 
in Oxford aufbewahrt und später zu der Formelsammlung 
benutzt? In Oxford wenigstens ist der vorliegende Codex 
vermuthlich geschrieben ; daraiif deuten die auf die dortige 
UniA^ersität bezüglichen Schriftstücke, die nach dem Index 
ursprünglich in ihm enthalten waren. - — Möglich ist aber 
auch , dass das Register zurückblieb , als der Legat am 
27. April 1267^ das rebellische London verliess und 
heimlich aus dem Tower in das königliche Lager hinüber- 



1) Ein Brief des Ottobonus vom 28. Febr. 1266 (nicht 1265), der 
sich in unserer Sammlung nicht findet, ist von Shirley, Royal etc. letters 
of the reign of Henry III., Vol. II, 299 veröffentlicht. 2) Chronicles of 
the reigns of Edward I. and Edward II. ed. Stubbs. London 1882 I. 76. 
3) Ann. Lond. S. 78. 



342 Karl Hampe. 

ging". Und so Hessen sich noch andere Möglichkeiten an- 
deuten, Sicheres ist darüber nicht zu sagen. 

Auf eine ausführliche Beschreibung des ganzen Codex 
kann ich verzichten ; Coxe hat in seinem Katalog eine 
Aufzählung des sonstigen Inhalts gegeben. Der Folioband 
ist in Holzdeckel mit Lederüberzug gebunden und im Be- 
ginn des 15. Jh. ganz von einem Schreiber geschrieben, der 
sich am Schluss des ersten Werkes als Petrus bezeichnet^. 
Im Jahre 1528 war die Hs., wie ein Eintrag auf dem 
ersten Blatte besagt, im Besitze des Herrn 'Everardi Dygby 
militis comitatus Rutlandie', kam später in die Sammlung 
des Erzbischofs Land und mit ihr in die Bodleiana. Die 
Seiten sind in je zwei Columnen getheilt, die Anfänge der 
Werke und einzelnen Briefe mit hübschen Initialen ge- 
schmückt; 61 Zeilen sind auf jeder Seite sehr eng gezogen. 
Die Schrift ist im allgemeinen sorgfältig, doch laufen 
Fehler oft genug unter. 

Unsere Formelsammlung umfasst zwei Lagen von 
je 12 Blättern und reicht jetzt von f. 118 — f. 141'. In 
dem Index, der auf f. 1 von einer Hand des 15. Jh. ein- 
getragen ist, wird sie bezeichnet als: 'Epistole multum 
Ornate et rethorice'. Sie beginnt ohne besondere Uebej:- 
schrift, jedoch vollständig und mit Initiale, bricht aber un- 
vollständig ab. Wie viel fehlt, ist nicht mehr zu erkennen, 
da der jetzige Einband offenbar erst gemacht wurde, als 
die Lücke bereits vorhanden war. Eine Lage ist ur- 
sprünglich jedenfalls noch gefolgt; ob sie aber ähnliche 
Briefformeln enthalten hat, ist fraglich, da gerade die 
letzten Columnen bereits einen anderen Charakter tragen. 
Von dem Cardinalsregister hat schwerlich noch etwas auf 
den fehlenden Blättern gestanden, da die Auszüge aus 
ihnen schon viel früher abbrechen. 

Ich lasse nun eine Uebersicht über den Inhalt der 
Sammlung, deren einzelne Stücke ich numeriere, folgen 
und schliesse daran den Abdruck von neun vollständigen 
Briefen. 

1) f. 118. Brief Alexanders IV. vom Frühjahr 1259 
(siehe hinten n. I). 

2) f. 118'. Audivi audicionem bonam — patria pere- 
grinus. An einen 'amicus' gerichtet, ohne historischen 
Inhalt. 



1) 'Qui me scribebat, hie Petrus uomen habebat'. 



Reise nach England vom Jnli 1895 bis Februar 1896. 343 

3) f. 119. Beata Spiritus dona paracliti etc. Bitte an 
den Papst für eine 'sancta plantacio sororum, quibus 
Minorum nomen mera depntavit liiimilitas in eadem civi- 
tate' ; ohne Namenangabe. 

4) Invia, per quam spargitur — eciam ab extremis ; 
ein Gesuch um Hülfe. 

5) Ad lapidem offensionis etc.; an den Papst (Alex- 
ander IV.?). A summo pastore oves in Petro presidium 
exposcimus ... Es wird Abhülfe gefordert gegen die 
Missstände, die aus der Vereinigung der Bittsteller und der 
'fratres Sancte Trinitatis Regine diocesis' erwachsen sind. 

6) f. 119'. Ingemitur quondam amarissimum — im- 
pediat enarretur. Valete in Christo. Schmerz über einen 
Todesfall; am Schluss etwa: Diese Nachricht habe ich 
meinem Neffen E,. nicht durch ein besonderes Schreiben 
mittheilen wollen; es ist besser, dass es mündlich durch 
Euch oder andere fratres geschieht. 

7) Vaga est mens — diucius peregrinat; an den 
Papst (?) von einem, der im Kerker gewesen ist und vieles 
erduldet hat. 

8) f. 120. Suo domino A. sua M. etc. Brief einer 
verlassenen Gattin an den treulosen Gatten. 

9) Quod votis meis — promptum et obnoxium sus- 
ceptorem ; ohne Bedeutung. 

10) Patri concivi, amico et in omnia pariter carissimo 
suo fratri P. suus B. etc. Schwülstige Stilübuno-. 

11) Reverendo patri et domino 0. G. et R. cum 
omni reverencia et devota recommendacione se ipsos. lila 
patris in filios etc. Zustimmung zu der Einigung, die O. 
zwischen 'nos et consanguineos nostros' herzustellen sich 
bemüht. Dies Stück ist vielleicht schon dem Register 
des Cardinaldiakons Ottobonus von S. Adrian entnommen, 
während die folgenden Nummern wieder grösstentheils 
Stilübungen zu sein scheinen. 

12) f. 120'. Mater diligens — filio dilecto G. legum 
ministro — in tempora longiora. 

13) f. 121. Si gracie plenitudo — iudicium peregrinet. 

14) Gloria vestra testimonium consciencie nostre, cle- 
mentissime pater etc. ; Bitte an den Papst, 'dilecto nostro 
B.' ein Amt zu verleihen. 

15) Ignoto ignotus. Notum accij^ere — nobilis funda- 
menti. 

16) f. 121'. Dum in nepharios — ulcionis assueta. 

17) Assueta dolis improbitas — non erubescat. 



344 Karl Hampe. 

18) Desiderabilia nostrornm affectuum — successibus 
deputare. 

19) Delicta iuventutis — vestigia calcaverunt. 

20) f. 122. Arguerem, iiisi redargucionem — cervicalis. 

21) Quo animo sumus — efficaciter intendentes. 

22) Regalis excellencia divine bonitatis exemplaria 
perlegit — propensius commendatnin. Empfehlungsbrief 
für einen 'clericus noster G.', der in Paris Theologie 
studieren will, an den König (Ludwig IX.) von Frankreich. 

23) Lator presencium G. dilectus clericus noster — 
commendatus. Desselben Inhalts. 

24) Dilecto in Christo domino fratri T. de ordine 
Praedicatorum suus B. presentem et eternam salutem. 
Sancta est pietas — regnum Dei. 

25) f. 122'. Mit derselben Adresse. Bonus est Do- 
minus — particeps custoditi. 

26) In statera iuris etc. und 

27) Destinati nobis muneris etc., beides kurze Stücke. 

28) An König (Ludwig IX.) von Frankreich, vermuth- 
lich schon aus dem Register des Ottobonus geschöpft (siehe 
hinten n. II). 

29) f. 123. Suscipienti iocunde animo vestro etc. Im 
Tone nahe verwandt mit Brief 47 und vielleicht an dieselbe 
Person gerichtet. Dies Stück ist offenbar schon, wie die 
folgenden, dem Register des Ottobonus entnommen. Aehnlich 
wie in n. 47 wird die Umgebung des Aufenthaltsortes 
der Curie geschildert. Die folgende Stelle ist für die 
mittelalterliche Naturanschauung bezeichnend: 

'Nimirum applaudit leta loci facies, animalium simul- 
que naturalium confortativa virtutum arridet amenitas 
acrisque temperies, subsidet collibus lata planicies omnibus 
apta solaciis, fluit aqua nativa, decurrens in habundancia 
sua, non nivium violenter infrigidata frigoribus. Rerum 
af fluit victualium apparatus, ornatus vero cunctorum accedit 
ille potissimus : cleri prona subieccio, nobilium amor egre- 
gius, populi humilitas, omniumque pariter commendanda 
devocio. Sicque ibi concurrente suavitatis plenitudine, non 
reo, sed bono beate invenimus nil deesse, nisi fortassis 
tantum bonum intollerabilis ille defectus inminuat\ quod 
horrenda saxorum facies non furit in oculos, et silicum 
prerupti ascensus'^ vectores et vectos sudare non faciunt' 
etc. Das letztere ist offenbar eine ironische Anspielung 



1) 'inmineat' Hs. 2) 'assensus' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 345 

aiif die Gebirgsschwärmerei des Angeredeten (vgl. die Be- 
merkungen zu n. 47). 

30) Grandis et ardna sementis malicia etc. Lange 
Arenga über die 'continuata fraudis iniqnitas'. Dann: Hec 
sane diligenter considerans et prudenter attendens, sanotissi- 
mus pater dominus Alexander papa quartus, cum olim de 
Oddone abbate monasterii sancti Remigii Remensis etc. 
So bricht das Stück ab. Alexander IV. (f 25. Mai 1261) 
scheint zur Zeit der Abfassung des Briefes noch gelebt zu 
haben. Die mehrfachen Beziehungen zu Reims (vgl. auch 
n. 59) erklären sich daraus, dass Ottobonns das Archi- 
diakonat dieser Kirche innehatte. 

31) Monetur pie agentis animus etc., nur Arenga. 

32) Signa scriptorum asj)icimus etc., nur Arenga. 

33) ßex est omnium^ regnm Dominus etc. Cardinal 
Ottobonus (?) schreibt einem Könige, der Papst habe die 
Absichten eines andern Königs betreffs einer unerlaubten 
Eheschliessung erfahren. Jener müsse sie unbedingt auf- 
geben. 'Ad hec noverit regia celsitudo, quod dominus papa, 
cognitis, qne per vos super negocio huiusmodi scripta 
fuerant, et acceptato salubri eonsilio vestro, prefato regi 
litteras suas, sicut expedire visum est, absque more dis- 
pendio destinavit, quibus, ne parentela ipsa funebris et 
inculta contraheretur, inhibuit et districtius interdixit' etc. 
Der Brief bezieht sich vielleicht schon wie n. 39 auf die 
beabsichtigte Eheschliessung zwischen Peter, dem Sohne 
König Jakobs von Aragonien, und der Tochter Manfreds. 
Der Angeredete könnte dann etwa König Ludwig IX. von 
Frankreich sein, der an der Angelegenheit auch interessiert 
war (vgl. Reg. Imp. V, B-F-W. 9291). An die zweite Ehe- 
schliessung Ottokars von Böhmen, der ja auch kirchliche 
Hindernisse entgegenstanden, ist wegen der starken Aus- 
drücke 'funebris et inculta' wohl weniger zu denken. 

34) f. 123'. Litteras vestras recepimus — gaudium 
afferat presentibus intimata. Der Erzbischof von Canter- 
burv (Bonifaz 1245 — 1270) wird erwähnt; Ottobouus hatte 
nahe Beziehungen zu dieser Kirche, da er Archidiakon 
derselben war (vgl. n. 60). 

35) Fratri L. Si suadente humani generis inimico — 
miseracionis refugium provocare. Zu Gunsten eines frater 
L., der aus einem Orden ausgestossen ist, aber in Rück- 
sicht auf seine Reue und seine 36 Jahre dauernde Orden s- 
angehörigkeit Gnade verdient. 

1) 'unum' Hs. 



346 Karl Hampe. 

36) f. 124. Suscepimus leticiam in audicione bona 
de vobis in medio cordis etc. Schreiben des Ottobonns 
an einen, der sich trotz vieler Stürme der Kirche als tren 
erwiesen hat; — indnbitatnm connnemorantes affectnm, 
qnem ad nos et domnm nostram vos semper habuisse, ac 
nostros omnes et specialiter dominum T. g-enitorem nostrnm 
(offenbar Thedisius von Fiesco, Graf von Lavagna, der 
Bruder Innocenz' IV. und Vater des Ottobonus) erga vos 
g-essisse cognoscimus etc. Ermahnung, bis zum Ende aus- 
zuhalten, illud in vestris consideracionibus precipuum recen- 
sentes, quod legittima vestra certatio a dura Servitute vos 
et patriam liberat, et quidquid hodie ad devocionem ecclesie 
in illa regione consistit, vestris laboribus et laudibus depu- 
tatur. In hiis autem pro vobis et aliis fidelibus pia re- 
inedia cogitabit in brevi mater ecclesia, et dominus papa 
cum fratribus suis oportuna subsidia procurabit. 

37) Terrenum imperium si celi et terre conditori, 
regi regum, obsequitur etc. An einen Herrscher, der in 
die Kirche aufgenommen werden will. Sane, princeps 
egregie, circa hec noster animus cogitans, letatus est in 
hiis, que dicta sunt nobis. Gloriosa enim dicta sunt de 
vobis, dum, quod in domum Domini ibitis, nunciatur. 
Scribente siquidem nobis Roberto Dociano Senasco ^ celsi- 
tudinis vestre nuncio etc. — sinceritatis annulo cousignamus. 
Datum etc. (so!). Die Beziehung ist nicht sicher; betrifft 
vielleicht schon die ünionsverhandlungen Michaels Paläo- 
logus mit der römischen Kirche; vgl. n. 46. 

38) Inter medios- cogitacionum fluctus pellimur et 
impellimur etc. Transmisse nobis quidem vestre littere 
continebant, quod ob causam non iustam in clerum civitas 
conversa desevit et penam, quam eis directe irrogare non 
potuit, per subtraccionem humani suffragii et obsequii so- 
cialis intulit indirecte etc. Deshalb habt Ihr Euch um 
Hülfe an uns gewandt, die wir für Eure Kirche ('dilectam 
quasi genitricem nostram) eine besondere Zuneigung haben. 
Porro suj^er ipso negocio episcopum vestrum allocuti 
sumus etc. — resistere violenter. 

39) f. 124'. Cardinal Ottobonus an König Jakob von 
Aragonien, etwa 26. April 1262 (siehe hinten n. IV). 

40) Litterarum vestrarum iocnnda pariter et expec- 
tata susceptio etc. Ottobonus an einen in der Ferne 
weilenden Cardinal ('?), von dessen Erkrankung und Ge- 



1) So Hs. ; doch kann statt 'n' und 'c' auch 'v' und 't' gelesen 
werden. 2) 'raedicos' Hs. 



Reise nach Euglaucl vom Juli 1895 bis Februar 1896. 347 

nesimg- er durch einen Brief Kunde erhalten hat. Sane, 
quas more vestre voluistis excusaciones ^ afferre, doniini 
nostri (Urbans IV.) et fratrum nocioni, ut exjjedivit, attu- 
limus. Quibus eas iusta ponderacione accepto ferentibus, 
illa continuo successit modesta miracio, quod super nego- 
cio, cuius causa ivistis, quamquani finalem rei eventum 
nequiveritis aperte diserere, nichil tarnen, quod spei vestre 
coniectura de probabilitate preteritorum et presenciuni 
coUigeret, in futurum vestra descripcio reportavit, quod 
ipsorum et nostra libens expectacio gratissimum excepisset. 
Weitere Nachricht darüber wird erbeten. 

41) f. 125. Non opus est persuasibilibus humane 
sapiencie verbis etc. Bitte an einen Geistlichen, ein Amt 
anzunehmen; — obsecrantes, quatinus a timore iudicis 
eterni fugiat de mente vestra fuga laboris et vocationem 
suscipere prompte suadeat operacio fructuosa. 

42) Divina bonitas recedentem — officium se con- 
vertat; dies und die folgenden Stücke kurze Brieffragmente. 

43) f. 125'. Beneplacitum est Domino — • auferatur 
iniquitas. 

44) Eterni providencia conditoris — concordie firnia- 
mentum. 

45) Tua est omnium — confidentia gubernatur. 

46) Loquimur in habundancia leticie nostre in pleni- 
tudiue exultacionis, personat in corde nostro iubilus cari- 
tatis etc. Höchstwahrscheinlich von Cardinal Ottobonus, 
der schon wegen seiner genuesischen Herkunft an der 
Angelegenheit interessiert sein musste, an den griechischen 
Kaiser Michael Paläologus im Sommer 1262 geschrieben, 
als der Kaiser seine Unionsverhandlungen mit der Curie 
begann, und Papst Urban IV. ihm die baldige Entsendung 
von Unterhändlern in Aussicht stellte (Potth. 18 399, 15. Juni 
— 1. Sept. 1262). Auf diesen ersten Anknüpfungsversuch, 
nicht auf die späteren Verhandlungen scheint sich das 
Schreiben zu beziehen. 

— — Et aspiciatis unicam petram Christi et unicam 
Petri sedem et impinguetis benediccionis eins oleo capud 
vestrum, vos et omne Imperium vestrum tanquam membra 
vivencia universorum beato capiti coniungentes. Sane super 
hiis, que ad hanc rem pertinent, beatissimo domino nostro 
summo pontifice post vestrorum nunciorum et litterarum 
benignam recepcionem una cum fratribus suis sanctum et 
Deo placitum habente tractatum, quecumque in hiis ipsius 



1) 'excusacionis' Hs. 



348 Karl Hampe. 

deliberacio stabilivit, de vultu Dei et inspiracioue paracliti 
Spiritus prodierunt. Super quibus non post multos hos 
dies idem sanctissimus pater nuncios suos et apostolicos 
apices vestre celsitudini destinabit. Der Brief schliesst 
mit der Versicheruug- der besonderen Geneigtheit des 
Schreibers gegen den Angeredeten, — desiderium collium 
eternorum. 

47) Ottobonus an einen befreundeten Cardinal, 1. Aug. 

— 10. Oct. 1262 (siehe hinten n. V). 

48) f. 126. Cum frustra vigilet, qui custodit etc. Der 
Absender empfiehlt sich einem Orden und wünscht dessen 
Wachsthum. 

49) Ottobonus an Richard von Cornwall im Mai oder 
Juni 1261. Dieser Brief fällt also aus der zeitlichen 
Reihenfolge der Briefe heraus, die im übrigen, so viel wir 
sehen, ungestört ist (siehe hinten n. III). 

50) Ottobonus an König Ludwig IX. von Frankreich 
etwa 1263—1264 (siehe hinten n. VI). 

51) f. 126'. Lego mandata, expectata non video, 
promissa non capio. — Hec autem iocoso, ut scribo, stilo 
perlegite. Sed ne ^ putetis ea prorsus a veritatis tramite 
peregrina. 

52) In duricia sermonis nostri non angustietur cor 
vestrum etc. Tadel wie Lob kommt aus liebevollem Herzen. 
Sane dudum inter vos et discretnm virum, quem venerandi 
patris germanitas carum nobis exhibet, — super re tali 
suscitata discordia nullo meliori potuit fine sopiri, — als 
durch Vergleich ohne Rücksicht auf das starre Recht. 
Dringende Ermahnung, das anzuerkennen, widrigenfalls 
ein schärferes Vorgehen in Aussicht gestellt wird. 

53) f. 127. Robusta et invicta ex nostra parte fiducia 
- — paternitatem vestram rogantes, quatinus etc. So bricht 
das Stück ab. 

54) Si testimonium dixero — librum aperi, quod prius 
occurrit, perlege. Dies Stück ist, wie das folgende, wohl 
kaum einem Briefe entnommen. 

55) Si scribentis labor effugitur — viderimus, perle- 
gamus. 

56) f. 127'. Ottobonus an einen Cardinal Mitte 
Januar 1265 (siehe hinten n. VII). 

57) Dilecto sibi in Christo domino fratri P. suus B. 
vite presentis transitum ad fruicionem eterne. Littere tue 

— numerum singularem. 

1) 'nee' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 349 

58) f. 128. In celestis mandata regis inclinatum 
agnoscens cor regle pietatis etc. Ein Ordensmann empfiehlt 
sich der Gnnst eines Königs; — gaiideo lllud premlnm 
mels votls accedere, qnod clvltatem, culus michl gnbernaclo 
tradlta est in officio pastorall, Dens Dominus respiciens 
lumlne vultus sul, dignam feclt eam, nt apponeret in 
illlns reparacionem aninium vestrnm, et reedlficato vallo 
mnrornm tutam illam habltantibns redderetis etc. Die 
Zuneigung des Königs 'erga fratres mel ordlnis' wird 
erwähnt. 

59) f. 128'. Sapienclam Del disponentem omnla etc. 
Ottobonus an König Ludwig IX. von Frankreich. Sane, 
quod in ecclesiam Remensem vestre clemencle conspiclens 
oculus dissenslonem illius abhorrult et — Inter nos ^ seu 
officiales nostros - et Remense capitulum pacis et concordle 
remedia procuravlt etc. Zum Schluss wird der 'lator 
presentlum officialis noster' dem Könige empfohlen. Der 
Brief bezieht sich offenbar auf den lebhaften Streit, der 
zwischen Ottobonus und dem Capitel der Reimser Kirche 
während der dortigen Sedlsvacanz (vom 15. Febr. 1263 bis 
zum 6. Oct. 1266) ausgebrochen war. Der Cardinal nahm 
in seiner Eigenschaft als Archldiakon , solange ein Erz- 
bischof fehlte, durch seinen stellvertretenden Beamten 
unter anderm das Recht in Anspruch, eine Synode zu 
berufen, während das Capitel ihm dasselbe bestritt. Es kam 
zu Beschimpfungen jenes Beamten und seiner Untergebenen, 
dann erfolgten Versuche des Papstes und des Cardlnals, 
die Sache auf gütlichem Wege beizulegen. Das Nähere 
mag man in Marlots Histoire de Reims III, 623 nachlesen. 
Bemerkenswerth ist, dass nicht das ebenda (S. 811) ab- 
gedruckte Schreiben Urbans IV., sondern, wie aus obigem 
Briefe hervorgeht, erst eine Einmischung König Ludwigs 
den Streit beendete. 

60) Venlens usque ad nos querlmonia etc. Sane contra'' 
dominum archiepiscopum — vestre legacionis sollicitudo 
sie tonat, sie mlnas splrat et fulmina comminatur etc. 
Befehl, quatenus — ab ipsius Infestaclone modls omnibus 
deslstatis etc. Also offenbar vom Papste (Clemens IV.) an 
einen Legaten gerichtet, mögllcherAvelse an Ottobonus, und 
bereits auf seine englische Legation bezüglich. Der 
Erzbischof würde dann etwa Bonifaz von Canterburj (1245 — 



1) 'vos' Hs. 2) 'vestros' Hs. Die Verwechselung von 'nos' und 
'vos' etc. ist in der Hs. so häufig, dass eine Vertauschung da, wo es der 
Sinn erfordert, keinem Bedenken unterliegt. 3) 'circa' Hs. 



350 Karl Hampe. 

1270) sein, der in seinem Vorgehen gegen die widerspänstige 
englische Geistlichkeit sehr passiv war (vgl. W. Farquliar 
Hook, Lives of the archbishops of Canterbury III, 301). 

61) Mulieris fortis precium — sunni fecit acceptum. 
ßeileidschreiben an eine Wittwe nach dem Tode ihres 
Gemahls. 

62) f. 129. Inter innltas et varias mundi pressuras etc. 
Talibns quidem super regno et gente Anglornm afflicta ^ 
doloribns ipsa mater ecclesia — manipulos reportemus. 
Mit diesem Stücke beginnt die Reihe der ausserordentlich 
wichtigen Briefe , die der Cardinal Ottobonus während 
seiner Legatenreise nach England an die Bewohner dieses 
Landes, an Papst Clemens lY., an das Cardinalscollegium 
u. s. w. gerichtet hat. Am 4. Mai 1265 war er vom Papste 
mit seiner Vollmacht versehen; er hat seinen Aufbruch 
von Italien aber noch bis tief in den Sommer hinein ver- 
zögert. Noch am 19. Juli ermahnte ihn Clemens IV., nun 
nicht länger zu säumen. Eine Zeitlang vor dem 25. August, 
wo der Papst ihm Neuigkeiten aus Italien mittheilte, war 
indes der Aufbruch erfolgt. Etwa in den Anfang August 
1265 wird der vorliegende Brief — wie es scheint, die 
erste allgemeine Ankündigung an die Bewohner Englands 
— zu setzen sein. 

63) f. 129'. Post partum laboriosum, quo mater ecclesia 
sponso Christo pej^erit regni vestri gentem etc. Ottobonus 
schildert die Schwierigkeiten seiner bisherigen Reise, hofft 
aber, baldigst nach England zu kommen. Der Schluss 
lautet: — ac animarum salutem et ipsius regni vestri et 
ecclesie Anglicane statum laudabiliter impleamus. Etwa 
Ende Aug. 1265. 

64) Brief des Ottobonus an das Cardinalscollegium 
aus Paris, Anf. Sej)t. 1265 (siehe hinten n. VIII). 

65) f. 130. Posita in monte speculationis etc. — — 
sanctissimus pater dominus Clemens papa quartus nos. licet 
invitos et renitentes — ad regnum vestrum, commisso nobis 
in ipso necnon in regno Anglie ac in Ybernia et- Wallia 
plene legacionis officio — destinavit etc. — efficaciter 
adimplentes. Offenbar an die Bewohner Schottlands ge- 
richtet. Auch alle folgenden Stücke beziehen sich auf 
die englischen Angelegenheiten. 

66) Immemor antique redempcionis — excedere vide- 
retur. 



1) 'afflicia' Hs. 2) fehlt i. d. Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 351 

67) f. 130'. Litteras vestras per fratres vestros — 
novimus expedire. Sehr langes Schreiben. 

68) f. 131'. Veterum cleclaracio meritorum vestre 
gentis — potissime promovenclum. 

69) f. 132. Degenerem a populo — verbis congruis 
rependamus. 

70) Sanctissimo patri et domino C[lementi] divina 
prorideucia sacrosancte Eomane ecclesie siimmo poutifici, 
0^[ttobonusj miseratione divina sancti Adriani diaconus 
cardinalis devota pedum oscula beatorum. Habnit com- 
missum michi negociuni — consiliis et inandatis. 

71) f. 132'. Potestas Dei est et preceptum — profi- 
ciant incrementis. Datum apud Warewik X. Kai. Septembris, 
pontificatus doniini Clenientis pape IUI. anno secundo. 
Also am 23. August 1266 in Warwick geschrieben, während 
im nahen Schlosse Kenilworth die Anhänger des jüngeren 
Simon von Montfort von den königlichen Truppen belagert 
wurden. Wenig später vereinigten sich unter Einwirkung 
des Legaten die beiden feindlichen Parteien auf das sogen. 
Dictum von Kenilworth. 

72) f. 133. In labore hominum electa plantacio — 
per digitos excelsi pigmentoris resolutum. 

73) f. 133'. Fecundas pietatis litteras vestras — 
viderimus expedire. Dat. etc. (so !) Coxe bemerkt in seinem 
Katalog zu f. 133', also zu diesem oder dem vorhergehenden 
Briefe gehörig, dass die Rede sei 'de convocatione prae- 
latorum apud S. Eadmundum per scriptorem indicta tarn 
super regni Angliae pacificatione (Coxe irrig 'pontificatione') 
quam terrae sanctae succursu'. Diese Versammlung in 
Bury St. Edmunds fand im Februar 1267 statt (vgl. Me- 
morials of St. Edmunds abbey, ed. Arnold. London 1892 
II, p. XXXVII). Der Brief, in dem von der Einberufung 
geredet wird, fällt also geraume Zeit vor den Febr. 1267. 

74) f. 134. Si ßomana ecclesia — misericordiam regle 
pietatis. 

75) Benedicimus dominum Deum nostrum — effica- 
citer adimplere. 

76) Tempus belli subvertens — Nos vero ad refor- 
mationem etc. (so !). 

77) f. 134'. Quia sancta mater ecclesia — expedire 
videbimus, procedamus. 

78) Venientes de laribus — graciam et favorem. Zu 
f. 134' (also zu diesem oder einem der beiden vorher- 



1) 'C Hs. 

Neues Archiv etc. XXII. 23 



352 Karl Hampe. 

g-elienden Stücke gehörig) notiert Coxe, der Absender 
schreibe : 'Edwardnm principem Henrici III. primogenitum 
sibi apud Wjndesoram personaliter accessisse, quem inve- 
iierat rege ad pietatem proniorem et ad omnia convenientia 
facilem et benignum'. Diese Zusammenkiinft war wohl 
noch Nov. oder Dec. 1266. Die Königin wenigstens weilte 
damals in Windsor und Anfang 1267 wurde Eduard I. 
nach Norden gesandt (Ann. London, ed. Stubbs p. 76. 77). 

79) f. 135. Ottobonus an (Erzbischof Werner von 
Mainz), Sept. Oct. 1266 (siehe hinten n. IX). 

80) Sancta religio piis est persequenda — merito 
consequatur. An einen hohen Geistlichen (paternitas), 
vielleicht den Bischof von Salisbury (?), richtet (Ottobonus) 
die Bitte, die Brüder des Karmeliterordens in ihrem 'Ora- 
torium apud Brideport' zu unterstützen. 

81) Regem Anglie multis casibus involuta turbacio — 
petentibus denegatam. 

82) f. 135'. Datum ^ a Domino Signum — plenius 
intueri. 

88) Instancia cotidiana omnium — contigit attemptari. 
Clemens IV. in seiner früheren lEigenschaft als Bischof 
von Sabina und Legat für England , sowie Simon von 
Montfort werden genannt. Nach Coxe ist auf f. 135' 
(also in diesem oder einem der nächststehenden Briefe) 
die Rede 'de exercitu regis in castello de Kenilworth contra 
rebelles congregato'. Kenilworth capitulierte nach Ann. 
London, am 14. Dec. 1266 (nach den Extracts from the 
Barlings chronicle ed. Stubbs in Chronicles of the reign 
of Edw. I. and Edw. IL Vol. II p. CXV erst am 20. Dec). 
Vor diesem Zeitpunkt scheint der Brief geschrieben zu sein. 

84) Dulcitudo pacis , omnia condecorans , de regno 
Anglorum exulans — sollempni constancius roboretur. 

85) f. 136. Iniuncti nobis officii debitum ad pacem 
et tranquillitatem regni — nobis remedium impensuri. 

86) Licet humani geueris auctor — graciam studuimus 
revocare. 

87) f. 136'. In Omnibus, que sua michi requies — 
benignum inveniat adiutorem. 

88) Novit et attendit paternitatis vestre consideracio, 
qualiter inclitum regnum Anglorum — feliciter guber- 
nentur. 

89) f. 137. Redeuntibus ad nos venerabili patre in 
Christo Exoniensi episcopo — perducere valeamus. Walter 



1) 'Natum' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 353 

Bronescombe, Bischof von Exeter (1257 — 1280), war unter 
den zwölf Commissionären, die bei Kenilworth und 
Northampton auf Betreiben des Legaten die Ausgleichs- 
beding-ungen feststellten. Am 23. Nov., 1. und 21. Dec. 
war er dann wieder bei Ottobonus in London. Diese 
Rückkehr scheint hier gemeint zu sein. Später war er 
erst wieder am 21. April 1268 dort (vgl. Hingeston Randolph, 
The episcopal registers of the diocese of Exeter. London 
1889. p. 298). 

90) Dominus noster et Dens noster, salvator humani 
generis etc. Aufforderung, das Kreuz zu nehmen. Sicut 
per apostolicas et nostras litteras iam late apud vos 
credimus divulgatum — nobilitatem et sinceram fidem 
vestram rogamus et monemus in Domino, — quatinus — 
Signum vivifiee crucis assumatis. Quicumque vero iam 
sumpserunt, — se preparent, ut — in proximo generali 
passagio, cum mandatum acceperunt, iter arripiant etc. 
Sobald die Zustände in England einigermassen geordnet 
waren, wurde mit der Kreuzpredigt für das heilige Land 
begonnen. Schon am 12. August 1266 schreibt Clemens IV. 
dem Patriarchen von Jerusalem : Crux praedicatur in 
Anglia, et paratur magnum subsidium ex eadem. (P. 19795). 
Am 25. Oct. hatte er den Legaten zu eifriger Thätigkeit 
in dieser Richtung ermahnt (P. 19861). Zum April 1267, 
als eben der Graf von Gloucester London überfallen hatte, 
heisst es von Ottobonus in den Flores temporum (ed. 
Luard III, 14): Legatus siquidem — veniens ad ecclesiam 
sancti Pauli Londoniarum crucis negotium exposuit etc. 
üeber eine Kreuzpredigt des Ottobonus am 18. Oct. 1268 
(soll wohl heissen 1267) in Lincoln vgl. Extracts from the 
Barlings chronicle (s. o.) ed. Stubbs p. CXV. Vgl. auch n. 73. 

91) Sol iusticie, Christus Dominus — suos terminos 
duceremus. 

92) f. 137'. In opus Domini — videbimus, procedemus. 

93) f. 138. Dilectum et graciosum in conspectu — 
sollempniter nunciare. 

94) Sicut egretarius — sunt miserabiliter involute. 

95) Dum preteritorum exempla et antecessorum 
vestrorum — merita — videbimus procedemus. 

96) f. 138'. Dextera Domini super mensuram — in 
elevatione Spiritus intercedat. 

97) Celestis pietas dissimulans — manipulos defelites 
(so!). Dat. etc. Dies ist wohl der letzte Brief, der dem 
Register des Cardinais Ottobonus entnommen ist. Er ist, 
wie alle voraufgehenden, auf englische Angelegenheiten 

23* 



354 Karl Hampe. 

bezüglich, und daher spätestens vor dem 5. Juli 1268, dem 
Tage, an welchem der Legat England verliess (Ann. Lond. 
p. 79, zu Eeg. Imp. V B-F-W. 9517 hinzuzufügen), wahr- 
scheinlich aber sehr viel früher geschrieben. 

Was noch folgt, sind grösstentheils nichtssagende 
Fragmente , nicht immer wirklichen Briefen entnommen, 
und wo dies der Fall ist, anscheinend aus Briefen einer 
späteren Zeit (vgl. n. 102). 

98) f. 139. Sub specie caritatis — ruina. 

99) Septem hec inepta vidi et male posita comprobata 
sunt etc. 

Daran anschliessend unter derselben Initiale : 

De sex vicibus potandi. 
Post potum primum mens declinabit ad ymum, 
Post potum mundum disponit mensa secundum^, 
Post potum trinum non noscit '^ aquam neque vinum, 
Post potum quartum mens declinabit ad artum, 
Post potum quintum mens decidit in laberinthum, 
Post potum sextum glosam nescit neque textum, 
Sicque iacet stultus, post pocula tanta sepultus. 

100) Pauca, bone frater, habeo adversum te — se 
ipsum odisse est. Brief an einen Geistlichen, der nicht 
ordnungsgemäss gewählt ist. 

101) f. 139'. Grratulor honori tuo — non pro te. 

102) f. 140. Humilis Cenomanensis episcopus L. M. 
venerabili Anglorum regine — salutem et orationum 
instanciam. Difficile est, discrete semper ac provide 
beneficia collocari. Wenn der Brief aus echter Vorlage 
geschöpft ist, und wenn man sich auf den Anfangsbuch- 
staben verlassen kann, wäre etwa an Margaretha (f 1317), 
die zweite Gemahlin Eduards I., zu denken, was auch 
wegen ihrer französischen Abstammung wahrscheinlich ist. 
Soll das L. den Anfangsbuchstaben eines Bischofs von Le 
Maus bedeuten, so ist es aber wohl verderbt. 

103) Attrite frontis — festinas erogare. 

104) Clemencie est aliquid — clemencia potestati. 

105) f. 140'. Preter officium — frequencius iterabo. 

106) Et vultus — ad amicos. 

107) Confidimus in domino lesu — Bethuliam liberavit. 

108) Factum fortasse putas etc. Die beiden letzten 
Stücke sind nur fälschlich durch eine neue Initiale von 



1) So mit richtigem Versbau die Hs. ; dem Sinne nach wäre eher 
zu erwarten : 'Post potum secundum mens disponit mundum' ; doch ist 
'mensa' (Tafelrunde?) hier vielleicht aus metrischer Verlegenheit statt 
'mens' gesetzt. 2) So Hs. 



Reise nach EnglaBcT vom Juli 1895 bis Februar 1896. 355 

einander getrennt; sie gehören zusammen, enthalten Er- 
mahnungen mit biblischen Beispielen und scheinen nicht 
aus einem Briefe geschöpft zu sein. Das letzte Stück 
bricht mit dem Worte 'operiosa' auf f. 141' ab. Auf dem 
unteren Eande stehen die Worte 'monilia conculcentur', 
mit denen der folgende, jetzt aber fehlende Quaternus 
begann. 



I. Paj)st Alexander IV. verkündet (den Be- 
wohnern der Mark Treviso), dass er, um den 
Greueln Ezzelins Einhalt zu thun, den Erz- 
bischof (Heinrich) von Embrun als Legaten zu 
ihnen entsende. (Anagni. Frühjahr 12 59)^ 

Sponsa Christi patrum clamoribus non data fidelium 
et prophetarum anelantibus denegata suspiriis ad nos in 
sanguine agni consecrata descendit, venit cruore perfusa 
sanctorum, comedens ^ angustiarum panes et aquas amaras 
bibens, donec tyrannis humiliatis et inclinatis sublimibus, 
in delicias pacis adduceret, quos tandem sponso lucrifaciens 
stabiliret in sedibus collium eternorum. 

Audite audicionem in terrore '^ et sonum gemitus eins, 
filii congregati, flete super contricionem eius et super 
livorem plage, pensate languentis obprobrium, irascimini 
in cordibus vestris, quia perambulare compellitur vias 
duras, quas in primiciis suis et novelle plantacionis inicio 
pedum eius vestigia calcaverunt. Attendite, viri cordati, 
quia vicini conspiciunt, remoti pavent, hospites et advene 
contremiscunt, extrema terrarum inhabitantes audita talium 
obstupescunt. Mirantur atroces viri calumpniarum, trucu- 
lenti carnifices, sanguinum effusores, quod non parem eis 
aut similem natura prodiderit, sed velud exilium a suis 
passa limitibus et inmanibus furiis debacata, omnium insa- 
nias invenerit superantem. Ecce, non latent ista notos 
et proximos, nee ab adiunctis et contribulibus absconduntur, 
que de gente in gentem et de regnis in populos alteros 
omnem replevisse videmus Christiane fidei regionem, jmmo 
in catholice religionis ostentum apud blasphemos crucis 



1) Heinrich v. Embrun wurde nach Rol. Fat. XI, 11 (SS. XIX, 132) 
im Frühjahr 1259 an Stelle Philipps von Ravenna als Legat in die Mark 
Treviso geschickt. Am 2. Juli war er in Padua als Legat thätig (B-F-W 
14097). Wenn seine Vollmächt sich wie die seines Vorgängers ausser der 
Mark Treviso auf die Lombardei und die Romagna erstreckt hat, so wird 
das päpstliche Schreiben auch an die Bewohner dieser Provinzen ge- 
richtet sein. 2) 'comedens' Hs. 3) 'terrorem' Hs. ; vgl. lob 37, 2. 



356 Karl Hampe. 

de plebe Domini, de gvege Christi et peculo salvatoris 
ferine crudelitatis inmauia predicare. 

Proch dolor ! sileamus abliominabile , conticeamus 
horrendum, qualiter E.^ de Romano-, nobilis marchie 
Tervisine, matris sne latera non ante partum -^ quasi vipere 
filius, sed post partum quasi vipera senior laniaret. De 
terra clamat ad Dominum, et ad nos de terra vociferatur 
fliwius sanguinis occisorum, rugitus terre illius in spiritu 
vehementi, dum incubi superiaeentis gravata pressuris, 
delicatis eins vias asperas ambulantibus ^ suffocatur et fili- 
orum sang'uinem bibere cogitur, eciam ante tempus mini- 
strante degenere filio et trueidante gladio propinatum. 
lacet coronis deealvata nobilium, plorat in turbine de 
paucitate plebis, que dilatabat cor suum in multitudine 
populorum. Homo peccati, filius perdiciouis stravit omnia 
desiderabilia eins, abiecit ministrande fidei cbristiane 
pastores, templa divine placacionis, oracionum domos a 
cultu celestis misterii spoliavit, lavat in sanguine manus 
suas, et guttur eins, sepulcrum patens, devorat carnes 
flencium et insaciabili corde in ardore sitis potatur cruori- 
bus innocencium. In securi tyrannidis et ascia^ furoris 
eins senes cadunt, deiciuntur iuvenes, et in ruina propa- 
gantis nature virgines spem materne f ecunditatis '' amittunt. 
Membra coherencia in structura ymaginis et similitudinis 
Dei ^ miserabili divorcio separantur, filii mactare patres, 
et patres cedere filios, et proximus in proximum — o in- 
audita rabies ! — occisionis gladium ad impetum concitati 
extendere compelkintur, et quod ingemiscens natura non 
patitur, hoc abhominacionis dominium exhortatur. 

Ha Dens! ab auditu horum fremat cor omnium, ru- 
geat omnis caro, quia ecce in loco tyrannidis illius mater 
et fecunda beatificat sterilem et que non parit, laudantur 
magis mortui, quam viventes, et utroque felicior nondum 
natus, dum sedet in cathedra pestilencie ^, qui dissipat 
civitates, hostis utriusque sexus et universe etatis, rebellis 
nature, cuius eunuchizante gladio nititur impedire propa- 
ginem, vinculi naturalis, divine disposicionis et humani 
federis inimicus. Pereunt eciam non murmurantes ab ex- 
terminatore, traduntur in manus gladii oves occisionis", 
mortuis invidentes et . iam defunctis reliquie consepulte. 
Clamate ad Dominum et dicite Altissimo : Quare aspexisti 



1) E/.zeliii IJJ. 2) 'Doman' Hs. 3) 'patrum' Hs. 4) Vgl. 
Baruc. 4, 26. 5) Vgl. Psalm 73, 6. 6) 'fecundatis' Hs. 7) Vgl. 

Genesis 1, 26 etc. 8) Vgl. Psalm 1, 1. 9) Vgl. Psalm 43, 22. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 357 

horrenda peccaminura? Quia captus est in peccatis vestris 
dux itineris vestri. venerabilis frater iioster, arcliiepiscopus 
Ravennas \ quem sicut virum fortem. augelum consilii, opere 
ac sermone potentem, magnum ecclesie membrum et filium 
predilectum ad proteccionis vestre presidia destinatum 
mamis incidisse nefarias- condolemus, affligimur, et in tan- 
torum vastitate malorum veremur occulta dedecoris^ apud 
tribunal Altissimi scelus aecusare peccancium, cum erepta 
de faucibus impii recens et in paucis adliuc cruenta reli- 
quiis suis civitas Paduana* sie repente habuerit maledie- 
cionis heredem et exterminii suecessorem, civitatem videlicet 
Brixiensem^, que solita magnis obstare principibus viduata 
stola glorie libertatis iugum subiit mortifere servitutis ''. 

Exurgat itaque Dens et dissipet inimicum ! ' Exper- 
giscimini, viri potentes fortes et strennui, et ab ardente 
pariete proximo "^ cautelam f elicins adhibete ! Acciugimini 
potencia, roboramini spiritu fortitudinis et vigoris, oppo- 
nite vos murum pro domo Israel^ et turrem fortitudinis a 
faeie persequentis^^! Consolamiui pie matris lacrimas, non 
errantes ab utero ^^ sicut filii alieni! Excitate ad Omni- 
potentem cum reverencia cordinm vestrorum motus ! Rogate 
et agite que ad pacem sunt^"-, ut applicetur gladius^'^ et 
conteratur brachium^^ adversantis! 

Homo quidem ille duriciarum, attrite frontis et in- 
domiti cordis, de matris misericordis manu porrecta medele 
fomenta non sumens, cum ad gremium suum errantem 
ovem quereret et filium perditum revocaret, sed medicinam 
reiciens pariter et medentem, infremit percussus gladio 
Spiritus, qui est verbum Dei, et datum clementer anti- 
dotum inter viscera obturantis aures vertitur in venenum. 
Excommunicacionis namque sententiam ^\ que mortem ^•^ non 
infert, sed^' medelam apponit, per tempora multa con- 
tempnens, claves ecclesie obstinata mente despexit et contra 
se densum lutum exaggeraus ^\ traditus est sathane, anathe- 



1) Philipp von Ravenna, Legat in der Lombardei, Romagnola und 
Mark Treviso, bevollmächtigt am 20. Dec. 1255. 2) Am 30. Aug. 1258 
gerieth er in die Gefangenschaft Ezzelins, vgl. B-F-W. 1-iOOOa. 8) Vgl. 
2. Cor. -4, 2. 4) Padua war Ezzelin am 20. Juni 1256 durch Philipp 

von Ravenna entrissen. 5) 'ArLxien.' Hs. 6) Brescia hatte sich an 

Ezzelin und Pellavicini unmittelbar nach deren Siege vom 30. Aug. 1258 
ergeben. 7) Vgl. Psalm 67, 2. 8) Vgl. Hör. Ep. I, 18, 84. 9) Vgl. 
Ezech. 13, 5. 10) Vgl. Psalm 60, 4. 11) Vgl. Psalm 57, 4. 

12j Psalm 121, 6. 13) Vgl. lob 40, 14. 14) Vgl. Psalm 10, 15. 

15) Am 9. April 1254 von Innocenz IV. verkündet (Ep. sei. ILI, 242). 

16) So verbessere ich statt 'mentem' Hs. 17) So lese ich statt 'ad' Hs. 
18) Habac. 2, 6. 



358 Karl Hainpe. 

matis opprobrio condempnatus. Et demum tot et tautis 
abhominacioimm sceleribus constipatus, de Altissimi paci- 
eiicia factus durior, quia despectus a Deo frnstra corripitur, 
et in dieiii perdicionis servatus, de pie matris clemencia 
mag'is exasperans, nee Deum timere novit, nee hominis 
faciein revereri. 

Tantorum igitur compassionibus amaricata malorum 
sancta mater ecclesia vos ^ zona sue virtutis attingit, ue 
niultos tradere videatur exicio, si negligat multorum exicia 
cogitantem. Succurrimus vobis- in dextra benignitatis et 
adiutorii salutaris; elegimns viriliter agentem virum, sa- 
pientem, roboratiim, morum splendore fulgentem, salubritate 
consilii perspicacem, zelum paeis et divine legis habeutem, 
operis et sermonis potencia preuiunitnm, venerabilem scilicet 
fratrem nostrnm Ebredunensem archiepiscopnm '^ quem de 
fratrnm nostroriim consilio ad partes illas dnximus desti- 
nandum, qnatinus ambulans semitas Dei nostri evellat et 
destruat, edificet et plantet, extendens lineam direccionis 
in prava et reducens super aspera vias planas, cumque 
auxilio dextre virtutis Dei obstetricante manu eins educatur 
ille coluber tortuosus^. 

II. (Ottobonus, Cardinaldiakon von S. Adrian) 
empfiehlt (König Ludwig IX. von Frankreich) 
den heiligen Stuhl von Antiochien mit Personen 
und Gütern zu wohlwollendem Schutze. (Etwa 
1 2 6 — 1 2 6 1 ?) 5. 

Incarnata sapiencia, verbum patris, que suis erant 
futura prenoscens, usque in seculi consummacionem ecclesie 
sue adesse promisit et pro Petro, super quam petram ij^sam 
f undaverat '', oravit ad patrem, ut non deficeret fides eins''. 
Quamvis igitur incipiens ab infancia nascentis ecclesie, 
eciam per tempora crescentis quasi continuatis procellis 
mare multarum perturbacionum ipsam impulsu violento 
concusserit, super firmam tamen fundata petram, quassari 
potuit ventorum et üuctuum rabie, non submergi, cum 
assistens ei sponsionis sue non immemor Dei filius, homo 
et redemptor hominis lesus Christus, aut vim persecucionis 



1) 'nos' Hs. 2) 'nobis^ Hs. 3) Heinrich, vgl. B^F-AV. 14097. 
4) lob 26, 13. 5) Sichere Anhaltspunkte für die Datierung fehlen ; 

vgl. etwa die Massregeln von 1260 zum Schutze des heiligen Landes 
(Rayn. 1260 §. 34) ; am 5. Juni 1262 empfiehlt Urban IV. das griechische 
Kaiserreich dem Schutze Ludwigs (Potth. 18350). 6) Vgl. Matth. 16, 18. 
7) Luc. 22, 32. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 359 

averterit, aut inter ipsiiis niolestias pro celestis disposi- 
cioiiis ordiiie ^ sne attulerit remedia pietatis. 

Sane, christianissinie princeps, de liuiusmodi provi- 
dencia salvatoris datum esse speramns et de ijDsius cle- 
mencia diebus hiis malis et magnis credimus preparatum, 
ut vos in Salute fidelium poneret et quasi murum pro 
domo sua Israel- et vallum sancte fidei stabiliret, quatinus 
inter fulminancium tribulacionuni pressuras super brachium 
vestrum capud reclinet sponsa Christi'' et fidelium mater 
ecelesia, et que fidelem g-enuit sponso filium, fortem et 
constantem pro se et suis inveniat adiutorem. 

Quapropter sinceram concipientes de regia sereuitate 
fiduciam, excellenciam vestram sicut possumus exoramus, 
quatinus sanctam Anthiocheusem sedem, que apostolice 
sessionis in beato Petro noscitur nieruisse principium, qua 
competit reverencia venerantes, ipsam cum personis et 
bonis eins sie habere velitis sub proteccione benig-nitatis 
regie commendatam, ut pro vestra salute ac reg'ni vestri 
couservacione ipsius operis sanctimonia propiciabiliter inter- 
cedat, nosque de precum exaudicione regali magnificencie 
teneamur in Christo domino ad gratiarum sinceras et 
multiplices acciones. 

III. (Ottobonus, C ardinaldiakon von S. Adrian), 
schreibt an Richard, erwählten römischen 
König', dass er sich durch dessen Vorwürfe 
nicht getroffen fühle; er weist auf seine Be- 
mühungen bei dessen Wabl zum römischen 
Senator hin und ermahnt ihn, seine Ankunft 
in Italien zu beschleunigen. (Viterbo. Mai, 

Juni 1261). 

Admiracionis vestre celebritas, qua regii nominis 
vestro ingenio non palpata, sed ad ymum defossa truncacio 
nos equidem inpulit, sed tanquam insoutes et bene conscios 
non evertit. qualiter apud vos nostre munimenta veritatis 
obiecerit, destinatas vobis litteras nostras vestris credimus 
conspectibus indicasse^. Utrum autem puritas excusa- 
cionum vestra sie prevaluerit introire precordia, sicut la- 
tendi locum apud menteni vestram extorte culpe queri- 
monia non invenit, ignoramus iiiviti, et usque dum excu- 
sacionem nostram in vestro rescripseritis beneplacito con- 



1) 'ordinem' Hs. 2) Ezech. 13, 5. 3) Aelmliche "Wendungen 

linden sich unten in dem andern Briefe an Ludwig- v. Frankreich n. VI. 
4) Der erste Satz ist entweder sehr gekünstelt oder irgendwie verderbt. 



360 Karl Hampe. 

seclisse, hoc solum nos in confidencia collocabit, qiiod 
regalis excellencie splendor se ad prorsus certum de dubio 
non convertit, nee modica defeccio, eciam veritate snbnixa, 
conf undit vires veternm nieritorum, presertim cum precedenti 
fidei, quam ad vos in alto cordis nostri suspensam sine 
depressione servavimus, nuper eciam adiunccio vestri nomi- 
nis et honoris nostri cooperacione laboris in hiis, que äe 
senatu Romano in vos ^ collato ^ gesta sunt, fidele j)ossit 
testimoniiim perhibere. In quo minus maiori accedere 
celsitudo regia ^ succensere"^ non debet, si ad ea, que ex 
senatu, licet minore, possunt regno aut eciam imperio^ 
commoda provenire, vestra consideracio dirigatur, cum 
huius partis prospera gestio spectet ad totum, et felix 
successus quasi manu brevi preoccupet Universum. Ceterum 
vos dubitare non credimus, quod nostra et vos diligentium 
sollicitudo nulluni jDOSsit fructum afferre, si ex parte 
vestra desit debita vestre operacionis instancia, per quam 
ad vestri perfeccionem propositi'' attingere valeatis. Prop- 
terea petimus, rogamus et sicut possumus suademus, qua- 
tinus manum ad anteriora velitis extendere, adventum 
vestrum ad partes Ytalie tam potenter quam celeriter 
f estinantes ^, nostris et amicorum votis pariterque consiliis 
et hiis, que per dominos cardinales auribus vestre celsi- 
tudinis intimantur*, fidem et affectum secundum ea, que 



1) 'nos' Hs. 2) Da der Angeredete offenbar ein König, und an 
Manfred natürlich nicht zu denken ist, so kann es sich nur um die "Wahl 
Richard's von Cornwall zum römischen Senator (etwa im Mai 1261) 
handeln. Dass dabei der Einfluss von Cardinälen mitwirkte, ist schon 
aus dem Schreiben des Cardinalpriesters Johann von S. Laurentius in 
Lucina (ß - F -W. 14169) zu ersehen. Dass Ottobonus gelegentlich im 
englischen Interesse thätig war, ist nach B-F-W. 14093 nicht unwahr- 
scheinlich, vgl. auch n. 79 in unserer Sammlung ; nach dem Eingang des 
Briefes war freilich Richard damals nicht mit ihm zufrieden. Da die 
"Wahl 'nuper' stattgefunden hat, wird der Brief etwa im Mai oder .Juni 1261 
geschrieben sein. Damit fällt er allerdings aus der im Register des 
Cardinais sonst beobachteten zeitlichen Folge heraus. 3) 'regni' Hs. 

4) 'succencere' Hs. 5) Auch diese "Wendung passt nur für Richard. 

6) Die allgemeine Anerkennung als römischer König oder Kaiser. 7) Dies 
ist ein weiterer erwünschter Beleg für den damals bestehenden Plan 
Richards, nach Italien zu ziehen, den er auch in seinem Schreiben an die 
Bolognesen (B-F. 5382) ausspricht; vgl. auch B-P-W. 14159). Seine 
Anhänger im Cardinalscollegium und wohl auch der verstorbene Papst 
Alexander I"V. waren also dem Unternehmen günstig gesinnt. 8) Aus dieser 
Stelle scheint hervorzugehen, dass damals mehrere Cardinäle zu Richard ent- 
sandt seien, um ihm mündliche Mittheilungen zu machen. Davon ist nichts 
bekannt. Vielleicht darf man daher annehmen, dass es sich um Rathschläge 
des damals zur Papstwahl versammelten Cärdinalscollegiums (Sedisvacanz 
v. 25. Mai — 29. Aug.) handelt, die dem Könige durch einen Boten 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 361 

expeclire vicleritis, taliter impendentes, ut nulla vobis de- 
f ectus yel simulacionis occasio valeat verisimiliter imputari ^. 

IV. (Ottobonus, Cardinaldiakon von S. Adrian) 
mahnt (König Jakob von Aragonien) dringend, 
von der beabsiclitigten Vermählung seines 
Sohnes Peter mit der Tochter Manfreds, des 
Feindes der Kirche, abzustehen. (Viterbo. Kurz 
nach dem 26. April 126-2). 

Litteras vestras intime caritatis umbraculo receptantes, 
utinam sie amoti aut excusati propositi- seriem legissemus 
in illis, sicut peticionem gratie comperimus destinatam. 
Nam ex hoc sincere amoris nostri foveretur igniculus, et 
preces vestras, pro quibus apud dominum papam ''' et fratres 
diligenter laboravimus, effectum gauderemus accipere postu- 
latum. Sane, si regle mentis cubiculum recte considera- 
cionis subiutret intuitus, et post hunc in sede rationis 
velit intronizare iudicium, scimus, que in vos ipsos a vobis 
sit dictanda sententia, et cogitato vestro iactato in. fidei 
speculum et re verende matris dulcedinem, intelligimus ab 
eo qui vos colophizavit^ stimulo, qualiter a vestra sit 
magnificencia divertendum. Scimus enim, quod nee an- 
gulos latet climatum plurimorum et omnis deplorat 
ecclesia, quodque magna et horrenda rumorum undique 
tonitrua crepuerunt: clara vestre originis gesta in ea' 
temptasse degenerare progeniem, que licet diebus nostris 
aliquibus serpere videretur viperiis unguibus super terraui, 
iam in oculis nostris ad modicum non subsistit et — quod 
est inauditum a seculis — in se ipsam, dum adhuc hostis 
non deesset, Dei iudicio manum vertit'\ Et qualis sit 
ille residuus, noverunt omnes ; ignorantiam serenitas regia 
non pretendat. Attendat vero, quid de solo et uno sperari 
valeat, quidve possit de substancia' festinata presumi, ciim 
de multis eiusdem stirpis*^ quasi volantis sagitte cursu 
cernimus divinitus iudicatum. In eo vero grandi admira- 

mündlich überliefert werden sollten; freilich würde man bei dieser An- 
nahme 'a' statt 'per' erwarten. 1) 'im^jutare' Hs. 2) Die be- 
absichtigte Eheschliessung zwischen Peter von Aragonien und Manfreds 
Tochter Konstanze; vgl. B-F-W. 4734a. 9280. 9291. 3) Urban IV. 
4) = colaphizare, y.o/.a:iiL,FAv. 5) Nämlich 'origine' ; das Stauferge- 
schlecht ist gemeint. 6) Die Stelle scheint sich auf das Vorgehen 
Manfreds gegen Konradin zu beziehen. 7) Der Sinn ist dunkel; vielleicht 
ist, wie P. v. Winterfeld vorschlägt, 'substancia' statt 'res' gebraucht, und 
die 'übereilte Angelegenheit' dann eben das Eheprojekt. 8) So ver- 
muthe ich statt 'scriptis' in der Hs. Die Stelle bezieht sich dann auf die 
vielen Todesfälle im stautischen Hause. 



362 Karl Hampe. 

cione nostri cordis atterimur, dum perspicaciter cuncta 
revolvimus, et qnidnam id vobis^ snadere valeat, nullatenus 
inveiiinnis. Qneritnr iiamque nobilitas coninngenda dege- 
iieri, deflet regni g-loria naturalis, si iuiigi sibi videat usur- 
patam, aurum fidei gemit de optimi mutacione coloris, si 
se viderit infideli scorie sociatum. Complacentis devocio 
filii, persecutoris impii et solemnis^ adiuncta consorcio, 
diligentis matris ecclesie retorquebit fiduciam in adversum. 
Nee pretereunda'^ est divini formido iudicii, si applicare 
queritis iuxta odibilem, ubi sie fulminare cernitur divine 
et ecclesiastice severitas ulcionis, nee enim unius duracio 
sj)erari potest, qui nullo fundamento subnixus, sed rapine 
vicio sine federe legis abutens^, Dei ecclesie omniumque 
fidelium abliominacione concutitur, et ventorum consursu 
assiduo verberatur, dum sibi obsequencium timet insidias, 
qui proprie consciencie stimulis de non possesso^ legittime 
perurgetur. Non igitur molestum accipiat regia celsitudo, 
si postulate gracie liberalitas denegatur, si detrahit ubera 
Diäter filio, quem paratum dentibus suspicatur ad morsum, 
habet enim eciam lex humana, ut liereditatis perdat sola- 
cium, qui cum patris laostibus amicicias copulavit. Pie se 
babet in hoc mater ecclesia, nee putet eam regalis pru- 
dencia novercari, quod non tarn denegat, quam differt. 
Nam de corrigentis more petita concedere '^', que et regni 
gloriam et salutem vestram materne sevicie caritate con- 
quirit', ut postquam vos ab illius devio erroris averterit, 
personam vestram non solum petite gracie, verum eciam 
omnium querendorum ubertate fecundet et ampliate bene- 
diccionis amplexu sagin atum off erat Domino pro vobis 
vitulum graciarum. 

Super hiis quidem excellencie vestre dominum nostrum 
summum pontificem scripsisse meminimus^, cuius monita 
quantum apud vos meriti obediencialis invenerint, igno- 
ramus ; nee superfluum credimus illis nostre aliquid exhor- 
tacionis adicere, qui personam vestram specialis amoris 
zelo nostris conclusam visceribus custodimus, rogaiites, 
quatinus allisis ad petram parvulis'' et cogitacionis huius- 



1) 'nobis' Hs, 2) 'solennis' Hs. , = gewohnheitsmässig? 

3) 'pretermida' Hs. 4) Dies und andres ist wieder auf Manfreds 

Usurpation zu beziehen, 5)''possesse' Hs. ; vielleicht ist' umzustellen: 

'de non legittime possesso'. 6) Das Verbum ist ausgelassen, dem Sinne 
nach 'differt' oder dgl. 7) 'conquierit' Hs. 8) Damit ist höchst- 

wahrscheinlich das Schreiben Urbans IV. an Jakob von Aragonien vom 
26. April 1262 (Ep. sei. III, 482 ff.) gemeint. Dadurch wird auch dieser 
Brief annähernd datiert. 9) Psalm 136, 9. 



Reise nach England vom Jnli 1895 bis Februar 1896, 363 

modi suffocata sintilla^, discedat ab infaiido mens vestra 
proposito, nee inngatur ei filius, cum quo matris non 
potest esse communio, nee se illi sinat esse eonmnctnm, 
quem detestari debet, a Deo reieetum, ab ecelesie gremio 
prorsus exeussum et a fidelium consorcio spiritnali g-ladio 
separatum. 

V. (Ott ob onus, C ardin aldiakon von S. Adrian), 
schildert einem in Tu seien weilenden Collegen 
im.Ge gensatze zur tuscisehenGebirgslandschaft 
die Freuden und Leiden des Sommerauf ent- 
haltes der Curie in Montefiascone. Er fordert 
ihn auf, sich für die in Aussieht stehende An- 
kunft Manfreds am päpstlichen Hofe vorzube- 
reiten. (1. Aug. — 10. Oct. 1262). 

Amicum desiderium vestrum amica sinceritate de- 
scribitis, sospitati vestre status nostri noticiam, ut unitati 
cordiuni unicuni quasi protenso hinc- inde funiculo resj)on- 
deat gaudium, addere cupientes. Et quidem audita in- 
columitate^ vestra tanquam de altera nostrorum delectabi- 
lium per te gaudemus et expetitam de nostri status 
continencia uocioneni libenter vestrorum solaeiorum^ deli- 
ciis applieamus. 

Sed unde novus deliciarum harum surrexit ortus, 
tarn nunc audire, quam sie diu non audivisse miramur. 
Solemus inter loea lacte et melle manancia certa quedam 
et famosa, prout veri similitudo patitur, numerare, quibus 
nusquam numerata meminimus condensa saltuum et invia 
moneium Etruscorum =^. Sed si verbis vestris contradicimus, 
cordis habundanciam, ue vos reputetis offensos, et loquendi 
appetitum continuato sermone amicabiliter excusemus. Sei- 
mus enim vos illius erroris communis allegaeione tueudos, 
quo natalis soli cogente dulcedine, quidquid ab ipso pro- 
cedit vel in ipso consistit, commendatur et plaeet, quam- 

1) So Hs. 2) 'huc' Hs. 3) 'iiicolumtate' Hs. -1) 'sola- 

cionum' Hs. 5) Ottobonus zeigt sich hier, wie in Brief 29, der viel- 

leicht an dieselbe Person gerichtet ist, als einen humorvollen Vei'theidiger 
mittelalterlicher Naturanschauung gegenüber der Grebirgsschwärmerei eines 
modei-ner fühlenden Collegen , die er sich nur aus dessen Liebe zur 
Heimath und Freude an der Ruhe erklären kann. Er selbst empfindet 
im Gebirge niu- Beschwerlichkeit, und die starrenden Felsmassen wüthen 
gleichsam in seine Augen (Brief 29). Die Anschauungen seines Collegen 
aber beweisen, dass das Italien des 13. Jh., wie in so vielen andern 
Dingen, auch in diesem Punkte anfing, neuzeitlich zu empfinden, wie das 
für den ein Menschenalter jüngeren Dante bereits Burckhardt (Cultur 
der Renaiss. II, 17) betont hat. 



364 Karl Hampe. 

cumlibet liorridum vel incultum est quandoque \ cum a curi- 
alibus amoto tumultibiis sie blandiatur qualis ^ comperta 
tranquillitas, ut de modico in extaticos'^ seiisus et sermones 
yperbolicos animus efferatur. 

Sed et nobis, qui montem excelsum cum patre conten- 
dimus, ubi non obstaiitibus feriarum oeiis laboribus et 
cotidianis exerciciis ymolamur, qui ante pluviarum adventum 
a fumo pulveris ascendentis super tecta domorum nares 
obstruere et facies velare compellimur, et post profluvium 
pluviarum exire murorum ambitum non valemus, forsan 
illuditis et talibus nostris incommodis, licet compacientes, 
solaciabiliter arridetis. Profecto nos quoque multis, quibus 
vos* habundare confingitis non egemus. Nam et salubri 
aeris serenitate super globos pulvereos existente aut hos 
pluvia diluente potimur, et nunc^ caloris estum, nunc ven- 
torum frigus et rabiem viriliter sustinemus. Equidem non 
saliunt pisces aut exeunt ad pascua fere*^ in conspectibus 
nostris, cuius rei vos habunde iactatis; frequenter tarnen 
de contermino lacu^ circumque astantibus silvis allati 
allateque splendide lares nostros mensasque decorant. In 
Omnibus vero grates agimus, quod a vobis citamur in 
ocium et ad quietis deliciarumque participium affectamur. 
Nee silere possumus, quod de rerum tanta suavitate vobis 
aliqualiter invidemus, nisi putaremus, quod de illa forsan 
in re minus inveniri valeat, quam in scripto. 

Ad hec nova curie, que digna relatu vestras aures 
non attigerint^, non habemus. Sed venietis-' et vos, et 
una nobiscum simulque cum ceteris conseriptis patribus 
vocati principis M.^*^ et ad pedes Sanctorum, ut dieitur, 

1) So wohl zu lesen statt 'quoque' Hs. 2) Hier im Sinne von 'qualis- 
cumque'. 3) So lese ich statt 'exiaticos' Hs. 4) 'nos' Hs. 5) In d. Hs. 
folgt noch einmal 'et nunc'. 6) Das Wild. 7) Da weder bei Viterbo 
noch bei Orvieto von einem angrenzenden See gesprochen werden kann, 
so bezieht sich die ganze Naturschilderung auf Montefiascone, wo sich 
der Papst und die Cardinäle 'ad vitandos fervores aestivos' (Raynald 1262, 
§. 17) vom 24. Juli bis 10. Oct. 1262 (B-F-W. 9291) aufhielten. Damit 
stimmt überein die obige Stelle: 'non obstantibus feriarum ociis'. Der 
Schlusssatz, der sich auf Manfred bezieht, passt nur in das J. 1262 ; in 
dieselbe Zeit weist die Stellung des Briefes in dem Register des Cardinais 
Ottobonus, so dass seine annähernde Datierung nicht zweifelhaft sein 
kann; vgl. N. 10. 8) 'attingerint' Hs. 9) So Hs.; 'veniatis'? 10) Am 
Gründonnerstage 1262 war Manfred vom Papste auf den 1. Aug. vor- 
geladen. Durch seine zu diesem Tage an die Curie gesandten Botschafter 
war dann ein Aufschub des Processes auf die Martinsoctave erwirkt; das 
ist wohl der hier in Aussicht stehende Termin. Der Brief ist also nach 
dem 1. Aug. geschrieben ; er kann zum Beweise dafür dienen, dass man 
an der Curie eine Zeit lang wirklich an das Erscheinen Manfreds glaubte 
(vgl. B-F-W. 4737a). 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 365 

venientis allegacionibus et defensionibus respondere vestram 
industriam preparate. 

VI. (Ott ob onus, Cardinaldiakon von S. Adrian), 
empfiehlt König Ludwig- IX. von Frankreich, 
den er als einzigen Hort der bedrängten Kirche 
preist, einen päpstlichen Gesandten.^ (Etwa 

1263 — 1264.) 

Excellentissimo - et magnifico domino L. regi Fran- 
eoruni illustri N. in rege regum felicem regnandi gloriam 
et salutem. 

Benediccionibus eeli desuper et benediccionibus terre 
deorsum beatificatum regnum vestrum, ad sponse custodiam 
et matris ecclesie fortitudinem a sponsi celestis providente 
clemencia conservatum, inter multa et varia perturbacionum 
quasi agmina bellancia conclusa et obsessa et iani fatiscens 
ipsa mater ecclesia respicit, et post vocatos in auxiliuni 
filios'^, ab auditu clamoris et sono vociferacionis eins aures 
multifariam avertentes, in eum deflectit oculos, qui tan- 
quam de libera natus per repromissionem * in specie vir- 
tutis et pulcritudine fidei prospere intendit, jjrocedit et 
regnat de generacione in generacionem in gloria et magni- 
ficencia regni sui. 

Sane, beatissime principum, undique furencia in ma- 
trem vulnera nee vos latent presencia, nee preterita exci- 
dere a vestra memoria potuerunt, quin jmo pia vestre cle- 
mencie viscera funditus amaricare faciunt et cor amantis 
filii compassionis aculeo pre amoris ardore'' trausfigunt, 
dum a filiis alienatis opprimitur, a mencientibus et erran- 
tibus ab utero in facie speciosa conspuitur ''. Et cum ab 

1) Die Bestimmung des Briefes wii-d dadurch erschwert, dass durch 
das vorhergehende Stück die zeithche Folge im Register des Cardinais 
gestört ist (vgl. oben S. 348 n. 49). Bei dem Gewicht, das der Sache 
beigelegt wird, möchte icb annehmen, dass es sich um die bedeutsamste 
Frage : die sicilische Angelegenheit handelt. An die Sendung des Notars 
Albert von Parma im Frühjahr 1262 (vgl. Ep. sei. III, 494 N. 2) ist 
deshalb nicht zu denken, weil dieser dem Könige längst bekannt war 
und nicht bei ihm neu eingeführt zu werden brauchte. Dagegen kann 
sowohl die Sendung des Erzbischofs Bartholomäus von Cosenza am 
28. Juli 1263 (Ep. sei. III, 533 N. 2), als die des Cardinalpresbyters Simon 
von S. Caecilia Anfang Mai 1264 (Ep. sei. III, 583) in Betracht kommen ; 
bei der unbestimmten Fassung des Schreibens ist eine Entscheidung für 
die eine oder andere kaum zu treffen. 2) Hs. 'Axcell.' mit falscher 

Initiale. 3) Vielleicht eine Anspielung auf das Scheitern der Ver- 

handlungen mit Edmund, dem Sohne Heinrichs III. von England, betr. 
Siciliens. 4) Vgl. Gal. 4, 22 ff. 5) In d. Hs. folgt 'prefigunt' getilgt. 
6) In erster Linie auf Manfred bezüglich. 



366 Karl Hampe. 

exteris diripiatur, et exprobrent ei filii ancille nati secun- 
dum carnem^, ipsa in tantis constituta procellis paceni iion 
capit eeiain ab internis. In hiis igitur conversa in se et 
cor suum examinans legensque de filiis memoriale con- 
scriptum, si ad reclinacionem defessi capitis brachinm 
vestrnm qiierit, inter cetera ipsum elig-ens, tenera dileccione 
suave, fidei sinceritate latissinium, felicitatis et giorie magni- 
ficencia roboratum, in quo secura dormiat et ab arduo 
pondere premente fidncialiter reqiiiescat, non pntamns 
dorsnm filii diligentis a suavi iugo, a levi onere divertendum 
quod benigne suscipiendnm ille gloriosus vestri generis 
pater Karolns - asserit, dum a sancta apostolica sede f uerit 
impositum, quantumlibet vix ferendum. 

Super hiis quidem negociis, que nostris sunt involuta 
sermonibus, dominiis papa^ de fratrum suorum deliberato 
consilio virum providuni , inter ubera ecclesie Romane 
lactatum et operosi obsequii comprobatum effectu, quem 
vestrum vestrique regni devotum agnoscimus, ad excellenciam 
vestram destinandum elegit, non sine racione precogitans 
addendam postulatis graciam in nuncio complacente. Nos 
vero, quamquam ad ea, que per eundem nuncium auribus 
vestre celsitudinis exponentur, sufficere credamus, que vobis 
a domino papa scribuntur, aliquid tarnen ex parte nostra 
ad exhortacionem bonam censuimus specialiter adiungen- 
dum*, qui nos, licet insufficientes , inter ceteros onera 
ecclesie supportantes ad vos aliquid singularis noscimus 
habere commercii^, persone vestre vestrorumque filiorum 
incolumitatem '' ac regni vestri gloriam successuumque 
felicitatem collectis mentis nostre viribus affectantes, atque 
ex hiis occurrente nobis grandiore fiducia, serenitatem 
regiam exorantes, quatinus prefato nuncio sollte benignitatis 
audienciam exhibentes, sie quod petitur acceptare velitis, 
ut non videamini paceni vestram sine matris pace diligere 
aut ipsam inter hostium violentos incursus relinquere, 
quam ille bonus pastor et salvator altissimus proteccionis 
vestre succursui presertim diebus istis videtur precipue 
commendare. 



1) Gal. 4, 22 fif. 2) Karl der Grrosse ist gemeint, trotzdem ja 

die Capetinger nicht von ihm abstammten (ähnlich Ep. sei. III, 588, 45). 
3) Urban IV. 4) 'adiunedum' Hs. 5) Vielleicht weil Ottobonus 

Archidiakon der Reimser Kirche und Kanonikus von Notre Dame in 
Paris war. 6) 'incolimitatem' Hs. 



Eeise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 367 

VII. (Ottobonus, Cardinaldiakon von S. Adrian), 
schildert einem ausserhalb Perugias weilenden 
Cardinal (Simon von S. Martin?)^ die Schwierig- 
keiten in dem dort tagenden Conclave. Seine 
dringende Bitte um Hülfe könne erst nach voll- 
zogener Papstwahl Berücksichtigung finden. 
Perugia. (Mitte Januar 1265). 

In querelis nostrum conscribentibus animum et tacite 
mordentibus, dum sub silencio recunduntur^, respiramus 
nunc ad vos, quos mutua vicissitudo et prebere et libenter 
admittere oratur compassionis affectum. Eelevamur nam- 
que invicem alter alterius audita querela et scimus, quia 
nee soli patimur, nee a fraterna condolencia sequestramur. 

Sane in paternitatis vestre sequelam j^rotendens se 
nostre funiculus caritatis^, etsi finitimos termiuos abieritis"*, 
nulla extensione fatiscens'', de oneris vestri pressura nos 
premit simulque de matris ecclesie suspiriis exacerbat, que 
perditas oves quereus, pii athlete fortes humeros supposuit, 
ut inventas ad ovile cum gaudio reportaret. Sed delusa 
nuncusque per insidias hostis pia querentis sollicitudine *', 
procumbunt qui ceciderunt in invium filii, nee resurgunt, 
et missum angelum pacis de matris gremio recij)ere non 
merentur. Sicque de universi ecclesiastici corporis et 
virentis membri abscisione deflemus, compatimur patris et 



1) Der Angeredete ist nach den unten gebrauchten Wendungen 
unzweifelhaft ein Cardinal. Von 20 Cardinälen, die es damals ausser dem 
späteren Papst Clemens IV. gab, waren nun am Conclave jedenfalls die 16, 
welche die Bulle vom 26. Febr. 1265 unterzeichneten, betheiligt (B-F-W. 
9488). Heinrich, Bischof von Ostia und Velletri, und Hubert, Cardinal- 
diakon von St. Eustachius, waren doch vermuthlich ebenfalls bei der 
Wahl zugegen, obgleich sie am 26. Febr. nicht mit unterzeichneten; 
wenigstens ist ein Grund für ihre Nichtbetheiligung nicht abzusehen. 
Anders liegt die Sache bei den beiden Cardinälen Simon, deren Namen 
ebenfalls unter jener Bulle vermisst werden. Simon von S. Cäecilia ist 
während der Wahl auf seinem Posten als Legat in Frankreich gebheben ; 
an ihn ist aber bei unserm Briefe kaum zu denken, da eine so dringende 
Hilfeforderung bei ihm befremden müsste. Simon von S. Martin dagegen 
stand in der Mark Ancona vor dem Feinde. Seine Entfernung von dort 
zur Betheiligung an der Papstwahl würde alles in Frage gestellt haben. 
Er befehligte ein päpstliches Heer von 1000 Mann (B-F-W. 9465). Eine 
Bitte um Verstärkung ('operativum subsidium') liegt nahe. Auch die 
weiteren Ausdrücke des Briefes: die Lostrennung eines Gliedes von dem 
kirchlichen Körper, die Entsendung des Friedensengels, der aber zurück- 
gewiesen wird, u. s. w. passen für die Mark Ancona, so dass Simon von 
S. Martin wohl als Emjjfänger des Schreibens vermuthet werden darf. — 
2) So statt 'reconduntur' Hs. 3) Vgl. den Anfang von n. V. 4) Viel- 
leicht ist 'adieritis' zu lesen, oder vor finitimos 'ad' zu ergänzen. 5) So 
verbessere ich statt 'fatissetis' Hs. 6) Vgl. Gen. 31, 35. 

Neues Archiv etc. XXII. 24 



368 Karl Hampe. 

amici laboribus, in quibus dispensatori fideli et probato in 
miiltis debitus non respondet effectus, quamquam non 
vacuum ipso remaneat ^ apud retributorem conscriptum 
vobis cirographuni meritorum. 

Si vero pacientibus vobis non facile credenda susci- 
pitnr nostra compassio, quasi habundanciam deliciarum et 
quietis nobis non deserti lares proprii subministrent , et 
quasi non compacientes compati nesciamus: si sie arguitis, 
si talia cogitatis, audemus et nos - dicere, quod in ocio 
laborioso confligimus et pro sponso querendo , pro sub- 
stituendo patre omnium et pastore gregis causam Salvatoris 
salubri discordia decertamus. Omnes unus tenet carcer 
inclusos, unumque votum est ad salubre propositum, una 
mensium trium et eo amplius cohabitacio ^, etsi diversa 
beneplacita^ iuxta prudencie modulum a distribuente se 
singulis spiritu condonatum ingemiscimus et ad latus 
appositum ignem, ymo ^ latera circumdantem, et persecu- 
torum continuas et ferventes astucias, cominus bellantes et 
usque ad monilia et ubera matris irreverenter attingentes 
et aspere, deploramus. Patimur igitur, et habetis, unde 
compaciamini et pro fratribus vestris absentibus et multa 
pacientibus oretis ad patrem. In omnibus vero pro vobis 
et nobis gracias agentes speculatori nostro, qui omnia 

1) So Hs. 2) 'non' Hs. 3) Nach der Einordnung dieses Briefes im 
Register handelt es sich um das Conclave nach dem Tode Urbans IV. (am 
2. Oct. 1264). Da mehr als 3 Monate vergangen sind, so wird der Brief 
etwa Mitte Januar 1265 geschrieben sein. Clemens IV. wurde am 5. Febr. 
gewählt. Die Sedisvacanz von 1261, an die sonst etwa gedacht werden 
könnte, dauerte nur 3 Monate und 3 Tage. 4) Hier ist also deutlich 

ausgesprochen, dass es die Meinungsverschiedenheit der Cardiuäle war, 
welche die Sedisvacanz in die Länge zog. Ebenso sagt Clemens IV. in 
einem von mir aus Cod. Oxon. Coli. Balliol 227 f. 271 abgeschriebenen 
Briefe : 'quia fratres ipsi suos defixerant animos in diversa' und schildert, 
wie seine Wahl endlich durch ein Compromiss zu Stande kam. In einer 
Note zu ßaynalds Annales ecclesiastici XXII, 147 hat Mansi die Ver- 
muthung ausgesprochen, die Cardinäle hätten sich schon 5 Tage nach 
dem Tode Urbans IV. über seinen Nachfolger geeinigt, aber die Wahl 
Monate lang geheim gehalten, bis der in Frankreich weilende Bischof 
Guido von Sabina sie angenommen habe. Er baut diese Vermuthung 
lediglich auf der Angabe des Martin von Troppau auf, der Papat habe 
nur 5 T a g e geruht. Diese Stelle ist aber offenbar in der alten Ausgabe 
des Martin, die Mansi benutzte, verderbt gewesen ; die Ausgabe Weilands 
(SS. XXII, 440) hat dafür 5 Monate. Die ganze Vermuthung ist damit 
hinfällig und hätte nicht von Potthast (Reg. Pont. S. 1543) und bei B - 
F-W. 9480 a nachgesprochen werden sollen. Bis Mitte Januar 1265 war, 
wie unser Brief beweist, noch keine Einigung im CardinalscoMegium erzielt. 
Clemens IV. befand sich nach dem erwähnten Briefe bereits auf der 
Heimreise von Frankreich, als sich die Wahl auf ihn lenkte ( — nos ab- 
sentes , qui tunc omisso legationis officio — revertebamur ad matris 
ecclesie gremium de partibus Gallicanis, in summum pontificem — 
elegerunt). 5) 'yma' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 369 

disponit in melius sine nobis , optavimus , ut inter nos 
fraterna et caritativa hec colluctacio vos ^ haberet -, si 
forte, velud sagittam electam '' et quasi clavum in altum 
defixvim'^, verbum vestrum ad suscitandas sponse sue 
nupeias, ad querendum sponsum decorum et propugnatorem 
fortem divina clemencia posuisset, et labore non casso ad 
maiora vos inter fratres et collaborantes carismata re- 
servasset. 

Ceterum persone vestre incolumitatem , licet inter 
talia fluctuantem, letanter aceepimus, et nostram quoque 
inter descriptas desolaciones nobis arridentem paternitati 
vestre ad cordis amici solacium intimanius, rogantes j)ro- 
videncie vestre vigoreni et in amplexu tocius Spiritus ex- 
poscentes , quatinus in tanto rerum turbine , sicut matri 
condolentes -^ et mundo, sie ad Omnipotentem oracionis vestre 
conf ertam et coagitatam mensuram ^' effundere satagatis, 
ut, quod inter alia potissimum putamus esse remedium, de 
bono pastore, vicario fideli, antistite forti et pio ad uni- 
versos universorum patre dignetur, — sicut et speramus, 
— de miseracionum suarum plenitudine providere. 

Ad hec, si destinatis fratrum collegio litteris vestris 
non est ipsorum communis ' responsio subsecuta, nulla vos 
admiracio moveat vel molestet, cum ex recipiencium parte 
nulla processerit nisi ex caritatis consideracione cessacio. 
Nam cum operativi subsidii opem, non verborum consilium 
rei necessitas et littere vestre deposcerent, quam ante sub- 
stitucionem summi j)ontificis fratres, sine capite vacillantes 
et patre, vobis impendere non valebant, scriptorum vos 
detinere colloquiis noluerunt. Sed dato pastore, ut sine 
more dispendio expectamus, omnium est et erit commune 
Votum vobis et imminenti negocio intendere celeriter in 
auxilium oportunum. 

VIII. (0 1 1 o b o n u s , C a r d i n a 1 d i a k o n von S. Adrian), 
erstattet dem Cardinalscollegium Bericht über 
die bisher erzielten Erfolge seiner Legatenreise 
und erbittet Rathschläge für die weitere Be- 
handlung der englischen Angelegenheiten nach 
dem Tode Simons von Moutfort. (Paris. Anf. 

Sept. 1265). 
Misericordie *^ Domini super opera sua, ut depravata 
manibus hominum non dentur in consumpcionem , sed 

1) Daraus geht hervor, dass der Angeredete Cardinal war. 
2) 'habere' Hs. 3) Is. 49, 2. 4) Eccle. 12, 11. 5) 'condolentis' Hs. 
6) Vgl. Luc. 6, 38. 7) 'communus' Hs. 8) Der Anfang ist vielleicht mit 

24* 



370 Karl Hampe. 

dissipatis consiliis cordium terrenorum, ne possint manns 
eoruui explere, quod ceperant, a disposicione cogitacionum 
celestium dirigantiir. Sane, si super Anglorum regno con- 
sideracio matris ecclesie dirig-atur, habet ipsa, in quo patris 
eterni consolacionem et donum huius temporis grata re- 
cognieione decantet, et concussum opus in manibus erran- 
cium filiorum ^, divina iussione ad qnietem erectiim , ad 
bone spei remedia gaudeat preparatum. 

Et qiiidem onus grave multisque circnmiacentibus 
periculis formidandnm a beatissimi patris nostri - vestris- 
que ^ digitis hnmeris meis impositum, per multas et varias 
tarnen difficultates itinernm et laborum* cum corporalis 
egritudinis molestiis usque in diem fere presentem pertuli 
humiliter et omnia contempsi, ut, quantura in nie fuerat, 
Dei misericordie subicerem et eins gratie, quod in eis erat 
impar consiliis et viribus importabile, commendarem. Sub 
eins proteccione tandem sanitatis resumpto beneficio, ad 
inclitum et serenissimum principem regem Francorum 
illustrem ^ III. Kalendas Septembris "^ Domino comitante 
perveni , qui firma et quasi media columpna in domo 
Domini deserta ^ michi dedit quasi patrem et matrem, 
mittentes in me misso suscipiens honore condigno , et 
qualis a filio de libera nato per repromissionem ^ poterat 
expectari. Sicque auctore Deo, qui causam suam iudicat, 
apud Parisius'-' cum eodem felicissimo rege me communi- 
cante consilia, que iuiunctum michi negocium contingebant, 
factum est, ut Romanorum ^"^ et Anglorum^^ reges ac vir 
egregius E.^^, ipsius regis Anglie primogenitus, suas michi 
litteras destinarent, fidei et bone spei ac prosperi processus 
in ipso negocio indicia ^^erferentes. Quibus et aliis circum- 
stanciis inductus, de consilio prefati regis Francorum ad 
dictos^-^ reges et alios, de quibus expedire visum est, meos 
duxi nuncios premittendos, qui de securitate ac modo mei 
transitus ^^ ipsorum michi litteras reportarent. 

ähnlicher Auslassung eines Verbums der Stelle Thren. 3, 22 : 'Misericordiae 
Domini, quia non sumus consumpti', nachgebildet. 1) Das bezieht sich auf 
die Niederlage und den Tod Simons v. Montfort bei Evesham am 4. Aug. 
1265; vgl. unten. 2) Clemens IV., der dem Cardinal Ottobonus am 

4. Mai 1265 das Legatenamt für England übertragen hatte. 3) Das 

Cardinalscollegium. 4) Am 19. Juli 1265 hatte Clemens IV, den Legaten 
ermahnt, seinen Aufbruch nicht länger zu verschieben. Ueber seine 
Durchreise durch Genua vgl. Ann. lan. SS. XVIII, 253. 5) Ludwig IX. ; 
vgl. Clemens' IV. Brief an ihn,- P. 19168. 6) 30. Aug. 1265. 7) 'de- 
sertam' Hs. 8) Vgl. Gal. 4, 22 ff. 9) 'Paris' Hs. 10) Eichard 

v. Cornwall ; dieser Brief desselben an Ottoboaus ist nicht bekannt. 
11) Heinrich III. 12) Eduard (I). 18) 'ditos' Hs. 14) Die 

Landung in England erfolgte im Oct. 1265. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 371 

Hec igitur celestis misericordie munera in vestram 
referens noticiam, nt habeat sanctum colleginm vestrum, 
in quo de missi College, licet minimi, prevento labore con- 
g-audeat et psallat Altissimo , qui claudit et aperit ^, et 
nescimus, cum andierit vocem nostram. Rogo qua possuni 
instancia et devota in Christo affeccione requiro, quatinus 
prefatura negocium et me in ipso apud Deum et vestrorum 
cousiliorum salubritatem ac benej)lacituni mandatorum 
habentes piis mentibus commendatum , micbi super hiis 
mandare et intimare velitis, quidquid sancta et Deo placens 
deliberacio vestra viderit expedire. Que siquidem post 
miserabilem casum Sjmonis comitis Leycestrie ^ ad nego- 
cium ipsum pertinencia contigerunt, vobis sub ea, qua 
potui, certitudine notificare curavi, et per regalium litte- 
rarum tenores meis litteris domino nostro summo jDontifici 
destinatis insertos ^ aliquid circa id poteritis clarius et 
evidencius intueri. Que vero de cetero micbi parabuntur 
a Domino, iuxta rerum expedienciam curabo soUicite in 
vestram deducere nocionem, ut ex vestra quoque parte non 
desit oportuna exhibicio consilii et auxilii salutaris. 

IX. (Ottobonus, Cardinaldiakon von S. Adrian), 
fordert (den Erzbischof Werner von Mainz)"^ in 
Erinnerung an eine entsprechende Mahnung 

1) Vgl. Apoc. 3, 7. 2) Vgl. oben S. 370 N. 1. 3) 'insertas' Hs. 
4) Dass an ihn das Schreiben gerichtet ist, kann kaum zweifelhaft sein. Bei 
dem Ausdruck : 'illius sceptri membrum honorabile' ist in damaliger Zeit 
zunächst an einen Kurfürsten zu denken, nach der sonstigen Art der Anrede 
an einen hohen Geistlichen : also an einen der geistlichen Kurfürsten. Da 
der Betreffende offenbar schon zur Zeit Alexanders IV. (•]- 25. Mai 1261) 
in seinem Amte war, so kommt Engelbert II. von Köln (seit 8. Oct. 1261) 
nicht in Betracht. Heinrich von Trier und Werner von Mainz waren 
dagegen beide bereits im Herbst 1260 beim Papste. Dass aber der Er- 
wählte von Trier, mit dem die Curie in beständigem Streite lag, keines- 
wegs ihr Vertrauensmann war, ist bekannt. vSo viel wir wissen, wurde 
das päpstliche Schreiben gegen Konradin vom 18. Sept. 1266 nicht an 
ihn gerichtet; auch kann er für den Schutz des Reichsgutes gegen 
Konradin der Lage seiner Provinz nach kaum in Frage kommen. — 
Dagegen bezogen sich fast alle Ansprüche Konradins auf Gebiete inner- 
halb der Mainzer Kirchenprovinz. An Werner von Mainz übertrug daher 
König Richard etwa Ende 1265 den Schutz aller linksrheinischen Reichs- 
güter. In einem Schreiben vom 8. Mai 1266 hatte der Papst den Cardinal 
Ottobonus auf die drohende Gefahr einer Wahl Konradins zum römischen 
Könige aufmerksam gemacht. Während des J. 1266 weilte Ottobonus oft 
in unmittelbarer Xähe König Richards. Dieser wird durch den Cardinal 
einen Druck auf den zu stauferfreundlichen Werner von Mainz ausgeübt 
haben, so dass also das vorliegende Schreiben mehi- zu der Politik 
Richards, als zu der der Curie einen Beitrag bietet, zugleich einen neuen 
Beleg für die Eingriffe Konradins ins Reichsrecht. — Zu beachten ist 
übrigens auch, dass Ottobonus am 11. Mai 1265 zum Legaten für die 
Provinzen Mainz, Trier und Köln bestellt war (ß-F-W. 9517). 



372 Karl Hampe. 

Papst Alexanders IV. auf, die Rechte des 
römischen Reiches gegen die Ueber griffe Kon- 
radin s und anderer zu schützen. (Aus England. 
Etwa Nov. 1266)1. 

Romanum Imperium pro bracio forti ecclesie sancte 
provisum , ut sit derelictis sibi pauperibus adiutor et 
orphanis, sicut ad aliorum tuenda iura dinoscitur con- 
stitutum, ita decet omnes, et maxime ipsius ecclesie sancte 
ministros, iura ipsius illesa servare atque ab omnium in- 
iuriis intacta pro viribus custodire. Hoc autem diligenter 
attendens, [felicis memorie] - Alexander papa IUI. — vobis 
presencialiter nobis astantibus — edixit inter cetera, ut 
iura imperii vos, qui estis illius sceptri ^ membrum hono- 
rabile, custodire pro posse atque intacta et illesa servari ^ 
ab Omnibus curaretis ^. Cum autem ad hoc tam iuris 
obligacio, quam pastoralis officii debitum et patris monita 
vos astringant, nos aliquid nostrarum precum et exhorta- 
cionis addentes, paternitatem vestram rogamus in Domino 
et hortamur, quatinus iura imperii per Conradinum, qui 
de persecutoribus '' ecclesie a memoria vivencium et ultra 
duxit originem , aut per alios quoscumque , quantum in 
vobis '' est, occupari aut violari nullatenus permittatis, ita 
quod apud Deum et homines vobis possit ad iusticiam et 
laudis meritum reputari, et nos de vestre paternitatis lau- 
dabili studio cum gratiarum accione in Domino gaudeamus. 



1) Die Datierung- des Briefes richtet sich nach der Anordnung des- 
selben im Cardinalsregister, zumal die Berichte aus England in ungestörter 
zeitlicher Folge überliefert zu sein scheinen. Lägen die danebenstehenden 
Briefe im Wortlaut vor mir, so Hesse sich auch dies Stück sicher zeitlich 
genauer bestimmen. Die Notizen, die Coxe mitgetheilt hat (vgl. oben 
S. 351. 352), scheinen indes sämtlich in die letzten Monate 1266 zu weisen, 
und da einer der folgenden Briefe vermuthlich vor dem 14. Dec. ge- 
schrieben ist (vgl. zu n. 83), so wii'd man kaum fehlgreifen, wenn man 
den unsrigen in den Nov. 1266 setzt. 2) In der Hs. steht mit starker 
Entstellung 'semel me'. Ich vermuthe, dass 'fei. nie.' = 'felicis memorie' 
vom Abschreiber verlesen und falsch aufgelöst ist. 3) 'septri' Hs. 

4) 'servare' Hs. 5) Dies ist der interessanteste Zug, den der Brief 

bietet. Im Oct. oder Nov. 1260, als Werner von Mainz an der Curie 
weilte, hielt also Alexander IV. in Anwesenheit mehrerer Prälaten eine 
derartige Ansprache, die doch so eindrucksvoll war, dass man sich ihrer 
noch nach sechs Jahren erinnerte. Ich zweifle nicht, dass auch diese 
Ansprache bereits auf Konradin gemünzt war, hatte sich doch sein Vor- 
mund Ludwig II. von Bayern in seinem Interesse gerade während des 
J. 1260 mehrere Eingriffe ins Reichsrecht erlaubt (vgl. meine Geschichte 
Konradins S. 28. 29). Auch für die Auffassung der Curie von den 
kurfürstlichen Pflichten ist die Stelle beachtenswerth. 6) 'secutori- 

bus' Hs. 7) 'nobis' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 373 

IX. Zur Geschichte des ßisthums Lüttich im 11. und 

12. Jahrhundert. 

Hier stelle ich einige kürzere ungedruckte Stücke 
aus englischen Hss. zusammen, die durch ihre Beziehung 
auf die Geschichte der Kirche und Gelehrtenwelt des 
Bisthums Lüttich im 11. und 12. Jh. eine innere Einheit 
erhalten. Sie bieten hier und da neue historische Angaben 
und dazu Proben der lateinischen Dichtkunst, die dort so 
eifrig gepflegt wurde. 

Noch in die Blüthezeit der Lütticher Schule versetzen 
uns Verse im Cod. Mus. Brit. Add. 26788, der Lamberts 
Vita S. Heriberti enthält. Diese aus Deutz stammende 
Hs. war bereits Trithemius bekannt^ und wurde von den 
Bollandisten zur Ausgabe der Vita S. Heriberti benutzt 2. 
Nach der Erwerbung für das Brittische Museum ist sie 
dann im Catalogue of additions to the manuscripts 1854 — 
1875 11, 287 beschrieben, und im N. Arch. IV, 373 und 

X, 197 sind Notizen darüber gegeben. Ich füge Folgendes 
hinzu. Der Codex ist von verschiedenen Händen des 
ausgehenden 11. (oder beginnenden 12.) Jh. geschrieben. 
f. 3 steht von moderner Hand: 'Hie liber continens vitam 
et miracula S. Heriberti archiepiscopi Coloniensis et funda- 
toris abbatie Tuitiensis per Gallicam revolutionem proh 
dolor! 27™** lanuarii 1804 suppressae . . .' Das Folgende 
ist ausradiert und von anderer Hand übergeschrieben: 
'L'abbaye de Deutz pres de Cologne'. f. 3'. 'In nativitate 
S. Heriberti archiepiscopi ymnus saffici metri'. 'Item ymnus 
iambici metri'. f. 4 von anderer Hand: 'Christi hodierna 
de S. Heribert© confessore' mit Neumen. f. 4' von anderer 
Hand: Prologus de miraculis. 'Virtvites sancti' etc. (der 
Epilog zur Vita S. Heriberti Acta SS. März II, 470, fehlt 
in den Scriptores). f. 5. 'Capitulum in prima vespera'. 
f. 7. (Ueberschrift von mod. Hand.) De S. Hathelino. 
'Frequentabant eum fideles populi' etc. mit Neumen. f. 8 — 
85. Vita S. Heriberti (SS. IV, 740 ff.), f. 85 von anderer 
Hand: 'In prima vespera super psalmum'. 'Gloriosus sa- 
cerdos Dei Heribertus' etc. mit Neumen. f. 90 von anderer 
Hand die abgeschriebenen Verse, f. 91. Brief von A. an 
Erzbischof H., ist mit Mart. Coli. I, 357 ff.^ collationiert, 
vgl. die Ausführungen unten, f. 93' von anderer Hand: 
'Sequentia de S. Lamberto' mit Neumen. f. 94 unten von 
etwas späterer Hand: 'Obiit domnus abbas Wazelinus', 

1) Chron. Hirs. 1, 180 ; vgl. SS. IV, 739 n. 1. 2) Acta Sanctorum 
16. März II, 460. 3) Dieser Druck geht auf dieselbe Hs. zurück. 



374 Karl Hampe. 

nichts weiter. Wenn dies der 1149 verstorbene Abt 
Wazelinus von S. Lorenz in Lüttich ist^, so ist die Hs. 
vielleicht dort geschrieben und erst später nach Deutz 
gekommen. 

Die Verse auf f. 90 lauten: 

VERSUS FRATRIS LAMBERTI IN MONASTERIO 
SANCTI LAURENTII. 

Circa r e 1 i q u i a s -. 
H^c clausura tu§ formetur digna corone, 
Laurenti, totus cui plaudit ab igne triumphus. 
Huc sacramenta tu§ carnis portantur adust^ 
Ante dies octo, quam sint sua lumina cancro'^. 

Ad altare sancti Benedicti. 
Spretis labilibus mundana terit Benedictus, 
Vas prece consolidat, membra rigore domat. 
Parent opposita cruce rupto vase venena, 
Mente vagus monacus redditur emeritus. 
Hunc ne se linquat, tonitru germana"^ coartat, 
Qu§, dum corpus obit, astra columba petit. 
Mundus conspicitur, Germanus ^ ad alta levatur. 
O Benedicte, tuum perficis ecce gradum. 

In trabe c r u c i s '\ 
Sic presul magnus, vitulus, leo, vermis et agnus 
Sancta semel subiit mortem moriensque subegit. 

In ianua eclesie. 
Hec veneranda Dei subiens sacraria templi, 
Pontificem magnum recoles orans Reginardum\ 
Qui solvens priscam fundavit, quam teris, aulam'*. 

In a 1 i a. 
Christe Dens pacis, pulsanti ianua '^ clavis 



1) In Deutz wenigstens giebt es einen Abt dieses Xamens nicht, 
vgl. SS. XIV, 564 ff. 2) Ueber diese Reliquien vgl. SS. XX, 579 ff. 

3) Der 9. Juni scheint gemeint, da am 17. Juni die Sonne in den Krebs 
tritt. 4) Scholastica ; alle diese legendarischen Züge sind den Dialogi 

Gregors I. Buch II (Opp. ed. Ben. II, 207 ff.) entnommen. 5) Bischof 
von Capua. 6) 'eis' am Railde abgeschnitten. 7) Bischof von 

Lüttich 1025—1037. 8) Die neue Kirche wurde am 8. Nov. 1034 

eingeweiht, vgl. Wattenbach, Greschichtsquellen II", 150. SS. VIII, 
274. 9) So Hs. ; die naheliegende Verbesserung in 'ianuam' ist des 

Verses wegen nicht zulässig. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 375 

Aures inclina, clamantis suscipe verba; 

Hinc veniam portet, quem conscia culpa remordet. 

Circa aguum in paradyso^. 
H§c species miris sacra prefert multa figuris, 
Que Dens ecclesie dat reserata su§. 

Super episcopos'-. 
H§c domus iusignis patribus fundatur ab istis, 
Qui dum deceduut, in ea cum pace quiescunt. 

In refectorio. 
Vivens maiestas regnans et diva potestas, 
Larga tu§ dextre servis donaria prebe, 
Ne quid eis desit, tua plurima gratia jDi'esit, 
Dumque foves carnem, de lege tua rege mentem. 

In calice. 
Iste calix usu duo portat mystica fructu, 
Unde Salus salrat, tum vita, redemptio manat. 

In texto. 
Accepta votum, Laurenti, per breve donum 
Abbatis Stephani^, corpore, mente tui, 
Qui primus primis prelatus fratribus istis, 
Hoc et plura tu§ contulit ecclesie, 
Ut vivat tecum, quo durant longa dierum. 
Et sit ei perpes gloria, pax, requies. 

In ventilabro. 
Vos sancti Domini sanctorum iure ministri, 
Milito dum vobis, cor tantis figito donis 
Semper, ut id curet, quid vivens mensa figuret. 

A sinistris. 
Natura fusus mihi duplex inditur usus : 
Arceo, quod torret mea sordes, orbita terret; 
Exeolo munditias, sordes detestor iniquas. 

Inlaterna. 
Ke duo diversa prefert hec una laterna, 
Dum lux cum tenebris usibus est geminis. 



1) Jedenfalls ein Gremälde. 2) Die Grräber der früheren Bischöfe 
scheinen gemeint. 3) 1026—1060, vgl. unten das epitapliium ßeimundi. 



376 Karl Hampe. 

In antiphonario. 
Editus a primis ^ servabit prima futiiris. 

In tabulis. 
ISTullus erit carns prorsiis nee amans nee amatus, 
Qui sibi donatis queat his gaudere tabellis. 
Exenso donnm, cupidus ne perfice furtum. 

Adelmannus episeopus^ ad eundem adhue puerum. 
Vive puer, magni spes auspiciumque poet§! 
Pieriis eordi iam sunt tua scripta puellis; 
Ante mihi gratus, postliac gratissimus esto. 

f. 90'. Epitaphium domni episcopi Reginardi-^. 
Pr§sul erat magnus vita, verbo Reginardus, 
Cleri, plebis honor iustiti^que vigor. 
Pax regni fulsit, virtutum regula vixit, 
Christe, tuis oculus, pes, manus, auris, opus. 
Hinc ■* domus h^e index, hinc eins tota supellex ^ 
Nee minor indieio cultus episcopio. 
Tollitur is nonis perfuneta sorte Deeembris 
Par et ei introitus par erat et reditus. 

Epitaphium senioris'' Georgii triplex. 
Quis mea sors restat, lux hec peregrina tepescat, 
Et sit amara sibi proxima forma mei. 
Sanguine, re, fama florens solidaque iuventa, 
Dum spe progredior, spe sine digredior. 
Bcce quid extat homo: fetens cum verme putredo, 
Et velut umbra levis eeu nihilum fuerit^. 

A 1 i u d. 
Sublevita Dei, frater salveto Georgi ! 
Ei mihi, qualis eras quidve futurus eras, 



1) Den ersten Mönchen des Klosters. 2) Adelmann, 1030—1047 
Scholasticus in Lüttich , wurde zwischen 1055 und 1057 Bischof von 
Brescia. Nach dieser Zeit wurden also die obigen Verse gesammelt und 
aufgezeichnet. Die Verse Adelmanns, an Lambert gerichtet, stammen 
aber zweifellos noch aus seiner Lütticher Zeit. 3) Von Lüttich (1025 — 
1037). 4) Die folgenden 4 Verse sind, etwas entstellt, von Rupert in 

sein Chron. S. Laurentii Leodiensis SS. VIII, 275 aufgenommen, mit der 
Bemerkung: 'corpusque eins — ante malus altare venerabiliter est recon- 
ditum, ubi tale super sepulchrum eius sculptum fuit epitaphium'. Ueber 
die späteren Schicksale von Reginards Grab vgl. Bulletin de l'institut 
arch(5ologique Liegeois IX, (1868) 23 ff. 5) Vgl. SS. VIII, 275. 6) Das 
erste s am Rande abgesclmitten. 7) So ohne genauen Reim Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 377 

Tu generis titulus, columen, sapientia, cultus, 
Sic dictante tua indole precipiia! 
At grave pondus Ad§ malum grave nee minus Ev§, 
Quo senior metitur, iunior et rapitur. 

Tertium. 
ToUitur e medio tenero Georgius evo; 
Auroram sextam lunius orbe dabat. 
Hie tibi, Laurenti, se sacrans fine fideli, 
Sub pietate tua devovet ossa sua, 
üt per te vivat felix dexterque resurgat, 
Quo perit ulterius mors, dolor et gemitus. 

Epitaphium Engelberti. 
Clauderis Aprilis hie, Engelberte, kalendis, 
Solveris atque putris vermis in his tumulis. 
Famam cum rebus peperit tibi plurima virtus, 
Ardor iustiti§, brachia militi§ ; 
Tum niemor ipse tui recolensque novissima busti, 
Res huic ecclesi§ das bene spe venie. 

Epitaphium Gozelonis^. 
Scorpio post triduum coneesserat arcitenenti 2, 
Dum rapior malo transgredientis Ade. 
Gloria, sanguis, honor ingens et Gozelo nomen; 
In ventum redigor, rursus athme ^ redimor. 

Epitaphium avuneuli Reimundi. 
Eines externos habitans, Reimunde sacerdos, 
Lector doctiloquus fis meritis patruis. 
Hospita terra tibi prestat h§c summa sepulchri, 
Dum lux lucifluos dena subit geminos ^ 
Ortus germana tibi scribit hoc epigramma, 
Abbas germanus dat lapidem Stephanus ^. 

Epitaphium Adelindis. 
Oppetit Alendis natalibus inclyta primis 
Hicque decens species liquitur in cineres. 



1) Ein Bezug auf einen der beiden lothringischen Herzöge ist 
wohl ausgeschlossen. 2) Da die Sonne am 17. Xov. in den Sagittarius 
tritt, so ist wohl der 19. Nov. gemeint. 3) Dem griechischen dr/tj) = 
Rauch nachgebildet. 4) 27. Mai, da die Sonne am 18. Mai in die 

Zwillinge tritt. 5) Vgl. oben S. 375 N. 8. Lambert war also der 

Schwestersohn Reimunds und Stephans. 



378 Karl Hampe, 

Census et ampla domus, cum coniuge gloria f§tus 

Larg'ius emicuit. Sic ea promeruit, 

Que tibi, Lanreuti, viveiis morieudoque prona 

Optima doiia tuo firmat liabeuda loco. 

Lux a Septembris distans ter quarta kalendis ^ 

Ultima fulsit ei iudice lege Dei. 

In ambone, primo ordiiie. 
Quattuor ista typos portant animalia miros, 
Prgtendunt aliud et similant - aliud. 

Secundo. 
Quod latet in primis, vero reseratur ab istis, 
Luxque palam retegit, umbra quod illa tegit. 

Tertio. 
Christus verus homo Signatur victima tauro, 
Ut leo tartarea, celsa petens aquila. 

Dass der Mönch Lambert, der diese Verse schrieb, 
identisch ist mit dem Deutzer Mönch, der die vorauf- 
gehende Vita S. Heriberti verfasst hat, scheint mir un- 
zweifelhaft^. Schon die Stellung im Codex spricht dafür. 
Jener Deutzer Lambert wurde bisher allgemein nach der 
Angabe des Trithemius für einen Lütticher Schüler des 
Scholasticus Adelmann gehalten. Jetzt sehen wir, woher 
diese Nachricht geschöpft ist : aus den Versen, mit denen 
Adelmann das aufkeimende dichterische Talent Lamberts 
begrüsste, und die allerdings wohl für ein Verhältnis von 
Lehrer und Schüler zwischen beiden sprechen. Wir wissen 
ferner, dass der Verfasser der Vita S. Heriberti nach dem 
Tode des ersten Abtes Stephan von S. Lorenz in Lüttich 
im J. 1060 dort zum Abt erwählt wurde ^. Wenn nun der 
Dichter der obigen Verse nach dem 'Epitaphium avunculi 
Reimundi' offenbar ein Neffe jenes Abtes Stephan war, so 
erklärt sich bei Annahme der Identität beider vortrefflich, 
warum sich die Wahl gerade auf ihn lenkte. Ueberdies 
wird uns von dem Abt Lambert berichtet, dass er nicht 
nur das Leben des heil. Heribert geschrieben hat, sondern 
auch 'quaedam musice de ipso composuit et in versibus 
faciendis claro viguit iugenio'^. Man wird daher nicht 
fehlgehen, wenn man in dem Deutzer Cod. mit der Vita, 

1) = XII. Kai. Sept., 21. August. 2) = simulant. 3) Bei 

Wattenbach G. Q. II'', 152 N. 1 ist er von ihm unterschieden. 4) SS. 
VIII, 275. 5) Ebenda. 



Reise nach England vom Jnli 1895 bis Februar 1896. 379 

den Hymnen und den Versen gleichsam die gesammelten 
Werke ein und desselben Lambert erblickt. 

Die Verse sind wahrscheinlich in der Jugendzeit ^ in 
Lüttich entstanden und vielleicht dieselben, die das Lob 
Adelmanns herausforderten. Man wird indes kaum sagen 
können, dass Lambert sich uns hier von einer sehr viel 
vortheilhafteren Seite zeigt, als in der Vita S. Heriberti. 
Die etwas geschraubte und stellenweise dunkle ßedeweise 
und die correcte Metrik mochten den Zeitgenossen Ein- 
druck machen, der dichterische Gehalt ist indes doch zu 
gering, als dass spätere Beurtheiler in Adelmanns über- 
schwengliches Lob einstimmen könnten. 

Wie kam nun unter die Werke Lamberts jener oben 
erwähnte Brief, den ein gewisser A. inquilinus civis ex 
iirbe Spirae an einen Erzbischof H. geschrieben hat? Der 
Absender weist darin den Erzbischof nachdrücklich auf 
eine Ketzerei hin, die in dessen Diöcese sich einschleiche; 
denn manche Priester pflegten leichthin die Sünden zu 
vergeben, während die Macht dazu doch allein Gottes sei. 
Man hat wohl gedacht, dieser Brief sei an Heribert von 
Köln gerichtet und gleichsam als ein- weiteres Andenken 
an ihn der Vita und den Hymnen angereiht -. Diese Be- 
ziehung auf Heribert ist aber keineswegs nothwendig, denn 
der Theil der Hs., in dem sich das Schreiben findet, handelt 
bereits von ganz andern Dingen; neue Verehrung für den 
Heiligen zu erwecken, dazu konnte es seinem Inhalt nach 
schwerlich dienen, und von vornherein ist mir wahrschein- 
licher, dass es ein Brief aus Lamberts Zeit war, der seinen 
Schriften angereiht wurde, weil er gerade Interesse er- 
weckte, als dass ein mindestens etwa zwanzig Jahre altes 
Schriftstück aus der Zeit Heriberts hier Aufnahme ge- 
funden hätte. Das sagt aber alles noch wenig, wenn sich 
nicht etwa um die Mitte des 11. Jh. ein anderer Emjofänger 
und vielleicht auch ein Absender nennen lässt, denen der 
Brief mit mehr Wahrscheinlichkeit zugewiesen werden 
kann. Nun schrieb Lambert seine Vita S. Heriberti zur 
Zeit des Erzbischofs Hermann IL von Köln (1036— 1056) ^ 
Diesen möchte ich für den Empfänger halten. Zwischen 
1047 und 1057 hielt sich Adelmann, der Lehrer Lamberts, 
in Speier auf; von dort hat er eine neue Bearbeitung 

1) Jedenfalls noch zu Lebzeiten des Abtes Stephan. 2) Watten- 
bach G. Q. II, 137 sagt indes vorsichtig: 'Vielleicht ist dieser Brief an 
Heribert gerichtet'. Statt 'nostri ordinis' steht übrigens im Cod. 'vestri 
ordinis', was wohl nur bedeutet : zu eurer Ordinationsgewalt , Diöcese 
gehörig. 3) Nach der Angabe des Prologs zur Vita. 



ggQ Karl Hampe. 



seine. 'Bh,tW.;K.a.n„^^^^^^^^^ 

rjdSr:::^ct«sr Be, ^^^ ^^ 

durch den Ausdruck :, •.nquümus c,™ ^u. als «ne^^ 
^remdbürtagenBurjer konnte seh ^^^ ^^^,,^^.^^ .^^^ 

Eemmiscenz die bei ''^V^^''^';;, „.„igi„,,u„„ ienes Briefes 
r„ tt^istfinriserrLSifigiebf .'war manche 
Äfeiten, aber wie auch kauin .u -arte.^keine 

überraschenden AnKlange, yi^^o ■ ,„„ infln» von 

Vp,-thpidi<»unff der Orthodoxie gegen jeden Anttug toi 
Ketterei h ei wie dort die Summe des Ganzen, und ähnlich 
wfe in nnse™ Briefe scharf betont wird, dass nicht die 
? ester die Sünden vergeben Tonnen sondern nu^ Gott 

t^t^^ Xi- t^Lf et'iL^iL'':^^^^^^^ 

. , • <;!.:.iT>^oiVian o-pvade von Lamberts Lieniei bemeu 

Werira:gLetwrd?,"s:Lt man, denke ich, immei-hüi 

l'üo^nde Anhaltspunkte, um die Buchstaben H. und A 
fn uSserm Briefe zu deuten als Hermann IL von Köln 



und Adelmann. 



Es ist bekannt, welche Verwilderung i» den Klöstern 
der Lütticher Diöcese während der >? -hen^ohtischen 

ss^hf nXÄet^!- ui- ^^tt^r^i 

und Zucht wiederherznsteUen »«»»"4''^* ^,^,^ i„ seinen 
^^^rsÄatt ^T^rerni" ™ntef sli^ V^W. 

manni ad Bereugarium epistola ed. O. A. öcumiu, 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 381 

dem Abte Tlieoclerich, wurde mit seiner Hülfe die Reform 
durchgeführt, dann von ihm selbst unter schweren Kämpfen 
behauptet. Ueber diese beiden bedeutenden Aebte finden 
sich nun Verse in dem Cod. Mus. Brit. Add. 24914 aus 
St. Trond, die eher dichterische Nachrufe, als Grabschriften 
zu nennen sind^. Können sie uns auch nach der aus- 
führlichen Klostergeschichte Rudolfs neue Thatsachen 
kaum bieteu, so fügen sie doch die Charakterzüge der 
beiden Männer zu hübschen Bildern zusammen und liefern 
einen bemerkenswerthen Beitrag zur Beantwortung der 
Frage, wie weit es im früheren Mittelalter möglich war, 
die Persönlichkeit zu erfassen und zu schildern. Dabei 
kommt freilich der ungleich bedeutendere Abt Eudolf 
recht zu kurz. Die wenigen, nicht gerade hervorragenden 
Verse über ihn sind später von einer andern Hand hinzu- 
gefügt, vielleicht nur, weil man es ungerecht fand, dass 
das Lob seines Vorgängers in so vollen Tönen der Nach- 
welt überliefert und seiner dabei nicht gedacht werden 
sollte. Die Verse auf Theoderich dagegen verrathen eine 
so ungewöhnliche Begabung, wie sie unter den damaligen 
Insassen des Klosters St. Trond wohl nur der Abt Rudolf 
selbst besass, und an ihn möchte ich als Verfasser in erster 
Linie denken"-. Auch er war ein Lütticher Schüler, über- 
ragte aber freilich an Begabung den älteren Lambert um 
Haupteslänge. Die Daten seines schicksalreicheu Lebens 
sind in der Vorrede zu den Gesta abbatum Trudonensium 
von Köpke zusammengestellt. Nicht nur in der Prosa, 
sondern auch im Verse habe er sich rühmlich hervorgethan, 
so schreibt der Fortsetzer der 'Gesta' ^. Sehr bald nach 
Theoderichs Tode werden die Verse aufgezeichnet sein ; 
dafür spricht, dass diejenigen auf Rudolf nachher von an- 
derer Hand hinzugesetzt sind. Stilistische Anklänge an den 
ersten Theil der Gesta Hessen sich sicher bei genauer Ver- 
gleichung finden^; hier begnüge ich mich, darauf hinzu- 



1) Darauf ist hingewiesen IST. A. IV, 370 und Wattenbach G. Q. 
II ^ 149 N. 3. Gr. Kurth hat sie bereits benutzt (Anal. Boll. 
II, 263) und einzelne Verse angeführt, aber, soviel ich weiss, niemals 
ganz veröffentlicht. 2) Wenn G. Kurth a. a. 0. sagt, der Verfasser 

des ersten Gedichts müsse auch den Abt Rudolf überlebt haben wegen 
der folgenden, auf dessen Tod bezüglichen Verse, so übersieht er, dass 
diese Verse von einer andern Hand hinzugefügt sind. 3) SS. X, 

272 : 'Sub Scolari disciplina et studio litterarum Leodii positus usque 
ad 18 annos aetatis suae ibi mansit ; ubi quantum metro et prosa pro- 
fecerit, ex scriptis eins et opusculis eius, quae postea fecit, plane intelligi 
poterit'. Zu den 'oi^usculis, quae postea fecit', wird auch der poetische 
J^achruf auf seinen Vorgänger gehören. 4) Man vergleiche z. B. die 



382 Karl Hampe. 

weisen, dass Endolf in seiner Geschichte es liebt, anzu- 
merken, dass er das Erzählte selbst gesehen hat. Das ver- 
gangene Elend des Klosters will er schildern 'secundnm 
quod audivimus maximaqne ex parte ipse vidi' (p. 256); 
ähnlich heisst es p. 257, 39: 'Vidi ipse'; p. 261, 39: 'ipse 
presens istis interfui' etc. Daran erinnert in den Versen 
lebhaft die Stelle: 'Vidi, quod crebro lapides ac ligna 
ferebat'. Rudolfs Interesse für Musik wird von seinem 
Fortsetzer hervorgehoben ^, und an dem Gresange Theoderichs 
wenigstens hat der Verfasser der Verse auch besonderes 
Wohlgefallen gefunden. Zieht man endlich in Betracht, 
dass Rudolf durch sein inniges Verhältnis zu seinem Vor- 
gänger - zu dieser dichterischen Ehrung besonders berufen, 
und dass der Kreis jener Personen, die dem Theoderich 
bei der Durchführung der Reform zur Seite standen, ausser- 
ordentlich eng war^, so wird die Verfasserschaft Rudolfs 
für diese Verse fast als sicher angesehen werden können^. 
Vielleicht sind dann die Verse auf ihn selbst nach seinem 
Tode von dem ersten Fortsetzer der Gesta hinzugefügt. 

Eine neue Beschreibung des Cod. ist durch die ge- 
nügenden Angaben des gedruckten Katalogs überflüssig- 
gemacht. Die Verse beginnen f. 114'. 

Anno ab incarnatione Domini MCVII obiit domnus 
Theodericus abbas VII. Kai. Maii. 

Qui puer hie altus et doctrinis studiorum 
Plenius imbutus arcem conscendit eorum, 
Increvitque sibi pariter decus omne bonorum, 
Quod satis ostendit eins reverentia morum. 
5 Trudo pater favit puero puerumque iuvando 
Reddidit illustrem, sibi dotes has cumulando; 
Inque virum magn§ perductus strenuitatis 
Exibuit coram monimenta su§ probitatis. 
Denique cum scriptis se latius insinuasset ^ 



Schilderung Theoderichs SS. X, 263 : 'Fuerat enim erga eos lenissimi 
affectus et grandis patienciae, vultus hilaris et iocundae allocutionis, malos 
aequanimiter sciens tolerare, bonos amare et honorare' mit den Versen 
unten: 'Et quoniam fuerat omni dulcedine plenus' etc. bis 'prorsus 
habehat'. 1) SS. X, 274. 2) Ebenda. 3) Von den 15 Mönchen 

und Schülern, die Rudolf bei seinem Eintritt ins Kloster vorfand, waren 
1107 dort nur noch 7 vorhanden; nur diese aber können für die Ver- 
fasserschaft an den Versen in Betracht kommen, vgl. SS. X, 273 und 262. 

4) "Wegen der Verbesserungsvorschläge, welche dieselbe Hand stellenweise 
übergeschrieben hat, scheint das Stück Rudolfs Autograph zu sein. 

5) Ueber seine schriftstellerische Thätigkeit vgl. Wattenb. G. Q. II"', 149. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 383 

10 Seque regendo scolas iara passim magnificasset, 
Nobis est tanclem nostroque loco revocatus ^ 
Et tanquam nova lux abbas - est rite creatus •^. 
Quod sibi non tantum collatum vidit"^ honori, 
Quantum martyrio palm§que simul potiori. 

15 Nam nichil invenit, nisi quod se mestificaret, 
Quod super amisso quem vidit honore gravaret. 
Diruta cernebat, qu§ primitus edificata^ 
Et qu§ conspexit satis egregie decorata, 
Sublatum fratrum numerum, qui tarn probitate 

20 Person§ clari fuerant, qviam nobilitate. 

Nam dum contendunt abbates ^ et monachorum 
Partes divers^, in tantum ' lis crevit eorum, 
Quod mutando locum plures alias abierunt, 
Et quidam penitus habitum quoque deseruerunt. 

25 Qu§ super hos fusa contentio multa bonorum 
Sustulit ecclesi§, stravit fastigia morum, 
Immo nichil reliqui feeit, matrem spoliando, 
Pro nutrimentis sibi dulcibus hec mala dando. 
Hec* igitur graviter vexabant Theodericnm, 

30 Tam fratrum sane, quam religionis amicum, 
Martjriique loco vehementius hunc cruciabant, 
Quando suam mentem tot tantaque -' dampna gravabant. 
quid meroris, quid pertulit inde laboris ! 
Multum meroris, multum tulit inde laboris; 

35 Virque tamen prudens causam sollerter agebat 
Dispersosque pie fratres revocare studebat ; 
Exhortabatur hos vivere religiöse, 
Ostendens vit§ causas irreligiöse, 
Scilicet h§c dampna, dispendia tanta bonorum, 

40 Plene restitui qu§ nemo videret eorum. 

H^c pro posse tamen satis atnitens ^^ reparabat ^\ 
Artificumque nullus operi ^^ magis invigilabat. 
Vidi, quod crebro lapides ac ligna ferebat 
Et quasi conductus mercede quidem satagebat. 

45 Et gratum visu fuerat caput hoc venerandum, 
Artificum quod opus operans dabat accelerandum ; 
Canitie siquidem grata placide radiabat 

1) Vgl. SS. X, 255 'eiusdem loci antea nutritus'. 2) 1099—1107. 
3) Dieselbe Hand hat übergeschr. 'vel sacratus'. 4) Ebenso übergeschr. 
'vel duxit'. 5) Zur Verwüstung des Klosters und den sonstigen Zu- 

ständen vgl. SS. X, 255 flf. 6) Vgl. SS. X, 257, 32 : 'contentio inter se 
abbatum'. 7) 'in tantum' von derselben Hand übergeschr. statt 'tantum'. 
8) 'Hie' Hs. 9) 'que' von ders. Hand übergeschr. 10) So Hs. 

11) Zu seiner Sorge für den Bau der Kirche vgl. SS. X, 255. 256. 

12) So Hs. ; die Stellung 'operi nullus' würde ein richtiges Metrum ergeben. 

Neues Archiv etc. XXII, 25 



384 Karl Hampe. 

Inter et artifices quasi quedam Stella micabat. 
Suffusam faciem reddens labor ipse rubore 

50 Maiori faciebat eum vernare decore, 

Et licet arte carens erat illi forma decoris; 
Et cui nativum decus omnis inesset honoris, 
Presertim vero Domino cum sacrificaret, 
Ornatusque decens hunc in festis decoraret, 

55 Tunc vel apostolico vel de c§tu superorum 
Credere quis forsan posset pro laude decorum, 
Tantus bonos form§ personaque tarn veneranda 
Commendabat eum multisque bonis celebranda, 
Que commendari vel voce quidem potuisset, 

60 Si nichil ulterius probitatis promeruisset, 

Hac tam magnifice quam dulce quidem reboabat 
Inque Dei laudes satis adstantes animabat. 
Omnis vero status erat illi sie moderatus, 
Ut sub censura laudis foret usque probatus. 

65 Precipueque tarnen dotes anime potiores 
Hunc illustrabant pollentes indole mores: 
Prudens simplicitas, huniilis mens atque modesta, 
Nulli livoris aliquo rancore molesta; 
Et quoniam fuerat omni dulcedine plenus, 

70 Semper tranquillus erat aspectuque serenus, 
Alloquio mitis, promptus, sed convenienter ; 
Quippe Dei donis uti norat sapienter, 
Primatumque boni tamen eins mente tenebat, 
Eins qu§ mentem dilectio prorsus habebat. 

75 Tempore nos modico rexit, quia non meruerunt 
Hunc mala nostra quidem, dum nobis subripuerunt. 
Currus et auriga cum cursum religionis 
Artius urgeret sub calle quidem rationis, 
Proh dolor! occursu communis prepete mortis 

80 H§c medio nisu defecit dextera fortis. 
Sic nostri capitis est rapta Corona decoris, 
Qu§ nos ornabat studioque regebat amoris. 
Christe deus, requies et spes et vita tuorum, 
Da sibi te ^ requiem vitamque piam superorum. 

85 Hoc te, Vera salus, nostr§ devotio mentis 
Supplex exorat patris huius amore calentis. 

Eine andere Hand s. XII. fährt fort: 
Isti successit Rodulfus, qui probitatis 
Eiusdem magn§que fuit vir strenuitatis 
Et non inferior illo vel qualibet arte 

1) So Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 385 

Vel qua quisqne potest commendari quoque j^arte. 
5 Eins enim forma laudabilis atque decora, 
Mens prudens, lingua promtissima voxque sonora, 
Audax et constans animus spernensque vereri, 
Ut minus änderet, qu§ uosset vera, fateri, 
Consilioqne bonns et res caute moderari, 
10 Sollers f>rincipibusque sciens commorigerari ; 
Inter eosque valent isti merito repntari, 
Illustres qui iure viri meruere notari^. 



Aus derselben Hs. hat G. Kurth in den Analecta 
Bollandiana II, 264 ff. eine metrische Vita des Bischofs 
Friedrich von Lüttich, der 1121 nach kurzer kampferfüllter 
Amtszeit angeblich durch das Gift seiner Gegner starb, 
ferner dessen bekannte Grabschrift und einen auf das 
Lütticher Schisma bezüglichen, übrigens schon früher ge- 
druckten - Brief des Erzbischofs Friedrich I. von Köln 
herausgegeben^. Die Grabschrift findet sich auch in dem 
dafür noch nicht benutzten Cod. Mus. Brit. Harl. 3052 
s. XII. aus Arnstein^ f. 125 und hat hier ebeuso wie in 
der von Kurth gedruckten Fassung den von der sonstigen 
Ueberlieferung ■' abweichenden Todestag : 'V'° Maii ante 
kalendas' *'. Friedrich von Lüttich wurde im J. 1119 vom 
Erzbischof Friedrich I. von Köln als Gegenbischof gegen 
den 'Intrusus' Alexander, der vom Kaiser belehnt worden 
war, aufgestellt. Die ganze Empörung der kirchlichen 
Partei über die 'Usurpation' Alexanders spricht aus einem 
Briefe des Bischofs Godebald von Utrecht. Friedrich von 
Köln hatte ihu von den Vorgängen in der Schwesterdiöcese 
benachrichtigt und sein persönliches Einschreiten dort ge- 
fordert. Godebald war daran vorderhand gehindert, aber 
er unterliess es nicht, dem Metropolitan seine tiefe Ent- 
rüstung über den Frevel auszusprechen und unnachsichtige 
Bestrafung zu fordern, indem er das niederträchtige Vor- 
gehen der Söhne Jakobs gegen Sichem, den Schänder ihrer 
Schwester Dina, dem Erzbischof als nacliahmenswerthes 
Beispiel vor Augen hielt. 



1) Zur Charakteristik Rudolfs vgl. SS. X, 279. 2) Vgl. Migne 
Patr. lat. 166, 1535. 3) Vgl. Wattenb. G. Q. II«, 148, N. 4. 4) Ueber 
den sonstigen Inhalt vgl. unten bei der Beschreiljung der Hss. des Britt. 
Mus. 5) Vgl. SS. XXV, 97; N. A. II, 603. 6) Eine Ueberschrift 

fehlt. Sonstige Abweichungen von N. A. II, 603 sind : V. 5 Plebi — 
Friderice. 6. Calixtus. 9. mens symonia furens. 

25* 



386 Karl Hampe. 

Dieser bisher ungedriickte Brief findet sich im Cod. 
Cheltenh. 450 ans S. Jakob in Lüttich ^. Der sonstige un- 
historische Inhalt desselben ist von Schenkl beschrieben 2. 
Der Brief, von einer Hand des 12. Jh., steht anf der 
zweiten Colnmne von f. 266, derart dass sich der Schluss 
über den unteren Rand beider Columnen erstreckt. Leider 
ist dieser Schluss und dazu noch die unteren Zeilen von 
Col. 2 absichtlich ausradiert, so dass nur noch einzelne 
Worte und Buchstaben zu lesen sind. Wahrscheinlich sollte 
die Seite von neuem beschrieben werden, und das voll- 
ständige Abschaben erwies sich dann doch als allzu mühsam. 
Die Lücken sind zu bedeutend, als dass eine einigermassen 
gesicherte Ergänzung möglich wäre. Ich begnüge mich 
daher damit, das, was deutlich lesbar ist, abzudrucken, 
einige weniger sichere Lesungen in Klammern zu setzen 
und im übrigen die annähernde Zahl der ausgefallenen 
Buchstaben durch Punkte zu bezeichnen. 

Godebald Bischof von Utrecht'^ spricht dem Erz- 
bischof Friedrich I. vonKöln^ seine Entrüstung 
über die Usurpation des bischöflichen Stuhles 
von Lüttich durch den Intrusus Alexander aus 
und fordert unnachsichtige Bestrafung. Febr. 

März 1119^ 

Domno et patri suo F. Coloniensium archiepiscopo 
G. Dei gratia quod est " viriliter agere et confortari ^ in 
Domino. 

De Leodiensis^ §cclesie sororis nostr§ nefaria invasione 
et execrabili oppressione fama quidem prius , sed nuper 
litteris vestris certius cognovimus, ad cuius consolationem, 
sicut monuistis, quia presentiam nostram tarn celeriter 
exibere nequivimus , sententie nostr§ litteras sanctitati 
vestr§ destinavimus. Videtur nobis hoc facinus quidem 
Omnibus ^cclesiis dolendum, maxime autem matri nostre 
cunetisque filiabus ipsius lamentandum, tum quia in filia 



1) f. 1 oben : 'Liber sancti lacobi in Leodio'. 2) S. B. d. Wien. 
Ak., ph. -bist. Kl. 1892. In der Hs. ist f. 238 das Glossar zum Daniel 
nicht s. XIII., sondern s. XIV. Das zum Theil ausradierte Stück, das 
dem Briefe Godebalds von Utrecht voraufgeht, scheint eine Predigt zu 
sein. 3) Die Beziehung des Schreibens auf die Wahl Alexanders von 

Lüttich bedarf wohl keines Beweises. Da der Absender Bischof in einer 
Schwesterdiöcese ist, kann es nur Godebald von Utrecht sein (1113 — 1127). 
4) 1100 — 1131. 5) Jedenfalls ganz kurze Zeit nach der Wahl Alexanders. 
6) Das allgemeine 'quod est' ist bescheidener an Stelle von 'episcopus' 
gesetzt. 7) Vgl. 1. Cor. 16. 13. 8) 'Leodicensis' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 387 

incestns hie contigit, tum quia in provintia hac malum 
hoc accidit, ubi primum et maxime hoc tempore pro 
vendicanda ecclesie libertate decertatum est et iam bon§ 
spei fructus sperari potuit. Sed o insidiosa antiqui hostis 
circumventio ! In tanti certaminis agone iam circa boni 
cursus consummationem repentino casu totius §cclesie 
faciem neqinssimus hostis tanta ignominia offudit, ut 
sororem nostram intrnsus hostis macularet, immo quod 
sceleratius est, filius matrem opprimeret^. Meministis 
historie veteris , quomodo filii lacob pro Diua - sorore 
oppressa Sichem filium Emor Evei habitatoresque urbis 
illius licet in legem eorum transire volentes et iam circum- 
cisos tamen sevientes ob stuprum sororis necaverunt, eo 
quod fedam rem operatus esset in Israel et violata filia 
lacob rem illicitam perpetrasset. Simili quoque forma pro 
sororis nostre oppressione iusto animadversionis zelo suc- 

censi ^ illum, licet §cclesiasticam emen- 

dationem [sollicitantem], de cubiculo spons§ Christi eicite, 
[in copjula, quam pervasit, nullatenus permaneat, nulla in 
hoc dauda est venia, nulla dispensatio admittenda, penitus 
extinguatur hoc malum, [ac potius] inde nascatur cladis 

exemplum, si . . . da [auf] [episcopi] 

[perjiculum [du] caritatem, 

ut libera electione . . bili 

vere libera liberata vere liberos in 

libertatem Spiritus procreare possit. [In] . . . , s 

tia u . [quisquis] [eum] ordinäre potestis [ni e] 

habetis assensum et pro 

Valete et 



X. Papstbriefe des 12. und 13. Jahrhunderts 
in englischen Handschriften. 

Den Reichthum ungedruckter Papstbriefe des 12. und 
13. Jh. in englischen Hss. gründlich auszuschöpfen, ist eine 
Aufgabe, die noch der Lösung harrt. Die folgende Zu- 
sammenstellung beansprucht nichts weiter, als ein geringes 
dazu beizutragen und die Aufmerksamkeit auf dies Arbeits- 
gebiet zu lenken. Viel Zeit konnte auf die Notizen, die 
ich hier gebe, nicht verwandt werden, und erschöpfend 
sollen sie nicht entfernt sein. Bei der Durchsicht der 



1) Wohl Beziehung darauf, dass Alexander vorher der Lütticher 
Kirche als Archidiakon angehört hat. 2) Gen. c. 3i. 3) Dem Sinne 
nach: 'sceleratum, incestuosum' od. dg-l. 



388 Karl Hampe. 

Decretalensammlungen war der Blick einmal darauf g-e- 
richtet, genügende Angaben aufzuzeichnen, um das Ver- 
hältnis dieser Sammlungen zu ähnlichen erkennen zu lassen, 
und andererseits darauf, solche Stücke, die an Empfänger 
im deutschen Reichsgebiete adressiert sind, kurz zu no- 
tieren. Doch ist diese Grenze hier sowohl, wie bei der 
Mittheilung solcher Briefe, die sich sonst vereinzelt in 
englischen Hss. finden, nicht streng innegehalten, nament- 
lich wo es sich um ungedruckte Stücke handelte. 

Der Inhalt der Samminngen ist im allgemeinen für 
den Kirchenrechtler von grösserem Interesse, als für den 
Historiker, doch begegnen darin immerhin einzelne auch 
historisch beachtenswerthe Briefe, und jede Ergänzung der 
Regesten ist ja von Nutzen, wenigstens soweit es sich um 
das Jaffe'sche Regestenwerk handelt, in dem Vollständig- 
keit angestrebt ist, während dieselbe bei der Sammlung 
Potthasts natürlich in weitem Felde liegt. Diejenigen der 
notierten Stücke, welche sich als bekannt herausstellten, 
sind kurz durch die Regestennummern der beiden ange- 
führten Werke bezeichnet; möglich, dass auch von den 
übrigen noch einzelne bekannt sind, die sich schwer identi- 
ficieren Hessen. Die Mittheilung erfolgt im Anschluss an 
die Beschreibung der Hss., indem die grösseren Sammlungen 
voraufgehen. Erläuterungen sind von mir nur gelegentlich 
hinzugefügt, da zur Bestimmung der undatierten und un- 
vollständig adressierten Stücke, soweit das überhaupt 
möglich ist, meist doch die Kenntnis des vollen Wortlauts 
nöthig wäre. 

1) Cod. Mus. Brit. Cotton. Vit e 1 1. E XIII, membr. 
s. XIII. ist durch den Brand der Bibliothek 1731 stark 
beschädigt. Durch die Hitze sind die Blätter zusammen- 
geschrumpft und haben sich aufgerollt. Später sind sie 
von einander gelöst und geschickt zwischen Papierrahmen 
gespannt, so dass bis auf die letzten die Blätter doch zum 
grössten Theile erhalten sind ; doch erforderte das Auf- 
rollen Einschnitte, manches ist abgebröckelt oder durch 
Flecken entstellt, f. 210' beginnt eine Decretalensammlung, 
die mit wenigen Ausnahmen Briefe oder Brieffragmente 
Alexanders III. enthält, mit keiner der bekannten Samm- 
lungen übereinstimmt vind am nächsten verwandt mit dem 
Appendix concilii Lateranensis ^ (Mansi Conc. XXII, 248 ff.) 
und der unten unter n. 2 besprochenen Sammlung zu sein 

1) Das Concilium Lateranense gelit in der Hs. vorauf. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 389 

scheint. Die Seiten sind in 2 Columnen getheilt. Die 
Anordnung erfolgte nach sachlichen Gesichtspunkten. Jedes 
Stück hat beim Beginn der Adresse eine kleine, beim An- 
fang des Textes eine grössere Initiale. Für die Herkunft 
findet sich kein Merkmal. Die Stücke, deren Adressen 
und Anfänge nicht erhalten sind, wurden für die folgende 
Uebersicht nicht berücksichtigt. Fast alle Daten fehlen, 
f. 212'. J. 14059. 14311. f. 213 A. ^ Wintoniensi 
episcopo. 'Consuluit nos fraternitas tua'. Dann: A. Ebo- 
racensi archiepiscopo. 'Referente nobis magistro G. clerico', 
unvollständig, (etwa = J. 17623, im Decr. Greg. IX. 1. IV, 
17, 10 unvollständig unter dem Namen Coelestins III?). 
In diesem ersten Abschnitt handelt es sich stets um Ehe- 
sachen, f. 213'. A. Gradensi- patriarche. 'Affatus est 
litteris suis apostolicum — quidam vir nomine lohannes', 
unvollständig. Dann: J. 14159. f. 214. J. 13937. f. 214'. 
J. 13887. f. 215'. Eugen III. J. 9655. Dann ohne Namen 
des Papstes : Burdegalensi archiepiscopo. 'Consuluit nos 
fraternitas tua, quid tibi fa-' Eest verbrannt. Dann J. 14214. 
f. 216'. J. 9657. f. 217. J. 13787. f. 217'. J. 14005. Dann: 
A. Triburiensi ^ episcopo. '[Cjasum, quem nobis litteris tuis 
descripsisti' unvollständig, f. 219. J. 14120. 14055. f. 219'. 
A. Cassiensi^ abbati. 'Ad aures nostras noveris pervenisse' ; 
nicht bei J. f. 220'. A. E. hospitalario et R. 'Non semel, 
sed secundo et tercio C. presentium lator nobis proposuit', 
dass sein Weib, auf Ehebruch ertappt, von ihm geflohen 
sei, dass P. Cassinensis decanus ihn, als er den Grund er- 
fuhr, nicht zwingen mochte, sie wieder aufzunehmen ; dann 
wird der Abt von Montecassino genannt; der Schluss ist 
stark beschädigt, f. 221. A. Agrigantino [episcopo]. 'Latrix 
presentium A. nomine', beschädigt. — A. Anagnino episcopo. 
'Notum sit fraternitati tue, quod latrix presentium , nicht 
bei J. f. 221'. J. 11794. f. 223. J. 14086. f. 223'. A. Pic- 
tavensi episcopo. 'Quoniam a nobis sollicitudo tua quesivit', 
was mit Ehefrauen geschehen soll, deren Männer schon 
lange Jahre abwesend sind etc. f. 224. A. Maguntino 
archiepiscopo. 'Significavit nobis venerabilis -^ noster N. Tre- 
censis episcopus', beschädigt, nicht bei J. f. 224'. Cele- 
stinus [III.] papa Florentine ecclesie''. 'Videtur nobis, quod 
secunda, quam contra prohibitionem ecclesie duxit', nicht 

1) Mit dem Buchstaben A. bezeichne ich hier und im folgen- 
den Alexander III. 2) 'Gndensi' Hs. ; Heinrich Dandolo 1131— 1186. 

3) Etwa verderbt aus 'Tribumensi' (Tribuma = Kilmore in Irland)'? 

4) So Hs. öfter statt 'Cassinensi'. 5) 'frater' wohl zu ergänzen. 
6) 'occoe' Hs. 



390 Karl Hampe. 

bei J. Urbanus ^ III. Cenomanensi episcopo. 'Intelleximus, 
quod cum inter villicum de Herneia'. 

f. 225'. Neuer Abschnitt mit bunter Ueberschrift, die 
nicht mehr zu lesen ist. Es handelt sich im folg-enden 
um Appellationen. Viele der Briefe sind nach England, 
insbesondere nach Canterbury und York gerichtet, f. 227. 
J. 12020. f. 228'. Gregor VIII. J. 16056. f. 229'. J. 14073 
mit Adresse : Gradensi - patriarche. f. 233. A. dilectis filiis 
decano et capitulo Tornacensis ecclesie. 'Si qua in vobis ^ 
esset apostolice sedis reverentia, monitis et mandatis nostris 
cum summa deberetis devocione parere', beschädigt, f. 233'. 
A. Tornacensi episcopo. 'lam te nobis et ecclesie Romane 
iuxta officii tui condicionem debitam reverentiam exhibere 
deceret' etc. f. 235. J. 12411 (?) mit Adresse: Carnotensi 
episcopo. f. 241. A. abbati et capitulo vallis losaphat. 
'Cause, que sub apostolice sedis examine terminantur, nulla- 
tenus contentionis in posterum scrupulum debent resumere' 
etc. 'Inde est, quod devocioni vestre per apostolica scripta 
mandamus, quatinus sententiam, quam super causa, que 
inter vos ac venerabilem fratrem nostrum lerosolimitanum 
patriarcham et dilectos filios nostros priorem^ et canonicos 
ecclesie sue de sede et prandio ^ diutius est agitata, dis- 
cretione et consilio fratrum nostrorum contulimus, inviola- 
biliter observetis' etc., beschädigt, f. 242. J. 14079. f. 246. 
J. 14334. f. 246'. A. preposito, decano et capitulo Remensi. 
'Dilecti filii nostri abbas et fratres de Mari — monstra- 
verunt, quod cum Radulfo clerico' etc. f. 247. J. 13961. 
13962. f. 249. A. abbati sancti Remigii et fratri decano 
venerabili. 'Ex parte Nicholai de Salis nostris auribus est 
intimatum, quod cum patre suo defuncto pupillus et orpha- 
nus remansisset, fratres eins et amici eorum, ut eum ab 
hereditate paterna excluderent, ipsum in monasterio Cor- 
beiensi monachum fecerunt' etc., beschädigt, f. 249'. A. 
abbati et fratribus ecclesie sancti Sa.'' 'Etsi omnibus ecclesia- 
sticis viris'. A. abbati Bartholomeo. 'Sicut tu asseris, ita 
nos fatemur' etc. f. 250. J. 14045. Dann: A. Sagiensi^ 
episcopo. 'Sicut ad audiendas honestas preces'. 'S. the- 
saurariiTS Lexoviensis' wird erwähnt. Dann: Idem Colo- 
censi archiepiscopo. 'Licet literas karissimi in Christo filii 
nostri illustris Ungarorum regis et regine' etc. f. 251. 
J. 14046. 12129. 11480. f. 251'. A. Trundensi*^ archiepi- 



1) 'Erbanus' Hs. mit falscher Initiale. 2) 'Gradensi' Hs. 

3) 'nobis' Hs. 4) 'porem' Hs. 5) Es folgt 'est' Hs. 6) So Hs. 

7) Seez in Frankreich. • 8) So öfter Hs. neben Trudensis (Drontheim). 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 391 

scopo et eins suffraganeis. 'Ad aures nostras perlatum', 
nicht bei J. Noch mehrere Stücke an denselben, darunter 
Urban III. J. 15750. f. 254. Clemens III. J. 16595 (Civi- 
tatensi ecclesie). 

Dann neuer Abschnitt. Lucius III. J. 14547. f. 255. 
A. Cusentino episcopo. 'Viduis secundo nubentibus sicut 
de consuetudine, ita et de iure sacerdotum est benedictio 
deneg-anda' etc. Idem archidiaconis, in quorum archidia- 
eonatibus Eamenses^ ecclesie sunt. 'Ea, que cupiditatis 
et avaricie radice procedunt et in speciem simoniace heresis 
ei'umpunt' etc. f. 256. Idem lohanni [so ist fälschlich 
der Anfang'sbuchstabe I ergänzt, statt 'Ildebrando') basilice 
XII apostolorum presbytero cardinali apostolice sedis leg-ato. 
'Dudum diligentia tua per dilectum filium nostrum S. a 
nobis sollicite quesivit, an- electionem electi, qui nujter 
abiurato scismate ad unitatem ecclesie et devotionem no- 
stram rediit, confirmare debeat? Id tibi duximus respon- 
dere, quod si a scismatico nostrum ordinem receperit, et 
eius electio unanimiter et concorditer fuerit secundum 
ordinem canonicum facta, dummodo alia non impediant, 
confirmationem tuam ratam habemus. mandantes, ut eum 
facias^ a^ catholicis episcopis suffrag-aneis Aquilitane ^ eccle- 
sie in episcopum ordinari, salva tameu debita iusticia et 
reverentia eidem'^ ecclesie, cum catholica fuerit^. 

f. 256. J. 13032. f. 256'. A. Papiniensi (so statt Pa- 
piensi)^ episcopo. 'Literas, quas nobis tua devotio com- 
munes pro clero tibi commisso' etc. U. a. kommt diese 
Stelle vor: 'Sane tamen dilectus filius noster W. tunc sancti 
Petri ad vincula presbyter cardinalis — — prepositos 
ecclesiarum civitatis vestre ab ecclesiis'', quas scismatici a 
scismaticis prave receperant, ammovisset' ^'^ etc. f. 257. A. 

1) So Hs. 2) 'an' Hs. 3) 'fatias' Hs. 4) Fehlt Hs. 

5) So statt 'Aquileiensis' Hs. Der Patriarch üdalrich war bekanntlich 
Anhänger Friedrichs I.. daher die Ordination durch die Sufiraganbischöfe. 
Auf welchen Bischof der Provinz Aquüeia sich dies Schreiben bezieht, 
weiss ich nicht. Auch fiir Bestimmung der Zeit fehlt ein sicherer Anhalt. 
Der Cardinal Hildebrand wurde 1171 als Legat nach Salzburg geschickt. 
Auch 1173 und 1176 war er Legat in Oberitalien, aber diese beiden Male 
mit einem andern Cardinal zusammen, so dass päpstliche Schreiben in 
der Regel an beide Legaten gemeinsam gerichtet sind. 6) So Hs. ; 

'eiusdem'? 7) 'fuit' Hs. ; vielleicht ist 'fiat' zu lesen. 8) Dass Pavia 
gemeint ist, dafür sprechen die nahen Beziehungen des Cardinalpresbj'ters 
Wilhelm zu dieser seiner Heimathstadt. 9) 'ecclesiasticis' Hs. 10) Wil- 
helm kommt als Cardinalpresbyter tit. S. Petri ad vincula vom 22. Mai 
1162 bis zum 28. Nov. 1176 vor; bald darauf wurde er Bischof von 
Porto, starb aber schon im December 1177. Da er zur Zeit des obigen 
Briefes offenbar noch am Leben, aber nicht mehr Cardinalpresbyter war, 
so fällt das Schreiben zwischen den 28. Nov. 1176 und Dec. 1177. 



392 Karl Hampe. 

regi Anglorum ^. 'Qnanto superna dextera conditoris' etc. 
— 'mandamus et exortamur attentius, qnatiuus divine 
maiestatis optentu et pro honore sancte Dei ecclesie ballivis 
tuis et ministerialibns destricte precipias, ut in eundem 
J. nulla ratione manus initiant nee enm seculari iudicio 
Stare compellant' etc. f. 257'. Idem Trundensi archiepiscopo. 
'Pervenit ad nos, qnod bone memorie Allocensis- episcopiis' 
etc. Der 'rex Norweie' wird erwähnt. Dann J. 13740. 
f. 258. Engen III. J. 9656. Dann: A. Ciarentino '^ epi- 
scopo. 'Litere, quas J. lator presentium nobis exhibuit' 
etc. f. 259. J. 13742. f. 259'. A. Carnotensi episcopo. 
'Mnlieres vel alie' etc. f. 260. J. 13940. f. 260'. A. Terra- 
censi* episcopo. 'Super eo qnod nos consulere volnisti, 
utrum clericns sit cog'endus' etc. Dann J. 13965, hier 
nicht von Alexander III., sondern von Lucius III. Dann : 
A. Lerinensi^ episcopo. 'Lator presentium A. nomine la- 
crimabili nobis assertione' etc. f. 262. lerosolimitano pa- 
triarche (ohne Angabe des Papstes, wohl von Alex. III.). 
'In concessionibns et confirmationibus — fratres tnos re- 
quiras' etc. (wohl kaum Brief anfang). f. 262'. Innocenz IL 
J. 8289. f. 263. A. lanuensi episcopo*^. 'Cum Romana 
ecclesia inter alias preminet supprema' etc. — 'Unde quia 
f raternitas tua nos consulere voluit , utrum episcopus ' 
parrochianum suum, publica fama eum accusante, ad pur- 
gationem cogere possit' etc. 

f. 263'. Neuer Abschnitt, f. 264. A. Salernitano epi- 
scopo*'. 'Clericos in sacris ordinibus constitutos, qui in 
domibus propriis publice detinent concubinas' etc. f. 264. 
J. 15178. f. 267'. J. 13960. f. 268. J. 13727. f. 268'. A. 
Gradensi* archiepiscopo •', apostolice sedis legato et eins 
suffraganeis. 'Vigili cura et sollicitudine nos providere 
oportet, ne [circa] ^*^ ordinem ecclesiarum per alios quid, 
quam per ecclesiasticos viros, aliquo modo agatur' etc. 
Am Schluss: 'Dat.^^ Beneventi XV. kal. lan.' Am 18. 
December war Alexander III. in Benevent nur während 
der Jahre 1167— 69 i-; in diese Zeit fällt also der Brief. — 
Von hier ab ist der Cod. noch stärker als bisher beschädigt. 



1) Heinrich II. ; das Schreiben bezieht sich offenbar auf einen 
Streit, der sich an die Aufhebung der Exemption der Geistlichen Englands 
von der weltlichen Gerichtsbarkeit knüpfte. 2) Wohl = Asloensis, 

Osloensis (Opslo). 3) So Hs., augenscheinlich verderbt: 4) Wohl 

statt 'Terracinensi'. 5) Larino? 6) So statt 'archiepiscopo' Hs. 

7) Folgt 'per' Hs. 8) 'Grandensi' Hs. 9) So Hs. 10) Fehlt Hs. 

11) 'Dant.' Hs. 12) 1176 ist er erst vom 25. Dec. ab dort nachzuweisen ; 
vgl. Romoaldi Ann. (SS. XIX, 443) — 'a festo uativitatis usque in epi- 
))haniam ibidem est demoratus'. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 393 

f. 271. A. ohne Adresse. 'Ex conqnestioue dilectornm 
filiorum nostrorum prioris et fratrum niouasterii de Lewes ^ 
accepimus', etc. 'Dat. Veletri II. idus Mali' (14. Mai 1180, 
nur dies Jahr kann in Betracht kommen), f. 271'. J. 14078. 
f. 272. A. Trundensi archiepiscopo aj)Ostolice sedis legato 
et eins suffraganeis. 'Quoniam ad andientiam nostram per- 
yenit' etc. f. 272'. A. Eavennati- archiepiscopo. 'Cau- 
sam, qiie vertitur inter monachas sancte Margarete super 
discordia et dissensione electionis , quam fecerunt' etc. 
f. 273'. A. Trudensi [archiepiscopo], apostolice sedis legato. 
'Super eo, quod a nobis tua sollicitudo requisivit, quod 
cathedralis ecclesie' etc. 'Dat. Beneventi IIII. idus De- 
cembris' (= 10. Dec. 1167—69, vgl. oben). f. 275'. A. 
Alfano^ episcopo. 'Requisivit a nobis fraternitas tua, quid 
agendum sit de dignitatibus' etc. f. 276. A. A[lberto] tituli 
sancti Laurentii et T[heodino] tituli sancti Vitalis presbjtero 
cardinali. 'Qui a gremio sancte matris ecclesie pro suis 
excessibus alienati noscuntur, de rebus ecclesiasticis dis- 
ponere vel ordinäre non possunt' etc. Bezieht sich auf 
den excommunicierten Bischof Jocelin von Salisbury, welcher 
der Mitschuld an der Ermordung des Thomas von Canter- 
burv bezichtigt wurde. Der Brief fällt in die Zeit, in 
welcher die beiden Legaten, die von Alexander TU. an 
Heinrich II. nach der Normandie entsandt waren, ihr Amt 
ausübten, d. h. zwischen Herbst 1171 und Frühjahr 1173^. 
f. 276. Neuer Abschnitt, f. 280'. Eugenius III. ^ ma- 
gistro Omnibono ". 'Literas dilectionis vestre benigne rece- 
pimus, in quibus illa, que inter B.' Bononiensem episcopum 
et Paduanum abbatem sub vestro examine agitur' etc., 
betreffs des Calumnieneides. Dann: A. G.^ presbytero 
cardinali. 'In tractandis causis sacramentum de calumpnia 
non passim precipimus exhiberi' etc., stark beschädigt. 
Dann: Lucius III. J. 14532. f. 281. A. Laven." episcopo. 
'Super eo, quod certificari desideras' etc. f. 282'. A. Pla- 
centino episcopo. Anfang beschädigt: — 'iurasse, quod 
post apostolica in vos sententia' etc. f. 283. J, 10826. 



1) N. ö. von Brighton. 2) Vgl. unten Cod. Reg. 10 A II. f. 19 

'Remensi'. 3) Wohl = Alifano. 4) Vgl. Reuter, Alexander III. 

Bd. EH, 716 ff. 5) So ist jedenfalls zu lesen statt: 'II' Hs. 6) Man 
könnte an den späteren Bischof Ognibene von Verona (1157 — 1185) 
denken. 7) Ein Bischof mit B. existiert in Bologna zur Zeit Eugens III. 
nicht; bis Juli 1145 war Heinrich, dann bis 1165 Gerhard dort Bischof. 
Das 'JB' ist wohl nur Schreibfehler. 8) Wohl 'Gruillelmo tit. S. Petri ad 
vincula', dessen Unterschrift in Papstbullen vom 22. Mai 1162 bis zum 
28. Nov. 1176 vorkommt. 9) So offenbar verderbt Hs. 



394 Karl Hampe. 

f. 283'. J. 14010. Die folgenden Blätter stark beschädig-t, 
auf dem letzten steht unten : 'Consilium (!) Turonense Alex- 
andri pape III.' Dies Concil ist ausser dem Lateranischen 
und der Chronik des Florentius Wigorniensis im ersten 
Theile der Hs. enthalten. 

Cod. Mus. Brit. Reg. 10 A II, membr. s. XII. ex. 
enthält f. 5 — 62' eine der eben beschriebenen ähnliche 
Sammlung; sowohl die äussere Einrichtung, als auch zum 
Theil die einzelnen Stücke stimmen überein ; für viele 
kann daher hier ein vollständigerer Text gewonnen werden. 
Identisch sind die Sammlungen aber keineswegs ; die Reihen- 
folge und ein grosser Theil des Inhalts ist verschieden. 
Ich notierte auch hier die ersten Stücke vollständig, die 
späteren nur mit Auswahl. 

Die Ueberschrift des ersten Theiles lautet : I. Incipiunt 
decretales epistole Alexandri pape III. de statu et iure 
coniugii, sive contracti sive contrahendi, quarum prima 
destinata est Cantuariensi archiepiscopo et eius suffraganeis. 
Es ist J. 13794. 2) J. 14159 mit der richtigeren Adresse: 
'Norwicensi episcopo'. 3) J. 14032 Trevereusi episcopo (!). 
4) J. 13901. 5) J. 13937. 6) J. 13983. 7) J. 14311. 
8) J. 13899. 9) Wintoniensi episcopo 'Consuluit' etc. wie 
Vitell. E XIII f. 213. 10) J. 14104. f. 6'. 12) Capitulo 
Maguntine ecclesie. 'Consuluit nos vestra discrecio de 
duabus personis, viro videlicet et muliere, quorum uterque, 
cum sit apte etatis ad matrimonium contrahendum, alterum 
in suum recepit et ante carnalem copulam mulier nupsit 
alii, a quo in uxorem recepta est Interim ducta et cognita, 
utrum a suo viro relinqui debeat vel primo restitui. Super 
quo consultationi vestre taliter respondemus, quod si inter 
primum virum et eandem mulierem intercesserit de pre- 
senti consensus, ita quod unus alterum in suum recepit 
dicendo: 'Ego recipio te in meum' et: 'Ego te recipio in 
meam', etiamsi ab alio, antequam cognosceretur a primo, 
sit traducta et cognita, primo viro debet restitui, cum post 
talem consensum alii nubere non licuerit'. f. 7. 15) Asti- 
onensi^ electo. 'Singulorum consultationibus quantum Dens 
ministravit' etc. f. 7'. 18) Canonicis et universo clero et 
populo Tremulano -. 'Cum inter L. concivem vestrum et 
T. mulierem divortii sententia' etc. f. 8. 22) J. 13787. 
f. 8'. 23) J. 14165 mit der Adresse: 'Ponormitano archie- 
piscopo'. 24) J. 13854. 25) J. 14061. 27) J. 10445 (ohne 



1) Statt 'Astensi'? 2) = Termulano. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 395 

den Namen Hadrians IV., also Alexander III. zugeschrieben, 
wie N. A. VII, 167). 28) J. 14091 ('Licet preter') f. 10'. 
32) J. 14107. f. 11. 36) J. 13838. f. 11'. 38) J. 14235. 
40) J. 14055. 41) J. 14005 ('Consuluit nos') f. 12. 42) Cassiensi 
abbati, wie Vitell. f. 219'. f. 12'. 46) Meldelsi(!) episcopo. 
'Significavit nobis frater noster Trecensis episcopus' etc., 
vgl. Vitell. f. 224. 

f. 14. Pars II. De statu religiosorum et de eorundem 
privilegio etc. 3) Abbati sancti Bertholomei Noviomenensi^. 
'Sicut tu asseris, ita fatemur' etc. f. 14'. 5) J. 14119. 
f. 19. 22) Remensi archiepiscopo wie Vitell. f. 272' (Eaven- 
nati arch.). f. 20. 30) J. 13940. 

f. 22. Pars III. De statu clericorum. f. 22'. 5) J. 14334. 
7) J. 14006 (Tresentium lator L'). 8) J. 13856. 13) Pam- 
bergensi episcopo. 'Non sine gravibus sumptibus et la- 
boribus munus consecrationis percepturus a nobis, ad 
nostram presentiam accessisti. Sed quia venerabilis frater 
noster Maguntinus - archiepiscopus consecrationem tuam 
ad se asserit pertinere, quantumcumque te diligamus, ne- 
quivinius munus consecrationis tibi impendere, quod quere- 
bas. Verum pensatis laboribus tuis et sinceritate devotionis, 
quam exhibes circa nos et ecclesiam, auctoritate ajDOstolica 
tibi indulgemus, ut usque ad decisionem cause liceat tibi 
in celebratione missarum uti mitra et pontificalibus indu- 
mentis. Nee fas sit prefato archiepiscopo usque ad deci- 
sionem cause te de consecratione tua Interim molestare. 
Cum autem causa decisa fuerit, in susceptione pontificalis 
officii insigniis pontificalibus utendi auctore Deo recipies 
facultatem'. 

Dies interessante Schreiben gewährt einen neuen 
Einblick in die Bestrebungen der Bamberger Bischöfe, 
sich von der Mainzer Metropolitangewalt unabhängig zu 
machen und die Bischofsweihe direct vom Papste zu em- 
pfangen. Von den beiden Bamberger Wahlen (1172 und 
1177), die während Alexanders III. Pontificat vollzogen 
wurden, kommt hier wohl nur die letzte in Betracht^. Der 
Erwählte Otto II. begab sich 1178 nach Pisa, wo er wahr- 
scheinlich von Friedrich I. die Eegalien empfing. Damals 
rückten Alexander III. und Christian von Mainz gemein- 



1) Noyon scheint gemeint zu sein , wo es ein Kloster des h. 
Bartholomäus gab. 2) 'Maguncius' Hs. 3) Hermann II. führte 1172 
schon sehr bald den Bischofstitel , vgl. Ussermann , Episcopatus Bam- 
bergensis S. 117; vermuthlich ist er von dem Mainzer Erzbischof Konrad 
von Witteisbach geweiht worden (Looshorn, Das ßisthum Bamberg II. 
München 1888. S. 479). 



396 Karl Hampe. 

sam auf Rom zu. Looshoni ^ meint, Otto II. habe sich 
damals nicht zum Papste begeben, da die Aussicht, jetzt 
von ihm geweiht zu werden, zu gering gewesen sei. Mir 
scheint, dass er ihn doch aufgesucht und von ihm das 
obige Schreiben erwirkt hat, in dem zwar die Rücksicht- 
nahme auf den Erzbischof von Mainz unverkennbar ist, 
das ihm aber doch bis zur Entscheidung der Sache den 
Gebrauch der Mitra und der bischöflichen Gewänder zu- 
gestand und ihn vor den Belästigungen des Mainzers 
sicher stellte. Darauf ist Otto nach Bamberg zurückge- 
kehrt, und erst am 18. März 1179 ist er vom Papste ge- 
weiht worden, nicht ohne vorher noch mit manchen 
Hemmnissen gekämpft zu haben. Aufathmend schrieb er 
nun endlich dem Abte Wolfram von Michelsberg': 'Bene- 
dictus Dens, qui magnificavit facere nobiscum misericor- 
diam et beneficia, quae ad tempus quidem dare distulit, 
tandem clementer contulit. Post multas enim tribulationes, 
quas sustinuimus, de quibus posthac plenius audire poteritis, 
negotium nostrum effectui mancipatum est', f. 26'. 31) J. 
14046. 32) Salernitano episcopo, wie Vitell. f. 264. 

f. 29. Pars IUI. De statu et iure ecclesiai-um. f. 32. 
18) J. 13740. 20) J. 13748. f. 33. 24) Ruffino Sisinnato^ 
episcopo. 'Postuiavit a nobis tua fraternitas, ut ecclesiam 
de Valle Lucis, quam a monasterio Cassiensi possidere di- 
nosceris, tibi scripto nostro confirmaremus' etc. f. 33'. 
27) J. 14079. 29) J. 13960. f. 34'. 37) J. 14078. 

f. 38. Pars V. De casibus, in quibus non est deferen- 
dum appellationibus. f. 38'. 6) Rotomagensi archiepiscopo 
et abbati Gemeticensi. 'Ex certa relacione quorundam 
accepimus' etc. f. 39. 8) J. 12020 ('Cum sacrosancta'). 
f. 39'. 9) J. 12293 ('Sicut Romana'). 

f. 42. Pars VI. De casibus, in quibus est deferendum 
appellationibus etc. 

f. 44. Pars VII. Ad informandum iudices in diversis 
casibus etc. f. 50'. 27) lohanni Carnotensi episcopo. 'Cum 
sancta Romana ecclesia' etc. f. 53. 36) J. 14050. f. 54. 
41) Rotomagensi archiepiscopo et abbati Gemeticensi = 
J. 13804 (?) f. 54'. 44) J. 13970 ('Cum inter alios'). f. 55. 
46) Archipresbytero Volterano et abbati de Spongia. 'Accepi- 
mus ex litteris vestris, quod dilecti filii nostri abbas et 
fratres Maturiensis monasterii' etc. 47) J. 12666. f. 56'. 



1) A. a. O. S. 516. 2) Jaffe, Bibl. V, 534. 3) Verderbt statt 
'Atinati', Atino n. von Montecassino. Grams verzeichnet zu 118Ü einen 
Bischof Rufinus. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 397 

54) J. 13583. f. 58. 60) J. 14066. (Traternitatis tue) f. 58'. 
62) J. 14005. f. 59'. 68) J. 11248. f. 60. 61) J. 11806. 

Der Decretalensammlung- vorauf gehen folgende 
Papstbriefe: f. 1. J. 15519. f. 2. Urban III. erfüllt die 
Bitte König Heinrichs II. von England, dem Erzbischof 
Balduin von Canterbury das Legatenamt in der Provinz 
Canterbury zu übertragen, obwohl diese Bitte noch an 
ürbans Vorgänger gerichtet ist. 'Ab oculis Romane ecclesie' 
Dat. Verone XVI. kal. lauuarii (17. Dec. 1185). f. 2'. Ur- 
ban III. überträgt dies Amt an Balduin von Canterbury. 
'Sinceritas devocionis'. Dat. Verone XV. kal. lanuarii 
(18. Dec. 1185). — ürban III. verkündet diese Uebertragung 
dem Clerus der Provinz Canterbury. 'Divine sapientie in- 
scrutabilis altitudo'. Dasselbe Datum, f. 3. Urban III. 
an Balduin von Canterbury. 'Sicut tue littere continebant' ; 
betreffs eines 'Helias canonicus regularis', der gleich vom 
acolitus zum diaconus ordiniert ist, indem das Subdiaconat 
überschlagen wurde. Dat. Verone Villi, kal. lulii (23. 
Juni 1186 oder 1187). 

Auf die Decretalensammlung folgen diese Papstbriefe: 
f. 62'. Lucius III. B[alduino] Wigorniensi episcoj)o. 'Fra- 
ternitati tue per apostolica scripta mandamus, quatinus 
G. clericum' etc. Dat. Velletri (also zwischen dem 6. Sept. 
1181 und 18. Juni 1183). Dann: Clemens III. an die 
Bischöfe Englands. 'Illud operata est nuper in nobis dex- 
tera manus excelsi' etc. Theilt ihnen mit, dass sein Vor- 
gänger Gregor (VIII.) nach kurzer Zeit der Welt entrissen 
sei, dass die Cardinäle am dritten Tage darauf ihre Augen 
auf ihn gerichtet hätten; fordert sie auf, der römischen 
Kirche ferner ihre Ergebenheit zu bezeigen. Dat. Pisis. — 
Gregor VIII. war am 17. Dec. 1187 gestorben; Urban III., 
am 19. Dec. gewählt, blieb in Pisa noch bis zum 20. Jan. 
1188. Der Brief wird kurz nach der Wahl geschrieben 
sein. f. 63'. Lucius III. Balduino episcopo Wigorniensi = 
J. 15205 aus Löwenfeld Epistolae pont. Rom. ined. p. 220; 
dort ohne Datum, hier: 'Dat. Rome apud sanctum Petrum 
idibus Decembris (13. Dec. 1181). Dann J. 15165 (RapuUensi 
episcopo), bisher undatiert, hier: 'Dat. Velletri nonis lunii 
(5. Juni 1182 oder 1183). Zuletzt J. 15168 endet unvoll- 
ständig, f. 64 und 65 sind leer. f. 65' von einer Hd. s. 
XII. ex. : De papa Urbano ^ et Octaviano - et Albino '^ quando 



1) III., früher Hubertus Mediolanensis archiep. presb. card. 
2) 'Octaviono' Hs. ; diac. card. tit. SS. Sergii et Bacchi. 3) Presb. 

card. tit. S. Crucis in lerusalem. 



398 Karl Hampe. 

cardinales facti sunt, cum veiüret nisus unus in ecclesia\ 

quem capiens dixit unus: 

Nonne sub involucro prede letissima lucro 
Signa dedit volucris fratres intendere lucris? 

Cod. Cbeltenh. 11726, membr. s. XIII. (nicht XVI. 
wie N. A. IV, 598) in kleinem Folioformat. Auf der Rück- 
seite des vorderen Holzdeckels s. XIII. : 'Noverit universitas 
vestra, quod ego Robertus Parvus dedi et concessi Petro 
Ruffo' (nichts weiter) und einige auf den Inhalt der Hs. 
bezügliche Bemerkungen, f. 2'. Incipit summa de testibus 
magistri G. 'Inter homines litium fata parit dissidendi 
naturalis facilitas', etc. f. 8'. Explicit. Es folgen Kapitel- 
überschriften : 'Omnes hereticos infames esse' etc. Hinter 
f. 9 scheint ein Blatt zu fehlen, f. 10 beginnt mitten im 
Zusammenhang : 'exercere presumat' etc. Unten die Ueber- 
schrift: 'Ne principes et consules civitatum ecclesiis exac- 
tiones imponant aut eas honeribus premant, capitulum V. 
'Non minus pro illorum delicto' etc. f. 10'. Ne christiani 
Saracenis '- arma, ferrum et lignaria deferant etc. cap. VI. 
'Ita quorumdam animos occupavit seva cupiditas' etc. Also 
Papstbriefe, vielleicht noch des 12. Jh., denn ein weiteres 
Stück: 'Ne milites ad torneamenta conveniant' beginnt: 
'Felicis memorie paparum Innocentii, Eugenii, predecesso- 
rum nostrorum vestigiis inherentes', rührt also wohl von 
einem nicht allzu späten Nachfolger Innocenz' II. und 
Eugens III. her. Aehnliche Briefe stets ohne die Namen 
der Päpste folgen bis f. 15; daran schliessen sich von 
anderer Hd. Briefe Innocenz' III.; wenigstens trägt der 
erste am Rande die Adresse: 'Innocentius III. Narniensi 
episcopo'. Er beginnt: 'Dilectus filius noster abbas de 
Ferentillo conquerens de nobilibus viris dominis de Arono' 
etc. Dann: 'Exoniensi episcopo : 'Tua nos duxit fraternitas'. 
Idem Neopolitano (!) archiepiscopo : 'Sicut accusationem'. 
Cantuariensi archiepiscopo : 'Dilectus f rater magister Andreas' 
und andere Stücke; da die Daten fehlen, ist es mühsam, 
festzustellen, ob sie bekannt sind. 

f. 16' beginnt der Haupttheil der Hs., eine sachlich 
geordnete Decretalensammlung, ähnlich den beiden oben 
besprochenen, mit Papstbriefen aus dem 12. Jh. bis herab 
zu Innocenz III. Die Namen der Päpste sind nicht immer 
angegeben. Die meisten Stücke sind bekannt, aber eine 
Anzahl neuer Regesten, insbesondere solcher, die sich auf 



1) So Hs. 2) 'Siracenis' Hs. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 399 

England beziehen, Hesse sich immerhin aus der Sammlung 
gewinnen. Die Ueberschrift des ersten Abschnittes lautet: 
De simoniacis et indebitis exactoribus. 14 andere der- 
artige Abschnitte folgen. Die ersten Stücke sind von mir 
vollständig notiert: Alexander III. J. 14126. Dann ohne 
Papstnamen: Toletano archiepiscopo. 'De hoc autem, quod 
rex et principes a beato Examinensi^ episcopo pecuniam 
recepisse dicuntur' etc.; da kein Brief auf ang, schwer zu 
identifizieren. Dann J. 1:3883. 13843. 14547. 14199. 13165. 
14172. Dann mehrere Stücke: 'In concilio Tnronensi' und 
Deusdedit j)apa: 'Tanta est labes huius' etc. Darauf: Win- 
toniensi episcopo 'Pervenit ad audientiam nostram' etc. 
nicht bei J. Dann J. 14315. Coventrensi episcopo: 'Man- 
damus vobis, ut' etc. Exoniensi episcoj)0 'Ex litteris tue 
fraternitatis . Ohne Adresse: 'Consuluit nos vestra devotio'. 
Cantuariensi archiepiscopo 'Viris ecclesiasticis plurimum 
expedire dinoscitur'. Dann J. 11925. Ohne Adresse: 'Di- 
lectus filius noster magister E,.' Herefordensi episcopo 'Ad 
nostram noveritis audientiam', nicht bei J. Das mag ge- 
nügen, um von dem Inhalt der Sammlung eine Vorstellung 
zu geben und zu zeigen, dass sie bei aller Aehnlichkeit 
mit bekannten Sammlungen doch eine selbständige Be- 
deutung hat. 

Alis dem Folgenden sei noch erwähnt: Innocenz II. 
J. 8289. Lucius III. J. 15205. Coelestin III. J. 17055, hier 
richtig : priori et capitulo de Huntend. (Huntingdon) statt 
des sinnlosen 'Dehum' oder 'Terduna'. Urbanus III. abbati 
de Pesseii -. 'Sicut J. subdiaconi nobis insinuatio patefecit' 
etc. Der plötzlich ermordeten Mutter jenes J. ist das an- 
fänglich versagte christliche Begräbnis zu gestatten, wenn 
sie sich zur Zeit des Todes in der kirchlichen Gemeinschaft 
befand. Alexander III. 'Licet perfectionis sit vincula et 
carceres potius sustinere, quam iuramentum violare, nos 
tarnen attendentes fragilitatem humanam et quod possent 
inde gravia pericvila imminere, vos ab observantia iura- 
menti, quo estis prefato Conrado astricti — absolvimus' 
etc.; wegen des 'prefato' jedenfalls kein Briefanfang, ob 
bekannt? Lucius III. Eraclio lerosolimitano patriarche. 
'In concessionibus et confirmationibus et aliis huiusmodi 
ecclesie tu§ negotiis fratres tuos requiras' etc. Ein Schreiben 
mit dieser Adresse findet sich nicht unter den Regesten 
Lucius" III. Von bekannten Stücken seien noch genannt: 



1) Wohl verderbt aus 'Oxomensi'. 2) So Hs. 

Neues Archiv etc. XXII. 26 



400 Karl Hampe. 

J. 16181. 15164. 12530. 15751. 13743. 6570, die sich meist 
auch in den ähnlichen Sammlungen finden. 



Vereinzelte Papstbriefe des 12. und 13. Jh. notierte 
ich aus folgenden Hss.: 

Cod. Cheltenh. 12267 membr. s. XII. enthält auf 
f. 2' diese beiden Briefe : 

A. episcopus servus servorum Dei dilectis filiis abbati 
et fratribus monasterii sancti Benedict! supra Padum salutem 
et apostolicam benedictionem. 

Controversiam, que inter vos et dilectos filios nostros, 
monachos videlicet Nonantulanos, super curtem Sancti Ce- 
sarii diucius ag'itatur, venerabili fratri nostro Reg'ino epi- 
scopo commisimus audiendam et fine canonico terminandam. 
Quocirca universitati vestre per apostolica scripta manda- 
mus, quatenus, cum ab eo propter hoc fueritis evocati, ad 
eins presenciam accedatis, et quod ipse inter vos^ iudica- 
verit, suscipiatis firmiter et servetis. 

Dann von anderer gleich zeitiger Hand: 

A. episcopus servus servorum Dei venerabili fratri A. 
ßegino episcopo salutem et apostolicam benedictionem. 

Controversiam, que inter dilectos filios nostros No- 
nantulanos monachos et abbatem Sancti Benedicti supra 
Padum super curtem Sancti Cesarii diucius agitatur, frater- 
nitati tue commisimus audiendam et fine canonico termi- 
nandam. Quocirca fraternitati tue per apostolica scripta 
mandamus, quatenus utrauque ' partem propter hoc ante 
tuam presenciam convoces et auditis utriusque partis 
racionibus et diligenter investigatis caiisam ipsara iusticia 
ordinante decidas. 

Der Streit um den Hof S. Cesario oder Vilzacara 
zwischen Nonantola und Polirone ist das ganze 12. Jh. 
hindurch unter mehrfacher Einmischung von Seiten der 
deutschen Kaiser und römischen Päpste geführt worden. 
Ausführlich hat darüber Tiraboschi'^ gehandelt. Ihm waren 
auch bereits die beiden obigen, bisher ungedruckten Briefe 
aus der damals in Rom befindlichen Hs. bekannt, denn 
S. 245 sagt er darüber: 'In un codice dei secolo XII., che 
e nel monastero di S. Croce di Gerusalemme in Roma, e 
che una volta probabilmente era della badia di Nonantola, 
si hanno due brevi di un pontefice indicato colla sola 

1 ) Es folgt 'enn' getilgt Hs. 2) So Hs. 3) Storia dell'augusta 
l»adia di S. Silvestro di Nouautola. Modena 1784, I, 243 ff. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 401 

lettera iniziale A., che significa probabilmente o Adriano IV. 
o Alessaiidro III., diretti uno a' inonaci di Polirone, l'altro 
iid A., cioe o ad Alberio o ad Alberico ossia Albricoue 
vescovo di Eeg-gio interna a questa contesa uiedesima'. 
Die beiden Buchstaben A. vermag ich ebensowenig- wie 
Tiraboschi mit Sicherheit aufzulösen, viehnehr könnte neben 
Hadrian IV. und Alexander III. doch auch noch Anasta- 
sivis IV. in Betracht kommen. 

Die Hs., auf die Schenkl hingewiesen hat, enthält 
sonst kaum etwas historisch Brauchbares, f. 1 und 2 einen 
Exorcismus. f. 4 Verse : 

Ecce liber plenus et summo nectare letus 

Maximi dictis, nam fertilis emicat illis etc. 

Am Schluss des Cod. : 'Alexander papa. Sufficit sa- 
cerdoti unam missam in die celebrare' etc. 

Cod. Cheltenh. 953 5 membr. s. XIII. Cartular des 
Klosters Faremoutiers südöstl. von Meaux, darin folgende 
Papstprivilegien : 

Lucius IL J. 8636. Eugen IIL J. 8836. Der Anfang, 
der bei J. fehlt, lautet: 'Desiderium, quod ad religionis'. 
Innocenz IL J. 8050. Dann : 

p. 12. Hadrian IV. — Eme abbatisse Faremonasterii eius- 
que sororibus. 'Religiosam vitam eligentibus' etc. Nimmt 
nach dem Vorgange Eugens III. das Kloster in Schutz 
und bestätigt seine Güter und die ihm von König Ludwig 
von Frankreich ertheilten Freiheiten und Immunitäten, 
alles vorbehaltlich der von Innocenz IL (J. 8050) bestätigten 
Einung. Mit Unterschriften des Papstes und der Cardinäle. 
Datum Eome apud sanctum Petrum per manum Rolandi 
sancte Romane ^ ecclesie presbjteri cardinalis et cancella- 
rii III. nonas lanuarii, indictione IIL, incarnationis domi- 
nice anno MCLIIIL, pontificatus vero domni Adriani pape 
IUI. anno primo. Also am 3. Jan. 1155. Damals wird man 
in Rom von dem am 23. Nov. 1154 erfolgten Tode der 
Aebtissin Emma (Gallia Christ. VIII, 1704) noch nichts ge- 
wusst haben. 

p. 19. Alexander IIL — Luciane- abbatisse Farensis 
monasterii eiusque sororibus. 'Desiderium, quod ad religi- 
onis' etc. Grösstentheils wörtlich wie das vorige Privileg, 
mit Unterschrift von Papst und Cardinälen. Datum Pari- 
siis per manum Hermanni sancte Romane ^ ecclesie sub- 



1) 'Rome' Hs. 2) Dec. 1154—1189. 

26* 



402 Karl Hampe. 

diaconi et notarii II. idus Martii, indictione decima (!), 
incarnationis dominice anno MCLXII. , pontificatus vero 
domni Alexandri pape III. anno IUI. (14. März 1163). 

p. 26. Innocenz III. — Margarete abbatisse Farensis 
monasterii eiusque sororibus. 'Prndentibus virg-inibus, que' 
etc. Fast wörtliche Wiederholung des vorigen Privilegs, 
mit Unterschriften. Datum Laterani per manum lohannis 
sancte Marie in Cosmedyn diaconi cardinpJis sancte Romane 
ecclesie cancellarii VIII. idus Decembris, indictione XIIII,, 
incarnationis dominice anno MCCX, pontificatus vero domni 
Innocencii pape III. anno XIII. 

p. 45. Alexander III. — L[uciane] abbatisse et soro- 
ribus Farensis monasterii. 'Ea, que comj)ositione' etc. 
'Inde est, quod nos composicionem, que inter vos et vene- 
rabilem fratrem nostrum S[tephanum] Meldensem episcopum 
super advocacione ecclesie vestre et ville cum omnibus ad 
eandem advocacionem pertinentibus, quam de integritate 
regalie Meldensis episcopus ad suum contendebat ins per- 
tinere, mediante karissimo in Christo filio nostro L[udovico] 
illustri Francorum rege — facta est, — confirmamus. Da- 
tum Tusculani VII. idus Madii. Also am 9. Mai 1171, 
denn nach dem Aufenthaltsorte des Papstes kann nur dies 
Jahr in Betracht kommen ; ein späteres ist ausgeschlossen, 
da Stephan von Meaux nach dem Tode des Erzbischof s 
Peter von Bourges (f 1. Mai 1171) dorthin versetzt wurde, 
zur Zeit des Briefes aber offenbar noch Bischof von Meaux 
ist (vgl. Gallia christ. II, 54 und VIII, 1616). 

p. 95. Eugen III. — ßisendi Farensi abbatisse etc. 
'Fallax et invidus antiquus' etc. Bestätigt einen zur Bei- 
legung des Streites über Besitzansprüche mit der priorissa 
de Fontanis (Fontenaj) eingegangenen Vergleich. Datum 
apud üamariacum Idibus Octobris. Das Privileg ist zweifel- 
los im Jahre 1147 ausgestellt, als Eugen III. sich von 
Auxerre (12. Oct.) über S. Florentin (13. Oct.) nach Chälons 
s. M. (nachweisbar am 24. Oct.) begab. Einen Ort, der jetzt 
etwa 'Ramery' oder ähnlich heissen müsste, habe ich ver- 
geblich gesucht. Der Name ist sicher entstellt aus 'E.a- 
merrucum' oder 'Ramerucum'. Diese beiden Namensformen 
sind für das jetzige Ramerupt ( a. d. Aube, fast genau in 
der Luftlinie Auxerre, S. Florentin, Chälons) zu den Jahren 
1220 und 1089 neben anderen Formen belegt (vgl. Diction- 
naire topographique du dej)artement de TAube par Th. 
Boutiot et E. Socard, Paris 1874). Die Entfernung von 
S. Florentin dorthin war in zwei Tagen wohl zurückzulegen. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 403 

p. 97. Innocenz IV. [luliane]^ abbatisse ac conventui 
Faremonasterii etc. 'Devocionis vestre precibus' etc. Er- 
mächtigt das Kloster, mit Ausnahme von Lehen solche 
Güter in Besitz zu nehmen, welche den dem Kloster an- 
o-ehörigen Schwestern, wenn sie in der Weltlichkeit ge- 
blieben wären, durch Erbfolge oder andere Rechtstitel 
zugefallen sein würden. Datum Lugduni III. kal. Maii, 
pontificatus nostri anno VII. (29. April 1250). 

p. 98. Innocenz IV. denselben. 'Vestre meritis devo- 
cionis' etc. Gewährt ihnen, 'ut ad recepcionem vel pro- 
visionem alicuius impensionibus seu beneficiis ecclesiasticis 
per litteras apostolicas cogi de cetero non possitis'. Datum 
Lugduni IUI. kal. Maii, pontificatus nostri anno VII. 
(28. April 1250). 

lieber sonstige Urkunden in der Hs. vergl. unten 
bei den Hss.- Beschreibungen. 

Cod. Mus. Brit. add. 16953 chart. s. XVI. Ab- 
schriften von Papstbullen für das Kloster S. Maria de 
Parco (Parc bei Löwen, Diöc. Lüttich), und zwar: Inno- 
cenz IL J. 8255. Eugen III. J. 8715. Eugen III. — Philippo 
abbati- de Fosshem etc. 'Apostolicae moderaminis clemen- 
tiae' etc. Parisiis VII. (so!) nonas Maii, ind. X., 1147, 
j)ont. a. IIL Gemeint ist wohl der 2. Mai 1147. 

Victor IV. — Philippo abbati. 'Desiderium, quod 
ad religionis' etc. Datum Cremone per manum lohannis 
sancte Romane ecclesie presbyteri cardinalis et cancellarii 
VIII. kal. Augusti, ind. X., 1161(1), pont. a. IIL (25. Juli 
1162). Diese Bulle, schon als eine der nicht sehr zahl- 
reichen Urkunden des Gegenpapstes Octavianus (1159 — 
64) bemerkenswerth, beweist für dessen Itinerar, dass er 
von Bologna (13. Juli) über Parma (17. Juli) erst wieder 
nach Cremona zurückgekehrt ist, ehe er zum Concil nach 
Burgund aufbrach. 

Dann: Alexander III. J. 13469. 

Honorius III. Viterbii nonis Martii, pont. a. IUI. 
(7. März 1220) und Reate IUI. kal. Octobris, pont. a. IUI. 
(28. Sept. 1219). 

Clemens IV. Perusii VIII. kal. lulii, pont. a. L (24. 
Juni 1265). 

Innocenz IV. Lugduni kalendis Martii, ind. IUI., 1246, 
pont. a. IIL (1. März 1246). 



1) Fehlt in der Hs. Juliana war 1250 Aebtissin. 2) Abt von 

Parc 1142—1166. 



404 Karl Hampe. 

Gregor X. Laterani X. kal. lun. (23. Mai 1272).. 

Bonifaz VIII. Laterani VIII. kal. Aprilis, pont. a. V.^ 
(25. März 1299). 

Gregor IX. Anagni II. non. Febr., pont. a. VI. (4. Febr, 
1222). 

Innocenz IV. Lug'duni II. Idns Aprilis, pont. a. IUI. 

Gregor X. apud Urbemveterem V. kal. Maii, pont. a. II. ;. 
zwei Privilegien, beide vom 27. April 1273. 

Gregor IX. 'abbati S. Laurentii, decano et cantori 
S. Laniberti Leodiensis'. Interamnae XI. kal. Novembris. 
pont. a. Villi. (22. Oct. 1235). 

Clemens IV. 'cantori eeclesie Antverpiensis Cameracensis 
diocesis'. Viterbii XIIII. kal. Inlii, pont. a. II. (18. Jnni 1266), 

Innocenz IV. 'priori S. Vincentii Landnnensis'. Apnd 
Civitatem Castellanam X. kal. Inl., pont. a. I. 

Es folgen noch zahlreiche Papstbnllen des 14. und 
15. Jh., darnnter eine von Calixt III. von 1456 im Original. 

Cod. Cantabrig. Bibl. Univ. Dd. IX, 38 membr. 
s. XIV. enthält f. 77 einige Papstbullen für das Kloster 
Reading (westl. von London): 

Nicolaus IV. gewährt dem Abt und seinen Nachfolgern 
'usuni mitre et anuli, cirotecarum, dalmatice, tunice et 
sandaliorum — ad instar felicis recordacionis Clementis 
pape tercii'. 'Decor apostolici culminis'. Dat. Reate VI. 
kal. Sept., pont. nostri a. primo (26. Aug. 1288). 

Alexander IV. erlaubt den Mönchen, da die Winter- 
kälte dort so gross ist, dass sie nicht ohne Schaden für 
ihre Gesundheit den Gottesdienst entblössten Hauptes ver- 
richten können, den Gebrauch von Filzmützen. 'Virtutum 
merita, quibus'. Dat. Viterbii VI. Id. Nov., pont. n. a. III. 
(8. Nov. 1257). 

Alexander III. — Joseph abbati monasterii sancte 
Marie Radingensis eiusque fratribus. 'Ideo sumus licet 
immeriti'. Nimmt 'predecessorum nostrorum sancte recor- 
dationis patris et predecessoris nostri Eugenii et bone me- 
morie Adriani Romanorum pontificum vestigiis inherentes' 
das Kloster in Schutz und bestätigt seine Besitzungen und 
Rechte. Dat. Ferentini p. m. Graciani S. R. e. subdiaconi 
et notarii X. kal. lul., ind. VIIL, ine. dom. a. MCLXXV, 
pont. vero domini Alexandri pape tercii a. XVI. (22. Juli 1 1751. 

Honorius IL — Hugoni abbati Radvngensis monasterii 
sancte Marie et sancti lohannis evangeliste. 'Ad hoc uni- 
versalis eeclesie cura'. — Bestätigt dem Kloster, 'quod 
videlicet a karissimo filio nostro He)irico glorioso Anglorum 
rege pro salute anime sue et Guillelmi regis patris sui. 



Reise nach England vom Juli 1895 bis Februar 1896. 405 

Guillelmi regis fratris sui, Guillelmi filii siii, Matildis regine 
matris siie, Matildis regine nxoris sue et antecessornm et 
siiccessornm eonstructnm est', seine Besitzungen nnd Rechte. 
Dat. Laterani p. m. Aimerici S. R. e. diac. card. et can- 
cellarii id. Aprilis, ind. III., a. dorn. ine. MCXXV. ponti- 
ficatusque domini Honorii secundi pape a. primo. (13. 
April 1125). 

Alexander IV. schützt, dem Beispiel seines Vorgängers 
I[nnocenz IV.] folgend, das Kloster vor übermässigen Pro- 
curationen. 'Ne in exhibendis' etc. Datum Laterani V. 
kal. Marcii, pont. n. a. III. (25. Febr. 1257). 

Cod. Cotton. Vespas. A. XVI. membr. s. XIII. 
f. 19 fE. Bullen, den Cistercienserorden betreffend, nämlich: 
Honorius III. — universis abbatibus Cisterciensis ordinis 
in generali capitulo congregatis. 'Et si ambulans'. Theilt 
den Tod Innocenz' III. und seine eigne Wahl (vrie in Pottli. 
5317) mit und fordert auf, ihm in seinem schweren Amte 
zu helfen. Dat. Perusii VII. kal. Aug., pont. n. a. I. (26. 
Juli 1216). 

Gregor IX. — abbatibus in capitulo generali con- 
gregatis. 'Ille architectus'. Lobt die bisherige Thätigkeit 
des Ordens, fordert auf, ihn in seinem Amte zu unter- 
stützen und verspricht fernere Begünstigung. Dat. Anagnie 
III. id. — , pont. n. a. I. Der Monat ist ausgelassen; 
Gregor IX. war vom Juni bis Oct. 1227 in Anagni. 

Gregor IX. J. 8090. 

Dann von anderer Hd.: Gregor IX. 0[ttoni] S. Ni- 
cholai in carc. TuU. diac. card. etc. 'Licet tibi, si bene 
meminimus, nuper direxerimus scripta nostra, ut liceat 
tibi a monasteriis ordinis Cysterciensis procurationes exigere 
moderatas, — mandamus, quatinus contentus cibis regula- 
ribus absque esu carnium — procurationes pecuniarias 
occasione litterarum huiusmodi non paciaris exigi'. Dat. 
anno gratie MCCXVIII (so!). 

'I[acobus] Prenestinus^ episcopus, Thomas tit. S. Sabine 
presb. et Ranerius tit. S. Marie in Cosmedin diac. card. 
dilectis in Christo de Firmitate et de Morimundo abbati- 
bus Cysterciensis ordinis salutem. Accedentibus ad sedem 
apostolicam fratribus R. subpriore et R. monacho Cjster- 
ciensi super facto detentionis facte ab abbate Cysterciensi 
de abbate monasterii de Maceria-, nos auditores et provi- 
sores dominus papa concessit'. Die Sache wird dem General- 



1) 'Predestinus' Hs. 2) Mazieres, Diöc. Chälons. 



406 Karl Hampe. 

kapitel des" Ordens zur Entsclaeidung überlassen. Dat. 
Laterani, idus (so!) Marcii, pont. nostri (!) a. XII. (15. März 
1239). 

Cod. Mus. Brit. add. cliart. 376 33 Originalbrief 
Alexanders IV. vom 30. Mai 1260 mit häng-endem Blei- 
siegel. Er lautet: 

Alexander episcopus servus servorum Dei dilectis filiis 
. . potestati cousilio et communi Veronensibus salutem et 
apostolicam benedictionem. 

Cum, sicut dilecti filii . . magister et fratres domus 
leprosorum sancti lacobi de Tumba extra portas civitatis 
Veronensis nobis exponere curaverunt, quondam Ezelinus 
de Romano, ecclesie persecutor, domos ipsorum destruxerit 
et bona ibidem iuventa fecerit exinde violenter